Category : Erlebnis

5 K New York MARATHON 2018

Running-City – New York

Text: Ralf Kerkeling

New York erwacht anders als andere Städte auf dieser Welt. So viel steht mal fest. Das viel besungene Brodeln der Stadt, es ist ständig präsent. Immer ist etwas los, ohne das es dabei extrem laut zugeht. Überhaupt ist New York entspannter, als zumindest ich es mir vorgestellt habe. Die Bewohner haben sich perfekt mit ihrer Umwelt arrangiert: Volle Straßen, volle U-Bahnen – jau, dann ist das so. Kein Grund, unfreundlich oder gar hektisch zu werden. Ganz ehrlich, ein Gang über eine Kölner Einkaufsstraße ist nervenaufreibender als ein Bummel entlang der 5th Avenue. Die ersten Eindrücke der Megametropole am Hudsonriver lassen die Synapsen direkt rotieren. Für den Kopf ist es beinah unmöglich, sämtliche Eindrücke sortiert zu verarbeiten. Hier ein Wahnsinnsgebäude, dort ein cooler Freak, ein Flirren allüberall – fast zuviel für ein normal funktionierendes menschliches Gehirn.

 

Auch für mich und große Teile unserer Reisegruppe verläuft die erste Nacht und das erste Erwachen am Big Apple eher ungewöhnlich. Der Jetlag fordert unseren Biorhythmus heraus. Heißt in meinem Fall: jede Stunde aufwachen, umdrehen, wach liegen, schlafen und wieder von vorn das Ganze. Gegen 5 Uhr in der Früh beende ich meinen verzweifelten Versuch, zur Ruhe zu kommen und streife mir die Laufsachen über. Die beste Idee an diesem noch sehr jungen Tag. Als ich Richtung Central Park trabe, ist es noch dunkel – wenn man das in dieser Glitzermetropole so nennen kann. Der Himmel liegt irgendwo versteckt zwischen den Hochhaustürmen Manhattans, Sterne sind nur zu erahnen. Erhellt werden die Straßen überwiegend durch beleuchtete Bürokolosse. Je näher ich dem Central Park komme, desto mehr mehr Gleichgesinnte treffe ich. Pünktlich zu meinen ersten Metern in diesem Mekka für Läuferseelen, geht die Sonne auf! Wir Early Birds werden von einem strahlenden Tag begrüßt. Mit jedem Kilometer nimmt die Schar der Läufer im wundervoll angelegten Park zu. Dies ist sie also, die besondere Stimmung in diesem Park, am Wochenende des größten Marathons der Welt. So treffe ich auf eine Laufgruppe aus Argentinien, die sich mit Läufern aus Italien zusammengeschlossen hat, jeweils zu erkennen an den unterschiedlichen Landesfarben auf ihren Laufshirts. Zahlreiche andere Sprachen gesellen sich innerhalb kürzester Zeit hinzu. Die Masse an Läufern ist beeindruckend. So viele Läufer bei einem entspannten Morningrun – mancher Laufveranstalter in Deutschland wäre froh, nur einen Bruchteil davon als Teilnehmer begrüßen zu dürfen. Ein gemeinsames Einstimmen auf den anstehenden Marathon, ein erster Test auf einer der bekanntesten Zielgeraden des weltweiten Marathonzirkus. Ich treffe auf Florian, besser bekannt als Flooorrriii, einen der bekanntesten Sport- und Fitnessblogger Deutschlands. Auch ihn scheint der Jetlag zu einem frühen Läufchen inspiriert zu haben. Dieser Lauf am Morgen sollte für uns zu einem Ritual der nächsten Tage werden. Kurz und knackig, nicht zuviel, schließlich steht der große Marathontag noch an.

Etwas, das in Erinnerung bleiben wird

Für einen Marathonläufer ist es so: Man will sich einerseits auf einen Marathon freuen, das heißt man will entsprechend ausgeruht an den Start gehen, gleichzeitig kann man sich nicht gänzlich dem Reiz der jeweils bereisten Stadt entziehen. New York und sich ausruhen, das passt nicht zusammen, zumindest nicht für uns Hobbyläufer. Zu reizvoll sind all die Sehenswürdigkeiten. Wir reißen einiges an Touri-Kilometern ab. Meist sind wir zu Fuß unterwegs, nehmen aber auch mal einen der praktischen Hop-on-hop-off-Busse. New York im Crashkurs, wer kann sich dem schon entziehen? Die Tage vergehen wie im Flug, die Stadt steht ganz im Zeichen des Marathons. Der Besuch auf der Messe, das Abholen der Startnummern, der eigentliche Grund für den Besuch rückt näher. Leichte Rennnervosität gepaart mit absoluter Vorfreude machen sich in unserer Gruppe breit. Jeder von uns hat seine persönlichen Laufziele. Für einige ist es der erste Marathon, andere haben Zeitziele. Florian möchte eine ordentliche Zeit laufen, jedoch auch die Stimmung mitnehmen. Eine gute Entscheidung, wie sich im Verlauf des Sonntags zeigen wird. Denn der Lauf durch die Megacity hat es in sich! Eine profilierte Strecke, es geht rauf und runter. Absolut beeindruckend sind die Menschenmassen am Wegesrand. Die positive Stimmung trägt uns durch die Strassen New Yorks. Auf den hügeligen Kilometern durch Brooklyn und Williamsburg erzeugen die Zuschauer eine Tour de France-Atmosphäre, so eng machen sie die Straßen, brüllen die Läufer motivierend weiter. Für mich ist kurz vor Manhattan, nach etwas mehr als der Hälfte der Strecke, Schluss. Die Hüfte macht zu. Florian hat auch zu kämpfen, zieht jedoch durch. Was für jeden von uns bleibt, ist am Ende des Tages die Gewissheit, an etwas Besonderem teilgenommen zu haben. Ein Erlebnis, das uns noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Flo’s Laufschuh

