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Taking gels keeps your energy up!

Essenzielle Power – Gels im Praxischeck

Es sind mundgerechte Portionen, kaum mehr als zwei Schluck oder drei Bissen. Aber in ihnen steckt die Energie für viele, viele Kilometer! Schon Wahnsinn, was in die Marschverpflegung für Sportler gepresst wird. Was genau und für wen was wann gut ist und warum, erfahren Sie hier!

Text: Timo Dillenberger

Als vor 30 Jahren in einer privaten Küche in Berkeley/Kalifornien  der  erste Energieriegel zusammengekocht wurde, war man sich dessen späterer Bedeutung und Marktposition sicher nicht bewusst. Der erste „Power Bar“ oder genau „Energize Bar“ war ein Must-have für die damals noch kleine Gemeinde der ambitionierten Ausdauerszene. Wer das gute Stück damals genießen durfte, merkte schnell: Aller Anfang ist schwer. Der einem Kaubonbon ähnliche Block aus ­diversen Zuckervarianten ließ sich so „leicht“ verzehren wie Paniermehl, besonders bei Kälte.

Heute können wir uns nicht nur über eine Vielfalt von Darreichungsformen freuen  – vom flüssigen Shot über Cerealienriegel,  Gebäcke bis hin zum Fruchtgummi und clevere Zusatzstoffe –, die allermeisten Produkte schmecken auch so gut, dass man nicht erst auf den Hungerast wartet, um sie aus der Tasche zu holen. Das ist übrigens einer der wesentlichen Punkte bei der  Energielieferung: der Zeitpunkt der Aufnahme.

Konzentrierte Energie

Allen Produkten gemein ist eine bemerkenswert hohe Konzentration von Energielieferanten, im Allgemeinen kurz-, mittel- und langkettige Zuckermoleküle. Je kürzer, desto weniger muss unsere Verdauung sie aufspalten, ehe sie ins Blut gehen und dann Muskeln, Nerven und Drüsen zur Verfügung stehen. Sie gehen „schnell ins Blut“, wie es in Werbebotschaften heißt. Klingt erst einmal gut, hat aber auch eine recht heftige Reaktion des Insulinspiegels zur Folge. Der regelt den Blutzuckergehalt wiederum herunter, vergleichbar mit der Ebbe nach der Springflut. Zucker- oder Kohlehydratketten aus vielen Bausteinen sickern langsamer, aber kontinuierlicher in den Stoffwechsel ein. Für Sportler heißt das: Brauche ich akut volle Power, weil mich zum Beispiel schon ein Energietief quält, oder steht eine lange Steigung mit hohem, momentanem Energiebedarf bevor, passen Produkte mit vielen Einfachzuckern besser. Beuge ich während eines Marathons oder bei langen Trainingsläufen eher mit dem Riegel oder Gel einem Hungerast vor, empfiehlt sich ein Mix aus allen Kohlehydratgruppen. Wer nach der Aktivität sicherstellen möchte, dass seine Regeneration optimal mit voller Power abläuft, bzw. wer zum Beispiel auf dem Weg zum Training noch schnell was in den Magen braucht, sollte sogar nach Produkten suchen, die hauptsächlich aus komplexen Zuckern bestehen, wie sie in Müsli, Haferflocken oder Cerealien vorkommen.

Aber was ist mit den beiden anderen Energielieferanten des Körpers, den Fetten und Eiweißen? Es gibt tatsächlich  Energiegels auf der Basis von Fetten. Die sind aber für Expeditionen oder Ultrasportler gemacht, die oft Tage für einen Wettkampf oder Trip benötigen. Selbst bei den längsten „Volksläufen“ gehen einem Menschen die Fette im Körper als Brennstoff nicht aus, ganz gleich, ob er oder sie dürr, normal oder proper gebaut ist. Außerdem schmecken Fettprodukte säuerlich,   fast ranzig, die gehen wirklich nur unter  Extrembedingungen. Proteine sind besonders nach Belastung deutlich sinnvoller in Energy-Food, aber weniger als Energielieferant. Da sind Kohlehydrate einfach besser, weil effektiver.

Clevere Zusätze

Aber die Ernährungswissenschaftler der Hersteller packen teils noch mehr praktische Zugaben in ihre Produkte. Mineralhaltige Kombinationen sind eine große Hilfe, wenn viel geschwitzt wird, bedürfen aber automatisch größerer Wasseraufnahme. Manche Vitamine, vor allem der Gruppe B, helfen, die Energie aus dem Riegel oder Gel schneller umzusetzen. L-Carnitin kurbelt den bestehenden Fettstoffwechsel laut Studien minimal an. Koffein und Taurin sollen die Umsatzrate des Stoffwechsels pushen. Das kann in Ermüdungsphasen am Ende oder auch gegen Startapathie helfen. Aber es geht nicht nur um die vielen Stoffe, die zusätzlich in einem solchen Produkt stecken, es geht auch um solche, die nicht darin sind. Ein großer Trend geht derzeit dahin, zumindest Gluten und Lactose aus den Mixturen zu verbannen, wenn nicht sogar komplett vegane Rezepte zu kreieren. Das Klebe-Eiweiß Gluten, das vor allem bei Weizenprodukten eine Rolle spielt, sowie der Milchzucker Lactose belasten je nach individueller Empfindlichkeit die Verdauung fast jedes Erwachsenen mehr oder weniger. Tatsächlich intolerant oder allergisch sind die wenigsten, aber bei harter körperlicher Belastung ist auch unser Magen-Darm-Trakt empfindlicher. Die Chance, dass die  Wegzehrung einem unter Last Probleme bereitet, steigt demnach. Wichtig: Die Produkte grundsätzlich nicht erst im Wettkampf ausprobieren, sondern schon vorher zwei- oder dreimal in erschöpftem Zustand testen. Auch wenn das in den letzten 30 Jahren stark abgenommen hat: Manchmal verursachen die Mixturen Magenprobleme bis zum Durchfall, wenn auch in Einzelfällen.

Zum Test

Wir können hier nicht den gesamten Markt abbilden, denn selbst die uns zum Test angebotenen Produkte hätten das komplette Heft eingenommen. Wir  haben  uns  deshalb auf die Hersteller konzentriert,  die uns wegen  ihrer cleveren Rezepte und gleichbleibenden Qualität  bereits  bekannt waren.  Außerdem  haben wir versucht, ein möglichst breites Abbild zu bieten, denn neben der Liste an Inhalten zählen auch im Sport Geschmack und Textur, und da sind die Vorlieben verschieden.

In unseren Porträts findet man neben einer kurzen, fachlichen Einordnung der Zutatenliste vor allem Hinweise zur Anwendung des Produkts: Sind Verpackung, Verzehr, Kaubarkeit, Geschmack, Textur und Portionsgröße den Anforderungen von Halbmarathon oder Marathon, Adventure- oder Trailrun, Ausdauer- , Krafttraining oder Regeneration angemessen und wann oder wie oft sollte man sie einsetzen? Es gibt also nicht das Produkt, sondern jeweils bessere oder schlechtere Gelegenheiten, und über Geschmack lässt sich ja auch nicht streiten!

Aber warum überhaupt dieses Kunstfutter? Geht es nicht ohne? Antwort: Ja, aber es ist ungleich komplizierter. Der klassische Konkurrent des Riegels ist die Banane. Sie hat den für Langstreckler idealen Mix aus Frucht- und Malzzucker, leider nicht genug. Der durchschnittliche Bedarf an Kohlehydraten pro Stunde beträgt 30 Gramm. Viele Riegel entsprechen dem. Eine gleichschwere Banane  enthält  knapp ein Drittel davon. Auf fünfstündige Trainingsläufe müsste man also entweder vier kleine Riegel mitnehmen oder einen Bund von sieben bis zehn Bananen. In der Redaktion waren eine Zeit lang Waffeln mit Nuss-Nougat-Creme in Riegelform der Renner bei Langstrecken. Leider bieten solche Hausrezepte selten clevere Nährstoffkombis. In diesem Fall erfährt man zwar einen Power­kick durch den Industriezucker, die folgende Insulinreaktion plus die Verlangsamung des Kohlehydratstoffwechsels wegen des hohen Fettgehalts des Brotaufstrichs ließen die Energielevel nach dem ersten Hoch aber rapide abfallen.

Kosten-Nutzen-Faktor

Man kann mit viel Vorwissen und Zeitaufwand in Supermarkt und Küche zu ganz famosem, selbstgemachtem Sportleressen für unterwegs kommen, aber in der Summe rentiert es sich nicht. Unser Tipp: Suchen Sie sich aus dem Sortiment einen bezahlbaren Riegel oder ein ähnliches Produkt mit hohem, langfristigem Sättigungsfaktor aus, das Sie gut vertragen, und halten Sie damit vor und nach dem Training bzw. in Laufpausen den Energielevel oben. Zur Absicherung gegen unerwartete Tiefs und für Wettkämpfe sollte man per Selbstversuch auch sein persönliches Gel finden. Sie sind unter Belastung leichter aufzunehmen, meist auf schnelle Wirkung ausgelegt und erfordern weniger zusätzliche Flüssigkeitsaufnahme.

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Sommer, Sonne, Intervalle

Sie befinden sich im Endspurt auf dem Weg zu Ihrem Frühjahrs-(Halb-)Marathon, das Tapering hat vielleicht schon begonnen, und Sie spüren bereits die Vorfreude auf den Tag X? aktivLaufen wagt schon mal den Blick voraus, auf die Wochen und Monate im Anschluss an Ihren Frühjahrsmarathon. Auch die vermeintliche „Marathon-Off-Season“ über die Sommermonate bietet Chancen und Möglichkeiten. Ihre Chance, zu Beginn der nächsten Marathonvorbereitung ein anderer Athlet zu sein.

Text: Philipp Pflieger

Nehmen wir an, Sie haben den Zwölf-Wochen-Plan in Vorbereitung auf Ihren Frühjahrshöhepunkt gut gemeistert und den (Halb-)Marathon gut überstanden. Dann empfehle ich Ihnen trotzdem: Gönnen Sie Ihrem Körper zunächst eine kurze Pause vom Lauftraining – er wird es Ihnen danken. Ich habe nach meinem ersten gefinishten Marathon 2015 in Berlin selbst den Fehler gemacht – trunken vor Euphorie – zu früh wieder ins Training einzusteigen, was eine Überlastungsreaktion zur Folge hatte.

Das heißt aber nicht, dass Sie den Sport ganz sein lassen müssen. Wenn Sie vom Kopf her eine sportliche Auszeit brauchen – o.k., überhaupt kein Thema. Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, um wieder richtig Lust zu bekommen. Gehören Sie aber zur anderen Spezies und können schon am Tag nach dem (Halb-)Marathon kaum die Füße stillhalten, sage ich Ihnen: Das müssen Sie auch nicht.

Aktive Regeneration ist das Zauberwort und bedeutet, dass es Ihrer Regeneration sogar äußerst zuträglich ist, wenn Sie weiter Sport treiben, da sportliche Aktivität den Stoffwechsel und damit auch die Regeneration ankurbelt. Sinn der Sache ist es dabei allerdings, den durch das Rennen strapazierten Bewegungsapparat zu entlasten und für zwei bis drei Wochen auf alternative Trainingsformen wie Rennrad- oder Mountainbikefahren, Schwimmen, Aquajoggen oder auch Inlineskaten auszuweichen. Das gibt den unteren Extremitäten die Möglichkeit, sich zu erholen. Die Intensität für das Herz-Kreislauf-System darf durchaus moderat sein, zu hart pushen würde ich allerdings nicht, da Sie sich ja trotzdem in einer Regenerationsphase befinden. Die Alpenüberquerung sollte also vielleicht noch etwas warten.

Vielfalt des Laufens

Haben Sie Ihre Regenerationsphase genossen und fühlen sich gesund und frisch, steht einem Wiedereinstieg in regelmäßiges, strukturiertes Lauftraining nichts im Wege. Wichtig ist ein schrittweiser Einstieg zurück ins Lauftraining. Haben Sie wirklich drei Wochen alternativ auf dem Rad oder im Wasser trainiert, empfehle ich Ihnen, nicht sofort wieder bei 100  % Ihres sonst üblichen Laufpensums einzusteigen. Das ist zu rapide und wird mindestens zu heftigem „Muskelkater“, wenn nicht sogar zu Schlimmerem führen. Geben Sie sich stattdessen weitere ein bis zwei Wochen Zeit, um sich peu à peu wieder an regelmäßiges Lauftraining zu gewöhnen, bevor Sie Ihre sportlichen Pläne für den Sommer in Angriff nehmen.

Womit wir auch gleich beim Thema wären: Sport lebt auch sehr stark von Abwechslung, und da sind gerade wir Läufer meiner Meinung nach in einer absolut privilegierten Position. Auch wer sich als Marathonläufer sieht, tut gut daran, das Training im Verlaufe eines Jahres zu variieren und saisonal bedingt verschiedene Schwerpunkte zu setzen. Meine Empfehlung an alle Leser da draußen: Mut zur Abwechslung! Lassen Sie Marathontraining einfach Marathontraining sein – zumindest für ein paar Sommermonate, und verlassen Sie Ihre Komfortzone. Stellen Sie sich neuen Herausforderungen. Wer es noch nicht probiert hat: Versuchen Sie es mal mit einigen Wochen Intervalltraining – gerne auch wie die Profis auf einer Bahn im Stadion.

Planung ist das A und O

Wie ich schon in meinem letzten Beitrag erwähnt habe, ist Zielsetzung das A und O. Jeder Sportler kommt an den Punkt, wenn es besonders hart wird, wenn man vielleicht vor dem Sonnenaufgang aufstehen muss oder es mal wieder in Strömen regnet, sich die Frage aller Fragen zu stellen: Warum tue ich mir das eigentlich an?

Daher ist Schritt Nummer eins nach Abschluss des Regenerationsblocks und Wiedereinstieg ins Training, sich ein Ziel zu suchen und schon einmal rot im Kalender zu markieren. Im Idealfall ein messbares, vergleichbares Ziel, zum Beispiel ein möglichst flacher 10-Kilometer-Lauf.

Warum 10 Kilometer? Nun, das persönliche Leistungspotenzial bei einem 10-Kilometer-Lauf entscheidet nicht unerheblich darüber, was in einem potenziellen Halbmarathon anvisiert werden kann. Eine entsprechende Halbmarathonzeit wiederum ist entscheidend für den nächsten Marathon. Sie verstehen, worauf ich hinauswill: Warum nicht etwas um die Ecke denken und nicht bereits an den nächsten Marathonstart? Warum nicht die Abwechslung nutzen, um ein „kompletterer“ Läufer mit mehr Potenzial zu werden?

