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Topo Athletic

Natural Running mit TOPO Athletic

Das Thema Sprengung ist seit Jahren ein viel und kontrovers diskutiertes Thema in der Läufercommunity – ein heißes Eisen, wenn man so will. Nicht nur Läufer, sondern auch Hersteller vertreten dabei unterschiedliche Ansätze. Neu am Markt sind die Schuhe von TOPO Athletic.

Da der Laufstil und die gesamte Biomechanik eines jeden Läufers eine höchst individuelle Angelegenheit ist, sollten Läufer ausprobieren und testen, bevor sie sich für ein Modell entscheiden. Die noch junge Laufschuhmarke TOPO Athletic aus den USA setzt auf die Natural Running-Philosophie. Die Hauptaugenmerke der Marke liegen deshalb auf einer niedrigen Sprengung (0-5 mm), einer breiten Zehenbox und einem sehr geringen Gesamtgewicht. Topo-Schuhe vereinen damit die Prinzipien des Natural Runnings mit Komfort und Performance. “Der Schuh stellt die Verbindung zwischen dem Untergrund und unserem Fuß da. Barfuß – also natürlich – gibt es keine Sprengung in unseren Füßen. Also ist null Sprengung das Natürliche und anzustrebende, auch für TOPO Schuhe“, erklärt Ingo Kruck, Marketing-Chef beim ACS-Vertrieb GmbH, dem deutschen TOPO-Distributor. Gleichzeitig sei ihm aber auch bewusst, dass nicht jeder Läufer sofort auf einen „Null Sprengung Schuh“ umstellen könne. Der Körper ist ein Gewöhnungstier und mag keine allzu kurzfristigen Veränderung. Kruck ergänzt dazu: “Anpassungsvorgänge brauchen ihre Zeit. Daher bietet TOPO 5, 3 und 0 mm Sprengung Schuhe an.“

Die Marke TOPO Athletic geht auf Tony Post zurück, der vor wenigen Jahren und mit dem Wunsch nach dem perfekten Laufschuh sein Konzept in die Tat umsetzte und die Marke gründete. Er selbst hat als Läufer zahlreiche Verletzungen erlitten, weshalb es ihm ein persönliches Bedürfnis war Laufschuhe zu entwickeln, die den natürlichen Bewegungsablauf des Körpers fördern. Ideal für den Übergang vom klassischen Laufschuh mit viel Überhöhung ist der mit 5 mm Sprengung, auch „Drop“ genannt, ausgestattete Ultrafly (siehe Abbildung). Der gut gedämpfte und komfortable Allrounder bildet ein ideales Adaptionsmodel in Richtung Null-Sprengung.

Text: Christian Bruneß

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Ein Klassiker unter den Laufschuhen

Der neue 1080 v8 von New Balance

Dieser Schuh ist und bleibt ein Dauerbrenner. Kaum ein Schuh ist so beliebt in der Laufszene wie der „1080“. Regelmäßig wird der schnellen Dämpfungsschuh von New Balance neu aufgelegt. Dabei gibt es jeweils mit einem frischen Technologie-Update. Erfahrung und Know-How hat der amerikanische Hersteller genug: New Balance wurde bereits 1906 in Boston, Massachusetts gegründet und ist die derzeit viertgrößte Sportmarke der Welt.

Seit über 100 Jahren steht das Logo „NB“ für Innovation und Qualität. Der 1080 v8 setzt dieses Erbe erfolgreich fort: In diesem Jahr wurde der Komfort mittels eines neuen Obermaterials nochmals verbessert. Durch eine mit Lasercuts veränderte Zwischensohle wurde das runde Laufgegefühl erhöht. Das spezielle nahtlose Mesh-Obermaterial sorgt für eine anpassungsfähigere Fußumhüllung und bietet gleichzeitig ein hohes Maß an Atmungsaktivität und Flexibilität. Die optimierte Außensohle sorgt für eine verstärkte Traktion und mehr Stabilität. Die angenehme Dämpfung des Schuhs schützt den Läufer vor Verletzungen und macht das Lauferlebnis vor allem eins: komfortabel. Mit einer 7-8 mm hohen Sprengung liegt New Balance im Mittel und ist für beinahe jeden Laufstil geeignet.

