Category : Erlebnis

Juliane Ilgert

DIE ESSENZ DES LAUFENS  

Es ist Pandemie. In allen Lebensbereichen gibt es drastische Einschränkungen – und das weltweit. Laufen aber, das bleibt global legal. Doch Lauftraining ohne Wettkampf, ohne Finisher-Bier, Freunde, Applaus, Konfetti und Ziel – macht das überhaupt Sinn? Eine Überlegung, warum wir eigentlich laufen.

„Nö, null, überhaupt nicht“ – das ist die Antwort auf die mir aktuell so häufig gestellte Frage, ob ich die Teilnahme an Laufwettkämpfen vermisse, die während der Corona-Pandemie reihenweise gecancelled wurden. Enttäuscht sind die Läufer, die ihr Lauftraining an ein bestimmtes Ziel in Form eines Events geknüpft hatten: einen Fünf-Kilometer-Lauf zu schaffen, einen Halbmarathon zu finishen oder eine neue persönliche Bestzeit (PB) beim Marathon aufzustellen. Ohne Event, kein Ziel. Ohne Ziel, kein Sinn. Ohne Sinn, kein Laufen. Klingt nach einer logischen Schlussfolgerung, aus der sich die Frage ergibt: Warum sollten wir dann überhaupt laufen? Vielleicht können Sie aus folgenden Überlegungen Sinnhaftigkeit fürs eigene Laufen ziehen.

ANDERER BLICKWINKEL

Vor Corona begründete ich meine Laufleidenschaft manchmal so: Ich sehe mir gerne fremde, ferne, interessante Städte an, ohne klassische, langweilige Sightseeing-Touren per Bus machen zu müssen. Beim New York Marathon zum Beispiel läuft man zusammen mit mehr als 50.0000 Gleichgesinnten über die Verrazzano Bridge, während ein Hubschrauber auf gleicher Höhe nebenher fliegt, damit Fotografen dokumentieren können, wie Läufer aus aller Welt durch die fünf New Yorker Stadtteile rennen und dabei von den Einheimischen gefeiert werden, während man selbst den unzähligen Bands am Straßenrand zuklatscht.

Beim Paris Marathon sieht man den Eiffelturm von jeder Seite, sogar mehrmals. Beim Zieleinlauf des Berlin Marathons ist ein roter Teppich vor dem Brandenburger Tor ausgerollt, flankiert von einer großen Zuschauertribüne. Wenn dort nach 42 Kilometern, kurz vor der Ziellinie, Hunderte fremde Menschen einem wohlwollend und anerkennend zulächeln, klatschen, laut jubeln und einem beim Vorbeilaufen zig „High fives“ entgegenstrecken, dann treibt das die Tränen in die Augen. Man bekommt Gänsehaut, und das Brandenburger Tor ist auf einmal nicht mehr nur eine Touristenattraktion, sondern es bekommt eine ganz andere Bedeutung.

So verschafft jeder Straßenmarathon dem Läufer ein einmaliges und emotionales Sightseeing- Erlebnis, das unvergessen bleibt. Noch Jahre später kann man auf die schöne Erinnerungsmedaille blicken und stolz denken: „Ja, das war ein geiler Tag, damals in New York. In Paris. In Berlin.“ Bei Bergläufen ist es noch intensiver: Ich liebe es, Gebirge laufend zu überqueren. Man erkundet eine fremde Vegetation, kann an abgelegene Orte und Täler in Regionen kommen, die für Touristen nicht zugänglich sind, und sieht vom Aussterben bedrohte Tiere wie den Adler.

Beim achttägigen „Transalpine Run“ darf man einen Gletscher überqueren und die Alpen auf einer Länge von 270 Kilometern erkunden. Das „Elbrus World Race“ im Kaukasusgebirge war in so abgelegener Wildnis, dass ich mich absolut frei und wie in einem Abenteuerfilm fernab von meinem stressigen Alltag gefühlt habe. Beim „Trans Atlas Marathon“ in Marokko hat mir ein Einheimischer während des Laufs so viel über die Bergdörfer, die Nomaden, deren Kultur und Religion erzählt, dass ich viel mehr Verständnis, Empathie und Toleranz entwickeln konnte. Und bei all diesen Events rund um Sightseeing und Naturerlebnis steht die Gemeinschaft mit anderen Läufern, die Begegnung mit coolen Persönlichkeiten im Vordergrund – das ist es, warum ich laufe. Das Laufen wird hier zur Nebensache. Zum Mittel eines Zwecks. Nicht aber zum Selbstzweck. Hat das mit der Essenz des Laufens zu tun? Nein, null, überhaupt nicht.

IST LAUFEN NICHT LANGWEILIG?

Laufen ist ohne das äußere Tamtam langweilig. Es wartet keine Ziellinie mit kühlem Finisher- Bier, keine applaudierenden Zuschauer, keine Freunde, die einen feiern, keine Medaille, kein Konfetti, keine Anerkennung, keine persönliche Bestzeit, keine fremde Vegetation, die man beobachten könnte und sich damit vom Wesentlichen ablenken. Reduzieren wir das Laufen mal auf das, was es ist: den einen Fuß vor den anderen setzen. Schritt, Schritt, atmen, Schritt, Schritt, schwitzen, atmen, Schritt, Schritt, Muskeln spüren. Ganz schön langweilig, oder? Da schläft man ja schon beim Lesen fast ein. Streichen wir das ganze Tamtam, dann ist Laufen monoton.

Pure Bewegung, ganz nackig, ohne Glamour, ohne Reisen und ohne Medaillen. Immer gleichbleibende, sich schier endlos wiederholende Schritte. Man spürt den Körper, die Anstrengung, die ersten kleinen Schweißperlen auf der Nase. Und dann läuft er, der Schweiß. Na toll, wie nervig – das bedeutet nämlich, dass man später Wäsche waschen und duschen muss. Und dann fällt auch noch das Atmen schwerer. Der Puls steigt. Klingt bei der ersten Betrachtung eher ziemlich unangenehm. Will man das? Nein!? Warum dann laufen?

LAUFEN IST MEDITATION

Monotonie scheint langweilig zu sein. Und Langeweile finden alle doof, verkehrt und deswegen muss man sie unbedingt vermeiden. Das ist falsch! Der monotone Laufschritt kann meditative Wirkung haben, und das wiederum ist wohltuend und gut für das mentale Befinden: Man taucht ab in eine Bubble. Alltagsstress? Gibt es nicht in dieser Blase. Probleme, Sorgen, Ängste, Trauer, Corona? Bleibt alles draußen. Es zählt nur das Jetzt. Die Welt hat während des Laufens mal Pause. Stattdessen gönnt man sich eine achtsame Auszeit in der eigenen Bubble. Das einzige, was in den Kopf kommt, ist die Frage: Wie fühlt sich das gerade an, das Auftreten auf dem Boden?

Wie fühlt sich der Untergrund an und der Aufprall der Sohle auf ihm? Ein gutes Gefühl, wenn man das tiefe Ein- und Ausatmen an den Nasenwänden spürt, oder? Das Anspannen der Wadenmuskeln fühlt sich kraftvoll an, wenn man sich vom Boden abfedert. Ganz schön funktionstüchtig, der Körper. Jeder Schritt ist gut, egal wie schnell. So fühlt sich Lebendigsein an. Das klingt schon viel besser, oder?

Fast wie Urlaub, Mental-Massage oder Spa. Und das Beste ist: Das gibt es ganz kostenlos, das kann überall praktiziert werden, und es ist sogar während des Lockdowns legal. Es ist auch egal, wie schnell oder langsam man unterwegs ist, oder ob man dick, dünn, dumm oder superschlau ist. Das kann jeder, der einen Fuß vor den anderen setzen kann. Dass das Laufen gesund ist, weiß inzwischen jeder. Aber das es glücklich machen kann – auch ohne Wettkampf, Anerkennung und Ziel – das haben viele so noch nicht erfahren. Sagen Sie doch auch mal: „Nö, null, überhaupt nicht. Diese Lauf-Events brauche ich gerade nicht, ich sehe im Laufen jetzt etwas viel Essenzielleres als Konfetti, Medaillen und persönliche Bestzeit. Nämlich Leben, Glück und Gesundheit!“

Vielleicht ist die Coronakrise die beste Chance, das Laufen auf das Wesentliche, die angenehme Monotonie zu reduzieren und darin die Auszeit für das Kopf-Chaos, eine Pause von Krise und Co. zu finden, einfach nur sein aktives Sein zu spüren und sich lebendig zu fühlen. Oder, wie Ralf Kerkeling, aktivLaufen-Chefredakteur, es auf den Punkt bringt: „Im Prinzip ist es das Laufen um des Laufens willen. Ohne irgendeinen Druck, Zeit- oder Streckenlimit. Das ist zu Beginn eventuell purer Wille, später aber eine Art, sich lebendig und gut zu fühlen.“ Das ist die Essenz des Laufens. Zu Pandemie-Zeiten besonders empfehlenswert. Unsere Empfehlung wäre, einfach ausprobieren. Schritt für Schritt womöglich eine neue Leidenschaft entdecken

TExT Juliane Ilgert
Alter: 28 Wohnort: München Beruf: Juristin & Trailläuferin

Ultralauf

Reiz der Extreme 

Ultraläufe liegen voll im Trend. Dabei werden gesundheitliche Risiken oft zu Gunsten persönlicher Mythenbildung unterschätzt. Reicht uns Läuferseelen ein Marathon nicht mehr? Unsere Autorin hat sich in der Szene umgehört.

