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Zwischen Chemie und Gefühl

Die Zwischensohle ist das Markenzeichen eines jeden Laufschuhs. Wir sind dem technologische Fortschritt der letzten Jahre auf den Grund gegangen.

Die Zwischensohle ist für den Großteil der Dämpfungseigenschaften und das schuhspezifische Laufgefühl verantwortlich, so dass man sie getrost als das Herzstück des Schuhs bezeichnen kann. Die oft auch als Mittelsohle (englisch: midsole) bezeichnete Schuhkomponente erfährt, wie auch andere Bestandteile, ständige Neuentwicklungen und Updates. Jeder Hersteller hat eigene Technologien, die sich insbesondere in diesem Schuhteil niederschlagen. Gerade hier wollen sich die Hersteller voneinander abgrenzen: In der Zwischensohle manifestiert sich die Laufphilosophie, die Grundidee und das Konzept der jeweiligen Laufschuhmarke, vielleicht am ehesten vergleichbar mit der Motorisierung eines Autos. Hier vermischen sich Chemie, Emotionen, Physik und Marketing.

Die Auswahl an Laufschuhen war noch nie so groß wie heute. Das bedeutet auch, dass es eine Vielzahl an unterschiedlichen Zwischensohlen-Technologien gibt, die sich mehr oder weniger stark voneinander unterscheiden und das Laufgefühl und den Bewegungsablauf mitbeeinflussen. In den vergangenen Jahren hat sich viel getan. Zwar ist nicht jede ausgerufene Laufschuh-Revolution auch eine solche – manches entpuppt sich als heiße Marketing-Luft – aber auch wenn es im Einzellfall mehr Marketing als tatsächliche technische Innovation sein mag, wer sich die Entwicklungen der Zwischensohlen der letzten 3-5 Jahre anschaut, der wird feststellen: Es hat sich tatsächlich viel verändert. Es lohnt sich daher die Zwischensohle einmal genauer zu betrachten.

Energierückgewinnung

Es hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden – Energierückgabe ist das neue Schlagwort, das neben der Dämpfung die neue Hauptaufgabe der Zwischensohle sein soll. Ein Konzept, dass es so vor ein paar Jahren noch nicht gegeben hat. Die Theorie ist einleuchtend: Beim Aufprall des Schuhs auf dem Boden wird Energie freigegeben. Neue Technologien sollen es ermöglichen diese Energie zu speichern und im Abdruck des Schuhs wieder freizugeben. Eine Art Rebound-Effekt. Mit anderen Worten: Der Schuh katapultiert den Läufer minimal nach vorne. Die Laufbewegung wird somit effizienter, kräfteschonender. Diese höhere Reaktivität der Zwischensohle sorgt gleichzeitig für ein direkteres Laufgefühl. Der Fuß versinkt nicht in einen weichen Dämpfungsschaum, sondern wird durch die Energierückführung schneller aus der Stützin die Schwungphase geleitet. Der Schuhteil, der die Energierückgabe möglich macht, ist die Zwischensohle. Diese tragen Namen, die nach Science-Fiction-Roman klingen: DNA AMP, Boost, Everun, React oder Flytefoam.

Hinter diesen Bezeichnungen versteckt sich komplexe Materialkunde. Alexander Oberhofer, Produktchef von adidas Running im deutschsprachigen Raum, berichtet, dass die BOOST-Zwischensohle mit Hilfe des großen Chemie-Konzerns BASF entwickelt wurde. Adidas setzt auf Kugeln, auch Pellets genannt. Für diese werden E-TPU, kurz für expandierte thermoplastische Polyurethane, die unter Wasserdampf zusammengeschmolzen werden, verwendet. „Etwa 2.500 Pellets bei einem Energy Boost und bis zu 3.000 bei einem UltraBoost“, berichtet Oberhofer. Die BOOST-Technologie hätte, neben Dämpfung und erwähnter Energierückgabe, ihre Stärken insbesondere in den Punkten Langlebigkeit, Temperaturbeständigkeit und Anpassungsfähigkeit an das individuelle Laufverhalten, so Oberhofer.

Im Gespräch mit den Schuhdesignern und den Produktmanagern merkt man, wie komplex der Planungs- und Herstellungsprozess einer Zwischensohle ist. Es wird viel fachgesimpelt und als studierter Geisteswissenschaftler kommt einem diese Welt zunächst fremd vor. Aber jede Nachfrage lohnt sich und wird gerne beantwortet. Immer wieder stolpert man über das Material Polyurethan (PU). Auch Brooks verwendet dieses für ihre DNA AMP Zwischensohle. „Bereits in den 90er Jahren galt Polyurethan dank der hohen Langlebigkeit wie auch der guten Energierückführung als erfolgsversprechender Schaum in Laufschuhen“, sagt Carson Caprara, Brooks-Director im Global Footwear Product Line Management. Jedoch sei das Material damals noch nicht für die Verarbeitung geeignet gewesen, war zu schwer und anfällig für Risse und Wasserschäden. Also hat die Laufschuhindustrie lange Zeit auf Ethylenvinylacetat (EVA) als Zwischensohlen-Material gesetzt, während sie und andere Branchen, z.B. die Automobilbranche oder Kühlschrankhersteller, weiter an der Neuentwicklung von Polyurethan geforscht haben.

Nach acht Entwicklungsrunden hätte schließlich die neunte Nicht-EVA-Zusammensetzung den Ansprüchen von Brooks entsprochen. Caprara fährt fort: „Wir wollten eine Zwischensohle, die hohe Energierückführung bietet und haben schnell erkannt, dass PU uns das bieten kann“. Auch hier war der Chemiekonzern BASF an der Entwicklung beteiligt. Der Durchbruch war gelungen und das neue Material konnte nun auch in Laufschuhen eingesetzt werden. „Eine hohe Energierückführung, gute Polsterung, leichtes Gewicht und Langlebigkeit miteinander zu kombinieren“, das war laut Caprara das Ziel. Für die aktuelle DNA AMP-Zwischensohle nutzt Brooks eine PU-Mischung und umschließt diese mit mit einer Hülle aus thermoplastischen Polyurethan (TPU). „Das Resultat besteht somit aus einem einzigen Stück und bedarf dadurch keine weiteren Formteile wie es bei EVA der Fall war“, so die Brooks-Expertin.

