Category : Allgemein

Everest Marathon, foreigner runner

Höhentraining: Das blutige Geheimnis der Höhenläufer

Leistungssportler trainieren regelmäßig in der Höhe. Ist diese Art der Vorbereitung, das Höhentraining, auch etwas für Breitensportler?

Text: Dr. Stefan Graf

Der kommt halt aus Addis Abeba – Schulterzucken eines Geschlagenen, der einmal mehr nur die Hacken des afrikanischen Konkurrenten gesehen hat. Die Stadt in 2.200 bis 3.000 Metern Höhe bietet den „Eingeborenen“ permanentes Höhentraining. In Tibet auf über 4.000 Metern schnappt selbst der fitteste Tourist nach Luft – nicht so die Einheimischen. Zwei Mutationen – die Erythropoese (Bildung der roten Blutkörperchen) beeinflussende genetische Veränderungen – machen den Unterschied und sind der Grund, warum das Blut von Flachländern trotz optimalen Trainings nie die Sauerstoffbindungskapazitäten von „Hochgebirgsblut“ der Höhenläufer erreicht.

Gene machen höhentauglich

Die humane Lebensfähigkeit in unterschiedlichsten Höhen beruht auf der Möglichkeit, den Gehalt der roten Blutkörperchen (Erythrozyten mit sauerstoffbindendem Blutfarbstoff Hämoglobin) in Abhängigkeit vom Luft-Sauerstoff-Gehalt zu regulieren. Unter normalen Sauerstoffbedingungen sorgt die Aktivität verschiedener Gene für ein bedarfsangepasstes Gleichgewicht zwischen Abbau alter (in Milz, Leber, Knochenmark) und Synthese frischer (Knochenmark) Erythrozyten. Ausdauertraining verschiebt dieses Gleichgewicht in Richtung höherem Erythrozytengehalt (Optimierung der Sauerstoffversorgung). In großer Höhe löst der sehr niedrige Luft-Sauerstoffgehalt eine starke Erythrozyten-Vermehrung aus, die das Blut zähflüssiger macht. Dies bedeutet einen erheblichen Mehraufwand für den Herzmuskel, der auf Dauer krankhaft zu erweitern droht. Wie Völker dennoch permanent in großer Höhe leben können, haben chinesische Forscher aufgeklärt.

Die Aktivität eines Gens mit dem Bauplan für ein Hemmprotein verhindert unter normalen Sauerstoffbedingungen eine übermäßige Erythrozytenproduktion. Sauerstoffmangel in großer Höhe aktiviert einen Signalweg, der das Gen und damit die Synthese des Hemmproteins blockiert. Die Folge ist eine ungebremste Erythrozytenvermehrung und Zunahme der Blut-Viskosität. Dem „Tiefländer“ fehlt eine Notbremse, die der „Erythrozytenexplosion“ bei längerem Aufenthalt in großer Höhe Einhalt gebietet. Das dicke Blut verursacht Schwäche, Kopfschmerzen und Herzbeschwerden – Abstieg erforderlich!

Als Anpassung an das seit Jahrtausenden in >4.000 Meter Höhe währende Leben hat die Evolution die Tibeter mit zwei Mutationen in dem Hemm(protein)-Gen ausgestattet. Dieses veränderte Hemm-Gen nennen die Biologen „Sherpa-Gen“. Während beim Normalbürger das Hemmprotein durch niedrigen Sauerstoffgehalt inaktiviert wird und sich so die Erythrozyten ungebremst vermehren, bleibt das vom Sherpa-Gen kodierte Hemmprotein der Gebirgsmenschen aktiv und verhindert die Blutverdickung.

Insgesamt ist das Gleichgewicht zwischen Erythrozytenproduktion und -abbau bei den Gebirgsvölkern zugunsten der Produktion verschoben. So haben sie dauerhaft höhere, aber keine überbordenden, Blut verdickenden Erythrozytenwerte. Das Ergebnis: permanent höhere Sauerstoffbindungskapazität bei herzgesunder Blutviskosität.

Folgen für das Höhentraining

Wer weder „ex statu nascendi“ Sherpa-Gen-Träger noch „afrikanischer Dauer-Höhentrainierer“ ist, kann zur Saisonvorbereitung einen Gebirgsaufenthalt nutzen. Gemäß den neuen Erkenntnissen lautet die erste Vorgabe: Nicht zu hoch! 1.500 bis 2.200 Meter kurbeln die Erythropoese an, ohne das Herz-Kreislauf-System zu gefährden.

Gutes Höhentraining bringt Leistungszuwächse bis zu 5 % (vereinzelt darüber). Nicht nur wegen des Blutverdickungsrisikos sollte nicht bzw. nach dem „Live-low-train-high“-Prinzip nur stundenweise deutlich über 2.500 Meter trainiert werden. Dauerhaft größere Höhen belasten übermäßig und verlängern die Akklimatisationsdauer. Im Profibereich ist Höhentraining Standard – ein „Zuckerschlecken“ wahrlich nicht. Die positiven – wenn auch nur mit dem Sekundenzeiger messbaren – Effekte kommen einige Tage nach der Rückkehr zum Tragen.

Der Sauerstoffgehalt ist in 2.000 Metern Höhe über 20 %, die körperliche Leistungsfähigkeit bis zu 10 % gesunken. Die Sauerstoffbeladung des Blutes in den Lungenbläschen und damit die Versorgung der Muskeln sind vermindert. Die Energie für Ausdauerleistungen wird aber vorwiegend über die ergiebigen aeroben Abbauwege von Fetten und Kohlenhydraten gewonnen. Fette können anaerob gar nicht, Kohlenhydrate nur unvollständig bis zur Milchsäure (Lactat) abgebaut werden, was nur einen Bruchteil (<6 %) an Energie (ATP) liefert und die gefürchteten „sauren Beine“ macht.

Fett liefert mehr als doppelt so viel Energie (9,3 kcal/g) wie Kohlenhydrate (4,1  kcal/g). Wegen der strikten Sauerstoffabhängigkeit leidet der Fettabbau in der Höhe anfangs besonders. Dieser leistungsdefizitäre Zustand wird bei vernünftigem Trainingsaufbau nach wenigen Tagen durch günstige Adaptationen kompensiert.

Epo-Doping – ganz legal

Nach ein bis zwei Tagen führt der Sauerstoffmangel zu einer Reduktion des Blutplasmas (zellfreie Blutflüssigkeit aus >90 % Wasser, ca. 120 Eiweißen, geringen Menge Kohlenhydraten, Fettsäuren, Salzen, Mineralien). Dies entspricht einer Erhöhung der Blutzell- und damit auch der Erythrozytenkonzentration – die Sauerstofftransportkapazität steigt. Bedeutender ist die verstärkte Ausschüttung des Nieren-Hormons Erythropoetin („Epo“), das die Erythrozytensynthese im Knochenmark forciert. Dieses „natürliche Epo-Doping“ – körpereigenes lässt sich von biotechnologischem „Kunst-Epo“ unterscheiden – ermöglich die bessere Ausnutzung des reduzierten Sauerstoffangebotes. Plasmareduktion und gesteigerte Epo-Ausschüttung haben nach der Rückkehr in tiefere Lagen noch eine Zeitlang Bestand. Das überdurchschnittlich sauerstoffaufnahmefähige Höhenblut findet „paradiesische“ Beladungsbedingungen vor und versorgt Muskeln/Organe optimal. Die aeroben Nährstoffabbauprozesse laufen perfekt – die richtige Zeit für Wettkämpfe. Bis zu drei Wochen hält die Höhentrainingswirkung an.

Eisen und viel trinken

Die Erythrozyten binden Sauerstoff über das zweiwertige Häm-Eisen des Hämoglobins. Ausreichende Eisen-Versorgung ist in der Höhe enorm wichtig. Häm-Eisen ist nur in tierischen Lebensmitteln (Fleisch, Fisch) enthalten und deutlich besser resorbierbar (Bioverfügbarkeit 25–35  %) als das dreiwertige Nicht-Häm-Eisen (2–15  %) aus Pflanzen (VK-Getreide, Trockenfrüchte, Spinat). Vitamin C fördert die Resorption. In trockener Höhenluft steigen Transpirationsrate und Perspiratio insensibilis, der unsichtbare Wasserverlust über Schleimhäute, Atmung und Haut  erhöhter Flüssigkeitsbedarf!

Höhentraining im Breitensport?

Kein Sherpa-Gen, nur 5  % Leistungszuwachs – macht Höhentraining im Freizeitsport Sinn? Alltagspflichten und enges Zeitbudget lassen ein optimal terminiertes, mehrwöchiges Höhentraining selten zu. Wer dennoch in die Höhe geht, sollte grobe Fehler vermeiden. Die Sauerstoffsättigung von Sherpa-Gen-Trägern ist von Flachlandathleten unerreichbar. Im Leistungssport kann Höhentraining über Gold und „goldene Ananas“ entscheiden. Im Breitensport ist es kein Muss. Zu einem zweiten Haile Gebrselassie ist noch kein Freizeitjogger in dünner Luft mutiert. Dennoch lasse sich niemand die Freude an seinem „Tirolurlaub“ nehmen. Entspannte Bewegung in klarer Bergluft liefert mehr Kraft und Motivation als gestresstes Höhentraining.