Lange Läufe boomen. Im Startblock steht man erst dicht gepackt, dann drängelt man sich im Gänsemarsch einen Berg hoch und muss bangen, ob es an der Labe noch genügend Riegel und Wasser gibt. Die Statistik der Deutschen Ultralauf- Vereinigung (DUV) verzeichnete in den vergangenen zehn Jahren weltweit einen etwa 1.000-prozentigen Anstieg bei der Zahl der Ultraläufe. Auch die Läufer werden mehr. Im Jahr 2000 waren es in Deutschland noch 3.268. 18 Jahre später bereits mehr als 10.000. Das hat der britische Journalist und Läufer Adharanand Finn für sein Buch „Der Aufstieg der Ultraläufer“ recherchiert.

Ultras machten Marathons zu „kleinen Fischen“

Er traf viele Läufer und begab sich selbst auf die Langstrecke, um den Reiz der Ultras zu verstehen. Dabei interessierte sich Finn bis dahin eigentlich eher für Sub3-Marathons und Vier-Minuten-Meilen. „Ultra-Running hingegen war so, als drösche man so lange auf das Laufen ein, bis es fast tot war.“ Ultras machten Marathons zu „kleinen Fischen“, schreibt Finn. Heute staune niemand mehr, wenn er von seiner Marathonzeit erzähle. „Es scheint, als wären wir im Zeitalter des ‚Es ist ja nur ein Marathon‘ angekommen.“

Nachts durchs Hochgebirge

Natürlich laufen auch heute die meisten laufbegeisterten Menschen maximal 42 Kilometer. 2015 gab es insgesamt rund 22 Millionen Läufer. Was sind da schon ein paar Tausend Ultra-Athleten? Laut dem Deutschen Leichtathletikverband verzeichnen vor allem kurze Strecken mehr Teilnehmer. Aber Ultras bekommen mehr Aufmerksamkeit. Auf Instagram ist man kein Held, wenn man schmerzfrei zehn Kilometer meistert, sondern wenn man mit Halluzinationen und geschwollenen Füßen nachts durchs Hochgebirge irrt.

Peter Krause, der sich über Facebook meldet, versteht das nicht. „Leider werden immer Leute besonders hervorgehoben, die das Extreme suchen“, sagt er. Krause ist ein ganz normaler Läufer, der hier und da einen Marathon mitnimmt. Alles darüber hinaus ist ihm fremd. „Was nutzt es mir, 100 Kilometer zu laufen, wenn ich danach drei Monate krank bin?“

VON NULL AUF 100

Für Untrainierte ist schon ein Marathon riskant. Die Körperfunktionen fahren herunter, der Glukose- Speicher entleert sich und Spurenelemente werden verbraucht. Im Schnitt erleidet einer von 100.000 Marathonläufern einen Herzstillstand. Wie ungesund muss dann erst ein Ultra sein? „Ich denke, dass diese Frage nicht verallgemeinerbar zu beantworten ist“, sagt Alexander Disch, er arbeitet als Chirurg am Dresdner Universitätsklinikum und betreut die Skilanglauf-Nationalmannschaft.

Laut Disch können Ultras etwa zu einer Natriumarmut, zu Verdauungsproblemen und Blutungen im Darmtrakt oder zu Veränderungen am Herz führen, die sich auch im EKG und im Ultraschall zeigen. Aber: „In Abhängigkeit von der Länge der Belastung sind diese Veränderungen vorübergehend“, so Disch. Auf der anderen Seite zeigen Studien, dass Ultraläufer im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung gesünder sind, weniger Infekte haben, ein geringeres Krebsrisiko und eine höhere Lebenserwartung.

Auf eine unterschätze Gefahr weist der Ernährungsexperte Dr. Stefan Graf hin. Viele Läufer nehmen demnach zu wenig Elektrolyte auf. Beim Schwitzen verliert man besonders viel Natrium und Kalium. Entgleisungen des Flüssigkeits- und Elektrolythaushaltes können zu lebensbedrohlichen Organfunktionsstörungen führen.

Riegel, Bananen und Co.

„Jeder, der sich Ultrabelastungen zumutet, sollte regelmäßig seinen Mikronährstoffhaushalt überprüfen lassen“, so Graf. Neben der Versorgung mit Elektrolyten sind vor allem Kohlenhydrate entscheidend. Denn im Gegensatz zu den Fettspeichern sind deren Speicher klein. Der Körper greift das Muskeleiweiß an, wenn er nicht genügend komplexe Kohlenhydrate aus Riegeln, Bananen und Co. bekommt.

SICH SELBST SPÜREN

Generell gilt laut Sportmediziner Alexander Disch: Wenn man Ultras laufen will, muss man sich langsam herantasten und viel Marathonerfahrung mitbringen. Wer schlecht trainiert ist, für den sei ein Ultra ungesund und könne zu irreversiblen Schäden führen. Wer im Ultra ein Statussymbol sehe, habe diese Vorbereitung womöglich nicht. Der Ultraläufer Florian Grasel vom BOA Running Team sieht die Entwicklung mit Sorge. Immer öfter stünden „junge, unzureichend trainierte Mädels am Start, die dann im Sauerstoffzelt landen oder Tabletten gegen die Schmerzen nehmen und sich trotzdem auf Facebook als Helden feiern lassen.“ Das habe „nichts mehr mit einer gesunden Einstellung zu unserem schönen Sport zu tun.“

Willenskraft

Grasel selbst ist einer der erfolgreichsten österreichischen Ultraläufer. Unter anderem hat er 2018 beim berühmten „Ultratrail du Mont Blanc“ (UTMB) Platz neun belegt und 2019 den „Großglockner Ultratrail“ gewonnen. Das lange Laufen gehöre zum Menschen, es sei „artgerecht“. Was ihn daran fasziniert? Am Anfang sei es die physische Herausforderung gewesen. Mittlerweile gehe es ihm mehr um Willenskraft, um die persönliche Einstellung. „Physische Wehwehchen treten bei einem Ultralauf immer auf, und es stellt sich jedes Mal aufs Neue die Frage: Wird der Kopf mit den Schmerzen fertig?“

Aber in seinem Sport gehe es um viel mehr, so Grasel. Zwar fühle sich das Durchhalten und das Überwinden der eigenen Grenzen im Nachgang gut an. „Aber ich laufe nicht, um Schmerz zu empfinden. Ich laufe, um mich selbst zu spüren, mich zu erden, mit der Natur im Einklang zu sein.“ Diese Befriedigung habe er beim Straßenmarathon, der 2010 sein Einstieg in den Laufsport war, nicht gefunden.

Auf der Straße und beim Ultratrail

Die Dresdner Läuferin Beate Bonnaire ist in beiden Welten unterwegs, läuft auf der Straße und beim Ultratrail. 2019 war sie zweifache Deutsche Altersklassen-Meisterin beim Marathon. Sie hat vor einem 800-Meter-Läufer genauso viel Respekt wie vor einem Marathono der Ultra-Athleten. Die alle würden enorm viel leisten, „mental wie physisch“. Keine Distanz entwerte die andere. „Es kommt immer auf das Gegenüber an“, sagt Bonnaire.

Ein Laie staune natürlich mehr, wenn sie vom 74 Kilometer langen Supermarathon auf dem Rennsteig erzähle. Aber wer ein bisschen Ahnung habe, wisse um die Arbeit, die in einem schnellen Marathon steckt. In Bonnaires Laufgruppe „sind einige froh und glücklich, wenn sie einen Halbmarathon schaffen“, erzählt sie, andere laufen dagegen Marathon und Ultra. „Aber ich habe nie erlebt, dass da jemand überheblich wäre oder jetzt alle zum Ultra streben.“ Diesen Eindruck teilen nicht alle. Arthur Batz, der am liebsten Halbmarathon läuft, schreibt auf Facebook, dass er Ultraläufer oft als arrogant erlebt. „Aber ich bin da relativ unempfindlich.“

ZIELE RICHTIG DEFINIEREN

Buchautor Finn sah in Ultraläufern anfangs die schlechteren, unsportlicheren Läufer: Sie prügeln keine Intervalle auf der Straße, gehen im Wettkampf und halten an Versorgungsstationen, ohne Rücksicht auf die Zeit. Noch dazu seien sie alle ein bisschen laufsüchtig. So sagen 74 Prozent der Ultraläufer, dass sie auch dann nicht mit ihrem Sport aufhören würden, wenn sie wüssten, dass er ihnen schadet. Finn selbst wurde in dessen Bann gezogen. „Bei einem Ultra-Marathon (…) gelangt man in einen Zustand, den man sonst nicht erreicht“. Aber er schreibt eben auch: Im „Tal der Schmerzen“ fange der Spaß erst so richtig an. Stefan Graf sieht so etwas mit Sorge. Bereits heute nehme jeder zweite Marathonläufer Schmerzmittel und über 80 Prozent Nahrungsergänzungsmittel.

