Tag : Laufen

Group of friends running down hill in park

Die Psyche bewegen

Regelmäßiges Laufen tut jedem Menschen gut. Die Lauftherapie nutzt diesen positiven Effekt und garantiert Wohlbefinden für den Körper und die Seele.

Hinter diesem Beipackzettel* steckt eines der wirksamsten Mittel für den menschlichen Körper und die Seele – ein Mittel, das weder in Tabletten- noch in Tropfenform einzunehmen ist: das Laufen. Wer nach dem Laufen erschöpft, mit roten Wangen und verschwitztem Haar-Ansatz wieder zu Hause durch die Tür kommt, weiß plötzlich, mit welchen Worten am nächsten Tag am besten das Gespräch mit der Chefin beginnen sollte, hat den Stress des langen Tages vergessen und fühlt sich dabei vor allem einfach wohl in der eigenen Haut. „Beim Laufen kommt alles in Fluss“, beschreibt Lauftherapeut und Heilpraktiker Dirk Herres das Phänomen, bei dem sich durch das Bewegen des Körpers auch im Kopf etwas bewegt.

* Beipackzetel Laufen:
Wirkungsweise: Stimmung aufhellend
Anwendungsgebiet: unter anderem Stress, depressive Verstimmungen, Bewegungsmangel
Dosierung und Anwendungshinweise: so oft wie möglich, gerne an der frischen Luft

Der zusammengesetzte Begriff der Lauftherapie hat in Deutschland schon eine lange Geschichte. Bereits 1988 gründete Prof. Dr. Alexander Weber das Deutsche Lauftherapie-Zentrum. Im Vorhinein hatte er das „Paderborner Modell der Lauftherapie“ entwickelt. Auch dieses beruht auf der Grundannahme, dass sich Körper und Psyche gegenseitig beeinflussen. Beim „Paderborner Modell“ wird zudem die Organisation einer Lauftherapie mit Vorgesprächen und Kurszeiten beschrieben. Einen weiteren Faktor macht schließlich die Gruppendynamik aus, da die Lauftherapie meistens in kleinen Gruppen stattfindet. Dazu kommt der von Lauftherapeutin Katja Cordts-Sanzenbacher in ihrem Aufsatz zum „Paderborner Modell“ beschriebene bedeutsamste Baustein: der Lauftherapeut, der selbst die Lauftherapie leben sollte.

Weiterbildung

Der Wahlkölner Dirk Herres ist so jemand, der die Lauftherapie lebt. Da er neben seiner psychotherapeutischen Arbeit obendrein passionierter Läufer ist. „Ich weiß also um die positiven Aspekte des Laufens“, formuliert es Herres, der in diesem Frühjahr seinen ersten Ultra-Marathon in Jordanien gefinisht hat. Vor drei Jahren hat er die Weiterbildung zum Lauftherapeuten bei der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT)
absolviert. Die in Würzburg sitzende DGVT ist einer der wenigen Träger für diese Fortbildung in Deutschland. Ein weiterer Ausbildungs-Standort ist das bereits erwähnte Deutsche Lauftherapie-Zentrum in Bad Lippspringe. Themen der Weiterbildung sind unter anderem psychische und physische Auswirkungen des Laufens sowie Trainingslehre oder Dehnübungen. Wer Lauftherapeut werden möchte, muss neben einer Laufleidenschaft einen psychosozialen Beruf erlernt haben. Das könnten laut Herres also beispielsweise Psychotherapeuten, Sozialarbeiter oder auch Mediziner sein. „Es ist wichtig, dass man mit dem Klientel vertraut ist“, erklärt der Therapeut.

Variabel einsetzbar

Das Klientel ist dabei ähnlich verschieden wie die positiven Effekte des Bewegens. So ist Laufen unter anderem gut für das Herz, den Stoffwechsel, die Ausdauer und das Immunsystem – wirkt stressabbauend und steigert das Selbstwertgefühl. Eine Lauftherapie ist also absolut variabel einsetzbar. „Die Therapie kann bei psychiatrischen Erkrankungen angewandt werden, es muss aber keine Diagnose vorliegen“ beschreibt Herres den sowohl präventiven als auch therapeutischen Charakter dieser Körpertherapie. Er arbeite oft mit Suchtkranken, die sich beim Laufen komplett auspowern könnten. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Patienten mit depressiven Störungen. „Bei Depressiven ist das Laufen ähnlich wirksam, wenn nicht sogar wirksamer als Antidepressiva“, sagt Herres. Beim Laufen könnten durch eigene Kraft Fortschritte erzielt werden – ein Effekt, den der psychologische Begriff der Selbstwirksamkeit beschreibt.

Die Lauftherapie sei dabei aber keine Psychotherapie, sondern eine Körpertherapie. Es gibt also keine Fragen des Therapeuten während des Laufens. Beim Laufen wird nicht nach Ursachen gesucht, es wird einfach gelaufen. „Manchmal gehe ich aber auch mit meinem Patienten statt einer normalen Therapiesitzung laufen“, berichtet Herres, „oft kontrollieren sich Patienten bei Sitzungen im Büro oder haben Hemmungen, das Laufen bietet da einen anderen Zugang.“

Die Lauftherapie beginnt zunächst mit einer Anamnese, um herauszufinden wer beispielsweise Psychopharmaka nimmt und wo der sportliche Leistungsstatus liegt. Bei Anfängern fängt Herres abwechselnd mit drei Minuten Laufen und drei Minuten Gehen an. „Innerhalb von acht Wochen lässt sich das gut steigern. Das reicht dann noch nicht für eine Bestzeit, aber 30 Minuten am Stück laufen
sind drin“, erklärt der laufende Heilpraktiker. Bei den Zielen gehe es nicht um sportliche Höchstleistungen, sondern um das Wohlbefinden. Fitte Teilnehmer würden nicht in einer Anfängergruppe landen und der langsamste Läufer bestimme immer das Tempo. Mit einer Gruppe habe Herres nach acht Wochen zum Beispiel das DLV-Abzeichen gemacht. Noch wichtiger als den persönlichen Erfolg in Form eines Abzeichens auch anfassen zu können, sei jedoch etwas anderes. „Die Natur, das draußen sein, spielt eine große Rolle. Eine Lauftherapie auf dem Laufband ist unmöglich“, adelt Herres die natürliche Umgebung der Läufer.

Forschungsfeld Laufen

Die Lauftherapie ist unter anderem dank der Paderborner Vorreiter schon lange in der deutschen Therapielandschaft verwurzelt und mittlerweile taucht das therapeutische Laufen auch in immer weiteren Bereichen auf. Bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, in Firmen oder auch beim Wiedereinstieg ins Berufsleben, wie es Alexanders Weber und Wolfgang W. Schüler in ihrem Buch „Lauftherapie in Lebenswelten“ aufzeigen.

„Wir haben in der Gesellschaft ein Bewegungsdefizit ohne Ende, dabei ist Bewegung das Non-plus-Ultra“, sagt Herres, „wir sind nicht zum Sitzen gemacht, man muss quasi zwangsläufig zum Laufen kommen“ Die Erkenntnis komme auch langsam in den Köpfen an. So tue sich bei den Krankenkassen eine Menge, einige würden bereits die Lauftherapie unterstützen.