Mit diesem Schuh bestritt Florian
den New York Marathon – 
der 1400V6 ist wie geschaffen für Wettkämpfe. Preis: 120,00 €, www.newbalance.de

42km_copyright Fabian Bodet-11

Weißer Riese

Der Marathon du Mont Blanc zählt zu den großen Klassikern in der Laufszene. Wer davon träumt, mit den großen Trailläufern dieses Planeten gemeinsam an der Startlinie zu stehen und anspruchsvolle Trails in beeindruckender Landschaft zu erleben, der ist in Chamonix genau an der richtigen Stelle.

Kilian Jornet ist ein absoluter Superstar. Zwar ist er, zumindest im herkömmlichen Sinne, nicht mit einem Popstar zu vergleichen. Aber was sich am Wochenende des Marathon du Mont Blanc in der altehrwürdigen, malerisch in den französischen Alpen gelegenen Stadt Chamonix, rund um den Doppel-Everest-Bezwinger und Trailläufer abspielt, ist eigentlich nicht mit Worten zu beschreiben. Es zu erleben jedoch absolut beeindruckend. Doch der Reihe nach.

Chillen mit den Trail-Stars

Ich treffe Kilian am Abend vor dem Start des Marathons in einem der Häuser in Chamonix, in denen viele der Athleten untergebracht sind. Die Atmosphäre hat etwas Familiäres, es wirkt wie eine Sportler-WG. In einem kleinen Garten sitzen oder liegen die Läufer und besprechen mit ihren Betreuern und Ausrüstern Details und Taktiken des am nächsten Morgen anstehenden Rennens. In einer Ecke des Gartens stehen zwei Zelte. Wieder andere Athleten und Hausbewohner kochen gemeinsam in der Küche. Auf insgesamt drei Häuser verteilen sich die Mitglieder des Salomon-Teams. Häuser ohne viel Schnickschnack, spartanisch, aber gemütlich eingerichtet – eine vom Ausrüster bewusst gewählte Unterbringung: raus aus der Stadt, die Stars der Trailszene ein wenig abschotten, Teamspirit fördern. Die Gespräche zwischen den einzelnen Athleten werden immer wieder von einem Lachen unterbrochen. Die Stimmung ist fokussiert, jedoch entspannt, fast schon locker. Nach dem Abendessen findet das Briefing für das Rennen statt. Ich darf teilnehmen, setze mich an den langen Esstisch und lausche gespannt den Ausführungen.

Beim Rausgehen erhasche ich noch einen Blick auf ein paar Bergstiefel. „Mit diesen Stiefeln war Kilian gestern noch auf dem Mont Blanc und davor auf dem Mount Everest“, erklärt mir einer der Hausbewohner, als er meinen Blick auf die mit einer gelben Hülle geschützten Stiefel bemerkt. „Wie cool ist das denn?“, denke ich mir insgeheim und grinse. Das ist dann wohl mal eine spezielle Form des Taperns, beziehungsweise Anschwitzens, vor einem der strapaziösesten Marathonläufe im Wettkampfzirkus: mal eben auf den höchsten Berg Europas. Gut, die Form scheint bei Herrn Jornet jedenfalls zu stimmen. Dass diese Stiefel auch auf dem höchsten Punkt der Erde unterwegs waren, darüber sinniere ich auf dem Weg zurück in meine Unterkunft.

FASZINIERENDE BERGWELT

Der nächste Morgen bringt das ersehnte gute Wetter. Ganz im Gegensatz zum letzten Jahr, als es wie aus Eimern goss. Wie bei jedem Marathon gilt auch in Chamonix: Der frühe Vogel läuft die Rennen. Ich bin mit einer Gruppe Journalisten verabredet. Wir werden den Marathon vom Start in Chamonix durch das wunderschöne Tal in Richtung Vallorcine begleiten, zwischendurch an ein, zwei Wegpunkten auf das Feld warten und so einen Überblick über die Rennsituation erlangen. Dann den Weg zurück Richtung Ziel in Planpraz antreten bzw. fahren, denn wir sind mit einem Minibus unterwegs.

Auf meinem Weg Richtung Abfahrtspunkt treffe ich auf viele sich warm machende Läufer. Eine leichte Nervosität hat sich seit gestern Abend über die kleine Stadt unterhalb des erhabenen Mont Blancs gelegt. Diese Anspannung, die die meisten Läufer vor einem Rennen heimsucht, eine Mischung aus Vorfreude und Ungewissheit, hat sich an diesem Rennwochenende von Freitag bis zu diesem Sonntagmorgen durchgezogen. Verschiedene Rennen verteilten sich über die letzten drei Tage. So erlebte ich bei meiner Anreise freitags ein beeindruckendes Vertical Race. 1.000 Höhenmeter auf 3,8 Kilometer Streckenlänge, ein Lauf gegen die Uhr, der oder die Schnellste siegt. Trotz all der Anstrengung ist es ein Spaß für Aktive und Zuschauer. Die Belohnung: ein kaltes Getränk und die sagenhafte Aussicht von Planpraz auf den Mont Blanc und die umliegenden Berge – einfach atemberaubend schön. Eine Kollegin und ich fangen an darüber zu philosophieren, ob es nun schöner ist, in den Bergen oder am Meer zu leben. Wir kommen beide zu dem Schluss: In so einer Umgebung hast du alles, um glücklich zu sein, und brauchst auch kein Meer.

