Category : Gesundheit

TMX Trigger als Abo-Prämie

Mit Druck gegen den Schmerz – Triggern

Stechende Schmerzen im Rücken, in der Schulter oder im Nacken können den Alltag zur Qual machen – vor allem dann, wenn jede Bewegung zusätzlichen Schmerz bedeutet. Triggern kann die Schmerzen lösen?

Ein kleiner Kegel!

Oft ist es nur eine bestimmte Stelle, doch sie hat es in sich. Wenn ein verhärteter Muskel oder Sehnenansatz äußerst empfindlich auf Druck reagieren und der Schmerz dabei ausstrahlt, sprechen Mediziner von einem sogenannten Triggerpunkt oder einer Myogelese. Der Schmerz entsteht, weil winzige Nervenenden gereizt beziehungsweise verletzt sind. Dadurch sind sie nicht mehr in der Lage, sich zu entspannen.

Der Schmerz wird zum Dauerzustand

Was zu diesen Verspannungen und faszialen Verklebungen geführt hat, kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Fehlhaltungen oder einseitige Belastungen gehören dazu. Aber auch Überlastungen beim Sport können der Grund für die Verspannung sein. Triggern ist eine Methode, um den dadurch entstandenen Schmerz zu lindern. Dabei werden durch einen gezielten Druck auf den Muskel tiefe Verspannungen gelöst. Dies kann man ganz einfach auch selbst machen – mit einem kleinen Kegel.

Punktueller Druck

„Die Triggerpunkt-Methode kann aufgrund des langanhaltenden, punktuellen Drucks zu Beginn und nach der Anwendung unangenehm sein. Das ist ganz normal. Mit der Zeit entspannt sich aber das Gewebe und man spürt eine deutliche Besserung“, erklärt Thomas Marx, Physiotherapeut, Osteopath und Erfinder von TMX Trigger. Die Anwendung ist äußerst einfach. Notwendig ist neben dem kleinen Trainingsgerät, dem TMX Trigger, lediglich ein fester Untergrund. Durch den Druck des Körpers wird der Kegel in den Muskel gepresst.

Selbsttriggern

Mit dem Selbsttriggern rückt auch die altbewährte Akupressur wieder in den Vordergrund. „Wir Physiotherapeuten wissen, dass wir einen punktuellen, langanhaltenden und gezielten Druck auf den Muskel benötigen, wenn wir tiefe Verspannungen lösen wollen. Durch den Druck des Kegels werden die Kollagene auseinandergepresst. Aktin und Myosin, die kleinsten Einheiten des Muskels, die sich verklebt haben, werden direkt gedehnt“, erklärt Thomas Marx. Ein weiterer Effekt: Die Durchblutung wird enorm gefördert, der Stoffwechsel angekurbelt. Auch dies lässt den Schmerz abklingen.

Teil des Trainings

Mittlerweile setzen auch immer mehr Leistungssportler auf das handliche Gerät. So ist für die beiden Leichtathletinnen Janina Kölsch und Rebekka Ackers der Einsatz des TMX Triggers Teil des Trainingsplans. Sie nutzen den Kegel, um muskuläre Verspannungen während oder nach dem Training zu triggern und so Schmerzen zu bekämpfen oder gar nicht erst aufkommen zu lassen.

[caption id="attachment_2412" align="alignleft" width="500"]aktiv laufen Abo-Prämie Den original Trigger gibt es zum 2-Jahres Abo aktiv Laufen kostenlos dazu. Hier geht es zum Abo.[/caption]

 

Wann ist triggern sinnvoll?

Triggern ist eine gute Möglichkeit, ummyofasziale Triggerpunkte oder muskuläre Verspannungen selbst zu behandeln. Bewährt hat sich die Methode bei:

  • – muskulären Schmerzen
    – Schulterblattschmerzen
    – Kopfschmerzen durch verspannte Nackenmuskulatur
    – Läuferknie
    – muskulären Wadenschmerzen
    – Fersensporn
    – Tennisellenbogen

 

 

 

Bei diesen Schmerzen oder Indikationen ist Triggern dagegen kontraproduktiv und sollte nicht angewandt werden:

  • alle Arten von Entzündungsanzeichen wie akuter Schmerz, Rötungen, Schwellungen
  • Osteoporose
  • offene Wunden, Hämatome, Verletzungen
  • Bandscheibenleiden

Anwendungsbeispiele und verschiedene Übungen gibt es hier: www.tmx-trigger.de/pages/uebungen

Everest Marathon, foreigner runner

Höhentraining: Das blutige Geheimnis der Höhenläufer

Leistungssportler trainieren regelmäßig in der Höhe. Ist diese Art der Vorbereitung, das Höhentraining, auch etwas für Breitensportler?

Text: Dr. Stefan Graf

Der kommt halt aus Addis Abeba – Schulterzucken eines Geschlagenen, der einmal mehr nur die Hacken des afrikanischen Konkurrenten gesehen hat. Die Stadt in 2.200 bis 3.000 Metern Höhe bietet den „Eingeborenen“ permanentes Höhentraining. In Tibet auf über 4.000 Metern schnappt selbst der fitteste Tourist nach Luft – nicht so die Einheimischen. Zwei Mutationen – die Erythropoese (Bildung der roten Blutkörperchen) beeinflussende genetische Veränderungen – machen den Unterschied und sind der Grund, warum das Blut von Flachländern trotz optimalen Trainings nie die Sauerstoffbindungskapazitäten von „Hochgebirgsblut“ der Höhenläufer erreicht.

Gene machen höhentauglich

Die humane Lebensfähigkeit in unterschiedlichsten Höhen beruht auf der Möglichkeit, den Gehalt der roten Blutkörperchen (Erythrozyten mit sauerstoffbindendem Blutfarbstoff Hämoglobin) in Abhängigkeit vom Luft-Sauerstoff-Gehalt zu regulieren. Unter normalen Sauerstoffbedingungen sorgt die Aktivität verschiedener Gene für ein bedarfsangepasstes Gleichgewicht zwischen Abbau alter (in Milz, Leber, Knochenmark) und Synthese frischer (Knochenmark) Erythrozyten. Ausdauertraining verschiebt dieses Gleichgewicht in Richtung höherem Erythrozytengehalt (Optimierung der Sauerstoffversorgung). In großer Höhe löst der sehr niedrige Luft-Sauerstoffgehalt eine starke Erythrozyten-Vermehrung aus, die das Blut zähflüssiger macht. Dies bedeutet einen erheblichen Mehraufwand für den Herzmuskel, der auf Dauer krankhaft zu erweitern droht. Wie Völker dennoch permanent in großer Höhe leben können, haben chinesische Forscher aufgeklärt.

Die Aktivität eines Gens mit dem Bauplan für ein Hemmprotein verhindert unter normalen Sauerstoffbedingungen eine übermäßige Erythrozytenproduktion. Sauerstoffmangel in großer Höhe aktiviert einen Signalweg, der das Gen und damit die Synthese des Hemmproteins blockiert. Die Folge ist eine ungebremste Erythrozytenvermehrung und Zunahme der Blut-Viskosität. Dem „Tiefländer“ fehlt eine Notbremse, die der „Erythrozytenexplosion“ bei längerem Aufenthalt in großer Höhe Einhalt gebietet. Das dicke Blut verursacht Schwäche, Kopfschmerzen und Herzbeschwerden – Abstieg erforderlich!

