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Laufen auf Schnee – eiskalt, aber wunderschön

Laufen auf frisch verschneiten Wegen und Wiesen macht großen Spaß und bringt den Körper so richtig auf Hochtouren. Es ist ein anspruchsvolles Training und fordert den Organismus mit jedem Schritt heraus.

Text: Anne-Marie Flammersfeld

Der unebene Untergrund führt nicht selten zu einer ungewollten Rutschpartie. Laufen auf Schnee belastet die Muskulatur deutlich mehr und erinnert an Laufen auf Sand am Meer. Der Untergrund kann sich bei jedem Schritt anders anfühlen, was dazu führt, dass gerade die Muskeln in Füßen und Unterschenkeln Schwerst­arbeit leisten müssen. Je nachdem, ob der Schnee gerade frisch gefallen ist oder ob sich schon ein festgetretener Weg gebildet hat: Das Laufen erfordert jetzt eine erhöhte Reaktions- und Koordinationsfähigkeit, um nicht zu stürzen. Mit Schnee und Eis fällt auch die Temperatur in den kühlen Bereich, und der Körper fühlt sich auf den ersten Metern oft sehr ungelenkig und steif an. Doch wer sich dieser eiskalten Herausforderung stellt, kann ein Training mit wirkungsvollem Workout-Effekt erleben.

Welche Schuhe für welchen Schnee?

Für alle, die im Winter viel mit Eisplatten und festgetrampelten Schnee zu kämpfen haben, sind Schuhe mit Spikes der Retter schlechthin. Wer nur hin und wieder diese gefährlichen Stellen zu meistern hat, kann auch „Schneeketten“ montieren (zum Beispiel von Yaktrax). Für matschigen Schnee eignen sich Schuhe mit gutem Profil (Trailschuhe oder neuwertige Straßenschuhe) und Schuhe mit einer Gore-Tex-Membran, wobei die auch nur so lange wirkt, bis der Schnee nicht von oben reinkommt. Wer schnell kalte Füße hat, sollte auf Socken mit Merinowolle achten, die auch den Knöchel bedecken.

Durch den holprigen Untergrund kann der Laufstil etwas angepasst werden: bei Neuschnee das Bein in der Hüfte höher ziehen und durch den Schnee „springen“, was an einen Kniehublauf erinnert. Bei festem, alten Schnee mehr über den Mittelfuß laufen, um eine schnellere Reaktionszeit zu gewährleisten, so dass ein Wegknicken oder Ausrutschen besser abgefangen werden kann. Wenn es ins Gelände gehen soll, unterstützen höhenverstellbare Stöcke aus leichtem Karbon mit großem Teller das Laufen. Zusätzlich können Gamaschen um die Knöchel geschnürt werden, so dass die Füße vor dem Schnee geschützt sind und nicht so schnell auskühlen.

Die Kleidung sollte sich am Zwiebelprinzip orientieren, angefangen mit dünnen Schichten, die angenehm auf der Haut liegen, gefolgt von einem Faserpelz oder Fleecegemisch bis hin zum Windstopper oder Primaloft. Die richtige Kopfbedeckung hält die Wärme im Körper, und Handschuhe lassen die Finger nicht gefrieren. Hier gilt das Motto: Probieren geht über Studieren und lieber nicht zu warm anziehen, da man sonst stärker schwitzt.

Laufanfängern ist beim Training im Schnee eher zur Vorsicht geraten, um Muskulatur und Sehnen (gerade die Achillessehne) nicht zu überfordern. Es empfiehlt sich ein einfaches Intervalltraining mit gleichmäßigen und kurzen Wechseln zwischen Walken und Jogging (zum Beispiel 10 x 1 Minute Walking/1 Minute Jogging). Wer im Sommer nicht immer nur auf Asphalt läuft, sondern ab und zu im Wald über Stock und Stein springt, kann sich so spielerisch auf den wechselnden Untergrund im Winter vorbereiten.