Mit der bewährten Fresh Foam-Zwischensohle ist der 1080 v8 ein Allrounder für Neutralläufer, der sowohl als regelmäßiger Trainingsschuh im Alltag, als auch auf einer 10 km, Halbmarathon- oder Marathonstrecke eine gute Figur abgibt.

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Richtig abgebogen

Wenn man bei Läufern zwischen Straße und Trail unterscheidet, dann ergibt sich die logische Schlussfolgerung, dass alles was sich nicht auf der Straße abspielt, Trailrunning sein muss. Ganz so einfach ist es dann doch nicht, wie uns Blogger Steve Auch erklärt.

Während eine Straße immer den gleichenUntergrund aufweist und sich lediglich in der Steigung unterscheidet, ist das beim Trailrunning ein bisschen vielfältiger. Hier gibt es steile, flache, breite, schmale, technische, alpine, weiche, harte Trails in allen Variationen und Schwierigkeitsgraden. Seine erste Trailrunning-Erfahrung kann man also schon sammeln, wenn man einfach mal auf der gewohnten Laufrunde nach links in den Wald abbiegt und die Herausforderung auf dem wechselnden Untergrund sucht. Für die ersten Laufschritte auf dem Trail benötigt man also nicht unbedingt neue und zusätzliche Ausrüstung, denn um einfach mal für etwas Abwechslung zu sorgen, muss man einfach nur abbiegen. Ist man einmal mit dem Trailrunning-Virus infiziert, dann wird es aber nicht einfach bei „nur“ einer kleinen Runde im heimischen Stadtwald bleiben, denn irgendwann zieht es jeden raus auf die wilden Trails, die sich schmal und schnell durch die Wälder ziehen oder die steil und luftig auf die Berggipfel führen.

Niemand wird als Ultraläufer geboren oder rennt vom ersten Tag an auf messerscharfen Gipfelgraten der Sonne entgegen. Während man Bergauflaufen noch gut in Treppenhäusern oder auf Steppern trainieren kann, lernt man Bergablaufen nur durch Bergablaufen; und das braucht Zeit. Körper und Kopf müssen trainiert werden, denn auch wenn es im Grunde „nur“ Laufen ist, gehört das nötige Training schon dazu. Mit der Begeisterung für das Trailrunning, wachsen auch die Umfänge und letztlich auch das Schuhregal und der Kleiderschrank. Das Wichtigste sind natürlich die Schuhe und hier bietet der Markt eine schier unendliche Auswahl. Im Prinzip kann man mittlerweile für jedes Terrain, abgestimmt auf Wetter und Streckenlänge, einen passenden Schuh kaufen. Für den Anfang ist man mit einem klassischen Allrounder am besten bedient. Werden die Läufe länger, bieten sich gedämpftere Modelle an. Wer oft in den Bergen unterwegs ist, legt großen Wert auf den nötigen Grip der Sohle und die Stabilität des Schuhs im Allgemeinen. Wer viel auf weichem Untergrund unterwegs ist und am liebsten auch noch bei Regen, der benötigt ein entsprechend tiefes und stabiles Profil, das sich ordentlich in den Boden eingräbt.

Die richtige Ausrüstung

Je länger die Läufe werden, desto mehr muss man auf alle Eventualitäten eingestellt sein. Somit führt irgendwann kein Weg an einem Laufrucksack vorbei, um das nötige Equipment auch bequem transportieren zu können. Bei mir ist das Handy bei jedem Lauf dabei, denn Fotos kann man nie genug machen und natürlich ist es sinnvoll, wenn man abseits der frequentierten Wege unterwegs ist, für den Fall der Fälle erreichbar zu sein bzw. jemanden zu erreichen. Je nach Wetterlage kommen noch Wechselklamotten, eine Wind- oder Regenjacke, Mütze und Handschuhe mit rein. Essen und Trinken dürfen natürlich genauso wenig fehlen wie ein kleines Erste Hilfe Set. Wenn man sich in der Gegend nicht auskennt, dann ist eine Karte absolut sinnvoll. Essen und Trinken packt man lieber auch etwas mehr ein, denn man weiß nie, ob die ausgesuchten Berghütten schon geöffnet haben oder ob die Buslinie wirklich noch existiert. Der Notgroschen für das Taxi oder die rettende Cola an der Tankstelle darf auch nicht fehlen. Für die ersten langen Läufe bzw. Läufe in unbekannten Gegenden sollte das Motto in Bezug auf die Ausrüstung immer lauten: Lieber haben, statt brauchen!

Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür, welche Ausrüstung man auf welchen Lauf mitnehmen sollte. Nach nunmehr über sechs Jahren „Trailrunning-Erfahrung“ weiß ich ziemlich genau, was mich auf meinen Läufen erwartet. Ich kann das Wetter sehr gut einschätzen und weiß, auf welchen Wetterbericht ich mich verlassen kann und wie ich die verschiedenen Vorher sagen einschätzen muss. Auch kenne ich meine Gegend so gut, dass ich weiß, wo ich viel Wasser auf einen Lauf mitnehmen muss und wo ich eventuell auch für drei Stunden nichts mitnehmen muss, weil die Bäche genügend Wasser führen. Trailrunning ist keine Raketenwissenschaft und auch keine Materialschlacht. Im Grunde hat jeder das Zeug und die Ausrüstung um schon morgen ein kleines Abenteuer auf den Trails zu starten. Einfach mal abbiegen!

Text: Steve Auch

PRO und CONTRA Thema: Läufer meets Hund: Die These: Läufer, Hunde und ihre Halter haben klare Verständigungsprobleme!

Ich wohne außerhalb der Großstadt, direkt an einem großen Waldgebiet. Ich habe also auf meiner Trainingsrunde häufig mit Hunden zu tun und dort die verschiedensten Situationen erlebt. Zunächst einmal: Der größte Teil der Vierbeiner stellte sich für mich nicht als „Laufhindernis“ dar. Den­noch ist es für jemanden wie mich, der keinen Hund besitzt, jedes Mal eine Situation, in der man nicht weiß, wie sie ausgeht. Auf diversen Läufen wurde ich von Hunden angesprungen oder abge­leckt. Ein wenig mehr Verständnis der Hundebesitzer fände ich in solchen Momenten angemessen! (Ralf Kerkeling)

Erst bei den Recherchen zu meinem Artikel über Läufer und Hunde habe ich festgestellt, welche Emotionen das Thema bei vielen Läufern freisetzt. Ich bin Gott sei Dank noch nie von einem Hund angesprungen oder gar gebissen worden, glaube aber auch, dass ich persönlich meinen Teil dazu beigetragen habe: Tempo ver­langsamen, Augenkontakt mit dem Hundehalter suchen, ihn, wenn nötig, auch ansprechen. Sicher war auch Glück dabei, dass ich noch keine schlechten Erfahrungen gemacht habe. Aufmerksamkeit und klare Kommunikation schaden aber ganz sicher nicht. Ebenso fest steht: Verständnis ist keine Einbahnstraße, liebe Hundehalter (Daniel Becker)

 

Entnommen aus aktiv Laufen 2/16

PRO und CONTRA Thema Marathon-Norm: Sollen die Läufer, die die Norm knapp verpasst haben, trotzdem bei Olympia starten dürfen?

Mit Philipp Pflieger und Lisa Hahner haben zwei hoffnungsvolle deutsche Marathon-Läufer die von DOSB und DLV vorgegebene Norm knapp verpasst. So knapp, dass viele Fans denken: Einen Start in Rio hätten sie verdient. Sollten die Verbände endgültig so strikt an der eigenen Norm festhalten, wäre das ein großer Fehler. Marathon-Läufer haben höchstens zwei Chancen in einer olympischen Saison, die Norm zu unterbieten. Sollten die wenigen Sekunden, die diesen Läufern fehlen, einen Start in Rio tatsächlich verhindern, wäre das keine Entscheidung im Sinne des Sports. Daher: Mehr Flexibilität, bitte! (Ralf Kerkeling)