Zudem beschäftigen sich auch immer mehr Studien auf wissenschaftlicher Ebene mit den positiven Effekten des Laufens auf die Gedanken- und Gefühlswelt. Als Läuferin und Doktorandin an der Universität von Harvard versuchte sich zum Beispiel Emily E. Bernstein gemeinsam mit Psychologie-Professor Richard J. McNally an einem Experiment. Einen Teil einer 80-Probanden starken Gruppe schickten sie eine halbe Stunde joggen. Anschließend zeigten sie den Gelaufenen und Nicht-Gelaufenen die gleiche Filmszene – die finalen Minuten des US-amerikanischen Sport-Dramas „The Champ“. Der Film, in dem ein ehemaliger Boxer für seinen Sohn wieder in den Ring steigt, gilt als einer der traurigsten jemals produzierten Filme. Nach dem Filmausschnitt mussten die Probanden bewerten, wie sehr der Filmausschnitt sie deprimiert habe. Nach 15 Minuten wurden sie erneut gefragt. Jene mit der Jogging-Einheit konnten sich besser von dem emotionalen Clip erholen als die Nicht-Läufer.

Doch wichtiger als jeder wissenschaftliche Hintergrund bleibt das Gefühl, das sich während einer Lauftherapie in der Gruppe breit macht. Es werde sich gegenseitig angefeuert und viel Rücksicht aufeinander genommen, berichtet Herres. „Die Teilnehmer verstehen sich als Gruppe und vor allem als Sportler.“

Text: Kerstin Börß

08_White_Noise_Collection_300418

Den Alltag vergessen

Die Nerurowissenschaften beschäftigen sich seit geraumer Zeit mit den Auswirkungen des Laufens auf das Gehirn. Eine Bestandsaufnahme.

Ben Martynoga ist ein britischer Neurowissenschaftler. Die meiste Zeit der letzten zwei Jahrzehnte war Ben in Labors auf der ganzen Welt und hat das menschliche Gehirn studiert, um zu verstehen, wie es funktioniert, insbesondere, wie es wächst und Gestalt annimmt. Ben hat sich dabei mit dem US-Laufschuhhersteller Saucony zusammengetan, um ein Licht auf die faszinierende Verbindung zwischen dem Laufen und dem Gehirn zu werfen. Und wie der Sport einen positiven Einfluss auf unseren Geisteszustand haben und helfen kann, Ablenkungen des Alltags zu vermeiden.

Laufen als Mentaltraining

Für all diejenigen, die regelmäßig laufen gehen, scheint es zunächst offensichtlich: Unser Lieblingssport hat einen positiven Effekt auf den Körper. „Neurowissenschaftler“, erklärt Ben, „betrachten das Ganze noch ein wenig differenzierter, schauen genauer hin, versuchen, Zusammenhänge zu erschließen.“ Die Grundidee, dass Laufen die Gedanken im Kopf klarer macht, es einen fokussierter werden lässt – was ist dran an dieser Theorie? Warum „entstresst“ uns Laufen, fördert sogar die Kreativität?

Es gibt mittlerweile gute Belege dafür, dass diese Gedanken keine reinen Theorien sind, sagt der Neurowissenschaftler. Während einer Trainingseinheit durchlaufen wir beispielsweise verschiedene Formen der Fokussierung, es ähnelt einer Art Mentaltraining. Mal konzentrieren wir uns bewusst auf das Atmen, dann wieder auf den nächsten Schritt. Wo setzen wir den Fuß hin? Das sind Prozesse, die im Hirn in der gesamten Trainingszeit ablaufen. Dabei entsteht auch der bekannte Flow, das Runnershigh. Ein Zustand, der den Läufer schweben lässt, während die Außenwelt verschwimmt. Dieser Zustand wird stark durch die Endorphinausschüttung im Körper beeinflusst, Glücksgefühle, die jeder Läufer kennt. „Es ist wie eine Art Opium oder Cannabisrausch, produziert im Gehirn“, so der Wissenschaftler. „Von diesem Zustand kann das Hirn stark profitieren“, erklärt Ben weiter. Natürlich kann es auch einfach ein Gefühl der Zufriedenheit auslösen.

Hirnzellen bilden sich neu

Vielleicht ist das auch ein Grund, warum selbst ein harter Lauf, ein Training, das sich schwer anfühlt, irgendwann umschlagen kann in einen angenehmen Lauf und wir spätestens dann, wenn wir zu Hause ankommen, eine zufriedene Erschöpfung empfinden. Ein Gefühl, welches, unterhält man sich mit Läufern, auf die meisten von uns zutrifft und uns am Laufen hält. Nur ganz selten fühlt man sich nach dem Training schlechter – das Gegenteil ist der Fall.

Im Körper selbst passieren dabei tolle Dinge. Synapsen verknüpfen sich, neue Erfahrungen werden neuronal verbunden und wirken sich positiv auf die Gesundheit aus. Selbst die Entstehung der Gehirnzellen wird durch diesen Prozess begünstigt; nicht schlecht, oder? Noch vor 20 Jahren dachten die Wissenschaftler, dass Babys mit sämtlichen uns zur Verfügung stehenden Neuronen geboren werden, dass sich an der Anzahl also nichts mehr ändern kann. In der Zwischenzeit weiß man, dass sich über die gesamte Lebenszeit Zellen nachbilden können. Laufen scheint dabei für den Körper eine gute Möglichkeit zu sein, diese Prozesse anzuschieben.

Wenn man Hirnströme von professionellen Läufern und Nichtläufern vergleicht, kann man funktionelle Unterschiede in den Gehirnen der beiden Gruppen feststellen. Gerade im Bereich des Frontallappens, dem Bereich, wo ausführende Handlungen entschieden werden, sind die Unterschiede besonders groß. Wir alle kennen das von unseren Trainingsläufen: Auf einmal verstehen wir Zusammenhänge, entwickeln während des Laufens neue Ideen. Auch Probleme, die sich zunächst als kompliziert darstellen, bekommen wir leichter entwirrt.

Genau auf diese Elemente des Laufens zielt auch die White-Noise-Kollektion von Saucony ab. Der US-Hersteller und Ben arbeiten gemeinsam an diesem Thema. Abschalten vom Alltag, dem rauschenden Trubel entfliehen, Klarheit bekommen. Mit diesem Wissen haben wir noch einen Grund mehr, laufen zu gehen. Denn es geht nicht nur ums Fitterwerden oder Abnehmen – auch das Gehirn profitiert davon. Es ist gut zu wissen, dass, wenn wir unsere Muskeln und Sehnen bewegen, auch das Hirn einen positiven Nutzen davon hat. All dies zusammengenommen verändert die Haltung zum Laufen maßgeblich

Text: Ralf Kerkeling

Woman running and jumping in a forest

Schluss mit Wundscheuern und Blasen – was wirklich hilft!

Egal, ob man nur gelegentlich mal laufen geht, um den Kopf frei zu bekommen oder gerne an Wettkämpfen teilnimmt und sich darauf wochenlang vorbereitet – jeder Läufer kennt es: Kaum ist man eine Zeit lang unterwegs, macht sich auch schon die Reibung von Haut an Haut oder Kleidung an Haut bemerkbar.

Wundscheuern und Blasenbildung kündigen sich an. Da man beim Laufen immer wieder die gleiche Bewegung wiederholt und die Problemstellen dadurch permanent gereizt werden, entstehen wunde, teils offene Stellen und Blasen. Diese sind sehr unangenehm und schränken einen beim Lauftraining und im Wettkampf ein.