Herangehensweise

Während der Eingewöhnungsphase an regelmäßiges Lauftraining empfehle ich im Anschluss an einen Dauerlauf zunächst drei bis fünf Steigerungsläufe über ca. 80 bis 100 Meter anzuschließen. Diese beginnt man aus dem lockeren Trab heraus und steigert sukzessive das Tempo bis etwa 95  Prozent. Wichtig ist: Das sind keine All-out-Sprints, sondern sie dienen in erster Linie dazu, den Dauerlaufschritt etwas abzustreifen und die Motorik zu schulen. Wichtiger als die absolute Geschwindigkeit ist es, dabei auf einen sauberen Laufstil zu achten, also besonders auf eine aktive Armarbeit parallel zum Körper, den Kniehub und Fußaufsatz.

Gleichzeitig trainiert man damit aber auch neben dem reinen Laufeinstieg schon mal etwas die rückwärtige Oberschenkelmuskulatur, so dass diese nicht in einen kompletten Schockzustand verfällt, wenn man mit den ersten Intervallprogrammen beginnt.

Je nachdem, ob im Herbst wieder ein nächster Marathon geplant ist und wann, bleiben nach Abzug der Pause schätzungsweise acht bis zwölf Wochen, die man nutzen kann, bevor die nächste Marathonvorbereitung ansteht.

In dieser Phase würde ich den Fokus weniger auf die absolut pro Woche gelaufenen Kilometer, sondern stattdessen auf die Qualität der Tempoprogramme legen. Ganz grob gesagt würde ich den Marathontrainingsumfang auf etwa 50 bis 75  Prozent reduzieren, damit der Körper auch genügend frisch in entsprechende Intervall­programme gehen kann. Denn in ­dieser Phase gilt ganz klar der Leitsatz: Qualität vor Quantität!

Um die individuelle Ausdauer sollten Sie sich zu diesem Zeitpunkt keine Gedanken machen, denn diese sollte nach wie vor in einem ausgezeichneten Zustand sein. Die zuvor erfolgten zwölf Wochen Marathonvorbereitung sind unterm Strich nichts anderes als zwölf Wochen exzessives aerobes Grundlagentraining, und davon können Sie über die Sommermonate profitieren.

Trainingsvorschläge

Grundsätzlich sind auch bei Tempolauf- bzw. Intervalltrainingsformen der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Verstehen Sie deshalb bitte die folgenden Trainingsvorschläge nur als Anregung und nicht als in Stein gemeißeltes Gesetz. Nachfolgend möchte ich hier drei Programmvarianten vorstellen, die sich im Laufe der Wochen über drei Komponenten steuern lassen: das Tempo, die Pause und die Anzahl der Wiederholungen.

Ein äußerst effektiver Klassiker in der Trainingsmethodik sind 400-Meter-Intervallläufe. Dies entspricht genau einer Stadionrunde und ist auch mental eine vorteilhafte Strecke, weil jeder Belastungsabschnitt recht überschaubar bleibt. Zum Einstieg würde ich nach jedem 400-Meter-Abschnitt eine Minute Pause ­empfehlen und mit zehn Läufen im geplanten 10-Kilometer-Wettkampftempo beginnen. Dieses Programm eignet sich hervorragend für die Entwicklung von Geschwindigkeit und lässt sich prima über den Sommer in Richtung 5-Kilometer-Wettkampftempo ausbauen. Sollte das Tempo keine Herausforderung mehr darstellen, dann auch gerne auf fünfzehn bis zwanzig Wiederholungen erhöhen.

Ein zweites Evergreen-Programm sind 8  x  1.000  Meter. Hier würde ich zunächst zwei Minuten Pause empfehlen und als Tempoansatz – nach vielleicht ein bis zwei zuvor absolvierten 400-Meter-Programmen – ebenfalls das anvisierte 10-Kilometer-Wettkampftempo. Hier würde ich im weiteren Verlauf allerdings zunächst versuchen, die Pausen von zwei Minuten auf eineinhalb Minuten und gegen Ende des Sommers auf vielleicht sogar eine Minute zu verkürzen.

Ähnlich wie zuvor beschrieben würde ich die dritte Variante erst dann ausprobieren, wenn zuvor schon ein bis zwei der 1.000  er-Intervalle gut funktioniert haben. Dann bieten 4  x  2.000 Meter eine weitere Möglichkeit, sich auszutoben und eben auch den Körper daran zu gewöhnen, länger im geplanten Wettkampftempo zu laufen. Ziel sollte auch hier sein, bis zum Ende des Sommers vier Läufe im 10-Kilometer-Wettkampftempo laufen zu können. Beginnen würde ich mit fünf bis zehn Sekunden pro Kilometer langsamer als das eigentliche Zieltempo und vier Minuten Pause. Was diese Variante anbelangt, empfehle ich, die Pause durchaus konstant beizubehalten und sich stattdessen darauf zu konzentrieren, nach acht bis zwölf Wochen die 2000  er im geplanten Wettkampftempo laufen zu können.

Wie eingangs erwähnt, sind in der Gestaltung des Trainingsplans keinerlei Grenzen gesetzt. Ein- bis zwei Mal die Woche kann ein solches Programm guten Gewissens in den Trainingsplan integriert werden. Bei drei wöchentlichen Laufeinheiten reicht eine Tempoeinheit völlig aus bei dann zwei zusätzlichen normalen Dauerläufen. Bei vier oder sogar mehr Laufeinheiten pro Woche darf auch gerne zwei Mal Gas gegeben werden.

Und noch etwas: Abwechslung ist das Salz in der Suppe und der Schlüssel zu Spaß! Sie können und sollen wie oben beschrieben die Programme variieren und kombinieren und, wenn Sie mögen, eigene Kreationen entwickeln. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß, schnelle Beine und einen schönen Start in den Sommer!

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Die Marathon Vision

Ist es tatsächlich möglich, einen Marathon in unter 2:00:00 Stunden zu laufen? Die Macher von „Sub2hours“ –
eines der ambitioniertesten Laufprojekte der Gegenwart – sind fest davon überzeugt, dass es schon bald passieren wird. Aber wie soll das funktionieren?

Text: Jan Brockhausen

Als Neil Armstrong am 21. Juli 1969 um 3:56 Uhr Mitteleuropäischer Zeit den ersten Schritt auf den fremden Erdtrabanten setzt, hält die Welt den Atem an. Unvorstellbar scheint, was plötzlich Realität wird und millionenfach über die Bildschirme rund um den Globus flimmert: Ein Mensch betritt den Mond! Was als „Wettlauf ins All“ zwischen den beiden Supermächten USA und Sowjetunion begonnen hat, erfährt an diesem denkwürdigen Tag sein großes Finale. Aus Fiktion wird Wirklichkeit!

„Ich glaube nicht, dass unser Projekt im Bereich der Utopie liegt“, sagt Yannis Pitsiladis und gibt sich dabei alle Mühe, nicht wie ein verrückter Professor zu klingen. Und doch scheint das, was der Sportwissenschaftler der Universität von Brighton vor hat, kaum realisierbar. Zusammen mit einem Team von Wissenschaftlern, Experten und Spitzenläufern hat der gebürtige Australier mit Lehrstuhl in Süd-England Ende 2014 das „Sub2hours“-Projekt ins Leben gerufen, das man getrost als sportliches Äquivalent zur ersten bemannten Mondlandung in den späten 60ern sehen kann. „Sub2hours“ –
hinter diesem griffigen Slogan verbirgt sich nicht weniger als der Versuch, den Marathon-Weltrekord unter die magische Zwei-Stunden-Grenze zu drücken. Zusammen mit Jos ­Hermens, einem ehemaligen Spitzenläufer und seit Jahrzehnten erfolgreichen Athleten-Manager, will das Mitglied der Medical and Scientific Commission des IOC dieses ambitionierte Ziel bis zum Jahr 2019 tatsächlich umsetzen – eigentlich unvorstellbar!

„Es gab im Sport immer wieder Grenzen, von denen niemand geglaubt hat, dass sie überwunden werden können. Und dann ist es doch passiert“, argumentiert Pitsiladis. „Es stimmt, dass unser Projekt sehr ambitioniert ist. Wenn wir aber die Weltrekordentwicklung der vergangenen 30 Jahre im Marathon nehmen, so fand sie – bezogen auf die vielen ostafrikanischen Rekordläufer – fast gänzlich ohne wissenschaftliche Unterstützung statt. Deshalb glaube ich, dass unser Ziel realistisch ist.“

VIELE kleine stellschrauben

Dass Pitsiladis und Hermens keine Träumer oder gar Fantasten sind, dürfte jedem in der Szene klar sein. Allein das geplante Budget von gut 30 Millionen Dollar, die bis 2019 in das Projekt fließen sollen, lassen keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit aufkommen. Doch wie sollen die 178 Sekunden eingespart werden, die zwischen dem aktuellen Weltrekord von 2:02:57 liegen, den Dennis Kimetto beim Berlin Marathon vor gut zwei Jahren lief, und einer Zeit von 1:59:59? Pitsiladis spricht von „marginal wins“ – also kleine Verbesserungen –
die akkumuliert zum erhofften Erfolg führen sollen. „Wir haben einige der bedeutendsten Wissenschaftler für unser Projekt gewinnen können“, sagt der Gründer stolz. „Vor allem in den Bereichen Ernährung, Biomechanik, Bioenergetik, Produkt-Entwicklung, Sportmedizin und Physiotherapie sowie Rennvorbereitung sehen wir versteckte Potenziale.“ Der vielleicht spektakulärste Aspekt in der Verwissenschaftlichung des Sports durch Pitsiladis und seine Kollegen ist die Genanalyse. In einer weltweiten Datenbank soll die DNA von Topathleten gespeichert werden. Sie soll es den Machern ermöglichen, angeborenes Talent künftig zu erkennen. „Ich glaube schon, dass diese Zielsetzung von Sub2hours realisierbar ist“, sagt Professor Dr. Gerd-Peter Brüggemann, Leiter des Instituts für Biomechanik und Orthopädie an der Deutschen Sporthochschule Köln. „Ich sehe das Ganze natürlich aus einer sehr biomechanischen oder physiologischen Sicht.“ Sein Ansatz: „Der Athlet müsste zunächst mit dem richtigen Schuhwerk versehen werden, das keine Energieverluste beim Abdruck wie auch beim Bremsen im Bezug auf den Vortrieb generiert.“ Aber wie kann man das erreichen? „Der Schuh müsste in Sachen Steifigkeit auf die internen Federn im Fuß und Bein abgestellt sein. Also auf die Gewölbe-Feder, die Fettfeder und die Muskelfeder. Dann sollte er eine möglichst geringe Masse haben – darf aber auch nicht gar keine Masse haben – weil man diese am Fuß für den Schwung benötigt.“ In diesem Bereich sei bezogen auf den Marathon bislang „viel zu wenig geforscht worden.“ Der Wissenschaftler, dessen Institut maßgeblich an der Untersuchung der Prothese von Paralympics-Rekord-Weitspringer Markus Rehm beteiligt war, macht eine interessante Rechnung auf. „Wenn ich es beispielsweise durch Versteifung des Vorderfußes kontrollieren kann, dass im Zehengrundgelenk pro Schritt nur 0,01 Prozent weniger Energie verloren geht, dann hätte ich schon 0,1 Prozent bei zehn Schritten und ein Prozent bei hundert Schritten.“

Der stil ist entscheidend

Einen weiteren Ansatz sieht Brüggemann in der Perfektionierung des Stils. „Beim Laufen haben wir es immer mit Rotationsbewegungen zu tun. Das heißt: Wenn das Schwungbein sich nach vorne bewegt, müssen die Arme oder der Rumpf die Gegenbewegung erzeugen. So dass sich in der Summe eine Drehbewegung von Null ergibt.“ Das gelinge aber auch Top-Athleten in den seltensten Fällen, was einen Energieverlust zur Folge habe. Laut Brüggemann müsse der gesamte Bewegungsablauf so abgestimmt werden, dass „die Rotationsbewegung in der Summe gegen Null strebt.“ 100-Meter-Weltrekordler Usain Bolt habe es schließlich auch in wenigen Jahren geschafft, seine Bestzeit von 9,9 Sekunden auf unter 9,6 Sekunden zu steigern. „Aus meiner Sicht vor allem durch die Perfektionierung seines Laufstils.“ Eine Marathonzeit von unter 2:00:00 entspricht – verglichen mit dem aktuellen Weltrekord – einer Steigerungsrate von 3,17 Prozent. Übertragen auf den 100-Meter-Sprint würde dies bedeuten, die Bestzeit von derzeit 9,58 auf unter 9,30 Sekunden zu verbessern. Aber sind diese beiden Fabel-Zeiten zweier fast gegensätzlicher Laufdisziplinen überhaupt miteinander vergleichbar? „Nein!“, sagt Professor Dr. Ingo Froböse, Leiter des Instituts für Bewegungstherapie und bewegungsorientierte Prävention und Rehabilitation an der Deutschen Sporthochschule Köln. In den 80er Jahren gehörte der Mediziner zu den besten Sprintern Deutschlands. „Beide Disziplinen sind einfach zu unterschiedlich.“ Für ihn steht dennoch fest: „Das Sub2hours-Projekt hat ja viele Spitzenläufer seit Jahren auf dem Radar. Ich find’s total klasse –
und glaube auch, dass es realisierbar ist!“

Neuer Läufertyp gefragt?