Gesucht und Gefunden

Spencer White, Vize-Präsident des Innovationszentrums von Saucony, dem Human Performance and Innovation Lab, hebt ebenfalls die Vorzüge von TPU gegenüber EVA hervor: “Im Vergleich zu EVA ist TPU temperaturunabhängig und langlebiger“. Gerade die Hitzeresistenz des Materials ist ein großer Vorteil und erhält die Dämpfungseigenschaften auch bei langen und intensiven Belastungen. Er spricht von jahrzehntelanger Forschung und umfangreichen Tests, die Saucony durchgeführt hat um die Everun-Zwischensohle zu entwickeln. “Saucony eine Reihe von idealen mechanischen Eigenschaften für die Dämpfungstechnologie bei Laufschuhen definiert”, so White. In dieser Zeit wurde dutzende verschiedene Zusammensetzungen der Materialien im Labor und von Läufern getestet. Verschiedenste Eigenschaften des Materials, des Formverfahrens und der Schuh-Konstruktion wurden dabei ausgewertet. “Der Prozess dauerte über zwei Jahre bis wir das erreicht haben was wir wollten: Einen maßgeblich besseren Laufschuh”, sagt White. Das Ergebnis dieses Prozesses ist die Everun-Zwischensohle, die vor etwa drei Jahren vorgestellt wurde.

Einen interessanten Sonderfall stellt mit Sicherheit On dar. Eine klassische Zwischensohle sucht man bei dem Schweizer Hersteller vergebens. Steht bei den anderen Herstellern die Zwischensohle im Mittelpunkt, ist es bei On die aus einzelnen Hohlelementen, den clouds, bestehende Außensohle. Doch bei genauerer Betrachtung wird man auch hier fündig: Eine dünne Zwischensohle verbindet die Clouds mit einer integrierten Flexplatte, auch Speedboard genannt. „In erster Linie ist unsere Zwischensohle ein verbindendes Element und hält das Speedboard an Ort und Stelle“, bestätigt Marieke Stasch von On. In einigen Wettkampfmodellen wird sogar komplett auf eine Zwischensohle verzichtet. Die Dämpfung und die Energierückgewinnung werden dann allein durch die clouds der Außensohle erfüllt.

Die Zukunft ist individuell

Die Zwischensohlenforschung ist ein fortlaufender Prozess und die Hersteller sind weiterhin dabei die Materialien weiterzuentwickeln. An welchen Punkten kann das Material noch optimiert werden? Was könnte die nächste große Innovation sein? Ein Punkt ist mit der Sicherheit die Individualisierung der Passform und die damit verbundene Anpassungsfähigkeit der Zwischensohle an Laufverhalten, Laufstil und Laufuntergrund. Hier sind schon die ersten Schritte gemacht. Einige Hersteller werben schon heute damit, dass der persönliche Fußabdruck von der Zwischensohle aufgenommen wird und sich der Schuh dem Läufer anpasst, nicht umgekehrt. Die Frage ist also nicht ob, sondern vielmehr wann die nächste Revolution des Zwischensohlen-Materials ansteht.


Glossar:

Ethylenvinylacetat (EVA): Der klassisch am häufigsten verwendete geschäumte Kunststoff in Zwischensohlen. Leichtes und elastisches Material, welches gute Dämpfungseigenschaften bietet. Sehr leicht und flexibel, aber nicht so haltbar wie Polyurethan.

Polyurethan (PU): Polyurethan ist eine Kunststoffgruppe, die lange Zeit in anderen Branchen verwendet wurde. Erst vor einigen Jahren wurden PU auch für Laufschuhersteller interessant.

Expandierte thermoplastische Polyurethane (E-TPU): Eine mit Druck und Hitze behandelte Variante von TPU. Der elastische Partikelschaum kombiniert die Eigenschaften von TPU mit den Vorteilen von Schaumstoffen.

Text: Christian Bruneß

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Laufschuhkauf im Internet

Viele Onlineshops locken Läufer mit großzügigen Rabatten und einer breiten Modell-Auswahl. Eine klassische Laufanalyse auf dem Laufband kann dabei nicht durchgeführt werden. Einige Onlineshops haben deshalb eigene Beratungsangebote entwickelt.

Der Weg zu einem neuen Laufschuh dauert heutzutage nur noch Bruchteile von Sekunden. 0,47 Sekunden um genau zu sein. In dieser Zeit hat mir die Suchmaschine 1.940.000 Ergebnisse zu den Suchbegriffen „Laufschuhe online“ aufgelistet. Natürlich sind nicht alle diese Seiten Onlineshops mit großem Laufschuhsortiment, aber es gibt eine Vielzahl von Anbietern, die sich auf den Laufschuhmarkt spezialisiert haben, darunter die Webseiten Jogging-Point, 21run, Runners Point und Shop4Runners. Eins ist von vornherein klar: Eine persönliche Beratung, wie man sie aus dem Fachhandel kennt, fällt weg – das liegt in der Natur der Sache. Das ist oftmals auch eines der Hauptargumente gegen den Kauf von Laufschuhen im Internet. Ohne die Beratung vor Ort, ohne das Anprobieren und Testlaufen von unterschiedlichen Marken und Modellen ist es schwer zu wissen, welcher Schuh der Richtige ist. Der Online-Handel scheint auf diese Vorbehalte einzugehen und bietet mittlerweile vermehrt online-gestützte Laufberatungen an. Diese ist mal mehr, mal weniger komplex, in der Regel aber kostenlos. Meine Neugierde ist geweckt und der Selbstversuch kann losgehen.