Um sich vor der kalten Luft zu schützen, kann ein Halstuch vor Mund und Nase getragen werden. Die Luft prallt somit nicht ungeschützt auf die oberen Luftwege. Ein Stoß Meerwassernasenspray vor dem Training befeuchtet die Nase und schützt vor dem Austrocknen. Wer eher zu einer laufenden Nase neigt, kann mit Vaseline oder einer ähnlichen Creme die Nase vor „Frostschäden“ präventiv versorgen. Diese Creme kann auch auf Wangen und Kinn aufgetragen werden, sollten die Temperaturen einmal tiefer als gewöhnlich sinken (-5 bis -10 °C).
Allgemein gilt, niemals zu verzweifeln, wenn es nicht so schnell vorwärts geht wie gewohnt und wenn man das Gefühl hat, nicht vom Fleck zu kommen. Das Training im Schnee ist ein Ganzkörperworkout mit großem Spaßfaktor. Und die Freude auf einen heißen Tee oder warme Schokolade nach dem Training steigt mit jeder Schneeflocke.

Anne-Marie Flammersfeld

Alter: 37
Wohnort: St. Moritz (Schweiz)
Sportliche Erfolge: Weltrekord im Speedrun Uphill am Kilimandscharo, 2012 Siegerin „Grand Slam“ von Racing The Planet, vier Wüsten à 250 km, 5. Platz Transalpine Run (8 Etappen, 260 km, 16.000 V+) u. a.
Abenteuer: Bottom Up Iran: 6.000 hm, 180 km in 5 Tagen Beruf: Ultraläuferin, alpiner Bergsport (Klettern, Eisklettern, Skitouren, Freeriding, MTB), Abenteurerin und Vortragsrednerin
Anne-Marie Flammerfeld unterstützt die „Paulchen Esperanza Stiftung“

www.allmountainfitness.ch

Bild: imago

Wenn Läufer zu viel trinken

Was und vor allem wie sollten Läufer trinken, damit sie einen Marathon schadlos bewältigen können? Diese Frage stellen sich viele Laufsportler. Die Sorge vor einer Dehydration ist dabei meist größer, als die Befürchtung einer übermäßigen Flüssigkeitsaufnahme – ein möglicherweise fataler Denkfehler.

Text: Ralf Kerkeling

Im vergangenen Jahr war das Thema „Richtiges oder falsches Trinkverhalten im Ausdauersport“ aufgrund eines tragischen Zwischenfalls sehr präsent in den Medien. Nachdem er den Ironman in Frankfurt absolviert hatte, kam ein 30-jähriger Brite zu Tode – vermutlich wegen zu hoher Flüssigkeitsaufnahme in Form von reinem Leitungswasser. Das Problem: Leitungswasser enthält zu wenige Mineralien für extreme körperliche Beanspruchung. Der Mann war unmittelbar nach dem Rennen bei 40 Grad Außentemperatur zusammengebrochen. Das Fachwort dafür ist Hyponatriämie.

Nimmt ein Sportler während einer extremen und langen Belastung zu viel Flüssigkeit zu sich und vernachlässigt er vor allem die Natriumzufuhr, besteht die Gefahr einer Wasservergiftung. Diese tritt bei einer überproportionalen Wasserzufuhr auf und führt zu einer Verdünnung der Körperflüssigkeit. In der Folge kommt es häufig zu Kopfschmerzen, Schwindel oder Erbrechen, im Extremfall kann die Vergiftung tödlich sein. Gefährdet sind vor allem Ausdauersportler wie Marathonläufer und Triathleten. Im Gegensatz dazu steht ein negatives Trinkverhalten. Sätze wie „Trinken macht schlapp“ oder „Trinken ist ein Zeichen von Schwäche“ sind längst überholt, so Günter Wagner, Ernährungswissenschaftler und Mitglied des Vorstandes des Instituts für Sporternährung e.V. in Bad Nauheim. Sportler seien zu Recht daran interessiert, die verlorene Flüssigkeit entsprechend ihrem Durstempfinden zu ersetzen, erklärt Wagner.

Dabei sei es ein Trugschluss anzunehmen, dass sich ein Wasserverlust günstig auf die sportliche Leistung auswirken könne. Ein eventueller Vorteil durch geringeres Gewicht entstehe nicht, da die negativen körperlichen Reaktionen überwögen, so der Wissenschaftler weiter. Es gilt dabei die Grundregel, die Art der Getränke und das Trinken schon während des Trainings auszuprobieren. Laut Wagner sollte man während einer Belastung nie mehr als 80 Prozent des individuellen Schweißverlustes ausgleichen. Es gilt also, verantwortungsvoll mit dem Thema Trinken während einer Ausdauerbelastung umzugehen und sich auch im Vorfeld eines Wettkampfes ausreichend damit zu beschäftigen.