„Von den Tausenden Menschen, die sich heute an Marathon- und sogar Ultraveranstaltungen beteiligen, sind etliche nicht für derartige Belastungen geeignet und nicht hinreichend medizinisch aufgeklärt – geschweige denn betreut.“ Die Quittung dafür komme oft erst später, wenn die „Chemie“ den Bewegungsapparat irreparabel geschädigt oder zu Leber- und Nierenschäden geführt hat. Stefan Graf findet: Wer den Sport ohne Supplemente, Pillen und Pülverchen nicht ausüben kann, muss seine Ziele zurückschrauben.

Gemeinschaft und Glückshormone bekommt man eben auch, wenn man samstags an einem fünf Kilometer langen Park- Run teilnimmt. So sehr sich Ultraläufer und Parkjogger auch unterscheiden, auf die Frage nach dem Warum erhält man oft sehr ähnliche Antworten. „Was mir am Laufen, neben dem Minimalistischen, gefällt, ist einfach das Geräusch meiner Schritte. Laufen hilft mir, wieder bei mir selbst zu sein“. Das sagt nicht etwa der Ultraläufer Florian Grasel und auch nicht die Marathonläuferin Beate Bonnaire. Das sagt Susann Schumann, die erst vor einigen Monaten mit dem Laufen begonnen.

Ein bis zwei Mal die Woche, bis zu 15 Kilometer. Ende des Jahres steht ihr erster Halbmarathon an. Außerdem fährt sie Mountainbike, hat ein Kajak, macht Bogenschießen. Laufen ist für Schumann eine von vielen Sportarten. Dass es Ultras gibt, wusste sie vor dem Interview gar nicht. „Davor habe ich schon Respekt“, sagt sie. Genau diesen Respekt hätten aber auch Bekannte, denen sie von ihrer letzten Zehn-Kilometer-Runde erzählt. „Das ist für die kaum vorstellbar.“

Text: Luise Anter

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Es kommt eben doch auf die Länge an

Von zu vielen gehasst, von zu wenigen geliebt. Der lange langsame Lauf spaltet die Läuferschar. Hier kommt eine Liebeserklärung an den langen Lauf – es kommt eben doch auf die Länge an.

Text: Philipp Jordan

Es ist wahrlich unbefriedigend. Ich buddele mich gerade mit aller Kraft aus einer tiefen Laufkrise. Dieses Jahr lief es einfach nie so richtig gut. Doofe kleine Verletzungen hier, viel zu schmackhaftes Essen da, dazu noch eine Extraportion Faulheit, und schon siehst du dich im Spiegel, rund wie ein Ballon. Das muss sich natürlich schleunigst ändern. Und ich weiß natürlich wie. Die Antwort auf so viele Fragen im Leben ist denkbar einfach: Laufen! Dummerweise bin ich so sehr aus dem Tritt geraten, dass erst einmal nur Baby Steps drin sind – die Steps eines besonders fettleibigen Babys. Ich habe keine Wahl, was ich genau für ein Lauftraining mache, denn momentan sind nur sehr kurze Runden drin.

Das ist traurig, denn nichts ist erfüllender als der gute alte Long Run. Ich vermisse ihn, und ich möchte Ihnen in den folgenden Zeilen nahelegen, warum ausgerechnet dies die Königsdisziplin ist. Ich habe nichts gegen Intervall-Training. Es gehört zum Laufsport, und es mag Leute geben, die es genießen, immer schön nah an der Kotzgrenze zu wandeln. Die mögen es ja eventuell sogar, wenn ihnen die Milchsäure die Muskeln zerfetzt, während die Lungen kurz vor dem Kollaps sind. Aber der Intervall wird nie meine Lieblingstrainingseinheit sein. Dann gibt es noch die sogenannte Hausrunde. Das ist meist die Zehn-Kilometer-Runde, die man mehrfach die Woche läuft. Selbst wenn man diese variiert, läuft man sie fast gänzlich auf Autopilot. Weder ist die Distanz fordernd noch die Strecke unterhaltsam. Und täglich grüßt das Murmeltier in Turnschuhen. That’s it.

Die wahre Königsdisziplin ist eben der lange langsame Lauf, weil er eine sehr elitäre Angelegenheit ist. Dieses Fünf-Kilometer-Gesindel, pah, die können ja gar nicht verstehen, worüber sich der Lauf-Adel hier unterhält. Das Mitspracherecht muss man sich nämlich hart erarbeiten. Den Long Run erkämpft man sich hart. Stück für Stück. Schweißtropfen für Schweißtropfen. Du musst eh wieder nach hause Man muss sich diese Tortur natürlich irgendwie schönreden. Ich spiele immer 80s Action Movie. Während der Rest der Familie noch tief vor sich hin träumt, ist der knallharte Supersoldat Philipp Mc Rambo schon wach und macht sich bereit für die Invasion.

Im Hinterkopf schallt eine typische Hardrock-Nummer aus den 80ern durch meinen Kopf, und die perfekte Actionfilm-Montage beginnt. Wo Arnold sein Messer wetzte und seine Handgranaten am Gürtel befestigte, fülle ich meine Wasserflaschen und verstaue meine Energiegels. Wo Rambo seine Fallen schnitzte und sein Funkgerät überprüfte, stülpe ich mir die Laufhandschuhe über und überprüfe die Batterien meines MP3-Players. Ich bin wie ein Uhrwerk. Jeder Schritt muss sitzen. Nichts darf vergessen werden. Und wenn ich dann mit Trinkrucksack bewaffnet, begleitet von einem gigantischen Blasorchester, raus in die Kälte stapfe, sind wir eigentlich schon in der nächsten Film-Montage. Diese ganze Vorbereitungszeremonie ist doch der halbe Spaß! Ein weiterer Vorteil liegt schon im Namen. Es ist nämlich der lange LANGSAME Lauf.

Man darf es easy angehen lassen. Jeder hat schon mal den Spruch gehört: „Die meisten machen ihre kurzen Läufe zu langsam und ihre langen, langsamen Läufe zu schnell!“ Also piano, Brüder und Schwestern! „Der kennt sich in diesem Gebiet aus wie in seiner eigenen Westentasche!“, sagte mal jemand in dem Buch „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“. Junge, Junge, der muss sich ja verdammt gut hier auskennen, dachte ich damals. So eine Westentasche ist ja sehr übersichtlich. Erst recht, wenn es die eigene ist. Aber seitdem ich laufe, habe ich meine Region verdammt gut kennengelernt. Kein Feldweg, kein Trampelpfad und kein Bordstein, den ich nicht schon gelaufen bin. Ich kenne sogar sämtliche Waldwege, die sich in Wohlgefallen auflösen. Oder auch kleine geteerte Straßen, die sich irgendwann als sehr lange Einfahrt entpuppten, und einen etwas peinlich berührt vor dem Hausbesitzer einen U-Turn laufen ließen. Der Long Run ist zudem das ideale Home-Office. Oder meinetwegen auch Outside-Office. Man hat endlich mal Zeit, ganz in Ruhe über Sachen nachzudenken. In diesem tranceartigen Zustand des langen Laufs denkt es sich gleich doppelt so frei. Ich kenne nicht wenige, die beim langen Lauf ihre besten Ideen hatten. Kein nerviger Ehepartner, der einen daran erinnert, dass man ja schon lange mal dieses eine Regal im Keller aufbauen wollte. Kein TV oder Social Media, die einen ablenken können.

Wenn man Lauffreunde oder Lauffreundinnen hat, wird der Long Run erst zum richtigen Erlebnis. Geteiltes Leid ist ja bekanntlich halbes Leid, und so lässt es sich gemeinsam viel bequemer durch manchen Vorhof der Hölle schreiten. Man kann sich gegenseitig anspornen, schleifen, nerven und, sofern es sich von der Konstellation anbietet, sogar Liebe machen. Es schweißt enorm zusammen, wenn man gemeinsam gelitten hat. Ich habe eingangs gesagt, den Long Run müsse man sich erkämpfen. Lassen sie sich davon bloß nicht einschüchtern. Begreifen sie es als Herausforderung. Ich habe einen kleinen Trick angewandt, um die Distanzen meiner Long Runs effektiv zu verlängern. Der Trick heißt: „Du hast ja doch keine Wahl, denn du musst so oder so wieder nach Hause!“

Der Titel verrät es schon fast. Um meine Distanz schrittweise zu erhöhen, habe ich mir grundsätzlich keine Rundkurse ausgesucht, sondern bin immer ganz stur in eine Richtung gelaufen. Idealerweise entlang einer schnurgeraden Straße. Selbst wenn ich total am Arsch war, habe ich mich gezwungen, 500 Meter oder gar einen ganzen Kilometer dranzuhängen, bevor ich umkehrte. Das bedeutete, dass ich immer jeweils das Doppelte am Ende auf dem Tacho hatte. So kann man sich ganz langsam nach oben hangeln. Das mit Abstand Beste des langen Laufs, wirklich das Aller-Aller- Allerbeste, ist die Zeit danach. Schon auf den letzten Kilometern höre ich Engel meinen Namen singen und Menschenmassen schreien, die mich beglückwünschen.