Die Anbieter im Test

Ich gehe folgendermaßen vor: Gesucht wird der preisgünstigste Laufschuh, der laut der Online- Beratung am besten zu meinen körperlichen Voraussetzungen und Laufgewohnheiten passt. Dazu nutze ich das jeweilige Beratungsangebot nach bestem Wissen und Gewissen und stelle jeweils eine Nachfrage per Email. Los geht´s bei Runners Point. In der Menüleiste auf „Beratung“ geklickt und schon ist man da. „Service der besonderen Art: Mit dem Laufschuhberater zum perfekten Schuhwerk“ lautet die Überschrift und verspricht einiges. Die Beratung findet in fünf Schritten statt. Nach den einfacheren Kategorien Geschlecht und Gewicht wird es etwas komplizierter: Gefragt ist der Fußtyp. Ob man einen Hohlfuß, Normalfuß, Senkfuß oder Knickfuß hat, kann man anhand eines Tests ermitteln, der in einem kurzen, einminütigen Video erklärt wird. Dann geht es um die Beinachse. Auch hier erklärt ein Video, ob man zu O- oder X-Beinen neigt. Im letzten Schritt wird geschaut, wie sich die Beinachse in der Bewegung verhält. Dieser Test ist nicht ganz einfach auszuführen und es empfiehlt sich, eine zweite Person zu Hilfe zu ziehen. Am Ende dieses etwa zehnminütigen Vorgangs werden passende Vorschläge präsentiert. Bei mir waren es 61 vermeintlich passende Modelle. Diese habe ich nach Kundenbewertungen sortiert und den beliebtesten Schuh ausgewählt: Der „Adidas Ultra Boost“. Ein gut gedämpfter Neutralschuh also. Meine Nachfrage per Email, ob dieser Schuh auch Marathon-tauglich sei, wird nach drei Tagen beantwortet. Aber leider nur insofern, als dass man diese Frage leider nicht beantworten könne und auf eine der Runners Point-Filialen verweist.

Topseller und Schuh-matches

Der nächste Shop ist 21run. Hier suche ich zunächst vergeblich nach eine Schuhberatung. Ich gelange auf eine Seite, auf der verschiedene Schuhtypen beschrieben werden. Unterschieden wird in Überpronations-, Neutral-, Barfuß-, Trailrunning-, Lightweight-, und Wettkampf- Schuhe sowie Leichtathletik-Spikes. Jede dieser Kategorien wird in wenigen Worten beschrieben. Eine individuelle bzw. interaktive Beratung gibt es bei 21run nicht, weshalb eine Beratung nicht stattfindet. Eher werden allgemeine Hinweise gegeben. Ich wähle „Neutralschuhe“ und bekomme 254 Artikel vorgeschlagen. Eine unübersichtlich hohe Zahl. Was tun? Ich sortiere die Schuhe nach Topseller und schlage zu: Da, der Topseller! Um sage und schreibe 68 Prozent reduziert. Es handelt sich um den Krom MTX des mir bis dato unbekannten Herstellers max-Q.com. Meine Nachfrage zum Schuh wird nach 10 Tagen beantwortet. Der Krom MTX ist interessant. Wasserdicht, 360 Grad reflektierend, gut gedämpft. In einem stationären Geschäft, wäre mir dieser Schuh wohl kaum über den Weg gelaufen. Jogging-Point ist der dritte Shop, den ich besuche. Auch hier: Gleich auf der Startseite wird auf den Laufschuh-Berater hingewiesen. Nacheinander werden abgefragt: das Geschlecht, Alter, Gewicht, das Laufpensum, der Laufuntergrund, die Fußform, der Fußaufsatz (Vorfuß-, Mittelfuß, Ferse) und die Beinachse. Das Ganze geht sehr schnell. Sehr knappe Hinweise und Grafiken erklären, wie man die Selbsteinschätzung durchzuführen hat – für Neulinge, die noch nie etwas von Fußaufsatz oder Beinachse gehört haben, sicherlich keine leichte Aufgabe. Im Ergebnis werden mir drei Schuhe vorgeschlagen, jeweils mit einer Match-Zahl. Ich nehme den Schuh, der offenbar am besten zu mir passt, nämlich mit 98 Prozent. Zusätzlich ist der Schuh auch noch um zehn Prozent reduziert. Es ist der „Nike Zoom Fly“. Ich stelle per Email eine Nachfrage, ob dieser Schuh auch für einen Marathon geeignet sei und bekomme innerhalb von wenigen Stunden eine Antwort.

Per Videoanalyse zum Schuh

Shop4Runners steht als letztes auf der Liste. Hier wird gleich auf der Startseite die „Online- Fachberatung“ angeboten. Klingt gut! Es handelt sich um eine Online-Laufanalyse, die 29,95 Euro kosten soll und „professionelle Beratung, individuelle Laufschuhempfehlung und eine sportwissenschaftliche Auswertung“ verspricht. Dazu fülle ich ein Formular aus, beschreibe meine Laufgewohnheiten, meine Ziele und meine bisherigen Schuhe – und werde dann aufgefordert mit dem Smartphone Bild- und Videoaufnahmen zu machen. Also: Schuhe und Socken aus, die Hose hochgekrempelt, die skeptisch dreinblickende Kollegin vom Nebentisch um Hilfe gebeten und fünf Meter barfuß den Flur entlang gejoggt und wieder zurück. Im Anschluss habe ich noch zwei Fotos von meiner Fußstellung gemacht. Gespannt auf das Ergebnis schicke ich die gesammelten Werke ab. Das Ergebnis soll nach maximal drei Tagen da sein. Nach zwei Tagen erhalte ich eine Email. Man könne das Video nicht öffnen, ob ich es auf einem anderen Wege schicken kann. Kann ich. Nach einer weiteren Woche erhalte ich ein zwölfseitiges PDF-Dokument von einer Sport- und Fitnesstrainerin mit meiner Auswertung, zwei Schuhempfehlungen und Tipps zu Ergänzungsübungen. Die Auswertung wirkt professionell und handfest und arbeitet mit Standbildern meiner Videoaufnahme. Das Ergebnis gleicht den bisherigen: Ich benötige einen Neutralschuh. Vorgeschlagen werden der „Brooks Adrenaline GTS 18“ und der „Saucony Kinvara 9“.

Gut beraten im Onlineshop?

