Category : Erlebnis

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Die Marathon Vision

Ist es tatsächlich möglich, einen Marathon in unter 2:00:00 Stunden zu laufen? Die Macher von „Sub2hours“ –
eines der ambitioniertesten Laufprojekte der Gegenwart – sind fest davon überzeugt, dass es schon bald passieren wird. Aber wie soll das funktionieren?

Text: Jan Brockhausen

Als Neil Armstrong am 21. Juli 1969 um 3:56 Uhr Mitteleuropäischer Zeit den ersten Schritt auf den fremden Erdtrabanten setzt, hält die Welt den Atem an. Unvorstellbar scheint, was plötzlich Realität wird und millionenfach über die Bildschirme rund um den Globus flimmert: Ein Mensch betritt den Mond! Was als „Wettlauf ins All“ zwischen den beiden Supermächten USA und Sowjetunion begonnen hat, erfährt an diesem denkwürdigen Tag sein großes Finale. Aus Fiktion wird Wirklichkeit!

„Ich glaube nicht, dass unser Projekt im Bereich der Utopie liegt“, sagt Yannis Pitsiladis und gibt sich dabei alle Mühe, nicht wie ein verrückter Professor zu klingen. Und doch scheint das, was der Sportwissenschaftler der Universität von Brighton vor hat, kaum realisierbar. Zusammen mit einem Team von Wissenschaftlern, Experten und Spitzenläufern hat der gebürtige Australier mit Lehrstuhl in Süd-England Ende 2014 das „Sub2hours“-Projekt ins Leben gerufen, das man getrost als sportliches Äquivalent zur ersten bemannten Mondlandung in den späten 60ern sehen kann. „Sub2hours“ –
hinter diesem griffigen Slogan verbirgt sich nicht weniger als der Versuch, den Marathon-Weltrekord unter die magische Zwei-Stunden-Grenze zu drücken. Zusammen mit Jos ­Hermens, einem ehemaligen Spitzenläufer und seit Jahrzehnten erfolgreichen Athleten-Manager, will das Mitglied der Medical and Scientific Commission des IOC dieses ambitionierte Ziel bis zum Jahr 2019 tatsächlich umsetzen – eigentlich unvorstellbar!

„Es gab im Sport immer wieder Grenzen, von denen niemand geglaubt hat, dass sie überwunden werden können. Und dann ist es doch passiert“, argumentiert Pitsiladis. „Es stimmt, dass unser Projekt sehr ambitioniert ist. Wenn wir aber die Weltrekordentwicklung der vergangenen 30 Jahre im Marathon nehmen, so fand sie – bezogen auf die vielen ostafrikanischen Rekordläufer – fast gänzlich ohne wissenschaftliche Unterstützung statt. Deshalb glaube ich, dass unser Ziel realistisch ist.“

VIELE kleine stellschrauben

Dass Pitsiladis und Hermens keine Träumer oder gar Fantasten sind, dürfte jedem in der Szene klar sein. Allein das geplante Budget von gut 30 Millionen Dollar, die bis 2019 in das Projekt fließen sollen, lassen keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit aufkommen. Doch wie sollen die 178 Sekunden eingespart werden, die zwischen dem aktuellen Weltrekord von 2:02:57 liegen, den Dennis Kimetto beim Berlin Marathon vor gut zwei Jahren lief, und einer Zeit von 1:59:59? Pitsiladis spricht von „marginal wins“ – also kleine Verbesserungen –
die akkumuliert zum erhofften Erfolg führen sollen. „Wir haben einige der bedeutendsten Wissenschaftler für unser Projekt gewinnen können“, sagt der Gründer stolz. „Vor allem in den Bereichen Ernährung, Biomechanik, Bioenergetik, Produkt-Entwicklung, Sportmedizin und Physiotherapie sowie Rennvorbereitung sehen wir versteckte Potenziale.“ Der vielleicht spektakulärste Aspekt in der Verwissenschaftlichung des Sports durch Pitsiladis und seine Kollegen ist die Genanalyse. In einer weltweiten Datenbank soll die DNA von Topathleten gespeichert werden. Sie soll es den Machern ermöglichen, angeborenes Talent künftig zu erkennen. „Ich glaube schon, dass diese Zielsetzung von Sub2hours realisierbar ist“, sagt Professor Dr. Gerd-Peter Brüggemann, Leiter des Instituts für Biomechanik und Orthopädie an der Deutschen Sporthochschule Köln. „Ich sehe das Ganze natürlich aus einer sehr biomechanischen oder physiologischen Sicht.“ Sein Ansatz: „Der Athlet müsste zunächst mit dem richtigen Schuhwerk versehen werden, das keine Energieverluste beim Abdruck wie auch beim Bremsen im Bezug auf den Vortrieb generiert.“ Aber wie kann man das erreichen? „Der Schuh müsste in Sachen Steifigkeit auf die internen Federn im Fuß und Bein abgestellt sein. Also auf die Gewölbe-Feder, die Fettfeder und die Muskelfeder. Dann sollte er eine möglichst geringe Masse haben – darf aber auch nicht gar keine Masse haben – weil man diese am Fuß für den Schwung benötigt.“ In diesem Bereich sei bezogen auf den Marathon bislang „viel zu wenig geforscht worden.“ Der Wissenschaftler, dessen Institut maßgeblich an der Untersuchung der Prothese von Paralympics-Rekord-Weitspringer Markus Rehm beteiligt war, macht eine interessante Rechnung auf. „Wenn ich es beispielsweise durch Versteifung des Vorderfußes kontrollieren kann, dass im Zehengrundgelenk pro Schritt nur 0,01 Prozent weniger Energie verloren geht, dann hätte ich schon 0,1 Prozent bei zehn Schritten und ein Prozent bei hundert Schritten.“

Der stil ist entscheidend

Einen weiteren Ansatz sieht Brüggemann in der Perfektionierung des Stils. „Beim Laufen haben wir es immer mit Rotationsbewegungen zu tun. Das heißt: Wenn das Schwungbein sich nach vorne bewegt, müssen die Arme oder der Rumpf die Gegenbewegung erzeugen. So dass sich in der Summe eine Drehbewegung von Null ergibt.“ Das gelinge aber auch Top-Athleten in den seltensten Fällen, was einen Energieverlust zur Folge habe. Laut Brüggemann müsse der gesamte Bewegungsablauf so abgestimmt werden, dass „die Rotationsbewegung in der Summe gegen Null strebt.“ 100-Meter-Weltrekordler Usain Bolt habe es schließlich auch in wenigen Jahren geschafft, seine Bestzeit von 9,9 Sekunden auf unter 9,6 Sekunden zu steigern. „Aus meiner Sicht vor allem durch die Perfektionierung seines Laufstils.“ Eine Marathonzeit von unter 2:00:00 entspricht – verglichen mit dem aktuellen Weltrekord – einer Steigerungsrate von 3,17 Prozent. Übertragen auf den 100-Meter-Sprint würde dies bedeuten, die Bestzeit von derzeit 9,58 auf unter 9,30 Sekunden zu verbessern. Aber sind diese beiden Fabel-Zeiten zweier fast gegensätzlicher Laufdisziplinen überhaupt miteinander vergleichbar? „Nein!“, sagt Professor Dr. Ingo Froböse, Leiter des Instituts für Bewegungstherapie und bewegungsorientierte Prävention und Rehabilitation an der Deutschen Sporthochschule Köln. In den 80er Jahren gehörte der Mediziner zu den besten Sprintern Deutschlands. „Beide Disziplinen sind einfach zu unterschiedlich.“ Für ihn steht dennoch fest: „Das Sub2hours-Projekt hat ja viele Spitzenläufer seit Jahren auf dem Radar. Ich find’s total klasse –
und glaube auch, dass es realisierbar ist!“

Neuer Läufertyp gefragt?

Die Macher von Sub2hours scheinen bei der Umsetzung ihres Projekts vor allem auf Äthiopiens Kenenisa Bekele zu setzten. Der Weltrekordmann über 5.000 Meter (12:37,35 Minuten) und 10.000 Meter (26:17,53) gilt als Läufer mit enormer Tempohärte und großem Potenzial für die Marathondistanz. Gerade hat der 34-Jährige in Berlin den Weltrekord von Dennis Kimetto mit der Winzigkeit von sechs Sekunden verpasst. Froböse sieht eher einen anderen Läufertypen im Vorteil. „Die Afrikaner verfügen generell über hohe Ausstattung an roten Muskelfasern, die aerob funktionieren. Ich glaube, dass ein anderer Läufertyp gefragt ist. Weniger schlaksig, dafür etwas kompakter. Wir brauchen eher einen Typen, der muskulär etwas anders ausgestattet ist, als es derzeit die Ostafrikaner sind.“ Seiner Meinung nach müsse daher „vor allem an den Trainingsinhalten“ gearbeitet werden. „In den Trainingsumfängen sehe ich kaum noch Steigerungspotenzial. Allerdings müsste man über die Belastungsintensität nachdenken. An dieser Stellschraube kann man sicher noch drehen. Wir müssen der Muskulatur auch im Ausdauerbereich  eine vermehrte Aufmerksamkeit widmen. Da wurde aus meiner Sicht – gerade bei afrikanischen Langstreckenläufern – in der Vergangenheit zu wenig dran gearbeitet.“

Seine These: „Ich kann aber nur eine bestimmte Leistung in einem schnellen Modus erbringen –
und in dem befinden wir uns ja bei einem Marathon-Läufer, der die Zwei-Stunden-Marke angreifen will – wenn ich die Muskulatur entsprechend vorbereite.“ Es gehe darum, eine „maximale Ökonomie zu erreichen“. Und das gelinge nur „mit einer guten Koordination einer abgestimmten Muskulatur, die auch nach zwei Stunden noch effizient arbeitet“. Dafür benötige man „eine Grundlage“, so Froböse. „Im Muskeltraining sehe ich eine der Schlüsselrollen für dieses Projekt, um aus der Körpermitte heraus das ganze System zu kontrollieren, zu aktivieren und zu regulieren.“ An eine schnelle Umsetzung glaubt Froböse  nicht. „Ich glaube, 2019 als Zeitpunkt für die Sub2hours ist eher ein Marketing-Gag. Die Zeitsprünge werden meiner Meinung nach in naher Zukunft kleiner sein. Der Läufertyp, den wir benötigen, um eine 1:59-Zeit zu laufen, werden wir nicht in zwei Jahren zur Perfektion bringen. Da ist sicher deutlich mehr Zeit von Nöten. Drei bis vier Minuten sind ja im Marathon Welten. Deshalb sehe ich da keine schnelle Umsetzung.“ Den Überlegungen, den Rekordversuch in einer künstlichen Umgebung – also unter Laborbedingungen mit optimalem Sauerstoffgehalt, Temperatur- und Windverhältnissen stattfinden zu lassen – erteilt er eine klare Absage. „Ich würde mir wünschen, an einem klassischen Marathon-Ort diesen Lauf stattfinden zu ­lassen. Das wäre dann ein  echtes Projekt – alles andere sehe ich als Kunstprojekt!“

Sauber oder nicht?