Ausblick

Das neue Wissen um die Genetik von Höhenvölkern ist für die Gentherapie von Blutbildungsstörungen und Entwicklung von Trainingsprogrammen bedeutsam. Vice versa lauern Missbrauchsgefahren in Form eines „Sherpa-Gen-Dopings“, dem gezielten Einfügen von Genvarianten, welche die Sauerstoffbindungseigenschaften des Blutes erhöhen.

Variation of Superfood Chia, Quinoa, Poppy Seed and Nuts

Gemixte Power – lecker und schnell

„Superfood“ ist im Laufumfeld geradezu in Mode gekommen. Aber was steckt wirklich dahinter, und wie kann man die Zutaten am besten selber verarbeiten? aktiv Laufen-Redakteurin Kea ­Müttel ist diesen Fragen auf den Grund gegangen.

Text: Kea Müttel

Chia-Samen, Baobab, Goji-Beeren, die Liste exotisch klingender und natürlicher Nahrungsmittel ist lang. Sie alle haben eines gemeinsam: In der Öffentlichkeit sind sie seit geraumer Zeit auch als „Superfood“ bekannt. Außerdem sind sie der Grund, warum ich an einem schönen Montagvormittag zu Gast bei der Firma Bianco (www.power-trifft-design.de) in Köln bin. Die Firma stellt Mixgeräte her, mit denen sich unter anderem Sportlernahrung wie Gels und Riegel sehr einfach selber herstellen lassen. Ich bin nicht alleine hier, außer mir ist noch der Extremsportler Michele Ufer anwesend, der sich das Ziel gesetzt hat, in Zukunft vermehrt eigene Wettkampf- und Trainingsnahrung herzustellen. Aber wie macht man das am besten, und worauf sollte man achten? Dieser Frage gehen wir gemeinsam auf den Grund. Angeleitet von Bianco-Mitarbeiterin Johanna Bertram zaubern und mixen wir die unterschiedlichsten Zutaten zusammen und müssen feststellen: „Superessen“ ist nicht nur gesund, sondern häufig auch noch super lecker! Was genau an den Zutaten „super“ ist, ist aber nach wie vor umstritten.

Wirkung nicht nachgewiesen

In den vergangenen Jahren ist der Begriff „Superfood“ geradezu in Mode gekommen. So deklariertem Essen werden besonders positive gesundheitliche Wirkungen zugeschrieben. Die verschiedensten Smoothies und Gels werben mit dem Namen. Eine genaue wissenschaftliche Definition gibt es aber nicht. Genauso wenig ist wirklich klar, wie das Essen auf den Menschen tatsächlich wirkt. Denn die meisten Studien sind im Labor oder an Tieren und nicht unter alltäglichen Bedingungen getestet worden. Deshalb rät das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel in diesem Zusammenhang auch, weiterhin auf einen abwechslungsreichen Speiseplan zu achten. Auf diesem dürfen aber gerne auch „Superfoods“ stehen, und gerade für Ausdauersportler und aktive Läufer sind energiereiche Lebensmittel unerlässlich, denn der hohe Kalorienverbrauch beim Laufen muss irgendwie kompensiert werden. Da sind natürlich hergestellte Gels und Riegel mit hoher Kalorienzahl eine schöne Alternative zum Supermarktregal. Ein weiterer Kritikpunkt am Superfood: Die Lebensmittel sind zu teuer. Es gibt allerdings auch zahlreiche regionale und günstige „Superfoods“: Himbeeren, ein Apfel oder einfach ein bisschen Kakaopulver. Auch diese Lebensmittel gelten in einem gewissen Rahmen als gesundheitsfördernd. Allen Läufern, die sich gerne mit Ernährung beschäftigen und ohnehin ein Faible für Backen und Kochen haben, würde ich allerdings raten, die Herstellung von eigenen Energielieferanten einfach einmal auszuprobieren. Ich habe mich beim Mixen schnell in den Geruch von Bananen und Kokos verliebt und festgestellt, dass die selbst hergestellten Energiekugeln neben dem Nutzwert auch noch die gesünderen Süßigkeiten sind – besser geht es ja eigentlich sowieso nicht! Super!

5 K New York MARATHON 2018

Running-City – New York

Text: Ralf Kerkeling

New York erwacht anders als andere Städte auf dieser Welt. So viel steht mal fest. Das viel besungene Brodeln der Stadt, es ist ständig präsent. Immer ist etwas los, ohne das es dabei extrem laut zugeht. Überhaupt ist New York entspannter, als zumindest ich es mir vorgestellt habe. Die Bewohner haben sich perfekt mit ihrer Umwelt arrangiert: Volle Straßen, volle U-Bahnen – jau, dann ist das so. Kein Grund, unfreundlich oder gar hektisch zu werden. Ganz ehrlich, ein Gang über eine Kölner Einkaufsstraße ist nervenaufreibender als ein Bummel entlang der 5th Avenue. Die ersten Eindrücke der Megametropole am Hudsonriver lassen die Synapsen direkt rotieren. Für den Kopf ist es beinah unmöglich, sämtliche Eindrücke sortiert zu verarbeiten. Hier ein Wahnsinnsgebäude, dort ein cooler Freak, ein Flirren allüberall – fast zuviel für ein normal funktionierendes menschliches Gehirn.

 

Auch für mich und große Teile unserer Reisegruppe verläuft die erste Nacht und das erste Erwachen am Big Apple eher ungewöhnlich. Der Jetlag fordert unseren Biorhythmus heraus. Heißt in meinem Fall: jede Stunde aufwachen, umdrehen, wach liegen, schlafen und wieder von vorn das Ganze. Gegen 5 Uhr in der Früh beende ich meinen verzweifelten Versuch, zur Ruhe zu kommen und streife mir die Laufsachen über. Die beste Idee an diesem noch sehr jungen Tag. Als ich Richtung Central Park trabe, ist es noch dunkel – wenn man das in dieser Glitzermetropole so nennen kann. Der Himmel liegt irgendwo versteckt zwischen den Hochhaustürmen Manhattans, Sterne sind nur zu erahnen. Erhellt werden die Straßen überwiegend durch beleuchtete Bürokolosse. Je näher ich dem Central Park komme, desto mehr mehr Gleichgesinnte treffe ich. Pünktlich zu meinen ersten Metern in diesem Mekka für Läuferseelen, geht die Sonne auf! Wir Early Birds werden von einem strahlenden Tag begrüßt. Mit jedem Kilometer nimmt die Schar der Läufer im wundervoll angelegten Park zu. Dies ist sie also, die besondere Stimmung in diesem Park, am Wochenende des größten Marathons der Welt. So treffe ich auf eine Laufgruppe aus Argentinien, die sich mit Läufern aus Italien zusammengeschlossen hat, jeweils zu erkennen an den unterschiedlichen Landesfarben auf ihren Laufshirts. Zahlreiche andere Sprachen gesellen sich innerhalb kürzester Zeit hinzu. Die Masse an Läufern ist beeindruckend. So viele Läufer bei einem entspannten Morningrun – mancher Laufveranstalter in Deutschland wäre froh, nur einen Bruchteil davon als Teilnehmer begrüßen zu dürfen. Ein gemeinsames Einstimmen auf den anstehenden Marathon, ein erster Test auf einer der bekanntesten Zielgeraden des weltweiten Marathonzirkus. Ich treffe auf Florian, besser bekannt als Flooorrriii, einen der bekanntesten Sport- und Fitnessblogger Deutschlands. Auch ihn scheint der Jetlag zu einem frühen Läufchen inspiriert zu haben. Dieser Lauf am Morgen sollte für uns zu einem Ritual der nächsten Tage werden. Kurz und knackig, nicht zuviel, schließlich steht der große Marathontag noch an.

Etwas, das in Erinnerung bleiben wird

Für einen Marathonläufer ist es so: Man will sich einerseits auf einen Marathon freuen, das heißt man will entsprechend ausgeruht an den Start gehen, gleichzeitig kann man sich nicht gänzlich dem Reiz der jeweils bereisten Stadt entziehen. New York und sich ausruhen, das passt nicht zusammen, zumindest nicht für uns Hobbyläufer. Zu reizvoll sind all die Sehenswürdigkeiten. Wir reißen einiges an Touri-Kilometern ab. Meist sind wir zu Fuß unterwegs, nehmen aber auch mal einen der praktischen Hop-on-hop-off-Busse. New York im Crashkurs, wer kann sich dem schon entziehen? Die Tage vergehen wie im Flug, die Stadt steht ganz im Zeichen des Marathons. Der Besuch auf der Messe, das Abholen der Startnummern, der eigentliche Grund für den Besuch rückt näher. Leichte Rennnervosität gepaart mit absoluter Vorfreude machen sich in unserer Gruppe breit. Jeder von uns hat seine persönlichen Laufziele. Für einige ist es der erste Marathon, andere haben Zeitziele. Florian möchte eine ordentliche Zeit laufen, jedoch auch die Stimmung mitnehmen. Eine gute Entscheidung, wie sich im Verlauf des Sonntags zeigen wird. Denn der Lauf durch die Megacity hat es in sich! Eine profilierte Strecke, es geht rauf und runter. Absolut beeindruckend sind die Menschenmassen am Wegesrand. Die positive Stimmung trägt uns durch die Strassen New Yorks. Auf den hügeligen Kilometern durch Brooklyn und Williamsburg erzeugen die Zuschauer eine Tour de France-Atmosphäre, so eng machen sie die Straßen, brüllen die Läufer motivierend weiter. Für mich ist kurz vor Manhattan, nach etwas mehr als der Hälfte der Strecke, Schluss. Die Hüfte macht zu. Florian hat auch zu kämpfen, zieht jedoch durch. Was für jeden von uns bleibt, ist am Ende des Tages die Gewissheit, an etwas Besonderem teilgenommen zu haben. Ein Erlebnis, das uns noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Flo’s Laufschuh