Am Ende meiner kleinen Einkaufstour stelle ich fest: Qualitativ unterscheiden sich die Beratungsmodelle zum Teil stark voneinander. Das hängt auch davon ab, ob man bereit ist, wie bei Shop4Runners, Geld zu bezahlen. Begnügt sich der eine Anbieter mit stichwortartigen Beschreibungen von Schuhtypen (21run), bietet ein anderer eine per Video angeleitete Befragung durch. Zu den Schuhen, die mir empfohlen wurden: Es war immer ein Neutralschuh. Hier stimmen sich die Beratungstools also überein. Wird die Online-Beratung von den Kunden angenommen? Ronny Okwieka, von Shop4Runners, gibt Auskunft: „Die Online-Laufanalyse wird in der Tat recht selten genutzt.“ Auf alle Verkäufe gerechnet wären es deutlich weniger als ein Prozent der Kunden, so Okwieka. Sind die Online-Beratungen ratsam? Es kommt darauf an. Einem Laufanfänger ist eher die persönliche Beratung bei einem Fachhändler zu empfehlen. Ein erfahrener Läufer kann die Online-Beratung dazu nutzen, die vielen Schuhe vor zu sortieren, um dann, unter Umständen, auch mal ein Schnäppchen zu machen.

Online vs. stationärer Handel?

Stimmt es denn, dass der Online-Handel den Fachhandel kaputt macht, wie man allerorten hört? Das könne man so nicht bestätigen, sagt Martin Lüchtefeld vom Laufladen Bunert in Köln. „Auf die ganze Online-Geschichte haben wir reagiert, indem wir auf unseren Flächen noch viel besser geworden sind, als wir vor zwölf oder dreizehn Jahren waren.“ Neben den Laufschuhen bietet sein Geschäft nun auch Getränke, Toiletten, Parkplätze und einen regelmäßigen Lauftreff an. „Ich bin ein absoluter Fan des stationären Handels und wir sind da auch sehr erfolgreich mit. Der Umsatz ist heute fünfmal höher wie vor zwölf Jahren“, so der Kölner Ladenbesitzer. Man würde der Zukunft sehr optimistisch entgegensehen, fügt er hinzu. Gibt es Kunden, die sich im Laden beraten lassen, um anschließend im Internet zu kaufen? Das komme selten vor, sagt Lüchtefeld. Und einige der Schuhe seien im Internet nur schwer zu kriegen. Als Beispiel wird Brooks genannt. Woran liegt das? Ich habe bei Lara Hasagic, Marketing Managerin bei Brooks, nachgefragt. „Brooks verfolgt seit drei Jahren eine selektive Distribution, um den stationären Handel zu unterstützen. Das heißt, pure Online-Händler werden nicht beliefert“, erklärt sie. Ein Aspekt wird dadurch sichergestellt: Die Kundenzufriedenheit. „Wir empfehlen immer eine professionelle Beratung durch unsere Händler, um sicherzustellen, dass man auch den richtigen Schuh für seinen perfekten Lauf findet“, so Hasagic. Auf die individuelle Beratung im Fachhandel sollten Läufer also nicht verzichten. Trotz Digitalisierung und vermeintlicher Schnäppchen.

Text: Christian Bruneß

Woman running and jumping in a forest

Schluss mit Wundscheuern und Blasen – was wirklich hilft!

Egal, ob man nur gelegentlich mal laufen geht, um den Kopf frei zu bekommen oder gerne an Wettkämpfen teilnimmt und sich darauf wochenlang vorbereitet – jeder Läufer kennt es: Kaum ist man eine Zeit lang unterwegs, macht sich auch schon die Reibung von Haut an Haut oder Kleidung an Haut bemerkbar.

Wundscheuern und Blasenbildung kündigen sich an. Da man beim Laufen immer wieder die gleiche Bewegung wiederholt und die Problemstellen dadurch permanent gereizt werden, entstehen wunde, teils offene Stellen und Blasen. Diese sind sehr unangenehm und schränken einen beim Lauftraining und im Wettkampf ein.

Läufer leiden an den folgenden Hautstellen unter Wundscheuern und Blasen:

  • An den Füßen durch die Schuhe; vor allem Zehen und die Ferse sind oft betroffen
  • An den Brustwarzen durch die Reibung des T-Shirts
  • Zwischen den Oberschenkeln
  • An den Armen durch die Reibung des T-Shirts oder des Sport-BHs

Tipps zur Vorbeugung von Wundscheuern und Blasen

Während viele Sportler sich einfach damit abfinden, dass diese nach einer Laufeinheit eben unter den genannten Beschwerden leiden, muss das absolut nicht sein. Denn es gibt Tipps, mit denen man Wundscheuern und Blasenbildung vorbeugen kann:

  • Mit 2SKIN von pjuractive lassen sich Blasen in den Laufschuhen und wunde Stellen am Körper jetzt verhindern! Denn das Hautschutzgel eignet sich perfekt für die Bedürfnisse beim Laufsport. Das atmungsaktive Gel kann genau auf die Problemstellen aufgetragen werden und schränkt einen dabei nicht ein. Es bildet sich sofort ein unsichtbarer Schutzfilm, der die Zellstruktur der Haut stärkt und dadurch Stress & Druck auf die Haut auf größere Flächen verteilt. Außerdem ist das Hautschutzgel ultra lang anhaltend und widerstandsfähig, ohne die Poren zu verstopfen. Zudem ist es wasser- und schweißresistent. Daher ist es auch für lange Laufeinheiten und extreme Belastungen sehr gut geeignet.
  • Man sollte zusätzlich auf die richtige Sportkleidung achten. Im Optimalfall kann diese die Haut trocken halten und transportiert Feuchtigkeit sofort von dieser weg. Außerdem sind häufig auch die Nähte daran schuld, dass man wunde Stellen und Blasen bekommt.
  • Schuhe sollten erst eingelaufen werden. So verhindert man, dass das Material zu starr ist und so besonders an der Haut reibt.
  • Laufschuhe sollten im Fachgeschäft oder beim Fachhändler gekauft werden. Auf diese Weise findet man den optimalen Laufschuh, der für die Strecken, die man zurücklegen möchte und auch für die eigene Fußform optimal ist. Kauft man Laufschuhe, die einem nicht richtig passen – egal, ob zu groß oder zu klein – nimmt das Risiko an Wundscheuern und Blasenbildung zu.