Vor dem Marathon:

Bereits am Tag vor dem Marathon sollten die Flüssigkeitsspeicher aufgefüllt werden. Mindestens vier Liter Flüssigkeit sind zu empfehlen, bei wärmeren Temperaturen mehr.

Vor dem Rennen:

Bis kurz vor dem Start kann man kleine Schlucke (0,2 bis 0,4 Liter) mineralstoffhaltige und kohlenhydrathaltige Sportgetränke zu sich nehmen. Auch hier gilt: Nicht übertreiben! Zudem besser auf Kaffee verzichten.

Während des Marathons:

Schon bevor das Durstgefühl auftritt, ausreichend trinken. Man verliert rund vier Liter Flüssigkeit während eines Marathonlaufes. An den Verpflegungsständen kleine Mengen (etwa 150–300 ml) Flüssigkeit aufnehmen. Apfelschorle im Mischverhältnis 2:1 bewirkt vor und während des Laufes eine Stabilisierung des Kohlenhydratgehaltes im Blut. Während des Marathons sollten die Getränke neben Calcium und Magnesium vor allem Natrium enthalten

Nach dem Marathon:

Unmittelbar nach dem Rennen sollte ein Läufer in kleinen Schlucken rund 300– 500 ml Sportschorle im Verhältnis 2:1 zu sich nehmen, um die Regeneration einzuleiten. Auch ein alkoholfreies Bier – in verschiedenen Geschmacksrichtungen erhältlich – ist gestattet. Idealerweise gleicht man den beim Rennen eingetretenen Flüssigkeitsverlust aus, indem man in den 10 Stunden nach dem Lauf rund 150 Prozent der Flüssigkeitsmenge zu sich nimmt, die man während des Marathons verloren hat. Die richtige Menge lässt sich durch einen sogenannten Hydrationstest bestimmen.

Beispiel:

Gewicht beim ersten Wiegen: 80,0 kg. Gewicht beim zweiten Wiegen: 79,6 kg. Während des Tests getrunkene Menge: 500 Milliliter (0,5 Kilogramm). Rechnung: 80,0 – 79,6 + 0,5 = 0,9 Liter Flüssigkeitsverlust.

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Für den richtigen Tritt

Einlegesohlen in Laufschuhen sind ein viel diskutiertes Thema. Individuell angepasste Einlagen von Orthopädie- Schuhtechnikern können da helfen, wo Massenware an ihre Grenzen stößt. aktiv Laufen-Experte André Hänchen bringt Licht ins Dunkel.

Text: Daniel Becker

Laufen wird immer mehr zur Wissenschaft. Hier wird das „Natural Running“ als die gesündeste Art, sich in Laufschuhen zu bewegen, angepriesen, dort klagt ein Läufer über Schmerzen, weil ihm das Barfußlaufen starke Gelenkprobleme bereitet. Ein anderer ist unzufrieden, weil er durch die starke Dämpfung seines Schuhs nicht nur sprichwörtlich das Gefühl verloren hat, „die Straße zu spüren“. Hersteller versuchen mit immer neuen Innovationen alles, um mit ihren Produkten so viele Läufer wie möglich zu erreichen. Doch eines ist sicher. Den einen Schuh, der die Bedürfnisse aller Läufer abdeckt – es kann ihn niemals geben. Der Grund ist einfach: Laufen ist ein höchst individueller Sport. Und die Hersteller wissen das. Manche Läufer haben Glück. Nach intensiver Analyse finden sie den Schuh, der für sie perfekt ist. Und manche Läufer haben lange gedacht, den perfekten Schuh gefunden zu haben – bis plötzlich der Schmerz kommt.