Läufer leiden an den folgenden Hautstellen unter Wundscheuern und Blasen:

  • An den Füßen durch die Schuhe; vor allem Zehen und die Ferse sind oft betroffen
  • An den Brustwarzen durch die Reibung des T-Shirts
  • Zwischen den Oberschenkeln
  • An den Armen durch die Reibung des T-Shirts oder des Sport-BHs

Tipps zur Vorbeugung von Wundscheuern und Blasen

Während viele Sportler sich einfach damit abfinden, dass diese nach einer Laufeinheit eben unter den genannten Beschwerden leiden, muss das absolut nicht sein. Denn es gibt Tipps, mit denen man Wundscheuern und Blasenbildung vorbeugen kann:

  • Mit 2SKIN von pjuractive lassen sich Blasen in den Laufschuhen und wunde Stellen am Körper jetzt verhindern! Denn das Hautschutzgel eignet sich perfekt für die Bedürfnisse beim Laufsport. Das atmungsaktive Gel kann genau auf die Problemstellen aufgetragen werden und schränkt einen dabei nicht ein. Es bildet sich sofort ein unsichtbarer Schutzfilm, der die Zellstruktur der Haut stärkt und dadurch Stress & Druck auf die Haut auf größere Flächen verteilt. Außerdem ist das Hautschutzgel ultra lang anhaltend und widerstandsfähig, ohne die Poren zu verstopfen. Zudem ist es wasser- und schweißresistent. Daher ist es auch für lange Laufeinheiten und extreme Belastungen sehr gut geeignet.
  • Man sollte zusätzlich auf die richtige Sportkleidung achten. Im Optimalfall kann diese die Haut trocken halten und transportiert Feuchtigkeit sofort von dieser weg. Außerdem sind häufig auch die Nähte daran schuld, dass man wunde Stellen und Blasen bekommt.
  • Schuhe sollten erst eingelaufen werden. So verhindert man, dass das Material zu starr ist und so besonders an der Haut reibt.
  • Laufschuhe sollten im Fachgeschäft oder beim Fachhändler gekauft werden. Auf diese Weise findet man den optimalen Laufschuh, der für die Strecken, die man zurücklegen möchte und auch für die eigene Fußform optimal ist. Kauft man Laufschuhe, die einem nicht richtig passen – egal, ob zu groß oder zu klein – nimmt das Risiko an Wundscheuern und Blasenbildung zu.

Lass dich von Wundscheuern und Blasen nicht aufhalten. Mit pjuractive 2SKIN und den anderen Tipps lassen sich Blasen an den Füßen und wunde Stellen an anderen Körperstellen jetzt ganz einfach vorbeugen!

Fotos: pjuractive

Speed Training

Früh übt sich

„Laufen wir um die Wette!“, rufen die Kinder seit Menschengedenken. Damit sie diese Laufbereitschaft nicht verlieren, liegt es an Eltern und Trainern, den Tatendrang der Kinder spielerisch in die gewünschten Bahnen zu lenken.

Smartphones, Computer, Spielkonsolen, aber auch zunehmender Schulstress oder die Landflucht sorgen dafür, dass sich unsere Kinder immer weniger bewegen. Das Verhalten eines Kindes, bevor es durch äußere Einflüsse abgelenkt wurde, zeigt jedoch in eine ganz andere Richtung. Per pedes erkunden sie ihre Umgebung, entwickeln völlig selbständig koordinative Fähigkeiten und haben den größten Spaß am Herumrennen. Das sportliche Motto „höher, schneller, weiter“ wird hierbei ganz intuitiv und unterbewusst verfolgt. Dieses Verhalten zu fördern ohne dabei zu überfordern ist das A und O der Kinderleichtathletik.

ENTWICKLUNGSPHASEN

Motivierte Eltern, die ihre Kinder gerne zu ihren Trainingsläufen mitnehmen möchten, müssen sich bewusst sein, dass ein Erwachsenentraining – auch in abgespeckter Version – kein geeignetes Kindertraining ist. Kinder sind natürlich bei Weitem nicht so leistungsfähig wie ein Erwachsener, dafür haben sie aber ein sehr hohes Entwicklungspotenzial. Je nach Alter bzw. Entwicklungsphase entfalten sich die koordinativen und konditionellen Fähigkeiten unseres Nachwuchses ganz unterschiedlich. Koordination und Schnelligkeit werden in jungen Jahren am besten trainiert.
Bis zur Pubertät haben Mädchen und Jungs das gleiche Leistungsvermögen. Durch hormonelle Umstellungen differenziert sich danach das Leistungsbild. Im späten Kindesalter sind die Mädchen den Jungs in Sachen motorischer Lernfähigkeit zwar noch voraus, die Leistungsfähigkeit verliert im Vergleich zu den Jungen jedoch ca. 10 bis 15 Prozent. Die Beweglichkeit, die vor der Pubertät ihr Maximum erreicht, bleibt aber bei den Mädchen höher.

ABWECHSLUNG

Kinder lieben es von Natur aus, sich viel zu bewegen, mögen aber keine monotonen Bewegungsformen. Sie sollten vor allem vielseitig und spielerisch geschult werden. Bis ins späte Kindesalter sollten die Fähigkeiten der Sprösslinge durch unspezifische Lauf-, Reaktions-, Koordinations- und Ballspiele gefördert werden. Das Erlernen möglichst vielfältiger Bewegungsformen wie Reaktions- und Koordinationsspiele, Gymnastik, Springen, Laufen etc. steht im Vordergrund. Der junge Sportler soll für sich selbst herausfinden, bei welcher Art von sportlicher Betätigung er sich am wohlsten fühlt. Nach und nach kann man die Kids auf die Laufstrecke bringen. Wenn das Kind Spaß daran hat, kann das aerobe Lauftraining bis zu 50 Prozent des Trainings ausmachen.

GEMÄSSIGTES TRAINING

Anaerobes Training, also reines Tempotraining, bleibt bei Kindern bis 14 Jahre die absolute Ausnahme und wird lediglich in Form von Spielen und Sprints auf Strecken bis 80 Meter erreicht. Wird zu viel Ausdauertraining absolviert, ist keine optimale Ausbildung der konditionellen Grundeigenschaften möglich. Eine Gefahr für den Herzmuskel durch Ausdauerleistungen besteht für gesunde Kinder jedoch nicht. Die Skelettmuskeln ermüden deutlich schneller als der Herzmuskel. Dies ist bei Kindern ein natürlicher Schutzmechanismus für ihr Herz, weil ein Ausdauertraining durch die vorzeitige Ermüdung beendet wird. Eine mögliche Überlastung Ihres Kindes erkennen Sie außerdem an einem weißen Dreieck welches sich um Mund und Nase zeigt, wenn der Rest des Gesichtes sich rötlich färbt. Ein Training mit Pulsmesser ist erst ab dem 15. Lebensjahr sinnvoll. Die Herzfrequenz steigt bei Kindern bereits zu Beginn des Trainings stark an und erreicht auch bei mittlerer Intensität mit bis zu 190 Schlägen schon fast den Maximalwert. Beim gemeinsamen Lauftraining von Erwachsenen und Kindern ist darauf zu achten, dass das Kind das Tempo vorgibt. Das Kind sollte sich jederzeit beim Laufen unterhalten können.
Mit zwölf Jahren dominieren bei den Kindern die „Slow-twitch-Muskelfasern“, welche für die aerobe Ausdauerleistung prädestinieren. Für einen gezielten Aufbau der Ausdauerleistung ist ein drei- bis viermaliges Training von mindestens einer halben Stunde bis höchstens einer Stunde ratsam.