Lass dich von Wundscheuern und Blasen nicht aufhalten. Mit pjuractive 2SKIN und den anderen Tipps lassen sich Blasen an den Füßen und wunde Stellen an anderen Körperstellen jetzt ganz einfach vorbeugen!

Fotos: pjuractive

Hoak One One

The Sweetest Cushion – der neue Clifton 5

Time to Fly – das ist das Credo von HOKA One One. Die maximal-gedämpften und trotzdem federleichten Schuhe erfreuen sich immer größerer Popularität. Mit dem Clifton 5, dem beliebtesten Schuh des Herstellers, ist nun die neueste Generation des Straßenschuhs erhältlich.

Der Clifton 5 ist der jüngste Familienzuwachs der preisgekrönten Clifton-Schuhlinie. Er bleibt der Familientradition treu und ist wie gehabt leicht, gemütlich und sehr, sehr schnell. Sein Design zeichnet sich aus durch die für HOKA typische Zwischensohlengeometrie und ein bewährtes Schaumelement für gleichbleibende Dämpfung während der gesamten Lebensdauer des Schuhs. In Kombination mit einem anpassungsfähigeren Vorfuß bietet der Clifton ein geschmeidigeres Laufgefühl denn je. Auch die neue Obermaterial-Mesh- Konstruktion des Clifton 5 mit weniger Stützauflagen als bei den Vorgängerversionen sorgt für noch mehr Atmungsaktivität und Komfort. Die neue Ausführung der preisgekrönten Clifton-Familie wird HOKA-Fans und Einsteiger zugleich begeistern, da er mit seinem neuen Obermaterial spürbar mehr Komfort, eine bessere Passform und ein optimiertes Laufgefühl bietet.

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White Noise – mit Saucony dem Alltagsstress davonlaufen

Das Laufen ist für viele ein Gegenpol zum lauten Alltag. Die White Noise-Life on the Run-Serie von Saucony verleiht den Running-Modellen einen neuen Style, der diesen Aspekt des Laufens auch farblich betont.

Das andauernde Rauschen des Alltags, das „weiße“ Geräusch (White Noise) schafft ein Durcheinander und vernebelt uns schon mal die Sinne. Da ist es Zeit mal durchzuatmen und Ruhe zu finden. Die White Noise Kollektion von Saucony spiegelt genau dieses Phänomen wieder. Ist der Alltag und das Berufsleben heutzutage hektisch und stressverursachend, dann ist das Laufen die Zeit, in der Klarheit herrscht und der Geist sich beruhigen kann. Die Konzentration auf den eigenen Atem, und die fließende Bewegungsabfolge, ein weißes Rauschen, welches Läufern den Ausgleich bietet, den sie brauchen.

 

 

 

 

 

 

Um das zu verdeutlichen hat Saucony allen Running-Modellen einen neuen Style verpasst. Das zarte Weiß und das dezent gesprenkelte Muster verleihen den Performance Laufschuhen ein zusätzliches Etwas, einen alltagstauglichen Style, der sowohl auf der Laufstrecke als auch im Café funktioniert. Die Kollektion besteht aus insgesamt neun Modellen: darunter befinden sich, neben Klassikern wie dem Kinvara und Ride, auch die neuen Modelle: Freedom ISO, Liberty ISO und Ride ISO. Sämtliche Modelle sind ausgestattet mit den bekannten Features der bewährten Running Modelle, einem Plus an weißem Style und rauschigem Look.

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Mode und Technik – neue Funktionsbekleidung

Funktionsbekleidung ist eine High-Tech-Angelegenheit geworden. Auf Leistung und Funktionalität optimierte Materialien und Technologien machen das Laufen angenehmer und, im wahrsten Sinne des Wortes, reibungsloser als je zuvor. Schlechtsitzende und unbequeme Laufbekleidung können einem die Lust am Laufen nehmen oder sogar die neue Bestzeit im Wettkampf kosten.

Unter Strich muss Trainingsbekleidung drei Anforderungen erfüllen: Sie muss funktionell sein, exakt passen und zudem gut aussehen, damit sie gerne getragen wird. Die deutsche Marke CEP ist seit Jahren Spezialisten auf dem Gebiet der Kompressions- und Bekleidungstechnologie. Wer in jüngster Zeit einen Stadtmarathon gelaufen ist, wird die unzähligen bunten CEP Kompressionssocken gesehen haben.

Compression Tights und Shorts

Ähnlich wie die Wadenkompression sind auch die neuen Run Compression Tights & Shorts 3.0 dafür entwickelt worden, die Leistungsfähigkeit und Regeneration der Beinmuskulatur zu fördern. Die bewährte medi compression Technologie sorgt für eine verbesserte Durchblutung der Muskulatur und wirkt sich zudem positiv auf die Ausdauer und vor allem auf die Regenration aus. Darüber hinaus werden Gelenke und Sehnen stabilisiert um Verletzungen vorzubeugen. Die Tights und Shorts fühlen sich an wie eine zweite Haut. Dank der nahtlosen Verarbeitung kommt es zu keinen Hautirritationen oder Scheuerungen. Und, nicht ganz unwichtig, sie machen beim Laufen eine gute Figur. Und damit man auch an kühleren Tagen nicht auf die Vorteile der Kompression verzichten muss, gibt es neben der Shorts auch eine dreiviertel und eine lange Variante.

 

Topo Athletic

Natural Running mit TOPO Athletic

Das Thema Sprengung ist seit Jahren ein viel und kontrovers diskutiertes Thema in der Läufercommunity – ein heißes Eisen, wenn man so will. Nicht nur Läufer, sondern auch Hersteller vertreten dabei unterschiedliche Ansätze. Neu am Markt sind die Schuhe von TOPO Athletic.