Philipp Pflieger bekommt Bauchschmerzen, wenn er auf das vielleicht bahnbrechendste Leichtathletik-Projekt der Gegenwart angesprochen wird. „Ich bin da schon sehr skeptisch – gerade wenn man die Entwicklung der letzten Jahre betrachtet. Es gibt für mich noch Zeiten, von denen ich sage: ‚Bis hier ist ein sauberer Athlet noch denkbar‘, und solche, wo ich das für mich ausschließen kann.“ Der deutsche Spitzenläufer hat eine Marathon-Bestzeit von 2:12:50 auf der Visitenkarte stehen und weiß um den Aufwand, der schon für diese Leistung von ihm erbracht werden muss. „Es gibt sicher größere Talente als mich“, sagt der Olympiateilnehmer von Rio. „Aber auch ich trainiere schon hart. Für mich persönlich ist eine Marathonzeit von 2:06 noch gut nachvollziehbar. Bei Zeiten weit darunter nimmt meine Skepsis exponentiell zu.“ Zu den vermeintlichen Wunderläufern aus Ostafrika hat er seine ganz eigene Ansicht: „Das ist doch nur die halbe Wahrheit. Es gibt dort einfach keine Trainingskontrollen. Auch Äthiopien hat formal eine funktionierende Anti-Doping-Agentur.“ Dann stellt er eine Schätzfrage: „Wie viele unangekündigte Doping-Tests gab’s denn 2015 in Äthiopien? Richtig: Keinen einzigen! Das existiert dort nur auf dem Papier!“ Ist das die Meinung eines einzelnen Frustrierten? Wohl kaum! Die Recherchen von ARD-Doping-Experte Hajo Seppelt gehen in eine ähnliche Richtung. Auch aktivLaufen-Experte Ingo Froböse verschließt vor dieser Problematik nicht die Augen: „Ich weiß, dass ich mir damit keine Freunde mache“, sagt der Sportmediziner, „aber ich bin mir sicher, dass im absoluten Spitzensport Top-Leistungen ohne Substitution nicht möglich sind. Und das gilt auch bei diesem Projekt. Wir kennen die ganze Doping-Problematik, gerade in Kenia und Äthiopien.“ Zumal mit Jos Hermens – ein in Bezug auf Doping nicht ganz unbescholtener – eine Schlüsselposition im Sub2hours-Konsortium einnimmt. 2009 hatte die Staatsanwaltschaft Magdeburg Ermittlungen gegen den Holländer aufgenommen. Der einflussreichste Leichtathletik-Manager der Welt wurde damals verdächtigt, zentrale Figur eines europaweiten Doping-Netzwerks zu sein. Er selbst bestreitet eine Verwicklung. „Ja, ich habe Miguel Angel Pareita gekannt. Aber was habe ich damit zu tun, wenn er etwas falsch macht?“, sagte er damals gegenüber „Zeit online“. Der spanische Arzt Pareita steht im Verdacht, einer der Hintermänner im Dopingskandal um Thomas Springstein zu sein. Der ehemalige Trainer von Grit Breuer und Nils Schumann hatte 2006 zugegeben, Minderjährigen ohne deren Wissen Doping verabreicht zu haben. Vielleicht ist Hermens wirklich unschuldig – dennoch wirft der Verdacht unweigerlich einen Schatten auf das Projekt. Wie passt das alles zusammen? Yannis Pitsiladis gilt als engagierter und anerkannter Kämpfer gegen Doping im Sport. Er will den Menschen den Glauben an den „sauberen Sport“ zurückgeben. „Die Anti-Doping-Konzepte der letzten Jahre sind gescheitert“, sagt er. „Wir wollen mit diesem Projekt beweisen, dass außergewöhnliche Leistungen auch ohne Doping möglich sind. Zudem fungieren neben dem „South African Institute for Drug-Free Sport“ zahlreiche namhafte Universitäten als offizielle Partner von Sub2hours. Zudem wirbt Pitsiladis mit „absoluter Transparenz“ für die Glaubwürdigkeit des Projekts.   

Locker unter zwei Stunden

Mit dem ganzen wissenschaftlichen Getöse oder gar Doping hat Andreas Brünnert von der LG Stadtwerke nichts am Hut. Und das, obwohl der Münchner aus 2015 eine Marathonbestzeit von 1:55:16 vorweisen kann. Aber wie ist das möglich? Und warum haben nicht CNN sowie die versammelte Weltpresse von diesem Jahrhundert-Ereignis berichtet, sondern „nur“ der „Münchner Merkur“? Vielleicht liefert ja der Untertitel der Veranstaltung im Riemer Park einen ersten Hinweis: „Der Lauf gegen die Gesetzte der Physik“, steht in der Ausschreibung des Ausrichters „Verein für außergewöhnliches Laufen“ geschrieben. Dahinter verbirgt sich nicht mehr als ein Gag, der so nur in einer Nacht des Jahres möglich ist. Nämlich immer dann, wenn die Uhren zur Winterzeit von 3 auf 2 Uhr zurückgestellt werden. Dann öffnet sich um 3:00 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit ein „Tunnel“ von genau einer Stunde, der einen Lauf „Sub2“ tatsächlich für ambitionierte Hobby-Läufer möglich macht. Vergleichen mit der ersten bemannten Mondlandung aus dem Jahr 1969 hält diese Leistung allerdings nicht stand.

Das steckt hinter sub2hours

Initiatoren

Yannis Pitsiladis (49, Professor der Sportwissenschaften an der University of Brighton) und Jos Hermens (66, Athleten-Manager/Global Sports Kommunikation) haben das Projekt „Sub2hours“ erstmals 2014 vorgestellt.

Wissenschaftliche Ansätze

Seit zwei Jahren arbeiten Top-Wissenschaftler daran, Parameter wie Ernährung, Biomechanik, Bioenergetik, Produkt-Entwicklung, Sportmedizin und Physiotherapie so zu perfektionieren, dass ein Marathonlauf von unter 2:00:00 Stunden möglich ist.

Finanzierung

Bis zu 30 Millionen Doller wollen die Macher von Sponsoren generieren. Namenhafte Hochschulen wie die University of Brighton, Universität Wien und University of Cape Town beteiligen sich ebenso an dem Projekt wie das South African Institut of Drug-Free Sport.

Zielsetzung

„Sub2hours“ soll bis 2019 in die Tat umgesetzt werden. Das heißt: Der aktuelle Marathon-Weltrekord von 2:02:57 müsste in den kommenden zwei Jahren um 178 Sekunden unterboten werden – ein ehrgeiziges Ziel.

web: www.sub2hrs.com

Tarahumara Indians glide down a dirt trail

Die Ausdauerhelden aus der Kupferschlucht

Die vielleicht besten Langstreckenläufer der Welt kommen aus einem abgelegenen Gebirgsareal in Nordost-Mexiko:die Tarahumara. In den Schluchten der Sierra Madre Occidental legen sie mit- unter Hunderte Kilometer am Stück laufend zurück. Diese schier grenzenlose Ausdauer, die sie auch schon in Wettkämpfen gegen US-Top-Runner bewiesen haben, ist begründet in ihrer traditionellen Lebensweise.

Text: Wilfried Spürk

Aufgefallen ist er manchen vielleicht wegen seiner dünnen Ledersandalen. Oder wegen seines mit Sternmotiven verzierten weißen Lendenschurzes.
Doch im Grunde unterschied den Läufer mit der Startnummer 11543 beim diesjährigen Boston-Marathon nichts Wesentliches von den allermeisten der anderen über 30.000 Teil- nehmer. Besonders schnell war er auch nicht: In 3:38:11 Stunden kam er ins Ziel – respektabel, aber weit entfernt von Spitzenzeiten. Und dennoch: Dieser kleine, schmächtige Mann, Arnulfo Quimare ist sein Name, ist eine Legende des Langstreckenlaufs.
Quimare, inoffiziellen Angaben zufolge 1980 geboren, gehört zu den Tarahumara, einem indigenen Volksstamm, der im nordmexikani- schen Bundesstaat Chihuahua inmitten des von Schluchten zerklüfteten Sierra-Madre-Gebirges zu Hause ist. Die meisten Tarahumara leben heute in der bis zu 1.800 Meter tiefen Kupfer- schlucht. Sagenumwoben sind ihre Fähigkeiten im Ausdauerlauf. Er prägt ihre Kultur so sehr, dass sie sich selbst „Raramuri“ nennen: „die, die gut zu Fuß sind“. Quimare ist einer der besten Läufer der Tarahumara. Und er war einer der ersten, der international für Aufsehen sorgte. Im Jahr 2006, als er Scott Jurek besiegte. Der US-Amerikaner, heute 42 Jahre alt, war über viele Jahre einer der herausragenden Ultra- Runner weltweit, gewann einige der härtesten Rennen überhaupt, und zwar mehrfach: sieben Mal den „Western States 100 Mile“-Run, zwei Mal den „Badwater Ultramarathon“.

SHOWDOWN MIT US-TOP-RUNNERN
2006 nahmen Jurek und andere US-Spitzen- Langstreckenläufer die beschwerliche Anreise in die abgelegene und als Kerngebiet der berüchtigten Drogenkartelle mitunter auch gefährliche Kupferschlucht („Copper Can- yon“) auf sich, um sich beim „Copper Can- yon Ultramarathon“ mit den No Names der Tarahumara zu messen. Sie waren die ersten Nicht-Einheimischen, die bei dem seit 2003 ausgetragenen Rennen über knapp 80 Kilometer mit Start und Ziel in Urique teilnahmen. Die größte Herausforderung bei diesem Extremlauf stellt die immense Hitze mit teilweise über 40 Grad Celsius dar. Quimare, in traditionellen handgefertigten Ledersandalen unterwegs, kam in 6:41 Stunden als Erster ins Ziel, Jurek als Zweiter rund sechs Minuten später. Weltweit bekannt wurde Quimare vor allem dank der Schilderungen dieses Rennens und seiner Vorgeschichte durch den US-amerika- nischen Autor Christopher McDougall in dem Bestseller „Born to Run“. Der Triumph beim Copper Canyon Run ist allerdings einer der wenigen Erfolge der Tarahumara gegen inter- nationale Spitzenläufer. Bei den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam etwa enttäuschten die Starter der indigenen Volksgruppe beim Marathon mit Platz 32 und 38, bei den Spielen 1968 in Mexiko holten sie ebenfalls nicht die erhofften Medaillen. Zu kurz sei die Marathon- Strecke, hieß es unter anderem zur Erklärung.

Fest steht: Die Läufer aus der Sierra Madre sind es gewohnt, ohne Unterbrechung Hun- derte Kilometer auf den schmalen Pfaden der Schluchten zu laufen. Der Rekord soll bei 700 Kilometern in zwei Tagen liegen! Auch wenn inzwischen die moderne Welt mit asphaltierten Straßen und westlicher Ökonomie bei ihnen Einzug hält, leben immer noch viele Tarahuma- ra nach jahrhundertealten Traditionen, wohnen in kleinen Hütten oder Höhlen, die unter Fels- vorsprüngen gebaut sind. Laufen ist aufgrund der teilweise großen Entfernung zwischen den Wohnstätten, aber auch zur Bewirtschaftung ihrer wenig fruchtbaren Böden, ein zentraler Bestandteil ihrer Alltagskultur. Ihre extreme Ausdauer könnte zudem auch daher rühren, dass ihr Stamm früher vermutlich die Hetzjagd betrieb. Dabei verfolgen Menschen Tiere, die auf kürzerer Distanz deutlich schneller laufen, dank einer überlegenen Ausdauer und guter Taktik so lange, bis diese erschöpft zusammen- brechen und erlegt werden können.
Was von alters her also der pure Ernst des (Über-)Lebens war, hat sich in die DNA dieser Menschen eingebrannt. Irma Chavez Cruz, Bürgermeister einer Tarahumara-Gemeinde, der mit Arnulfo Quimare gemeinsam den Boston- Marathon lief, fasst dies in folgende Worte: „Laufen ist einfach Teil unserer Lebensweise. Laufen ist eine Form des Gebets und die Art, wie wir uns mit der natürlichen Welt verbinden.“
DIE PURE FREUDE AM LAUFEN
Schon kleine Kinder lernen bei den Tarahu- mara das Ball-Laufspiel Rarajipari, bei dem zwei Teams einem Ball hinterherjagen, den sie abwechselnd nach vorne treten. Bei Erwach- senen kann dies bis zu zwei Tage andauern. Beendet ist das Spiel, wenn ein Team aus Erschöpfung aufgibt. Es erfordert vor allem eins: Liebe zum Laufen. Dies scheint ein Aspekt des Geheimnisses der Tarahumara zu sein: Laufen bedeutet für sie keine Anstrengung, sondern bereitet ihnen Freude wie Kindern das Spielen.
Von diesem Eindruck berichten jedenfalls Außenstehende. Zum Beispiel Ken Chlouber, Mitbegründer des „Leadville 100 Trail“-Runs in Colorado in den Rocky Mountains. Von 1992 bis 1994 hatten die Tarahumara dort jeweils mit einer kleinen, vom Naturfotografen Rick Fisher zusammengestellten Gruppe drei ihrer seltenen Auftritte fern der Heimat – und triumphierten zwei Mal. 1994 stellte Sieger Juan Herrera mit 17:30 Stunden eine Bestzeit auf, die acht Jahre Bestand hatte. McDougall schildert Chloubers Eindrücke an einer berüchtigten Steigung, an der 1994 Herrera und ein zweiter Tarahumara- Läufer mächtig aufholten: „Sie lachten, als sie die Erdrampe erreichten. Alle Läufer gehen auf dieser Rampe, dachte Chlouber, als die beiden Tarahumara die Steigung hinaufwirbelten wie Kinder, die sich in einem Laubhaufen vergnügen. Alle. Und Teufel noch mal, sie lachen nicht dabei.“