Natürlich würde ich gerne so viele Marathon-Läufer wie möglich in Rio sehen und denke, dass ein Start den jungen Athleten einen ordentlichen Schub geben würde. Dennoch kann ich nachvollziehen, warum DLV und DOSB nur Athleten nach Rio fliegen lassen wollen, die die Norm erfüllt haben. Denn: Sollten die Regeln beim Marathon aufgeweicht werden, würden mit Sicherheit im Laufe der olympischen Saison in anderen Disziplinen ähnliche Probleme und Diskussionen auftauchen. Die Frage, wo dann genau die Grenze zu ziehen ist, kann niemals für alle zufriedenstellend beantwortet werden. Ich bleibe dabei: Normen sind da, um unterboten zu werden. (Daniel Becker)

 

Entnommen aus aktiv Laufen 1/16

Austria, Klagenfurt, man running on treadmill

Was ist eigentlich … ein Laktattest?

Wir laufen – schnell, schneller, höher, weiter. Sind Sie bereit, alles zu geben? Doch wie viel ist alles? Ist mein Training (noch) gesund, bin ich gesund? aktivLaufen hat sich allen Fragen gestellt und einem Selbsttest unterzogen.

Dienstagmorgen, 7.30 Uhr im Zentrum für Prävention und Sportmedizin der Technischen Universität München: Die Suche nach den Antworten auf alle Fragen zu meiner Leistungsgrenze beginnt.

1. SPORTMEDIZINISCHE UNTERSUCHUNG

DER ABLAUF

Während die nette Dame am Empfang meine Krankenversicherungskarte einliest, schaue ich mich um. Im Wartezimmer sitzt ein bunt gemischtes Publikum aus Jung und Alt. Einige von ihnen sind athletisch gebaut, andere eher korpulent – alle tragen Sportkleidung. Nachdem ich diverse Unterschriften zur Datenerfassung geleistet habe, gehe auch ich in den Umkleideraum, wechsele mein Alltagsoutfit gegen Laufklamotten und begebe mich – nicht ganz ohne Nervosität – zur ersten sportmedizinischen Untersuchung meines Lebens. Hier wird mir zunächst Blut abgenommen, drei kleine Ampullen. Da beim großen Blutbild unter anderem der Blutzuckerspiegel bestimmt wird, muss man zu diesem Zeitpunkt noch nüchtern sein. Bevor es als Nächstes zum Messen, Wiegen und Ruhe-EKG geht, habe ich Zeit zum Frühstücken. Als Drittes wird mein Lungenvolumen gemessen. Dazu sitze ich in einem Glaskasten und puste mit einer Klammer auf der Nase in ein Mundstück. Beim ersten Mal geht das noch ganz leicht, beim zweiten und dritten Durchgang sind jeweils Widerstände geschaltet. Ein Zimmer weiter wird der Herzultraschall durchgeführt. Meine Nervosität, die gerade nachgelassen hatte, setzt wieder ein. Denn was ist, wenn ich vielleicht doch nicht so gesund bin, wie ich immer denke? Nach circa zehn Minuten ausgiebigen Screenings gibt der Arzt jedoch Entwarnung: „Ein Herz wie ein Jungbulle“ kommentiert er lachend. Beruhigt kann ich also zur Anamnese, einem Arztgespräch zur Abklärung von Trainingsparameter und Krank- heitshistorie. Ohne Beanstandung bin ich nun zur Laktat-Leistungsdiagnostik „freigegeben“.

2. LAKTAT-LEISTUNGSDIAGNOSTIK

DER ABLAUF

Die Laktat-Leistungsdiagnostik wird auf dem Laufbandergometer durchgeführt. Hierbei werden anhand eines standardisierten Stufenprotokolls Stoffwechselreaktionen bei verschiedenen Belastungsintensitäten analysiert. Dies erfolgt mittels mehrerer Blutabnahmen (aus dem Ohrläppchen) sowie über Herzfrequenzmessungen. Zunächst wird die Laktatkonzentration im Ruhezustand bestimmt. Danach beginnt die Belastung bei geringer Laufgeschwindigkeit. Das Einstiegstempo wurde vom Anamnesearzt festgelegt. Bei mir ist es 6 km/h. Nach drei Minuten stoppt das Laufband, und mir wird wieder ein Tropfen Blut aus dem Ohrläppchen entnommen. Genau 30 Sekunden hat der Sportwissenschaftler des Instituts dafür Zeit, bevor das Ergometer automatisch für die nächsten drei Minuten anfährt, immer 2 km/h schneller als zuvor. Nach jeder Belastungseinheit erfolgt die Laktatbestimmung, und ich muss den Schwierigkeitsgrad der vorangegangenen Belastung für mich persönlich anhand der sogenannten Borg-Skala bestimmen. Ab 14 km/h (4:17 Pace) finde ich es anstrengend, nach den vollendeten drei Minuten im 16-km/h-Tempo (3:45 Pace) breche ich den Test ab. Die Vorstellung, weitere drei Minuten im 3:20-Schnitt zu laufen, ist zu qualvoll. Im Anschluss an den Test werden mir noch drei weitere Mal Blut aus dem Ohr entnommen sowie der Blutdruck gemessen.