Mit diesem Schuh bestritt Florian
den New York Marathon – 
der 1400V6 ist wie geschaffen für Wettkämpfe. Preis: 120,00 €, www.newbalance.de

ASICS AW16 DynaFlyte Product Shot MW 1

Pflichtequipment für Läufer

Jeder Läufer fängt in der Regel gleich an: einmal vom Laufen angetan, wird auf die bereits vorhandenen Sportschuhe zurückgegriffen. Dabei macht man sich keine großen Gedanken, ob der Laufschuh für einen geeignet ist, man möchte einfach nur loslaufen. So habe auch ich mit dem Laufen begonnen. Nach einigen Läufen wurde mir aber schnell bewusst, dass meine billigen Laufschuhe doch nicht die beste Wahl waren. Ich bekam Schmerzen von meinen alten Schuhen und dachte mir, da muss jetzt etwas Ordentliches her. Daraufhin besuchte ich einen Laufsportladen und ließ mich auf meine erste Laufschuhberatung ein. Zunächst war ich überwältigt von dem enormen Angebot und konnte nicht so recht Unterschiede feststellen. Durch die Beratung wurde mir aber schnell bewusst, dass sich Laufschuhe in vielen Eigenschaften unterscheiden und man sich mit dem falschen Laufschuh viele Probleme einhandeln kann, was ich ja bereits selber erfahren musste. Genauso verhält es sich auch mit dem richtigen Equipment für Läufer.

Nachdem ich nun selber einige Jahre im Laufladen gearbeitet habe und etliche Kilometer hinter mir habe, bin ich in der Lage, Equipment für Läufer besser zu vergleichen und Ratschläge zu geben. Es gibt viele Produkte, die das Laufen einfacher gestalten sollen und oft fragt man sich, ob das wirklich benötigt wird. Ähnlich wie beim Laufschuhkauf gibt es für jeden Artikel, sei es ein Laufshirt oder die Laufhose, wichtige Aspekte, die man beim Kauf beachten sollte. Im Vordergrund sollte dabei immer stehen, dass Sie sich in dem Artikel wohl fühlen. Es gibt wahrscheinlich nichts Schlimmeres als ein störendes Textil, welches einem den Spaß am Laufen nimmt. Gerade neues Equipment sollte ja einen extra Motivationsschub für die nächste Laufeinheit verschaffen.

Halten Sie sich auch stets vor Augen, für welchen Einsatzzweck Sie den Artikel benötigen. Es macht wenig Sinn, mit dem coolsten Trailschuh über den Asphalt in der Stadt zu laufen. Eigenschaften wie die Farbe oder Marke sollten bei der Kaufentscheidung in den Hintergrund rücken. Auch der direkte Vergleich im Fachgeschäft gibt einem viel Unterstützung bei der Auswahl. Moderne Laufsportläden besitzen in der Regel die Möglichkeit, das gewünschte Produkt vor Ort zu testen. Seien Sie auch offen gegenüber dem Personal im Fachgeschäft. Im besten Fall hatte der Verkäufer bereits einige Kunden mit denselben Wünschen oder kann Ihnen aus eigener Erfahrung bei der Auswahl helfen. Nutzen Sie auch die Möglichkeit, sich mit Läufern bei Lauftreffs oder Running Communities über Equipment auszutauschen, was Ihren Horizont bei der Suche erweitert. Gerade beim Herantasten an einen neuen Bereich wie das Trailrunning, ist die Erfahrung von langjährigen Läufern nicht zu unterschätzen.

Angemessene Pflege

Es ist ja bekanntlich noch kein Meister vom Himmel gefallen, also scheuen Sie sich auch nicht davor, mal etwas Neues auszuprobieren. Aktuell bringen immer mehr Marken neue aufregende Produkte auf den Markt, sodass für jeden etwas dabei ist. Eine Frage, welche auch oft in Verbindung mit Equipment gestellt wird: Wie lange benötige ich, um mich an meine neue Ausrüstung zu gewöhnen? Um beim Wettkampf keine bösen Überraschungen zu erleben, sollten Sie Lauftextilien mehrere Male beim Training getragen haben. Greifen Sie beim Wettkampf auf Ihre Lieblingstücke zurück, so bleibt der Fokus auf das Laufen gerichtet. Besonders Ihre Laufuhr sollte Sie am Tag X nicht ausbremsen, daher sollten Sie überprüfen, welche Einstellungen und Anzeige beim Wettkampf optimal für Sie ist.

Um lange Freude an ihrer Ausrüstung zu haben, gehört eine angemessene Pflege dazu. Laufschuhe gehören nicht in die Waschmaschine, da Waschmittel die funktionellen Fasern zerstört und sich geklebte Stellen lösen können. Reinigen Sie die Schuhe unter fließendem Wasser und lassen Sie die Schuhe bei Zimmertemperatur trocknen. Für Lauftextilien empfiehlt sich spezielles Waschmittel, was die Membranfunktion schützt sowie Gerüche neutralisiert. Wasserfeste Laufjacken mit speziellen Materialen sollten nicht nach jedem Lauf in der Waschmaschine landen. Besser ist es, diese auszulüften, sodass die Lebensdauer der Membran erhalten bleibt. Behalten Sie bei allen Ratschlägen jedoch stets im Hinterkopf, dass jeder Läufer anders ist und man auf seine eigenen Bedürfnisse und Erfahrungen vertrauen sollte!

Laufschuh

Der Laufschuh ist und bleibt das wichtigste Equipment. Sie sollten vor allem beachten, dass Sie sich wohl in ihm fühlen und es Spaß macht, den Schuh zu laufen. Probieren Sie vor dem Kauf verschiedene Modelle und vertrauen Sie Ihrem Gefühl. Es muss nicht das teuerste Modell sein – wichtiger ist, dass es der richtige Laufschuh für Ihre Ansprüche ist.

Zweitschuh

Bei mehreren Laufeinheiten in der Woche empfiehlt es sich, einen Zweitschuh anzuschaffen. Dadurch beugt man eintönigen körperlichen Belastungen vor und gibt dem Fuß neue Reize. Ideal dafür eignen sich Minimalschuhe zur Stärkung der Fußmuskulatur, ein dynamischer Laufschuh für schnelle Einheiten oder ein Trailschuh für anspruchsvollere Untergründe.

Laufhose

Die richtige Laufhose sollte wie eine zweite Haut sitzen und genügend Bewegungsfreiheit bieten. Für die warme Jahreszeit eignen sich besonders atmungsaktive Tights, in den kühleren Monaten empfiehlt sich wärmendes sowie wetterfestes Material. Probieren Sie sich durch das Angebot der Hersteller, gerade bei Tights ist die Passform entscheidend.

Laufshirt

Das Angebot an Laufshirts ist riesig. Vor allem sollten Sie beachten, dass das Shirt atmungsaktiv und aus einem angenehm zutragenden Material hergestellt ist. Es sollte Sie beim Laufen nicht einschränken und keine störenden Nähte besitzen, welche am Körper reiben könnten. Reflektoren und Taschen für z.B. Schlüssel sind kleine nützliche Gimmicks.

Laufsocke

Von vielen unterschätzt, denn die falsche Socke kann beim Laufen viel Ärger verursachen. Die Laufsocke sollte atmungsaktiv sein, sodass der Schweiß nach außen abgeben wird. Dies verhindert Reibungen im Schuh und somit wird auch die Blasenbildung am Fuß reduziert. Gerade bei längeren Läufen bringt die Laufsocke viele Pluspunkte beim Komfort.

Laufjacke

Um jeder Wetterlage zu trotzen, ist eine Laufjacke unverzichtbar. Die richtige Jacke sollte Sie trocken halten, aber dennoch atmungsaktiv sein. Achten Sie darauf, dass die Jacke Ihnen eine natürliche Bewegungsfreiheit bietet und reflektierende Elemente für die dunkle Jahreszeit besitzt. Praktische Taschen für Verpflegung sind für lange Läufe optimal.

Laufuhr

Wer gezielt trainieren möchte, für den empfiehlt sich eine Laufuhr. Das Angebot ist groß, daher sollten Sie sich genau überlegen, welche Funktionen Sie für das Laufen benötigen. Es empfiehlt sich, die Uhr im Fachgeschäft näher anzuschauen. So können Sie sich mit dem Funktionsaufbau vertraut machen und auch testen, ob sich die Laufuhr angenehm trägt.

Einlegesohle

Mit der richtigen Einlegesohle kann man seinem Laufschuh einen erheblichen Komfortzuschuss verpassen. Je nach ausgeprägtem Fußgewölbe gibt es passende Sohlen, um Ihren Laufschuh besser auszufüllen. Probieren Sie Sohlen im Fachgeschäft mit Ihren Laufschuhen an, dadurch können Sie direkt vor Ort testen, ob eine Einlegesohle das richtige für Sie ist.

