Arda Saatci: „Aufgeben ist keine Option”
600 Kilometer durch das „Death Valley“ in 123 Stunden: Extremläufer Arda Saatci spricht über Halluzinationen, Schlafmangel, Hitzeschläge – und erklärt, warum hinter seinem Spitznamen „Cyborg“ vor allem Wille und Herz steckt.
Hallo Arda! Über 600 Kilometer in 123 Stunden – das klingt unmöglich. Was war dabei am schlimmsten: die Hitze, die Müdigkeit, deine Muskeln oder etwas ganz anderes?
Ich glaube, es war wirklich die Kombination aus allem. Die Strecke hat unfassbar viel von mir gefordert – die Höhenmeter, die langen Abschnitte, das Laufen im Sand, dazu diese ganze Wüstenatmosphäre. Irgendwann war überall Sand: Im Hals, in der Nase, die Schleimhäute waren komplett verklebt, meine Nase war angeschwollen und ich musste ständig schnauben. Dazu kam natürlich der Schlafmangel. Nach der zweiten Nacht haben die Halluzinationen angefangen – gefühlt dann jede Nacht wieder. Und irgendwo bei Kilometer 350 oder 400 kam auch noch ein Hitzeschlag dazu, kombiniert mit diesen Halluzinationen. Da gab es schon einige Tiefpunkte, aus denen ich mich wirklich wieder zurückkämpfen musste.
Bei einem Lauf über mehrere Tage muss nicht nur der Körper funktionieren, sondern auch Ernährung, Schlaf, Team und Material. Was war die wichtigste Vorbereitung, die nicht direkt mit Laufen zu tun hatte?
Neben den ganzen Kilometern ging es darum, meinem Körper vorher schon Signale zu geben, was da auf ihn zukommt – gerade beim Thema Schlafmangel. Ich habe viele Nachtläufe gemacht: tagsüber normal wach sein, trainieren, abends vielleicht nur eine Stunde schlafen und dann die Nacht durchlaufen. So konnte ich testen, wie mein Körper darauf reagiert. Genauso wichtig war die Ernährung. Ich habe ausprobiert, wie viel ich während des Laufens essen kann, wie gut ich Kohlenhydrate aufnehme und wie mein Magen auf bestimmte Lebensmittel reagiert. Dann haben wir Stück für Stück aussortiert: Was funktioniert über Stunden, was funktioniert nicht? An diesen ganzen Ecken haben wir gefeilt – und parallel Woche für Woche das Laufvolumen hochgeschraubt.

Wie genau hast du deine Ernährung für die „Red Bull Cyborg Season 26“ umgestellt?
Ich musste über die gesamte Zeit ungefähr 60.000 Kalorien zu mir nehmen – das ist natürlich eine komplett andere Ernährung als in meinem normalen Alltag. Normalerweise esse ich sehr ausgewogen, viel Obst, Gemüse, auch Fleisch. Aber für so eine Challenge ist das nicht die passende Grundlage. Da geht es eher um schnellen Zucker, leicht verdauliche Kohlenhydrate und hochkalorische Sachen – und davon in großen Mengen. Also Gels, Gummibärchen und solche Dinge. Daran muss sich auch der Magen-Darm-Trakt erst gewöhnen. Der Körper braucht dafür Zeit, teilweise Monate. Deshalb haben wir früh angefangen, das zu testen und von Woche zu Woche zu optimieren.
Es war bei weitem nicht die erste extreme Aufgabe, der du dich gestellt hast. Du bist beispielsweise schon mal die gesamte Länge Japans entlanggelaufen oder aber 3.000 Kilometer von Berlin nach New York. Wie entstehen solche Ideen – und was hat dich diesmal besonders gereizt?
Ich überlege immer: Was kann ich machen, um für mich selbst ein neues Level zu erreichen? Nicht nur als Sportler, sondern auch als Mensch und als Charakter. Es geht mir darum, mich weiterzuentwickeln, neue Grenzerfahrungen zu sammeln und meinen Horizont zu erweitern. Nach …
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