IN DER GRUPPE MACHT ES AM MEISTEN SPASS

Den meisten Spaß bereitet es Kindern, wenn sie gemeinschaftlich Sport treiben. Kinder, welche bereits in einem Sportverein trainieren, sind hier in ihrer Gruppe bestens aufgehoben. Eltern, die das Training von außen akribisch beobachten und analysieren, setzen ihre Kinder dadurch oft unbewusst unter Druck. Loben Sie Ihr Kind für erbrachte Leistungen und fiebern Sie bei Wettkämpfen mit, das motiviert Ihren Nachwuchs umso mehr. Bringen Sie hierbei auch Abwechslung ins Ausdauertraining. Folgende Varianten bieten sich beispielsweise an:

LAUFTRAINING FÜR KINDER

FANGSPIELE (ab 3 Jahre)
Z. B. Paarfangen – jeweils zwei Kinder fassen sich an der Hand und fangen ein anderes Paar, oder Klammern klauen – an der Oberbekleidung der Spieler sind Wäscheklammern befestigt, welche von den anderen weggenommen werden. Wer nach 3 Minuten die meisten Klammern besitzt, hat gewonnen.
BIATHLON (ab 6 Jahre)
Auf einer überschaubaren Fläche (Sportplatz, Garten, Park) wird gelaufen und mit Tennisbällen auf Ziele (Dosen oder in einen Korb) geworfen. Dauer ca. 10 bis 15 Minuten, Laufstrecke 1.000 bis 2.000 Meter, Treffer werden mit Zeitgutschrift (5 Sekunden) vergütet.
QUERFELDEINLAUF (ab 8 Jahre)
Ein lockerer Dauerlauf abseits der Wege über Stock und Stein, mit Pausen (bis zu 45 bis 60 Minuten).
ORIENTIERUNGSLAUF (ab 8 Jahre)
Querfeldein mit Karte und Kompass.
TEMPO-/KÖRPERGEFÜHLSTEST (ab 10 Jahre)
Hier kann auch der Langsamste gewinnen. Auf Strecken zwischen 50 und 1.000 Meter sagen die Spieler ihre Zeit vorher. Kinder werden so an ein systematisches Training herangeführt.
FAHRTSPIEL (ab 8/10/12 Jahre)
Im Gelände wird Slalom um Bäume oder auf Signal rückwärts oder seitwärts gelaufen (8 J.), lockere Steigerungen (10 J.), vorher definierte Zeit-/Längenabschnitte beschleunigt (12 J.).
ERSTE WETTKAMPFERFAHRUNG
Kinder lieben den Vergleich. Auch im Training kann man sie mit entsprechenden Spielen und Staffelwettbewerben begeistern und motivieren. Bei fast jedem Volkslauf zählen Bambini- und Kinderläufe zum Rahmenprogramm und haben nicht selten größere Teilnehmerzahlen als der Hauptlauf.
AUSDAUERLEISTUNGSTEST
Wie bei Erwachsenen auch kann das Ausdauerleistungsvermögen von Kindern und Jugendlichen anhand des Cooper-Tests überprüft werden. Die in 12 Minuten zurückgelegte Distanz gibt Aufschluss über die Ausdauerfähigkeit. Für Mädchen ab der Pubertät gelten für dieselbe Bewertung 15 Prozent kürzere Distanzen.

TALENTFÖRDERUNG

Bis heute gibt es keine abgesicherten Vorgaben für die Belastungssteigerungen im Verlauf des Kinder- und Jugendtrainings. Konsens besteht darin, dass alle Komponenten der Belastung, insbesondere der Belastungsumfang zu steigern sind (Kuno Hottenrott & Georg Neumann, 2008). In Leichtathletikvereinen des DLV arbeiten Trainer bzw. sind Übungsleiter ehrenamtlich tätig, um Ihren Sprössling in geeigneter Weise an ein systematisches Training heranzuführen und auszubilden. Zeigt sich der junge Sportler als besonders talentiert, besteht die Möglichkeit einer Talentförderung. Diese obliegt in Deutschland den Richtlinien des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und erfolgt in Sportvereinen sowie den Eliteschulen des Sports. Letztgenannte Einrichtungen gibt es derzeit an 43 Standorten, sie bestehen aus 108 Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie Gymnasien.

TEXT: Carsten Stegner

steveauch2

Richtig abgebogen

Wenn man bei Läufern zwischen Straße und Trail unterscheidet, dann ergibt sich die logische Schlussfolgerung, dass alles was sich nicht auf der Straße abspielt, Trailrunning sein muss. Ganz so einfach ist es dann doch nicht, wie uns Blogger Steve Auch erklärt.

Während eine Straße immer den gleichenUntergrund aufweist und sich lediglich in der Steigung unterscheidet, ist das beim Trailrunning ein bisschen vielfältiger. Hier gibt es steile, flache, breite, schmale, technische, alpine, weiche, harte Trails in allen Variationen und Schwierigkeitsgraden. Seine erste Trailrunning-Erfahrung kann man also schon sammeln, wenn man einfach mal auf der gewohnten Laufrunde nach links in den Wald abbiegt und die Herausforderung auf dem wechselnden Untergrund sucht. Für die ersten Laufschritte auf dem Trail benötigt man also nicht unbedingt neue und zusätzliche Ausrüstung, denn um einfach mal für etwas Abwechslung zu sorgen, muss man einfach nur abbiegen. Ist man einmal mit dem Trailrunning-Virus infiziert, dann wird es aber nicht einfach bei „nur“ einer kleinen Runde im heimischen Stadtwald bleiben, denn irgendwann zieht es jeden raus auf die wilden Trails, die sich schmal und schnell durch die Wälder ziehen oder die steil und luftig auf die Berggipfel führen.

Niemand wird als Ultraläufer geboren oder rennt vom ersten Tag an auf messerscharfen Gipfelgraten der Sonne entgegen. Während man Bergauflaufen noch gut in Treppenhäusern oder auf Steppern trainieren kann, lernt man Bergablaufen nur durch Bergablaufen; und das braucht Zeit. Körper und Kopf müssen trainiert werden, denn auch wenn es im Grunde „nur“ Laufen ist, gehört das nötige Training schon dazu. Mit der Begeisterung für das Trailrunning, wachsen auch die Umfänge und letztlich auch das Schuhregal und der Kleiderschrank. Das Wichtigste sind natürlich die Schuhe und hier bietet der Markt eine schier unendliche Auswahl. Im Prinzip kann man mittlerweile für jedes Terrain, abgestimmt auf Wetter und Streckenlänge, einen passenden Schuh kaufen. Für den Anfang ist man mit einem klassischen Allrounder am besten bedient. Werden die Läufe länger, bieten sich gedämpftere Modelle an. Wer oft in den Bergen unterwegs ist, legt großen Wert auf den nötigen Grip der Sohle und die Stabilität des Schuhs im Allgemeinen. Wer viel auf weichem Untergrund unterwegs ist und am liebsten auch noch bei Regen, der benötigt ein entsprechend tiefes und stabiles Profil, das sich ordentlich in den Boden eingräbt.

Die richtige Ausrüstung

Je länger die Läufe werden, desto mehr muss man auf alle Eventualitäten eingestellt sein. Somit führt irgendwann kein Weg an einem Laufrucksack vorbei, um das nötige Equipment auch bequem transportieren zu können. Bei mir ist das Handy bei jedem Lauf dabei, denn Fotos kann man nie genug machen und natürlich ist es sinnvoll, wenn man abseits der frequentierten Wege unterwegs ist, für den Fall der Fälle erreichbar zu sein bzw. jemanden zu erreichen. Je nach Wetterlage kommen noch Wechselklamotten, eine Wind- oder Regenjacke, Mütze und Handschuhe mit rein. Essen und Trinken dürfen natürlich genauso wenig fehlen wie ein kleines Erste Hilfe Set. Wenn man sich in der Gegend nicht auskennt, dann ist eine Karte absolut sinnvoll. Essen und Trinken packt man lieber auch etwas mehr ein, denn man weiß nie, ob die ausgesuchten Berghütten schon geöffnet haben oder ob die Buslinie wirklich noch existiert. Der Notgroschen für das Taxi oder die rettende Cola an der Tankstelle darf auch nicht fehlen. Für die ersten langen Läufe bzw. Läufe in unbekannten Gegenden sollte das Motto in Bezug auf die Ausrüstung immer lauten: Lieber haben, statt brauchen!

Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür, welche Ausrüstung man auf welchen Lauf mitnehmen sollte. Nach nunmehr über sechs Jahren „Trailrunning-Erfahrung“ weiß ich ziemlich genau, was mich auf meinen Läufen erwartet. Ich kann das Wetter sehr gut einschätzen und weiß, auf welchen Wetterbericht ich mich verlassen kann und wie ich die verschiedenen Vorher sagen einschätzen muss. Auch kenne ich meine Gegend so gut, dass ich weiß, wo ich viel Wasser auf einen Lauf mitnehmen muss und wo ich eventuell auch für drei Stunden nichts mitnehmen muss, weil die Bäche genügend Wasser führen. Trailrunning ist keine Raketenwissenschaft und auch keine Materialschlacht. Im Grunde hat jeder das Zeug und die Ausrüstung um schon morgen ein kleines Abenteuer auf den Trails zu starten. Einfach mal abbiegen!

Text: Steve Auch

Austria, Klagenfurt, man running on treadmill

Was ist eigentlich … ein Laktattest?

Wir laufen – schnell, schneller, höher, weiter. Sind Sie bereit, alles zu geben? Doch wie viel ist alles? Ist mein Training (noch) gesund, bin ich gesund? aktivLaufen hat sich allen Fragen gestellt und einem Selbsttest unterzogen.

Dienstagmorgen, 7.30 Uhr im Zentrum für Prävention und Sportmedizin der Technischen Universität München: Die Suche nach den Antworten auf alle Fragen zu meiner Leistungsgrenze beginnt.

1. SPORTMEDIZINISCHE UNTERSUCHUNG

DER ABLAUF

Während die nette Dame am Empfang meine Krankenversicherungskarte einliest, schaue ich mich um. Im Wartezimmer sitzt ein bunt gemischtes Publikum aus Jung und Alt. Einige von ihnen sind athletisch gebaut, andere eher korpulent – alle tragen Sportkleidung. Nachdem ich diverse Unterschriften zur Datenerfassung geleistet habe, gehe auch ich in den Umkleideraum, wechsele mein Alltagsoutfit gegen Laufklamotten und begebe mich – nicht ganz ohne Nervosität – zur ersten sportmedizinischen Untersuchung meines Lebens. Hier wird mir zunächst Blut abgenommen, drei kleine Ampullen. Da beim großen Blutbild unter anderem der Blutzuckerspiegel bestimmt wird, muss man zu diesem Zeitpunkt noch nüchtern sein. Bevor es als Nächstes zum Messen, Wiegen und Ruhe-EKG geht, habe ich Zeit zum Frühstücken. Als Drittes wird mein Lungenvolumen gemessen. Dazu sitze ich in einem Glaskasten und puste mit einer Klammer auf der Nase in ein Mundstück. Beim ersten Mal geht das noch ganz leicht, beim zweiten und dritten Durchgang sind jeweils Widerstände geschaltet. Ein Zimmer weiter wird der Herzultraschall durchgeführt. Meine Nervosität, die gerade nachgelassen hatte, setzt wieder ein. Denn was ist, wenn ich vielleicht doch nicht so gesund bin, wie ich immer denke? Nach circa zehn Minuten ausgiebigen Screenings gibt der Arzt jedoch Entwarnung: „Ein Herz wie ein Jungbulle“ kommentiert er lachend. Beruhigt kann ich also zur Anamnese, einem Arztgespräch zur Abklärung von Trainingsparameter und Krank- heitshistorie. Ohne Beanstandung bin ich nun zur Laktat-Leistungsdiagnostik „freigegeben“.

2. LAKTAT-LEISTUNGSDIAGNOSTIK

DER ABLAUF

Die Laktat-Leistungsdiagnostik wird auf dem Laufbandergometer durchgeführt. Hierbei werden anhand eines standardisierten Stufenprotokolls Stoffwechselreaktionen bei verschiedenen Belastungsintensitäten analysiert. Dies erfolgt mittels mehrerer Blutabnahmen (aus dem Ohrläppchen) sowie über Herzfrequenzmessungen. Zunächst wird die Laktatkonzentration im Ruhezustand bestimmt. Danach beginnt die Belastung bei geringer Laufgeschwindigkeit. Das Einstiegstempo wurde vom Anamnesearzt festgelegt. Bei mir ist es 6 km/h. Nach drei Minuten stoppt das Laufband, und mir wird wieder ein Tropfen Blut aus dem Ohrläppchen entnommen. Genau 30 Sekunden hat der Sportwissenschaftler des Instituts dafür Zeit, bevor das Ergometer automatisch für die nächsten drei Minuten anfährt, immer 2 km/h schneller als zuvor. Nach jeder Belastungseinheit erfolgt die Laktatbestimmung, und ich muss den Schwierigkeitsgrad der vorangegangenen Belastung für mich persönlich anhand der sogenannten Borg-Skala bestimmen. Ab 14 km/h (4:17 Pace) finde ich es anstrengend, nach den vollendeten drei Minuten im 16-km/h-Tempo (3:45 Pace) breche ich den Test ab. Die Vorstellung, weitere drei Minuten im 3:20-Schnitt zu laufen, ist zu qualvoll. Im Anschluss an den Test werden mir noch drei weitere Mal Blut aus dem Ohr entnommen sowie der Blutdruck gemessen.

DAS ERGEBNIS

Ein erstes Ergebnis bekommt man bereits nach circa 25 Minuten. So lang dauert es, bis die Laktatkurve erstellt ist. Besprochen wird diese dann mit dem Arzt. Die Laktat- und Herzfrequenzkurve veranschaulicht die kör- perlichen Reaktionen auf die verschiedenen Belastungsstufen. Das bunte Kurvenbild, das vor mir liegt, gibt tatsächlich eine detaillierte Auskunft über meinen aktuellen Trainingszustand. Die hochgerechnete Halbmarathonzeit auf dem Zettel weicht nur um vier Sekunden von meiner Leistung von vergangener Woche ab. Ich bin beeindruckt. Außerdem bekomme ich auf den Pace genaue Empfehlungen für das Trainingstempo. Ab wann ist ein Dauerlauf regenerativ, und wie schnell muss ich im Training tatsächlich laufen, um einen entsprechenden Reiz zu setzen? Neben den Belastungsempfehlungen spricht Universitätsprofessor Dr. med. Halle, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Sportmedizin, auch ein Lob aus. Mein Ausdauervermögen ist vorbildlich und anhand meiner Laktatwerte bin ich im 99. Perzentil der gesamten weiblichen Altersgruppe einzuordnen. Außerdem bin ich auf den ersten Blick kerngesund. Diese Information gibt nicht nur unglaublich viel Selbstvertrauen, sondern auch einen gehörigen Motivationsschub für mein angehendes Marathontraining. Denn dieses wird, dank Leistungsdiagnostik, nun noch effizienter und richtig strukturiert. Die genaue Auswertung der Blutanalyse erfolgt nach einigen Tagen schriftlich. Hierbei wird das Ergebnis der Laktatmessung ins Verhältnis zum Blutbild gesetzt. Eventuelle Ermüdung, Mangelerscheinunungen oder angehende Infekte werden in den mitgesandten Trainingsempfehlungen berücksichtigt.