WAS IST IHR GEHEIMNIS?
Der Spaß vergeht den Tarahumara offenbar, wenn aus dem Laufen eine ernste Angele- genheit im Sinne der großen Sportwelt wird. Wenn es um Titel, Rekorde, Geld geht. Die Vorbereitung auf Wettkämpfe in unserem Sinne ist ihnen fremd – und wenn es auf die Tartanbahn oder einen Asphalt-Marathon geht, büßen sie viel von ihrer Stärke ein. Zudem dürfte ihnen die Einstellung auf ein völlig ungewohntes Umfeld schwerfallen. Tatsäch- lich sind Tarahumara auch schon in Europa gelaufen: Beim Swiss Alpine Run 1994 landeten die drei Starter im Mittelfeld.
Ein ungewohntes Bild geben die Raramuri mit ihrem Outfit ab, vor allem wegen ihrer „Huaraches“ genannten Sandalen, die ledig- lich aus dünnen Sohlen aus Rohleder oder Autoreifen-Gummi und Riemen zum Fest- schnüren bestehen. Experten diskutieren, ob dieses Schuhwerk erklären könnte, dass die Tarahumara praktisch keine der typischen Verletzungen an Gelenken oder Sehnen kennen, die sonst so viele Läufer plagen. Da die Füße weniger gegen den Untergrund geschützt sind, bleiben sie beweglicher, als wenn sie in geschlossene Schuhe eingezwängt wird. Die Muskulatur von Füßen und Beinen wird zudem mehr gefordert und dadurch gestärkt, so dass sie gegen Belastungen besser gewappnet ist. Laufstil-Untersuchungen zeigen, dass Läufer, die in Huaraches laufen, deutlich seltener auf den Fersen landen, was die Gelenke schont. Unklar ist, ob die Ernährung ein Grund für die Ausdauerenergie der Tarahumara ist. Mais steht in vielen Variationen auf dem Speiseplan, etwa als Maisbier, das nur wenig Alkohol ent- hält, oder als Pinole, der als Brei oder Getränk verfügbar ist. McDougall berichtet zudem von dem Getränk Iskiate, dessen Hauptzutat Chia-Samen sind und das einen sehr hohen Nährwert hat. Diese Ernährung liefert insge- samt einen hohen Anteil an Kohlenhydraten.

GROSSE ARMUT
Das Thema Ernährung lenkt unseren Blick auf die schwierigen Lebensverhältnisse dieser Volksgruppe, die seit dem 16. Jahrhundert immer weiter zurückgedrängt und in ihrem Territorium eingeschränkt wurde – zunächst von den Spaniern, dann von den Apachen und im 19. Jahrhundert von Mexikanern, die sich mit Erlaubnis der Regierung das Land nahmen. Heute leben schätzungsweise noch rund 100.000 Tarahumara in einem etwa 65.000 Quadratmeter großen Areal, die meisten in großer Armut. Ihren Unterhalt bestreiten sie mühsam von der eigenen Landwirtschaft oder als Tagelöhner für zwölf bis 15 Dollar pro Tag. In kleineren Städten wie Urique passen sich viele dem westlichen Lebensstil an. Zudem nimmt die Kriminalität in der Kupferschlucht zuletzt deutlich zu, die Drogenkartelle missbrauchen Tarahumara für Kurierdienste. Auch der „Copper Canyon Run“ – inzwischen in Erinnerung an seinen 012 verstorbenen Begründer „Caballo Blanco“ alias Micah True in „Ultra Caballo Blanco“ umbenannt – musste wegen der kritischen Lage bereits abgesagt werden, seine Zukunft ist ungewiss. Ein Verlust für die Tarahamuara, für die bei diesem Event auch Spendengelder gesammelt wurden.
Der Boston-Start von Quimare und Chávez Cruz sollte auch auf die Nöte der Ureinwohner Amerikas aufmerksam zu machen. In einer
öffentlichen Konferenz vor dem Marathon mit dem Titel „Native American Running: Culture, Health, Sport“ wurde die Bedeutung des Laufens in deren Tradition betont. Ver- schiedene Projekte versuchen, dieses Potenzial bei Jugendlichen zu entwickeln. Eine Gruppe von 25 Raramuri-Teenagern wird zurzeit vom mexikanischen Coach Carlos Ortega betreut, die Gelder stellt eine Stiftung bereit. Ortega ist begeistert von der Ausdauerhärte seiner Schützlinge, sagt aber: „Wir müssen zu ihrer Ausdauer noch Geschwindigkeit hinzufü- gen.“ Ihm schwebt Großes vor: „Ich will sie dahin bringen (…) bei Olympia teilzunehmen, wo sie Goldmedaillen gewinnen können.“ Olympia- oder WM-Erfolge könnten sicher zu einer Verbesserung der sozialen Lage der Tarahumara beitragen. Wünschenswert wäre, dass dabei ihre faszinierende Lauftradition erhalten bleibt.

Ironman - Frankfurt

Aller guten Dinge sind 3

Hawaii gilt als die Wiege des Triathlon.
Die Wurzeln des sportlichen „Triumphirats“ reichen aber auch beinahe 100 Jahre nach Frankreich zurück. Heute findet
der sportliche Dreikampf immer mehr Anhänger – zu Recht, wie wir finden.

Text: Christian Riedel

Fragt man Sportfans, wie der Triathlon entstanden ist, hört man meistens die Geschichte von drei US-Soldaten, die sich auf Hawaii gestritten haben, wer der Härteste unter ihnen ist.
Einer davon war Läufer, einer Schwimmer und einer fuhr Rennrad. Also legten jeder eine Strecke in seiner jeweiligen Disziplin fest, die alle drei Sportler bewältigen mussten. Wer dann als Erster ins Ziel kam, durfte sich als Härtester unter den Harten betrachten und von nun an den Titel „Iron Man“ tragen.

RAD STATT TAXI
An der Geschichte ist auch was dran. Tatsächlich gab es 1978 auf Hawaii einen Streit zwischen einigen Ausdauer-Athleten im Rahmen eines Staffellaufes, an dem auch der US Navy Com- mander John Collins beteiligt war. Also schlug Collins vor, drei auf Hawaii stattfindende Rennen hintereinander auszutragen und am Ende zu messen, ob nun Radsportler, Läufer oder Schwimmer die besten Ausdauerwerte aufwiesen. Also legten die Veranstalter den Waikiki Roughwater Swim (2,4 Meilen/3,86 km), das Around Oahu Bike Race (115 Meilen/184 km) und den Honolulu-Marathon zusammen. Um den Start des Radrennens und das Ziel des Schwimmens auf einen Punkt zu legen, kürzte man die Radstrecke um 4 Kilometer – der erste Iron Man Hawaii war geboren. Am Ende nahmen 15 Ausdauer- Junkies am Wettkampf teil, 12 davon beendeten das Rennen. Es siegte der texanische Taxifahrer Gordon Haller in 11 h 46:40 h min.

HUNDERT JAHRE GESCHICHTE
Wie erwähnt gab es aber schon vorher Veranstaltungen, bei denen die Teilnehmer die Kombination aus den drei Sportarten absol- vieren mussten. So schreibt die französische Sportzeitung „L‘Auto“ seit 1920 regelmäßig über ein Event, das unter dem Namen „Les Trois Sports“, also die drei Sportarten, bekannt wurde. Zu den berühmtesten Teilnehmern zählte der Chefredakteur Henri Desgrange, der auch als Initiator der Tour de France gilt. Auch in den USA gab es vor dem Iron Man schon Veranstaltungen, die unter dem Namen Triathlon geführt wurden. Wie bei den Les Trois Sports standen aber kürzere Distanzen auf dem Wettkampfplan. Seit den Spielen 2000 in Sydney gehört der Triathlon sogar zur olympischen Familie, wobei 2008 mit Jan Frodeno sogar ein Deutscher ganz oben auf dem Treppchen stand.

KEINE ANGST VOR DER DREI
Wenn Sportler heute den Namen Triathlon hören, bricht bei vielen der Schweiß aus und man denkt direkt an die brütende Hitze auf Hawaii und unzählige Kilometer, die man in der einsamen und von Wind gepeitschten Ebene von Big Island unterwegs ist. Der Triathlon scheint dabei so weit weg zu sein wie eine Olympiateilnahme. Triathlon ist aber weit mehr als nur der Wettkampf auf Hawaii. In fast jeder Großstadt sowie vielen kleineren Orten gibt es Wettkämpfe, auch bei den Olympischen Spielen wird um Medaillen gekämpft. Das Schöne an dem Mehrkampf ist, dass die Distanzen nicht in Stein gemeißelt sind. Hier muss man nur aufpassen, dass man die Begriffe Triathlon und Iron Man nicht synonym verwendet, denn Iron Man ist der Name einer Serie von Veranstaltungen, deren Jahreshöhepunkt auf Hawaii ausgetragen wird. Es gibt mehrere Iron-Man-Veranstaltungen an verschiedenen Orten. Gestartet wird über die sogenannte Langdistanz, also 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und den 42,195 km Marathon. Insofern ist jeder Iron Man eine Langdistanz, aber nicht jede Langdistanz ist ein Iron Man. In Deutschland gehört beispielsweise der Frankfurt Triathlon zur Iron-Man-Serie, wäh- rend der bekannteste Langdistanz-Triathlon in Roth zur DATEV Challenge Serie gehört.