Wenn ich dann vor der Haustür stehe, der Schweiß alles durchtränkt hat, fühle ich mich, als sei ich von einer Expedition im All zurückgekehrt. Ich begebe mich wieder unter die Sterblichen. Egal was sie an diesem Tag noch machen, niemand kann ihnen diesen Tag noch kaputtmachen. Falsch geparkt? 30-Euro-Ticket? Pfff, mir doch egal, ich bin heute morgen schon 35 Kilometer gelaufen! Die Medaille des langen Laufs ist übrigens der Muskelkater in den Folgetagen. Wer am Dienstagmorgen schwungvoll und ohne Schmerzensschreie aufstehen kann, hat am Wochenende einfach nicht hart genug trainiert. Begrüßen Sie also den Muskelkater mit ausgestreckten Armen, Sie haben ihn sich verdient. Seien Sie ein wenig stolz auf ihn. Bis zum nächsten Long Run.

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Sense Ride 3 – Traillaufen auf die komfortable Art

Du bist Straßenläufer und möchtest auch einmal Traillaufen ausprobieren? Dazu braucht’s nicht viel. Laufklamotten hast du schon, nun kommt es vor allem auf das Schuhwerk an. Mehr Grip und natürlich auch ein guter Halt im Schuh sind wichtig, um das Abenteuer vor der Haustür beginnen zu lassen. Klingt einfach, ist es auch.

Von der Straße sind wir Läufer Dämpfung in der Mittelsohle gewohnt. Nun, darauf musst du auch auf den Off-Road-Laufstrecken nicht verzichten. Ein Schuh wie der Salomon Sense Ride 3 basiert auf den Standards eines Straßenlaufschuhs. Das bedeutet, er bietet entsprechende Dämpfung und Komfort. Der eben angesprochene Grip ist selbstverständlich auch an Bord, Contagrip nennt sich die Sohlen-Antirutsch-Gummimischung. Selbstredend wird die Ausstattung durch ein hochatmungsaktives Mesh-Obermaterial und Geröllschutz an den wichtigen Stellen abgerundet. Farblich könnt ihr euch bei einer Kaufentscheidung ebenfalls austoben.

Den Sense Ride 3 gibt es für Herren in fünf Farbwegen: Schwarz, Blau, Grau-Orange, Weiß (ja, weiß!), Balsam Grün/Gelb

Und für Damen in vier Farben: White, Navy, Meadowbrook (Hellgrün) und Quail (Dunkelrosé)

Und so sieht das schicke „Teil“ aus:

[caption id="attachment_3330" align="alignleft" width="300"] SENSE RIDE 3
Herren-Modell[/caption]

 

 

 

 

 

 

 

[caption id="attachment_3331" align="alignleft" width="300"] SENSE RIDE 3 W Damen-Modell[/caption]

 

 

 

 

 

 

Hard-Facts:

SALOMON
Sense Ride 3
Preis: 129, 95 Euro
Gewicht: 280 g (Männermodell)

Highlights
• Optivibe-Zwischensohle – bringt den Komfort
• Contagrip Vollgummi-Außensohle – sorgt für guten Stand im Gelände
• Quick-Lace – Schnürsystem

Bestellen könnt ihr den Schuh hier:

Herrenschuh

Damenschuh

Viel Spaß beim Laufen!

[caption id="attachment_3332" align="aligncenter" width="1024"] @Salomon[/caption]

 

 

 

 

 

Female runner leading group of friends on trail

Laufcrews – Let’s run together

Klar kann man alleine laufen, aber ist es nicht viel schöner, sich einer Gruppe anzuschließen, das Lauferlebnis zu teilen? Laufcrews finden in Deutschland immer mehr Anhänger und haben dabei viel mehr zu bieten, als lediglich im Pulk um den Block zu rennen.

Text: Anita Horn (Ausgabe 6/19)

Ich bin demnächst beruflich in Berlin. Nur im Seminar und im Hotel sitzen geht aber für mich gar nicht. Ich will auf jeden Fall eine Runde laufen gehen. Aber wo? Ich kenne mich in der Stadt nicht aus und habe keine Lust, an jeder Berliner Ampel zu stehen. Da liegt es nahe, mich einer ortskundigen Laufgruppe anzuschließen. Und die Auswahl ist groß: die adidasRunners, ASICS Frontrunner, die Running Society und das Run Pack Berlin – um mal nur vier Beispiele zu nennen – bieten Community Runs an fast allen sieben Wochentagen an. Beim Run Pack kann ich an einem Dienstagabend um 20 Uhr mitlaufen. Eigentlich ist die Community nicht öffentlich, denn mehr als 100 Leute sollen es in der Crew nicht werden. Kathi Hofmann hat das Run Pack 2013 zusammen mit ihrem Mann Flo gegründet. Nach ein paar gemeinsamen Longruns zusammen mit Freunden haben einige ihre Freunde mitgebracht, die haben wieder neue Läufer angeschleppt, und schon war das Run Pack geboren.

Und das soll kein Haufen Fremder sein, sondern eine vertraute Laufgemeinschaft. „Wenn einer wegzieht oder aus beruflichen Gründen weniger Zeit hat, gibt er seinen Platz frei, und ein neues Mitglied kann nachrücken. Es gibt immer drei bis vier Pacegruppen und insgesamt fünf Coaches, die die Gruppen leiten. Gelaufen wird von 4:15 min/km bis 5:20 min/km. „Das ist für viele sauschnell, und einige trainieren extra, um irgendwann mitlaufen zu können“, sagt Kathi. Und dann geht es gemeinsam auf eine Zehn-Kilometer-Runde, immer mit einer anderen Route. Die zusätzlichen Longruns am Wochenende gibt es auch noch, aber die finden eher unregelmäßig als Vorbereitung für größere Laufevents wie den Berlin Marathon statt. Danach gibt’s immer Kaffee und Zeit, Ideen zu schmieden. Im Mai will die Crew zum Beispiel mit ein paar Leuten den Marathon in Sierra Leone laufen, um die Organisation „Street Child“ für ihre Hilfsprojekte zu unterstützen.

Stadt oder Trail?

Zurück in Köln schmeiße ich mich in meine Straßenlaufschuhe und laufe meine Haus- und Hofstrecke am Rhein. Aber da ich gerade ein bisschen im Trailfieber bin und bisher eher ein Banause in den Bergen war, möchte ich auch hier die Community nutzen und schließe mich erfahrenen Offroad-Läufern an. Thomas Wimmer ist einer der fünf Guides von Salomon Running Cologne und lädt regelmäßig zu Community Runs ein. Unter dem Motto „How to trailrun“ gibt es immer im Frühling und Herbst sechs Sonntagstermine für jedermann. Ich melde mich online an und fahre mit Rucksack und Trailstöcken Richtung Siebengebirge, zusammen mit meinem Kumpel Chris. Er ist ein schneller Straßenläufer, möchte aber auch gerne ein bisschen mehr Erfahrung in den Bergen sammeln.

Rund 80 Teilnehmer stehen erwartungsvoll vor den Guides. „Wie viele Leute sind heute zum ersten Mal dabei?“, fragt Thomas in die Runde – und über die Hälfte der Leute zeigt schüchtern auf. Chris und ich auch. Dann werden uns die Strecken erklärt. Es gibt drei Distanzen: fünf, zehn und 15 Kilometer. Beim Fünfer und Zehner gibt es immer wieder Stopps mit Workshop-Elementen. Ich entscheide mich für die zehn Kilometer, und wir traben locker los bis rauf zum Drachenfels, halten immer wieder an und lassen uns Lauftechniken für Up- und Downhill zeigen und tauschen unsere Erfahrungen aus. Dafür sind Running Communities großartig.

Die Gruppe zieht jeden mit, der alleine vielleicht schon aufgegeben hätte. Und ich kann von dem, was die anderen schon erlebt haben, profitieren. Außerdem muss ich mich nicht darauf konzentrieren, die Strecke quer durch den Wald zu finden, sondern kann einfach mal mitmachen. Das findet auch Chris: „Für jemanden, der noch nie richtig Trail gelaufen ist und nicht weiß, worauf es ankommt, ist so ein Workshop ideal.“ Dass es hier nicht um Schnelligkeit geht, zeigt meine Uhr: 11,56 Kilometer und 563 Höhenmeter in 2:07 Stunden mit einer Pace von 11:02 min/km. Ich bin trotzdem platt und vertilge, zurück auf dem Parkplatz, genüsslich zwei Stück Kuchen. Ein paar Leute fragen, ob ich beim nächsten Mal wieder dabei bin. Sehr gerne. In Köln gibt es aber vor allem Laufangebote für Straßenläufe. Neben klassischen Vereinen stammen die mittlerweile auch von Fitnessstudios und Sportgeschäften. Coole Logos und Internetauftritte sind Standard, dazu kommen wahlweise große Fahnen, die mit lautstarker Untermalung und explodierenden Konfettikanonen am Streckenrand geschwungen werden.