Laufshorts

Laufshorts sollten vor allem atmungsaktiv sein und Taschen für Schlüssel oder Verpflegung bieten. Besonders interessant sind Varianten, welche im inneren eine Tight besitzen, so kann man das angenehme Gefühl einer Tight mit einem lockeren Style kombinieren. Auch im Winter lassen sich die Shorts als wärmende Schicht über die lange Lauftight tragen.

Mütze

Besonders im Winter ist eine Mütze beim Laufen unverzichtbar, da der Körper über den Kopf besonders viel Wärme verliert. Auch Varianten mit Mundschutz bringen einen wärmend durch die Kälte. Gerade im Sommer, wenn der Planet drückt, schützt die richtige Cap vor der Hitze. Achten Sie darauf, dass die Mütze atmungsaktiv ist und angenehm am Kopf sitzt.

Text: Jan Lau (Running Culture)

Mens 5000 Metres - Munich Olympics

DER SCHNELLSTE SCHNÄUZER AMERIKAS

Amerikas größter Star der Mittel- und Langstreckenlaufszene starb vor mehr als vierzig Jahren. Doch Steve Prefontaine ist immer noch ein Idol.

Eine goldene Statue mit Schnäuzer und langen Haaren in Beaverton nahe Portland erinnert an einen Mann, der Mitte der 1970er-Jahre mit 24 Jahren ums Leben kam. Eine weitere große Statue wurde in seinem Heimatort Coos Bay in der Ortsmitte neben dem Besucher-Informations-Center errichtet. Ebenfalls im US-Bundesstaat Oregon, am Rand einer Straße in Eugene, dem Ort, an dem sein Leben durch einen Autounfall abrupt beendet wurde, legen Menschen noch über 40 Jahre nach seinem Tod Blumen ab. Dabei tragen nicht wenige ein T-Shirt mit dem Konterfei des Amerikaners. Derjenige, der kein Shirt trägt, hat sich womöglich einen seiner Sprüche unter die Haut gestochen.

Wer jetzt alle Rockstars der Westküste Amerikas im Kopf durchgeht, die ein zu frühes Ende gefunden haben, ist erst einmal auf der falschen Fährte. Denn singen konnte Steve Prefontaine nicht besonders gut. Zumindest ist darüber nichts bekannt. Doch ein Rockstar war und ist der Mann, den alle „Pre“ nannten, dennoch – ein Rockstar des Sports.

Oder auch anders gesagt, Amerikas größte Lauflegende. Der Mann, der neben den eingangs erwähnten Charakteristika – Schnäuzer und lange, wehende Haare – das gelbe Trikot des Sportteams seiner Universität Oregon trug. Als Mitglied der „Oregon Ducks“ hielt er zum Zeitpunkt seines Todes jeden amerikanischen Rekord zwischen 2.000 und 10.000 Metern sowie zwischen zwei und sechs Meilen. Dazu kamen noch einmal acht College-Rekorde. Jener über drei und sechs Meilen steht immer noch.

KAMPF FÜR GERECHTIGKEIT

Doch nicht nur sportlich, auch menschlich war er eine herausragende Persönlichkeit, betonen die „Oregon Ducks“ in ihrer digitalen Hall of Fame im Internet. Schließlich habe er sich immer gegen Ungerechtigkeit ausgesprochen, besonders wenn es um die Behandlung der Amateur-Athleten durch Offizielle der amerikanischen Leichtathletik ging. Zudem gründete er am Oregon State-Gefängnis mit mehreren Insassen einen Laufclub.

Mit seiner aggressiven Laufhaltung und dem unbedingten Siegeswillen trug er in seiner Heimat Anfang der 1970er-Jahre zu einem Lauf-Boom bei. Im Jahr 1972 erschien er auch auf Fernsehern in Wohnzimmern von Menschen, die sich vielleicht noch nicht eingehend mit der amerikanischen Läuferszene beschäftigt hatten. Es standen die Olympischen Spiele in München an, und der Athlet aus Oregon ging über 5.000 Meter an den Start. Mit 21 Jahren war er mindestens zwei Jahre jünger als alle anderen im Rennen und ging es dennoch forscher an als sie alle. Erst 600 Meter vor dem Ziel musste er die Führung abgeben und wurde Vierter (13:28,25 Minuten) hinter Goldmedaillensieger Lasse Virén aus Finnland (13:26,42 Minuten), dem Tunesier Mohamed Gammoudi und dem Briten Ian Stewart, der Prefontaine wenige Meter vorm Ziel einholte. Auf den Rängen saßen die Eltern Ray und Elfriede Prefontaine. Wie der Vorname der Mutter schon erahnen lässt, ist die Teilnahme an den Spielen in München nicht Prefontaines einzige Verbindung zu Deutschland. Vater Ray lernte seine deutsche Frau in seiner Zeit als US-Soldat in Deutschland kennen.

Nach der hervorragenden Olympia-Premiere des jungen Sportlers war dann eine Medaille in Montreal 1976 das große Ziel. Auf dem Weg dorthin unterzeichnete er 1974 als erster Athlet einen Vertrag über 5.000 Dollar mit einer kleinen aufstrebendem Sportschuh-Firma aus „Pres“ Heimat Oregon, die den Namen Nike trug … Diese Verbindung erklärt auch die eingangs erwähnte Statue. Denn es mag zwar auch interessant sein, dass die Stadt Beaverton ihren Namen einst aufgrund der vielen von Bibern gebauten Dämme erhielt. Doch bekannter ist Beaverton mittlerweile als Hauptsitz der Firma Nike.

TRAGISCHER TOD

Der 30. Mai 1975 war dann zunächst wie gewohnt ein erfolgreicher Tag im Leben Prefontaines. In seinem Heimstadion Hayward Field gewann er über 5.000 Meter. Ein paar Stunden danach stieg er in seinen MGB-Sportwagen und fuhr unweit des Stadions gegen eine Steinwand. Seit diesem tragischen Tod finden Ende Mai im Hayward Field jährlich die „Prefontaine Classic“ statt. Und wer sich in Eugene in den Alton Baker Park begibt, findet dort natürlich noch den „Steve Prefontaine Memorial Jogging Trail“ – ein 4,07 Meilen langer „Running and Walking Trail“, eine Holzhackschnitzelbahn mitten im Wald. Mit dieser erfüllte sich „Pres“ Vorstellung von einer Art Trail, wie er sie so ähnlich durch Besuche in den Wäldern Skandinaviens kannte. Er hatte gehofft, dank solch eines Trails besser trainieren zu können und auch andere Menschen zum Laufen zu animieren und so etwas für ihre Gesundheit zu tun. Nach seinem Tod begannen noch im Herbst des Jahres 1975 die Arbeiten an „seinem“ Trail – zu Ehren des Rekordmanns. Für den Rockstar der Laufszene sicherlich ein noch passenderer Tribut als jede noch so große Statue.

Text: Kerstin Börß

Laufen im Winter

THERMOtivation

Wenn die Temperaturen auf dem Thermometer sinken, fehlt parallel dazu bei vielen Läufern auch die Motivation für eine große Runde. Doch das muss nicht sein, wenn man die folgenden Tipps befolgt.

Kennen Sie die alte Läuferweisheit „Wer vor dem Start nicht friert, der verliert“? Klar, hinter jedem Sprichwort und hinter jedem Witz verbirgt sich bekanntlich auch immer ein Funken Wahrheit. Ich möchte mir dennoch erlauben den Spruch um einen wichtigen Zusatz zu erweitern: Wer nach dem Start immer noch friert, der verliert erst recht. Die ausgemachten Frostbeulen unter uns wissen, dass es nichts, aber auch wirklich gar nichts Schlimmeres gibt, als vor, während und nach dem Laufen zu frieren. Viele schwitzen sich im Sommer lieber die Seele aus dem Leib, als dass sie im Herbst und Winter auch nur ansatzweise mit den Zähnen klappern müssen.

Besser frieren kann man nicht lernen

Nun könnte man ja vermuten, dass der Körper sich im Laufe der kalten Jahreszeiten an die nied­rigen Temperaturen gewöhnt. Das stimmt aber nur halb. Zwar kann sich der Körper grundsätzlich auf große Tem­peraturschwankungen einstellen, beispielsweise durch regelmäßigen Sport oder Saunabesuche. Die schlechte Nachricht lautet aber: Kalt bleibt kalt, da hilft alles nichts, und besser zu frieren kann man nicht lernen. Das alles ist aber absolut kein Grund, im Winter nicht an der frischen Luft zu laufen. Schönwetterläufer, die nur bei Top-Bedin­gungen und T-Shirt-Temperaturen vor die Haustür treten, die haben es in unseren Breitengraden schließlich für die meiste Zeit im Jahr schwer. Aber fragen Sie mal einen Nordeuropäer, der im Winter zusätzlich zur Eiseskälte auch noch mit sehr wenig Tageslicht auskommen muss. Oder schauen Sie in die östlicheren Regionen, wo die Winter in der Regel ebenfalls deutlich rauer ausfallen. Im Vergleich dazu hat Deutschland ein doch eher mildes Klima, das es uns gestattet, das ganze Jahr über zu trai­nieren.