EINE STADT IM LAUFFIEBER

Weitere Rennen runden das Wochenende in den französischen Bergen ab. So sind in diesem Jahr die 23 Kilometer wieder in den Kalender aufgenommen worden. Die 23 Kilometer, mit denen 1979 alles begann, bis 2003 die Marathondistanz hinzukam. Des Weiteren dürfen sich die Trailäufer als Duo-étoilé im Teamlauf versuchen oder gleich aufs Ganze gehen und die 80 Kilometer erlaufen. In und um Chamonix ist also viel los an diesen Tagen, die ganze Stadt ist im Lauffieber. Bis spät in die Nacht werden beispielsweise am Samstagabend Läufer der 80-Kilometer-Distanz mit stehenden Ovationen begrüßt. Menschen, die an einem angenehm warmen Abend durch Chamonix flanieren, bleiben stehen, klatschen, feuern an, beim Essen Sitzende stehen auf und tun es ihnen gleich. Magisch sind diese Momente für alle, die den Laufsport lieben, ob laufend oder schreibend, einfach sensationell.

COMEBACK GELUNGEN

Zurück zum Sonntagmorgen. Meine Kollegen und ich machen uns auf den Weg zum Bus. Wir werden uns vor dem Start des Marathons aus Chamonix hinaus bewegen müssen, da wir sonst im Stau der begleitenden Fanfahrzeuge stecken bleiben könnten, das erklärt mir ein Kollege. Kurz vor Erreichen des Fahrzeuges läuft Kilian an uns vorbei. Er ist auf dem Weg zur Startaufstellung. Begleitet wird der Topstar schon frühmorgens von zahlreichen Menschen, entweder durch Applaus oder gar nebenher laufend. „Für Kilian ist es teilweise nicht so einfach, sich in der Öffentlichkeit von Chamonix zu bewegen. Im letzten Jahr haben sich so viele Menschen nach seinem Sieg um Kilian gedrängt, dass wir ihn nur mit Mühe aus der Masse herausziehen konnten. Einmal befreit, sind wir dann im Spurt Richtung Auto und dann raus“, erklärt mir Jordi, ein Mitarbeiter von Kilians Management Lymbus. Bei uns in Deutschland gibt es keinen solchen Superstar des Laufsports, der sich mit Kilian Jornet vergleichen ließe.

Mit diesen Geschichten im Kopf fahren wir im Auto los und erleben einen Marathon, der viele Menschen entlang der gesamten Strecke in seinen Bann zieht. Ein Tour-de-France-Feeling an den Berghängen, wo Menschen, dicht an den Singletrails stehend, die Läufer frenetisch unterstützen. Kilian Jornet feiert am Ende ein erfolgreiches Comeback und siegt – nach überstandenem Beinbruch – mit einer Zeit knapp unter vier Stunden beim zweiten Rennen der Golden Trail Series. Chapeau!

Text: Ralf Kerkeling

 

Resting at Murray Hut 4530m

Bottom Up: Vom tiefsten Punkt Chiles auf den höchsten Vulkan der Welt

Ultratrailläuferin und Abenteurerin beendet die vierte Etappe ihres Projekts „Bottom Up Seven Volcanic Summits“ erfolgreich. Sie will die jeweils höchsten Vulkane aller sieben Kontinente bezwingen- by fair means: alles aus eigener Muskelkraft!

St. Moritz, 8.1.19 – Die Extremsportlerin Anne-Marie Flammersfeld hat die vierte Etappe ihres neuen Ausdauersport-Projekts „Bottom Up Seven Volcanic Summits“ erfolgreich abgeschlossen und mit dem Ojos del Salados in Chile den mittlerweile vierten von sieben Vulkanen bezwungen. Dabei ist sie vom tiefsten Punkt Chiles in Bahia Inglesa am Pazifischen Ozean auf Meereshöhe gestartet und hat den Gipfel des Ojos del Salados mit einer Höhe 6893 Metern innerhalb von zehn Tagen erreicht. 

Den ersten Teil der insgesamt 330km langen Strecke hat sie bei bis zu 40 Grad mit dem Mountainbike über staubige Straßen durch die Atacamawüste zurückgelegt. Die folgenden Tage wurden dazu genutzt, sich für die gewaltige Höhe des höchsten Vulkans des Welt zu akklimatisieren. Dazu unternahm Flammersfeld immer wieder kleinere Wanderungen auf höher gelegene Gipfel (rund 6100 Meter hoch), um dann auf eine Höhe von 4520 Meter auf die Murray-Hütte zurückzukehren. Begleitet wurde sie von ihren Teammitgliedern Giuseppe Milanesi und Alessio Piccioli, die im Vorfeld den größten Teil der Strecke per GPS planten.