Crew laufen mit Testcharakter

Ganz so laut ist die Cologne Running Crew zwar noch nicht, aber sie ist auf dem besten Wege, nicht mehr übersehen werden zu können. Mit 30 bis 40 Leuten läuft die Gruppe jede Woche Mittwoch ab 20 Uhr durch die Stadt. „Damit haben wir schon eine gewisse Außenwirkung“, berichtet Dominik Wirtensohn. Immer wieder fragen Leute, ob sie auch mal mitmachen können. Klares Ja, sagt Dominik: „Wir laufen immer um die zehn Kilometer, und wir lassen niemanden zurück.“ Mit Ampeln und Fotostopps landet die Gruppe meist bei einer Pace von 6:15 min/ km. „Treffpunkt ist der Laufladen Bunert – hier können alle ihre Rucksäcke parken und hinterher noch was trinken.“

Viele Running Communities bieten dazu regelmäßig Laufschuhtestes und Special Events zu Weihnachten und Laufveranstaltungen an. Danach geht´s auch mal ins Brauhaus oder auf ein Kioskbier an die nächste Ecke. Es geht eben nicht nur ums Laufen, sondern um Gemeinschaft. Man kennt sich, trifft sich auch sonst gerne und bindet neue Teilnehmer mit ein. Das ist ein weiterer Vorteil solcher Gruppen: Hier kann man Fuß fassen in einer neuen Stadt und Gleichgesinnte treffen.

Raus aus der Komfortzone

So ist es auch bei den Harbour Runners in Hamburg. Als Madeleine Lüthke damals neu dazukam, war sie vor allem neugierig. Bis dato war sie sporadisch ein, zwei Mal pro Woche gelaufen, jetzt läuft sie zusätzlich zu den Crew Runs wieder öfter. Die Laufgruppe gibt ihr eine gewisse Verbindlichkeit. Der Schwarm fragt ja doch mal nach, ob du kommst oder wo du warst. Außerdem hat die Gruppe Madeleine aus ihrer Komfortzone geholt. „Beim ersten Mal bin ich fast gestorben, aber jetzt läuft es super“, sagt sie stolz. Die Harbour Runners laufen grundsätzlich in einer Pace von 5:45 min/km. Andreas Witte, der die Gruppe 2018 gegründet hat, möchte dadurch eine verlässliche Orientierung bieten.

Treffpunkt ist immer mittwochs um 18.30 Uhr bei Sportscheck in der Mönckebergstraße. Das Tempo wäre vorher undenkbar für Madeleine gewesen. Aber sie ist schneller geworden und sagt: „Ich bin der Gruppe wirklich dankbar dafür.“ Auch Mascha Hansen hat ihre Runden vorher eher alleine und gemütlich gedreht. „Mein Trainingszustand war anfangs desolat“, sagt sie und lacht, „aber das wurde schnell besser.“ Zusätzlich zum wöchentlichen Lauf gibt es immer wieder Sonderläufe und zum Jahresanfang eine gemeinsame Marathonvorbereitung. Die kommt Mascha sehr entgegen. Für den Hamburger Marathon im April fällt die Vorbereitung auf den norddeutschen Winter. Da macht Gruppentraining mehr Freude.

Mascha möchte den Marathon gerne in 4:15 Stunden laufen. Bevor sie zur Gruppe kam, hat sie rund 5:30 Stunden für den Marathon gebraucht. Wer fünf Mal dabei war, wird in die interne Facebook-Gruppe aufgenommen und damit offizieller Harbour Runner. „Mittlerweile sind wir dort 46 Leute“, sagt Andreas zufrieden. Es gibt aber auch noch andere Laufgruppen in der Hafenstadt: Ob Run Fleet, Tide Runners oder ASICS Frontrunner, die Auswahl ist groß, und für jeden ist das Richtige dabei. Der Lauf bei den Harbour Runners ist auf jeden Fall fest im Kalender der beiden Mädels verankert.

Rennen im Ruhrgebiet

Im Ruhrgebiet ist das Angebot deutlich geringer als in Hamburg, aber dafür kommt es dort geballt. Das Pace Pack sorgt in Dortmund für Puls, egal ob man mitläuft oder nur zuschaut. Gründer Tobi Prinz hat 2016 mit zwei Kumpels überlegt, öfter mal als Team bei Laufwettbewerben zu starten, mit einheitlichem Shirt, Logo und Crew-Name. Aber wenn schon die Mühen, dann richtig. Also warum nicht die Leute, die alleine abends auf schlecht beleuchteten Wegen durch die Gegend tingeln, gleich mit einpacken? „Deshalb haben wir gesagt, jeder kann mitlaufen.“ Angefangen hat alles in Hagen, dann hat Tobi die Base nach Dortmund verlegt, und es läuft. Entstanden ist eine große, bunte Familie, die schnell, laut und ein bisschen verrückt ist.

Alle zwei Wochen findet donnerstags ein Lauf statt, bei dem locker mal 80 bis 100 Menschen mitmachen. Einige kommen extra aus Düsseldorf oder Bochum angereist. Es gibt Pace-Gruppen von 4:30 bis 7:30 min/km, gelaufen werden 60 Minuten um den Hengsteysee und nach einer Stunde treffen sich alle wieder – es gibt Essen, Bier und Zeit für Gespräche. Für gemeinsame Events und Wettkämpfe organisiert sich die Truppe zu Fahr- und Cheering-Gemeinschaften. Wenn Mama und Papa oder der Partner es also mal satt haben, ihre Wochenenden immer am Streckenrand zu verbringen, ist das Pace Pack gerne deine Ersatzfamilie.

Das sieht man auch bei den eigenen Events, wie zum Beispiel der Laktatdusche. Es gibt keine Startgebühr, nur eine Spendenkasse und im Anschluss eine Abkühlung im Freibad. Alle freuen sich und feiern – sich selbst und das Läuferleben. Einfach weil es schön ist. Einmal im Jahr findet dazu noch der „Movember Run“ statt. Unter dem Motto „Stop Cancer“ sammelt das Run Pack bei einem eigenen Laufevent Spenden für die „Movember Foundation“ – einer Stiftung für Prostata- und Hodenkrebs-Patienten. Laufen ist halt eine gute Sache – vor allem, wenn es für eine gute Sache ist.

Fuss fassen in einer neuen Stadt Das hat sich Nikolai Vanek zunutze gemacht. Er hat 2014 die Cologne Running Crew mitgegründet, ist aber mittlerweile nach Mainz gezogen und hat dort die Rhein Runners gegründet. Seit November 2018 laufen hier meist rund 15 Leute jeden Mittwoch um 19 Uhr am Main entlang. Raya Abou Dargham aus dem Libanon ist im März zugezogen, wollte sich so schnell wie möglich integrieren und die Stadt kennenlernen. Dank der Gruppe hat das perfekt funktioniert. Running Communities sind eben auch die Tür in eine sportliche Stadt.

Wir sind alle Läufer

Wer nicht nur laufen möchte, kann auch ein Workout mit einbauen. Und wem die Ideen fehlen, der geht einfach zu den Urban Runners in Frankfurt. Hier geht es jeden Mittwoch auf die berühmt-berüchtigte Ironman-Strecke am Main – mit Stopps für Squats und dem Blick auf die Frankfurter Skyline. Start ist immer mittwochs um 19.00 Uhr. Und ab und zu kommen auch Gäste wie Katharina Heinig dazu – nicht nur die schnellste Läuferin der Stadt, sondern auch eine der schnellsten in Deutschland. Ebenfalls mittwochs ab 19.15 Uhr läuft die Community von WeRunFrankfurt durch die Stadt. Treffen ist am Osthafenpark. Seit 2016 kommen hier Jung und Alt und Schnell und Langsam zusammen – 40, 50 oder 60 Leute sind Standard. Das Motto ist hier „Wir sind alle Läufer“, egal wie oft man seine Laufschuhe schnürt und wie schnell man sie wieder auszieht. Gründer Flo Liebig sieht die Community als Plattform für alle, die mit dem Laufen anfangen wollen und die, die besser werden möchten. Eben für jeden.