Die Macher von Sub2hours scheinen bei der Umsetzung ihres Projekts vor allem auf Äthiopiens Kenenisa Bekele zu setzten. Der Weltrekordmann über 5.000 Meter (12:37,35 Minuten) und 10.000 Meter (26:17,53) gilt als Läufer mit enormer Tempohärte und großem Potenzial für die Marathondistanz. Gerade hat der 34-Jährige in Berlin den Weltrekord von Dennis Kimetto mit der Winzigkeit von sechs Sekunden verpasst. Froböse sieht eher einen anderen Läufertypen im Vorteil. „Die Afrikaner verfügen generell über hohe Ausstattung an roten Muskelfasern, die aerob funktionieren. Ich glaube, dass ein anderer Läufertyp gefragt ist. Weniger schlaksig, dafür etwas kompakter. Wir brauchen eher einen Typen, der muskulär etwas anders ausgestattet ist, als es derzeit die Ostafrikaner sind.“ Seiner Meinung nach müsse daher „vor allem an den Trainingsinhalten“ gearbeitet werden. „In den Trainingsumfängen sehe ich kaum noch Steigerungspotenzial. Allerdings müsste man über die Belastungsintensität nachdenken. An dieser Stellschraube kann man sicher noch drehen. Wir müssen der Muskulatur auch im Ausdauerbereich  eine vermehrte Aufmerksamkeit widmen. Da wurde aus meiner Sicht – gerade bei afrikanischen Langstreckenläufern – in der Vergangenheit zu wenig dran gearbeitet.“

Seine These: „Ich kann aber nur eine bestimmte Leistung in einem schnellen Modus erbringen –
und in dem befinden wir uns ja bei einem Marathon-Läufer, der die Zwei-Stunden-Marke angreifen will – wenn ich die Muskulatur entsprechend vorbereite.“ Es gehe darum, eine „maximale Ökonomie zu erreichen“. Und das gelinge nur „mit einer guten Koordination einer abgestimmten Muskulatur, die auch nach zwei Stunden noch effizient arbeitet“. Dafür benötige man „eine Grundlage“, so Froböse. „Im Muskeltraining sehe ich eine der Schlüsselrollen für dieses Projekt, um aus der Körpermitte heraus das ganze System zu kontrollieren, zu aktivieren und zu regulieren.“ An eine schnelle Umsetzung glaubt Froböse  nicht. „Ich glaube, 2019 als Zeitpunkt für die Sub2hours ist eher ein Marketing-Gag. Die Zeitsprünge werden meiner Meinung nach in naher Zukunft kleiner sein. Der Läufertyp, den wir benötigen, um eine 1:59-Zeit zu laufen, werden wir nicht in zwei Jahren zur Perfektion bringen. Da ist sicher deutlich mehr Zeit von Nöten. Drei bis vier Minuten sind ja im Marathon Welten. Deshalb sehe ich da keine schnelle Umsetzung.“ Den Überlegungen, den Rekordversuch in einer künstlichen Umgebung – also unter Laborbedingungen mit optimalem Sauerstoffgehalt, Temperatur- und Windverhältnissen stattfinden zu lassen – erteilt er eine klare Absage. „Ich würde mir wünschen, an einem klassischen Marathon-Ort diesen Lauf stattfinden zu ­lassen. Das wäre dann ein  echtes Projekt – alles andere sehe ich als Kunstprojekt!“

Sauber oder nicht?

Philipp Pflieger bekommt Bauchschmerzen, wenn er auf das vielleicht bahnbrechendste Leichtathletik-Projekt der Gegenwart angesprochen wird. „Ich bin da schon sehr skeptisch – gerade wenn man die Entwicklung der letzten Jahre betrachtet. Es gibt für mich noch Zeiten, von denen ich sage: ‚Bis hier ist ein sauberer Athlet noch denkbar‘, und solche, wo ich das für mich ausschließen kann.“ Der deutsche Spitzenläufer hat eine Marathon-Bestzeit von 2:12:50 auf der Visitenkarte stehen und weiß um den Aufwand, der schon für diese Leistung von ihm erbracht werden muss. „Es gibt sicher größere Talente als mich“, sagt der Olympiateilnehmer von Rio. „Aber auch ich trainiere schon hart. Für mich persönlich ist eine Marathonzeit von 2:06 noch gut nachvollziehbar. Bei Zeiten weit darunter nimmt meine Skepsis exponentiell zu.“ Zu den vermeintlichen Wunderläufern aus Ostafrika hat er seine ganz eigene Ansicht: „Das ist doch nur die halbe Wahrheit. Es gibt dort einfach keine Trainingskontrollen. Auch Äthiopien hat formal eine funktionierende Anti-Doping-Agentur.“ Dann stellt er eine Schätzfrage: „Wie viele unangekündigte Doping-Tests gab’s denn 2015 in Äthiopien? Richtig: Keinen einzigen! Das existiert dort nur auf dem Papier!“ Ist das die Meinung eines einzelnen Frustrierten? Wohl kaum! Die Recherchen von ARD-Doping-Experte Hajo Seppelt gehen in eine ähnliche Richtung. Auch aktivLaufen-Experte Ingo Froböse verschließt vor dieser Problematik nicht die Augen: „Ich weiß, dass ich mir damit keine Freunde mache“, sagt der Sportmediziner, „aber ich bin mir sicher, dass im absoluten Spitzensport Top-Leistungen ohne Substitution nicht möglich sind. Und das gilt auch bei diesem Projekt. Wir kennen die ganze Doping-Problematik, gerade in Kenia und Äthiopien.“ Zumal mit Jos Hermens – ein in Bezug auf Doping nicht ganz unbescholtener – eine Schlüsselposition im Sub2hours-Konsortium einnimmt. 2009 hatte die Staatsanwaltschaft Magdeburg Ermittlungen gegen den Holländer aufgenommen. Der einflussreichste Leichtathletik-Manager der Welt wurde damals verdächtigt, zentrale Figur eines europaweiten Doping-Netzwerks zu sein. Er selbst bestreitet eine Verwicklung. „Ja, ich habe Miguel Angel Pareita gekannt. Aber was habe ich damit zu tun, wenn er etwas falsch macht?“, sagte er damals gegenüber „Zeit online“. Der spanische Arzt Pareita steht im Verdacht, einer der Hintermänner im Dopingskandal um Thomas Springstein zu sein. Der ehemalige Trainer von Grit Breuer und Nils Schumann hatte 2006 zugegeben, Minderjährigen ohne deren Wissen Doping verabreicht zu haben. Vielleicht ist Hermens wirklich unschuldig – dennoch wirft der Verdacht unweigerlich einen Schatten auf das Projekt. Wie passt das alles zusammen? Yannis Pitsiladis gilt als engagierter und anerkannter Kämpfer gegen Doping im Sport. Er will den Menschen den Glauben an den „sauberen Sport“ zurückgeben. „Die Anti-Doping-Konzepte der letzten Jahre sind gescheitert“, sagt er. „Wir wollen mit diesem Projekt beweisen, dass außergewöhnliche Leistungen auch ohne Doping möglich sind. Zudem fungieren neben dem „South African Institute for Drug-Free Sport“ zahlreiche namhafte Universitäten als offizielle Partner von Sub2hours. Zudem wirbt Pitsiladis mit „absoluter Transparenz“ für die Glaubwürdigkeit des Projekts.   

Locker unter zwei Stunden

Mit dem ganzen wissenschaftlichen Getöse oder gar Doping hat Andreas Brünnert von der LG Stadtwerke nichts am Hut. Und das, obwohl der Münchner aus 2015 eine Marathonbestzeit von 1:55:16 vorweisen kann. Aber wie ist das möglich? Und warum haben nicht CNN sowie die versammelte Weltpresse von diesem Jahrhundert-Ereignis berichtet, sondern „nur“ der „Münchner Merkur“? Vielleicht liefert ja der Untertitel der Veranstaltung im Riemer Park einen ersten Hinweis: „Der Lauf gegen die Gesetzte der Physik“, steht in der Ausschreibung des Ausrichters „Verein für außergewöhnliches Laufen“ geschrieben. Dahinter verbirgt sich nicht mehr als ein Gag, der so nur in einer Nacht des Jahres möglich ist. Nämlich immer dann, wenn die Uhren zur Winterzeit von 3 auf 2 Uhr zurückgestellt werden. Dann öffnet sich um 3:00 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit ein „Tunnel“ von genau einer Stunde, der einen Lauf „Sub2“ tatsächlich für ambitionierte Hobby-Läufer möglich macht. Vergleichen mit der ersten bemannten Mondlandung aus dem Jahr 1969 hält diese Leistung allerdings nicht stand.

Das steckt hinter sub2hours

Initiatoren

Yannis Pitsiladis (49, Professor der Sportwissenschaften an der University of Brighton) und Jos Hermens (66, Athleten-Manager/Global Sports Kommunikation) haben das Projekt „Sub2hours“ erstmals 2014 vorgestellt.

Wissenschaftliche Ansätze

Seit zwei Jahren arbeiten Top-Wissenschaftler daran, Parameter wie Ernährung, Biomechanik, Bioenergetik, Produkt-Entwicklung, Sportmedizin und Physiotherapie so zu perfektionieren, dass ein Marathonlauf von unter 2:00:00 Stunden möglich ist.

Finanzierung

Bis zu 30 Millionen Doller wollen die Macher von Sponsoren generieren. Namenhafte Hochschulen wie die University of Brighton, Universität Wien und University of Cape Town beteiligen sich ebenso an dem Projekt wie das South African Institut of Drug-Free Sport.

Zielsetzung

„Sub2hours“ soll bis 2019 in die Tat umgesetzt werden. Das heißt: Der aktuelle Marathon-Weltrekord von 2:02:57 müsste in den kommenden zwei Jahren um 178 Sekunden unterboten werden – ein ehrgeiziges Ziel.

web: www.sub2hrs.com

Young couple jogging by bridge, Dusseldorf, Germany

VOM LAUFEN UND DER LEIDENSCHAFT

In diesem Artikel geht es nicht um Bestzeiten, kurzen Bodenkontakt oder gar eine noch längere Langdistanz. Nein, es geht um die Liebe (zum Sport) und die Leidenschaft für eine Sache. Denn beides droht im Ehrgeiz und der Hektik des Alltags in Vergessenheit zu geraten.

Text: Sandra Mastropietro

Die Tagesplanung im 21. Jahrhundert stellt sich als durchaus komplexe Sache dar. Zwischen Arbeit, Selbstverwirklichung, Social Media und „Allein-Zeit“ wollen auch noch Freundschaften gepflegt und die Verwandtschaft bedient werden. Wo und wie bringe ich also das Hobby und den Partner unter? Eine Frage, die sich die „Generation Beziehungsunfähig“ immer häufiger stellt – und bei der das Zwischenmenschliche tatsächlich meist hintangestellt wird. Die Folge: Großstädte werden zu Single-Hochburgen, das austauschbare Lob des Chefs das Highlight des Tages und sämtliche Online-Dating-Plattformen liefern die scheinbar perfekte Mischung aus „Me-Time“ und „Social-Media Ego-Boost“. Was beziehungsweise wen suchen wir eigentlich? Welche Beziehungsmodelle haben Erfolg und gar Zukunft?

Repräsentativen Umfragen zufolge setzen wir bei der Partnerwahl inzwischen verstärkt auf gemeinsame Hobbys und das Teilen von Leidenschaft. Demnach haben zwei Menschen, die sich sympathisch sind und gemeinsam ihre Leidenschaft leben, also gute Chancen auf eine gemeinsame Zukunft – welcher Art auch immer.

Für alle laufbegeisterten Singles heißt dies: No Excuses! Raus an die frische Luft, auf zum nächsten Lauftreff. Diese gibt es inzwischen fast überall – und sind im Gegensatz zum Online-Dating zu Hause vor dem PC auch noch gesund, gesellig und eine wunderbare Plattform, um sich auf neutralem Terrain kennenzulernen.

GLEICH UND GLEICH GESELLT SICH GERNE

Auch mir ist mein Partner Sebastian buchstäblich über den Weg gelaufen. Damals, bei einer kleinen Laufveranstaltung im Münchner Umland, als wir beide die Zeit zur Siegerehrung überbrücken mussten. Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich eine schlabbernde Jogginghose und einen weiten Pulli über meiner verschwitzten Laufkleidung trug, der Kopf war hochrot von der vorangegangenen Anstrengung, und eine feine Salzkruste zierte mein Gesicht. Make-up trug ich natürlich keines. „Lust auf ein alkoholfreies Bier?“ fragte er unvermittelt. Zwei Stunden redeten wir dann ununterbrochen über das Laufen, Erlebtes und Pläne. Schnell wurde der eigentliche Grund, aus dem wir dort auf der schmalen Bierbank saßen, nichtig, und „langweilige Wartezeit“ wandelte sich in pures Entzücken. Entzücken darüber, dass bei jeweils dem andern das Feuer der (Lauf-)Leidenschaft in den Augen brannte, dass blaue Zehennägel kein Tabuthema waren und dass „eine große Portion Pommes“ nur als salzreiche Vorspeise diente. Inzwischen teilen wir nicht mehr nur die Vorliebe für alkoholfreies Bier, sondern auch den Alltag, viel kohlenhydratreiches Essen und einen ganz großen Schrank, randvoll mit unwohlriechenden Laufschuhen. Sebastian und ich sind kein Einzelfall. Das be-stätigt auch LoveScout24-Expertin Dr. Ohana: „Warum nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und sich bei einem gemeinsamen Hobby kennenlernen? Im Gegensatz zu klassischen Date-Situationen, bei denen man sich frontal gegenübersitzt und darauf konzentriert ist, sich möglichst von seiner Schokoladenseite zu präsentieren, kann eine gemeinsame Unternehmung entkrampfend wirken.“

Einer vorangegangenen Umfrage zufolge befindet sich „Joggen“ auf Platz 5 jener Aktivitäten, bei denen es sich am besten flirten lässt, „Fitness“ sogar auf Platz 3. Gemeinsames Schwitzen scheint also tatsächlich eine durchaus anziehende Wirkung zu haben. So anziehend, dass es neben den stark frequentierten Laufgruppen inzwischen auch Single-Lauftreffs gibt. So startete LoveScout24, Deutschlands Dating-portal Nr. 1, im Sommer 2016 den ersten Versuch eines sportlichen Single-Events. Mit Erfolg: 2017 soll das Konzept in erweiterter Form fortgeführt werden. Aber an dieser Stelle erst einmal wieder genug von Zahlen und Statistiken, weg von der Theorie und rein in die „Praxis“. Zu Kerstin und Simon. Einer schlichtweg berührenden Geschichte, die zeigt, dass es sie doch gibt: die wahre Liebe.