SINNVOLL FÜR JEDEN LÄUFER

Darum ist eine Sportmedizinische Untersuchung für jeden Läufer sinnvoll: Natürlich möchte man den sprichwörtlichen Teufel nicht an die Wand malen. Ein jeder von uns geht davon aus, gesund zu sein. Dennoch: Wer (viel) läuft, belastet sein Herz-Kreislauf-System überdurchschnittlich – und das ist gut. Ein regelmäßiges körperliches Training beugt Volkskrankheiten nachweislich vor. Jedoch nur, wenn keine Funktionsstörungen, Erkrankungen oder gar bereits Überlastungs- schäden vorhanden sind. Eine sportmedizinische Untersuchung ist übrigens nicht erst als angehender (Halb-)Marathoni zu empfehlen, sondern auch für alle kürzeren Distanzen. Denn das sind in der Regel die, bei denen man im sehr hochpulsigen Bereich läuft.

LEISTUNGSDIAGNOSTIK – NICHT NUR FÜR „FITTE“

Vielleicht fragen sich jetzt einige von Ihnen, ob eine Leistungsdiagnostik für einen Hobbyläufer wirklich sinnvoll ist. Ich denke ja! Denn eine Leistungsdiagnostik zeigt, wie knapp vorhandene Trainingszeit optimal genutzt werden kann. Ein weitverbreiteter Irrglaube vieler Hobbyläufer ist, es sei effizient, in möglichst wenig Zeit möglichst weit zu laufen. Dem ist nicht so. Eine Leistungsdiagnostik zeigt in diesem Falle auf, wenn zu häufig im hochpulsigen Bereich trainiert wird und gibt entsprechende Verbesserungsvorschläge, nicht nur zur Trainingssteuerung, sondern auch zur Erhaltung der Gesundheit. Des Weiteren hilft eine Leistungsdiagnostik durch die objektiven Vorgaben (Ist-Werte), die subjektive Einschätzung von Belastungen zu verbessern. Ich, als von Natur aus bequemer Mensch, muss mir eingestehen, dass es einen großen Unterschied zwischen „sich schnell fühlen“ und „schnell laufen“ gibt. Meine Komfortzone ist durchaus größer als angenommen, und Kurzatmigkeit nach dem Training ist nicht immer schlecht. Außerdem bin ich weder zu dürr (wie meine Kollegen immer sagen) noch zu dick (wie ich mich nach dem Durchscrollen meines Instagram-Feeds fühle). Das habe ich jetzt schwarz auf weiß, und es fühlt sich so richtig gut an!

Text: Sandra Mastropietro

Jooksja Guido Lange

2.000 Kilometer durch das Baltikum

Es dauerte einige Zeit, bis ich wusste, was ich wirklich machen wollte. Klar habe ich meinen Beruf, meine Familie und ein gutes Leben. Erst recht, seit ich vor knapp sieben Jahren mit dem regelmäßigen Laufen begonnen habe – dreimal die Woche durch den Wald, das ist wirklich schön. Nun aber einmal geradeaus laufen, immer weiter, keinen Rundkurs, nicht von A nach B, sondern einfach geradeaus. Das wollte ich – und das mache ich jetzt!

Aktuell bin ich mittendrin in meiner Tour. Jetzt, im Moment, laufe ich quer durch Estland. Warum? Ganz einfach: Ich habe die Zeit dazu. Genau werden es 1.952 Kilometer sein, daran anschließend folgen noch 42 Kilometer beim Helsinki City Marathon, meiner letzten Laufetappe des Abenteuers.

Bis ich mich an den täglichen Lauf von circa 25 Kilometern gewöhnt hatte, vergingen einige Wochen. Der Start in Stralsund am 1. Mai war bilderbuchmaßig. Die ersten Tage lief ich hoch motiviert drauflos, trotzte dem ungewohnten kalten Wind von der See, den wir natürlich im Rheinland nicht haben. Meine erste Nacht verbrachte ich im Zelt, aber schon die nächsten Nächte erst mal in preiswerten Unterkünften. Denn eines hatte ich nicht bedacht: einen gewissen Etappenlaufeffekt. Nach dem Laufen fing ich an zu frieren, fand nicht schnell genug ins Warme, die Batterien wurden immer leerer. Ich erkältete mich, bekam das dann aber durch kürzere Läufe und Pausentage wieder in den Griff.

KALORIENFRESSER

Ich verbrauche jeden Tag rund 4.000 Kilokalorien. Bei Übernachtungen draußen im Zelt eben noch mehr. Die Kalorien muss man erst mal einfahren und durch den Körper schleusen, und zwar möglichst nicht während des Laufens.

Auch der Laufumfang ist stark erhöht: Normalerweise laufe ich 50 Kilometer pro Woche, nun also 150. Das sind im Schnitt sechs Tage à 25 Kilometer. Einen Pausentag pro Woche gönne ich mir. Ich habe nicht extra dafür „trainiert“, mein Kalkül war: Wenn ich nebenher nichts anderes mache, zum Beispiel arbeiten, dann müsste es gehen. Das ging auch gut, solange ich mich genügend nach dem Lauf dehnte. Aber wer hat dazu schon Bock? Einmal, in Estland, bekam ich ernsthafte Wadenprobleme, die Sehnen hatten keine Lust mehr auf meine Schlamperei. Ich musste zwei Wandertage einlegen und dehne seitdem wieder fleißiger.

Die Distanz meiner Etappen variiert zwischen 15 und 40 Kilometern, einmal bin ich sogar 49 Kilometer gelaufen – wow, mein erster Ultra! Es ergab sich einfach so, und wenn man schon mal auf einer Landstraße läuft, dann rollt es auch!

Apropos rollen: Meine Habseligkeiten ziehe ich in einem Wagen hinter mir her, insgesamt ca. 30 Kilo inklusive drei bis vier Liter Wasser. Ich will nicht wandern, sondern laufen, und das geht mit dem Wagen gut, mit einem Rucksack ginge das nicht. Ich habe auch keine Lust, schwer bepackt und bei kühlem Wetter eingemummelt loszustapfen. Auch auf dem Fahrrad bei Wind und Wetter frieren will ich nicht. Solange ich laufe, reichen ein Shirt und eine Tight sowie Schuhe für jedes Wetter, das ist echt toll. Das ist auch Freiheit.

VIELE ABENTEUER IN EINEM

Das beinahe tägliche Laufen, die Reise, die Erkundung des unbekannten Baltikums, das Zusammentreffen mit den Menschen – es ist genau so, wie ich es mir erträumt habe. Das Baltikum ist eben eine unglaublich vielfältige, kulturell und landschaftlich tolle Gegend. Seit meinem Start bin ich lange Zeit Richtung Osten und Norden mit dem Frühling mitgereist. Die Fliederblüte zum Beispiel hat mich acht Wochen lang begleitet. Und: Immer da, wo ich bin, ist die Hochsaison für Erdbeeren!

Gut, dass ich vor 35 Jahren Russischunterricht hatte. Ich habe es gehasst, aber jetzt kann ich es als zweite Fremdsprache neben Englisch gut gebrauchen; das Hirn kramt alles wieder hervor! Anfangs laufe ich oft auch über Stock und Stein, durch den Wald und am Strand entlang. Von Usedom bis Kap Kolka in Lettland könnte man ohne Unterbrechung am Strand durchlaufen (wenn für das Gepäck gesorgt wäre). Dazwischen gibt es keinen Blockstrand oder Ähnliches. Allerdings stellt sich mir die russische Grenze in den Weg. Ich bräuchte ein Visum und durfte nicht einfach an der Küste weiterlaufen. Grenzen sind entweder echt doof oder – wie ich es auffasse – ein echtes Abenteuer: Nach Russland darf man nicht als Fußgänger einreisen, und so machte ich meine Erfahrung mit dem Pragmatismus und der tiefen, guten Seele der Russen – konkret mit Rosa und Waldi aus Laduschkin, die mich über die Grenze mitnahmen – ein Abenteuer für sich!