TRIATHLON FÜR JEDERMANN
Wer noch nie für einen Triathlon trainiert hat, kommt wahrscheinlich nicht auf die Idee, an einer Langdistanz teilzunehmen. Dazu kann man auch niemandem raten. Für Hobbysportler gibt es auch kürzere Distanzen, wie beispielsweise die Halbdistanz, bei der 1,9 km geschwommen, 90 km geradelt und ein Halbmarathon gelaufen wird. Bei den Olympischen Spielen gibt es die olympische Distanz (1,5/40/10). Bei kleineren
Veranstaltungen wird auf Sprint- oder Kurzdistanzen gestartet, mit im Normalfall nur rund 500 bis 1.000 m Schwimmen, zwischen 20 und 25 km Radfahren und 5 bis 7 km Laufen. Mit etwas Training ist so eine Distanz auch für einen mittelmäßigen Hobbysportler zu schaffen. Dann gibt es je nach Veranstalter noch Sonderformen wie die 111 km, bei der 1 km geschwommen, 100 km geradelt und 10 km gelaufen wird. Der Kreativität der Veranstalter sind hier keine Grenzen gesetzt. Schließlich besagt der Name Triathlon nur, dass man drei Disziplinen absolvieren muss und nicht, wie lang diese sein müssen.
START MIT DAMENRAD
Wer selbst mal einen Triathlon absolvieren möchte, muss auch keine Angst vor der teuren Ausrüstung haben. Bei den Jedermann-Rennen ist es keine Schande, wenn man mit seinem Trekking-Rad oder Mountainbike an den Start geht. Schließlich geht es nur darum, Triathlon- Luft zu schnuppern und nicht, um die vorderen Plätze mitzukämpfen. Insofern sieht man beim größten Jedermann-Triathlon der Welt, dem Hamburg Triathlon mit über 10.000 Teilnehmern auf den verschiedenen Distanzen, nicht nur Rennmaschinen für mehrere tausend Euro, sondern auch Damenräder oder ganz normale Stadtfahrräder. Beim Schwimmen auf den kurzen Distanzen ist ein Neoprenanzug zwar hilfreich, aber nicht notwendig. Und Laufschuhe sollte jeder von uns auch ausreichend zur Verfügung haben.

TIPPS FÜR EINSTEIGER
Wer sich einigermaßen fit fühlt und beim gelegentlichen Besuch des örtlichen Schwimmbades nicht direkt ertrinkt, kann sich im Prinzip auch zur nächsten Sprintdistanz anmelden. Wobei es schon Sinn macht, zumindest das Schwimmen im See vorher zu trainieren. Denn es ist ein großer Unterschied, ob man im Schwimmbad ist, wo die Bahnen eingezeichnet sind, oder im offenen Gewässer, wo man sich nur an den anderen Schwimmern oder ein paar Bojen orientieren kann. Schnell verliert man den Überblick und muss einige Extra- Meter schwimmen. Auch der Massenstart mit zig anderen Teilnehmern, die gleichzeitig ins Wasser springen, ist nicht ohne und sollte vorher geübt werden. Außerdem ist es besser zu kraulen, als Brust zu schwimmen. Wer kraulen kann, spart Kraft und braucht nicht so viel Platz. Viele Triathleten bekom- men beim Wechsel vom Rad auf die Laufstrecke Probleme, da hier die Beinmuskulatur komplett anders angesprochen wird. Hier ist es sinnvoll, den Wechsel vorher zu trainieren und nach dem Radfahren direkt ein paar Kilometer zu laufen.

EIN NEUER KICK
Auch wenn nicht aus jedem Läufer ein Triathlet wird, lohnt es sich, zumindest einmal im Leben eine Kurzdistanz zu absol- vieren. Gerade die Kombination aus drei unterschiedlichen Sportarten sorgt für Abwechslung und gibt dem Training einen zusätzlichen Kick. Und wem es keinen Spaß macht, kann jederzeit wieder nach Hause auf die Laufbahn zurückkehren.

DEUTSCHLANDS BESTE TRIATHLETEN

Fünf Deutsche konnten bisher den Iron Man auf Hawaii gewinnen und zählen zu den besten Athleten aller Zeiten.
THOMAS HELLRIEGEL
Der aus Bruchsal stammende Hellriegel konnte nach zwei zweiten Plätzen 1995 und 1996 im Jahr 1997 als erster Deutscher auf Hawaii triumphieren. Seinen Spitznamen „Hell on Wheels“ verdankt er seinem überragenden Talent auf dem Rad. 2001 schaffte er mit Platz 3 noch einmal den Sprung aufs Treppchen.

NORMANN STADLER
Stadler ist der einzige Deutsche, der sich auf Hawaii zweimal in die Siegerliste eintragen durfte. Stadler triumphierte 2004 und 2006 und hält bis heute mit 4:18:23 h die schnellste jemals gefahrene Radzeit über die 180 km.

FARIS AL-SULTAN
Die Siegesserie von Stadler wurde nur durch seinen Landsmann Faris Al-Sultan durchbrochen, der 2005 auf Hawaii gewinnen konnte. Der Münchner Al-Sultan wurde vor allem durch seine kurzen Oberteile als „Bauchfrei-Triathlet“ bekannt.

SEBASTIAN KIENLE
Nach einer längeren Durststrecke holte Sebastian Kienle 2014 den nächsten Hawaii-Sieg für Deutsche Triathleten, nachdem er im Vorjahr noch Rang 3 belegt hatte. Kienle gilt als überragender Radfahrer. In der Liste der schnellsten Radzeiten belegt er die Ränge drei und sieben.

JAN FRODENO
„Frodo“ gelang das Kunststück, als erster Triathlet überhaupt sowohl bei den Olympischen Spielen (2000 in Sydney) wie auch auf Hawaii ganz oben auf dem Treppchen zu stehen. Frodeno gewann 2015 auf Big Island. 2016 gelang ihm in Roth mit 7:35:39 Stunden ein neuer Weltrekord über die Triathlon-Langdistanz.

23rd European Athletics Championships - Day Five

„Ich stelle mir vor, wie gut es sich anfühlt“

Auch Laufprofis werden nicht als solche geboren. Hinter den Erfolgen der besten deutschen Läufer auf den Straßen und im Gelände steckt natürlich hartes Training. Dabei benutzen die Profis einige Tricks, die auch Ihnen helfen können, der Monotonie zu entkommen oder sich perfekt auf den kommenden Wettkampf vorzubereiten.

Text: Daniel Becker

Anne-Marie Flammersfeld:

„Eine gute Möglichkeit, die gelegentliche Monotonie eines Dauerlaufes aufzulockern und dabei gleichzeitig noch mehr für die Fitness zu tun, ist das Einbinden von ‚Minutenläufen‘. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Egal, ob eher klassische Varianten wie 10 x 1’/1′ oder 10 x 2‘/1‘ – jeweils schnell und locker im Wechsel – oder auch Pyramidenprogramme wie beispielsweise 1/2/3/4/5/4/3/2/1 mit jeweils der Hälfte der Minuten als Trabpause. Natürlich sind auch ganz eigene Kreationen möglich, aber so oder so werden Sie nicht nur merken, dass die Zeit im Nu verfliegt, sondern auch schon bald feststellen, dass die persönliche Form eine andere ist. In diesem Sinne: Viel Spaß beim Ausbruch aus der Komfortzone und dem Entdecken neuer, vielleicht ungeahnter Möglichkeiten!“

Philipp Pflieger:

„Meine Long Jogs versuche ich total entspannt zu starten. Wenn ich mir vorher zu viele Gedanken über die Distanz und die Höhenmeter mache, die vor mir liegen (vielleicht 40 Kilometer mit 3.000 Höhenmetern), dann verkrampfe ich am Anfang, und jeder folgende Schritt ist eine Qual. Deswegen setze ich häufig das gute Gefühl, das ich nach einem langen Training habe, an den Anfang. Ich visualisiere und stelle mir mit allen Sinnen vor, wie gut es sich anfühlt.

Julian Flügel:

„Werden Sie nie zum ‚Sklaven‘ Ihrer GPS-Uhr. Während eine GPS-Uhr grundsätzlich ein extrem nützliches Hilfsmittel beim Training ist, sollten Sie insbesondere bei lockeren Trainingsläufen eher auf Ihr Gefühl achten und nicht einem bestimmten Kilometerschnitt hinterherlaufen.“

Moritz auf der Heide:

„Um die richtige Wettkampfhärte für den Tag X zu kriegen, laufe ich ein Mal pro Woche die volle Marathondistanz und beschleunige bewusst auf den letzten sechs Kilometern bis auf Wettkampftempo. Bevorzugt sogar auf leeren Magen, damit der Fettstoffwechsel trainiert wird. Natürlich müssen es im Training bei Hobbyläufern nicht direkt 42,195 Kilometer sein. Ein langer Lauf über 30 Kilometer mit Endbeschleunigung kann bereits denselben Effekt haben.“

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Abenteuer Rückwärtslaufen

Wer glaubt, Rückwärtslaufen sei bloß ein Jux, liegt falsch: Die Besten dieser Disziplin kämpfen sogar um Titel und Rekorde – und schwören auf die positiven Effekte für Muskeln, Gelenke und Koordination. aktivLaufen stellt die ungewöhnliche Laufvariante vor.

Text: Wilfried Spürk

Das nächste Laufabenteuer wartet beim nächsten Schritt. Wenn Sie es wollen. Und wenn Sie sich trauen. Drehen Sie sich um 180 Grad und laufen Sie weiter in dieselbe Richtung wie zuvor. Ja, jetzt laufen Sie rückwärts – und betreten eine völlig andere Laufwelt, die neue Erfahrungen eröffnet und ungewohnte Herausforderungen stellt. Sie bewegen sich fast auf Zehenspitzen und werden sich wohl gelegentlich mal nach hinten umschauen, um eventuell auftauchenden Hindernissen auszuweichen. Vielleicht bemerken Sie auch belustigte Blicke von Passanten oder anderen Läufern. Und womöglich werden Sie bei all dem so viel Spaß haben wie lange nicht mehr beim Laufen – und künftig bei Ihren Trainingsrunden regelmäßig mal eine kleine Passage rückwärts einlegen. Dann wären Sie zwar ein Exot unter den Läufern, aber keineswegs allein unterwegs.

Es gibt mittlerweile eine lebendige Szene von Rückwärtsläufern, die sich sogar in Wettbewerben messen und Bestzeiten jagen. Die Ursprünge dieses Sports sollen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Europa liegen, als Rückwärtsläufer als Showattraktionen auftraten. Später setzten amerikanische Athleten das Rückwärtslaufen im Training ein, in Europa fand diese Laufvariante ab Mitte des 20. Jahrhunderts zunehmend mehr Anhänger. Der erste offizielle Wettkampf in Europa fand 1992 im italienischen Poviglio statt. Einen Aufschwung erlebte das Rückwärtslaufen dann zu Beginn des 21. Jahrhunderts, die Zahl der Wettbewerbe in verschiedenen Ländern nahm zu. In Deutschland wurde der seit 2000 ausgetragene „Deutsche Rückwärtslauf“ in Augsburg im Jahr 2002 in die Deutsche Rückwärtslauf-Meisterschaft umgewandelt. 2005 schlossen sich die Rückwärtslauf-Begeisterten als „International Retro-Runner“ (IRR) zu einem internationalen Verband zusammen. „Retrorunning“ wird übrigens als Synonym zu Rückwärtslaufen auch im deutschsprachigen Raum gebraucht. Ein Jahr nach ihrer Gründung veranstalteten die IRR die erste offizielle Weltmeisterschaft, die seitdem alle zwei Jahre ausgetragen wird. Das Programm umfasst Sprintstrecken (100 Meter, 200 Meter), Mitteldistanzen (400 Meter, 800 Meter, 1.500 Meter) und Langstrecken (3.000 Meter, 5.000 Meter, 10.000 Meter) sowie den Halbmarathon und Staffelwettbewerbe.

Deutsche Pioniere

Einer der Pioniere und mehrfacher Medaillengewinner bei den ersten Titelkämpfen 2006 in Rotkreuz, Schweiz, ist Roland Wegner, der in seinem 2010 veröffentlichten Buch „Retrorunning. Rückwärts zu neuen Ufern“ (erschienen im spomedis-Verlag) einen Überblick über alle Aspekte des Rückwärtslaufens als eigener Sportart gibt und erzählt, wie er persönlich zum Retrorunning kam. Als 19-Jähriger begann Wegner eine Karriere als „normaler“ Läufer. Wegen Knieproblemen infolge eines Kreuzband- und horizontalen Meniskuseinrisses konnte er allerdings nicht mehr schmerzfrei laufen. Ärzte rieten ihm vom Leistungssport komplett ab. Mit dem Rückwärtslaufen fand Wegner dann nicht nur eine Laufdisziplin, die er beschwerdefrei ausüben konnte, sondern, so erzählt er es in seinem Buch, die es ihm nach einiger Zeit auch wieder ermöglichte, vorwärts auf hohem Niveau zu laufen. 2004 verwirklichte er so doch noch seinen Traum vom Start bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften: in der 4 x 400-Meter-Staffel, als Vorwärtsläufer.