Anne-Marie Flammersfeld: „Besonders die Strecke per Mountainbike war aufgrund der hohen Temperaturen und der sandigen Wüstenstraßen sehr anspruchsvoll. Die größte Herausforderung war allerdings die Höhenanpassung. Da wir nicht unendlich Zeit hatten, mussten wir im Vorfeld in heimischen Gefilden schon Anpassungstouren unternehmen. Ich habe mich zudem mit einem Höhentrainingszelt in der Wohnung bis auf eine Höhe von 4500 Metern anpassen können. Im Nachhinein kann ich sagen, dass das wirklich gut funktioniert hat!“

Der Aufstieg 

zum Gipfel ist mit 3,5 Kilometern und 1100 Höhenmetern nicht besonders lang. Wenn man aber bedenkt, dass der Start auf einer Höhe von 5832 Metern erfolgt, dann muss das Tempo dementsprechend angepasst werden. Flammersfeld und Milanesi erreichten den Gipfel des Ojos del Salados nach 6 Stunden 30 Minuten. Piccoli litt an einem akuten Grippevirus und konnte nicht auf den Gipfel steigen.

Aufgrund der extremen Höhe und des sandigen Geländes entschied sich das Team jedoch eine Teilstrecke von 20 Kilometern mit dem Auto zu bewältigen.

Bottom Up Seven Volcanic Summits

Im Rahmen des Extremsportprojekts „Bottom Up Seven Volcanic Summits“ wird Anne-Marie die jeweils höchsten Vulkane aller sieben Kontinente bezwingen. Startpunkt ist der tiefste Punkt des jeweiligen Landes. Dabei verzichtet sie auf motorisierte Hilfsmittel und verlässt sich ausschließlich auf ihre Muskelkraft. Die Strecken werden laufend, wandernd, radfahrend oder auch auf Skiern zurückgelegt.                                                                                  Anne-Marie trägt während der Touren einen GPS-Responder, der ihren aktuellen Standort übermittelt. Auf der Internetseite www.bottomupclimbs.org kann man nachvollziehen, wo sie sich gerade aufhält.

 Das Projekt umfasst in den kommenden Jahren folgende weitere Vulkane:

  • Europa: Mount Elbrus (5642m) in Russland
  • Antarktis: Mount Sidley (4181m)
  • Ozeanien: Mount Giluwe (4367m) in Papua Neuguinea

Bereits im Jahr 2014 konnte Anne-Marie samt Team den Mount Damavand im Iran im Bottom Up Climbs Stil besteigen. Im Jahr 2015 folgte der Kilimandscharo, der höchste Vulkan und Berg Afrikas mit einer Höhe von 5892 Metern. Dort stellte Flammersfeld auch einen neuen weiblichen Speedrun-Weltrekord auf und erreichte den Gipfel in 8 Stunden 32 Minuten. Im Jahr 2016 ging es auf den höchsten Vulkan Nordamerikas, den Pico de Orizaba. Dieser Vulkan ist 5636 Meter hoch und wurde vom Team im letzten Abschnitt mit den Tourenski bezwungen.

Wie mit all ihren Rennen unterstützt Anne-Marie auch mit dem Seven Volcanics Bottom Up-Projekt die Paulchen Esperanza Stiftung, für die sie als Botschafterin tätig ist. Die Stiftung setzt sich insbesondere für die Belange benachteiligter Kinder in Entwicklungs- und Schwellenländern ein. 

Über Anne-Marie Flammersfeld

Anne-Marie Flammersfeld ist Diplom-Sportwissenschaftlerin und Ultratrailläuferin. Im Jahr 2012 gewann sie als erste Frau weltweit die „4 Deserts Series“ von Racing the Planet. Dabei legte sie in einem Jahr jeweils 250 Wüstenkilometer in 

der trockensten, der windigsten, der heißesten und der kältesten Wüste der Welt zurück. Im April 2014 siegte sie mit 4:52:45 Stunden beim UVU Nordpolmarathon und stellte damit einen neuen Streckenrekord auf. Im Juni 2014 wurde sie Erste beim anspruchsvollen Zugspitz Ultra Trail, bei dem sie in 13:53:21 Stunden die Distanz von 100 Kilometern und 5400 Höhenmetern im Aufstieg zurücklegte. In den folgenden Jahren erzielte sie beim Transatlas Marathon, Trans Alpine Run oder beim Dolomiti Extreme Run Top 3 Resultate. Seit 2015 ist sie Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft Ultratrail und belegte mit dem Team im Jahr 2015 den 4. Platz. Das Andorra Ultra Race im Juli 2018 gewann sie ebenfalls und konnte den alten Streckenrekord um 30 Minuten verbessern.

Mehr über die deutsche Ausdauersportlerin, die im Schweizer St. Moritz das Personaltrainingunternehmen all mountain fitness betreibt, erfahren Sie unter http://annemarieflammersfeld.blogspot.de/  oder www.allmountainfitness.ch .

 Kontakt

Anne-Marie Flammersfeld, +41 79 433 67 02, anne-marie@allmountainfitness.ch

btr

Auf den Spuren Hannibals

Von Turin bis zur Hafenfestung in Taranto in rund 2 Wochen. Robert Wimmer nimmt uns mit auf die 1120 Kilometer lange Strecke auf den Spuren Hannibals.