Als Anpassung an das seit Jahrtausenden in >4.000 Meter Höhe währende Leben hat die Evolution die Tibeter mit zwei Mutationen in dem Hemm(protein)-Gen ausgestattet. Dieses veränderte Hemm-Gen nennen die Biologen „Sherpa-Gen“. Während beim Normalbürger das Hemmprotein durch niedrigen Sauerstoffgehalt inaktiviert wird und sich so die Erythrozyten ungebremst vermehren, bleibt das vom Sherpa-Gen kodierte Hemmprotein der Gebirgsmenschen aktiv und verhindert die Blutverdickung.

Insgesamt ist das Gleichgewicht zwischen Erythrozytenproduktion und -abbau bei den Gebirgsvölkern zugunsten der Produktion verschoben. So haben sie dauerhaft höhere, aber keine überbordenden, Blut verdickenden Erythrozytenwerte. Das Ergebnis: permanent höhere Sauerstoffbindungskapazität bei herzgesunder Blutviskosität.

Folgen für das Höhentraining

Wer weder „ex statu nascendi“ Sherpa-Gen-Träger noch „afrikanischer Dauer-Höhentrainierer“ ist, kann zur Saisonvorbereitung einen Gebirgsaufenthalt nutzen. Gemäß den neuen Erkenntnissen lautet die erste Vorgabe: Nicht zu hoch! 1.500 bis 2.200 Meter kurbeln die Erythropoese an, ohne das Herz-Kreislauf-System zu gefährden.

Gutes Höhentraining bringt Leistungszuwächse bis zu 5 % (vereinzelt darüber). Nicht nur wegen des Blutverdickungsrisikos sollte nicht bzw. nach dem „Live-low-train-high“-Prinzip nur stundenweise deutlich über 2.500 Meter trainiert werden. Dauerhaft größere Höhen belasten übermäßig und verlängern die Akklimatisationsdauer. Im Profibereich ist Höhentraining Standard – ein „Zuckerschlecken“ wahrlich nicht. Die positiven – wenn auch nur mit dem Sekundenzeiger messbaren – Effekte kommen einige Tage nach der Rückkehr zum Tragen.

Der Sauerstoffgehalt ist in 2.000 Metern Höhe über 20 %, die körperliche Leistungsfähigkeit bis zu 10 % gesunken. Die Sauerstoffbeladung des Blutes in den Lungenbläschen und damit die Versorgung der Muskeln sind vermindert. Die Energie für Ausdauerleistungen wird aber vorwiegend über die ergiebigen aeroben Abbauwege von Fetten und Kohlenhydraten gewonnen. Fette können anaerob gar nicht, Kohlenhydrate nur unvollständig bis zur Milchsäure (Lactat) abgebaut werden, was nur einen Bruchteil (<6 %) an Energie (ATP) liefert und die gefürchteten „sauren Beine“ macht.

Fett liefert mehr als doppelt so viel Energie (9,3 kcal/g) wie Kohlenhydrate (4,1  kcal/g). Wegen der strikten Sauerstoffabhängigkeit leidet der Fettabbau in der Höhe anfangs besonders. Dieser leistungsdefizitäre Zustand wird bei vernünftigem Trainingsaufbau nach wenigen Tagen durch günstige Adaptationen kompensiert.

Epo-Doping – ganz legal

Nach ein bis zwei Tagen führt der Sauerstoffmangel zu einer Reduktion des Blutplasmas (zellfreie Blutflüssigkeit aus >90 % Wasser, ca. 120 Eiweißen, geringen Menge Kohlenhydraten, Fettsäuren, Salzen, Mineralien). Dies entspricht einer Erhöhung der Blutzell- und damit auch der Erythrozytenkonzentration – die Sauerstofftransportkapazität steigt. Bedeutender ist die verstärkte Ausschüttung des Nieren-Hormons Erythropoetin („Epo“), das die Erythrozytensynthese im Knochenmark forciert. Dieses „natürliche Epo-Doping“ – körpereigenes lässt sich von biotechnologischem „Kunst-Epo“ unterscheiden – ermöglich die bessere Ausnutzung des reduzierten Sauerstoffangebotes. Plasmareduktion und gesteigerte Epo-Ausschüttung haben nach der Rückkehr in tiefere Lagen noch eine Zeitlang Bestand. Das überdurchschnittlich sauerstoffaufnahmefähige Höhenblut findet „paradiesische“ Beladungsbedingungen vor und versorgt Muskeln/Organe optimal. Die aeroben Nährstoffabbauprozesse laufen perfekt – die richtige Zeit für Wettkämpfe. Bis zu drei Wochen hält die Höhentrainingswirkung an.

Eisen und viel trinken

Die Erythrozyten binden Sauerstoff über das zweiwertige Häm-Eisen des Hämoglobins. Ausreichende Eisen-Versorgung ist in der Höhe enorm wichtig. Häm-Eisen ist nur in tierischen Lebensmitteln (Fleisch, Fisch) enthalten und deutlich besser resorbierbar (Bioverfügbarkeit 25–35  %) als das dreiwertige Nicht-Häm-Eisen (2–15  %) aus Pflanzen (VK-Getreide, Trockenfrüchte, Spinat). Vitamin C fördert die Resorption. In trockener Höhenluft steigen Transpirationsrate und Perspiratio insensibilis, der unsichtbare Wasserverlust über Schleimhäute, Atmung und Haut  erhöhter Flüssigkeitsbedarf!

Höhentraining im Breitensport?

Kein Sherpa-Gen, nur 5  % Leistungszuwachs – macht Höhentraining im Freizeitsport Sinn? Alltagspflichten und enges Zeitbudget lassen ein optimal terminiertes, mehrwöchiges Höhentraining selten zu. Wer dennoch in die Höhe geht, sollte grobe Fehler vermeiden. Die Sauerstoffsättigung von Sherpa-Gen-Trägern ist von Flachlandathleten unerreichbar. Im Leistungssport kann Höhentraining über Gold und „goldene Ananas“ entscheiden. Im Breitensport ist es kein Muss. Zu einem zweiten Haile Gebrselassie ist noch kein Freizeitjogger in dünner Luft mutiert. Dennoch lasse sich niemand die Freude an seinem „Tirolurlaub“ nehmen. Entspannte Bewegung in klarer Bergluft liefert mehr Kraft und Motivation als gestresstes Höhentraining.

Ausblick

Das neue Wissen um die Genetik von Höhenvölkern ist für die Gentherapie von Blutbildungsstörungen und Entwicklung von Trainingsprogrammen bedeutsam. Vice versa lauern Missbrauchsgefahren in Form eines „Sherpa-Gen-Dopings“, dem gezielten Einfügen von Genvarianten, welche die Sauerstoffbindungseigenschaften des Blutes erhöhen.

Variation of Superfood Chia, Quinoa, Poppy Seed and Nuts

Gemixte Power – lecker und schnell

„Superfood“ ist im Laufumfeld geradezu in Mode gekommen. Aber was steckt wirklich dahinter, und wie kann man die Zutaten am besten selber verarbeiten? aktiv Laufen-Redakteurin Kea ­Müttel ist diesen Fragen auf den Grund gegangen.

Text: Kea Müttel

Chia-Samen, Baobab, Goji-Beeren, die Liste exotisch klingender und natürlicher Nahrungsmittel ist lang. Sie alle haben eines gemeinsam: In der Öffentlichkeit sind sie seit geraumer Zeit auch als „Superfood“ bekannt. Außerdem sind sie der Grund, warum ich an einem schönen Montagvormittag zu Gast bei der Firma Bianco (www.power-trifft-design.de) in Köln bin. Die Firma stellt Mixgeräte her, mit denen sich unter anderem Sportlernahrung wie Gels und Riegel sehr einfach selber herstellen lassen. Ich bin nicht alleine hier, außer mir ist noch der Extremsportler Michele Ufer anwesend, der sich das Ziel gesetzt hat, in Zukunft vermehrt eigene Wettkampf- und Trainingsnahrung herzustellen. Aber wie macht man das am besten, und worauf sollte man achten? Dieser Frage gehen wir gemeinsam auf den Grund. Angeleitet von Bianco-Mitarbeiterin Johanna Bertram zaubern und mixen wir die unterschiedlichsten Zutaten zusammen und müssen feststellen: „Superessen“ ist nicht nur gesund, sondern häufig auch noch super lecker! Was genau an den Zutaten „super“ ist, ist aber nach wie vor umstritten.