Hilfe beim Orthopädie-Schuhtechniker

Eine Hilfe, die allen Läufern zur Verfügung steht, wird noch immer nur sehr selten genutzt. Denn wenn der Meniskus zwickt, Rücken oder Muskeln schmerzen, muss nicht zwingend ein neues Modell her. Deutlich vielversprechender ist der Gang zum Orthopädie-Schuhtechniker. aktiv Laufen- Experte André Hänchen ist Meister seines Fachs. In den Räumen seiner Firma gangart Sport & Orthopädie in Bonn stellt er Einlegesohlen her, die individuell auf seine Kunden zugeschnitten sind. Er kümmert sich damit um jenen Teil des Laufschuhs, der von den Herstellern beinahe komplett vernachlässigt wird. „Die originalen Einlegesohlen in Laufschuhen verhalten sich neutral, das ist einfach nur ein bisschen Schaumgummi“, erklärt er. Externe Laufschuh-Einlagen sind schon lange ein Thema, das vor allem in den letzten Jahren noch einmal deutlich stärker aufgekommen ist. Dabei hat sich laut Hänchen an den Materialien seither nicht viel verändert: „Es ist eher so, dass diejenigen, die Einlegesohlen anfertigen, sich mehr Wissen aneignen. Das Thema wird nicht mehr so stiefmütterlich behandelt wie früher, nach dem Motto: Einen Sportler machen wir nebenher mal mit. Viele merken, wie groß das Thema ist, und machen sich Gedanken darüber. Dadurch steigt dann auch die Qualität.“

Unikat vs. Massenware

Grundsätzlich können zwei verschiedene Arten von Einlegesohlen unterschieden wer- den: Es gibt fertige, industriell hergestellte Einlagen und orthopädische Einlagen. Was die beiden Arten voneinander unterscheidet, erklärt der Experte: „Fertige Einlegesohlen bedeuten für mich Komfort. Man kann damit relativ wenig falsch machen, aber sie können nicht als Therapiemaßnahme ein- gesetzt werden.“ Individuell angefertigte orthopädische Einlagen können hingegen Probleme beheben – und diese in der präventiven Einsetzung auch verhindern.In der Orthopädie-Schuhtechnik könne man „generell sehr gut präventiv arbeiten – und zwar aus den verschiedensten Gründen. Wenn jemand beispielsweise mit dem Laufen anfängt, um abzunehmen,oder aber weil er jahrelang nicht gelaufen ist. Dann kann man gucken:Passt das alles?“ Wichtig sei dabei eine genaue Analyse. Die kostet Zeit, die sich Kunde und Schuhtechniker aber gemeinsam nehmen müssten, wie Hänchen findet. Denn „aus einer schlechten Analyse heraus kann man den Läufer durch falsche Einlagen in eine Fehlstellung drücken. Das passiert meiner Meinung nach leider zu häufig.“ Dennoch muss die Basis stimmen.
Gesundes Laufen fängt bei der Schuhwahl an.Doch obwohl die Themen Medizin und Gesundheit auch im Laufbereich eine immer größere Rolle einnehmen, spielt – viele Läufer werden es wissen – vor allem für Anfänger beim Kauf die Optik des Schuhs eine große Rolle. Auftretende Probleme sind damit vorprogrammiert. Viele fortgeschrittene Läufer setzen sich jedoch eingehender damit auseinander, welcher Schuh ihren Bedürfnissen am besten gerecht wird, und nehmen vor dem Kauf die Möglichkeit wahr, den eigenen Laufstilanalysierenzulassen. Doch laut André Hänchen kann auch eine Analyse im Schuhladen zu einem falschen Ergebnis führen. „Schuhverkäufer haben keine Ausbildung im medizinischen Sinn. So können zum Beispiel Knickstellungen falsch interpretiert werden, und im schlechtesten Fall drückt man den Läufer durch eine falsche Schuh-Empfehlung noch weiter in die Fehlstellung hinein“, so der Experte. Werversucht, die dann auftretenden Probleme mit fertigen Einlegesohlen zu beheben, hat kaum Aussichten auf Erfolg. „Die Einheit zwischen Schuh und Sohle ist einfach ganz, ganz wichtig“, sagt Hänchen. Wenn man erkenne, wie der Körper stehe, könne man außerdem „auch super präventiv arbeiten“.