DRUM PRÜFE, WER SICH EWIG …

Kerstin: „Simon und ich haben uns auf einer Laufveranstaltung kennengelernt. Damals war ich zwölf Jahre alt und fand Jungs noch doof. Gleichwohl gab es eine Verbindung zwischen uns beiden. Und so redete ich im jugendlichen Leichtsinn von 13 Jahren auch tatsächlich zum ersten Mal davon, dass Simon der Mann sei, den ich einmal heiraten möchte. Zu Beginn unserer ,Beziehung‘ sahen wir uns nur sehr selten, bei diversen Sportevents eben. Per SMS informierte ich ihn, bei welchen Laufveranstaltungen ich als Nächstes starten wollte und wann ich dort mit meiner achtköpfigen Familie aufkreuzen würde. So kam es, dass sich Simon auf sein Rennrad schwang und bis zu 120 Kilometer fuhr, nur um mit mir gemeinsam an der Startlinie zu stehen und mir dann während des Rennens nicht von der Seite zu weichen. So nahm auch die Zeit ihren Lauf, und schließlich zog Simon mit 18 Jahren für sein Studium ganz in meine Nähe. Endlich konnten uns häufiger sehen, sogar gemeinsam trainieren. Unsere Leidenschaft für das Laufen verband uns vom ersten Moment an. Ich erinnere mich noch gut: In der ersten gemeinsamen Wohnung standen überall Laufschuhe im Flur. Auch der Heiratsantrag erfolgte – wie sollte es anders sein – während eines gemeinsamen Laufes. Ein Jahr später wurde unser Glück durch die Geburt von Tochter Johanna gekrönt. Wenig später folgte bereits unser nächster Familienzuwachs: Emil. Durch die Anschaffung eines Doppelbabyjoggers, was ich Läufern nur empfehlen kann, war es uns möglich, zu viert unterwegs zu sein und zu laufen. Im Dezember vergangenen Jahres wurde unsere Familie dann durch Anton komplettiert. Entsprechend beschränken sich unsere Laufkilometer gerade auf nächtliche Tragetouren und Kinderwagenausflüge, aber ich bin mir sicher, dass dies schon bald wieder anders aussehen wird. Dann möchte ich wieder an der Startlinie stehen, und Simon und ich werden uns mit dem Aufpassen der Kinder abwechseln. Auch auf unsere gemeinsamen Trainingsstunden zu fünft freue ich mich schon jetzt. Da wir uns keinen Drillingsjogger anschaffen werden, wird Johanna uns auf dem Fahrrad begleiten.“

LAUFEN VERBINDET

Wir alle laufen aus verschiedenen Gründen, mit unterschiedlichen Zielen und Ambitionen. Aber wir laufen, sind Läufer. Und das prägt unseren Alltag. Wir ernähren uns anders, kleiden uns anders und gehen wahrscheinlich häufiger duschen. Ist es dann nicht praktisch, wenn zwei, die sich lieben, das Gleiche lieben? Gemeinsam, das ist unbestritten, machen die meisten Dinge einfach mehr Spaß. Und das Verständnis für so manches, das Nicht-Läufer niemals in den Sinn kommen würde, ist auch gegeben. So auch bei Matthias und Christiane, die 2016 gemeinsam den Transalpine-Run finishten:

„Glück ist das Einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt. Wenn wir etwas tun, dann tun wir es mit Leidenschaft. Gemeinsam einer Leidenschaft nachzugehen, ist wirklich ein Teil wahren Glücks. Jeden Tag versuchen wir, dieses Glück zu zeigen und auch andere damit zu infizieren. Natürlich gibt es auch mal graue Tage, aber an denen ist man nicht allein. Laufen und Liebe gehören zusammen und beides ist ein Teil von uns“, sagt Christiane. „Genau! Das Teilen dieser Leidenschaft ist in-sofern von Vorteil, dass man großes Verständnis für die Verrücktheiten des anderen aufweist. Wenn einer meint, um 4 Uhr morgens aufstehen zu müssen, um auf irgendeinen Gipfel zum Sonnenaufgang zu rennen, ist das sicher nicht bei jedem gern gesehen. In unserem Fall kommt da meistens nur ein: Geile Idee, kann ich mitkommen?‘“, lacht Matthias. Dr. Ohana bestätigt: „Psychologisch gesehen steht bei sportlichen Aktivitäten wie Laufen die Handlung selbst im Vordergrund, bei der sich die Beteiligten fast wie von selbst näherkommen und sich „ungeschminkt“ kennenlernen können. Sie machen etwas, das sie mögen und das automatisch Gesprächsstoff bietet. Die freigesetzten Endorphine schaffen eine angenehme Atmosphäre, und man fühlt sich weniger beobachtet. Es geht nicht darum, perfekt zu sein oder das richtige Outfit zu tragen. Vielmehr schafft das erste gemeinsame Interesse für eine Sache eine gute Basis für weitere Dates oder gar eine Partnerschaft.“

„Couples who sweat together, stay together“, besagt ein englisches Sprichwort. Sicherlich (noch) eine gewagte These, dennoch ist der oben beschriebene Trend nicht von der Hand zu weisen. So ist das gemeinsame Laufen mit dem Partner zwar grundsätzlich eine sehr gute Sache, kann und soll aber keinesfalls erzwungen werden.

SPORT VERBINDET

Und Leidenschaft verbindet. Euphorie für eine Sache beeindruckt. Ein gesunder Lebensstil sowie eine gute körperliche Fitness bringen in den meisten Fällen Zufriedenheit. Und genau diese Zufriedenheit ist es, die von unserem Umfeld als angenehm und attraktiv wahr-genommen wird. Worauf warten Sie also noch? Überwinden Sie ihren Schweinehund, entschleunigen Sie den Alltag und spüren Sie die kalte Luft in den geweiteten Lungenflügeln. Erfreuen Sie sich an der Natur, der Ruhe oder guter Musik.

Genießen Sie jeden Ihrer Schritte und spüren Sie die Leidenschaft, nehmen Sie sie wahr. Ja, mit dem Laufen ist es wohl tatsächlich ein bisschen wie mit der Liebe: Eine Komposition aus vielen kleinen Dingen, die zusammen ein großes Ganzes in absoluter Einzigartigkeit ergeben. Und vielleicht lassen sich genau deswegen die Worte Laufen und Leidenschaft so schlecht voneinander trennen. Denn Laufen ist Leidenschaft und wer Leidenschaft spürt, der lebt … und liebt!

Die vorangegangenen Zeilen sollten Sie daran erinnern, dass erhöhter Puls und schneller Atem nicht nur auf Trainingseinheiten zurückzuführen sind. Sie sollen als Appell an die Leidenschaft für einander oder eine Sache dienen, an das bewusste Wahrnehmen erinnern und darauf hinweisen, dass es mit der Liebe vielleicht ähnlich ist wie mit der ein oder anderen Bestzeit: Sie kommt, wenn man vom Druck ablässt und gar nicht (mehr) mit ihr rechnet. Dies ist ein sehr persönlicher und vor allem ehrlicher Artikel, ergänzt um Expertenmeinungen und Statistiken. Ich wünsche Ihnen, werte aktivLaufen-Leser, ganz viel Liebe und Leidenschaft bei allem, was sie tun.

Das, was zählt, ist die Verbindung, die man zueinander hat, die Leidenschaft und die Gefühle füreinander. Ich bedanke mich bei Simon für seine Inspiration.

Tarahumara Indians glide down a dirt trail

Die Ausdauerhelden aus der Kupferschlucht

Die vielleicht besten Langstreckenläufer der Welt kommen aus einem abgelegenen Gebirgsareal in Nordost-Mexiko:die Tarahumara. In den Schluchten der Sierra Madre Occidental legen sie mit- unter Hunderte Kilometer am Stück laufend zurück. Diese schier grenzenlose Ausdauer, die sie auch schon in Wettkämpfen gegen US-Top-Runner bewiesen haben, ist begründet in ihrer traditionellen Lebensweise.

Text: Wilfried Spürk

Aufgefallen ist er manchen vielleicht wegen seiner dünnen Ledersandalen. Oder wegen seines mit Sternmotiven verzierten weißen Lendenschurzes.
Doch im Grunde unterschied den Läufer mit der Startnummer 11543 beim diesjährigen Boston-Marathon nichts Wesentliches von den allermeisten der anderen über 30.000 Teil- nehmer. Besonders schnell war er auch nicht: In 3:38:11 Stunden kam er ins Ziel – respektabel, aber weit entfernt von Spitzenzeiten. Und dennoch: Dieser kleine, schmächtige Mann, Arnulfo Quimare ist sein Name, ist eine Legende des Langstreckenlaufs.
Quimare, inoffiziellen Angaben zufolge 1980 geboren, gehört zu den Tarahumara, einem indigenen Volksstamm, der im nordmexikani- schen Bundesstaat Chihuahua inmitten des von Schluchten zerklüfteten Sierra-Madre-Gebirges zu Hause ist. Die meisten Tarahumara leben heute in der bis zu 1.800 Meter tiefen Kupfer- schlucht. Sagenumwoben sind ihre Fähigkeiten im Ausdauerlauf. Er prägt ihre Kultur so sehr, dass sie sich selbst „Raramuri“ nennen: „die, die gut zu Fuß sind“. Quimare ist einer der besten Läufer der Tarahumara. Und er war einer der ersten, der international für Aufsehen sorgte. Im Jahr 2006, als er Scott Jurek besiegte. Der US-Amerikaner, heute 42 Jahre alt, war über viele Jahre einer der herausragenden Ultra- Runner weltweit, gewann einige der härtesten Rennen überhaupt, und zwar mehrfach: sieben Mal den „Western States 100 Mile“-Run, zwei Mal den „Badwater Ultramarathon“.

SHOWDOWN MIT US-TOP-RUNNERN
2006 nahmen Jurek und andere US-Spitzen- Langstreckenläufer die beschwerliche Anreise in die abgelegene und als Kerngebiet der berüchtigten Drogenkartelle mitunter auch gefährliche Kupferschlucht („Copper Can- yon“) auf sich, um sich beim „Copper Can- yon Ultramarathon“ mit den No Names der Tarahumara zu messen. Sie waren die ersten Nicht-Einheimischen, die bei dem seit 2003 ausgetragenen Rennen über knapp 80 Kilometer mit Start und Ziel in Urique teilnahmen. Die größte Herausforderung bei diesem Extremlauf stellt die immense Hitze mit teilweise über 40 Grad Celsius dar. Quimare, in traditionellen handgefertigten Ledersandalen unterwegs, kam in 6:41 Stunden als Erster ins Ziel, Jurek als Zweiter rund sechs Minuten später. Weltweit bekannt wurde Quimare vor allem dank der Schilderungen dieses Rennens und seiner Vorgeschichte durch den US-amerika- nischen Autor Christopher McDougall in dem Bestseller „Born to Run“. Der Triumph beim Copper Canyon Run ist allerdings einer der wenigen Erfolge der Tarahumara gegen inter- nationale Spitzenläufer. Bei den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam etwa enttäuschten die Starter der indigenen Volksgruppe beim Marathon mit Platz 32 und 38, bei den Spielen 1968 in Mexiko holten sie ebenfalls nicht die erhofften Medaillen. Zu kurz sei die Marathon- Strecke, hieß es unter anderem zur Erklärung.

Fest steht: Die Läufer aus der Sierra Madre sind es gewohnt, ohne Unterbrechung Hun- derte Kilometer auf den schmalen Pfaden der Schluchten zu laufen. Der Rekord soll bei 700 Kilometern in zwei Tagen liegen! Auch wenn inzwischen die moderne Welt mit asphaltierten Straßen und westlicher Ökonomie bei ihnen Einzug hält, leben immer noch viele Tarahuma- ra nach jahrhundertealten Traditionen, wohnen in kleinen Hütten oder Höhlen, die unter Fels- vorsprüngen gebaut sind. Laufen ist aufgrund der teilweise großen Entfernung zwischen den Wohnstätten, aber auch zur Bewirtschaftung ihrer wenig fruchtbaren Böden, ein zentraler Bestandteil ihrer Alltagskultur. Ihre extreme Ausdauer könnte zudem auch daher rühren, dass ihr Stamm früher vermutlich die Hetzjagd betrieb. Dabei verfolgen Menschen Tiere, die auf kürzerer Distanz deutlich schneller laufen, dank einer überlegenen Ausdauer und guter Taktik so lange, bis diese erschöpft zusammen- brechen und erlegt werden können.
Was von alters her also der pure Ernst des (Über-)Lebens war, hat sich in die DNA dieser Menschen eingebrannt. Irma Chavez Cruz, Bürgermeister einer Tarahumara-Gemeinde, der mit Arnulfo Quimare gemeinsam den Boston- Marathon lief, fasst dies in folgende Worte: „Laufen ist einfach Teil unserer Lebensweise. Laufen ist eine Form des Gebets und die Art, wie wir uns mit der natürlichen Welt verbinden.“
DIE PURE FREUDE AM LAUFEN
Schon kleine Kinder lernen bei den Tarahu- mara das Ball-Laufspiel Rarajipari, bei dem zwei Teams einem Ball hinterherjagen, den sie abwechselnd nach vorne treten. Bei Erwach- senen kann dies bis zu zwei Tage andauern. Beendet ist das Spiel, wenn ein Team aus Erschöpfung aufgibt. Es erfordert vor allem eins: Liebe zum Laufen. Dies scheint ein Aspekt des Geheimnisses der Tarahumara zu sein: Laufen bedeutet für sie keine Anstrengung, sondern bereitet ihnen Freude wie Kindern das Spielen.
Von diesem Eindruck berichten jedenfalls Außenstehende. Zum Beispiel Ken Chlouber, Mitbegründer des „Leadville 100 Trail“-Runs in Colorado in den Rocky Mountains. Von 1992 bis 1994 hatten die Tarahumara dort jeweils mit einer kleinen, vom Naturfotografen Rick Fisher zusammengestellten Gruppe drei ihrer seltenen Auftritte fern der Heimat – und triumphierten zwei Mal. 1994 stellte Sieger Juan Herrera mit 17:30 Stunden eine Bestzeit auf, die acht Jahre Bestand hatte. McDougall schildert Chloubers Eindrücke an einer berüchtigten Steigung, an der 1994 Herrera und ein zweiter Tarahumara- Läufer mächtig aufholten: „Sie lachten, als sie die Erdrampe erreichten. Alle Läufer gehen auf dieser Rampe, dachte Chlouber, als die beiden Tarahumara die Steigung hinaufwirbelten wie Kinder, die sich in einem Laubhaufen vergnügen. Alle. Und Teufel noch mal, sie lachen nicht dabei.“

WAS IST IHR GEHEIMNIS?
Der Spaß vergeht den Tarahumara offenbar, wenn aus dem Laufen eine ernste Angele- genheit im Sinne der großen Sportwelt wird. Wenn es um Titel, Rekorde, Geld geht. Die Vorbereitung auf Wettkämpfe in unserem Sinne ist ihnen fremd – und wenn es auf die Tartanbahn oder einen Asphalt-Marathon geht, büßen sie viel von ihrer Stärke ein. Zudem dürfte ihnen die Einstellung auf ein völlig ungewohntes Umfeld schwerfallen. Tatsäch- lich sind Tarahumara auch schon in Europa gelaufen: Beim Swiss Alpine Run 1994 landeten die drei Starter im Mittelfeld.
Ein ungewohntes Bild geben die Raramuri mit ihrem Outfit ab, vor allem wegen ihrer „Huaraches“ genannten Sandalen, die ledig- lich aus dünnen Sohlen aus Rohleder oder Autoreifen-Gummi und Riemen zum Fest- schnüren bestehen. Experten diskutieren, ob dieses Schuhwerk erklären könnte, dass die Tarahumara praktisch keine der typischen Verletzungen an Gelenken oder Sehnen kennen, die sonst so viele Läufer plagen. Da die Füße weniger gegen den Untergrund geschützt sind, bleiben sie beweglicher, als wenn sie in geschlossene Schuhe eingezwängt wird. Die Muskulatur von Füßen und Beinen wird zudem mehr gefordert und dadurch gestärkt, so dass sie gegen Belastungen besser gewappnet ist. Laufstil-Untersuchungen zeigen, dass Läufer, die in Huaraches laufen, deutlich seltener auf den Fersen landen, was die Gelenke schont. Unklar ist, ob die Ernährung ein Grund für die Ausdauerenergie der Tarahumara ist. Mais steht in vielen Variationen auf dem Speiseplan, etwa als Maisbier, das nur wenig Alkohol ent- hält, oder als Pinole, der als Brei oder Getränk verfügbar ist. McDougall berichtet zudem von dem Getränk Iskiate, dessen Hauptzutat Chia-Samen sind und das einen sehr hohen Nährwert hat. Diese Ernährung liefert insge- samt einen hohen Anteil an Kohlenhydraten.