Da der Laufstil und die gesamte Biomechanik eines jeden Läufers eine höchst individuelle Angelegenheit ist, sollten Läufer ausprobieren und testen, bevor sie sich für ein Modell entscheiden. Die noch junge Laufschuhmarke TOPO Athletic aus den USA setzt auf die Natural Running-Philosophie. Die Hauptaugenmerke der Marke liegen deshalb auf einer niedrigen Sprengung (0-5 mm), einer breiten Zehenbox und einem sehr geringen Gesamtgewicht. Topo-Schuhe vereinen damit die Prinzipien des Natural Runnings mit Komfort und Performance. “Der Schuh stellt die Verbindung zwischen dem Untergrund und unserem Fuß da. Barfuß – also natürlich – gibt es keine Sprengung in unseren Füßen. Also ist null Sprengung das Natürliche und anzustrebende, auch für TOPO Schuhe“, erklärt Ingo Kruck, Marketing-Chef beim ACS-Vertrieb GmbH, dem deutschen TOPO-Distributor. Gleichzeitig sei ihm aber auch bewusst, dass nicht jeder Läufer sofort auf einen „Null Sprengung Schuh“ umstellen könne. Der Körper ist ein Gewöhnungstier und mag keine allzu kurzfristigen Veränderung. Kruck ergänzt dazu: “Anpassungsvorgänge brauchen ihre Zeit. Daher bietet TOPO 5, 3 und 0 mm Sprengung Schuhe an.“

Die Marke TOPO Athletic geht auf Tony Post zurück, der vor wenigen Jahren und mit dem Wunsch nach dem perfekten Laufschuh sein Konzept in die Tat umsetzte und die Marke gründete. Er selbst hat als Läufer zahlreiche Verletzungen erlitten, weshalb es ihm ein persönliches Bedürfnis war Laufschuhe zu entwickeln, die den natürlichen Bewegungsablauf des Körpers fördern. Ideal für den Übergang vom klassischen Laufschuh mit viel Überhöhung ist der mit 5 mm Sprengung, auch „Drop“ genannt, ausgestattete Ultrafly (siehe Abbildung). Der gut gedämpfte und komfortable Allrounder bildet ein ideales Adaptionsmodel in Richtung Null-Sprengung.

Text: Christian Bruneß

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Ein Klassiker unter den Laufschuhen

Der neue 1080 v8 von New Balance

Dieser Schuh ist und bleibt ein Dauerbrenner. Kaum ein Schuh ist so beliebt in der Laufszene wie der „1080“. Regelmäßig wird der schnellen Dämpfungsschuh von New Balance neu aufgelegt. Dabei gibt es jeweils mit einem frischen Technologie-Update. Erfahrung und Know-How hat der amerikanische Hersteller genug: New Balance wurde bereits 1906 in Boston, Massachusetts gegründet und ist die derzeit viertgrößte Sportmarke der Welt.

Seit über 100 Jahren steht das Logo „NB“ für Innovation und Qualität. Der 1080 v8 setzt dieses Erbe erfolgreich fort: In diesem Jahr wurde der Komfort mittels eines neuen Obermaterials nochmals verbessert. Durch eine mit Lasercuts veränderte Zwischensohle wurde das runde Laufgegefühl erhöht. Das spezielle nahtlose Mesh-Obermaterial sorgt für eine anpassungsfähigere Fußumhüllung und bietet gleichzeitig ein hohes Maß an Atmungsaktivität und Flexibilität. Die optimierte Außensohle sorgt für eine verstärkte Traktion und mehr Stabilität. Die angenehme Dämpfung des Schuhs schützt den Läufer vor Verletzungen und macht das Lauferlebnis vor allem eins: komfortabel. Mit einer 7-8 mm hohen Sprengung liegt New Balance im Mittel und ist für beinahe jeden Laufstil geeignet.

Mit der bewährten Fresh Foam-Zwischensohle ist der 1080 v8 ein Allrounder für Neutralläufer, der sowohl als regelmäßiger Trainingsschuh im Alltag, als auch auf einer 10 km, Halbmarathon- oder Marathonstrecke eine gute Figur abgibt.

Energiegels

Essenzielle Power – Gels im Praxischeck

Es sind mundgerechte Portionen, kaum mehr als zwei Schluck oder drei Bissen. Aber in ihnen steckt die Energie für viele, viele Kilometer! Schon Wahnsinn, was in die Marschverpflegung für Sportler gepresst wird. Was genau und für wen was wann gut ist und warum, erfahren Sie hier!

Text: Timo Dillenberger

Als vor 30 Jahren in einer privaten Küche in Berkeley/Kalifornien  der  erste Energieriegel zusammengekocht wurde, war man sich dessen späterer Bedeutung und Marktposition sicher nicht bewusst. Der erste „Power Bar“ oder genau „Energize Bar“ war ein Must-have für die damals noch kleine Gemeinde der ambitionierten Ausdauerszene. Wer das gute Stück damals genießen durfte, merkte schnell: Aller Anfang ist schwer. Der einem Kaubonbon ähnliche Block aus ­diversen Zuckervarianten ließ sich so „leicht“ verzehren wie Paniermehl, besonders bei Kälte.

Heute können wir uns nicht nur über eine Vielfalt von Darreichungsformen freuen  – vom flüssigen Shot über Cerealienriegel,  Gebäcke bis hin zum Fruchtgummi und clevere Zusatzstoffe –, die allermeisten Produkte schmecken auch so gut, dass man nicht erst auf den Hungerast wartet, um sie aus der Tasche zu holen. Das ist übrigens einer der wesentlichen Punkte bei der  Energielieferung: der Zeitpunkt der Aufnahme.

Konzentrierte Energie

Allen Produkten gemein ist eine bemerkenswert hohe Konzentration von Energielieferanten, im Allgemeinen kurz-, mittel- und langkettige Zuckermoleküle. Je kürzer, desto weniger muss unsere Verdauung sie aufspalten, ehe sie ins Blut gehen und dann Muskeln, Nerven und Drüsen zur Verfügung stehen. Sie gehen „schnell ins Blut“, wie es in Werbebotschaften heißt. Klingt erst einmal gut, hat aber auch eine recht heftige Reaktion des Insulinspiegels zur Folge. Der regelt den Blutzuckergehalt wiederum herunter, vergleichbar mit der Ebbe nach der Springflut. Zucker- oder Kohlehydratketten aus vielen Bausteinen sickern langsamer, aber kontinuierlicher in den Stoffwechsel ein.