Individuelle Beratung braucht Zeit

Hänchen hat sich auf die Arbeit mit Sportlern spezialisiert. „Sportler haben Ehrgeiz und sind wirklich gewillt voranzukommen. Dabei sind Hobbyläufer genauso ehrgeizig wie Leistungssportler“, erklärt er die Gründe für seine berufliche Ausrichtung. Hänchen will sich für seine Kunden immer ausreichend Zeit nehmen, „um zu verstehen, wie diese ticken“. Dort, wo eigentlich eine umfassende individuelle Beratung nötig wäre, müssten sich viele Interessierte aber zu häufig mit „Massenabfertigung“ zufriedengeben. „Man hat die Möglichkeiten und die Techniken, nimmt sich aber zu häufig nicht die Zeit, richtig zu analysieren. Daraus entstehen Fehler.“ Am Ende stehe dann eine falsche Diagnose – und Läufer würden mit den falschen Einlagen ausgestattet. „Es gibt leider sehr viele falsche Einlagen, weil die Körperstatik außer Acht gelassen wird und man sich nur den Fuß anschaut“, so Hänchen.
Schmerzen, die dann auftreten können, „bringen viele gar nicht mit den für sie falschen Einlagen in Verbindung, da die Probleme häufig erst nach Monaten auftreten“. Den Rat, dass jeder Läufer mit individuell angefertigten Einlagen ausgerüstet sein sollte, erteilt der aktiv Laufen-Experte aber nicht: „Ich glaube nicht, dass jeder unbedingt eine Einlage braucht. Ich sage das auch hier im Geschäft: Es gibt genug Leute, die auch ohne Einlagen zurechtkommen.“ Doch bevor das nächste Paar Schuhe ausrangiert wird oder in die Tonne kommt, sollten sich Läufer mit dem Thema eingehender auseinandersetzen. Der Gang zum Orthopädie-Schuhtechnikermeister kann da nicht schaden.
Foto: Merrell

So weit die Füße tragen

Laufen. Für viele Menschen ist es ein Hobby, für andere Mittel zum Zweck und für wiederum andere ein Ventil. Für Wilfried Köhnke aber ist es viel mehr: Für den 67-Jährigen ist es der Sinn des Lebens.

Text: Henning Kuhl

Als Forrest Gump im gleichnamigen und mit mehreren Oscars gekrönten Filmklassiker gefragt wird, warum er durch die USA läuft und nur zum Schlafen sowie Essen pausiert, ist die Antwort seinem Charakter entsprechend simpel: „Ich hatte einfach Lust zu laufen.“ Im Film sorgt diese Aussage für Erstaunen bei der Fragestellerin, doch es gibt einen Menschen, der wahrscheinlich genau dieselbe Begründung für seine Laufaffinität geben würde: Wilfried Köhnke. Nicht weil er intellektuell auf einem Niveau mit Forrest Gump ist, sondern weil er seine Begeisterung für das Laufen nicht erklären könnte. „Das gehört einfach zu ihm. Wie andere atmen, so läuft er“, sagt sein Freund und Trainer Eberhard Kluß.

Von Pritzwalk zum Rekordhalter

1947 wird Wilfried Köhnke in Pritzwalk, Brandenburg geboren, und bereits als Kind interessiert er sich für Sport. In seiner Jugend versucht er sich im Mehrkampf und träumt von einer Karriere als Fußballer, jedoch überzeugt er nur in einer Disziplin: dem Laufen, worauf er sich mit der Zeit auch immer mehr konzentriert. Nach dem Ausscheiden aus der Bundeswehr zieht es den 1,60 Meter kleinen Mann beruflich nach Berlin, wo er zunächst für den BSC Rehberge und den BFC Preussen läuft. 19 Jahre nach seiner Ankunft in der heutigen Hauptstadt kommt Köhnke zum Polizei- Sport-Verein-Berlin. „Ihm boten sich in Berlin bessere Möglichkeiten, um auf der Bahn zu laufen“, schildert Eberhard Kluß. Beim Polizei-Sport lernen sich die beiden Männer kennen, und Kluß merkt schnell: „Laufen ist Willis Leben!“ Wie wahr.

Bis heute hat Wilfried Köhnke 95 Marathons absolviert und ist dabei um die ganze Welt gekommen: Canberra, Australien 1991; New York, USA 1992, 1993 und 1994; Melbourne, Australien 1993; South Port, England 1995; Hongkong, China 1996; Johannesburg, Südafrika 1997. Der 67-Jährige ist auf fast jedem Kontinent einen Marathon gelaufen und hat insgesamt über 180.000 Kilometer zurückgelegt. Nur zur Einordnung: Der Erdumfang beträgt 40.075 Kilometer – Wilfried Köhnke hat unseren Planeten während seiner Laufkarriere also theoretisch viereinhalb Mal umlaufen. Hinzukommen 37 Teilnahmen in Folge beim Marathon in Berlin – wodurch er alleiniger Rekordhalter in dem beliebten Lauf in der Hauptstadt ist – und sein Zwölf-Stunden-Lauf 1994 in Brühl, wo er 113,708 Kilometer hinter sich ließ.