Sowohl in Frankfurt als auch in München haben sich 2016 die adidasRunners platziert. Und nicht nur dort – die Gruppe ist mittlerweile eine globale Community, die Läufer aus 60 Ländern in der ganzen Welt verbindet – online und in echt. Es werden Fotos von bestandenen Wettkämpfen gepostet, Ideen für neue Läufe ausgetauscht, und hier und da werden auch Schlafgelegenheiten für internationale Events angeboten. Es gibt eigentlich jeden Tag mindestens ein Laufangebot von Temposessions über Laufschule, Longrun am Sonntag und Workout Runs bis hin zum Läuferyoga. Track Day, Girls Run oder Wild Wednesday gefälligst? Oder doch lieber einen Earlybird Run? Ich bin demnächst in München und darf mich gerne mal anschließen, das hat Captain Jennifer Krennrich mir versprochen. Sie ist mit der Crew übrigens ihren ersten Halbmarathon und ihren ersten Marathon gelaufen. „Es macht einfach Freude zu sehen, wie sehr laufen verbindet.“

Auch wer nicht selbst läuft, sondern geschoben wird oder rollt, gehört zur Laufcommunity und findet speziell in München die perfekte Anlaufstelle: Achilles International Germany ist ein Lauftreff für Inklusionssport, bei dem Sportler mit Handicap von einem Guide begleitet werden. Ob Sehbehinderung, Schlaganfall, Amputation oder Multiple Sklerose – seit 2011 wächst die Gruppe immer weiter und ist mittlerweile in 70 Ländern vertreten. Ich persönlich laufe wirklich gerne alleine. Aber zusammen laufen macht definitiv noch mehr Spaß, bringt Abwechslung und ist eine wunderbare Ergänzung zum eigenen Training.

[caption id="attachment_3280" align="aligncenter" width="724"] @Getty Images[/caption]

 

Let`s go Volkslauf

LET’S GO VOLKSLAUF!

Eigentlich wollte unser Autor Philipp Jordan gar keine Volksläufe mehr laufen, aber irgendwie hat es ihn dann doch wieder hingezogen. Warum, und was für Erfahrungen er dabei machte, erzählt er Ihnen hier. Bitte begeben sie sich jetzt in den Startbereich!

Schon komisch. Wir Läufer trainieren fast täglich alleine in der Natur. Völlig einsam, nur mit Fuchs und Hase als Zeugen, üben wir unsere Sportart aus. Und doch scheinen wir unsere Höhepunkte immer an den großen Events festzumachen, wo wir zwischen schwitzenden Leidensgenossen durch Häuserschluchten stolpern und von Musik beschallt werden. Diese beiden Welten könnten unterschiedlicher nicht sein. Wer die Natur sucht, wird auf die Trailveranstaltungen ausweichen, aber auch da ist man inzwischen ja nicht mehr wirklich alleine. Und trotzdem scheinen gerade die großen Stadtläufe uns magisch anzuziehen.

Erinnerungen

Ich lernte Volksläufe als kleiner Junge kennen, da mein Vater ein passionierter (und guter) Marathonläufer war. Schon früh gewöhnte ich mich an den seltsamen Duft von Muskelölen im Startbereich, vermischt mit einer Note edelsten gegorenen Schweißes, der sich in alte Laufshirts gefressen hat. An Turnvereine, die selbst gebackenen Kuchen anboten, und Hallen, in denen man im Trubel seine Start­nummer abholte. Ich erfuhr, wie nervig jemand sein kann, dem man ein Mikro in die Hand drückt und sagt: „Ey, mach mal ein bisschen Stimmung im Start-Ziel-Bereich!“ Auch kenne ich alle Remix-Versionen von „Eye Of The Tiger“, sämtliche selbst gepinselten Schilder und vermeintlich lustigen Sprüche aus dem Publikum.

EIN GANZ SPEZIELLES FLAIR

Als ich viele Jahre später selbst an der Startlinie meines ersten Marathons in Köln stand, war das dann auch eine seltsam emotionale Mischung aus Nostalgie und Neuland. Aber warum laufen wir überhaupt bei solchen Veranstaltungen? Es ist ja nicht so, dass es nicht eine Menge offensichtlicher Vorteile gäbe.

Es ist schon angenehm, wenn man eine Marathondis­tanz laufen möchte und andere für einen die Strecke vorher genau ausgemessen und bei jedem Kilometer ein Schild aufgestellt haben. Nerviges Checken der Laufuhr entfällt somit. Zudem ist die Strecke abgesperrt, und weder Autos noch lästige Ampeln können einen bremsen. Das Publikum jubelt einem zu, egal wie unsportlich und langsam man aussieht. Glaubt mir, denn selbst mich haben sie beklatscht!

Beste Versorgungslage

Den Trinkrucksack mit seinen nervigen Schüttelgeräuschen kann man auch zu Hause lassen, da einem Getränke nicht nur zur Verfügung gestellt, sondern sogar in die Hand gereicht werden. Butler-Style! Und damit man die zarte Läuferseele nicht noch zusätzlich mit Zwischenzeiten und Kopfrechnen belastet, sucht man sich in der Menschenmasse einfach den Luftballon mit der gewünschten Zielzeit aus und läuft dem hinterher. Am anderen Ende des Luftballons hängt übrigens ein Läufer, dies sei nur zur Sicherheit am Rande erwähnt. Und zum Abschluss darf man sich dann noch mit einer Medaille behängen, die einen auf ewig an diesen Tag erinnern wird.

Kommen wir nun zu den Nachteilen dieser Spaßver­anstaltung. Man zahlt einen dicken Batzen Geld, um etwas zu tun, was man eigentlich täglich und überall gratis und umsonst tun kann. Während man beim täglichen Lauf – nervige Kläffer mal ausgenommen – völlig ungehindert laufen kann, muss man bei so manchem Stadtlauf regelrecht einen Slalom durch die Menschenmassen absolvieren. Aber schon im Startbereich stellt man fest, dass es immer noch Menschen zu geben scheint, die glauben, ein seit Wochen ungewaschenes, aber täglich genutztes Laufshirt bringe irgendwie Glück. Das olfaktorische Erlebnis ist wirklich ein Genuss.

Auch unsere audiophilen Freunde kommen natürlich auf ihre Kosten. Atemgeräusche irgendwo zwischen Darth Vader und dem letzten Röcheln eines sterbenden Schweins erquicken das Ohr. Gerne unterbrochen von „You reached three kilometers“-Ansagen irgendwelcher Lauf-Apps, die an Oberarme geklettverschlusst wurden, damit man ja nicht verpasst, wann man an den für alle sichtbaren Kilometer­schildern vorbeiläuft. Dann die nervigen Spaßvögel am Streckenrand, die einem schon bei Kilometer vier zurufen, dass es ja nur noch ein kleines Stück sei.

Optisch gibt es natürlich auch nie Grund für Langeweile. Man bekommt Menschen zu sehen, die mit Schaum vorm Mund mehr tot als lebendig wirken, und wieder andere, die mit ihrem Gürtel voller Wasserflaschen und Gels wirken, als würden sie in den Krieg ziehen.

AB AUF DIE STRECKE

Und trotzdem habe ich diese Laufveranstaltungen liebge­wonnen. Wir alle wahrscheinlich. Und so schrieb ich mich dieses Jahr für den Halbmarathon in meiner Heimatstadt Utrecht ein. Jedes Jahr lade ich am Abend vorher Hörer unseres „FatBoysRun“-Podcasts zu uns zur Pasta-Party ein, und so hat der Lauf mittlerweile einen traditionsartigen Charakter. Da ich leider mehrfach verletzt war, konnte ich die letzten vier bis fünf Wochen davor gar nicht trainieren und war dieses Jahr noch kein einziges Mal weiter als 10 Kilometer gelaufen – das machte somit den Lauf extra span­nend. Zudem bekam der Kurs in diesem Jahr einen neuen Veranstalter und eine neue Streckenführung. Ich hatte zwar ein wenig Schiss, aber gleichzeitig auch unglaublich Bock, endlich mal wieder was zu finishen.

Vollkommene Stille

Was ich besonders an Massenstarts mag, ist die Geräuschkulisse vor und nach dem Startschuss. Eben noch alle wild am Reden, Singen und Rufen, und sobald der Startschuss fällt, hört man nur noch das Publikum, den Sprecher und die Musik, aber um einen rum ist auf einmal alles still. Dann schiebt sich die Masse langsam immer weiter weg vom Startbereich, und es herrscht vollkommene Stille um einen herum (die Röchler haben ihren Einsatz meist erst ab Kilometer fünf, grobe Schät­zung).

Nichts als das Geräusch laufender Schuhe auf dem Asphalt. Ich liebe das. Ein Hörer hat mich im Startbereich angesprochen, und wir laufen zusammen, was ich immer sehr schätze, da es einen vom eigenen Leid ablenkt. Wir laufen das gleiche Tempo und genießen die Strecke. Nach circa sieben Kilometern bin ich mir sicher: Die Wade hält. Jetzt muss ich nur noch auch den restlichen Fettsack bis über die Ziellinie schleifen. Wird schon klappen. Ich mag die neue Streckenführung. Entlang einer Außengracht mit Hausbooten, Industrie und vielen Brücken. Ab und zu ein mobiler DJ, der die Menge anheizt. Mit Menge meine ich übrigens uns Läufer, denn das Publikum ist sehr dünn gesät und bis auf ein paar überenthusiastische Kinder eher Beob­achter als Anheizer. Und auf einmal bricht das Chaos aus.

EIN TOTALES DURCHEINANDER

Zunächst stießen auf einmal von links kommend die 10k-Läufer und -Läuferinnen auf unseren Kurs. Halt! Fake News! Es gab keine 10 Kilometer-Distanz, sondern einen „Kwart Marathon“, also Viertelmarathon. Finde ich eigent­lich vorbildlich, da so was Laufanfänger behutsam mit dem Marathon vertraut macht, und wer 10 Kilometer schafft, der schafft auch noch die 500 Meter extra. Aber kaum hatte das Feld versucht, den besten laufenden Reißverschluss der Welt zu imitieren, fing es wirklich an, problematisch zu werden.

