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Für den richtigen Tritt

Einlegesohlen in Laufschuhen sind ein viel diskutiertes Thema. Individuell angepasste Einlagen von Orthopädie- Schuhtechnikern können da helfen, wo Massenware an ihre Grenzen stößt. aktiv Laufen-Experte André Hänchen bringt Licht ins Dunkel.

Text: Daniel Becker

Laufen wird immer mehr zur Wissenschaft. Hier wird das „Natural Running“ als die gesündeste Art, sich in Laufschuhen zu bewegen, angepriesen, dort klagt ein Läufer über Schmerzen, weil ihm das Barfußlaufen starke Gelenkprobleme bereitet. Ein anderer ist unzufrieden, weil er durch die starke Dämpfung seines Schuhs nicht nur sprichwörtlich das Gefühl verloren hat, „die Straße zu spüren“. Hersteller versuchen mit immer neuen Innovationen alles, um mit ihren Produkten so viele Läu- fer wie möglich zu erreichen. Doch eines ist sicher. Den einen Schuh, der die Bedürfnisse aller Läufer abdeckt – es kann ihn niemals geben. Der Grund ist einfach: Laufen ist ein höchst individueller Sport. Und die Herstel- ler wissen das. Manche Läufer haben Glück. Nach intensiver Analyse finden sie den Schuh, der für sie perfekt ist. Und manche Läufer haben lange gedacht, den perfekten Schuh gefunden zu haben – bis plötzlich der Schmerz kommt.

Hilfe beim Orthopädie-Schuhtechniker
Eine Hilfe, die allen Läufern zur Verfügung steht, wird noch immer nur sehr selten genutzt. Denn wenn der Meniskus zwickt, Rücken oder Muskeln schmerzen, muss nicht zwingend ein neues Modell her. Deutlich vielversprechender ist der Gang zum Orthopädie-Schuhtechniker. aktiv Laufen- Experte André Hänchen ist Meister seines Fachs. In den Räumen seiner Firma gangart Sport & Orthopädie in Bonn stellt er Einlegesohlen her, die individuell auf seine Kunden zugeschnitten sind. Er kümmert sich damit um jenen Teil des Laufschuhs, der von den Herstellern beinahe komplett vernachlässigt wird. „Die originalen Ein- legesohlen in Laufschuhen verhalten sich neutral, das ist einfach nur ein bisschen Schaumgummi“, erklärt er. Externe Lauf- schuh-Einlagen sind schon lange ein Thema, das vor allem in den letzten Jahren noch einmal deutlich stärker aufgekommen ist. Dabei hat sich laut Hänchen an den Mate- rialien seither nicht viel verändert: „Es ist eher so, dass diejenigen, die Einlegesohlen anfertigen, sich mehr Wissen aneignen. Das Thema wird nicht mehr so stiefmütterlich behandelt wie früher, nach dem Motto: Einen Sportler machen wir nebenher mal mit. Viele merken, wie groß das Thema ist, und machen sich Gedanken darüber. Dadurch steigt dann auch die Qualität.“
Unikat vs. Massenware
Grundsätzlich können zwei verschiedene Arten von Einlegesohlen unterschieden wer- den: Es gibt fertige, industriell hergestellte Einlagen und orthopädische Einlagen. Was die beiden Arten voneinander unterscheidet, erklärt der Experte: „Fertige Einlegesohlen bedeuten für mich Komfort. Man kann damit relativ wenig falsch machen, aber sie können nicht als Therapiemaßnahme ein- gesetzt werden.“ Individuell angefertigte orthopädische Einlagen können hingegen Probleme beheben – und diese in der präventiven Einsetzung auch verhindern.In der Orthopädie-Schuhtechnik könne man „generell sehr gut präventiv arbeiten – und zwar aus den verschiedensten Gründen. Wenn jemand beispielsweise mit dem Laufen anfängt, um abzunehmen,oder aber weil er jahrelang nicht gelaufen ist. Dann kann man gucken:Passt das alles?“Wichtig sei dabei eine genaue Analyse. Die koste Zeit, die sich Kunde und Schuhtech- niker aber gemeinsam nehmen müssten, wie Hänchen findet. Denn „aus einer schlechten Analyse heraus kann man den Läufer durch falsche Einlagen in eine Fehlstellung drücken. Das passiert meiner Meinung nach leider zu häufig.“ Dennoch muss die Basis stimmen. Gesundes Laufen fängt bei der Schuhwahl an.Doch obwohl die Themen Medizin und Gesundheit auch im Laufbereich eine immer größere Rolle einnehmen, spielt – viele Läufer werden es wissen – vor allem für Anfänger beim Kauf die Optik des Schuhs eine große Rolle. Auftretende Probleme sind damit vorprogrammiert. Viele fortgeschrittene Läufer setzen sich jedoch eingehender damit aus- einander, welcher Schuh ihren Bedürfnissen am besten gerecht wird, und nehmen vor dem Kauf die Möglichkeit wahr, den eigenen Laufstilanalysierenzulassen.Doch laut André Hänchen kann auch eine Analyse im Schuh- laden zu einem falschen Ergebnis führen. „Schuhverkäufer haben keine Ausbildung im medizinischen Sinn. So können zum Beispiel Knickstellungen falsch interpretiert werden, und im schlechtesten Fall drückt man den Läufer durch eine falsche Schuh-Empfehlung noch weiter in die Fehlstellung hinein“, so der Experte.Werversucht,die dann auftretenden Probleme mit fertigen Einlegesohlen zu beheben, hat kaum Aussichten auf Erfolg. „Die Einheit zwischen Schuh und Sohle ist einfach ganz, ganz wichtig“, sagt Hänchen. Wenn man erkenne, wie der Körper stehe, könne man außerdem „auch super präventiv arbeiten“.
Individuelle Beratung braucht Zeit
Hänchen hat sich auf die Arbeit mit Sportlern spezialisiert. „Sportler haben Ehrgeiz und sind wirklich gewillt voranzukommen. Dabei sind Hobbyläufer genauso ehrgeizig wie Leistungssportler“, erklärt er die Gründe für seine berufliche Ausrichtung. Hänchen will sich für seine Kunden immer ausreichend Zeit nehmen, „um zu verstehen, wie diese ticken“. Dort, wo eigentlich eine umfassende individuelle Beratung nötig wäre, müssten sich viele Interes- sierte aber zu häufig mit „Massenabfertigung“ zufriedengeben. „Man hat die Möglichkeiten und die Techniken, nimmt sich aber zu häufig nicht die Zeit, richtig zu analysieren. Daraus entstehen Fehler.“ Am Ende stehe dann eine falsche Diagnose – und Läufer würden mit den falschen Einlagen ausgestattet. „Es gibt leider sehr viele falsche Einlagen, weil die Körperstatik außer Acht gelassen wird und man sich nur den Fuß anschaut“, so Hänchen. Schmerzen, die dann auftreten können, „bringen viele gar nicht mit den für sie falschen Einlagen in Verbindung, da die Probleme häufig erst nach Monaten auftreten“. Den Rat, dass jeder Läufer mit individuell angefertigten Einlagen ausgerüstet sein sollte, erteilt der aktiv Laufen-Experte aber nicht: „Ich glaube nicht, dass jeder unbedingt eine Einlage braucht. Ich sage das auch hier im Geschäft: Es gibt genug Leute, die auch ohne Einlagen zurecht- kommen.“ Doch bevor das nächste Paar Schuhe ausrangiert wird oder in die Tonne kommt, sollten sich Läufer mit dem Thema eingehender auseinandersetzen. Der Gang zum Orthopädie-Schuhtechnikermeister kann da nicht schaden.