Ein großes Ziel vor Augen

Kein Wunder, dass der gebürtige Branden- burger einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat. „In der Szene ist Willi eine Art Ikone und wird regelmäßig angesprochen, manch einer lässt sich sogar mit ihm fotografieren“, verrät Eberhard Kluß, der den nimmermüden Läufer seit geraumer Zeit trainiert. „Willi ist sehr ehrgeizig und ziel- strebig. Ich muss ihn regelmäßig bremsen, damit er es nicht übertreibt“, beschreibt Kluß die Zusammenarbeit und betont: „Man muss sich vor Augen halten, dass Willi die 5.000 und 10.000 Meter heute so schnell läuft wie seit Jahren nicht mehr.“

Sicherlich ein Resultat des richtigen Trainings, aber vor allem auch eine Folge der großen Disziplin, die der 67-Jährige an den Tag legt. Köhnke achtet auf seinen Schlaf, ernährt sich gesund und ausgewogen, dehnt sich regelmäßig. „Dadurch hat er sich so gut wie nie verletzt“, sagt Eberhard Kluß und führt aus: „Willi hat noch ein paar Ziele vor Augen, dafür muss er gesund und fit bleiben.“ Denn Wilfried Köhnke hat sich für die Zukunft noch einiges vorgenommen: Unter anderem möchte er bis zu seinem 71. Geburtstag seinen 100. Marathon absolviert haben. Ein Unterfangen, das allerdings ebenfalls „nur“ ein Etappenziel darstellt, denn auch danach wird der gebürtige Brandenburger weiterlaufen, so weit ihn seine Füße tragen. Das ist es, was ihn glücklich macht. Es ist seine ganz große Liebe, sein Schicksal.

Foto: CHRISTOF-STACHE_AFP_Getty-Images

Sechs Tage, null Nächte

In unserer Rubrik „Legenden“ erzählen wir dieses Mal die verrückte Geschichte von Cliff Young. Der war zwar hauptberuflich Kartoffelbauer und Schafhirte, ging aber dennoch in die australische Sportgeschichte ein. Der Grund: 1983 gelang ihm im Alter von 61 Jahren der Sieg bei einem der härtesten Ultra-Marathon-Rennen der Welt.

Text: Daniel Becker

Möglicherweise sind Sie ja auch so zum Laufen gekommen: Die Strecke eines Volkslaufes, eines Marathons oder einer anderen Laufveranstaltung führte an Ihrer Haustür vorbei und Sie dachten sich, dass Sie da ja eigentlich auch mal teilnehmen könnten. Für Lauf-Novizen gilt in diesem Fall häufig: Je kürzer der Lauf, desto größer die Wahrscheinlichkeit, das Vorhaben tatsächlich eines Tages in die Tat umzusetzen. An der Farm des australischen Kartoffelbauern Cliff Young führte Anfang der 1980er Jahre der 875 Kilometer lange Ultra-Marathon von Sydney nach Melbourne vorbei. Nie zuvor hatte Cliff Young an einem Lauf teilgenommen, erst recht nicht an einem Ultra-Marathon. Doch von dieser außergewöhnlichen Veranstaltung, die sich Jahr für Jahr vor seiner Tür abspielte, war der Australier so begeistert, dass er beschloss, spontan teilzunehmen.

Ohne die passende Ausrüstung (Gummistiefel und Regenanzug) und im Alter von stattlichen 61 Jahren. Sein Training, so sagte er Reportern während des Rennens, habe daraus bestanden, drei Tage ohne Schlaf seine Schafherde zusammenzuhalten. Klingt unglaublich, doch der durchaus verbreitete Mythos will, dass sich genau das im Jahr 1983 so zugetragen hat. Ein wenig anders war es dann zwar doch, und einige Fakten müssen angeglichen werden. Unspektakulär wird die Geschichte dadurch jedoch nicht. Schon ein Jahr zuvor hatte Cliff Young monatelang in den Otway Ranges, einem australischen Bergland, trainiert, um einen Weltrekord aufzustellen. 1.600 Kilometer wollte er laufen, rund um den Colac Memorial Square. Nach 875 Kilometern musste er den Versuch allerdings abbrechen. Doch völlig unerfahren war er nicht, als er im folgenden Jahr beim „West- field Sydney to Melbourne Ultramarathon“ antrat – und siegte.