Wirkung nicht nachgewiesen

In den vergangenen Jahren ist der Begriff „Superfood“ geradezu in Mode gekommen. So deklariertem Essen werden besonders positive gesundheitliche Wirkungen zugeschrieben. Die verschiedensten Smoothies und Gels werben mit dem Namen. Eine genaue wissenschaftliche Definition gibt es aber nicht. Genauso wenig ist wirklich klar, wie das Essen auf den Menschen tatsächlich wirkt. Denn die meisten Studien sind im Labor oder an Tieren und nicht unter alltäglichen Bedingungen getestet worden. Deshalb rät das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel in diesem Zusammenhang auch, weiterhin auf einen abwechslungsreichen Speiseplan zu achten. Auf diesem dürfen aber gerne auch „Superfoods“ stehen, und gerade für Ausdauersportler und aktive Läufer sind energiereiche Lebensmittel unerlässlich, denn der hohe Kalorienverbrauch beim Laufen muss irgendwie kompensiert werden. Da sind natürlich hergestellte Gels und Riegel mit hoher Kalorienzahl eine schöne Alternative zum Supermarktregal. Ein weiterer Kritikpunkt am Superfood: Die Lebensmittel sind zu teuer. Es gibt allerdings auch zahlreiche regionale und günstige „Superfoods“: Himbeeren, ein Apfel oder einfach ein bisschen Kakaopulver. Auch diese Lebensmittel gelten in einem gewissen Rahmen als gesundheitsfördernd. Allen Läufern, die sich gerne mit Ernährung beschäftigen und ohnehin ein Faible für Backen und Kochen haben, würde ich allerdings raten, die Herstellung von eigenen Energielieferanten einfach einmal auszuprobieren. Ich habe mich beim Mixen schnell in den Geruch von Bananen und Kokos verliebt und festgestellt, dass die selbst hergestellten Energiekugeln neben dem Nutzwert auch noch die gesünderen Süßigkeiten sind – besser geht es ja eigentlich sowieso nicht! Super!

Laufen im Winter

THERMOtivation

Wenn die Temperaturen auf dem Thermometer sinken, fehlt parallel dazu bei vielen Läufern auch die Motivation für eine große Runde. Doch das muss nicht sein, wenn man die folgenden Tipps befolgt.

Kennen Sie die alte Läuferweisheit „Wer vor dem Start nicht friert, der verliert“? Klar, hinter jedem Sprichwort und hinter jedem Witz verbirgt sich bekanntlich auch immer ein Funken Wahrheit. Ich möchte mir dennoch erlauben den Spruch um einen wichtigen Zusatz zu erweitern: Wer nach dem Start immer noch friert, der verliert erst recht. Die ausgemachten Frostbeulen unter uns wissen, dass es nichts, aber auch wirklich gar nichts Schlimmeres gibt, als vor, während und nach dem Laufen zu frieren. Viele schwitzen sich im Sommer lieber die Seele aus dem Leib, als dass sie im Herbst und Winter auch nur ansatzweise mit den Zähnen klappern müssen.

Besser frieren kann man nicht lernen

Nun könnte man ja vermuten, dass der Körper sich im Laufe der kalten Jahreszeiten an die nied­rigen Temperaturen gewöhnt. Das stimmt aber nur halb. Zwar kann sich der Körper grundsätzlich auf große Tem­peraturschwankungen einstellen, beispielsweise durch regelmäßigen Sport oder Saunabesuche. Die schlechte Nachricht lautet aber: Kalt bleibt kalt, da hilft alles nichts, und besser zu frieren kann man nicht lernen. Das alles ist aber absolut kein Grund, im Winter nicht an der frischen Luft zu laufen. Schönwetterläufer, die nur bei Top-Bedin­gungen und T-Shirt-Temperaturen vor die Haustür treten, die haben es in unseren Breitengraden schließlich für die meiste Zeit im Jahr schwer. Aber fragen Sie mal einen Nordeuropäer, der im Winter zusätzlich zur Eiseskälte auch noch mit sehr wenig Tageslicht auskommen muss. Oder schauen Sie in die östlicheren Regionen, wo die Winter in der Regel ebenfalls deutlich rauer ausfallen. Im Vergleich dazu hat Deutschland ein doch eher mildes Klima, das es uns gestattet, das ganze Jahr über zu trai­nieren.

Laufen bei Kälte

Für alle Läufer gilt der Grundsatz: Es gibt immer einen gang- bzw. laufbaren Weg, man muss sich nur richtig vorbereiten. Auf die richtige Kleidung kommt es an. Läuft man im Sommer sprichwörtlich noch „kurz kurz“, steht im Herbst „kurz lang“ und im Winter „lang lang“ auf der Kleiderordnung. Wem es bei Gedanken an taub gefrorene Finger eiskalt den Rücken runterfährt, der sollte unsere Tipps zum Laufen im Winter also stets beher­zigen.

1. AUFWÄRMEN

Ein kleines Warm-up ist vor jeder Laufeinheit ratsam. Besonders im Winter ist es unbedingt zu empfehlen. Und damit man nicht länger als nötig an der kalten Luft sein muss, kann man das Aufwärmen einfach ins warme Wohnzimmer verlegen. Ist der Kreislauf dann erst einmal in Schwung gekommen, heißt es: Raus vor die Tür!

2. TRINKEN

Zwar schwitzen Läufer bei niedrigeren Temperaturen nicht so viel wie bei sommerlicher Hitze, aber der Körper braucht dennoch ausreichend Flüssig­keit. Die Faustregel lautet: Man sollte ähnliche Mengen trinken wie bei war­men Temperaturen.

3. STRECKE

Die Laufstrecke sollte nach Mög­lichkeit den Wetterbedingungen angepasst werden. Sind die Stra­ßen vereist? Ist der Waldweg eine riesige Matschgrube? Bei der Lagebeurteilung helfen natürlich die eigene Erfahrung und die Orts­kenntnis. Im Zweifelsfall lohnt es sich aber, auch befreundete Läufer nach Streckentipps zu fragen.

Nehmen Sie ruhig etwas Geld in die Hand, und investieren Sie in ein gutes Winteroutfit (Ideen bekommen Sie auf S. 54 – 61). Ist Ihnen trotzdem noch kalt? Dann ziehen Sie eben noch eine Schicht an. Wussten Sie, dass beim Antarctic Ice Marathon Temperaturen bis zu minus 25 Grad herrschen? Sie sehen, es gibt wirklich keine Ausreden mehr. Tipp: Es sind normalerweise die Gliedmaßen, die am schnellsten auskühlen.

5. SONNENSCHUTZ

Sonnenbrand gibt es nur im Sommer? Das stimmt so nicht. Die UV-Strahlen sind genauso stark wie im Sommer. Und da unsere Haut in den kalten Monaten blasser als sonst ist, ist sie besonders anfällig für einen Wintersonnenbrand. Da die kalte Luft die Haut kühl hält, spürt man diesen oft kaum. Deshalb: Bei starkem Sonnen­schein vorher eincremen.