Laufen bei Kälte

Für alle Läufer gilt der Grundsatz: Es gibt immer einen gang- bzw. laufbaren Weg, man muss sich nur richtig vorbereiten. Auf die richtige Kleidung kommt es an. Läuft man im Sommer sprichwörtlich noch „kurz kurz“, steht im Herbst „kurz lang“ und im Winter „lang lang“ auf der Kleiderordnung. Wem es bei Gedanken an taub gefrorene Finger eiskalt den Rücken runterfährt, der sollte unsere Tipps zum Laufen im Winter also stets beher­zigen.

1. AUFWÄRMEN

Ein kleines Warm-up ist vor jeder Laufeinheit ratsam. Besonders im Winter ist es unbedingt zu empfehlen. Und damit man nicht länger als nötig an der kalten Luft sein muss, kann man das Aufwärmen einfach ins warme Wohnzimmer verlegen. Ist der Kreislauf dann erst einmal in Schwung gekommen, heißt es: Raus vor die Tür!

2. TRINKEN

Zwar schwitzen Läufer bei niedrigeren Temperaturen nicht so viel wie bei sommerlicher Hitze, aber der Körper braucht dennoch ausreichend Flüssig­keit. Die Faustregel lautet: Man sollte ähnliche Mengen trinken wie bei war­men Temperaturen.

3. STRECKE

Die Laufstrecke sollte nach Mög­lichkeit den Wetterbedingungen angepasst werden. Sind die Stra­ßen vereist? Ist der Waldweg eine riesige Matschgrube? Bei der Lagebeurteilung helfen natürlich die eigene Erfahrung und die Orts­kenntnis. Im Zweifelsfall lohnt es sich aber, auch befreundete Läufer nach Streckentipps zu fragen.

Nehmen Sie ruhig etwas Geld in die Hand, und investieren Sie in ein gutes Winteroutfit (Ideen bekommen Sie auf S. 54 – 61). Ist Ihnen trotzdem noch kalt? Dann ziehen Sie eben noch eine Schicht an. Wussten Sie, dass beim Antarctic Ice Marathon Temperaturen bis zu minus 25 Grad herrschen? Sie sehen, es gibt wirklich keine Ausreden mehr. Tipp: Es sind normalerweise die Gliedmaßen, die am schnellsten auskühlen.

5. SONNENSCHUTZ

Sonnenbrand gibt es nur im Sommer? Das stimmt so nicht. Die UV-Strahlen sind genauso stark wie im Sommer. Und da unsere Haut in den kalten Monaten blasser als sonst ist, ist sie besonders anfällig für einen Wintersonnenbrand. Da die kalte Luft die Haut kühl hält, spürt man diesen oft kaum. Deshalb: Bei starkem Sonnen­schein vorher eincremen.

6. NACH DEM LAUF

Nach dem Laufen gelten die drei As: Nasse Klamotten ausziehen, mit einer heißen Dusche oder Badewanne auf­wärmen und bestenfalls mit einem leckeren warmen Tee ausspannen.

„Die Kälte kann wahrlich brennen
Wie Feuer. Die Menschenkinder
Im Schneegestöber rennen
Und laufen immer geschwinder.“

Heinrich Heine

 

42km_copyright Fabian Bodet-11

Weißer Riese

Der Marathon du Mont Blanc zählt zu den großen Klassikern in der Laufszene. Wer davon träumt, mit den großen Trailläufern dieses Planeten gemeinsam an der Startlinie zu stehen und anspruchsvolle Trails in beeindruckender Landschaft zu erleben, der ist in Chamonix genau an der richtigen Stelle.

Kilian Jornet ist ein absoluter Superstar. Zwar ist er, zumindest im herkömmlichen Sinne, nicht mit einem Popstar zu vergleichen. Aber was sich am Wochenende des Marathon du Mont Blanc in der altehrwürdigen, malerisch in den französischen Alpen gelegenen Stadt Chamonix, rund um den Doppel-Everest-Bezwinger und Trailläufer abspielt, ist eigentlich nicht mit Worten zu beschreiben. Es zu erleben jedoch absolut beeindruckend. Doch der Reihe nach.

Chillen mit den Trail-Stars

Ich treffe Kilian am Abend vor dem Start des Marathons in einem der Häuser in Chamonix, in denen viele der Athleten untergebracht sind. Die Atmosphäre hat etwas Familiäres, es wirkt wie eine Sportler-WG. In einem kleinen Garten sitzen oder liegen die Läufer und besprechen mit ihren Betreuern und Ausrüstern Details und Taktiken des am nächsten Morgen anstehenden Rennens. In einer Ecke des Gartens stehen zwei Zelte. Wieder andere Athleten und Hausbewohner kochen gemeinsam in der Küche. Auf insgesamt drei Häuser verteilen sich die Mitglieder des Salomon-Teams. Häuser ohne viel Schnickschnack, spartanisch, aber gemütlich eingerichtet – eine vom Ausrüster bewusst gewählte Unterbringung: raus aus der Stadt, die Stars der Trailszene ein wenig abschotten, Teamspirit fördern. Die Gespräche zwischen den einzelnen Athleten werden immer wieder von einem Lachen unterbrochen. Die Stimmung ist fokussiert, jedoch entspannt, fast schon locker. Nach dem Abendessen findet das Briefing für das Rennen statt. Ich darf teilnehmen, setze mich an den langen Esstisch und lausche gespannt den Ausführungen.

Beim Rausgehen erhasche ich noch einen Blick auf ein paar Bergstiefel. „Mit diesen Stiefeln war Kilian gestern noch auf dem Mont Blanc und davor auf dem Mount Everest“, erklärt mir einer der Hausbewohner, als er meinen Blick auf die mit einer gelben Hülle geschützten Stiefel bemerkt. „Wie cool ist das denn?“, denke ich mir insgeheim und grinse. Das ist dann wohl mal eine spezielle Form des Taperns, beziehungsweise Anschwitzens, vor einem der strapaziösesten Marathonläufe im Wettkampfzirkus: mal eben auf den höchsten Berg Europas. Gut, die Form scheint bei Herrn Jornet jedenfalls zu stimmen. Dass diese Stiefel auch auf dem höchsten Punkt der Erde unterwegs waren, darüber sinniere ich auf dem Weg zurück in meine Unterkunft.

FASZINIERENDE BERGWELT

Der nächste Morgen bringt das ersehnte gute Wetter. Ganz im Gegensatz zum letzten Jahr, als es wie aus Eimern goss. Wie bei jedem Marathon gilt auch in Chamonix: Der frühe Vogel läuft die Rennen. Ich bin mit einer Gruppe Journalisten verabredet. Wir werden den Marathon vom Start in Chamonix durch das wunderschöne Tal in Richtung Vallorcine begleiten, zwischendurch an ein, zwei Wegpunkten auf das Feld warten und so einen Überblick über die Rennsituation erlangen. Dann den Weg zurück Richtung Ziel in Planpraz antreten bzw. fahren, denn wir sind mit einem Minibus unterwegs.

Auf meinem Weg Richtung Abfahrtspunkt treffe ich auf viele sich warm machende Läufer. Eine leichte Nervosität hat sich seit gestern Abend über die kleine Stadt unterhalb des erhabenen Mont Blancs gelegt. Diese Anspannung, die die meisten Läufer vor einem Rennen heimsucht, eine Mischung aus Vorfreude und Ungewissheit, hat sich an diesem Rennwochenende von Freitag bis zu diesem Sonntagmorgen durchgezogen. Verschiedene Rennen verteilten sich über die letzten drei Tage. So erlebte ich bei meiner Anreise freitags ein beeindruckendes Vertical Race. 1.000 Höhenmeter auf 3,8 Kilometer Streckenlänge, ein Lauf gegen die Uhr, der oder die Schnellste siegt. Trotz all der Anstrengung ist es ein Spaß für Aktive und Zuschauer. Die Belohnung: ein kaltes Getränk und die sagenhafte Aussicht von Planpraz auf den Mont Blanc und die umliegenden Berge – einfach atemberaubend schön. Eine Kollegin und ich fangen an darüber zu philosophieren, ob es nun schöner ist, in den Bergen oder am Meer zu leben. Wir kommen beide zu dem Schluss: In so einer Umgebung hast du alles, um glücklich zu sein, und brauchst auch kein Meer.

EINE STADT IM LAUFFIEBER

Weitere Rennen runden das Wochenende in den französischen Bergen ab. So sind in diesem Jahr die 23 Kilometer wieder in den Kalender aufgenommen worden. Die 23 Kilometer, mit denen 1979 alles begann, bis 2003 die Marathondistanz hinzukam. Des Weiteren dürfen sich die Trailäufer als Duo-étoilé im Teamlauf versuchen oder gleich aufs Ganze gehen und die 80 Kilometer erlaufen. In und um Chamonix ist also viel los an diesen Tagen, die ganze Stadt ist im Lauffieber. Bis spät in die Nacht werden beispielsweise am Samstagabend Läufer der 80-Kilometer-Distanz mit stehenden Ovationen begrüßt. Menschen, die an einem angenehm warmen Abend durch Chamonix flanieren, bleiben stehen, klatschen, feuern an, beim Essen Sitzende stehen auf und tun es ihnen gleich. Magisch sind diese Momente für alle, die den Laufsport lieben, ob laufend oder schreibend, einfach sensationell.