Wegner hält bis heute die Rückwärts-Rekorde auf den Sprintdistanzen. Im Jahr 2007 lief er die 100 Meter in 13,6 Sekunden, für die 200 Meter stehen 31,56 Sekunden von 2008 zu Buche. Auf den längeren Strecken sorgt sein Landsmann Thomas Dold, der auch als einer der weltbesten Treppenläufer bekannt ist, seit Jahren für Furore. Er stellte unter anderem die Weltbestzeiten über 400, 800 und 3.000 Meter auf. Der jüngste Husarenstreich gelang Dold am 26. April des vergangenen Jahres, als er im Rahmen des Oberelbe-Marathons in Dresden mit 39:20 Minuten den neuen Weltrekord über 10.000 Meter aufstellte. Grob gesagt sind Rückwärtsläufer, sofern man sich an den Rekorden orientiert, 30 bis über 40 Prozent langsamer als Vorwärtsläufer.

Dold, der neben seinen vielfältigen sportlichen Aktivitäten im Laufbereich auch als Manager der Langstrecken-Asse Lisa und Anna Hahner arbeitet sowie als Motivationscoach in Unternehmen tätig ist, kam über den Fußball zum Rückwärtslaufen. Als Jugendlicher spielte der Baden-Württemberger beim SV Steinach im Schwarzwald. Der Verein hat auch eine Laufabteilung, und als die mit ein paar Vertretern 2003 zur Deutschen Rückwärtslauf-Meisterschaft fuhr, nahmen sie Dold mit. „Von da an hat’s mich nicht mehr losgelassen“, sagt der 31-Jährige. „Es war faszinierend, wie schnell ich mich verbessern konnte und zunehmend mehr Kilometer am Stück schaffte.“ Rückwärts laufen war auch für ihn erst mal eine völlig ungewohnte Belastung. „Es ist, wie wenn man Liegestütze macht und irgendwann einfach nicht mehr kann. Beim Rückwärtslaufen kriegt man nach einiger Zeit die Füße nicht mehr hintereinander. Das tut dann auch weh“, erklärt Dold. Deshalb sei für Anfänger wichtig: die Sache langsam angehen, Distanzen und eventuell Tempo nur allmählich erhöhen. Dann aber sei Rückwärtslaufen ein gutes Alternativtraining, das die Koordination schule und die Beinmuskulatur kräftige, vor allem die bei vielen Läufern kritischen hinteren Oberschenkelmuskeln.

Sinnvoll im Training

Den positiven Effekt für die Koordination bestätigt Sportmediziner Dr. Matthias ­Marquardt, der mehrere Bücher zum Thema Laufen veröffentlicht hat und selbst Laufseminare anbietet (www.marquardt-running.com). „Als koordinatives Element im Training bietet sich Rückwärtslaufen an. In meinen Seminaren kann das so aussehen, dass die Teilnehmer bei Dauerläufen alle zehn Minuten mal ein paar Schritte seitwärts links, ein paar Schritte seitwärts rechts und eben auch ein paar Schritte rückwärts machen“, sagt Marquardt. „In allen Sportarten, wo die Laufarbeit eine wichtige Rolle spielt, ist Rückwärtslaufen als Bestandteil koordinativer Einheiten eine sinnvolle Sache.“

Dold bestätigt das, seine Hahner-„Schützlinge“ bauen Retro-Einheiten vor allem im Aufbautraining ein. Positiv wirkt sich das auch auf die Muskulatur aus. Vor allem der Wadenbereich wird beansprucht, während die Gelenke geschont werden: „Rückwärts laufen Sie erzwungenermaßen auf dem Vorfuß, dabei fängt man die Stöße zu einem großen Teil mit der Wadenmuskulatur ab“, erläutert Experte Marquardt. Die Folge: „Knie und Hüfte werden entlastet.“ Dies sei auch der Grund, warum manche Arthrosepatienten Treppenstufen gerne rückwärts bewältigen. „Wer rückwärts geht, hat einen deutlich geringeren Anpressdruck hinter der Kniescheibe.“ Die Erfahrung von Buchautor Wegner scheint diese Analyse zu bestätigen.

Trotz der positiven Aspekte betont Sportmediziner Marquardt aber, dass das Rückwärtslaufen aus seiner Sicht für längere Strecken problematisch ist: „Der Fuß ist eigentlich dafür gemacht, dass man sich über die Zehen kraftvoll nach vorne abdrückt und die Zehen dabei beugt, um den Fuß zu stabilisieren. Genau das können Sie beim Rückwärtslaufen nicht. Insofern ist das nicht grundsätzlich die physiologisch gesündere Bewegung. Und da man oft nach hinten blickt, tut man seinem Nacken auch nichts Gutes.“

Sommer-WM in Deutschland

Passionierte Rückwärtsläufer wie Dold haben Wege gefunden, das Orientierungs- und Nackenproblem zu mildern. Eine der gängigsten: jemanden mitnehmen, der einen im Vorwärtslauf begleitet. Der Multiweltrekordler führt ungeahnte Vorteile eines solchen Trainings ins Feld: „Ich kann so gut mit jemandem zusammenlaufen, der im Vorwärtslaufen langsamer ist als ich.“ Auch einen kommunikativen Aspekt sieht Dold: „Man kann sich sogar richtig gut unterhalten, da man sich direkt anschauen kann.“ Der zehnfache Retrorunning-Weltmeister, der den Anteil von Rückwärtslauf-Einheiten in seinem Training mit rund zehn Prozent angibt, absolviert diese meist auf der Tartanbahn oder verkehrsarmen Straßen, gerade dort nicht ohne Begleitung.

Das Wettbewerbsangebot ist begrenzt, für seine Weltrekordversuche organisierte Dold teilweise selbst Veranstaltungen. „Meist mit eher wenigen Teilnehmern, weil man auch aufeinander achten muss“, erklärt er. Zudem werden die Retrorunner meist durch Begleitläufer oder Radfahrer eskortiert. Manche Rückwärtsläufer starten auch bei normalen Laufveranstaltungen. Dold selbst plant für den 5. Mai eine Teilnahme beim Auffahrtslauf in der Schweiz, wo er erstmals die Halbmarathondistanz rückwärts laufen will. Vom 14. bis 17. Juli steht dann das nächste Highlight für Dold an: Zum ersten Mal finden die Weltmeisterschaften in Deutschland statt, im Sportpark Hallo in Essen (Infos unter retrorunning2016.com). Eine perfekte Gelegenheit für Neugierige, den ungewöhnlichen Sport mal kennenzulernen. Andererseits: Dafür brauchen Sie sich bei Ihrem nächsten Lauf einfach nur mal um 180 Grad zu drehen und in dieselbe Richtung weiterzurennen.

Tipps für Anfänger:

Kurze Strecken

Bauen Sie in Ihr normales Training kurze Passagen ein. Vielleicht anfangs nur 50 Meter, und das mehrmals. Später die Distanzen allmählich etwas steigern.

Freie Bahn wählen

Checken Sie auf Ihrer Trainingsrunde, dass Sie eine Weile keinen Gegenverkehr haben – damit Sie entspannt eine kleine Passage rückwärts laufen können.

Nicht im Wald

Wählen Sie einen übersichtlichen Park oder eine Sportplatz-Laufbahn – aber laufen Sie lieber nicht im Wald, wo Baumwurzeln, Steine, Zweige als Stolperfallen lauern.

Mit Begleitung

Gemeinsam mit einem Vorwärtsläufer sind Sie entspannter – und Sie können sich sogar noch besser unterhalten als nebeneinander.

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ABKÜRZUNGEN UND ANDERE KLEINIGKEITEN

Beim Langstreckenlauf gibt es immer wieder Athleten, die versuchen, ein paar Kilometer einzusparen, ohne dass es jemand merkt – oder auf andere Weise die Zeitmesssyteme auszutricksen. aktivLaufen schildert einige besonders skurrile Fälle.

Text: Wilfried Spürk

 

Was sich 1904 in St. Louis, USA, bei den dritten Olympischen Spielen der Neuzeit beim Marathon ereignete, ist heute unvorstellbar. Aber das ist ja auch mehr als 100 Jahre her. Damals verlief die Strecke über unbefestigte Straßen, auf denen Begleitfahrzeuge und -pferde so viel Staub aufwirbelten, dass die Läufer Hustenattacken erlitten. Es gab nur eine Wasserstelle für die Athleten, zu trinken gab’s unterwegs auch mal einen Schluck Brandy – jedenfalls für US-Boy Thomas Hicks, und der gewann den Lauf immerhin. Doch wir wollen eigentlich eine andere Geschichte dieses unglaublichen Wettkampfs erzählen. Die von Frederick Lorz, der sich für einige Minuten als Olympiasieger feiern ließ, obwohl er wenig mehr als die Hälfte der 42,195 Kilometer gelaufen war. Die Toch- ter des damaligen US-Präsidentin Theodore Roosevelt, die 20-jährige Alice, setzte Lorz einen Siegerkranz auf den Kopf und wollte ihm gerade die Goldmedaille umhängen, als jemand rief: „Halt! Er ist ein Betrüger!“ Buhrufe ertönten, und der vermeintliche Triumphator bekannte lächelnd, er habe sich nur einen Scherz erlauben wollen, aber nicht beabsichtigt, die Auszeichnung anzunehmen. Der damals 20-Jährige war, früh von Krämpfen geplagt, große Teile der Strecke in einem Begleitfahrzeug mitgefahren und dann wieder in den Lauf eingestiegen, um „zum Scherz“ als Erster die Ziellinie zu überqueren. Die Jury hatte Lorz zu dem Zeitpunkt schon disqualifiziert, dennoch wäre es beinahe zur falschen Siegerehrung gekommen. Heutzutage unvorstellbar? Ja, inzwischen dauert es meist viel länger, ehe ein derartiger Betrug aufgedeckt wird …

SCHNELLER PER U-BAHN

Im Jahr 1980 gewann die in der Szene völlig unbekannte Rosie Ruiz – vermeintlich – den Boston-Marathon in 2:31:56 Stunden, der bis dahin drittschnellsten Zeit im Damenbereich. Allerdings konnte sich anschließend kein anderer Teilnehmer daran erinnern, Ruiz auf den ersten 40 Kilometern gesehen zu haben. Und dass man schon wenige Minuten nach dem Zieleinlauf keine Spur von Erschöpfung mehr bei ihr erkennen konnte, erregte zusätzlich Verdacht. „Ich bin heute Morgen mit viel Energie aufgestanden“, erklärte sie. Recherchen förderten jedoch eine andere Wahrheit zu Tage. Ruiz hatte sich 1979 beim Marathon in New York in ihrem ersten Langstrecken- rennen überhaupt für Boston qualifiziert, mit einer ebenfalls bemerkenswerten Zeit. Kein Wunder: Die 26-Jährige war ein Stück mit der U-Bahn gefahren und dann kurz vor dem Ziel wieder auf die Strecke gesprungen. Wie genau sie in Boston vorgegangen war, wurde nicht geklärt, möglichwerweise war ihr nicht bewusst, dass sie so weit vorne lag. Die Indizien sprachen jedenfalls eindeutig dafür, dass sie abgekürzt hatte. Ruiz wurde aus den Ergebnislisten gestrichen.