GROSSE ARMUT
Das Thema Ernährung lenkt unseren Blick auf die schwierigen Lebensverhältnisse dieser Volksgruppe, die seit dem 16. Jahrhundert immer weiter zurückgedrängt und in ihrem Territorium eingeschränkt wurde – zunächst von den Spaniern, dann von den Apachen und im 19. Jahrhundert von Mexikanern, die sich mit Erlaubnis der Regierung das Land nahmen. Heute leben schätzungsweise noch rund 100.000 Tarahumara in einem etwa 65.000 Quadratmeter großen Areal, die meisten in großer Armut. Ihren Unterhalt bestreiten sie mühsam von der eigenen Landwirtschaft oder als Tagelöhner für zwölf bis 15 Dollar pro Tag. In kleineren Städten wie Urique passen sich viele dem westlichen Lebensstil an. Zudem nimmt die Kriminalität in der Kupferschlucht zuletzt deutlich zu, die Drogenkartelle missbrauchen Tarahumara für Kurierdienste. Auch der „Copper Canyon Run“ – inzwischen in Erinnerung an seinen 012 verstorbenen Begründer „Caballo Blanco“ alias Micah True in „Ultra Caballo Blanco“ umbenannt – musste wegen der kritischen Lage bereits abgesagt werden, seine Zukunft ist ungewiss. Ein Verlust für die Tarahamuara, für die bei diesem Event auch Spendengelder gesammelt wurden.
Der Boston-Start von Quimare und Chávez Cruz sollte auch auf die Nöte der Ureinwohner Amerikas aufmerksam zu machen. In einer
öffentlichen Konferenz vor dem Marathon mit dem Titel „Native American Running: Culture, Health, Sport“ wurde die Bedeutung des Laufens in deren Tradition betont. Ver- schiedene Projekte versuchen, dieses Potenzial bei Jugendlichen zu entwickeln. Eine Gruppe von 25 Raramuri-Teenagern wird zurzeit vom mexikanischen Coach Carlos Ortega betreut, die Gelder stellt eine Stiftung bereit. Ortega ist begeistert von der Ausdauerhärte seiner Schützlinge, sagt aber: „Wir müssen zu ihrer Ausdauer noch Geschwindigkeit hinzufü- gen.“ Ihm schwebt Großes vor: „Ich will sie dahin bringen (…) bei Olympia teilzunehmen, wo sie Goldmedaillen gewinnen können.“ Olympia- oder WM-Erfolge könnten sicher zu einer Verbesserung der sozialen Lage der Tarahumara beitragen. Wünschenswert wäre, dass dabei ihre faszinierende Lauftradition erhalten bleibt.

Ironman - Frankfurt

Aller guten Dinge sind 3

Hawaii gilt als die Wiege des Triathlon.
Die Wurzeln des sportlichen „Triumphirats“ reichen aber auch beinahe 100 Jahre nach Frankreich zurück. Heute findet
der sportliche Dreikampf immer mehr Anhänger – zu Recht, wie wir finden.

Text: Christian Riedel

Fragt man Sportfans, wie der Triathlon entstanden ist, hört man meistens die Geschichte von drei US-Soldaten, die sich auf Hawaii gestritten haben, wer der Härteste unter ihnen ist.
Einer davon war Läufer, einer Schwimmer und einer fuhr Rennrad. Also legten jeder eine Strecke in seiner jeweiligen Disziplin fest, die alle drei Sportler bewältigen mussten. Wer dann als Erster ins Ziel kam, durfte sich als Härtester unter den Harten betrachten und von nun an den Titel „Iron Man“ tragen.

RAD STATT TAXI
An der Geschichte ist auch was dran. Tatsächlich gab es 1978 auf Hawaii einen Streit zwischen einigen Ausdauer-Athleten im Rahmen eines Staffellaufes, an dem auch der US Navy Com- mander John Collins beteiligt war. Also schlug Collins vor, drei auf Hawaii stattfindende Rennen hintereinander auszutragen und am Ende zu messen, ob nun Radsportler, Läufer oder Schwimmer die besten Ausdauerwerte aufwiesen. Also legten die Veranstalter den Waikiki Roughwater Swim (2,4 Meilen/3,86 km), das Around Oahu Bike Race (115 Meilen/184 km) und den Honolulu-Marathon zusammen. Um den Start des Radrennens und das Ziel des Schwimmens auf einen Punkt zu legen, kürzte man die Radstrecke um 4 Kilometer – der erste Iron Man Hawaii war geboren. Am Ende nahmen 15 Ausdauer- Junkies am Wettkampf teil, 12 davon beendeten das Rennen. Es siegte der texanische Taxifahrer Gordon Haller in 11 h 46:40 h min.

HUNDERT JAHRE GESCHICHTE
Wie erwähnt gab es aber schon vorher Veranstaltungen, bei denen die Teilnehmer die Kombination aus den drei Sportarten absol- vieren mussten. So schreibt die französische Sportzeitung „L‘Auto“ seit 1920 regelmäßig über ein Event, das unter dem Namen „Les Trois Sports“, also die drei Sportarten, bekannt wurde. Zu den berühmtesten Teilnehmern zählte der Chefredakteur Henri Desgrange, der auch als Initiator der Tour de France gilt. Auch in den USA gab es vor dem Iron Man schon Veranstaltungen, die unter dem Namen Triathlon geführt wurden. Wie bei den Les Trois Sports standen aber kürzere Distanzen auf dem Wettkampfplan. Seit den Spielen 2000 in Sydney gehört der Triathlon sogar zur olympischen Familie, wobei 2008 mit Jan Frodeno sogar ein Deutscher ganz oben auf dem Treppchen stand.

KEINE ANGST VOR DER DREI
Wenn Sportler heute den Namen Triathlon hören, bricht bei vielen der Schweiß aus und man denkt direkt an die brütende Hitze auf Hawaii und unzählige Kilometer, die man in der einsamen und von Wind gepeitschten Ebene von Big Island unterwegs ist. Der Triathlon scheint dabei so weit weg zu sein wie eine Olympiateilnahme. Triathlon ist aber weit mehr als nur der Wettkampf auf Hawaii. In fast jeder Großstadt sowie vielen kleineren Orten gibt es Wettkämpfe, auch bei den Olympischen Spielen wird um Medaillen gekämpft. Das Schöne an dem Mehrkampf ist, dass die Distanzen nicht in Stein gemeißelt sind. Hier muss man nur aufpassen, dass man die Begriffe Triathlon und Iron Man nicht synonym verwendet, denn Iron Man ist der Name einer Serie von Veranstaltungen, deren Jahreshöhepunkt auf Hawaii ausgetragen wird. Es gibt mehrere Iron-Man-Veranstaltungen an verschiedenen Orten. Gestartet wird über die sogenannte Langdistanz, also 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und den 42,195 km Marathon. Insofern ist jeder Iron Man eine Langdistanz, aber nicht jede Langdistanz ist ein Iron Man. In Deutschland gehört beispielsweise der Frankfurt Triathlon zur Iron-Man-Serie, wäh- rend der bekannteste Langdistanz-Triathlon in Roth zur DATEV Challenge Serie gehört.

TRIATHLON FÜR JEDERMANN
Wer noch nie für einen Triathlon trainiert hat, kommt wahrscheinlich nicht auf die Idee, an einer Langdistanz teilzunehmen. Dazu kann man auch niemandem raten. Für Hobbysportler gibt es auch kürzere Distanzen, wie beispielsweise die Halbdistanz, bei der 1,9 km geschwommen, 90 km geradelt und ein Halbmarathon gelaufen wird. Bei den Olympischen Spielen gibt es die olympische Distanz (1,5/40/10). Bei kleineren
Veranstaltungen wird auf Sprint- oder Kurzdistanzen gestartet, mit im Normalfall nur rund 500 bis 1.000 m Schwimmen, zwischen 20 und 25 km Radfahren und 5 bis 7 km Laufen. Mit etwas Training ist so eine Distanz auch für einen mittelmäßigen Hobbysportler zu schaffen. Dann gibt es je nach Veranstalter noch Sonderformen wie die 111 km, bei der 1 km geschwommen, 100 km geradelt und 10 km gelaufen wird. Der Kreativität der Veranstalter sind hier keine Grenzen gesetzt. Schließlich besagt der Name Triathlon nur, dass man drei Disziplinen absolvieren muss und nicht, wie lang diese sein müssen.
START MIT DAMENRAD
Wer selbst mal einen Triathlon absolvieren möchte, muss auch keine Angst vor der teuren Ausrüstung haben. Bei den Jedermann-Rennen ist es keine Schande, wenn man mit seinem Trekking-Rad oder Mountainbike an den Start geht. Schließlich geht es nur darum, Triathlon- Luft zu schnuppern und nicht, um die vorderen Plätze mitzukämpfen. Insofern sieht man beim größten Jedermann-Triathlon der Welt, dem Hamburg Triathlon mit über 10.000 Teilnehmern auf den verschiedenen Distanzen, nicht nur Rennmaschinen für mehrere tausend Euro, sondern auch Damenräder oder ganz normale Stadtfahrräder. Beim Schwimmen auf den kurzen Distanzen ist ein Neoprenanzug zwar hilfreich, aber nicht notwendig. Und Laufschuhe sollte jeder von uns auch ausreichend zur Verfügung haben.

TIPPS FÜR EINSTEIGER
Wer sich einigermaßen fit fühlt und beim gelegentlichen Besuch des örtlichen Schwimmbades nicht direkt ertrinkt, kann sich im Prinzip auch zur nächsten Sprintdistanz anmelden. Wobei es schon Sinn macht, zumindest das Schwimmen im See vorher zu trainieren. Denn es ist ein großer Unterschied, ob man im Schwimmbad ist, wo die Bahnen eingezeichnet sind, oder im offenen Gewässer, wo man sich nur an den anderen Schwimmern oder ein paar Bojen orientieren kann. Schnell verliert man den Überblick und muss einige Extra- Meter schwimmen. Auch der Massenstart mit zig anderen Teilnehmern, die gleichzeitig ins Wasser springen, ist nicht ohne und sollte vorher geübt werden. Außerdem ist es besser zu kraulen, als Brust zu schwimmen. Wer kraulen kann, spart Kraft und braucht nicht so viel Platz. Viele Triathleten bekom- men beim Wechsel vom Rad auf die Laufstrecke Probleme, da hier die Beinmuskulatur komplett anders angesprochen wird. Hier ist es sinnvoll, den Wechsel vorher zu trainieren und nach dem Radfahren direkt ein paar Kilometer zu laufen.

EIN NEUER KICK
Auch wenn nicht aus jedem Läufer ein Triathlet wird, lohnt es sich, zumindest einmal im Leben eine Kurzdistanz zu absol- vieren. Gerade die Kombination aus drei unterschiedlichen Sportarten sorgt für Abwechslung und gibt dem Training einen zusätzlichen Kick. Und wem es keinen Spaß macht, kann jederzeit wieder nach Hause auf die Laufbahn zurückkehren.

DEUTSCHLANDS BESTE TRIATHLETEN

Fünf Deutsche konnten bisher den Iron Man auf Hawaii gewinnen und zählen zu den besten Athleten aller Zeiten.
THOMAS HELLRIEGEL
Der aus Bruchsal stammende Hellriegel konnte nach zwei zweiten Plätzen 1995 und 1996 im Jahr 1997 als erster Deutscher auf Hawaii triumphieren. Seinen Spitznamen „Hell on Wheels“ verdankt er seinem überragenden Talent auf dem Rad. 2001 schaffte er mit Platz 3 noch einmal den Sprung aufs Treppchen.

NORMANN STADLER
Stadler ist der einzige Deutsche, der sich auf Hawaii zweimal in die Siegerliste eintragen durfte. Stadler triumphierte 2004 und 2006 und hält bis heute mit 4:18:23 h die schnellste jemals gefahrene Radzeit über die 180 km.

FARIS AL-SULTAN
Die Siegesserie von Stadler wurde nur durch seinen Landsmann Faris Al-Sultan durchbrochen, der 2005 auf Hawaii gewinnen konnte. Der Münchner Al-Sultan wurde vor allem durch seine kurzen Oberteile als „Bauchfrei-Triathlet“ bekannt.

SEBASTIAN KIENLE
Nach einer längeren Durststrecke holte Sebastian Kienle 2014 den nächsten Hawaii-Sieg für Deutsche Triathleten, nachdem er im Vorjahr noch Rang 3 belegt hatte. Kienle gilt als überragender Radfahrer. In der Liste der schnellsten Radzeiten belegt er die Ränge drei und sieben.