Nein, nein! Ich bin nicht verrückt. Auf keinen Fall. Im Gegenteil. Ich stehe mit beiden Beinen im Leben. Ich überlege nicht ewig, sondern plane mein Ziele und setze sie um. Ganz einfach. Ich bin unterwegs durch Italien. Zusammen mit meinem „Benpacker“. Ein zweirädriger Anhänger, in den ich beim Start in Turin an der Kathedrale San Giovanni Battista rund 25 Kilo Gepäck lade und den ich Mitte Juli elf Tage lang mittels Hüftgurt hinter mir herziehe. Dafür opfere ich meinen Sommerurlaub gerne. Knapp 33 Kilo wog der Benpacker dann ingesamt inklusive wasserdichter Tasche und Inhalt. Mein Ziel ist es immer möglichst autark unterwegs zu sein. Deshalb habe einen großen Teil meines Nahrungsbedarfs für elf Tage im Ziehwagen dabei gehabt: 30 große Haferriegel und 8 Tüten Trekkingnahrung. Dazu vier Liter Wasser. Zusätzlich habe ich ein kleines Biwakzelt, ein paar Laufklamotten und allerhand Nützliches, um zum Beispiel große Blasen am Fuß aufzustechen und zu behandeln dabei. Blasen hatte ich viele. Stört mich aber nicht weiter. Dass ich meine Laufschuhe schon am zweiten Tag vorn aufgeschnitten habe, ist auch so ein alter Trick. Die Schule der Ultraläufer.

Von nichts kommt nichts

Rüdiger Nehberg, der bekannte Überlebenskünstler, hat mich zu solchen autarken Touren inspiriert. Nehberg hat Länder wie Deutschland oder den Urwald im Amazonasdelta auf ähnliche Art und Weise selbst vor vielen Jahren durchquert, sich dabei 100% selbst versorgt. Joey Kelly hat das 2010 auch gemacht, das ist aber nicht mein Ding, dabei bin ich abenteuermäßig eher untalentiert. Keine Ahnung, wie man einen toten Igel grillt. Deswegen habe ich Sportlerriegel und Trekkingnahrung in Aluminiumtüte eingekauft. Ich absolvierte im Vorfeld einige Langstreckeneinheiten mit dem Ziehwagen, dazu täglich Läufe jeweils vor und nach der Arbeit, was zusammen bis zu 250 Wochenkilometer ergab. Dafür stand ich morgens teils schon um fünf Uhr auf. Für ein großes Vorhaben muss man eben auch mal andere Dinge, Hobbies und auch das Zusammensein mit der Familie für einige Wochen einschränken. Von nichts kommt nichts, sagte schon mein Vater. Er hatte schließlich selbst drei Weltbestleistungen im Ultralauf aufgestellt. Ohne meinen Vater wäre ich sowieso nie zum Laufen gekommen. Ich war damals 23 Jahre jung und er sagte zu mir: „Mensch Bub, schau’ mal in den Spiegel, was Du schon für eine Wampe hast! Das ist ja nicht mehr schön“. Als ich den endlosen monotonen Radweg Richtung Trient entlang lief, kamen mir plötzlich die Gedanken an meinen Papa in den Kopf geschossen, der 2009 von uns gegangen ist. Ich musste während des Laufens meine Tränen unterdrücken aus Traurigkeit und Dankbarkeit an ihn zugleich.

Die Fortsetzung eines Abenteuers

Zur Vorgeschichte: Hannibal war der legendäre Feldherr aus Karthago, der 218 vor Christus die Römer rücklings über die Alpen, statt über den Seeweg, angriff. Es war Hannibals berühmter Marsch von Spanien nach Italien. Ich bin im Jahr 2016 die 1300 Kilometer lange Route von Spanien bis Turin in zwölf Tagen gelaufen (siehe aktivLaufen 06/2016). Deswegen lief ich nun im Sommer 2018 von derselben Stelle in Turin weiter durch Italien, eben wie Hannibal und sein Heer. Zwischen sechs und sieben Uhr brach ich morgens auf, bis 18 Uhr lief und ging ich im Wechsel. 12 Stunden am Tag war ich in Bewegung, mehr mochte ich nicht. Die Pausen hielt ich kurz. Die körperliche Belastung habe ich gut verkraftet. Ich behaupte immer, um Muskelkater zu bekommen, bin ich ja zu langsam unterwegs. Die mentale Belastung war die eigentliche Herausforderung. Manchmal habe ich mich irgendwo verlaufen, weil ich zu blöd war, den Weg zu finden – acht Kilometer Umweg wie am dritten Tag waren natürlich frustrierend. Ich war genervt, weil ich das als unprofessionell von mir selbst empfunden habe. Schließlich war ich mit dem Smartphone, GPS-App und einem zusätzlichen GPS-Gerät ja gut ausgerüstet. Am gefährlichsten war aber der Straßenverkehr. Werktags waren auf den teils sehr schmalen Landstraßen zahllose LKW’s unterwegs, die mich einige Male zum Sprung in den Seitengraben zwangen. Ich hatte schlichtweg Angst von einem am Handy spielenden Trucker umgefahren zu werden. Es gab auch weitere kritische Situationen, etwa als ich hinter Malcesine durch einen stark befahrenen Tunnel laufen musste oder als ich wegen einer Baustelle an einer Schnellstraße samt Benpacker über die Mittelleitplanke kletterte und im Vollsprint auf die andere Seite rannte. Aus meinen kleinen Zwischentiefs kam ich ganz schnell wieder raus, wenn mir nette Leute begegneten. Beispielsweise Franz, Motorradfahrer aus Töging, der mich anhielt und erzählte, dass er mich schon seit zwei Tagen immer wieder mal am Straßenrand laufen sah. Er wollte wissen, wohin meine Reise geht. Ferner begegneten mir zahlreiche Radsportgruppen, Italien eben. Das ist schön und lenkt ab.