Der Fall Ruiz mag wie aus einer anderen Zeit erscheinen. Inzwischen sind wir in der Ära der Zeitmessung per Mikrochip angekommen. Seit 1993 wird diese Technologie im Langstrecken- lauf eingesetzt. Abkürzungsbetrügern kommt man vor allem durch Messmatten auf die Spur, an denen jeder Läufer mit einer Zwischenzeit registriert wird. Fehlen eine oder mehrere Zwischenzeiten, hat der Läufer diese Punkte wohl nicht passiert. Die Zahl der Messstellen ist je nach Veranstaltung unterschiedlich; beim Berlin-Marathon, einem der renommiertesten Lauf-Events der Welt, ist alle fünf Kilometer eine installiert.

MEXIKANISCHES WUNDER

Im Jahr 2007 sorgte in Berlin Roberto Madrazo, mexikanischer Präsidentschaftskandidat 2006, für Aufsehen. Jubelnd lief er über die Ziellinie. In 2:41:11 Stunden hatte der damals 55-Jäh- rige seine persönliche Bestzeit um fast eine Stunde verbessert – und war Sieger in seiner Altersklasse M55 geworden. Bildaufnahmen zeigen ihn beim Zieleinlauf mit dicker Wind- jacke, einer langen Laufhose und Mütze. Fotograf Victor Sailer kam das angesichts von Temperaturen von 16-17 Grad komisch vor: „Alle anderen auf diesen Bildern tragen T-Shirts und Shorts, und der Kerl hat eine Jacke an und eine Mütze auf“, sagte Sailer. Er witterte Betrug und teilte dies den Veranstaltern mit. Am folgenden Tag gaben die Organisatoren die Disqualifikation Madrazos bekannt. Die Überprüfung der Zwischenzeiten ergab Fol- gendes: Madrazo absolvierte die ersten 20 Kilometer in 1:42:42 Stunden. Danach wurde erst wieder am Kontrollpunkt bei Kilometer 35 für „Speedy Gonzalez“, wie er in der Presse später genannt wurde, eine Zeit gemessen – und der Mexikaner schien ein Wunder vollbracht zu haben: Nur 21 Minuten hatte er für die 15 Kilometer benötigt; die Weltbestzeit für 15 Kilometer liegt heute bei 41:13 Minuten. Des Rätsels Lösung: Madrazo war wohl zum 35-Kilometer-Punkt geschlendert, da die Mess- punkte 20 und 35 nur einige Hundert Meter voneinander entfernt lagen. Er erklärte später, er habe sich unterwegs verletzt und nur in den Zielbereich gewollt, um seine Sachen zu holen. Na ja: fest steht, dass Madrazo nichts unternahm, um die Sache selbst aufzuklären. Und warum jubelte er beim Zieleinlauf so?

UNTER BEOBACHTUNG

Wer wie Madrazo im Gesamtklassement oder in seiner Klasse weit vorne platziert ist, steht unter besonderer Beobachtung. Aufmerksame Tempomacher und manchmal auch Begleitrad- fahrer sorgen heutzutage mit dafür, dass die Athleten nicht auf dumme Gedanken kommen. Videoaufzeichnungen helfen bei der Beweis- führung, wenn tatsächlich bei einem Läufer Zwischenzeiten fehlen. Es kann durchaus passieren, dass ein technisches Problem der Grund ist. „Das ist aber nur in weniger als einem Prozent der Fälle so“, sagt Nicole Hafner, Geschäftsführerin der Firma NeoMove, die bei einigen Laufveranstaltungen als Partner der Organisatoren für die Zeit- und Datenerfas- sung zuständig ist. Aus Erfahrung weiß sie, dass bei kleineren Runs immer mal wieder „ein oder zwei“ Teilnehmer dabei sind, die zu betrügen versuchen. Warum manche Läufer ohne jegliche Sieg- oder Rekordaussichten ihre

Ergebnisse aufpolieren wollen, indem sie ein paar Kilometer auslassen, darüber kann nur spekuliert werden.

DER (FAST) PERFEKTE BETRUG

Neben der Abkürzung ist bei Betrügern eine weitere Methode beliebt: den Chip jemand anderem zu geben. Zu zweifelhafter Berühmt- heit gelangten die Brüder Sergio und Sefako Motsoeneng. Mit einer gewieften Taktik wollte Sergio, damals 21 Jahre alt, den traditio- nellen Comrades Run in Südafrika über 87 Kilometer gewinnen. Er ließ einen Teil der Strecke seinen zwei Jahre jüngeren Bruder für sich laufen. In einem Toilettenhäuschen bei Kilometer 20 übernahm Sefako den Chip und Sergios Kleidung. Später übernahm dann der Ältere wieder, der zwar den Traum vom Sieg nicht realisierte, aber als Neunter noch eine Geldprämie erlief. Da sich die beiden sehr ähnlich sahen, war zunächst niemandem was aufgefallen. Erst Monate später kam ein misstrauischer Konkurrent auf die Idee, Foto- aufnahmen vom Rennen zu checken. Darauf sieht man: Derselbe Läufer – vermeintlich Sergio Motsoeneng – hatte einmal die Uhr am rechten Arm, einmal am linken, ein Mal pinkfarben, ein Mal cremefarben. Damit kam die Sache ins Rollen, auf Anraten eines Anwalts gaben die Brüder den Betrug zu.

Gezielt ging auch die Liechtensteinerin Kerstin Metzler-Mennenga vor. Aufgeflogen ist sie nach dem Berlin-Marathon 2007, wo sie in 2:42:21 Stunden Landesrekord lief und die Olympia- Norm schaffte. Wie sich herausstellte, hatte die damalige Studentin einen männlichen Läufer unter dem Vorwand, eine wissenschaftliche Studie zu betreiben, und mit einer Prämie von 100 Euro dazu überredet, außer seinem eigenen auch ihren Chip zu tragen. Nach dem Lauf fiel dem „Ghostrunner“ auf, dass eine Läuferin mit den exakt gleichen Zeiten wie er selbst aufgeführt war. Er meldete es dem Veranstalter, und der Betrug wurde entlarvt. Später gestand die Frau aus Liechtenstein, schon in Hamburg 2007 und Frankfurt 2006 dieselbe Methode angewendet zu haben. In Hamburg hatte sie ebenfalls vermeint- lich Landesrekord erzielt und sich sogar für die WM 2007 qualifiziert, wo sie 53. wurde. Einen Rekord hat Metzler-Mennenga übri- gens ganz regulär aufgestellt: den über die Halbmarathon-Distanz im Rückwärtslaufen. Klingt skurril, ist aber wahr. So wie die hier erzählten Geschichten von Laufbetrügern.

Hier die Top-Five der Betrüger:

Kielder, England (2011)

Rob Sloan belegte beim Marathon im englischen Kielder Platz 3. Nur: Kein Mitläufer hatte ihn auf den letzten 10 km gesehen, Kein Wunder: Er war etwa bei km 32 in einen Bus gestiegen, mit dem er bis kurz vors Ziel fuhr.

Singapur (2013)

Konditormeister Tam Chua Puh kam beim Singapur- Marathon in starken 2:45 Stunden ins Ziel, als erster Läufer des Stadtstaats. Tatsächlich war er nach sechs Kilometern verletzt ausgestiegen und dann ins Ziel gegangen. Er sagte, er habe nur Finisher-Shirt und -Medaille haben wollen. Wie übrigens schon bei anderen Läufen, wo er ebenfalls abgekürzt hatte.

Berlin (2014)

Peter S. gewann beim Berlin- Marathon die Klasse M75 in 3:30:14 Stunden, deutlich vor dem Zweiten. Fotos zeigten allerdings, dass mit der betreffenden Startnummer zwei Personen gelaufen waren – Vater und Sohn. Sie hatten unterwegs den per Klettband befestigten Chip mehrmals gewechselt.

St. Louis (2014)

Kendall Schler kam beim St.- Louis-Marathon als Erste ins Ziel, ließ sich strahlend mit Ex-Olympiasiegerin Jackie Joyner-Kersee fotografieren. Aber: Sie hatte kein einzige Zwischenzeit, war wohl erst kurz vor dem Ziel auf die Strecke gesprungen.

Ulm (2015)

Beim Einstein-Marathon in Ulm gewann Meike Rauer. Doch nach einigen Tagen war bewiesen, dass sie nicht die komplette Strecke absolviert hatte. Sie selbst behauptete, unbeabsichtigt aufgrund undurchsichtiger Streckenführung falsch gelaufen zu sein.

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Allez les Bleus

Bei den IAU Trail World Championships in Annecy wurde das Heimspiel für die Franzosen zu Festspielen: Bei allen vier Siegerehrungen wurde am Ende die „Marseillaise“ gespielt. Das deutsche Team, für das auch aktiv Laufen-Expertin Anne-Marie Flammersfeld an den Start ging, musste im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinn mit leerem Magen nach Hause gehen. Ein Erlebnisbericht.

Text: Daniel Becker

Es ist kurz nach 18:00 Uhr in Annecy, der Perle der französischen Alpenstädte. Anne-Marie Flammersfeld hat Hunger. Den gesamten Tag ist die erfolgreichste deutsche Extremsportlerin gelaufen, gestartet wurde in der Nacht. Genau elf Stunden, 21 Minuten und drei Sekunden. 85 Kilometer, rund um den Lac d’Annecy, den traumhaft gelegenen See, um den herum das Leben in der Hauptstadt des Départements Haute-Savoie in der Region Rhône-Alpes organisiert ist. Dabei musste sie, wie die anderen 285 Athletinnen und Athleten, die bei der Trail-WM um Titel, Medaillen und Platzierungen gekämpft haben, 5.300 Höhenmeter bewältigen. Verständlich, dass danach der Magen knurrt. Für 20 Uhr hat der Veranstalter ein großes Buffet für alle Teilnehmer und Betreuer im größten Zelt des Athletendorfes angekündigt. Mit der Griechin Spyridon Xenitidis wird nur wenige Minuten vorher auch die letzte WM-Teilnehmerin das Ziel an der Seepromenade erreicht haben. Weit hat sie es danach zum Glück nicht. Das Zelt liegt direkt gegenüber der Zielgeraden.

Im Schatten der Großen

Für das deutsche Team haben sich zusammen mit Anne-Marie Flammersfeld fünf weitere Frauen (Pamela Veith, Simone Philipp, Anja Karau, Julia Fatton und Ildiko Wermescher) sowie sechs Männer (Rudi Döhnert, Marcus Biehl, Martin Schedler, Matthias Dippacher, Anton Philipp und Florian Reichert) auf den Weg zur Trail-WM nach Annecy gemacht. Zur Unterstützung ist auch ein kleiner Stab an Betreuern und Helfern mit angereist. Alle deutschen Athleten sind mittlerweile im Ziel angekommen. Die gesamte Gruppe sitzt im Athletendorf unter einem der großen, schattenspendenden Bäume zusammen. Manche dösen ein wenig, andere pflegen ihre Wunden, der Rest lässt das Rennen gemeinsam Revue passieren. Schon den ganzen Tag lang haben sich über den Gipfeln der Alpenriesen nur kleine Schleierwolken blicken lassen. Im Tal war es angenehm warm, oben in den Bergen, auf streckenweise über 1.500 Metern, nicht zu kalt – zumindest nach Tagesanbruch. Traumhafte Laufbedingungen also. Auch jetzt, kurz vor Beginn der Dämmerung, zeigt das Thermometer noch 24 Grad an. Weil das Athletendorf aber nicht genügend Plätze zur Abkühlung bietet, haben sich viele Läufer rund um den gesamten Zielbereich ihren Ruheplatz gesucht. So mancher hat auch schon ein kühles Bad im Lac d’Annecy hinter sich. In dem See, um den sich für die Athleten in den Stunden zuvor im wahrsten Sinne des Wortes alles gedreht hat. „So langsam würde ich aber wirklich gerne mal was essen“, sagt Anne-Marie Flammersfeld und blickt neugierig in Richtung Zelt. Es ist kurz vor 19:00 Uhr.