DAS ERGEBNIS

Ein erstes Ergebnis bekommt man bereits nach circa 25 Minuten. So lang dauert es, bis die Laktatkurve erstellt ist. Besprochen wird diese dann mit dem Arzt. Die Laktat- und Herzfrequenzkurve veranschaulicht die kör- perlichen Reaktionen auf die verschiedenen Belastungsstufen. Das bunte Kurvenbild, das vor mir liegt, gibt tatsächlich eine detaillierte Auskunft über meinen aktuellen Trainingszustand. Die hochgerechnete Halbmarathonzeit auf dem Zettel weicht nur um vier Sekunden von meiner Leistung von vergangener Woche ab. Ich bin beeindruckt. Außerdem bekomme ich auf den Pace genaue Empfehlungen für das Trainingstempo. Ab wann ist ein Dauerlauf regenerativ, und wie schnell muss ich im Training tatsächlich laufen, um einen entsprechenden Reiz zu setzen? Neben den Belastungsempfehlungen spricht Universitätsprofessor Dr. med. Halle, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Sportmedizin, auch ein Lob aus. Mein Ausdauervermögen ist vorbildlich und anhand meiner Laktatwerte bin ich im 99. Perzentil der gesamten weiblichen Altersgruppe einzuordnen. Außerdem bin ich auf den ersten Blick kerngesund. Diese Information gibt nicht nur unglaublich viel Selbstvertrauen, sondern auch einen gehörigen Motivationsschub für mein angehendes Marathontraining. Denn dieses wird, dank Leistungsdiagnostik, nun noch effizienter und richtig strukturiert. Die genaue Auswertung der Blutanalyse erfolgt nach einigen Tagen schriftlich. Hierbei wird das Ergebnis der Laktatmessung ins Verhältnis zum Blutbild gesetzt. Eventuelle Ermüdung, Mangelerscheinunungen oder angehende Infekte werden in den mitgesandten Trainingsempfehlungen berücksichtigt.

SINNVOLL FÜR JEDEN LÄUFER

Darum ist eine Sportmedizinische Untersuchung für jeden Läufer sinnvoll: Natürlich möchte man den sprichwörtlichen Teufel nicht an die Wand malen. Ein jeder von uns geht davon aus, gesund zu sein. Dennoch: Wer (viel) läuft, belastet sein Herz-Kreislauf-System überdurchschnittlich – und das ist gut. Ein regelmäßiges körperliches Training beugt Volkskrankheiten nachweislich vor. Jedoch nur, wenn keine Funktionsstörungen, Erkrankungen oder gar bereits Überlastungs- schäden vorhanden sind. Eine sportmedizinische Untersuchung ist übrigens nicht erst als angehender (Halb-)Marathoni zu empfehlen, sondern auch für alle kürzeren Distanzen. Denn das sind in der Regel die, bei denen man im sehr hochpulsigen Bereich läuft.