Mein Anspruch war eine Reise zu Fuß. Restaurants, Cafés und Hotels waren meist tabu. Nur ab und zu gönnte ich mir mal ein italienisches Eis oder eine leckere Pizza zur Abwechslung. Wasser holte ich mir von Brunnen, Friedhöfen oder an der Tankstelle. Ab und zu bin ich auch auf ein Bier oder einen Kaffee eingeladen worden, das habe ich meistens abgelehnt. Ich habe in einem Biwakzelt mit dünnem Schlafsack und Bodenmatte am Straßenrand geschlafen. Ich suchte mir ruhige Plätze hinter einer Hecke am Ortsrand oder aber direkt auf der Parkbank neben einer Kirche. Das gab mir ein sicheres Gefühl. Nie wurde ich von Betrunkenen bedroht oder von streunenden Hunden belästigt. Gut so, denn ein guter Schlaf war sehr wichtig für meine Regeneration. Schließlich wollte ich am nächsten Tag ja wieder frisch weiterlaufen. Aber etwa jede zweite Nacht gönnte ich mir dann doch ein gemütliches Hotelzimmer, weil ich mich nach einer kalten Dusche und einem weichen Bett sehnte.

Es kommt anders

Unter Strich muss ich aber konstatieren: Mein Ziel die 1120 KM von Turin nach Taranto zu laufen habe ich nicht erreicht. Ursprünglich war mein Ziel rund 80 Kilometer pro Tag zu schaffen. Am dritten Tag war es mental sehr schwer. Ich merkte, dass ich mir in der Gluthitze Italiens bei bis zu 40 Grad Hitze zu viel vorgenommen hatte. Auf den Landstraßen, an denen ich vielfach entlang lief, bekam ich kaum Schatten. Vor lauter Schweiß war mein Laufdress zeitweise großflächig mit Salzkruste bedeckt. Und natürliche Wasserquellen fand ich auch nicht so leicht, wie ich gehofft hatte. Hier und da ein Brunnen, immer wieder aber musste ich mich beispielsweise an Wasserhähnen an Tankstellen bedienen. Ich entschied, dass das geplante Ziel so nicht machbar ist. Nicht mit dem Gepäck, da habe ich mich wohl verschätzt. Das war aber nicht so schlimm. Es nagte zwar anfangs etwas an meinem Stolz, dass ich meine hochgesteckten Tageskilometer-Ziele nicht erfüllen konnte Ich akzeptierte bald, dass es im Sinne meiner Gesundheit die richtige Entscheidung war. Schließlich bin ich Familienvater.

Außerdem ging es darum, erhobenen Hauptes anzukommen, meinen Zielort zu erreichen. Wenn ich dann die Route Richtung milderes Klima ändere und etwas verkürze, macht das nichts. Das ist die Freiheit einer Solotour, kein Wettkampf, keine vorgeschriebene Laufstrecke, alles freiwillig und unabhängig dank Ziehwagen und Selbstversorgung. Ich bog am dritten Lauftag links ab Richtung Gardasee. Am Lieblingsurlaubsort der deutschen Sommerurlauber entlang lief ich über den Brennerpass und Innsbruck bis nach Kufstein weiter. 687 Kilometer in 11 Tagen; das sind etwa 65 Laufkilometer täglich.

Sicher ist: Ich, Robert Wimmer, hoch trainierter Ultraläufer, bin auf meinen eigenen Füßen von Turin bis nach Kufstein gekommen – inspiriert durch das Unternehmen des Kriegers Hannibal in der Antike.

Text: Robert Wimmer

Robert Wimmer: Der Ultraläufer und sein Projekt

Robert Wimmer wurde am 14. Juni 1965 in Darmstadt geboren. Wimmer lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern (15 und 20 Jahre alt) in Nürnberg. Dort arbeitet der Augenoptikermeister ist in einem angesehenen Fachgeschäft für gutes Sehen und Aussehen. Seit 1986 ist Wimmer leidenschaftlicher Langstreckenläufer, ist seither rund 212.000 Kilometer gelaufen. Er stellte mehrere Rekorde auf wie beim 12-Stunden-Laufband-Lauf mit 145,2 km am 7. März 2009 in Nürnberg. Seinen bisher spektakulärsten Sieg errang er beim Transeuropalauf 2003 über 5.036 Kilometer von Lissabon nach Moskau in 64 Tagen. Seine Laufabenteuer absolviert er zumeist während seines normalen Jahresurlaubs. Diesmal lockte ihn ein „historischer Stoff“: die (vermutete) Route des antiken Feldherrn Hannibal.

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TCS New York Marathon – Traum aller Läufer

Nur noch wenige Wochen, dann ist es soweit: am 4. November startet die größte Marathonveranstaltung der Welt in New York City. Rund 50.000 Laufbegeisterte werden beim Run durch fünf Stadtbezirke der Megametropole ihren Traum verwirklichen. Mit von der Partie ist im diesen Jahr auch aktivLaufen als Medienpartner von New Balance, einem der Hauptsponsoren des TCS New York City Marathon.

Für das Event hat sich die Marke etwas besonderes einfallen lassen und eine spezielle New York-Kollektion entworfen. Hier treffen Style und Funktion zusammen. Coole Outfits und Schuhe mit einer hohen Performance-Leistung. Wer von euch also stylisch auf die Laufstrecke gehen möchte, dem seien diese Outfits ans Herz gelegt.

Footwear

1400 v6

Der 1400 v6 als leichter Wettkampfschuh eignet sich für schnelle Einheiten bis hin zu langen Marathon-Strecken. Durch die einzigartige RevLite-Zwischensohle garantiert der 1400 v6 bei niedrigem Gewicht die höchste Rückstellfähigkeit und sorgt für ein dynamisches und direktes Abrollverhalten. Hervorragende Passform und individuelles Laufgefühl machen den 1400 v6 als Leichtgewicht zum kompromisslosen Multitalent.