Denn plötzlich war da eine Gabelung, allerdings wurde einem weder durch Schilder noch durch Ordner gesagt, ob man links oder rechts abbiegen muss. Ich musste also in Sekunden entscheiden, welcher Herde ich blind folge. Noch immer ungewiss, ob ich jetzt auch zum Kwart-Marathoni werde, gab es wenig später schon wieder so eine Situation. Geradeaus oder über die Brücke? Der Veranstalter war zwar zu geizig, um Google-Maps-Lizenzen zu erwerben, und hatte seine Karte sehr grob und mit viel Interpretationsspielraum auf die Website gesetzt, aber zum Glück reichte mir das, um zu wissen, dass wir über die Brücke mussten.

Emotionen

Wahrscheinlich zur Erheiterung stand knapp 500 Meter weiter ein Ordner, der auf einer gerade Straße, ohne Gefahr, sich zu verlaufen, mantramäßig rief, dass die Marathonläufer hier richtig seien. Oh danke – bei der Brücke wäre diese Information irgendwie wertvoller. Ich habe ihn dann auch drauf hinge­wiesen, dass er strategisch günstiger stehen könnte. Okay, vielleicht habe ich das Ganze unhöflicher formuliert und sogar noch mit einem Schimpfwort garniert, aber man ist ja nicht immer Herr seiner Emotionen.

Wenige Kilometer vor dem Ziel begegnete ich dann noch zwei Hörern, die eigentlich nur den Viertelmarathon laufen wollten, aber bereits 15 Km auf dem Tacho hatten. Ich habe meinen Hal­ben allerdings mit korrekter Distanz gefinisht, was in dem Fall reine Glückssache war. Bei der Gepäckausgabe dann ein ähnliches Chaos. Fast eine Stunde zwischen Hunderten Menschen eingequetscht, dicht an dicht. Zum Glück gab es keine Panik. Das wäre nicht gut gegangen. Auch pures Glück, dass die Läufer, die laut Nachrichtendurchsage im Straßenverkehr landeten, nicht angefahren wurden. Und trotz dieses Horror-Erlebnisses werde ich auch weiterhin an dieser völlig durchgeknallten Party teilnehmen, die sich Volkslauf nennt. Man braucht ja schließlich etwas, wofür man trainieren muss. Wir sehen uns im Startbereich!

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Interview mit BMW Berlin-Marathon-Sponsor James Chih-Fang Huang

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Zum fünften Mal ist Taiwan Excellence offizieller BMW Berlin-Marathon-Partner: ein kleines, aber wichtiges Jubiläum. James C. F. Huang ist Chairman des Taiwan External Trade Development Council (TAITRA), einer der Initiatoren von Taiwan Excellence, und selbst leidenschaftlicher Läufer.

 Herr Huang, Taiwan Excellence unterstützt den BMW Berlin-Marathon seit 2015. Ihre Bilanz? Seit ihrer Gründung in den 90er-Jahren genießen der BMW Berlin-Marathon und Taiwan Excellence einen erstklassigen Ruf auf der ganzen Welt. Zudem werden beim Marathon regelmäßig Rekorde erzielt, so wie taiwanesische Innovationen ständig die Messlatte höher heben. Dank dieser Parallelen fühlen wir uns dem Marathon jedes Jahr ein bisschen mehr verbunden.

Warum haben Sie sich damals für den BMW Berlin-Marathon entschieden?
Angesichts steigender Nachfrage nach taiwanesischen Produkten spielt die Markenkommunikation eine entscheidende Rolle. Und als eines der renommiertesten Sportevents erfährt der Marathon weltweite mediale Aufmerksamkeit – ideal zur Kommunikation unserer Markenbotschaft. Unser Team aus deutschen und taiwanesischen Läufern setzt zudem ein Zeichen für die lange, erfolgreiche Freundschaft zwischen unseren Ländern.

Was sind Ihre Ziele auf dem deutschen Markt?
Wir möchten, dass ein Bewusstsein für die Vielfalt und Zuverlässigkeit der taiwanesischen Industrie entsteht und sich das Taiwan Excellence-Symbol als Qualitätssiegel etabliert. Tatsächlich nutzen viele Deutsche bereits Produkte Taiwans, ohne es zu wissen: Einen großen Teil der Elektro- und IT-Technologie machen Innovationen aus Taiwan überhaupt erst möglich.

Sie haben für die Kampagne spezielle Schnürsenkel entwickelt. Was hat es damit auf sich?
Die roten Schnürsenkel stärken Motivation und Teamgeist und kommunizieren zugleich das Motto „ReachYourExcellence“. Wenn die Läufer online über ihre Trainingsfortschritte und Leistungen berichten, tragen sie die Botschaft weiter. Übrigens: Besucher der MARATHON EXPO holen sich ihre eigenen Schnürsenkel am Taiwan Excellence-Stand ab. Am Samstag trifft man unsere Läufer dort sogar persönlich.

Was möchten Sie als Läufer dem Taiwan Excellence-Team noch mit auf den Weg geben?
Der Kontrahent, mit dem sich ein Läufer misst, ist nicht vor ihm – sondern in ihm. Schon beim Training sollte man sich daher vergegenwärtigen, was die Marathon-Leidenschaft ursprünglich geweckt hat. Wir sind stolz auf unser Team und wünschen allen viel Erfolg!

 

 

 

Spartathlon 2017 (344)

Spartathlon: Alter Grieche

In einer unserer aktuellen Leserstory hat sich Dirk Karl nach Griechenland aufgemacht, um nach dem Scheitern vor vier Jahren nun endlich den „Spartathlon“ zu finishen. Ein Bericht über eine erfolgreiche Odyssee.

Text: Dirk Karl

Vor vier Jahren war ich kläglich gescheitert. Nun wollte ich einen neuen Versuch wagen. Durch die Teilnahme am letztjährigen 12-Stunden-Lauf in Barcelona, bei dem ich etwas mehr als 125 Kilometer geschafft hatte, war klar, dass ich die Qualifikation geschafft hatte und es für mich hieß: Spartathlon, ich komme wieder! 246,8 Kilometer von Athen nach Sparta in höchstens 36 Stunden. 3.250 Höhenmeter. Dieses Mal wollte ich im Vorfeld mehr Trainingskilometer und kilometerreiche Wettkämpfe absolvieren. In den letzten vier Monaten vor dem Spartathlon lief ich sechs Marathons und sieben Ultras, dazu auch kurze Strecken, um die Grundschnelligkeit nicht zu verlieren. Mein letzter­ Härtetest: der Pfalz-Trail über 85,6 km, den ich ohne große Mühe laufen konnte.

Ich kam nachts um 3 Uhr in Athen an und hatte Glück, noch einen Bus nach Glyfada zu erwischen, wo die Athleten untergebracht waren und wo sich die Startnummernausgabe befand. Gegen 4:30 kam ich im Hotel an und legte mich in voller Montur auf das Bett, um meinen Zimmergenossen nicht zu wecken. Nach ein paar Stunden spärlichen Schlafes ging ich zum Frühstücksraum, wo es dann ein erstes Kennenlernen und Fachsimpeln gab. Nach dem Mittagessen waren die Dropbags abzugeben. Ich feilte daran bis zum allerletzten Moment und gab zehn Dropbags ab, die ich konsequent in einem Streckenabstand von 20 Kilometern, beginnend mit der Marathondistanz, verteilte. Am nächsten Morgen rollte der Bus um Viertel vor sechs los zum Startpunkt am Fuß der Akropolis. Während der Fahrt wiederholte ich das Mantra, das ich mir im Vorfeld der Veranstaltung mittels autogenem Training ins Unterbewusstsein gehämmert hatte: „Ich werde nicht aufgeben und das Ziel sicher erreichen.“

Ich werde nicht aufgeben“

Um Punkt sieben im Morgengrauen ertönte der Startschuss, und ein riesiger Läuferpulk machte sich auf den langen Weg nach Sparta. Ich kam gut ins Rennen, lief ca. 6 Minuten pro Kilometer, passierte die Marathonmarke nach 3:44 Stunden und nahm dort meinen ersten Dropbag entgegen. Nach circa 70 km begann meine linke Wade empfindlich zu schmerzen und zu verhärten, was mir doch einige Sorgen bereitete. Nach 7:50 Stunden und 81 Kilometern erreichte ich Korinth. Bis hierhin waren neun Kilometer in der Stunde zurückzulegen – wer langsamer war, wurde aus dem Rennen genommen. Aufgrund meiner Wadenprobleme wurde eine kurze Massage notwendig, dann trat ich den Weg in Richtung Nemea, dem nächsten größeren Verpflegungspunkt an. Ich erreichte Nemea bei Kilometer 124 nach 13:07 Stunden. Ich wusste, dass es nach Kilometer 159 hoch zum Sangas-Pass gehen würde, was einen Löwenanteil der Höhenmeter ausmachen würde. Dennoch schien eine Zeit unter 30 Stunden jetzt im Bereich des Möglichen zu liegen. Wie schon vorher versäumte ich es aber, meine flüssigen Energiereserven aufzufüllen, verließ den Checkpoint und stellte bei der nächsten turnusmäßig geplanten Salzzufuhr erschrocken fest, dass ich wohl unterwegs meine Salztabletten verloren hatte.