JAN FRODENO
„Frodo“ gelang das Kunststück, als erster Triathlet überhaupt sowohl bei den Olympischen Spielen (2000 in Sydney) wie auch auf Hawaii ganz oben auf dem Treppchen zu stehen. Frodeno gewann 2015 auf Big Island. 2016 gelang ihm in Roth mit 7:35:39 Stunden ein neuer Weltrekord über die Triathlon-Langdistanz.

UK - London - City jogger and London Bridge

LAUFEND LEICHTER WERDEN ABNEHMEN DURCH LAUFEN

Ausdauersport und Ernährung sind untrennbar miteinander verbunden. Um abzunehmen, ist eine bewusste Nahrungsaufnahme genauso entscheidend wie die Steigerung des Energieumsatzes durch die sportliche Betätigung.

Text: Carsten Stegner

Die richtige Ernährung ist auch ein wichtiger Faktor, um sportliche Höchstleistungen zu erbringen und für die nötige Regeneration nach der Belastung zu sorgen. Hierbei ist es nicht nötig, einen strengen Diätplan einzuhalten bzw. auf mögliche Lieblingsgerichte zu verzichten oder gar in Askese zu leben. Ziel ist es, eine Unterversorgung von wichtigen Stoffen sowie eine Überversorgung an Energie, sprich Kalorien, zu vermeiden.

ENERGIEUMSATZ
Für viele Menschen spielt die Ernährung dann eine große Rolle, wenn sie ein paar überflüssige Pfunde loswerden wollen. Die Theorie scheint hier ganz einfach. Denn schließlich muss nur der Energieumsatz größer als die Energieaufnahme sein. Eine Frage ist dabei, wie hoch der durchschnittliche Energieverbrauch eigentlich ist. Hierzu muss der Grundumsatz definiert werden, also der Kalorienverbrauch, den der Körper benötigt, um durch den Tag zu kommen. Dieser Grundumsatz ist abhängig von Gewicht, Körpergröße, Alter, Geschlecht und Art der überwiegenden körperlichen Tätigkeit. So hat eine 30-jährige Frau, die einer überwiegend sitzenden, teilweise stehenden und gehenden Tätigkeit nachgeht, mit einer Größe von 165 cm und einem Gewicht von 60 kg einen Grundumsatz von ca. 1.400 kcal. Ihr 40-jähriger Arbeitskollege mit 180 cm und 80 kg setzt dagegen gut 2.000 kcal täglich um. Unter dem Suchbegriff „Kalorienrechner“ spuckt das Internet unzählige Berechnungsmöglichkeiten aus, die alle zum etwa gleichen Ergebnis führen. Hinzu kommt nun der Faktor Sport. Laufen ist hierbei die Sportart, welche aufgrund ihrer Komplexität ein wahres Verbrennungswunder ist, da eine Vielzahl von Muskeln angesprochen werden. Aber Achtung, dem gegenüber stehen die Kalorienbomben. Um einen Schokoriegel zu verbrennen, muss die o. g. Dame eine halbe Stunde im 6er-Schnitt laufen. Da bekommt der Slogan „Wenn’s mal wieder länger dauert“ eine ganz neue Dimension.

Die sofortige Kontrolle auf der Waage nach dem Sport ist nicht aussagekräftig. Zwar wird
man eine spontane Gewichtsveränderung fest- stellen, die jedoch einzig dem Schweißverlust geschuldet ist. Um 1 kg Körpergewicht zu verlieren, muss man eine negative Energiebi- lanz von ca. 7.500 kcal erreichen. Mit einem Training allein ist das nicht getan. Realistisch ist es, eine negative Energiebilanz von ca. 500 kcal täglich zu erreichen. Wer also gut zwei Wochen regelmäßig 500 kcal mehr verbrennt, als er aufnimmt, hat eine gute Chance, 1 kg Körpergewicht abzubauen. Der Gewichtsverlust besteht dabei aus der Reduktion des Körperfetts und dem Verlust des an die Körperfettzellen gebundenen Wassers.
Wie viele Kalorien letztendlich beim Laufen verbrannt werden, hängt ganz vom Körpergewicht und der Intensität des Trainings ab. Moderne Sportuhren berechnen den Verbrauch relativ genau.

Wer weniger Wert auf Technik legt, dem sei folgende Faustformel ans Herz gelegt: GEWICHT X STRECKENLÄNGE X 0,97 = KALORIENVERBRAUCH

Bei immer gleichen Ernährungsgewohnheiten und beim selben Trainingsaufwand wird der Gewichtsverlust jedoch nicht linear verlaufen. Einerseits gewöhnt sich der Organismus an die Situation, und es findet eine Anpassung statt. Mit fortschreitendem Fitnesslevel muss man peu à peu etwas schneller laufen, um den gleichen Kalorienverbrauch zu gewährleisten. Andererseits verliert der Körper zwar die unbe- liebten Fettpölsterchen, baut aber gleichzeitig Muskelmasse auf. Da diese schwerer ist als Fett, kann nach einiger Zeit das Phänomen eintreten, dass sogar leicht an Gewicht gewonnen wird. Dies ist durchaus positiv zu sehen, denn neben der Tatsache, dass Muskeln schöner aussehen, steigern sie den Grundumsatz an Kalorien. Das heißt, der Körper verbrennt automatisch mehr Energie.
JE LEICHTER, DESTO SCHNELLER?
Die schnellsten Marathonläufer wiegen kaum mehr als 60 kg. Ein einfaches Experiment mag den Zusammenhang von Körpergewicht und Schnelligkeit verdeutlichen: Laufen Sie Ihre Trainingsrunde mit einem 5 kg schweren Laufrucksack. Selbstverständlich wird Ihnen die gewohnte Strecke deutlich schwerer fallen. Der Vorteil eines leichteren Läufers ist aber nicht nur der, lediglich weniger Gewicht mit sich herumzutragen. Durch einen Gewichtsverlust verbessert sich auch der Gradmesser für die Leistungsfähigkeit von Ausdauersportlern, nämlich die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max). Ganz allgemein kann man mit bis zu über zwei Sekunden Zeitgewinn pro Kilometer rechnen für jedes Kilogramm, welches man verloren hat. Je nach Streckenlänge kann sich das ganz schön summieren.
Aber Vorsicht! Extremer Gewichtsverlust bedeutet auch Kraftverlust. Das hat zum Ergebnis, dass der Läufer langsamer wird! Auch unter dem Gesichtspunkt, dass es – gemessen an der Gesamtbevölkerung – unter Sportlern sechsmal häufiger zur Magersucht kommt, sollte man achtsam bei der Gewichtsreduktion vorgehen.
„DER TIGER IM TANK“
Doch nicht nur das Gewicht ist entscheidend für die Leistungsfähigkeit. Ganz nach dem Motto „Du bist, was du isst“, kann die Nahrungsauswahl über Sieg und Niederlage oder Wohlbefinden und Unbehagen entscheiden. Unser Körper funktioniert ähnlich wie ein Motor. Wenn der Tank leer ist, läuft er nicht mehr, ein falsch gefüllter Tank führt zum selben
Ergebnis. Die Muskeln fordern, je nachdem, wie stark sie gefordert sind, Energie. Deren Bereitstellung ist Aufgabe des Energiestoffwechsels. Um beim Beispiel Motor zu bleiben, handelt es sich bei unserem Körper um einen hochmodernen Hybridmotor, welcher seine Energie aus unterschiedlichen Tanks zieht. Neben einem Speicher mit Kreatinphosphat, welcher jedoch schon nach wenigen Sekunden erschöpft ist, sind für Ausdauersportler vor allem der Kohlenhydratspeicher und die Fettreserven von großer Bedeutung. Der wichtigste Kohlenhydrat-Tank ist die Leber. Hier werden ca. 450 mg Glykogen gespeichert, aus welchem durch die sogenannte aerobe Glykolyse (niedrige Belastung) und anaerobe Glykolyse (hohe Belastung) Energie gewonnen wird. Dieser Speicher reicht in der Regel für 75 bis 90 Minuten Belastung. Eine zusätzliche Nahrungsaufnahme bei Läufen bis zu dieser Länge ist also nicht nötig.

AUSGEWOGEN ERNÄHREN
Ein nahezu unerschöpflicher Speicher sind die Fettreserven. Im Schnitt verfügt der Mensch über 8 kg an Fettsäuren. Diese würden zwar theoretisch dafür sorgen, dass für viele hundert Kilometer Energie zur Verfügung steht, jedoch werden dem Organismus auch bei geringer Intensität kaum mehr als ca. 60 % der Energie aus Fett bereitgestellt. Der Rest der benötigten Energie muss aus der Glykolyse kommen. Hieraus lässt sich leicht erkennen, dass Kohlenhydrate die wichtigsten Energielieferanten für Ausdauersportler sind. Werden jedoch mehr Kohlenhydrate aufgenommen, als verbraucht werden, wandelt der Körper diese um und füllt damit die ungeliebten Fettreserven.
Nur mit Kohlenhydraten lässt sich natürlich keine ausgewogene Ernährung bewerkstelligen. Sehr wichtig für den Läufer sind auch Eiweiße (s. Kasten „Mythen“) und eine gewisse Aufnahme an Ballaststoffen. Letztere binden Cholesterin und Schadstoffe und helfen, diese im Rahmen einer besseren Verdauung abzuführen. Außerdem „verdünnen“ sie als Füllstoff den Energiegehalt der Nahrung und fördern damit das Sättigungsgefühl. Die Nahrung wird länger und besser gekaut, und der Blutzuckerspiegel steigt langsamer an. Das sind alles gute Voraussetzungen, um schlank zu werden oder zu bleiben. Aber Achtung: Verzichten Sie unmittelbar vor Ihrer sportlichen Aktivität auf derartige Lebensmittel, denn dann machen sie ihrem Namen alle Ehre, sie belasten!
Wer um die Vorgänge der Energiebereitstellung im Körper weiß, seinen Körper kennt und in ihn hineinhört, kann bei der Nahrungsaufnahme nicht viel falsch machen. Eine durchdachte und ausgewogene Ernährung, bei der Sie Ihrem Körper das geben, wonach er gerade verlangt, ist vermutlich sinnvoller, bietet aber vor allem mehr Lebensqualität als jeder fremdbestimmte strenge Diätplan.

MYTHEN:

FETT WIRD NUR BEI LANGSAMEN LÄUFEN VERBRANNT
Ein Auto verbraucht bei langsamer Fahrt deutlich weniger Sprit als bei Vollgas. Unser Körper verhält sich hierbei nicht anders. Je schneller Sie laufen, desto mehr Energie setzen Sie um. Zwar verschiebt sich das Verhältnis Kohlenhydrate zu Fett zugunsten der Glykolyse (Kohlenhydrat- verbrennung), dennoch ist der Gesamtumsatz an Fett beim intensiven Lauf deutlich größer als beim langsamen Lauf.

NÜCHTERNLÄUFE MACHEN SCHLANK
… aber nur in der Theorie. Wenn am Morgen die Kohlenhydratspeicher leer sind, meint man, dass der Körper automatisch auf die Fettverbrennung umschaltet. Über Nacht wurde der Kohlenhydratspeicher in der Leber geleert, und der Blutzuckerspiegel ist sehr niedrig. Wenn Sie nun mit dem Laufen beginnen, fällt dieser endgültig in den Keller. Da der Körper aber Energie benötigt, beginnt er, wertvolle Eiweiße zu verbrennen. Durch die sogenannte Glukoneogenese werden wichtige Bestandteile, welche Ihr Körper für die Regeneration, den Muskelaufbau oder das Immunsystem benötigt, in Kohlenhydrate umgewandelt. Sie betreiben also Raubbau an Ihrem Körper. Da die Fettverbrennung nur gemeinsam mit dem Glykogenspeicher der Leber funktioniert, ist es ratsam, vor dem Morgenlauf zumindest ein Glas Apfelsaft zu trinken oder eine halbe Banane zu essen. Nun hat der Körper den nötigen Zündstoff, um die Fettverbrennung im Rahmen eines gemütlichen Dauerlaufs anzuwerfen.

EIWEISS IST WICHTIG FÜR KRAFTSPORTLER
… und noch viel wichtiger für Ausdauersportler. Während eines Dauerlaufs werden Muskeln, Sehen, Bänder und Bindegewebe stark belastet. All diese Strukturen bestehen aus Eiweiß. Zur Reparatur und Regeneration ist es unerlässlich, dem Körper Proteine zurückzugeben. Da der Körper im Gegensatz zu Kohlenhydraten und Fett keine Eiweiße speichern kann, ist es von Bedeutung, diese regelmäßig nachzuführen. Dies erfolgt bei ausgewogener Ernährung automatisch über das Essen. Vor allem im direkten Anschluss an harte Trainingseinheiten sollten aber Eiweiße gezielt nachgeführt werden, z. B. über Sportgetränke oder Magerquark, Mozzarella o. ä.

42nd Berlin Marathon

DER GLÄSERNE LÄUFER

Lauf-Apps, Tracking-Bänder, Waagen – das Angebot an technischen Hilfsmitteln für Sportbegeisterte und Läufer nimmt immer mehr zu. Neben vielen positiven Aspekten birgt die neueste Technik aber auch Risiken.

Text: Kea Müttel

Viele Läufer kennen das. Schon seit Jahren. Man sucht einen neuen Laufschuh, geht in den Fachhandel seines Vertrauens und wird hoffentlich kompetent und ausführlich beraten. Das heißt: Laufschuhe an, rauf auf das Laufband und loslaufen. Der Ablauf wird gefilmt und anschließend am Bildschirm analysiert. Eine Kontrolle des Laufstils – mit medialer Unterstützung. Das einfache Ziel: der perfekt passende Schuh.

Das war lange Zeit aber auch die einzige mediale Beschäftigung mit dem eigenen Laufstil. Häu- fig hieß es einfach: Rein in die Schuhe und los geht’s! Doch auch der womöglich am einfachsten umzusetzende Sport der Welt, das Laufen, ist im digitalen Zeitalter angekommen. Das erste kabel- lose Herzfrequenzgerät wurde zwar bereits 1983 erfunden, aber erst im vergangenen Jahrzehnt sind die Pulsuhren beim Laufen – auch wegen des sinkenden Preises – immer mehr in Mode gekommen. Am Anfang konnten sie vor allem eines: die Herzfrequenz messen.