Funktionen: RevLite-Zwischensohle, FANTOMFIT und nahtfreies Obermaterial für ein leichtes Tragegefühl, NEUTRALE DÄMPFUNG

 

 

Gewicht: Herren 203 g

Leisten: 10 mm Sprengung

Preis: 120,00 €

 

 

 

 

 

 

 

Gewicht: Damen 170 g

Leisten: 10 mm Sprengung

Preis: 120,00 €

 

 

 

 

 

 

 

FuelCell Impulse

Als eines der neuesten Modelle ist der FuelCell Impulse ebenfalls in der TCS New York City Marathon Version erhältlich. Durch die stickstoffangereicherte TPU-Komponente im Vorfußbereich ermöglicht der FuelCell Impulse ein schnelles und zugleich natürliches Laufgefühl.

Funktionen: RevLite-Zwischensohle, FuelCell, Bootie Construction und Double Jacquard Mesh für ein leichtes Tragegefühl, NEUTRALE DÄMPFUNG

 

Gewicht: Herren 232 g

Leisten: 6 mm Sprengung

Preis: 140,00 €

 

Gewicht: Damen 190 g

Leisten: 6 mm Sprengung

Preis: 140,00 €

 

Fresh Foam 1080 v8

Auch der neue Fresh Foam 1080 v8 ist Teil der Marathon Capsule-Kollektion und bietet durch die verbesserte Hexagonstruktur der Fresh-Foam-Zwischensohle mehr Dämpfung als jemals zuvor. Zudem verspricht das Modell erstklassigen Halt und optimale Führung im Mittelfußbereich.

Funktionen: Fresh-Foam-Zwischensohle, Bootie Construction, nahtfreies Obermaterial für ein leichtes Tragegefühl, MAXIMALE DÄMPFUNG

 

Gewicht: Herren 317 g

Leisten: 8 mm Sprengung

Preis: 170,00 €

 

Gewicht: Damen 283 g

Leisten: 8 mm Sprengung

Preis: 170,00 €


Apparel

Die 2018er Marathon-Kollektion wird durch passende Funktionsbekleidung bestens abgerundet. Inspiriert durch die alumisierten Mylar-Decken bietet New Balance mit dem brandneuen Feature NB Radiant Heat den Läufern eine besonders innovative Technologie. Diese sind an den Jacken und Westen verarbeitet und gewährleisten eine permanente Rückstrahlung der eigenen Körperwärme, um ein schnelles Auskühlen zu verhindern.

Ein weiteres Highlight der Kollektion ist die wind- und wasserabweisende Marathon Windcheater Jacket, die 2018 in fünf neuen Farben zurückkehrt: Laser Blue und Claret bei den Herren, Polaris und Arctic Sky für die Damen, All-Black für beide Geschlechter. Die ikonische Laufjacke erinnert an die erste New Balance Apparel-Kollektion aus dem Jahr 1978, die für den Athleten von heute optimiert wurde. Reflektierende Tapes über Brust und Rücken sind eine Hommage an die Originaljacke und sorgen für zusätzliche Sichtbarkeit bei schwachen Lichtverhältnissen.

Darüber hinaus punktet die Funktionsbekleidung mit originellem Design. Der Grafik-Druck erinnert an einen Blick aus der Vogelperspektive auf das Läuferfeld, das voller Vorfreude an der Startlinie steht.

Accessoires, Shirts und Shorts vollenden die Kollektion und bieten dem Läufer sämtliche Ausstattung, um einen Marathon erfolgreich bestreiten zu können.

Eine Übersicht über alle Styles und Schuhe der New York-Kollektion gibt es hier.

 

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Stairway to heaven – das ist Treppenlaufen

Ob Empire State Building, Willis Tower oder CN Tower – in vielen weltberühmten Wolkenkratzern finden seit Jahren Treppenläufe statt. Und auch unter freiem Himmel wird die Disziplin immer beliebter. Nur eine Sache für Spezialisten? Ganz im Gegenteil.

Täglich die paar Etagen hinauf ins Büro zu Fuß zurücklegen, statt den Aufzug zu nehmen? Das kann einen Läufer natürlich nicht schrecken und schon gar nicht aus der Puste bringen. Aber 1.576 Stufen im schnellstmöglichen Tempo hinauf aufs Empire State Building in New York laufen? 11.674 Stufen beim Schweizer Niesenlauf auf der längsten Treppe der Welt? Oder am besten direkt die 39.700 Stufen (aufund abwärts) auf einer Gesamtstrecke von knapp neun Kilometern in den Weinbergen von Radebeul in Sachsen? Auf diese Ideen muss man erst einmal kommen.