Inzwischen in Estland, ist die Ostsee eher ein Süßgewässer mit Schilf und Sumpf am Ufer und steinigen Küsten. So laufe ich durch kleine einsame Ortschaften auf der Landstraße, entdecke die Saunakultur für mich und komme noch mal weiter runter. Der tägliche Lauf ist Gewohnheit, die Suche nach einem kleinen Lebensmittelladen hier draußen in der Einsamkeit ist auch ein Abenteuer für sich. Das ist das wahre Leben – die Bewältigung vieler kleiner Alltagsprobleme wird neu definiert. Davon zehre ich, wenn ich wieder an meinem Schreibtisch sitze. Das macht mich stark, resistenter gegen Stress, gelassener und offener im Kopf. Ich habe einfach mehr Optionen mit den Erfahrungen aus meinem Abenteuer Baltikum.

Text: Guido Lange

Foto: Asics

Fit durch den Winter

[caption id="attachment_1038" align="alignnone" width="200"]Foto: Asics Foto: Asics[/caption]

Kaum werden die Tage kürzer und die wichtigen Herbstwettkämpfe sind geschafft, verfallen viele Läufer in den Winterschlaf. Die Ziele fehlen, das Wetter wird schlechter, die Dunkelheit schränkt uns ein. Doch es gibt es zum Glück gute Alternativen.

Text: Ingalena Heuck

Besonders die Dunkelheit macht vielen Läufern zu schaffen, müs- sen sie doch morgens vor Sonnenaufgang das Haus verlassen und können meist erst nach Abendeinbruch wieder die Laufschuhe schnüren. Ohne Wettkampfziele fehlt der Fokus, da kommen schneller Ausreden auf. Gründe, nicht zu laufen, gibt es im Winter jedoch genauso wenige wie im Sommer. Erst bei hohen Minusgraden oder sehr rutschigen Straßen lässt man die Laufschuhe besser im Schrank. Wer gleich nach der Herbstlaufpause von vier bis sechs Wochen mit dem Wetterwechsel wieder durchstartet, kann viele Probleme vermei- den, die bei einem späten Laufeinstieg im Januar oder Februar auftreten.

Verpasst man die Übergangsphase, fällt es dem Körper noch schwerer, mit der kalten Luft umzugehen, die Bronchien wer- den stärker belastet. Also: Dieser Winter wird anders. Warum? Darum: „Die Meister des Sommers werden im Winter gemacht!“

Wie wäre es also, wenn Sie diesen Winter dazu nutzten, den nächsten Schritt zu machen? Den nächsten Schritt in puncto Verletzungsprophylaxe, muskuläre Stabilität und Bewegungsökonomie? Wenn Sie sich tatsächlich etwas weniger ums Laufen, aber mehr um Ihre Gesamtfitness und Gesundheit kümmern würden? Wer es schafft, im Winter eine stabile körperliche Grundlage zu legen, der kann mit Vollgas in den Frühling und Sommer starten. Wie Ihnen das gelingt? Wir zeigen es Ihnen.

Die Winterbausteine

1. Lauftraining

Das Basistraining eines jeden Läufers ist und bleibt das Laufen. Reduzieren Sie jedoch ihre Wochenkilometer und die Intensität. Das Laufen im Winter fordert dem Körper mehr ab und ist je nach Außentemperatur und Untergrund sehr

anspruchsvoll. Oberster Fokus sollte darauf liegen, gesund zu bleiben, daher sollten Sie Risiken vermeiden, wie z.B. schnelles Laufen bei Minusgraden oder auf vereisten Wegen. Konzentrieren Sie sich auf das Training im Grundlagenausdauer- und Schwellenbereich. Der Puls sollte entsprechend im Bereich von 70 bis 88 Prozent der maximalen Herzfrequenz liegen. Die Lauftechnik ist jetzt wichtiger, denn bei rutschigen Flächen hilft es, wenn mit einem kurzen, aber frequenten Schritt gelaufen wird. Außerdem hilft der Mittel- fußaufsatz, sicherer zu landen.

Was Sie im Winter machen können

Planen Sie Ihr Lauftraining ebenso wie im Sommer, aber seien Sie etwas großzügiger mit sich. Lassen Sie hohe Intensitäten weg und ergänzen Sie lieber mal einen Dauerlauf mit ein paar Steigerungsläufen – aber nur auf gut belaufbarem Untergrund. Suchen Sie sich Trainingspartner für die Morgen- oder Abendläufe, so dass Sie bei Dunkelheit nicht alleine unterwegs sind. Wie beispielsweise eine Woche mit zweimal Laufen und zwei Alternativtrainings aussehen kann, finden Sie in unserem Trainingsplan (Heft 6/2015).

2. Coretraining

Das Laufen ist eine Gesamt- körperbewegung. Zur richtigen Laufökonomie bedarf es eines sauberen Bewegungsablaufs und einer stabilen Muskulatur, die eine Übertragung der Kräfte zulässt und ausreichend Stabilität liefert, um die Bewegungselemente sauber zusammenzusetzen. Das Zwischenglied zwischen Armen und Beinen bildet unser Rumpf, gerne auch als „Core“ bezeichnet. Denn im Grunde genommen ist der Rumpf unser Herzstück. Ist unser Rumpf zu schwach, sinken wir beispielsweise bei jedem Laufschritt stärker mit dem Becken ab und können somit die Bewegungen nicht kontrolliert übertragen. Ein starker Rumpf ist die Grundlage für ein sauberes Laufbild und letztlich auch für den nächsten Schritt in Richtung Verletzungsprophylaxe und Geschwindigkeit.

Was Sie im Winter machen können

Suchen Sie sich ein Fitnessstudio oder einen Anbieter von Fitnesskursen, bei dem Sie regelmäßig mindestens einmal pro Woche einen Kurs belegen können. Ideal sind Kurse wie TRX, Movelt, Body- Fit, deepWork, Bauch-Workout, Flexi- Training oder auch Functional Training. Die Qualität des Trainings sollte an oberster Stelle stehen, um Verletzungen zu ver- meiden. Tasten Sie sich langsam heran und seien Sie vielseitig. Alternativ können Sie auch ein Kräftigungsprogramm mit klassischen Übungen zu Hause durchführen, die wir Ihnen auf der linken Seite vorstellen.

3. Beweglichkeit

Ein kurzer Muskel ist ein schwacher Mus- kel. Eine eingeschränkte Beweglichkeit blockiert die Laufbewegung und lässt somit keine fließende, ökonomische Laufbewegung zu. Wenn der Körper immer gegen einen Widerstand ankämpfen muss, geht dadurch viel Energie verloren. Energie, die wir eigentlich für den Vortrieb benötigen. Eine flexible Muskulatur ist daher Grundlage für gesundes Laufen.

Was Sie im Winter machen können

Besuchen Sie Yoga- oder Pilateskurse. Hierbei wird Ihre Beweglichkeit verbessert. Gleichzeitig kräftigen Sie Ihre Muskulatur, Sie erlernen eine neue Körperwahrnehmung und können sich entspannen.

Kürzen Sie zusätzlich lieber ab und zu Ihre Laufeinheit um 10 Minuten und nutzen Sie diese Zeit für das Dehnen. Die wichtigsten vier Dehnübungen für den Läufer stellen wir auf S. 17 vor:

  1. Zentrale Wadenmuskulatur (m. soleus)
  2. Oberschenkelrückseite
  3. Hüftbeuger (m. iliopsoas)
  4. Piriformis (Abduktion und Streckung des Oberschenkels)

4. Allgemeine Ausdauer

Neben dem Lauftraining können Sie Ihre Grundlagenausdauer auch durch andere Alternativsportarten trainieren: Spinning, Schwimmen, Stepper, Aquakurse und andere. Variationen von Sportart und Dauer sind im Winter ideal, um gestärkt und mit einer guten Grundlage in den Frühling zu starten.