LEISTUNGSDIAGNOSTIK – NICHT NUR FÜR „FITTE“

Vielleicht fragen sich jetzt einige von Ihnen, ob eine Leistungsdiagnostik für einen Hobbyläufer wirklich sinnvoll ist. Ich denke ja! Denn eine Leistungsdiagnostik zeigt, wie knapp vorhandene Trainingszeit optimal genutzt werden kann. Ein weitverbreiteter Irrglaube vieler Hobbyläufer ist, es sei effizient, in möglichst wenig Zeit möglichst weit zu laufen. Dem ist nicht so. Eine Leistungsdiagnostik zeigt in diesem Falle auf, wenn zu häufig im hochpulsigen Bereich trainiert wird und gibt entsprechende Verbesserungsvorschläge, nicht nur zur Trainingssteuerung, sondern auch zur Erhaltung der Gesundheit. Des Weiteren hilft eine Leistungsdiagnostik durch die objektiven Vorgaben (Ist-Werte), die subjektive Einschätzung von Belastungen zu verbessern. Ich, als von Natur aus bequemer Mensch, muss mir eingestehen, dass es einen großen Unterschied zwischen „sich schnell fühlen“ und „schnell laufen“ gibt. Meine Komfortzone ist durchaus größer als angenommen, und Kurzatmigkeit nach dem Training ist nicht immer schlecht. Außerdem bin ich weder zu dürr (wie meine Kollegen immer sagen) noch zu dick (wie ich mich nach dem Durchscrollen meines Instagram-Feeds fühle). Das habe ich jetzt schwarz auf weiß, und es fühlt sich so richtig gut an!

Text: Sandra Mastropietro

PRO und CONTRA Die Frage: Musik hören und Laufen: Passt das zusammen?

Ich laufe mit Musik. Allerdings nicht überall und auch nicht unbedingt. Im Wald kann ich es mir ganz ehrlich nicht vorstellen. Es gibt jedoch Momente, in denen laufe ich unglaublich gerne mit Musik: in der Stadt und während eines Wett­kampfes, vor allem dann, wenn es anfängt zu schmerzen. In der Stadt nutze ich den Soundtrack auf den Ohren, um den Autolärm und das Gehupe auszublenden. Das gelingt meistens. Und ich muss schon zugeben: Hat die Musik den richtigen Beat, pusht es mich nach vorne. Im Wettkampf lässt mich die richtige Musik die Anstrengung vergessen. Musik als Motivator – Daumen hoch! (Ralf Kerkeling)

Ich liebe Musik. Gerne auch über Kopfhörer. In der Bahn, um stören­de Nebengeräu­sche auszublen­den, oder auf der Couch, um mich zu entspannen. Bei mir beginnt jeder neue Morgen mit Musik. Total genießen kann ich sie beim gemütlichen und ausgedehnten Frühstück am Sonntagmorgen. Und manchmal hilft sie mir sogar beim Schreiben. Ins Auto gehört gute Musik für mich ebenso wie das Gaspedal, die Bremse und das Lenkrad. Nur bei einer einzigen Gelegenheit kann ich dem Musik­hören überhaupt nichts abgewin­nen: beim Laufen. Da gibt es nur die Natur, meine Laufschuhe und mich. Mehr brauche ich nicht, und mehr will ich nicht haben. (Daniel Becker)

 

Entnommen aus aktiv Laufen 3/16

PRO und CONTRA Die Frage: Wie steht die Redaktion zu einem Lauf in der Mittagspause?

Morgens durch den Wald zu laufen ist ein echter Bringer. Kaum eine Laufeinheit bringt mir so viel für den Tag. Das Problem: Je nach Alltagssituation – Kinder in die Schule bringen, abends lange arbeiten und dann spät ins Bett – ist dies in meinem Fall nicht regelmäßig umzusetzen. Im Zuge der Vorbereitung auf den StrongmanRun kam dann der Gedanke des Mittagslaufes auf. Genau das Richtige für meinen Tagesablauf. Neben den elegant eingebauten Laufeinheiten wurde auch die Büro-Umgebung neu entdeckt. Die Laufschuh-Kartons brauchen nun einen neuen Raum, die Dusche wird wieder ihrem eigentlichen Zweck zugeführt. (Ralf Kerkeling)