Die Wolkenkratzer der Welt

Eine neue Erfindung sind Treppenläufe nicht, der prestigeträchtigste aller Stufen-Wettkämpfe im Empire State Building fand im vergangenen Februar bereits zum 41. Mal statt. Seit 1978 werden im wohl bekanntesten Wolkenkratzer der Welt jährlich 320 Höhenmeter bewältigt, den Männerrekord hält seit dem Jahr 2003 der Australier Paul Crake mit 9:33 Minuten. Bei den Frauen war bislang niemand schneller als die Österreicherin Andrea Mayr, die 2006 für die 1.576 Stufen 11:23 Minuten benötigte. Mit Kurt König, Thomas Dold und Christian Riedl konnten sich auch schon drei deutsche Männer in die Siegerliste eintragen, einzige deutsche Gewinnerin war im Jahr 2002 Kerstin Harbich. Dold – der Manager der Marathon-Zwillinge Anna und Lisa Hahner – ist mit seinen sieben aufeinanderfolgenden Siegen zwischen 2006 und 2012 der Rekordgewinner des „Empire State Building Run-Up“ (so der volle Name des Events) und außerdem Inhaber mehrerer Weltrekorde. Er ist das Aushängeschild einer Sportart, die in Deutschland mancherorts häufig noch belächelt wird. Dold kann damit aber ganz gut leben: „Sollen mich die Leute ruhig für bekloppt halten. Wenn ich wieder einmal einen Weltrekord aufgestellt habe, sind die meisten still“, erklärte er einmal. Auch wenn die Teilnehmerfelder von überschaubarer Größe sind und die Präsenz in den Medien noch längst nicht annähernd im Verhältnis zu den sportlichen Ausnahmeleistungen der Athleten steht, so ist die Geschichte des Treppenlaufs dennoch eine des Erfolges. Längst richten viele der größten und berühmtesten Gebäude der Welt ein eigenes Event aus. Ob im Willis Tower (früher Sears Tower) in Chicago, im Taipei 101 in Taipeh oder im CN Tower in Toronto – überall stürmen Läufer die Stufen hinauf. In Deutschland geht es jährlich im Frankfurter Messeturm quälend lange 1.344 Stufen nach oben, während beispielsweise beim Towerrun in Berlin (465 Stufen) oder beim Lauf im Augsburger Perlachturm (261 Stufen) die Sprintspezialisten der ungewöhnlichen Disziplin auf ihre Kosten kommen. Gerade auf den kürzeren Distanzen werden die Rennen häufig schon am Start entschieden. Denn wer sich hier die beste Ausgangsposition erarbeitet, der ist in den meist extrem engen Treppenhäusern nur sehr schwer zu überholen. Bilder von intensiven Rangeleien um die besten Plätze sind daher keine Seltenheit. Die Treppenlauf-Szene ist eine Ellenbogen-Gesellschaft – im positiven Sinn. Etwas mehr Zeit zum Überholen als die Sprinter hatte im Februar diesen Jahres der Deutsche André Weinand aus Rust im Ortenaukreis. Im Hannoverschen Annastift ging er bei den Weltmeisterschaften über die Marathonstrecke an den Start, 10 Stunden und 13 Minuten lang lief er 83.808 Stufen rauf und runter, bis die 42,195 Kilometer bewältigt waren – Sieg in neuer Weltrekordzeit. Verrückt? Für Weinand keineswegs: „Ich habe Freude an der Bewegung, eine Qual wäre für mich, auf dem Sofa sitzen zu müssen“, so der neue Weltmeister.

Zwei Marathons in Stufenform

Tatsächlich finden die meisten der großen Treppenläufe in Wolkenkratzern überall auf der Welt statt, dennoch gibt es auch unter freiem Himmel spannende Wettkämpfe. Kultstatus hat dabei der Sächsische Mount Everest Treppenmarathon von Radebeul erlangt. Wer 100 Mal die 379 Stufen der historischen Spitzhaustreppe bewältigt, die durch die Weinberge der sächsischen Stadt führt, der hat die gleiche Anzahl an Höhenmetern zurückgelegt, die man auch bei einer Besteigung des Mount Everest hinter sich bringen muss. 24 Stunden haben die Teilnehmer dafür Zeit, die Distanz von 84,39 Kilometern entspricht ziemlich genau zwei Marathons. Doch es muss nicht gleich der Wettkampf im Wolkenkratzer sein. Jeder Läufer, der sich im Training verbessern und sich beispielsweise auf den nächsten Marathon vorbereiten will, kann vom zwar mühsamen, aber hocheffektiven Auf und Ab auf den Stufen profitieren. Alleine dadurch, dass man beim Treppenlaufen fast ausschließlich den Vorfuß belastet, setzt man schon einen neuen Trainingsreiz, besonders effektiv macht diese Form des Trainings aber der Umstand, dass die Muskulatur in Po, Waden und Oberschenkeln wesentlich stärker beansprucht wird als beim „normalen“ Laufen. Der Grund: Die Kraft muss nicht nach vorne, sondern nach oben übertragen werden. Aufgrund der extremen Anstrengung steigt auch die Herzfrequenz schnell, und da der Kalorienverbrauch schon bei nur kurzen Einheiten extrem hoch ist, ist das Treppenlaufen ein echter Geheimtipp für alle, die ein paar Pfunde verlieren wollen. Auch innerhalb des Treppentrainings können Variationen eingebaut, viele Kraftübungen, die alleine mit dem eigenen Körpergewicht durchführbar sind, integriert werden. Allerdings sollten die Einheiten aufgrund der hohen Belastung deutlich kürzer sein als der lange Sonntagslauf. Wer noch nicht ganz so weit ist, das Treppen-Workout in seine Trainingsroutine aufzunehmen, der sollte aber auf jeden Fall weiterhin morgens den Aufzug links liegen lassen. Damit sind nicht nur sprichwörtlich die ersten Schritte schon gemacht, was auch Weltmeister André Weinand so sieht, wie er nach seinem Sieg in Hannover erklärte: „Man sollte einfach häufiger die Treppe nehmen – das ist gesünder als Aufzugfahren.“

Text: Daniel Becker