Was Sie im Winter machen können

Wiewärees,wennSiediesenWinterendlich richtig das Kraulschwimmen lernen und dazu einen Schwimmkurs besuchen? Indoor- Cycling ist ebenfalls ein ideales Training, da es vielseitig ist und auch bei schlechtem Wetter Spaß macht. Beim Laufen sollten Sie vielseitig bleiben und in Pulsbereichen zwischen 70 und 88 Prozent unterwegs sein. Sehr schnelle Intervalle müssen im Winter nicht sein. Besonders wenn die Außentemperatur unter null Grad sinkt, sollten Sie aufmerksam sein und im Zweifelsfall lieber locker laufen, als die Lunge durch intensives Atmen zu stark zu belasten.

5. Ernährung

Die Ernährung hat immer einen entscheidenden Einfluss auf Gesundheit, Leistungsfähigkeit und die Anpassungserscheinungen durch das Laufen. Im Winter kommt zusätzlich das Thema Immunsystem ins Spiel. Mit der richtigen Ernährung kann dieses gestärkt und Infekte können vermieden werden.

Was Sie im Winter machen können

Achten Sie besonders auf viele Nähr- stoffe aus Obst und Gemüse, Gewürzen und frischen Kräutern. Hochwertig sind beispielsweise Ingwer, Zimt, Kakao und Thymian. Achten Sie darauf, fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag zu sich zunehmen,und trinken Sie regelmäßig Wasser oder ungesüßten Tee, wie z.B. frischen Ingwer- oder Minztee. Zudem sollten Sie besonders nach dem Laufen darauf achten, direkt etwas zu essen, da dies das Immunsystem stärkt. Entscheidend ist die erste Stunde nach dem Training. AmbestensindindiesemMoment Kohlenhydrate, die schnell verfügbar sind, kombiniert mit etwas Eiweiß. Gute Lebensmittel sind beispielsweise ein Grießbrei, Milchreis, eine Brezel mit fettarmem Schinken, ein warmer Kakao mit Honig, eine Bananen-Haferflocken-Milch oder auch ein spezielles Regenerationsgetränk wie etwa ein Schoko-Recovery- Drink mit Milch. Auch bei langen Läufen über 90 Minuten sollten Sie besser ein Gel oder Getränk mit Kohlenhydraten mitnehmen.

Info:

aktiv Laufen-Expertin Ingalena Schömburg-Heuck (28) ist eine ehemalige deutsche Langstreckenläuferin (Deutsche Meisterin im Halbmarathon 2010), Diplom-Sportwissenschaftlerin und ganzheitlich-medizinische Ernährungsberaterin. Sie arbeitet freiberuflich als Beraterin und Coach für Läufer und Firmen, als Referentin und freie Autorin.

Foto: Merrell

So weit die Füße tragen

Laufen. Für viele Menschen ist es ein Hobby, für andere Mittel zum Zweck und für wiederum andere ein Ventil. Für Wilfried Köhnke aber ist es viel mehr: Für den 67-Jährigen ist es der Sinn des Lebens.

Text: Henning Kuhl

Als Forrest Gump im gleichnamigen und mit mehreren Oscars gekrönten Filmklassiker gefragt wird, warum er durch die USA läuft und nur zum Schlafen sowie Essen pausiert, ist die Antwort seinem Charakter entsprechend simpel: „Ich hatte einfach Lust zu laufen.“ Im Film sorgt diese Aussage für Erstaunen bei der Fragestellerin, doch es gibt einen Menschen, der wahrscheinlich genau dieselbe Begründung für seine Laufaffinität geben würde: Wilfried Köhnke. Nicht weil er intellektuell auf einem Niveau mit Forrest Gump ist, sondern weil er seine Begeisterung für das Laufen nicht erklären könnte. „Das gehört einfach zu ihm. Wie andere atmen, so läuft er“, sagt sein Freund und Trainer Eberhard Kluß.

Von Pritzwalk zum Rekordhalter

1947 wird Wilfried Köhnke in Pritzwalk, Brandenburg geboren, und bereits als Kind interessiert er sich für Sport. In seiner Jugend versucht er sich im Mehrkampf und träumt von einer Karriere als Fußballer, jedoch überzeugt er nur in einer Disziplin: dem Laufen, worauf er sich mit der Zeit auch immer mehr konzentriert. Nach dem Ausscheiden aus der Bundeswehr zieht es den 1,60 Meter kleinen Mann beruflich nach Berlin, wo er zunächst für den BSC Rehberge und den BFC Preussen läuft. 19 Jahre nach seiner Ankunft in der heutigen Hauptstadt kommt Köhnke zum Polizei- Sport-Verein-Berlin. „Ihm boten sich in Berlin bessere Möglichkeiten, um auf der Bahn zu laufen“, schildert Eberhard Kluß. Beim Polizei-Sport lernen sich die beiden Männer kennen, und Kluß merkt schnell: „Laufen ist Willis Leben!“ Wie wahr.

Bis heute hat Wilfried Köhnke 95 Marathons absolviert und ist dabei um die ganze Welt gekommen: Canberra, Australien 1991; New York, USA 1992, 1993 und 1994; Melbourne, Australien 1993; South Port, England 1995; Hongkong, China 1996; Johannesburg, Südafrika 1997. Der 67-Jährige ist auf fast jedem Kontinent einen Marathon gelaufen und hat insgesamt über 180.000 Kilometer zurückgelegt. Nur zur Einordnung: Der Erdumfang beträgt 40.075 Kilometer – Wilfried Köhnke hat unseren Planeten während seiner Laufkarriere also theoretisch viereinhalb Mal umlaufen. Hinzukommen 37 Teilnahmen in Folge beim Marathon in Berlin – wodurch er alleiniger Rekordhalter in dem beliebten Lauf in der Hauptstadt ist – und sein Zwölf-Stunden-Lauf 1994 in Brühl, wo er 113,708 Kilometer hinter sich ließ.

Ein großes Ziel vor Augen

Kein Wunder, dass der gebürtige Branden- burger einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat. „In der Szene ist Willi eine Art Ikone und wird regelmäßig angesprochen, manch einer lässt sich sogar mit ihm fotografieren“, verrät Eberhard Kluß, der den nimmermüden Läufer seit geraumer Zeit trainiert. „Willi ist sehr ehrgeizig und ziel- strebig. Ich muss ihn regelmäßig bremsen, damit er es nicht übertreibt“, beschreibt Kluß die Zusammenarbeit und betont: „Man muss sich vor Augen halten, dass Willi die 5.000 und 10.000 Meter heute so schnell läuft wie seit Jahren nicht mehr.“

Sicherlich ein Resultat des richtigen Trainings, aber vor allem auch eine Folge der großen Disziplin, die der 67-Jährige an den Tag legt. Köhnke achtet auf seinen Schlaf, ernährt sich gesund und ausgewogen, dehnt sich regelmäßig. „Dadurch hat er sich so gut wie nie verletzt“, sagt Eberhard Kluß und führt aus: „Willi hat noch ein paar Ziele vor Augen, dafür muss er gesund und fit bleiben.“ Denn Wilfried Köhnke hat sich für die Zukunft noch einiges vorgenommen: Unter anderem möchte er bis zu seinem 71. Geburtstag seinen 100. Marathon absolviert haben. Ein Unterfangen, das allerdings ebenfalls „nur“ ein Etappenziel darstellt, denn auch danach wird der gebürtige Brandenburger weiterlaufen, so weit ihn seine Füße tragen. Das ist es, was ihn glücklich macht. Es ist seine ganz große Liebe, sein Schicksal.