6. NACH DEM LAUF

Nach dem Laufen gelten die drei As: Nasse Klamotten ausziehen, mit einer heißen Dusche oder Badewanne auf­wärmen und bestenfalls mit einem leckeren warmen Tee ausspannen.

„Die Kälte kann wahrlich brennen
Wie Feuer. Die Menschenkinder
Im Schneegestöber rennen
Und laufen immer geschwinder.“

Heinrich Heine

 

Man running over a bridge

Faster durch Fasten?

Es gibt viele Mythen zum Thema Fasten. Fatboysrun Podcaster Philipp Jordan hat schon oft gefastet und berichtet, wie Fasten und Laufen miteinander harmonieren können.

Fasten ist hip. In Blogs und Lifestylezeitschriften findet sich so ziemlich jede Weisheit zu dem Thema, die man sich so aus den Fingern saugen kann. Wenn man alles für bare Münze nehmen würde, macht fasten nicht nur schlank, sondern auch jünger, schöner, glücklicher, giftfreier und führt zu einer Art geistiger und spirituellerAusgeglichenheit. Es gibt inzwischen auch fast so viele Fastenmethoden wie es Blogs gibt. Vom Wasserfasten bis zum intermittierenden Fasten gibt es massig Spielarten des Nicht-Essens. Da ich aber weder Arzt noch Wissenschaftler bin, möchte ich hier in erster Linie von meinen über zwanzig Jahren Erfahrung mit dem Fasten und meinen Beweggründen sprechen. Jedes Jahr passiert es mir wieder. Manchmal mehr und manchmal weniger. Ich nehme über den Winter zu. Dieses Jahr war es ganz schlimm, da ich Krankheits- und Verletzungsbedingt sehr lange nicht laufen konnte, leider aber nicht auch gleichzeitig verlernt hatte, wie man isst. Und so ist der Anblick im Spiegel, gerade wenn man sich selbst als passionierten Läufer bezeichnet unerträglich. Es sind halt auch alles Kilos, die meine Waden zusätzlich über Wald und Wiesen schleppen müssen. Und da ich Mitleid mit meinen Waden (und dem Fettsack da im Spiegelbild) habe, wird dann meist irgendwann im Frühjahr gefastet.

Fasten heisst nicht Hungern!

Eine der schönsten Fastenweisheiten. Denn fast jeder, der noch nie gefastet hat, kann sich kaum vorstellen, wie man auch nur einen Tag ohne Essen überstehen soll. Aber im Gegensatz zu manch einer Diät, hat das Fasten etwas angenehmes und seltsam befreiendes. Dieses Leeregefühl, was sich normalerweise nachmittags einstellt, wenn man mal das Mittagessen ausgelassen hat, dieses Schwächegefühl, bei dem man glaubt man kippt beinahe um, wenn man nicht sofort etwas isst, erlebt man beim Fasten eigentlich nie. Aller Anfang ist schwer Zumindest wenn ich faste. Vor dem eigentlichen Nicht-essen kommt nämlich der sogenannte Entlastungstag. An diesem Tag wird der Magen langsam entlastet und das geht am besten mit ein wenig Rohkost, Obst und Nüssen. Ich muss ehrlich zugeben, dass mir die überschaubare Menge da oft Probleme bereitet und ich diesen Tag fast als den schlimmsten Tag empfinde. Aber wenn das geschafft ist, kommt ja der erste richtige Fastentag. Morgens löse ich mir dann Glaubersalz in heissem Wasser auf (Pro-Tipp: ein Spritzer Zitrone macht diesen kulinarischen Genuss wesentlich erträglicher). Das Glaubersalz entzieht dem Körper Wasser und entleert unseren Verdauungstrakt fast komplett. Leider darf und will ich hier nicht weiter auf dieses Prozedere eingehen, obwohl man da sicher ganz tief in die poetische Schatzkiste greifen könnte. Ein Wort der Warnung: an diesem Tag idealerweise keine zu langen Spaziergänge einplanen oder zumindest ständig ein Dixieklo mit sich führen (haben aber die wenigsten). Ich faste nach der Buchingermethode, was bedeutet, dass ich mich überwiegend von Gemüsebrühen und Säften ernähre. Deshalb darf ich auch schon am mittag des ersten Tages meine Gemüsebrühe geniessen. Wichtig: es handelt sich hier wirklich nur um die Brühe, die man mit frischem Gemüse kocht- ganz ohne Stückchen. Abends gibt es dann noch ein Glas frisch gepressten Saft und ein wenig Brühe. Da ich viel Sport trieb, bekam ich in einer Fastenklinik zusätzlich täglich noch ein Glas Buttermilch und ein Glas frisch gepressten Karottensaft. Diese beiden Extras habe ichauch deheim beim fasten beibehalten. Karottensaft aus der Flasche ist eines der ekelhaftesten Getränke auf diesem unserem Erdball. Frisch gepresster Karottensaft (mit einem Tropfen Öl!) ist hingegen eines der edelsten und schmackhaftesten Getränke überhaupt. Viele empfinden den ersten Fastentag als ermüdend und einige haben leichte Kopfschmerzen. Das ist völlig normal und verschwindet schnell wieder.

Fasten und Laufen … geht das?

Und ob das geht. Der Körper ist in der Fastenzeit zwar schnell im hohen Pulsbereich, aber grundsätzlich sollte man sogar Sport treiben oder sich zumindest körperlich betätigen, wenn man fastet. Man will ja, dass sich der Körper an den Fettreserven bedient und nicht am wertvollen Muskelfleisch. Ich versuche wenn ich faste, jeden Tag zu laufen. Man darf keine Bestzeiten und Umfangsrekorde erwarten, aber eine 10 Kilometer-runde in sehr gemütlichem Tempo ist für den geübten Läufer kein Problem. Trotz einiger Versuche ist es mir nie gelungen diese Marke deutlich zu überschreiten. Auch gibt es Tage, an denen man auf einmal bei Kilometer fünf merkt, dass man eine Gehpause braucht. Unbedingt immer auf den Körper hören und nichts forcieren! Nach dem Fasten ist man wieder ganz der alte, eher sogar schneller und mit Sicherheit leichter. Da war doch noch was… Da der Körper im Fett auch viele Giftstoffe ablagert und die beim Fasten über die Leber in den Verdauungstrakt abgegeben werden, wir aber diese Gifte nicht wie gewöhnlich über den Darm ausscheiden können, müssen wir da ein wenig nachhelfen, um uns nicht selbst von innen zu vergiften. Der Einlauf! Meist ist dies der Punkt an dem ein sehr grosser Teil (vor allem der Männer) sagt: okay, ich bin raus. Nun liegt es mir fern hier Werbung für das Darmspülen zu machen, aber es sei mir erlaubt zu sagen, dass es wesentlich harmloser und angenehmer ist, als man es sich vielleicht vorstellt. Ein bis zwei mal pro Fastenwoche sollte das schon auf dem Programm stehen.

Gelüste, Tiefs und Hochs

Jede Fastenkur ist anders, aber es gibt doch ein paar Dinge, die mir im Lauf der Jahre aufgefallen sind. Dass man kein echtes Hungergefühl bekommt, hatte ich ja bereits vorher etabliert. Da man aber ständig von Essen und Essenden umgeben ist, lässt es sich nicht vermeiden, dass man anfängt, vom Essen zu schwärmen und zu träumen. In einer fast schon masochistischen Art und Weise ertappte ich mich schon oft dabei, wie ich stundenlang Youtubefilme von Kochshows konsumierte. Meist gibt es auch dieses eine Gericht, das jemand isst, wo man hoch und heilig schwört, sich das nach dem Fasten selbst zu gönnen. Zudem ist mir aufgefallen, dass es um den zehnten Fastentag besonders schwierig wird, den inneren Schweinehund zu besiegen. Nach einer Woche sind auch die morgendlichen Besuche auf der Waage nicht mehr so unglaublich erfeulich wie noch am Anfang. Ich verliere in der ersten Woche meist jeden Tag zwischen einem halben Kilo und einem Kilo. Nach einer Woche sind es dann meist nur 200-500 Gramm pro Tag.