COMEBACK GELUNGEN

Zurück zum Sonntagmorgen. Meine Kollegen und ich machen uns auf den Weg zum Bus. Wir werden uns vor dem Start des Marathons aus Chamonix hinaus bewegen müssen, da wir sonst im Stau der begleitenden Fanfahrzeuge stecken bleiben könnten, das erklärt mir ein Kollege. Kurz vor Erreichen des Fahrzeuges läuft Kilian an uns vorbei. Er ist auf dem Weg zur Startaufstellung. Begleitet wird der Topstar schon frühmorgens von zahlreichen Menschen, entweder durch Applaus oder gar nebenher laufend. „Für Kilian ist es teilweise nicht so einfach, sich in der Öffentlichkeit von Chamonix zu bewegen. Im letzten Jahr haben sich so viele Menschen nach seinem Sieg um Kilian gedrängt, dass wir ihn nur mit Mühe aus der Masse herausziehen konnten. Einmal befreit, sind wir dann im Spurt Richtung Auto und dann raus“, erklärt mir Jordi, ein Mitarbeiter von Kilians Management Lymbus. Bei uns in Deutschland gibt es keinen solchen Superstar des Laufsports, der sich mit Kilian Jornet vergleichen ließe.

Mit diesen Geschichten im Kopf fahren wir im Auto los und erleben einen Marathon, der viele Menschen entlang der gesamten Strecke in seinen Bann zieht. Ein Tour-de-France-Feeling an den Berghängen, wo Menschen, dicht an den Singletrails stehend, die Läufer frenetisch unterstützen. Kilian Jornet feiert am Ende ein erfolgreiches Comeback und siegt – nach überstandenem Beinbruch – mit einer Zeit knapp unter vier Stunden beim zweiten Rennen der Golden Trail Series. Chapeau!

Text: Ralf Kerkeling

 

Man running over a bridge

Faster durch Fasten?

Es gibt viele Mythen zum Thema Fasten. Fatboysrun Podcaster Philipp Jordan hat schon oft gefastet und berichtet, wie Fasten und Laufen miteinander harmonieren können.

Fasten ist hip. In Blogs und Lifestylezeitschriften findet sich so ziemlich jede Weisheit zu dem Thema, die man sich so aus den Fingern saugen kann. Wenn man alles für bare Münze nehmen würde, macht fasten nicht nur schlank, sondern auch jünger, schöner, glücklicher, giftfreier und führt zu einer Art geistiger und spirituellerAusgeglichenheit. Es gibt inzwischen auch fast so viele Fastenmethoden wie es Blogs gibt. Vom Wasserfasten bis zum intermittierenden Fasten gibt es massig Spielarten des Nicht-Essens. Da ich aber weder Arzt noch Wissenschaftler bin, möchte ich hier in erster Linie von meinen über zwanzig Jahren Erfahrung mit dem Fasten und meinen Beweggründen sprechen. Jedes Jahr passiert es mir wieder. Manchmal mehr und manchmal weniger. Ich nehme über den Winter zu. Dieses Jahr war es ganz schlimm, da ich Krankheits- und Verletzungsbedingt sehr lange nicht laufen konnte, leider aber nicht auch gleichzeitig verlernt hatte, wie man isst. Und so ist der Anblick im Spiegel, gerade wenn man sich selbst als passionierten Läufer bezeichnet unerträglich. Es sind halt auch alles Kilos, die meine Waden zusätzlich über Wald und Wiesen schleppen müssen. Und da ich Mitleid mit meinen Waden (und dem Fettsack da im Spiegelbild) habe, wird dann meist irgendwann im Frühjahr gefastet.

Fasten heisst nicht Hungern!

Eine der schönsten Fastenweisheiten. Denn fast jeder, der noch nie gefastet hat, kann sich kaum vorstellen, wie man auch nur einen Tag ohne Essen überstehen soll. Aber im Gegensatz zu manch einer Diät, hat das Fasten etwas angenehmes und seltsam befreiendes. Dieses Leeregefühl, was sich normalerweise nachmittags einstellt, wenn man mal das Mittagessen ausgelassen hat, dieses Schwächegefühl, bei dem man glaubt man kippt beinahe um, wenn man nicht sofort etwas isst, erlebt man beim Fasten eigentlich nie. Aller Anfang ist schwer Zumindest wenn ich faste. Vor dem eigentlichen Nicht-essen kommt nämlich der sogenannte Entlastungstag. An diesem Tag wird der Magen langsam entlastet und das geht am besten mit ein wenig Rohkost, Obst und Nüssen. Ich muss ehrlich zugeben, dass mir die überschaubare Menge da oft Probleme bereitet und ich diesen Tag fast als den schlimmsten Tag empfinde. Aber wenn das geschafft ist, kommt ja der erste richtige Fastentag. Morgens löse ich mir dann Glaubersalz in heissem Wasser auf (Pro-Tipp: ein Spritzer Zitrone macht diesen kulinarischen Genuss wesentlich erträglicher). Das Glaubersalz entzieht dem Körper Wasser und entleert unseren Verdauungstrakt fast komplett. Leider darf und will ich hier nicht weiter auf dieses Prozedere eingehen, obwohl man da sicher ganz tief in die poetische Schatzkiste greifen könnte. Ein Wort der Warnung: an diesem Tag idealerweise keine zu langen Spaziergänge einplanen oder zumindest ständig ein Dixieklo mit sich führen (haben aber die wenigsten). Ich faste nach der Buchingermethode, was bedeutet, dass ich mich überwiegend von Gemüsebrühen und Säften ernähre. Deshalb darf ich auch schon am mittag des ersten Tages meine Gemüsebrühe geniessen. Wichtig: es handelt sich hier wirklich nur um die Brühe, die man mit frischem Gemüse kocht- ganz ohne Stückchen. Abends gibt es dann noch ein Glas frisch gepressten Saft und ein wenig Brühe. Da ich viel Sport trieb, bekam ich in einer Fastenklinik zusätzlich täglich noch ein Glas Buttermilch und ein Glas frisch gepressten Karottensaft. Diese beiden Extras habe ichauch deheim beim fasten beibehalten. Karottensaft aus der Flasche ist eines der ekelhaftesten Getränke auf diesem unserem Erdball. Frisch gepresster Karottensaft (mit einem Tropfen Öl!) ist hingegen eines der edelsten und schmackhaftesten Getränke überhaupt. Viele empfinden den ersten Fastentag als ermüdend und einige haben leichte Kopfschmerzen. Das ist völlig normal und verschwindet schnell wieder.

Fasten und Laufen … geht das?

Und ob das geht. Der Körper ist in der Fastenzeit zwar schnell im hohen Pulsbereich, aber grundsätzlich sollte man sogar Sport treiben oder sich zumindest körperlich betätigen, wenn man fastet. Man will ja, dass sich der Körper an den Fettreserven bedient und nicht am wertvollen Muskelfleisch. Ich versuche wenn ich faste, jeden Tag zu laufen. Man darf keine Bestzeiten und Umfangsrekorde erwarten, aber eine 10 Kilometer-runde in sehr gemütlichem Tempo ist für den geübten Läufer kein Problem. Trotz einiger Versuche ist es mir nie gelungen diese Marke deutlich zu überschreiten. Auch gibt es Tage, an denen man auf einmal bei Kilometer fünf merkt, dass man eine Gehpause braucht. Unbedingt immer auf den Körper hören und nichts forcieren! Nach dem Fasten ist man wieder ganz der alte, eher sogar schneller und mit Sicherheit leichter. Da war doch noch was… Da der Körper im Fett auch viele Giftstoffe ablagert und die beim Fasten über die Leber in den Verdauungstrakt abgegeben werden, wir aber diese Gifte nicht wie gewöhnlich über den Darm ausscheiden können, müssen wir da ein wenig nachhelfen, um uns nicht selbst von innen zu vergiften. Der Einlauf! Meist ist dies der Punkt an dem ein sehr grosser Teil (vor allem der Männer) sagt: okay, ich bin raus. Nun liegt es mir fern hier Werbung für das Darmspülen zu machen, aber es sei mir erlaubt zu sagen, dass es wesentlich harmloser und angenehmer ist, als man es sich vielleicht vorstellt. Ein bis zwei mal pro Fastenwoche sollte das schon auf dem Programm stehen.

Gelüste, Tiefs und Hochs

Jede Fastenkur ist anders, aber es gibt doch ein paar Dinge, die mir im Lauf der Jahre aufgefallen sind. Dass man kein echtes Hungergefühl bekommt, hatte ich ja bereits vorher etabliert. Da man aber ständig von Essen und Essenden umgeben ist, lässt es sich nicht vermeiden, dass man anfängt, vom Essen zu schwärmen und zu träumen. In einer fast schon masochistischen Art und Weise ertappte ich mich schon oft dabei, wie ich stundenlang Youtubefilme von Kochshows konsumierte. Meist gibt es auch dieses eine Gericht, das jemand isst, wo man hoch und heilig schwört, sich das nach dem Fasten selbst zu gönnen. Zudem ist mir aufgefallen, dass es um den zehnten Fastentag besonders schwierig wird, den inneren Schweinehund zu besiegen. Nach einer Woche sind auch die morgendlichen Besuche auf der Waage nicht mehr so unglaublich erfeulich wie noch am Anfang. Ich verliere in der ersten Woche meist jeden Tag zwischen einem halben Kilo und einem Kilo. Nach einer Woche sind es dann meist nur 200-500 Gramm pro Tag.