Grande Nation

Sechzehn Stunden zuvor, um 3:30 Uhr nachts, war der Startschuss für die IAU Trail World Championships, so der offizielle Titel des Rennens, gefallen. Vier Wertungen wurden ausgetragen. Neben den Einzelwertungen wurde für Männer und Frauen zusätzlich eine Teamwertung ausgetragen. Die Zeiten der schnellsten drei Athletinnen und Athleten wurden dabei jeweils addiert. Bei den Frauen liefen die drei besten deutschen Starterinnen unter die Top 35. Am erfolgreichsten war mit Platz 18 Ildiko Wermescher (11:17:17 Stunden). Anne-Marie Flammersfeld, den Lesern dieser Zeitschrift als „Wüstenkönigin“ und aktiv Laufen-Expertin bekannt, kam knapp dahinter auf Platz 21 ins Ziel (11:21:03 Stunden). Als drittbeste Deutsche schaffte Simone Philipp Rang 35 (11:49:01 Stunden). Das reichte für die Frauen hinter Frankreich, Spanien und Italien am Ende für einen starken vierten Platz in der Mannschaftswertung: „Mit der Einzel-Platzierung bin ich absolut zufrieden, vor allem wenn man bedenkt, dass das ein Weltmeisterschaftsrennen war und so viele Topläuferinnen am Start waren“, erzählt Flammersfeld nach dem Rennen. Ein kleiner Wermutstropfen: Mit etwa zwölf Minuten hatte das deutsche Team keinen allzu großen Rückstand auf den Bronzerang, den die Frauen aus Italien belegten.: „Auf jeden Fall hätten wir in der Teamwertung gerne eine Medaille gewonnen. Der vierte Platz ist trotzdem absolut in Ordnung, aber eine Medaille wäre einfach das i-Tüpfelchen gewesen“, so Flammersfeld. Die Männer- mannschaft musste sich am Ende mit dem siebten Rang zufriedengeben. Schnellster deutscher Läufer war Matthias Dippacher auf Rang 26 (09:35:26 Stunden). Die Zeiten von Rudi Dohnert (Rang 38, 09:51:27 Stunden) und Marcus Biehl (Rang 42, 10:01:01 Stunden) gingen ebenfalls in die Mannschaftswertung ein. Auch hier gewann Frankreich. Auf den Plätzen zwei und drei folgten die Mannschaften aus den USA und Großbritannien.

Technische Störung

Der schnellste Deutsche, Matthias Dippacher, scheint nach dem Rennen von allen Läufern im Team am entspanntesten zu sein. Im ersten Gespräch mit ihm streikte das Tonbandgerät nach wenigen Sekunden. Das fiel jedoch leider erst am Ende auf. Für Dippacher kein Problem. Er lässt sich auf seinem Stuhl ganz weit nach unten rutschen und zieht sein Fazit ein zweites Mal: „Nach dem Rennverlauf bin ich mit meiner Platzierung sehr zufrieden. Nachdem ich bei der ersten Verpflegung noch irgendwo zwischen Rang 60 und 80 lag, bin ich sehr happy, dass ich noch nach vorne laufen konnte.“ Wie im Team, so führte auch in der Einzelwertung an den heimstarken französischen Athleten kein Weg vorbei. Und das, obwohl sich in Annecy die gesamte Weltelite versammelt hatte. Im Rennen der Männer hatte sich im Vorfeld alles auf den spanischen Topfavoriten Luis Alberto Hernando konzentriert, der als absoluter Star der Szene gilt. Am Ende entwickelte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen ihm und dem Franzosen Sylvain Court. Den letzten Aufstieg hinauf zum Mont Baron hatten beide noch Seite an Seite bestritten, bergab zahlte sich dann die Ortskenntnis des Franzosen aus, der gemeinsam mit seinem gesamten Team im Vorfeld der WM die komplette Strecke in Etappen abgelaufen war. Court konnte Hernando abhängen und am Ende seinen Vorsprung bis ins Ziel sogar auf 3:28 Minuten ausbauen. Auf Rang drei lief mit Patrick Bringer ebenfalls ein Franzose. Bei den Frauen konnten die vielen Zuschauer sogar einen französischen Doppelsieg bejubeln: Nathalie Mauclair konnte ihren WM-Titel aus Wales erfolgreich verteidigen, auf Platz zwei kam ihre Landsfrau Caroline Chaverot vor der Spanierin Maite Mayora ins Ziel.

Abgekämpft und glücklich

Mittlerweile ist es kurz vor 20 Uhr. Die Vorbereitungen für das sehnsüchtig erwartete Festmahl laufen noch auf Hochtouren, die letzten Caterer eilen mit noch zugedeckten Tabletts in das Zelt hinein. Bei der deutschen Mannschaft ist trotz der zurückliegenden Anstrengungen und des immer größer werdenden Hungers die Stimmung hervorragend. Irgendwie scheint alles in Ordnung zu sein, wenn man nach 85 Kilometern gemeinsam über das Erlebte sinnieren kann. Der gute Zusammenhalt innerhalb der Gruppe, aus der sich vor dem WM-Projekt einige Sportler untereinander noch gar nicht kannten, ist auffällig. „Wir sind als Team hier angetreten, und schon im Vorfeld haben alle harmonisch und sehr angenehm miteinander agiert“, erzählt Jens Lukas, DLV Teammanager Ultratrail. Natürlich hätte auch Lukas zumindest eines seiner Teams gerne auf dem Podium gesehen. Dennoch ist er zufrieden – vor allem mit dem Ergebnis der Frauenmannschaft. Denn in Deutschland herrschen im Hinblick auf Ultratrail nicht gerade optimale Bedingungen: „Außer im direkten Alpenraum sind in Deutschland einfach nicht die Trail-Möglichkeiten gegeben wie zum Beispiel in den USA oder in Spanien, Portugal, Italien und Frankreich. Das sind im Ultratrail einfach die Nationen schlechthin. Wir haben uns mit den Läuferinnen aus diesen Nationen fast im Schulterschluss bewegt und können daher auch zufrieden sein“, erklärt er.

Wer derweil im Athletendorf hinter die Streckenabsperrungen in Richtung See blickt, sieht noch immer in regelmäßigen Abständen Hobbyläufer auf ihren finalen Metern vor dem Zieleinlauf. Manche quälen sich mit den letzten Kraftreserven über die Linie, andere können noch jubeln und feiern ihre Ankunft mit den zahlreichen Zuschauern am Rand. Bis 24 Uhr wird das noch so weitergehen. Der Grund: Neben der Trail-WM, die zum ersten Mal in Annecy ausgetragen wurde, fand wie jedes Jahr an gleicher Stelle auch wieder das „Tecnica MaXi Race“ statt. Heute Morgen machten sich, anderthalb Stunden nach dem Start des IAU-Rennens, auch 2.000 Hobby-Läufer auf den Weg – über die gleiche Strecke, die auch die WM-Teilnehmer bewältigen mussten. Jetzt begrüßt ein unermüdlicher Ansager über Mikrofon jeden Zielankömmling so ausführlich, als würde er ihn persönlich kennen. Seine Stimme hallt durch das ganze Athletendorf und streitet mit der Musik, die gleichzeitig aus den Boxen strömt, um Aufmerksamkeit. Wer bis Mitternacht die Ziellinie nicht überquert hat, ist kein Finisher. Bei den jetzt noch einlaufenden Hobby-Athleten spielt die Zeit aber schon längst keine Rolle mehr. Der Weg war das Ziel. Und den Läufern ist in ihren Gesichtern anzusehen, dass dieser Spruch keine abgedroschene Läuferphrase ist. In ihnen zeigt sich diese besondere Mischung aus Erschöpfung und Glück, die sich nur nach ultimativer Verausgabung einstellt. Der Ausdruck in den Gesichtern steht für ein verbindendes Gefühl, etwas, das ambitionierte WM-Teilnehmer und Hobbyläufer miteinander verbindet. An diesem Abend haben die Freizeitathleten sogar noch einen großen Vorteil. Sie organisieren ihr Abendessen selbst. Im Athletendorf gibt es anstelle des erhofften Riesenbuffets für die Athleten schlicht eine Auswahl kleiner Finger-Food-Häppchen. Keine Medaille für das Essen. Der Magen knurrt noch eine Weile. Annecy, Perle der französischen Alpenstädte. Kurz nach 20 Uhr.

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Der König der Triathleten

Der Ironman Hawaii  ist der härteste Langdistanz-Triathlon der Welt – und ein Mythos im Ausdauersport. Wer hier gewinnen will, muss nicht nur die Konkurrenz besiegen, sondern auch seine Schmerzen und die Widerstände im eigenen Kopf. Deutschlands Triathlon-Olympiasieger Jan Frodeno hat’s geschafft – und sich damit ein Denkmal gesetzt.

Text: Wilfried Spürk

Nur noch wenige Hundert Meter bis zum Ziel. Jan Frodeno läuft immer noch wie ein Uhrwerk, auch nach über acht Stunden der Anstrengungen und Leiden. Er wirkt hochkonzentriert. Doch wer in sein Gesicht schaut, erkennt ein entspanntes Lächeln. Ein Lächeln, das ausdrückt: Jetzt kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. In der Tat: Der Sieg beim Ironman Hawaii 2015 ist Frodeno nicht mehr zu nehmen, als er nun zum letzten Mal an diesem Tag auf den Ali’i-Drive einbiegt.

Noch ein Mal schaut er sich um: Weit und breit ist kein Konkurrent zu sehen. Als der Deutsche einige Meter weiter den Zielteppich erreicht, bricht sich die Siegesgewissheit endgültig Bahn: Frodeno breitet triumphierend die Arme aus, hebt sie nach oben, verlangsamt dann seine Schritte, stoppt schließlich ab – und geht, ja schlendert Richtung Ziellinie. Er klatscht kurz die Zuschauer ab, die dicht gedrängt links und rechts hinter den Absperrungen stehen und ihm zujubeln. Dann reißt der Athlet die Arme wieder hoch, ballt freudestrahlend abwechselnd seine Fäuste Richtung Publikum. Die Zielbanderole vor Augen scheint er für einen Moment vor Ehrfurcht abzubremsen, doch dann packt sich der 34-Jährige das von Ironman-CEO Andrew Messick und dem sechsfachen Hawaii-Sieger Mark Allen gehaltene Schriftband, reißt demonstrativ daran, lässt es abrupt fallen und geht hinter dem Zieldurchlauf zu Boden, ein weiteres Mal die Arme zum Jubel ausgestreckt. Frodeno ist am Ziel – am Ziel eines ultraharten Triathlons und am Ziel seiner Träume: „Ich bin auf Wolke 7 oder 9 oder 35“, beschreibt er kurz darauf seinen Gefühlszustand.

Dramen und Anekdoten

Nach diesem Tag, dem 10. Oktober 2015, wurde der deutsche Triathlet weltweit gefeiert. Mit dem Ironman Hawaii hat er den berühmtesten Wettbewerb gewonnen, den dieser Dreikampf aus Schwimmen, Radfahren und Laufen kennt. Einen der bedeutendsten Wettkämpfe für Ausdauerathleten überhaupt. Seit 1978 wird er ausgetragen. Den Begriff „Ironman“ prägte einer der Initiatoren, der US-amerikanische Marineoffizier John Collins, mit dem Satz: „Whoever finishes first, we’ll call him the Ironman.“ Verpflegungsstationen gab es für die lediglich 15 Starter bei der Premiere des insgesamt 226 Kilometer langen Abenteuers (3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren plus einen Laufmarathon über 42,2 Kilometer) nicht, sie versorgten sich unterwegs teilweise an Imbissbuden oder baten Passanten um Essbares.