Inzwischen aber sind fast alle von ihnen zu viel mehr fähig. Viele sind GPS-tauglich, können also die gelaufene Strecke, Zwischenzeiten und Tempoverläufe messen. Außerdem können einige zum Beispiel auch Schrittfrequenz, Schrittlänge und eine Berechnung des Kalo- rienverbrauchs angeben. Gerade aktuell sind auch die „intelligenten“ Schuhe. Hier werden Daten wie Muskelmüdigkeit und das Aufsetzen des Fußes verarbeitet. Dies wird in diesen Jahr die Statistik und Datenflut, mit der sich Läufer beschäftigen können, auf ein nächstes Level heben. Mit all diesen zusätzlichen Informatio- nen können die Läufer ihre Trainingseinheiten komplett durchplanen und hinterher am Computer noch einmal anschauen und über- wachen. Es ist bei verschiedenen Programmen auch möglich, die Messergebnisse in soziale Netzwerke zu stellen oder die Freunde, was die Daten angeht, quasi live am Bildschirm zuschauen zu lassen.

„Bei einigen Programmen hilft ein virtueller Self-Tracking-Trainer oder der Beifall von Freunden, die die Trainingseinheit in den sozi- alen Netzwerken verfolgen können“, schreibt auch die Bewegungs- und Sportexpertin Simone Rohkohl von der DAK-Gesundheit auf der firmeneigenen Homepage. „Wer will, kann seine Daten freiwillig im Internet hochladen und sich mit anderen Sportlern austauschen. Auch für Leistungssportler, die sich in Wett- kämpfen messen, sind die digitalen Messgeräte eine sinnvolle Trainingshilfe. Sie sorgen für ein ständiges Update des Leistungsstandes und bei Bedarf für Wettkampfcharakter.“

FITNESSTRACKER

Neben den Pulsuhren gibt es auch noch die sogenannten Fitnesstracker, die in der Regel nicht nur beim Laufen, sondern auch während des normalen Tagesablaufes getragen werden. Diese messen die Bewegungsabläufe des Tages und können sogar den Schlaf überwachen. Mit diesen Trackern wird also quasi der komplette Tag überwacht. Alles wird notiert, gespeichert und kann anschließend abgerufen werden. Diese Fitnessarmbänder sind deutlich preiswerter als Pulsuhren und sollen immer wieder zum Sport ermutigen. Genauso gibt es diverse Apps, die ebenfalls die Schritte zählen und das Training dokumentieren können. „Ich persönlich finde

es absolut schade, weil ich der Meinung bin, dass man wieder dahin kommen sollte zu lernen, auf die eigenen Körpersignale zu hören und diese auch richtig zu deuten“, sagt aktiv Laufen-Experte Dr. Stefan Graf dazu und ergänzt: „Das geht ja mit diesen Apps völlig verloren. Ich wundere mich immer: Sonst möchte sich keiner bevormunden lassen, aber da will jetzt jeder die Verantwortung abgeben und achtet gar nicht mehr darauf, wie er sich dabei fühlt.“

Aber nicht nur die geminderte Selbstwahrneh- mung ist ein Kritikpunkt, der oft genannt wird. Forscher der Iowa State University kamen in einer Studie, die im Fachjournal Medicine & Science in Sports & Exercise veröffentlicht wurde, zum Beispiel auch zu dem Ergebnis, dass die Geräte häufig nicht wirklich genau messen.

Dieser Kritik sieht sich auch das Unternehmen Fitbit ausgesetzt. „Kontinuierliche, automati- sche Aufzeichnung der Herzfrequenz direkt an deinem Handgelenk – nur mit Fitbit.“ lautet der Werbeslogan des Unternehmens für die „Pure Pulse“-Technologie. Doch in den USA wurde Anfang des Jahres sogar eine Sammelklage eingereicht. Auch hier der Vorwurf: Die Herz- frequenzmessungen sollen zu ungenau sein.

KRANKENKASSEN BEZUSCHUSSEN

Das bedeutet, die Fitnesstracker speichern unglaublich viele Informationen und haben diverse Programmiermöglichkeiten, sind aber oft nicht fehlerfrei. Trotzdem haben sich auch einige Krankenkassen dazu entschlossen, die Fitnesstracker finanziell zu fördern. Doch auch hier gibt es kritische Stimmen.

„Immer mehr Krankenkassen zeigen Interesse am Einsatz derartiger Anwendungen. Allen Anwendern, die Fitness-Apps freiwillig her- unterladen, rate ich, nicht unbedacht mit ihren sensiblen Gesundheitsdaten umzugehen und die kurzfristigen finanziellen Vorteile, welche die Datenoffenbarung vielleicht mit sich bringt, gegen die langfristigen Gefahren abzuwägen“, mahnte schon im Juli 2015 die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfrei- heit, Andrea Voßhoff. Auch in Bezug auf die Datensicherheit sind bei vielen Bändern bereits Mängel nachgewiesen worden.

Doch die digitalen Hilfsmittel können nicht nur das Trainingsverhalten der Läufer überwachen und speichern – sie beherrschen noch einiges mehr. Inzwischen sind auch „Fitness-Apps“ auf dem Markt, die nicht nur helfen sollen, sich für den Sport zu motivieren und die Leis- tung zu analysieren, sondern auch vielfältig zu trainieren. Diese Apps haben Anleitungen für Stabilisationsübungen, Stretchübungen, Kraftübungen oder gleich mehrere hundert verschiedene Workouts. Wichtig hierbei: Die Nutzer und Nutzerinnen müssen in der Lage sein, die Übungen richtig auszuführen. Gerade bei Kraft- und Stabilisationsübungen können sonst Fehlbelastungen auftreten, und dann sind Verletzungen vorprogrammiert.

Ebenfalls nach dem Sport sehr beliebt sind hochtechnisierte Waagen, die mit persönlichen Auswertungsportalen verbunden sind und so eine genaue Analyse ermöglichen.

Es gibt also die unterschiedlichsten Möglich- keiten, seine Leistungsfähigkeit, sein Bewe- gungsverhalten oder einfach den Körper zu überwachen: mit einer Pulsuhr, einem Fitnessarmband, mit Apps auf dem Handy oder auch mittels einer Waage. Für viele Leistungssportler bieten die Programme eine gute Ergänzung zum eigenen Training, und für Sportmuffel oder Sporteinsteiger können die Self-Tracking-Angebote sogar eine Moti- vationshilfe sein. Aber nur, wenn sie richtig genutzt werden. Auch ist es wichtig, sich vor

dem Start ausführlich mit den Möglichkeiten zu beschäftigen: „Was möchte ich überwachen, warum möchte ich es überwachen und was ist mein Ziel?“

Und obwohl die verschiedenen Geräte zum Beispiel auch die Herzfrequenz messen können, sollten sie nicht mit medizinischen Messapparaten gleichgesetzt werden – dafür sind sie viel zu ungenau.

Das Durchchecken beim Arzt können und sollen sie also definitiv nicht ersetzen. Und sie sollen auch keine Fremdbestimmung des Körpers bewirken. Das Körpergefühl sollte nicht abhanden kommen, sondern durch sie im besten Fall unterstützt werden. Denn am Ende sagt uns immer noch der eigene Körper am besten, was ihm guttut!

Mit welcher Motivation greifen Läufer auf Fitnesstracker zurück, und wofür können diese hauptsächlich von Nutzen sein? aktivLaufen sprach darüber mit dem Experten Dr. Ingo Froböse.

Dr. Ingo Froböse, der Markt für Fitnesstracker scheint immer weiter zu wachsen. Warum wollen so viele Läuferinnen und Läufer denn überhaupt so viel von sich wissen?

Ich glaube, dass das sehr ambivalent ist. Einerseits wollen sie von sich etwas wissen. Das sind meistens die richtig guten Läufer, die so ein bisschen ihre Trainingserfolge und die Trainingsdosierung dokumentieren wollen und das für sich selbst machen. Und dann gibt es die großen Gruppen der ambitionierten Läufer, nicht der Spitzenläufer, die posen und ihre Leistung auf den Plattformen darstellen wollen. Es wird ja jede einzelne Trainingseinheit dokumentiert, was Spitzen- sportler niemals machen würden.

Die Tracker sollen ja ihren Trägern helfen, gesünder zu leben und sich mehr zu bewegen. Glauben Sie denn, dass wir eine gesündere Gesellschaft hätten, wenn jeder so ein Tracking-Bändchen tragen würde?

Nein, ich glaube das wäre viel zu einfach. Bei den Men- schen, die einen gewissen Motivationseinstieg brauchen, könnte das bei sehr technikaffinen Personen erst mal hilf- reich sein. Vor allen Dingen erfährt man mal, wie wenig man doch tut. Und zum zweiten wird man so ein bisschen darauf geeicht zu erkennen, wo das eigene Niveau liegt. Aber dadurch eine Verhaltensänderung zu erwarten oder daraus sogar langfristig eine Lebensstilveränderung herbei- zuführen, ist Utopie. Nicht durch eine größere Anzahl von Trackern werden immer mehr Menschen aktiv werden, ganz im Gegenteil sogar. Ich habe große Sorge, dass die Menschen dadurch ihr Körperbewusstsein, ihre eigenen Bedürfnisse, komplett negieren und verlieren.

Die Verhaltensweisen können sich also nicht durch Tracker ändern, aber können diese denn mithelfen?

Die helfen sicherlich schon, indem sie erst einmal den Men- schen einen Spiegel vorhalten. Die meisten Leute behaupten immer, gerade was körperliche Aktivität betrifft, dass sie sportlich sind. Ich glaube, hier bekommt man dann so eine gewisse Neutralität, die einem zeigt, wo man steht. Und zum zweiten ist es schön, wenn ich als Anfänger erkenne, ob etwas sich verändert und was sich verändert hat. Zum Beispiel, dass man schon ein bisschen länger oder schneller laufen kann oder dass sich die Herzfrequenz reduziert und angepasst hat.

London Marathon

NICHT IN DIE KNIE GEHEN

Vier Knochen treffen im Bereich des Knies aufeinander. Mit Knorpel, Menisken, Kapsel und Bändern entsteht ein komplexes Gelenk mit entsprechend hoher Verletzungsanfälligkeit. Läufer haben regelmäßig damit zu kämpfen.

TEXT: Dr. Stefan Graf

Eine amerikanisch-deutsche Körper- bauanalyse jamaikanischer Welt- klasse-Sprinter brachte 2014 die Erkenntnis, dass Athleten mit den symmetrischsten Kniegelenken die besten Lauf- leistungen vorweisen. Auch bei Langstrecklern kommt dieser Zusammenhang zum Tragen, denn die enormen Belastungen werden durch eine hohe Gelenksymmetrie besser verarbeitet. Das wirkt sich positiv auf die Kraftentwick- lung der Bein- und Gesäßmuskulatur aus. Die besondere Kniearchitektur ist der Schlüssel für Vortrieb und Tempomachen.

OBERSCHENKEL UND SCHIENBEIN

… bilden mit ihrem unteren bzw. oberen Kopfende das Kniegelenk. Dazu gesellt sich die dreieckige, für die Kraftübertragung vom Oberschenkelmuskel auf den Unterschenkel wichtige Kniescheibe (Patella).

Info: Die Kniescheibe ist ein sogenanntes Sesambein. Das ist ein kleiner, in eine Sehne (im Knie die Sehne des Oberschenkelmus- kels „Quadrizeps“) integrierter Knochen. Als Abstandhalter und „Umlenkrolle“ vermindert die Kniescheibe Reibungswiderstände und verlängert den Hebelarm (Kraftpotenzierung) Der vierte Knochen im Bunde – das Waden- bein – steht direkt unter dem Knie mit dem Schienbeinkopf in Verbindung, ist aber an der Kniegelenksbildung nicht beteiligt.

DIE SEHNE, DIE KEINE IST

Um die Kraft vom großen Oberschenkelmuskel über die Kniescheibe auf den Unterschenkel zu übertragen, zieht von der Kniescheibe zum Schienbein die sogenannte Patellasehne. Sie ver- bindet somit zwei Knochen. Sehnen sind aber als Muskel-Knochen-Verbindungen definiert. Streng genommen ist die Patellasehne daher gar keine Sehne, sondern ein derbes Band. Jeder kennt es vom Medizincheck. „Hämmert“ der Doc leicht auf die Patellasehne, zuckt der Unterschenkel nach vorn (Patellasehnenreflex). Tut er es nicht, stimmt etwas nicht mit der Nervenleitung.

STABILITÄT MUSS HER

Ein kräftiger Bandapparat mit Innen-, Außen-, vorderen und hinteren Kreuzbändern verleiht dem Knie Festigkeit. Das Gesamtkonstrukt wird noch von einer zweilagigen Bindege- webshülle, der Gelenkkapsel, umschlossen: Eine derbere äußere Lage verleiht Halt – eine Innenhaut produziert die für die Ernährung des Gelenkknorpels wichtige „Gelenkschmiere“ (Synovia), die wie das Motoröl im Auto für reibungsarmes „Kolbenschwingen“ sorgt. Was jetzt noch fehlt, ist ein Puffersystem, das die Aufprallkräfte beim Laufen dämpft.

MULTIFUNKTIONALE STOSSDÄMPFER
Zwei beweglich in die Gelenkhöhle eingebaute, während der Kniebeugung von vorne nach hinten gleitende Knorpelscheiben verbes- sern die Interaktion von Oberschenkel- und Schienbeinkopf: Innen- und Außenmeniskus. Ihre Funktionen:

• Vergrößerung der Kontaktflächen
• Ausgleich von Inkongruenzen
• Stoßdämpfung und Druckverteilung
• Verbesserung der Gelenkführung (Passform

von Gelenkkopf und -pfanne)

STRECKEN UND DREHEN

Die Hauptaufgabe des Kniegelenks besteht im Beugen und Strecken des Beins. Es arbeitet wie ein Scharnier. In gebeugter Position sind auch geringe Außen- und Innenrotationen möglich. Man spricht von einem Dreh-Scharniergelenk. Die beschränkte Drehbeweglichkeit ist ein sensibler Faktor. Wenngleich Laufen zu den weniger verletzungsträchtigen Sportarten zählt, gibt es eine Reihe typischer Beschwerden – was sich mitunter schon in der Namensgebung zeigt.

REIBUNG MACHT LÄUFERS KNIE ZUM LÄUFERKNIE
Als mittleres der drei großen Beingelenke – Hüfte, Knie und Sprunggelenk – hat das Knie die Hebelkräfte von Ober- und Unterschenkel zu verarbeiten. Zu den häufigsten Beschwerden zählt das „Läuferknie“, fachsprachlich Ilio- Tibiales Bandsyndrom (ITBS) genannt. Dabei reibt eine breite, stabilisierende Bindegewebs- schicht – eine sogenannte Faszienplatte – am Oberschenkelkopf. Stechende Schmerzen an der Knie-Außenseite sind die typischen Symptome.