Also eins ist ja mal klar: Laufen ist natürlich immer gut. Morgens vor der Arbeit drehe ich meine Runden am liebsten. Schaffe ich das nicht, geht es halt erst am Abend los. Auch mittags gehört es zu den besten Alternativen überhaupt – allerdings nur in der Freizeit. Denn: Laufen bedeutet für mich vor allem, meinen Gedanken freien Lauf lassen zu können. Am besten klappt das bei mir in der Früh, bedeutet den bestmöglichen Start in den Tag. In der Mittagspause will sich das gedankliche Freiheitsgefühl aber einfach nicht einstellen. Ich hätte es gerne anders, doch mitten im Arbeitstag kann ich nicht genug abschalten, um mir das Lauf-Feeling zu holen, das ich so liebe. (Daniel Becker)

 

Entnommen aus aktiv Laufen 5/16

PRO und CONTRA PRO und CONTRA Die Frage: Laufen mit Kompressionssocken

Alleine schon der Einstieg: jedes Mal ein mittlere Katastrophe. Immer hängen die Socken an einem Teil des Fußes fest. Zunächst an den Zehen, später an der Ferse. Wenn man sich schließlich reingequält hat, ist das Gefühl der Enge um die Waden gewöhnungsbedürftig. Ich mag es gerne „freier“. Ich habe die langen Socken auf den verschiedensten Strecken getestet. Als Schutz gegen Kratzer auf dem Trail: ja. Auch für die Regeneration kommen diese Socken für mich in Frage. Einen wirklich unterstützenden, positiven Effekt kann ich jedoch nicht feststellen. (Daniel Becker)

Ich habe Kompressionssocken von Beginn des „Trends“ an gerne getragen. Ich fühle mich einfach wohler mit ihnen an den Beinen. Auf langen Strecken verschafft es meinen Beinen gefühlt mehr Halt und Entspannung. Das diese Empfindung durch medizinische Studien widerlegt wird und eigentlich nur im regenerativen Bereich wirken kann, ist mir dabei durchaus bewusst. Aber auch wurscht! Für den Trail sind die engen Dinger bei mir nicht wegzudenken, auch beim Hindernislauf bieten sie einen tollen Schutz. Mit der richtigen Technik lassen sie sich auch leicht überziehen. (grins) Ralf Kerkeling

 

Entnommen aus aktiv Laufen 4/16

Jooksja Guido Lange

2.000 Kilometer durch das Baltikum

Es dauerte einige Zeit, bis ich wusste, was ich wirklich machen wollte. Klar habe ich meinen Beruf, meine Familie und ein gutes Leben. Erst recht, seit ich vor knapp sieben Jahren mit dem regelmäßigen Laufen begonnen habe – dreimal die Woche durch den Wald, das ist wirklich schön. Nun aber einmal geradeaus laufen, immer weiter, keinen Rundkurs, nicht von A nach B, sondern einfach geradeaus. Das wollte ich – und das mache ich jetzt!

Aktuell bin ich mittendrin in meiner Tour. Jetzt, im Moment, laufe ich quer durch Estland. Warum? Ganz einfach: Ich habe die Zeit dazu. Genau werden es 1.952 Kilometer sein, daran anschließend folgen noch 42 Kilometer beim Helsinki City Marathon, meiner letzten Laufetappe des Abenteuers.

Bis ich mich an den täglichen Lauf von circa 25 Kilometern gewöhnt hatte, vergingen einige Wochen. Der Start in Stralsund am 1. Mai war bilderbuchmaßig. Die ersten Tage lief ich hoch motiviert drauflos, trotzte dem ungewohnten kalten Wind von der See, den wir natürlich im Rheinland nicht haben. Meine erste Nacht verbrachte ich im Zelt, aber schon die nächsten Nächte erst mal in preiswerten Unterkünften. Denn eines hatte ich nicht bedacht: einen gewissen Etappenlaufeffekt. Nach dem Laufen fing ich an zu frieren, fand nicht schnell genug ins Warme, die Batterien wurden immer leerer. Ich erkältete mich, bekam das dann aber durch kürzere Läufe und Pausentage wieder in den Griff.

KALORIENFRESSER

Ich verbrauche jeden Tag rund 4.000 Kilokalorien. Bei Übernachtungen draußen im Zelt eben noch mehr. Die Kalorien muss man erst mal einfahren und durch den Körper schleusen, und zwar möglichst nicht während des Laufens.