Für Sportler heißt das: Brauche ich akut volle Power, weil mich zum Beispiel schon ein Energietief quält, oder steht eine lange Steigung mit hohem, momentanem Energiebedarf bevor, passen Produkte mit vielen Einfachzuckern besser. Beuge ich während eines Marathons oder bei langen Trainingsläufen eher mit dem Riegel oder Gel einem Hungerast vor, empfiehlt sich ein Mix aus allen Kohlehydratgruppen. Wer nach der Aktivität sicherstellen möchte, dass seine Regeneration optimal mit voller Power abläuft, bzw. wer zum Beispiel auf dem Weg zum Training noch schnell was in den Magen braucht, sollte sogar nach Produkten suchen, die hauptsächlich aus komplexen Zuckern bestehen, wie sie in Müsli, Haferflocken oder Cerealien vorkommen.

Aber was ist mit den beiden anderen Energielieferanten des Körpers, den Fetten und Eiweißen? Es gibt tatsächlich  Energiegels auf der Basis von Fetten. Die sind aber für Expeditionen oder Ultrasportler gemacht, die oft Tage für einen Wettkampf oder Trip benötigen. Selbst bei den längsten „Volksläufen“ gehen einem Menschen die Fette im Körper als Brennstoff nicht aus, ganz gleich, ob er oder sie dürr, normal oder proper gebaut ist. Außerdem schmecken Fettprodukte säuerlich,   fast ranzig, die gehen wirklich nur unter  Extrembedingungen. Proteine sind besonders nach Belastung deutlich sinnvoller in Energy-Food, aber weniger als Energielieferant. Da sind Kohlehydrate einfach besser, weil effektiver.

Clevere Zusätze

Aber die Ernährungswissenschaftler der Hersteller packen teils noch mehr praktische Zugaben in ihre Produkte. Mineralhaltige Kombinationen sind eine große Hilfe, wenn viel geschwitzt wird, bedürfen aber automatisch größerer Wasseraufnahme. Manche Vitamine, vor allem der Gruppe B, helfen, die Energie aus dem Riegel oder Gel schneller umzusetzen. L-Carnitin kurbelt den bestehenden Fettstoffwechsel laut Studien minimal an. Koffein und Taurin sollen die Umsatzrate des Stoffwechsels pushen. Das kann in Ermüdungsphasen am Ende oder auch gegen Startapathie helfen. Aber es geht nicht nur um die vielen Stoffe, die zusätzlich in einem solchen Produkt stecken, es geht auch um solche, die nicht darin sind. Ein großer Trend geht derzeit dahin, zumindest Gluten und Lactose aus den Mixturen zu verbannen, wenn nicht sogar komplett vegane Rezepte zu kreieren.

Das Klebe-Eiweiß Gluten, das vor allem bei Weizenprodukten eine Rolle spielt, sowie der Milchzucker Lactose belasten je nach individueller Empfindlichkeit die Verdauung fast jedes Erwachsenen mehr oder weniger. Tatsächlich intolerant oder allergisch sind die wenigsten, aber bei harter körperlicher Belastung ist auch unser Magen-Darm-Trakt empfindlicher. Die Chance, dass die  Wegzehrung einem unter Last Probleme bereitet, steigt demnach. Wichtig: Die Produkte grundsätzlich nicht erst im Wettkampf ausprobieren, sondern schon vorher zwei- oder dreimal in erschöpftem Zustand testen. Auch wenn das in den letzten 30 Jahren stark abgenommen hat: Manchmal verursachen die Mixturen Magenprobleme bis zum Durchfall, wenn auch in Einzelfällen.

Zum Test

Wir können hier nicht den gesamten Markt abbilden, denn selbst die uns zum Test angebotenen Produkte hätten das komplette Heft eingenommen. Wir  haben  uns  deshalb auf die Hersteller konzentriert,  die uns wegen  ihrer cleveren Rezepte und gleichbleibenden Qualität  bereits  bekannt waren.  Außerdem  haben wir versucht, ein möglichst breites Abbild zu bieten, denn neben der Liste an Inhalten zählen auch im Sport Geschmack und Textur, und da sind die Vorlieben verschieden.

In unseren Porträts findet man neben einer kurzen, fachlichen Einordnung der Zutatenliste vor allem Hinweise zur Anwendung des Produkts: Sind Verpackung, Verzehr, Kaubarkeit, Geschmack, Textur und Portionsgröße den Anforderungen von Halbmarathon oder Marathon, Adventure- oder Trailrun, Ausdauer- , Krafttraining oder Regeneration angemessen und wann oder wie oft sollte man sie einsetzen? Es gibt also nicht das Produkt, sondern jeweils bessere oder schlechtere Gelegenheiten, und über Geschmack lässt sich ja auch nicht streiten!

Aber warum überhaupt dieses Kunstfutter? Geht es nicht ohne? Antwort: Ja, aber es ist ungleich komplizierter. Der klassische Konkurrent des Riegels ist die Banane. Sie hat den für Langstreckler idealen Mix aus Frucht- und Malzzucker, leider nicht genug. Der durchschnittliche Bedarf an Kohlehydraten pro Stunde beträgt 30 Gramm. Viele Riegel entsprechen dem. Eine gleichschwere Banane  enthält  knapp ein Drittel davon. Auf fünfstündige Trainingsläufe müsste man also entweder vier kleine Riegel mitnehmen oder einen Bund von sieben bis zehn Bananen. In der Redaktion waren eine Zeit lang Waffeln mit Nuss-Nougat-Creme in Riegelform der Renner bei Langstrecken. Leider bieten solche Hausrezepte selten clevere Nährstoffkombis. In diesem Fall erfährt man zwar einen Power­kick durch den Industriezucker, die folgende Insulinreaktion plus die Verlangsamung des Kohlehydratstoffwechsels wegen des hohen Fettgehalts des Brotaufstrichs ließen die Energielevel nach dem ersten Hoch aber rapide abfallen.