Das Fastenbrechen

Irgendwann kommt der Tag, an dem man keinen Bock mehr hat. Doch wer denkt, sich jetzt beim nächsten Burgerladen den Bauch vollschlagen zu dürfen, der lebt gefährlich. Der Körper muss langsam wieder an Nahrung gewöhnt werden. Das erste was man zu essen bekommt ist ein mittelgrosser Apfel. Am Abend gibt es dann eine Suppe mit Gemüse und so geht es dann langsam weiter richtung Und Warum? Nur für den Kick für den Augenblick? Ich faste in erster Linie um meinen Körper leichter und ansehnlicher zu machen. Aber das ist nur einer von vielen Nebeneffekten des Fastens. Trotz des täglichen Glases Saft entwöhne ich in der Zeit nämlich auch meinen Körper von seiner Zuckersucht. Meine Geschmackspupillen sind wieder supersensibel und ich weiss gesunde Vollwertkost wieder zu schätzen. Ich kann zwischen Hungergefühl und Gelüsten unterscheiden und mir fällt es leichter zu verzichten. Ich esse wieder langsamer und bewusster. Ich trinke wieder gerne und leidenschaftlich Wasser. Das wichtigste aber: ich bin danach meist ein besserer Läufer. Da ich in zwei Wochen oft 10 Kilogramm verliere, läuft es sich wesentlich leichter. Das sind immerhin 40 Pakete Butter, die ich nicht mehr mit mir rumschleppen muss. Pakete Butter sollte man sowieso zum Errechnen verlorenen Gewichts als Standart einführen. Oft behaupten Leute man würde durch das Fasten deutlich an Muskelmasse einbüssen. Das konnte ich bei mir so nie beobachten. Meine Marathonbestzeit bin ich zwei Wochen nach einer drei Wochen andauernden Fastenkur gelaufen. Und obwohl ich meine langen langsamen Läufe in der Fastenzeit pausieren musste, hatte ich auch bezüglich langer Umfänge nie Formeinbussen durchs fasten. Dieser Artikel soll Lust aufs Fasten machen. Wer jetzt gleich loslegen will, sollte sich Fachliteratur besorgen oder einen Fachmann aufsuchen. Oder man geht wie ich beim ersten fasten in eine Fastenklinik wie zum Beispiel die Buchinger Klinik am Bodensee. Da wird man ständig von Ärzten durchgecheckt und der Fastenvorgang überwacht. Frohes Fasten!

Buchempfehlung: “Wie neugeboren durch Fasten” von Hellmut Lützner ISBN: 9783833834103

Text: Philipp Jordan (fatboysrun.de)

 

Sporty man jogging on urban street

Die Zeit rennt – Zeitmanagement für Läufer

Im Alltag unter Zeitdruck stehen und gleichzeitig nach Bestzeiten jagen wollen, das ist die Realität für viele Läufer. Wie schafft man es, das Laufen nicht als zusätzlichen Stressfaktor anzusehen? Ein gutes Zeitmanagement kann dabei helfen.

Die Zeit rennt, wie man sagt. Schöner wäre es doch, wenn wir als Läufer öfter mal Zeit zum Rennen hätten und die Zeit sich nicht so beeilen würde. Der Zeitdruck ist ein ständiger Begleiter unserer schnelllebigen Gesellschaft geworden, insbesondere für den Läufer kann sich die Zeit als ein schier unbezwingbarer Widersacher erweisen. Die Zeit sitzt uns Läufern häufig im Nacken. Das liegt in der Natur der Sache. In Trainingsplänen steht eine Zeitvorgabe, mit der GPS-Uhr messen wir die Zeit, die wir benötigen um eine bestimmte Distanz zurückzulegen. Selbige macht uns im Anschluss an den Lauf sogar noch einen Vorschlag für die optimale Länge der Regenerationsdauer. Viele haben aber Probleme damit überhaupt Zeit für das Laufen zu finden. Ein Termin jagt häufig den nächsten und den Überblick zu behalten, sich Räume zu schaffen und seine Zeit zu managen ist eine Herausforderung und will gelernt sein.

Leben auf der Überholspur

Auch die Wissenschaft befasst sich mit diesem Thema. Zeitforscher, wie der Soziologe Hartmut Rosa, haben ein Dilemma erkannt: Auch wenn jeder Einzelne im historischen Vergleich objektiv immer mehr Zeit zur Verfügung hat, fühlt es sich doch für die meisten Menschen so an, als ob Zeit zu einem immer knapperen Ressource werden würde. Der Soziologe Rosa nennt dieses Phänomen „Beschleunigungsgesellschaft“. Wer beim Sport allerdings immer nur beschleunigen will und sich auch in anderen Lebensbereichen Zeitdruck und Stress ausgesetzt sieht, sollte lieber regelmäßig auf die Bremse treten. „Stress ist für einen Sportler alles andere als leistungssteigernd“, bestätigt der Sportpsychologe Oliver Stoll. Um Zeitdruck als Stressfaktor aus dem Spiel zu nehmen, bedürfe es eines guten Zeitmanagements. Stoll betreut Profisportler und lehrt an der Universität Halle-Wittenberg. Er arbeitet unter anderem als sportpsychologischer Betreuer der Nationalmannschaft im Wasserspringen, einer sehr trainingsintensiven und mental herausfordernden Disziplin. Aber auch Läufer suchen seinen Rat. Was kann man von einem Profiathleten lernen? „Ich habe mit dem ehemaligen Profi-Läufer Falk Cierpinski zusammenarbeitet“, verrät der ebenfalls passioniert laufende Psychologe. Cierpinski hatte das Ziel einen Marathon unter 2:14 im Marathon zu laufen. „Der war mental sehr stark strukturiert. Der wusste relativ früh über seinen Trainingsplan Bescheid und hat alles andere drumherum organisiert.“

Nicht mit dem Kopf durch die Wand

Planen, organisieren, managen, mögliche Engpässe im Voraus antizipieren – das alles kann man lernen und einüben. Klar, ein Profi hat ein Trainer- und Beraterteam, Vorgaben und Regeln. Ein Hobbyläufer ist normalerweise Athlet und Trainer in Personalunion. Das kann Vor- und Nachteile haben. Ein Vorteil ist sicherlich die Planungsfreiheit. Ein Hobbyathlet muss sich um keine Sponsorenverpflichtungen oder Olympia-Normen kümmern. Die Kehrseite: Oftmals bürdet sich der Hobbyläufer zu viel auf, überschätzt seine Fähigkeiten und unterschätzt den Trainingsaufwand, den es benötigt ein bestimmtes Ziel zu erreichen. „Wenn man seinen Plan für mehrere Wochen nicht umsetzen kann, muss man auch den Arsch in der Hose haben und sagen: Ok, ich pack das einfach nicht. Dann sollte man die Ziele so korrigieren, dass man eben nicht permanent unter Dampf steht“, empfiehlt der Wissenschaftler. Leichter gesagt als getan. Oliver Stoll weiß wovon er spricht. Drei Jahre lang hat er versucht die drei Stunden Marke im Marathon zu unterbieten. Schließlich hat es dann geklappt. Aber er berichtet rückblickend: Das war die schlimmste Zeit in meinem Läuferleben. Das war wirklich Stress pur für mich“.