Erst allmählich und dann in merklich steigendem Maß machte sich das Energiedefizit bemerkbar. Die zunehmend schwierigere und ansteigende Strecke ließ mich in ein Schneckentempo fallen. Ich erreichte den Sangas-Pass nach 18:52 Stunden. Es gab einen Wettereinbruch, aber die Regenjacke hielt, was sie beim Einkauf versprochen hatte, und ich blieb vollkommen trocken. Die Beleuchtung der Wegführung war hervorragend, unterwegs waren immer wieder Streckenposten, die kontrollierten und aufmunternden. Die Bergabpassage gestaltete sich ungleich schwieriger, da durch den Dauerregen alles nur noch wie durch einen milchigen Schleier wahrnehmbar war. Weiter ging es durch die Nacht Richtung Nestani. Den bei Kilometer 195 gelegenen Checkpoint Tegea erreichte ich nach Morgengrauen.

Harte Schlussphase

So sehr ich auch wollte, gegen Ende konnte ich leider nicht mehr beschleunigen und musste schon die kleinsten Aufstiege gehen. Kilometer für Kilometer musste ich meine zeitlichen Ziele nach unten korrigieren. Dennoch stellte sich ca. 20 Kilometer vor dem Ziel eine gewisse innere Zufriedenheit ein. Jetzt galt es nur noch, die Konzentration aufrechtzuerhalten, um nicht kurz vor Schluss noch ins Stolpern zu kommen. Dann war es so weit: Zahlreiche Kinder jubelten einem beim ergreifenden Zieleinlauf zu. Leider nutzte der vor mir befindliche Läufer den Zieleinlauf zu einer frenetischen und schreiwütigen One-Man-Show. Während er auf die Leonidas-Statue kletterte, mussten ich und ein japanischer Läufer wie an der Supermarktkasse stehend auf den Zieleinlauf warten. Im Ultralauf gibt es halt Ultra-Nette und Ultra-…

Dennoch: Erleichterung pur, es geschafft zu haben. Ich bekam Wasser aus der Schale gereicht und einen Lorbeerkranz auf das ungesalbte Haupt. Ich wurde in einen Stuhl gesetzt, drei junge Mädchen wuschen meine Füße. Als ich gehen wollte, versagte beim Aufstehen meine Muskulatur völlig – ich kippte nach vorne und wurde glücklicherweise aufgefangen. Man legte mich erst mal auf eine Pritsche und verpasste mir zwei Infusio­nen. Dann fuhr man mich zum Hotel, wo ich mich aufs Zimmer schleppte.

Als Fazit bleibt, dass es sicher mein längster, stimmungsvollster und intensivster Lauf war, bei dem sich alle Helfer in hinreißender Weise um die Läufer kümmerten. Schön war die Abschlusszeremonie, bei der jeder persönlich nach vorne gerufen wurde und seine Urkunde erhielt. Das internationale Flair mit Menschen aus aller Herren Länder, teilweise in Landestracht, war unvergleichlich. Da ich mit meiner Zeit aber nicht ganz zufrieden bin und auch einige Menschen gerne wiedersehen würde, habe ich noch bis Januar Zeit, mich für nächstes Jahr zu bewerben. Und das Schönste daran: Als Finisher brauche ich diesmal gar keine Qualifikationsleistungen zu erbringen. Schauen wir mal …

 

© Veranstalter S 25

S 25: Traditionsreiche 25 Kilometer

Mehr als 10.000 begeisterte TeilnehmerInnen liefen beim S 25 Berlin über die blaue Bahn des Berliner Olympiastadions ins Ziel ein.

Die 39. Auflage des ältesten deutschen Stadtlaufs S 25 ist erfolgreich zu Ende gegangen. Bei optimalen Laufbedingungen begaben sich die 10.047 TeilnehmerInnen auf den einzigartigen Rundkurs quer durch die Hauptstadt. Harald Bösch-Soleil, Leitender Senatsrat für Inneres und Sport, gab um 10 Uhr den Startschuss für alle Distanzen. Neben der Vielzahl an LäuferInnen stellten sich 400 Kinder der Herausforderung des ca. 2 kilometerlangen Kinderlaufs. Alle Kinder meisterten jene Herausforderung bravourös und bekamen im Zielkanal ihre wohlverdiente Medaille überreicht.

Mit großer Zustimmung wurde der Einsatz der Mehrwegbecher an den Verpflegungspunkten 3 & 4 aufgenommen. Der erste Schritt für eine fortschrittliche und nachhaltige Veranstaltung einzustehen ist getan. Weitere zukunftsweisende Schritte sind bereits in der Planung und sollen bereits im kommenden Jahr, zur 40. Auflage, integriert werden.

Über die prestigeträchtige 25 Kilometer Distanz setzte sich bei den Männern Samalya Schäfer durch. Auf den Plätzen zwei und drei folgten Donal Coakley und Michele Bottone. Jan Fitschen, Europameister von 2006 über die 10.000m Distanz, genoss die optimalen Laufbedingungen sichtlich und setze unter großem Beifall auf den letzten Metern nochmal zum Zielsprint an. Bei den Frauen sicherte Malin Pfäffle sich vor Delphine Thirifays und Raija Schmidt den Sieg. Über die Halbmarathon Distanz konnte sich bei den Männern Max-Lukas Franke gegen Ron Scheduikat und Björn Trochim durchsetzen. Bei den Frauen gewann Lilly Lißner. Mit ihr auf dem Podium standen Iuliia Griffen und Karin Martinson.

Musikbands, Zuschauer und die über 800 Helfer sorgten entlang der 25 Kilometer Strecke für eine außergewöhnliche Stimmung und trugen ihren Teil dazu bei, dass die ein oder andere persönliche Bestleistung pulverisiert wurde.

Berlin läuft bedankt sich bei allen Beteiligten, die zum Gelingen des diesjährigen S 25 Berlin beigetragen haben. Weitere Informationen sind unter www.berlin-läuft.de abrufbar.

Die schnellsten LäuferInnen des 25 km-Laufs (netto Laufzeit)

Frauen:

1. Malin Pfäffle; Zeit: 1:41:29

2. Delphine Thirifays; Zeit: 1:43:10

3. Raija Schmidt; 1:45:35

Männer:

1. Samalya Schäfer; Zeit: 1:25:46

2. Donal Coakley; Zeit: 1:30:49

3. Michele Bottone; Zeit: 1:31:10

Die schnellsten LäuferInnen des Halbmarathons (netto Laufzeit)

Frauen:

1. Lilly Lißner; Zeit: 1:20:15

2. Iuliia Griffen; Zeit: 1:31:10

3. Karin Martinson; Zeit: 1:31:44

Männer:

1. Max-Lukas Franke; Zeit:1:18.03

2. Ron Scheduikat; Zeit: 1:18:41

3. Björn Trochim; Zeit: 1:19:52

Die schnellsten LäuferInnen des 10 km Laufs (netto Laufzeit)

Frauen:

1. Daniela Nuscheler; Zeit: 40:33

2. Farina Lennartz; Zeit: 40:48

3. Susanne Lauer; Zeit: 41:46

Männer:

1. Marvin Dierker; Zeit: 32:32

2. Marcus Gawlik; Zeit: 34:01

3. Louis Helmuth; Zeit: 34:14

Am 08.09.2019 heißt es wieder im Rahmen des VOLVO Tierparklaufs: Berlin läuft!

Christoffer Sjostrom

Die nächste Generation des legendären Salomon Trailrunningschuhs – Speedcross 5

Der Speedcross 5 gehört zu den legendärsten Trailschuhen. Zahlreiche Trailläufer dieses Planeten schwören seit Jahren auf Grip und Passform des Profilschuhs. Kann ein solcher Schuh noch besser gemacht werden? Ja, dachten sich die Designer von Salomon und überarbeiteten das Konzept dieses Schuhs grundsätzlich. Herausgekommen ist ein runderneuerter Trail-Laufschuh mit spannenden Details.

Eckdaten des neuen Speedcross 5:

GRIP
Die Sohle des Speedcross 5 verfügt über breiter ausgelegte Stollen mit größeren Zwischenräumen und eine überarbeitete Geometrie, welche bei allen Oberflächenbedingungen einen besseren Halt beim Abstoßen und Bremsen bietet.

PASSFORM
Beim Speedcross 5 kommt ein komplett verschweißtes Obermaterial mit abgetrennter Sensifit™-Konstruktion zum Einsatz. So kann der Schuh der Fußbewegung besser folgen und hohen Tragekomfort gewährleisten.

STABILITÄT
Der Fersenbereich des Speedcross 5 passt sich deinem Fuß optimal an, um ein sicheres Auftreten und Stabilität zu gewährleisten.

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