Die beste Prophylaxe sind Kräftigungs- und Stabilisationsübungen der Rumpf- und Becken- muskulatur (Vermeidung von Hüftschiefstän- den), das Aufwärmen vor und Dehnen nach dem Training sowie ausreichende Regene- ration und gutes Schuhwerk. Die Therapie umfasst die Reduktion der Trainingsbelastung (Laufpause, gelenkschonende Bewegung), Kühlung, entzündungshemmende Schmerz- mitteleinnahme (nur ärztlich verordnet!). Auch fachgerechtes Kinesiotaping bringt oft Linderung.

Wenngleich eher aus der Fußballberichterstat- tung bekannt, hört man nicht selten auch aus Läufermündern den Satz: „Ich hab Meniskus.“ Traumatische Meniskusläsionen sind typische Verletzungen in Sportarten, die mit abrupten Drehbewegungen verbunden sind – z. B. Fuß-/ Basketball oder Skifahren. Bei Läufern sind es eher degenerative Meniskusschäden, die durch langfristige Fehl- und Überbelastung forciert werden. Das Knorpelgewebe wird spröde. Schlecht durchblutet, nur über die Gelenkschmiere ernährt, ist es kaum regenerationsfähig. In der Folge können sich Risse in verschiedener Lokalisation und Orientierung (horizontal, vertikal, radiär u. a.) bilden. Das Symptomspektrum reicht von Schmerzen im Kniegelenksspalt bis hin zur völligen Gelenk- blockade mit entzündlichem Erguss.

Der halbmondförmige Innenmeniskus ist mit dem Innenband verwachsen, dadurch unflexibler und verletzungsanfälliger als der kleinere, kreisförmige Außenmeniskus. Der innere Meniskus ist dreimal häufiger von Verletzungen betroffen als der äußere.

Die Therapie richtet sich nach Schadensart und -ausmaß (Teilabrisse) sowie nach Alter und Aktivität des Betroffenen. Leichtere Schäden werden oft mit Muskelaufbau- und Stabilisa- tionstraining, gelenkschonenden Sportarten (Radfahren, Schwimmen mit geradem Bein- schlag) und physikalischen Anwendungen behandelt. Bei operativer (minimalinvasiver) Indikation liegt der Fokus auf Meniskuserhalt-/ rekonstruktion. Die komplette Entfernung hat sich im Hinblick auf späteren Gelenkverschleiß (Arthrose) als ungünstig erwiesen.

WENN’S VORNE DRÜCKT – PATELLASPITZENSYNDROM
Druck- und Streckschmerzen unterhalb der Kniescheibe sind Symptome einer Patellaseh- nen-Reizung – Patellaspitzensyndrom genannt. Wie beschrieben ist die „Sehne“ zwischen Kniescheibe und Schienbein ein derbes Band, das beim Laufen hohen Aufprallimpulsen ausgesetzt ist. Nach Schmerzcharakteristik und Schadensausmaß werden vier Schweregrade unterschieden:

1. Post-Belastungsschmerz (nach dem Laufen) 2. Anlaufschmerz (verschwindet beim Auf- wärmen/Einlaufen) + Post-Belastungschmerz 3. Dauerschmerz

4. Ruptur (selten)
In der Akutphase ist Entlastung mit Reduk- tion des Trainingspensums (Laufpause) und sanften Bewegungsformen angezeigt. Phy- sio- und manuelle Therapie, physikalische Anwendungen und spezielle Tape-/Kinesio- tapetechniken sind oft hilfreich. Geeignete Schmerzmittel lindern Entzündungen und Schwellungen – aber bitte nur nach ärztlicher Verordnung (Nebenwirkungs- und Fehldo- sierungsgefahren)! Bei schweren Verläufen kommt auch die fachärztliche Injektion örtlicher Betäubungsmittel in Betracht. Bei Cortison ist wegen der drohenden Gewebeschädigung Vorsicht geboten.

VERSCHLEISS – NATÜRLICH UND ARTHROTISCH
Bewegung ist der wichtigste Faktor zur Erhaltung der Gelenkgesundheit. Doch auch „sportliche“ Gelenke müssen den Belastungen Tribut zollen. Das Kniegelenk ist neben Wirbelsäule und Hüfte besonders von altersbedingter Abnutzung betroffen

Eine über den normalen Verschleiß hinausge- hende Schädigung von Kniegelenksstrukturen bezeichnet man als Gonarthrose (gr. gónato = Knie, arthron = Gelenk). Betroffen sind vor allem die als Schutzpuffer die Knochen- enden überziehenden Gelenkknorpel. Sind sie verschlissen, reiben die Knochen direkt aufeinander. Das schädigt die Knochensub- stanz und bereitet höllische Schmerzen. Die genauen Ursachen (genetische Disposition?) sind noch nicht geklärt. Im Sport spielen Über- und Fehlbelastungen eine zentrale Rolle. Umgekehrt sind in nicht ausreichend

mobilisierten Gelenken, auf denen zudem (Über-)Gewicht lastet, Knorpelaufbau und Knochenstoffwechsel gestört.

BEWEGUNG UND DER RICHTIGE NÄHRSTOFFMIX
Bei weniger gravierenden arthrotischen Beschwerden, vor allem wenn noch keine irreversiblen Knorpelschäden vorliegen, lassen sich allein durch Ernährungsanpassung in Kombination mit geeigneten Bewegungspro- grammen tiefgreifende Zustandsbesserungen erreichen.
In fortgeschrittenen Arthrosestadien sind weitergehende schmerztherapeutische Maß- nahmen angezeigt (medikamentös, Aku- punktur, Physiotherapie). Für Erhalt/Schutz von Knorpel- und Knochensubstanz stehen Bewegungsschulung und die Versorgung mit gelenkprotektiven sowie die Verbannung von gelenkschädigenden Nährstoffen ganz oben auf der „To-do-Liste“. Vor Übergewicht und Alko- hol ist Rauchen der stärkste Arthrosetrigger!

FAZIT:
GUTE HALTUNG – GESUNDE KNIE Unterentwickelte Schulter-, Rumpf- und Beckenmuskeln sind die häufigste Ursache von Haltungsschäden und Fehlbelastungen, die Gelenkbeschwerden provozieren. Für Läu-

fer, die sich über lange Distanzen weitgehend gleichförmig bewegen, ist regelmäßiges Athletik- training (Stabilisation, Muskelaufbau) wichtig. Dazu bedarf es keiner blinkenden „Eisen“. Das eigene Körpergewicht ist die beste „Hantel“ – ein muskulöser „Body“ der beste Protektor!

Ihr Experte:

DR. STEFAN GRAF

Alter: 54
Wohnort: Berlin Sportliche Erfolge: Deut- scher Fußball-Vizemeister im Hochschulsport, passionierter Läufer Beruf: Molekularbiologe, Dipl. Fachzeitschriften- Redakteur

2014 TCS New York City Marathon

VOLLE ENERGIE

Kaum ein Nahrungsbestandteil wird so häufig diskutiert wie die Kohlenhydrate. Ob Carbo-Loading, Saltin-Diät oder Low-Carb, es gibt viele Ernährungskonzepte, die sich mit den Energiebringern beschäftigen.

TEXT: Kea Müttel

or einem Marathonlauf ist sie schon fast obligatorisch: die Pasta-Party. Ob im Freundeskreis, mit der Laufgruppe oder öffentlich organisiert, die Teilnehmer treffen sich am Abend vor dem Lauf, um gemeinsam Pasta zu essen. Und das nicht nur, um sich psychisch auf den Lauf einzustellen und die Anspannung abzusenken, sondern vor allem, um den Kohlenhydratspei- cher aufzufüllen (auch Carbo-Loading genannt). „Kohlenhydrate sind grundsätzlich ein wich- tiger Bestandteil in unserer Ernährung. Beson- ders für Sportler und in der aktiven Phase, also während des Wettkampfs. Bei längeren Strecken können uns die Kohlenhydrate unter- stützen“, erklärt aktiv Laufen-Expertin Ingalena Schömburg-Heuck. „Vor dem Wettkampf sind diese unbedingt zu empfehlen. Wir sind leis- tungsfähiger, egal, welche Streckenlänge wir zurücklegen – ob zehn Kilometer, Marathon oder einen Ultralauf. Da sind Kohlenhydrate unsere wichtigste Energiequelle. Natürlich ist es auch so, dass die Ernährung immer wichtiger wird, je länger ein Lauf ist.“

Neben der Ernährung unmittelbar vor dem Lauf, geht es auch während der Wettkämpfe weiter mit der Kohlenhydrataufname. Bei fast jeder längeren Laufveranstaltung gibt es sie: die Verpflegungsstationen. Und dortauch nahezu immer anzufinden: die Bananen, die einen hohen Kohlenhydratanteil haben. Denn ohne genügend Kohlenhydrate droht der sogenannte „Hungerast“ (Fachsprache: Hypoglykämie). Der Blutzuckergehalt fällt, die Leistungsfä- higkeit ebenso. Und selbst wenn nun sofort Lebensmittel mit einem hohen glykämischen Index – das heißt, dass sie vom Körper direkt in Energie umgewandelt werden können (häufig kurzkettige Kohlenhydrate, d.h. Einfachzucker und Zweifachzucker – in der Fachsprache auch Mono- und Disaccharide genannt, wie zum Beispiel Traubenzucker) – aufgenommen werden, dauert es etwas, bis der Normalzustand wieder hergestellt werden kann.

Auch direkt nach dem Laufen sollten die Läu- fer ihren Kohlenhydratspeicher sofort wieder auffüllen. „Besonders nach einem intensiven oder langen Training und in Phasen mit einer hohen Trainingsbelastung sind Kohlenhydrate unmittelbar nach dem Training zu empfehlen, da die Energiespeicher dann schneller und besser wieder aufgefüllt werden und wir für die nächste Einheit schneller wieder fit sind“, erklärt Ingalena Schömburg-Heuck. „Die Empfehlung lautet dann 1g Kohlenhydrate pro Kilogramm Körpergewicht innerhalb der ersten Stunde nach dem Training. Sinnvoll sind dann fertige Regenerationsgetränke, roter Traubensaft, eine Laugenbrezel oder auch eine Portion Milchreis.“

LOW CARB UND SALTIN-DIÄT

Vor und während des Wettkampfes sowie nach dem Laufen sind Kohlenhydrate also essentiell. So essentiell, dass es verschiedene, genau darauf zugeschnittene Trainingsmöglichkeiten gibt. Normalerweise essen viele Läufer vor dem Training kohlenhydratreiche Kost, um während des Laufens genug Energie zur Verfügung zu haben. Es gibt aber auch die Möglichkeit, der Kohlenhydratreduktion (auch als „Low Carb“ bekannt), die laut Ingalena Schömburg- Heuck „auch eine positive Wirkung auf unsere Leistung haben kann“. Bei dieser Methode essen die Läufer am Vorabend eines langen Laufes wenig oder gar keine Kohlenhydrate und trainieren morgens im Grundlagenaus- dauerbereich unmittelbar ohne Frühstück. So kann der Läufer „einen stärkeren Reiz auf den sogenannten Fettstoffwechsel erzielen, weil der Körper eben wenig frei verfügbare Koh- lenhydrate zur Verfügung hat.“, so Schömburg -Heuck. „Der Körper hat die Kohlenhydrate nicht unmittelbar zur Verfügung und greift deshalb stärker auf die Fette zurück“. Damit trainiert der Körper also, im entscheidenden Wettkampf länger ohne Kohlenhydrate auszukommen. Das ist dahingehend sinnvoll, als dass die Läufer bei langen Strecken oft irgendwann das Problem haben, nicht genügend Kohlenhydrate zu sich nehmen zu können – trotz Verpflegungsstationen, Bananen und Gels. Diese Form von Kohlenhydratreduzierung ist allerdings nur für Strecken ab der Marathonlänge sinnvoll. Bei den kürzeren Distanzen ist der Effekt kaum bis gar nicht vorhanden.

Neben der „Low-Carb“-Variante und dem „Carbo-Loading“ in Form von vermehrter Kohlenhydratzufuhr vor dem Wettkampf, ist auch die Saltin-Diät – die extreme Form des Carbo-Loadings – unter Läufern eine beliebte Methode. Bei dieser verzichten die Athleten mehrere Tage bei weiter anhaltendem Training ganz auf Kohlenhydrate, um dann durch extreme Kohlenhydratzufuhr die letzten drei Tage vor dem Wettkampf die Speicher besonders stark aufzufül- len und so eine größere Wirkung zu erzielen. Dies macht jedoch nur bei einer Belastungsdauer ab 2,5 Stunden Sinn.

GUT FÜR DAS IMMUNSYSTEM

„Im normalen Trainings- und Arbeitsalltag helfen uns langkettige Kohlenhydrate auch die geistige Leistungs- fähigkeit aufrecht zu erhalten“, so Ingalena Schömburg- Heuck. Als langkettige Kohlenhydrate bezeichnet man Mehrfachzucker, fachsprachlich auch Oligosaccharide genannt. Dieser ist zum Beispiel in Vollkornprodukten und Haferflocken vorhanden. Diese Lebensmittel haben in der Regel einen niedrigen glykämischen Index. Das heißt, dass die Produkte vom Körper langsamer verarbeitet werden und damit länger für Energie sorgen.

Aber nicht nur die Leistung steigt durch die richtige Ernährung: „Die Kohlenhydrate stabilisieren zudem auch das Immunsystem“, erklärt die Expertin eine weitere, wichtige Eigenschaft.

Und neben allen praktischen Tipps stellt sie klar: „Für mich darf ein Sportler auch mal Schokolade essen!“ Und auch darin sind ja immer noch Kohlenhydrate.

Ihre Expertin:

INGALENA SCHÖMBURG-HEUCK

Alter: 29
Wohnort: München
Beruf: Die aktiv Laufen-Expertin auf den Gebieten Training und Ernährung ist Diplom-Sportwissenschaftlerin und Ernährungs- beraterin. Sie gibt ihre Erfahrungen mit dem Leistungssport (Deutsche Meisterin im Halbmarathon, 2010) sowie ihre Erkenntnisse in Vorträgen, Seminaren, Blogs und Personal-Training-Stunden weiter.