Aus Fehlern lernen

Je länger man läuft, desto mehr Gelassenheit entwickelt man auch in Hinblick auf den Sport. Das berichtet auch Denise Krebs, Sprinterin und mehrfache Deutsche Meisterin. „Man lernt im Laufe der Zeit seinen Körper zu lesen.“ Wer seinen Körper lesen kann und dessen Warnsignale versteht, kann Zeitdruck und Stress besser vorbeugen, sich vielleicht auch mal eine Pause mehr gönnen. Leider bekommen wir die Gelassenheit nicht in die Wiege gelegt. Umso wichtiger ist es aus Situationen, in denen das Zeitmanagement nicht geklappt hat, zu lernen. Jede Niederlage, jedes Scheitern ist auch eine Lernmöglichkeit. Eine weitere Technik der Profisportler sei es, die vermeintlich negativen Dinge umzudeuten, sagt Oliver Stoll. „Sich nicht zu ärgern, nicht zu verspannen, sondern die Erfahrung umzubewerten. Eine ausgefallene Einheit kann ja auch einen positiven Effekt haben. So eine kognitive Umbewertung kann man lernen. Es reicht aber nicht, wenn man es gesagt bekommt. Man muss selber die Erfahrung machen, dass es funktioniert.“

Von Multitasking zu Montasking

Stellt sich also die Frage: Wie kann man sich in einem hektischen Alltag zwischen Familie, Freunden und Arbeit Zeit für den Sport nehmen? Gibt es vielleicht sogar zeitlose Tipps und Tricks für einen praktikablen Umgang mit der Ressource Zeit? Was ist ein gutes Zeitmanagement? Darauf weiß Prof. Dr. Lothar Seiwert eine Antwort. Er ist Author des Buches „Das 1×1 des Zeitmanagements“ und ist hält Vorträge und Seminare zu diesem Thema. Er ist der Meinung, dass einer der wichtigsten Schritte hin zu einem sinnvollen Umgang mit der Zeit, das Prioritätensetzen ist. Es gehe nicht darum möglichst viele Dinge gleichzeitig zu tun, sondern die Lebenszeit intensiver und bewusster für das zu nutzen, was einem wirklich wichtig ist. Er nennt dies, in Anspielung auf das Wort Multitasking, Monotasking. Konkret: Wichtigem von Unwichtigem unterscheiden. Was einem wichtig ist, kann sich von Tag zu Tag, Woche zu Woche oder Jahr zu Jahr verändern. Vielleicht hat in der einen Woche das Lauftraining Vorrang, in der Woche danach aber ein wichtiges berufliches Projekt oder die Zeit mit der Familie. „Obwohl Zeit ein knappes Gut ist, gehen viele Menschen nicht gerade sparsam damit um. Die meiste Energie und Zeit verpufft, weil klare Ziele, Planung, Prioritäten und Übersicht fehlen. Hier aber kann jeder selbst ansetzen“, ermutigt der gefragte Redner. Dabei gilt es sich nicht nur gedanklich eine Prioritätenliste zu erstellen, sondern diese aufzuschreiben. „Das wichtigste Planungsprinzip ist die Schriftlichkeit“, so Seiwert.

Kleine Alltagstricks

Sandra Mastropietro ist da ganz ähnlicher Auffassung. Und sie muss es wissen, schließlich ist sie eine Ultras-laufende und berufstätige Mutter. „Grundsätzlich teile ich die Einstellung „Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich“ und das meine ich ernst“, sagt sie. Alles sei eine Frage der Priorisierung. Natürlich würde es immer Dinge geben, die wichtiger seien als das Laufen oder der Sport allgemein. „Aber als großes Ganzes betrachtet: Es gibt nicht viele Dinge die wichtiger sind als die eigene Gesundheit“, so die Läuferin. Sie empfielt kleine Alltagstricks, wie Unterarmstütz an der Küchenanrichte bis der Wasserkocher kocht oder die Fußgelenksarbeit beim Zähneputzen. Diese kleinen Mini-Workouts und Dehneinheiten kann man im Prinzip überall machen. „Und wer die Möglichkeit hat sollte unbedingt ab und an die Mittagspause zum Laufen nutzen, oder zumindest zum Spazierengehen. Das lüftet den Kopf durch und gibt Kraft“, ergänzt Mastropietro. Überhaupt: Zeit an der frischen Luft, Zeit für sich – das ist ein Kurzurlaub für den gestressten Geist. Wer das Laufen als Investition in seine körperliche und seelische Gesundheit betrachtet, der nimmt sich ganz automatisch die Zeit dafür. Sie lacht und fügt hinzu: „Man tut ja nicht nur sich, sondern dem Umfeld einen Gefallen. Ich zumindest komme immer sehr entspannt und überglücklich von meinen Laufeinheiten zurück.“

Text: Christian Bruneß

Couple jogging on footpath at park during sunrise

Alles unter Kontrolle

Regelmäßige Bewegung ist die beste Prävention und Therapie für schwere Krankheiten. Dazu gehört auch Diabetes. Bei einigen ist die Zuckerkrankheit angeboren, bei anderen entsteht sie im Lauf des Lebens. Wie geht man als Läufer am besten mit Diabetes um?

Weltweit leiden laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund 422 Millionen Menschen unter Diabetes. In Deutschland sind es immerhin noch rund sechs Millionen Menschen, Tendenz klar steigend. Rund 300.000 leiden an einem Typ-1 Diabetes und bei rund 1,3 Millionen ist die Erkrankung unentdeckt. Alle gemeinsam haben, dass sie vorsichtig sein müssen, wenn sie laufen gehen wollen. Aber es gibt keinen Grund, auf Sport zu verzichten. Im Gegenteil.

Grundsätzlich muss man zwischen zwei verschiedenen Formen der Zuckerkrankheit unterscheiden. Denn je nachdem, unter welcher Krankheit man leidet, unterscheidet sich der Umgang enorm. „Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung und hat eine genetische Komponente“, erklärt Dr. Ulrike Becker, Diabetologin aus Bonn. „Typ 2 entwickelt sich im Laufe des Lebens und hat eine ganz starke genetische Komponente. Die Annahme, dass nur unsportliche Leute mit einer schlechten Ernährung Diabetes entwickeln, ist falsch. Ich habe in meiner Laufgruppe auch Läufer, die bei einem Halbmarathon starten, und trotzdem Diabetes Typ 2 haben. Man kann also nicht sagen, dass die einen an ihrer Diabeteserkrankung selbst schuld sind und die anderen nicht. Wobei der Typ 2 Diabetes bei vielen Menschen schon mit dem Lebensstil zu tun hat. Aber andere können sich viel bewegen und Sport treiben und bekommen die Krankheit trotzdem.“

Beide Formen haben einen hohen Blutzuckerspiegel gemeinsam. Aber das ist schon beinahe die einzige Gemeinsamkeit. Bei Menschen mit Typ 1 funktionieren die Insulin produzierenden Zellen nicht richtig, beziehungsweise bildet der Organismus Antikörper gegen diese Zellen. Diese Menschen haben dann einen Insulinmangel, man muss also Insulin spritzen, damit der Körper funktioniert. Bei Menschen mit Typ 2 entwickelt der Organismus eine Insulin Resistenz. Das körpereigene Insulin wirkt also nicht mehr so gut. Diese Menschen brauchen also sehr viel Insulin. Im Frühstadium kann das Problem meist mit Tabletten behandelt werden und einer Änderung des Lebensstils, teilweise brauchen diese Leute aber auch Insulin.