Nicht zuletzt dank solcher Anekdoten genießt der Hawaii-Ironman einen ganz besonderen Status. So sieht es auch Frodeno: „Diese unvergleichliche Historie, in der sich über Jahrzehnte Geschichten und Schicksale angesammelt haben, machen ihn zu einem Mythos, der für viele eine fast religiöse Bedeutung hat“, sagt der Sieger 2015. Das vielleicht größte Drama spielte sich 1982 ab. Julie Moss hatte bereits den sicheren Sieg vor Augen. Doch die US-Amerikanerin dehydrierte, kurz vor dem Ziel verließen sie die Kräfte, Landsfrau Kathleen McCartney zog vorbei und gewann. Moss schleppte sich noch ins Ziel und wurde Zweite.

Der sportliche Wert des Wettkampfs stieg weiter, als er 1982 zur offiziellen Ironman-Weltmeisterschaft ernannt wurde, mit der als Marke geschützten Bezeichnung „Ironman World Championship“. Zudem wurde er schon 1981 an die Westküste der Hawaii-Hauptinsel Big Island verlegt, die dortigen klimatischen Bedingungen verlangen den Sportlern noch mehr ab. Um die 30 Grad Hitze, eine hohe Luftfeuchtigkeit von manchmal bis zu 90 Prozent und die tückischen Ho’o-Mumuku-Winde, die vor allem auf der Radstrecke gefürchtet sind, machen den Ironman Hawaii nicht nur zum bedeutendsten, sondern auch zum wohl härtesten Langdistanz-Triathlon der Welt. Die einzigartige Natur auf der vulkanischen Insel tut ihr Übriges: Trockenes Lavagestein begleitet die Athleten auf einem Großteil der Rad- und Laufstrecke, Schatten gibt es keinen.

Jan Frodeno allerdings lockte die Herausforderung lange nicht. Erst 2011 ließ er sich vom Ironman-Fieber anstecken, als er das Rennen selbst auf der Karibik-Insel verfolgte. Zu dem Zeitpunkt hatte der 1,94 Meter große Athlet bereits eine knapp zehnjährige erfolgreiche Triathlon-Karriere vorzuweisen, mit dem Olympiasieg 2008 als Höhepunkt. Damals galt ihm die (olympische) Kurzdistanz als das Nonplusultra. Den Ironman bezeichnete er 2008 mal als Wettbewerb „für gescheiterte Kurzstreckler“.

Als favorit gestartet

Doch 2013 stieg der gebürtige Kölner auf die Langdistanz um. Im Visier von Beginn an den legendären Event auf der Insel im Pazifik. Frodeno bestreitet dort 2014 seinen erst zweiten Ironman überhaupt – und kommt trotz Raddefekt und Zeitstrafe als starker Dritter ins Ziel. Die Erfahrungen bei seiner Hawaii-Premiere sind wertvoll: „Ich habe gelernt, dass man dort vor allem flexibel reagieren können muss. Eine starre Taktik führt nicht zum Erfolg.“

Ein Jahr später geht Frodeno mit der Empfehlung von zwei großen Siegen im Sommer ins Rennen: Sowohl bei der Ironman European Championship in Frankfurt als auch bei der WM über die halbe Ironman-Distanz in Zell am See-Kaprun war er vorn. Für den Saison-Höhepunkt auf Hawaii ist der Deutsche damit der Favorit auf die Nachfolge von 2014-Sieger Sebastian Kienle: „Im Bereich Triathlon und Ausdauersport gab es in den Wochen davor wenig andere Schlagzeilen, als dass ich das Rennen gewinnen kann oder muss. Das ist nicht ganz leicht“, sagt Frodeno im Gespräch mit aktiv Laufen. Entscheidender war für den Top-Athleten aber sein eigener Anspruch: „Ich habe schon vor knapp drei Jahren gesagt, dass ich 2015 gewinnen will. Dann war der Moment gekommen, wo klar war: Jetzt zählt’s“, beschreibt der Olympiasieger, wie es vor dem Start in ihm aussah.

Allein in der Lavawüste

Am 10. Oktober um 6.25 Uhr setzt traditionsgemäß ein Schuss aus einer alten Kanone das Signal zum Start. Tausende Zuschauer verfolgen das Spektakel in der Bucht von Kailua-Kona, als zuerst die Profi-Herren unter der aufgehenden Sonne aufs offene Meer hinausschwimmen. Frodeno fühlt sich in Siegerform: „Die Vorbelastung am Tag zuvor lief sehr gut. Ich wusste, ich kann es schaffen.“ Er demonstriert von Beginn an seine Stärke, gemeinsam mit dem Neuseeländer Dylan McNeice kommt er an der Spitze des Feldes wieder aus dem Wasser heraus. Titelverteidiger Kienle liegt zwar knapp zwei Minuten zurück, schwimmt aber deutlich schneller als im vergangenen Jahr. Das von vielen erwartete deutsche Duell scheint sich  abzuzeichnen. Denn jetzt kommt Kienles Spezialdisziplin: die 180 Kilometer auf dem Rad.

Viele Kilometer führen an den berüchtigten Lavafeldern entlang, wo große Hitze und unangenehme Winde warten. Zudem sind auf dem hügeligen Kurs rund 1.500 Höhenmeter zu bezwingen. Aber es ist auch eine mentale Prüfung für die Athleten, denn hier sind sie ganz auf sich gestellt – Publikum ist in den meisten Streckenabschnitten nicht zugelassen. „Hier bist du mit dir, deinen Gedanken und der Lavawüste allein“, sagt Frodeno. Aber ihm kommt das entgegen: „Ich finde das angenehm, vor allem nach dem ganzen Trubel im Vorfeld.“ Entsprechend cool lässt er seine Konkurrenten ihre Attacken fahren, Kienle übernimmt zwischenzeitlich die Führung. Doch Frodeno steigt als Erster vom Rad – und nach 5:22:19 Stunden in den Marathon ein.

Niemals zweifeln!

Für „normale“ Läufer ist es die größte Herausforderung, für Ironman-Triathleten sind die 42,2 Kilometer nur die letzte Etappe des Wettkampfs. Besonders gefürchtet auf Hawaii ist der Weg zur Forschungsstation Energy Lab. Auf den letzten zwei Kilometern bis zum Wendepunkt steht die heiße Luft dort regelrecht. „Beim Marathon hatte ich die schwierigsten Momente“, gibt Frodeno zu. Doch der erfahrene Ausdauersportler weiß: „Zweifeln darf man bis zur Ziellinie nicht, das lernt man beim Ironman.“ Frodeno bewahrt einen kühlen Kopf. An den Verpflegungsstationen nimmt er ein paar Sekunden Zeitverlust in Kauf, um sich mit ausreichend Wasser zu versorgen. Hinter ihm fällt derweil Kienle immer mehr zurück, während sich Landsmann Andreas Raelert weit nach vorne schiebt. Am Ende wird der 39-Jährige zum dritten Mal Zweiter auf Hawaii. Eine Gefahr für den Führenden stellen aber weder er noch die anderen Verfolger jetzt noch dar. Frodeno läuft sein Rennen konzentriert zu Ende, erreicht, von seinen Emotionen überwältigt, nach 8:14:40 Stunden als Erster das Ziel, über drei Minuten vor Raelert.

Erste Gratulantin ist seine Frau Emma, selbst  2008 Triathlon-Olympiasiegrin. Sie umarmen sich, dann küsst Frodeno sie auf den Bauch, in dem das gemeinsame Baby heranwächst, das im Februar zur Welt kommen wird. Eine Geste, die um die Welt geht. Wie das Bild von Frodeno mit dem Lorbeer-Gesteck auf dem Kopf, der Krone für seinen Sieg. Der Mann hat seinen eigenen Olympiasieg noch übertrumpft. Jetzt ist Jan Frodeno der König der Triathleten.

Foto: CHRISTOF-STACHE_AFP_Getty-Images

Sechs Tage, null Nächte

In unserer Rubrik „Legenden“ erzählen wir dieses Mal die verrückte Geschichte von Cliff Young. Der war zwar hauptberuflich Kartoffelbauer und Schafhirte, ging aber dennoch in die australische Sportgeschichte ein. Der Grund: 1983 gelang ihm im Alter von 61 Jahren der Sieg bei einem der härtesten Ultra-Marathon-Rennen der Welt.

Text: Daniel Becker

Möglicherweise sind Sie ja auch so zum Laufen gekommen: Die Strecke eines Volkslaufes, eines Marathons oder einer anderen Laufveranstaltung führte an Ihrer Haustür vorbei und Sie dachten sich, dass Sie da ja eigentlich auch mal teilnehmen könnten. Für Lauf-Novizen gilt in diesem Fall häufig: Je kürzer der Lauf, desto größer die Wahrscheinlichkeit, das Vorhaben tatsächlich eines Tages in die Tat umzu- setzen. An der Farm des australischen Kartoffelbauern Cliff Young führte Anfang der 1980er Jahre der 875 Kilometer lange Ultra-Marathon von Sydney nach Melbourne vorbei. Nie zuvor hatte Cliff Young an einem Lauf teilgenommen, erst recht nicht an einem Ultra-Marathon. Doch von dieser außergewöhnlichen Veranstaltung, die sich Jahr für Jahr vor seiner Tür abspielte, war der Australier so begeistert, dass er beschloss, spontan teilzunehmen. Ohne die passende Ausrüstung (Gummistiefel und Regenanzug) und im Alter von stattlichen 61 Jahren. Sein Training, so sagte er Reportern während des Rennens, habe daraus bestanden, drei Tage ohne Schlaf seine Schafherde zusammenzuhalten. Klingt unglaublich, doch der durchaus verbreitete Mythos will, dass sich genau das im Jahr 1983 so zugetragen hat. Ein wenig anders war es dann zwar doch, und einige Fakten müssen angeglichen werden. Unspektakulär wird die Geschichte dadurch jedoch nicht. Schon ein Jahr zuvor hatte Cliff Young monatelang in den Otway Ranges, einem australischen Bergland, trainiert, um einen Weltrekord aufzustellen. 1.600 Kilometer wollte er laufen, rund um den Colac Memorial Square. Nach 875 Kilome- tern musste er den Versuch allerdings abbrechen. Doch völlig unerfahren war er nicht, als er im folgenden Jahr beim „West- field Sydney to Melbourne Ultramarathon“ antrat – und siegte.

Ehre, wem Ehre gebührt

Schon wenige Minuten nach dem Startschuss lief der 61-Jährige den deutlich jüngeren Läufern des Starterfeldes hinterher. Doch er hatte ein unschlagbares Erfolgsrezept: Er schlief ein- fach weniger als seine Mitstreiter. Viel weniger. 18 Stunden laufen, sechs Stunden schlafen, so sah der Rhythmus der meisten Athleten während des etwa sechs Tage dauernden Rennens aus. Cliff Young hingegen schlief in der ersten Nacht gar nicht. Er holte auf, während sich seine Kontrahenten erholten, und gönnte sich auch in den folgenden Nächten nur kurze Ruhepausen. Am Ende erreichte er das Ziel mit etwa zehn Stunden Vorsprung vor dem Zweitplatzierten. Sein extrem langsamer und energiespa- render Laufstil hat seitdem einen eigenen Namen – und bis heute adaptieren Ultra-Läufer immer wieder den „Young-Shuffle“. Zu Ehren des unerwarteten Siegers eta- blierte sich noch im gleichen Jahr in Australien ein neuer Ultra- Lauf, das „Cliff Young Australian Six-Day-Race“, der bis ins Jahr 2006 hinein ausgetragen wurde. Im Jahr 2013, zehn Jahre nach dem Tod von Cliff Young, wurde die Geschichte des laufenden Kartoffelbauern und Volkshelden für das australische Fernsehen verfilmt.