Ehre, wem Ehre gebührt

Schon wenige Minuten nach dem Startschuss lief der 61-Jährige den deutlich jüngeren Läufern des Starterfeldes hinterher. Doch er hatte ein unschlagbares Erfolgsrezept: Er schlief ein- fach weniger als seine Mitstreiter. Viel weniger. 18 Stunden laufen, sechs Stunden schlafen, so sah der Rhythmus der meisten Athleten während des etwa sechs Tage dauernden Rennens aus. Cliff Young hingegen schlief in der ersten Nacht gar nicht. Er holte auf, während sich seine Kontrahenten erholten, und gönnte sich auch in den folgenden Nächten nur kurze Ruhepausen. Am Ende erreichte er das Ziel mit etwa zehn Stunden Vorsprung vor dem Zweitplatzierten. Sein extrem langsamer und energiesparender Laufstil hat seitdem einen eigenen Namen – und bis heute adaptieren Ultra-Läufer immer wieder den „Young-Shuffle“.

Zu Ehren des unerwarteten Siegers etablierte sich noch im gleichen Jahr in Australien ein neuer Ultra- Lauf, das „Cliff Young Australian Six-Day-Race“, der bis ins Jahr 2006 hinein ausgetragen wurde. Im Jahr 2013, zehn Jahre nach dem Tod von Cliff Young, wurde die Geschichte des laufenden Kartoffelbauern und Volkshelden für das australische Fernsehen verfilmt.

Topo Athletic

Natural Running mit TOPO Athletic

Das Thema Sprengung ist seit Jahren ein viel und kontrovers diskutiertes Thema in der Läufercommunity – ein heißes Eisen, wenn man so will. Nicht nur Läufer, sondern auch Hersteller vertreten dabei unterschiedliche Ansätze. Neu am Markt sind die Schuhe von TOPO Athletic.

Da der Laufstil und die gesamte Biomechanik eines jeden Läufers eine höchst individuelle Angelegenheit ist, sollten Läufer ausprobieren und testen, bevor sie sich für ein Modell entscheiden. Die noch junge Laufschuhmarke TOPO Athletic aus den USA setzt auf die Natural Running-Philosophie. Die Hauptaugenmerke der Marke liegen deshalb auf einer niedrigen Sprengung (0-5 mm), einer breiten Zehenbox und einem sehr geringen Gesamtgewicht. Topo-Schuhe vereinen damit die Prinzipien des Natural Runnings mit Komfort und Performance. “Der Schuh stellt die Verbindung zwischen dem Untergrund und unserem Fuß da. Barfuß – also natürlich – gibt es keine Sprengung in unseren Füßen. Also ist null Sprengung das Natürliche und anzustrebende, auch für TOPO Schuhe“, erklärt Ingo Kruck, Marketing-Chef beim ACS-Vertrieb GmbH, dem deutschen TOPO-Distributor. Gleichzeitig sei ihm aber auch bewusst, dass nicht jeder Läufer sofort auf einen „Null Sprengung Schuh“ umstellen könne. Der Körper ist ein Gewöhnungstier und mag keine allzu kurzfristigen Veränderung. Kruck ergänzt dazu: “Anpassungsvorgänge brauchen ihre Zeit. Daher bietet TOPO 5, 3 und 0 mm Sprengung Schuhe an.“

Die Marke TOPO Athletic geht auf Tony Post zurück, der vor wenigen Jahren und mit dem Wunsch nach dem perfekten Laufschuh sein Konzept in die Tat umsetzte und die Marke gründete. Er selbst hat als Läufer zahlreiche Verletzungen erlitten, weshalb es ihm ein persönliches Bedürfnis war Laufschuhe zu entwickeln, die den natürlichen Bewegungsablauf des Körpers fördern. Ideal für den Übergang vom klassischen Laufschuh mit viel Überhöhung ist der mit 5 mm Sprengung, auch „Drop“ genannt, ausgestattete Ultrafly (siehe Abbildung). Der gut gedämpfte und komfortable Allrounder bildet ein ideales Adaptionsmodel in Richtung Null-Sprengung.

Text: Christian Bruneß