Sport je nach Diabetes-Typ

Grundsätzlich ist Diabetes Typ 1 für Sportler kein Problem, wenn man damit umgehen kann. Tatsächlich gibt es einige Beispiele wie 200m-Sprinter Daniel Schnelting oder Triathletin Melanie Schipfer, dass man auch trotz der Zuckerkrankheit in seinem Sport zur Weltklasse gehören kann. Dazu gehört aber das Wissen, was im Körper passiert. „Wenn ein Mensch Sport treibt, nimmt die Insulin-Empfindlichkeit schlagartig zu“, erklärt die Diabetes-Expertin, die in Bonn eine Laufgruppe für Diabetiker betreut. „Durch die Muskelarbeit sinkt der Blutzuckerspiegel, da der Körper ja diesen Zucker als Energie benötigt. Dann stoppt der Körper die Insulin-Ausschüttung, da sonst der Blutzuckerspiegel noch weiter sinken würde. Das grundsätzliche Problem bei Typ-1-Diabetikern ist, dass man das Insulin von außen zuführen muss. Hier kann man mit einer Insulin-Pumpe oder einer Mehrfach-Spritzentherapie arbeiten. Dieses von außen zugeführte Insulin wirkt rund zwei bis drei Stunden im Körper. Wenn man nun mit dem Training anfängt, wirkt das Insulin, das man sich als Diabetiker verabreicht hat, im Gegensatz zu dem körpereigenen weiter und sorgt dafür, dass der Blutzucker weiter abgebaut wird. Wer hier nicht ganz genau weiß, wie man mit diesem Insulin umgehen muss, hat ein großes Risiko zu unterzuckern. Und das ist sehr gefährlich.“

Anzeichen erkennen

Typische Anzeichen für Unterzucker sind Hunger, Blässe, Herzrasen und Schweißausbrüche. Das alles tritt bei einem harten Training aber ebenfalls auf. Insofern muss man seinen Körper gut kennen, um den Unterschied zwischen Unterzucker und Erschöpfung zu erkennen. Denn bei Unterzuckerung kann der Körper die Zellen nicht mehr ausreichend versorgen. Zunächst sinkt natürlich auch die Leistungsfähigkeit, da unserem Körper sprichwörtlich der Sprit ausgeht. Im Extremfall kann man ohnmächtig werden und das Gehirn kann Schaden nehmen, da es immer Zucker braucht. In ganz seltenen Fällen kann Unterzuckerung sogar tödlich sein, was glücklicherweise aber nur sehr selten vorkommt.

Insofern ist es für Typ-1-Diabetiker wichtig, den Blutzuckerspiegel regelmäßig zu messen und vor dem Sport zu wissen, wann man sich wie viel Insulin injiziert hat. Mit etwas Übung und Erfahrung ist Sport bei Diabetes dann kein Problem, da man die Dosis entsprechend anpassen kann. Nur spontan Sport treiben ist schwierig, da sich noch zu viel Insulin im Unterhautgewebe befinden kann, das dann nachwirkt und eine Unterzuckerung verursachen kann.

Für Typ 1 Diabetiker gibt es also keinen Grund, keinen Sport zu treiben. Allerdings gehört bei der dieser Form der Zuckerkrankheit Bewegung auch nicht zwingend zur Therapie. Die Betroffenen profitieren wie jeder andere Mensch auch von einem aktiven Leben, von Sport und Bewegung, auf die Krankheit hat Bewegung aber kaum einen Einfluss. Zudem ist Vorsicht geboten, da Sport den Blutzuckerspiegel durcheinanderbringt. Daher sollte man hier gerade als Einsteiger immer mit einem Experten zusammenarbeiten, der die Werte überwacht und Empfehlungen zum Sportpensum geben kann.

Anders ist es bei dem zweiten Typ der Zuckerkrankheit. Hier gehört Bewegung immer zur Therapie dazu. Denn Sport verbessert die Insulinempfindlichkeit der Rezeptoren. Oder anders ausgedrückt benötigt man weniger Insulin, um den Blutzuckerspiegel zu senken, da das körpereigene Hormon besser wirkt. Bewegung ist daher ein wichtiger Aspekt der Therapie. Bei modernen Diabetestabletten besteht erfreulicherweise auch ein sehr geringes Unterzuckerungsrisiko, so dass Sport oft unproblematischerer möglich ist, als bei einer Insulintherapie. Zudem senkt Sport den Blutzuckerspiegel grundsätzlich, was für Diabetiker vom Typ 2 von Vorteil ist

Die richtige Ernährung

Schwierig wird es dagegen, wenn es um die Ernährung geht. Denn der Körper benötigt ja bekanntlich Kohlenhydrate, um leistungsfähig zu sein. Bei sportlich ambitionierten Diabetikern vom Typ 1 ist es schwierig, die richtige Dosis zu erwischen. Aber auch bei Typ 2 spielt die Ernährung eine große Rolle. „Ich empfehle meinen Patienten vom Typ 2 eine moderate Low-Carb-Diät“, sagt Dr. Becker. „Wenig Kohlenhydrate in kleinen Dosen statt einmal eine große Sättigungsbeilage, wie es früher empfohlen wurde, sind sinnvoll. Beim Typ 1 ist es möglich, aber etwas schwieriger. Entscheidend ist eben, dass man sich mit seinem Zucker intensiv beschäftigt. Bei einer Low Carb Ernährung esse ich ja mehr Eiweiß und Fette. Hier muss ich dem Körper trotzdem Insulin geben. Der Körper kann ja auch Eiweiß und Fett in Zucker umwandeln. Da benötigt ein Diabetiker auch Insulin. Nur muss ich das als Diabetiker anders berechnen als wenn man die Energie aus Kohlenhydraten zieht. Eine Ernährung ganz ohne Kohlenhydrate ist nicht sinnvoll.“

Grundsätzlich gelten für einen Typ-1-Diabetiker die gleichen Ernährungsregeln wie für einen gesunden Menschen. Mit dem Unterschied, dass man sich als Diabetiker immer die Frage stellen muss, wie man beim Sport nicht unterzuckert. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. „Die erste Möglichkeit ist, den Sport gut voraus zu planen“, erklärt die Expertin. „Dabei stellt man rund eine Stunde vor dem Training seine Insulinpumpe ab, damit beim Sport eben weniger Insulin im Körper ist und das Risiko für eine Unterzuckerung sinkt. Wenn ich spontan Sport treiben will, sollte ich davor mehr Kohlenhydrate zu mir nehmen, damit der Blutzuckerspiegel eben nicht zu weit sinkt. Ich empfehle hier dann vor dem Sport Obst oder leicht verwertbare Kohlenhydrate in Form von Riegeln. Ganz kurz vor dem Sport sind kohlenhydratreiche Getränke noch besser. Gerade bei einem anstrengendem Training.“ Beim Sport ist Zucker in Getränken besser, da diese bei der Bewegung besser aufgenommen werden können und den Magen nicht belasten. Nach dem Sport gilt es ja, die Energiespiegel wieder zu füllen. Allerdings hat der Körper bis zu 24 Stunden eine erhöhte Insulin-Empfindlichkeit. Als insulinspritzender Sportler muss man dadurch oft weniger injizieren oder mehr Kohlenhydrate zu sich nehmen. Das hängt aber von vielen Faktoren wie der Intensität, dem Trainingszustand oder der Tageszeit ab.