Kosten-Nutzen-Faktor

Man kann mit viel Vorwissen und Zeitaufwand in Supermarkt und Küche zu ganz famosem, selbstgemachtem Sportleressen für unterwegs kommen, aber in der Summe rentiert es sich nicht. Unser Tipp: Suchen Sie sich aus dem Sortiment einen bezahlbaren Riegel oder ein ähnliches Produkt mit hohem, langfristigem Sättigungsfaktor aus, das Sie gut vertragen, und halten Sie damit vor und nach dem Training bzw. in Laufpausen den Energielevel oben. Zur Absicherung gegen unerwartete Tiefs und für Wettkämpfe sollte man per Selbstversuch auch sein persönliches Gel finden. Sie sind unter Belastung leichter aufzunehmen, meist auf schnelle Wirkung ausgelegt und erfordern weniger zusätzliche Flüssigkeitsaufnahme.

Laufschuhtrends

Maximaler Komfort – Laufschuhtrends 2016

Hat Natural Running wirklich ausgedient? Auf welche Entwicklungen können sich Läufer in diesem Jahr einstellen? aktivLaufen hat sich in der Branche umgehört und die ersten Top-Modelle des Jahres getestet.

TEXT: Ralf Kerkeling

Im Frühjahr eines jeden Laufjahres präsentieren die Hersteller ihre neuesten Laufschuh-Modelle auch für die breite Masse der Freizeitläufer. Dabei wird mächtig die Werbetrommel gerührt und auf die aktuellen High-End- Modelle hingewiesen. Konnte man in den letzten zwei oder drei Jahren keine gravierenden Änderungen in der Entwicklung feststellen, zeigt sich in diesem Jahr eindeutig mehr Fortschritt und eine Ausrichtung zugunsten des Komforts.

Mehr ist mehr

Noch nicht lange ist es her, da tauchte ein Schuh der Laufschuhschmiede Hoka One One aus Frankreich auf dem Markt auf, erfreute sich zunächst großer Beliebtheit bei den Läufern der Kategorie Langdistanz und eroberte still und leise auch den Bereich und die Herzen vieler Marathonläufer. Auch Hersteller wie Tecnica aus Spanien oder Altra aus den USA gingen diesen Trend zur hohen und komfortablen Sohle mit maximaler Dämpfung mit.

Dies zeigt in diesem Jahr erstmals deutlich Wirkung. Der Bereich Natural Running geht merklich zurück. Insgesamt kann ein Trend zu mehr Komfort und Dämpfung beobachtet werden. Neutrallaufschuhe gehen ganz klar auf die Überholspur.

Dabei ist es Herstellern wie Salomon, die beispielsweise mit dem „Sonic Pro“ einen neuen Straßenlaufschuh auf den Markt bringen, wichtig, dass neben einer optimalen Dämpfung das Gewicht des Schuhs möglichst gering gehalten wird. An diesem Punkt sieht auch der Schweizer Hersteller On seinen Weg für das neue Laufjahr. Ein Schuh, der stabil ist, mehr führt, gut gedämpft ist, aber trotzdem superleicht und agil bleibt. Hersteller wie Under Armour, die auf dem deutschen Laufschuhmarkt noch relativ frisch unterwegs sind, sehen den Weg zurück zu den etablierten Laufschuhtypen, sprich: Neutralschuhe, Dämpfungsschuhe und Stabilitätsschuhe. Die Laufschuhe werden dabei allerdings auch immer technischer. Zudem entwickeln die Labore der Laufschuh- Industrie ständig neue Materialien, um Komfort und Wettkampftauglichkeit miteinander zu verbinden. Die Schuhe nehmen Themen wie Biomechanik und Orthopädie vermehrt auf und integrieren diese beim Design und dem Einsatz relevanter neuer Materialien.

Auch die „Big Player“ der Branche werden mit neuen Modellen aufwarten. Asics setzte mit dem „MetaRun“ bereits Ende 2015 ein deutliches Zeichen im High-End-Bereich und wird mit der kommenden „FuseX“-Serie seinen Neutralschuh-Bereich ausbauen. Der amerikanische Hersteller Brooks hat sich dazu entschlossen, seine Laufschuhe in neue Kategorien einzuteilen. Damit kommen sie den Käufern entgegen, zu kompliziert erschien das Einstufungssystem. Bei der neuen Einsortierung stellt Brooks das Laufgefühl und das Zusammenspiel zwischen Körper (Fuß und Knie) und Technik in den Vordergrund.

Schuh-Spezialist Nike möchte mit dem „Free RN“, den wir auch in dieser Ausgabe testen konnten, ein modifiziertes Free-Modell für die längeren Distanzen interessant machen, wartet aber auch noch mit weiteren neuen Modellen auf.

Trail bleibt stark

Der Bereich Trail ist weiterhin wichtig. Ob in der Stadt oder der Natur, das Laufen abseits der normalen, asphaltierten Stadtwege oder ausgewalzten Waldwege hat sich in den letzten Jahren vom Trend hin zum Kult entwickelt. Diesem Umstand tragen die Hersteller auch weiterhin Rechnung.

Apropos Rechnung: Der Läufer als Konsument muss sich in diesem Jahr auf einen höheren Preis beim Einkauf des neuen Lieblingsschuhs einstellen. Waren die Preissteigerungen in den letzten Jahren relativ human, wurde die Preisspirale nahezu einheitlich nach oben geschraubt.

Ende gut, alles gut?

Der Laufsportmarkt wächst weiter. Laufen ist hipp und in der Gesellschaft angekommen. Laufschuhe werden nicht nur beim Wettkampf, sondern auch in der Freizeit vermehrt getragen. In diesem Jahr könnte das Motto aufgrund der Entwicklung zu deutlich mehr Komfort auch heißen: „Zurück in die Zukunft.“ Die Vielfalt der angebotenen Schuhe hat zugenommen. Mit der richtigen Beratung sollte sich aber der richtige Schuh weiterhin finden lassen.

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