Auch der Laufumfang ist stark erhöht: Normalerweise laufe ich 50 Kilometer pro Woche, nun also 150. Das sind im Schnitt sechs Tage à 25 Kilometer. Einen Pausentag pro Woche gönne ich mir. Ich habe nicht extra dafür „trainiert“, mein Kalkül war: Wenn ich nebenher nichts anderes mache, zum Beispiel arbeiten, dann müsste es gehen. Das ging auch gut, solange ich mich genügend nach dem Lauf dehnte. Aber wer hat dazu schon Bock? Einmal, in Estland, bekam ich ernsthafte Wadenprobleme, die Sehnen hatten keine Lust mehr auf meine Schlamperei. Ich musste zwei Wandertage einlegen und dehne seitdem wieder fleißiger.

Die Distanz meiner Etappen variiert zwischen 15 und 40 Kilometern, einmal bin ich sogar 49 Kilometer gelaufen – wow, mein erster Ultra! Es ergab sich einfach so, und wenn man schon mal auf einer Landstraße läuft, dann rollt es auch!

Apropos rollen: Meine Habseligkeiten ziehe ich in einem Wagen hinter mir her, insgesamt ca. 30 Kilo inklusive drei bis vier Liter Wasser. Ich will nicht wandern, sondern laufen, und das geht mit dem Wagen gut, mit einem Rucksack ginge das nicht. Ich habe auch keine Lust, schwer bepackt und bei kühlem Wetter eingemummelt loszustapfen. Auch auf dem Fahrrad bei Wind und Wetter frieren will ich nicht. Solange ich laufe, reichen ein Shirt und eine Tight sowie Schuhe für jedes Wetter, das ist echt toll. Das ist auch Freiheit.

VIELE ABENTEUER IN EINEM

Das beinahe tägliche Laufen, die Reise, die Erkundung des unbekannten Baltikums, das Zusammentreffen mit den Menschen – es ist genau so, wie ich es mir erträumt habe. Das Baltikum ist eben eine unglaublich vielfältige, kulturell und landschaftlich tolle Gegend. Seit meinem Start bin ich lange Zeit Richtung Osten und Norden mit dem Frühling mitgereist. Die Fliederblüte zum Beispiel hat mich acht Wochen lang begleitet. Und: Immer da, wo ich bin, ist die Hochsaison für Erdbeeren!

Gut, dass ich vor 35 Jahren Russischunterricht hatte. Ich habe es gehasst, aber jetzt kann ich es als zweite Fremdsprache neben Englisch gut gebrauchen; das Hirn kramt alles wieder hervor! Anfangs laufe ich oft auch über Stock und Stein, durch den Wald und am Strand entlang. Von Usedom bis Kap Kolka in Lettland könnte man ohne Unterbrechung am Strand durchlaufen (wenn für das Gepäck gesorgt wäre). Dazwischen gibt es keinen Blockstrand oder Ähnliches. Allerdings stellt sich mir die russische Grenze in den Weg. Ich bräuchte ein Visum und durfte nicht einfach an der Küste weiterlaufen. Grenzen sind entweder echt doof oder – wie ich es auffasse – ein echtes Abenteuer: Nach Russland darf man nicht als Fußgänger einreisen, und so machte ich meine Erfahrung mit dem Pragmatismus und der tiefen, guten Seele der Russen – konkret mit Rosa und Waldi aus Laduschkin, die mich über die Grenze mitnahmen – ein Abenteuer für sich!

Inzwischen in Estland, ist die Ostsee eher ein Süßgewässer mit Schilf und Sumpf am Ufer und steinigen Küsten. So laufe ich durch kleine einsame Ortschaften auf der Landstraße, entdecke die Saunakultur für mich und komme noch mal weiter runter. Der tägliche Lauf ist Gewohnheit, die Suche nach einem kleinen Lebensmittelladen hier draußen in der Einsamkeit ist auch ein Abenteuer für sich. Das ist das wahre Leben – die Bewältigung vieler kleiner Alltagsprobleme wird neu definiert. Davon zehre ich, wenn ich wieder an meinem Schreibtisch sitze. Das macht mich stark, resistenter gegen Stress, gelassener und offener im Kopf. Ich habe einfach mehr Optionen mit den Erfahrungen aus meinem Abenteuer Baltikum.

Text: Guido Lange