Das Fastenbrechen

Irgendwann kommt der Tag, an dem man keinen Bock mehr hat. Doch wer denkt, sich jetzt beim nächsten Burgerladen den Bauch vollschlagen zu dürfen, der lebt gefährlich. Der Körper muss langsam wieder an Nahrung gewöhnt werden. Das erste was man zu essen bekommt ist ein mittelgrosser Apfel. Am Abend gibt es dann eine Suppe mit Gemüse und so geht es dann langsam weiter richtung Und Warum? Nur für den Kick für den Augenblick? Ich faste in erster Linie um meinen Körper leichter und ansehnlicher zu machen. Aber das ist nur einer von vielen Nebeneffekten des Fastens. Trotz des täglichen Glases Saft entwöhne ich in der Zeit nämlich auch meinen Körper von seiner Zuckersucht. Meine Geschmackspupillen sind wieder supersensibel und ich weiss gesunde Vollwertkost wieder zu schätzen. Ich kann zwischen Hungergefühl und Gelüsten unterscheiden und mir fällt es leichter zu verzichten. Ich esse wieder langsamer und bewusster. Ich trinke wieder gerne und leidenschaftlich Wasser. Das wichtigste aber: ich bin danach meist ein besserer Läufer. Da ich in zwei Wochen oft 10 Kilogramm verliere, läuft es sich wesentlich leichter. Das sind immerhin 40 Pakete Butter, die ich nicht mehr mit mir rumschleppen muss. Pakete Butter sollte man sowieso zum Errechnen verlorenen Gewichts als Standart einführen. Oft behaupten Leute man würde durch das Fasten deutlich an Muskelmasse einbüssen. Das konnte ich bei mir so nie beobachten. Meine Marathonbestzeit bin ich zwei Wochen nach einer drei Wochen andauernden Fastenkur gelaufen. Und obwohl ich meine langen langsamen Läufe in der Fastenzeit pausieren musste, hatte ich auch bezüglich langer Umfänge nie Formeinbussen durchs fasten. Dieser Artikel soll Lust aufs Fasten machen. Wer jetzt gleich loslegen will, sollte sich Fachliteratur besorgen oder einen Fachmann aufsuchen. Oder man geht wie ich beim ersten fasten in eine Fastenklinik wie zum Beispiel die Buchinger Klinik am Bodensee. Da wird man ständig von Ärzten durchgecheckt und der Fastenvorgang überwacht. Frohes Fasten!

Buchempfehlung: “Wie neugeboren durch Fasten” von Hellmut Lützner ISBN: 9783833834103

Text: Philipp Jordan (fatboysrun.de)

 

Resting at Murray Hut 4530m

Bottom Up: Vom tiefsten Punkt Chiles auf den höchsten Vulkan der Welt

Ultratrailläuferin und Abenteurerin beendet die vierte Etappe ihres Projekts „Bottom Up Seven Volcanic Summits“ erfolgreich. Sie will die jeweils höchsten Vulkane aller sieben Kontinente bezwingen- by fair means: alles aus eigener Muskelkraft!

St. Moritz, 8.1.19 – Die Extremsportlerin Anne-Marie Flammersfeld hat die vierte Etappe ihres neuen Ausdauersport-Projekts „Bottom Up Seven Volcanic Summits“ erfolgreich abgeschlossen und mit dem Ojos del Salados in Chile den mittlerweile vierten von sieben Vulkanen bezwungen. Dabei ist sie vom tiefsten Punkt Chiles in Bahia Inglesa am Pazifischen Ozean auf Meereshöhe gestartet und hat den Gipfel des Ojos del Salados mit einer Höhe 6893 Metern innerhalb von zehn Tagen erreicht. 

Den ersten Teil der insgesamt 330km langen Strecke hat sie bei bis zu 40 Grad mit dem Mountainbike über staubige Straßen durch die Atacamawüste zurückgelegt. Die folgenden Tage wurden dazu genutzt, sich für die gewaltige Höhe des höchsten Vulkans des Welt zu akklimatisieren. Dazu unternahm Flammersfeld immer wieder kleinere Wanderungen auf höher gelegene Gipfel (rund 6100 Meter hoch), um dann auf eine Höhe von 4520 Meter auf die Murray-Hütte zurückzukehren. Begleitet wurde sie von ihren Teammitgliedern Giuseppe Milanesi und Alessio Piccioli, die im Vorfeld den größten Teil der Strecke per GPS planten.

Anne-Marie Flammersfeld: „Besonders die Strecke per Mountainbike war aufgrund der hohen Temperaturen und der sandigen Wüstenstraßen sehr anspruchsvoll. Die größte Herausforderung war allerdings die Höhenanpassung. Da wir nicht unendlich Zeit hatten, mussten wir im Vorfeld in heimischen Gefilden schon Anpassungstouren unternehmen. Ich habe mich zudem mit einem Höhentrainingszelt in der Wohnung bis auf eine Höhe von 4500 Metern anpassen können. Im Nachhinein kann ich sagen, dass das wirklich gut funktioniert hat!“

Der Aufstieg 

zum Gipfel ist mit 3,5 Kilometern und 1100 Höhenmetern nicht besonders lang. Wenn man aber bedenkt, dass der Start auf einer Höhe von 5832 Metern erfolgt, dann muss das Tempo dementsprechend angepasst werden. Flammersfeld und Milanesi erreichten den Gipfel des Ojos del Salados nach 6 Stunden 30 Minuten. Piccoli litt an einem akuten Grippevirus und konnte nicht auf den Gipfel steigen.

Aufgrund der extremen Höhe und des sandigen Geländes entschied sich das Team jedoch eine Teilstrecke von 20 Kilometern mit dem Auto zu bewältigen.

Bottom Up Seven Volcanic Summits

Im Rahmen des Extremsportprojekts „Bottom Up Seven Volcanic Summits“ wird Anne-Marie die jeweils höchsten Vulkane aller sieben Kontinente bezwingen. Startpunkt ist der tiefste Punkt des jeweiligen Landes. Dabei verzichtet sie auf motorisierte Hilfsmittel und verlässt sich ausschließlich auf ihre Muskelkraft. Die Strecken werden laufend, wandernd, radfahrend oder auch auf Skiern zurückgelegt.                                                                                  Anne-Marie trägt während der Touren einen GPS-Responder, der ihren aktuellen Standort übermittelt. Auf der Internetseite www.bottomupclimbs.org kann man nachvollziehen, wo sie sich gerade aufhält.

 Das Projekt umfasst in den kommenden Jahren folgende weitere Vulkane:

  • Europa: Mount Elbrus (5642m) in Russland
  • Antarktis: Mount Sidley (4181m)
  • Ozeanien: Mount Giluwe (4367m) in Papua Neuguinea

Bereits im Jahr 2014 konnte Anne-Marie samt Team den Mount Damavand im Iran im Bottom Up Climbs Stil besteigen. Im Jahr 2015 folgte der Kilimandscharo, der höchste Vulkan und Berg Afrikas mit einer Höhe von 5892 Metern. Dort stellte Flammersfeld auch einen neuen weiblichen Speedrun-Weltrekord auf und erreichte den Gipfel in 8 Stunden 32 Minuten. Im Jahr 2016 ging es auf den höchsten Vulkan Nordamerikas, den Pico de Orizaba. Dieser Vulkan ist 5636 Meter hoch und wurde vom Team im letzten Abschnitt mit den Tourenski bezwungen.

Wie mit all ihren Rennen unterstützt Anne-Marie auch mit dem Seven Volcanics Bottom Up-Projekt die Paulchen Esperanza Stiftung, für die sie als Botschafterin tätig ist. Die Stiftung setzt sich insbesondere für die Belange benachteiligter Kinder in Entwicklungs- und Schwellenländern ein. 

Über Anne-Marie Flammersfeld

Anne-Marie Flammersfeld ist Diplom-Sportwissenschaftlerin und Ultratrailläuferin. Im Jahr 2012 gewann sie als erste Frau weltweit die „4 Deserts Series“ von Racing the Planet. Dabei legte sie in einem Jahr jeweils 250 Wüstenkilometer in 

der trockensten, der windigsten, der heißesten und der kältesten Wüste der Welt zurück. Im April 2014 siegte sie mit 4:52:45 Stunden beim UVU Nordpolmarathon und stellte damit einen neuen Streckenrekord auf. Im Juni 2014 wurde sie Erste beim anspruchsvollen Zugspitz Ultra Trail, bei dem sie in 13:53:21 Stunden die Distanz von 100 Kilometern und 5400 Höhenmetern im Aufstieg zurücklegte. In den folgenden Jahren erzielte sie beim Transatlas Marathon, Trans Alpine Run oder beim Dolomiti Extreme Run Top 3 Resultate. Seit 2015 ist sie Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft Ultratrail und belegte mit dem Team im Jahr 2015 den 4. Platz. Das Andorra Ultra Race im Juli 2018 gewann sie ebenfalls und konnte den alten Streckenrekord um 30 Minuten verbessern.

Mehr über die deutsche Ausdauersportlerin, die im Schweizer St. Moritz das Personaltrainingunternehmen all mountain fitness betreibt, erfahren Sie unter http://annemarieflammersfeld.blogspot.de/  oder www.allmountainfitness.ch .

 Kontakt

Anne-Marie Flammersfeld, +41 79 433 67 02, anne-marie@allmountainfitness.ch

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Ein Schuh für alle Fälle

Trailschuhe sind dann gefragt, wenn Straßenschuhe an ihre Grenzen stoßen: Im Gelände, wenn die Natur die Bodenbeschaffenheit vorgibt. Eine Frage, die sich dabei besonders Neulinge stellen – was unterscheidet eigentlich einen Trail- von einem Straßenschuh?

Augen und Ohren auf. Trailschuhe sehen nicht nur anders aus, sie klingen sogar anders. Wer mit einem Trailschuh über Asphalt läuft, hört es – klack, klack, klack – die Hartgumminoppen des Profils erklingen, erinnern entfernt an einen Fußballer, der durch die Katakomben zum Spielfeld läuft. Die Geräuschkulisse dauert aber nur so lange, bis man auf natürlichen, nicht menschengemachten Boden trifft. Dann wird es nämlich leise, und man schleicht beinahe über die Trails, die Sohle verbindet sich mit dem Boden, spielt ihre Stärken aus und ist voll in ihrem Element, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Auswahl an guten Trailschuhen ist in den letzten Jahren rasant und qualitativ gewachsen. Viele Hersteller haben eine breite Palette an schnellen, robusten und komfortablen Trailschuhen im Sortiment. Doch wo unterscheiden sich die Modelle? Und besonders wichtig: Wie finde ich den Schuh, der zu mir passt? Zunächst sollte man sich im Klaren darüber sein, wo man die Trails unsicher machen möchte. Es ist schon ein entscheidender Unterscheid, ob ich in flacherem Gelände oder im Gebirge unterwegs bin. Für all diese Untergründe oder auch Distanzen gibt es wichtige Eigenschaften, die Sie bei der Auswahl des Trailschuhs beachten sollten.

Obermaterial

Ganz klar, im Trailschuh sollten Sie sich wohl fühlen und dies am besten schon ab dem ersten Hineinschlüpfen. Ein entscheidender Aspekt ist hierbei das Obermaterial. Natürlich kommen zunächst Materialien zum Einsatz, die man auch von den verwandten Straßen-Modellen kennt. Mit einem atmungsaktiven Mesh, was das Abrollverhalten nicht einschränkt, ist man grundlegend gut ausgestattet, mit nahtlosen und leichten Elemente umso mehr. Viele Hersteller rüsten ihre Modelle für ungemütliches Wetter sowie Winter mit einer Gore-Tex Membran aus. Interessant sind dabei auch markenspezifische Obermaterialien. On setzt zum Beispiel bei seinem Cloudventure Peak auf ein Ripstope-Obermaterial, welches bis zu einem gewissen Grad die Füße trocken hält. Ein Mesh-Innenschuh gibt einen Zuschuss an Komfort und bietet viel Schutz vor störenden Fremdkörpern, welche in den Trailschuh gelangen können. Ähnliche Varianten, bei denen die Schuhzunge komplett in den Upper integriert ist, lassen gar keinen Platz für Fremdkörper. Interessant sind dabei Varianten wie der Salomon XA Enduro, wo der Innenschuh zusätzlich bis über den Knöchel reicht.

Schnürung

In Kombination mit dem Obermaterial bekommt man mit Hilfe der Schnürung die optimale Passform. Neben der klassischen Variante mit Schnürsenkeln, hat sich vor allem das Quiklace System von Salomon bewährt. Mit dem Zip-Verschluss lässt sich der Trailschuh einfach und vor allem schnell an die Füße anpassen, verstaut ist die Schnürung praktisch in der Zungenlasche. Ein vom Prinzip her ähnliches System erobert nach und nach die Laufschuhe: das BOA-System. Modelle von Adidas, Asics oder auch Dynafit sind schon mit dem neuen Trend ausgestattet. Der Vorteil ist so einfach wie genial, denn durch Zudrehen erhält man eine kompakte Passform und mit einem Klick kann man diese wieder lösen. Schnelles Nachjustieren der Schnürung sowie Stolperfallen durch zu lange Schnürsenkel sind damit Geschichte. Falls der Trailschuh keine Möglichkeit bietet, um die Schnürsenkel zu verstauen, dann sollte darauf geachtet werden, dass sie nicht zu lang sind. So bleiben Sie nicht hängen und Sie können sich bei Läufen auf die wichtigen Dinge konzentrieren.

Protektion

Für genügend Schutz im Trailschuh sorgen Protektoren, die im gesamten Trailschuh verarbeitet sind. Diese sind meist klug im Design integriert und fallen einem erst beim detaillierten Betrachten auf. Beginnen wir mit der Zehenkappe an der Spitze des Trailschuhs. Die Zehenkappe bietet viel Schutz auf Trails, da es schnell passieren kann, dass man doch mal hängen bleibt. Dies hat mir schon oft, besonders bei steinigen Trails, schmerzlichen Erfahrungen erspart.. An den Seiten befinden sich verstärkte Elemente, die neben dem Fuß auch das Obermaterial schützen. Gerade wenn das Gelände rauer wird, leidet der Trailschuh dadurch nicht zu sehr. In einigen Modellen befinden sich Trittplatten in der Zwischensohle, welche vor durchdrückenden Steinen schützen, was sich besonders bei minimalistischen Schuhen im Alpinen Gelände mehr als hilfreich erweist. Beim Fresh Foam Hierro stattet New Balance den gesamten Trailschuh für einen Rundumschutz mit einer robusten, gummierten Schicht aus, ohne dabei Einschränkungen im Abrollverhalten in Kauf nehmen zu müssen.

Außensohle

Ein wichtiges Element, was den Trailschuh entscheidet prägt, ist die Außensohle, welche natürlich für genügend Grip auf den Trails sorgt. Variationen gibt es viele: Angefangen bei Sohlen, die einen angenehm über Asphaltpassagen laufen lassen, sogenannte Door-To-Trail Außensohlen, bis hin zu aggressiveren Profilen, die einen sicher durch Schlamm bringen oder im Alpinen Gelände Halt liefern. Besonders hier merkt man die rasche Entwicklung, welche durch die Hersteller vorangetrieben wird, ob in Eigenentwicklung oder in Kooperationen mit Gummiherstellern. Hier stechen vor allem die Außensohlen von Vibram ins Auge. In Kooperation mit Hoka One One, Merrell oder auch New Balance – Vibram Sohlen findet man unter vielen Trailschuhen. Diese haben sich bewährt und liefern auf nassen Untergründen und Felsen einen ausgezeichneten Grip. Auch Modelle von Adidas in Kooperation mit Continental können da mithalten. Jahrelange Entwicklungs-Erfahrung besitzt auch Salomon mit der Contagrip Außensohle. Wenn es dann mal im tiefsten Winter über Eis geht, dann sollte man sich Modelle von Icebug genauer anschauen, denn diese besitzen integrierte Spikes in der Außensohle, damit sind auch Läufe auf eisglatten Oberflächen kein Problem mehr. Allgemein sollte bei der Auswahl der Außensohle nicht übertrieben werden, denn schon oft habe ich eine Träne verdrückt, wenn ein Läufer mit einem Salomon Speedcross über den Asphalt gelaufen ist. Klar bleiben manchmal Asphaltpassagen nicht aus, jedoch ist der ausgezeichnete Grip nach einigen Kilometern in der Stadt wie wegradiert.

Dämpfung

In Sachen Dämpfung gehen die Hersteller verschiedenen Konzepten nach. Der allgemeine Aufbau von Trailschuhen ist etwas flacher als bei den verwanden Modellen für die Straße. Jedoch findet man viele schnelle, direkte oder vollgedämpfte Schuhe für alle Distanzen. In Verbindung mit viel Dämpfung darf der Name Hoka One One nicht fehlen. Diese maximal gedämpften Varianten gewinnen immer mehr an Beliebtheit, besonders auf der Ultra Distanz. Dennoch bleiben sie durch ihre geringe Sprengung sehr dynamisch und vermitteln noch ein Feedback des Untergrunds. In schnellen Trailschuhen, die für Wettkämpfe konzipiert sind, findet sich noch ein gutes Maß an Dämpfung, jedoch sollten diese mit Bedacht ausgewählt werden. Nicht jeder Läufer verfügt über eine Athletik eines Kilian Jornet und kann über die Berge fliegen, dies sollte man bei der Auswahl des Schuhs im Hinterkopf behalten. Energierückgewinnung ist das aktuelle Thema für die Straße und so finden sich diese bewährten Materialen auch immer mehr in den Trailschuhen wieder. Sauconys Everun oder Dynaflyte von Asics lassen einen so die Trails dynamisch meistern.

Aussicht

Was erwartet uns in der Zukunft? Zunächst muss man einen Blick auf die aktuellen Modelle werfen und da kann man glücklicherweise auf ein breites und technisch sehr ausgereiftes Sortiment zurück greifen, was vor einigen Jahren noch nicht der Fall war. Für jeden Läufer ist etwas dabei, ob gemütlich über den beliebten Home Trail laufen oder ballern durch die Berge. Interessant ist es auch zu sehen, wie sich immer mehr Technologien in Trailschuhen wieder finden, zum Beispiel die oben beschriebene BOA-Technik. Ich bin sehr gespannt, in welcher Form sich gestrickte Materialen wie Flyknit von Nike oder Individualisierungsmöglichkeiten in den Trailschuhen wieder finden werden. Wir können also gespannt sein, aber bis dahin genießt die Läufe in der Natur und vor allem erkundet diese im Laufschritt

Text: Jan Lau (Running Culture)