Fazit

Es gibt also keinen Grund, als Diabetiker keinen Sport zu treiben. Hier gibt es auch eine neue Entwicklung, die den Betroffenen helfen. Mit kleinen Sensoren unter der Haut wird der Blutzuckerspiegel im Gewebe gemessen und die Werte direkt an ein Handgerät weitergeleitet. So weiß man direkt, ob man reagieren muss. Die Kosten für diese Geräte werden seit diesem Jahr teilweise auch von der Krankenkasse übernommen. Entscheidend ist vor allem, dass man sich und seine Zuckerwerte kennt und weiß, wie man darauf reagieren muss. Dann spricht auch nichts dagegen, als Zuckerpatient in der Weltspitze mitzulaufen.

Text: Christian Riedel

Bloß kein Winterschlaf!

Bloß kein Winterschlaf!

Herbstzeit ist Regenerationszeit. Der Körper kann sich von der Laufsaison erholen, Muskeln, Bänder und Knochen werden entlastet. Doch nur wer mit Vernunft den Neustart schafft, ist im Frühjahr bestens vorbereitet für Marathon, Halbmarathon & Co. Wer dagegen Winterschlaf hält, hat beim Wiedereinstieg im Frühjahr ein erhöhtes Verletzungsrisiko.

Allzu oft wollen Freizeitsportler im Frühjahr genau da weitermachen, wo sie im Herbst aufgehört haben. Sportmediziner Johann A. W. Kees, der auch die erfolgreichen Volleyballer des Rekordmeisters VfB Friedrichshafen betreut, kennt das Phänomen aus der Praxis. Für konsequentes Wintertraining fehle vielen Sportlern oft der nötige Drive. Das kann sich rächen. Ohne regelmäßiges Training fängt man im Frühjahr wieder bei null an. Kondition und Muskelkraft lassen nach, und auch Bänder und Sehnen büßen an Elastizität und Widerstandskraft ein. Das kann beim Wiedereinstieg im Frühjahr zu Überbelastung und Beschwerden führen. Zwar lassen sich diese meist mit Eigenmaßnahmen wie natürlichen Arzneimitteln aus der Apotheke wie Traumeel Creme und Tabletten oder Retterspitz wirkungsvoll behandeln – der Start in die Laufsaison verzögert sich dadurch aber oft beträchtlich.

Kürzer laufen, länger regenerieren

Anstatt einen schlechten Neustart und Verletzungen zu riskieren, sollte man deshalb lieber den Winter über aktiv bleiben. Die geeignete Ausrüstung aber auch das richtige Trainingsmaß hilft, fit und verletzungsfrei durch den Winter zu kommen. Weil das Laufen im Schnee ähnlich anstrengend ist wie zum Beispiel an einem Sandstrand,sollte man sich beispielsweise mit kürzeren Trainingseinheiten begnügen. Ausreichende Regeneration zwischen den Läufen ist im Winter besonders wichtig. Denn bei Kälte sind die Muskeln deutlich anfälliger.
Schon kleinste Mikrotraumen, etwa durch einen nicht vollständig auskurierten Muskelkater, können dann Auslöser für Muskelverletzungen sein. Auch die Bänder und Sehnen reagieren bei Kälte weniger flexibel. So kann vermeintlich harmloses Ausrutschen oder Umknicken leicht zu Schmerzen oder Instabilitäten führen – und in der Folge möglicherweise zu schwereren Verletzungen der Sprunggelenke.

Bei Glätte lieber langsamer laufen

Das Lauftempo zu drosseln, empfiehlt sich vor allem bei Glätte – nicht nur wegen der drohenden Sturzgefahr. Denn beim Laufen auf Eis und Schnee kann es vermehrt zu Muskel- und Sehnenreizungen kommen. Vor allem die Adduktoren der Oberschenkelinnenseiten sind anfällig: Je schneller man läuft, desto größer ist die Gefahr wegzurutschen und desto mehr muss die Oberschenkelmuskulatur ausgleichen. Besonders am Sehnenansatz unterhalb des Schambeins drohen dann Überlastung und Schmerzen. Aber auch akute Verletzungen können vermehrt auftreten, wenn man nicht vorsichtig läuft.

 

Erste-Hilfe beim Lauf-Unfall – die PECH-Regel

Umknicken, Ausrutschen oder plötzliche Schmerzen – Sportmediziner empfehlen Sofortmaßnahmen nach der PECH-Regel:

PAUSE
Umgehend das Training beenden

EIS
die Verletzung kühlen

COMPRESSION
einen Druckverband anlegen

HOCHLAGERUNG
und das verletzte Bein hochlagern, um Schwellungen und Blutergüsse gleich von Anfang an einzudämmen.

Zusätzlich können natürliche Wirkstoffe aus der Apotheke wie Arnica (Bergwohlverleih), Echinacea (Sonnenhut), Hamamelis (Zaubernuss) und Symphytum (Beinwell) die Regeneration fördern und den Entzündungsprozess regulieren. Auch wenn nach Erfahrung von Experten viele Läufer nach dem Umknicken oder Ausrutschen erst zu Hause unter der Dusche einen Schmerz feststellen: Laufen sollte man in jedem Fall erst dann wieder, wenn die Beschwerden vollständig abgeklungen sind!

Group of friends running down hill in park

Die Psyche bewegen

Regelmäßiges Laufen tut jedem Menschen gut. Die Lauftherapie nutzt diesen positiven Effekt und garantiert Wohlbefinden für den Körper und die Seele.

Hinter diesem Beipackzettel* steckt eines der wirksamsten Mittel für den menschlichen Körper und die Seele – ein Mittel, das weder in Tabletten- noch in Tropfenform einzunehmen ist: das Laufen. Wer nach dem Laufen erschöpft, mit roten Wangen und verschwitztem Haar-Ansatz wieder zu Hause durch die Tür kommt, weiß plötzlich, mit welchen Worten am nächsten Tag am besten das Gespräch mit der Chefin beginnen sollte, hat den Stress des langen Tages vergessen und fühlt sich dabei vor allem einfach wohl in der eigenen Haut. „Beim Laufen kommt alles in Fluss“, beschreibt Lauftherapeut und Heilpraktiker Dirk Herres das Phänomen, bei dem sich durch das Bewegen des Körpers auch im Kopf etwas bewegt.

* Beipackzetel Laufen:
Wirkungsweise: Stimmung aufhellend
Anwendungsgebiet: unter anderem Stress, depressive Verstimmungen, Bewegungsmangel
Dosierung und Anwendungshinweise: so oft wie möglich, gerne an der frischen Luft

Der zusammengesetzte Begriff der Lauftherapie hat in Deutschland schon eine lange Geschichte. Bereits 1988 gründete Prof. Dr. Alexander Weber das Deutsche Lauftherapie-Zentrum. Im Vorhinein hatte er das „Paderborner Modell der Lauftherapie“ entwickelt. Auch dieses beruht auf der Grundannahme, dass sich Körper und Psyche gegenseitig beeinflussen. Beim „Paderborner Modell“ wird zudem die Organisation einer Lauftherapie mit Vorgesprächen und Kurszeiten beschrieben. Einen weiteren Faktor macht schließlich die Gruppendynamik aus, da die Lauftherapie meistens in kleinen Gruppen stattfindet. Dazu kommt der von Lauftherapeutin Katja Cordts-Sanzenbacher in ihrem Aufsatz zum „Paderborner Modell“ beschriebene bedeutsamste Baustein: der Lauftherapeut, der selbst die Lauftherapie leben sollte.

Weiterbildung

Der Wahlkölner Dirk Herres ist so jemand, der die Lauftherapie lebt. Da er neben seiner psychotherapeutischen Arbeit obendrein passionierter Läufer ist. „Ich weiß also um die positiven Aspekte des Laufens“, formuliert es Herres, der in diesem Frühjahr seinen ersten Ultra-Marathon in Jordanien gefinisht hat. Vor drei Jahren hat er die Weiterbildung zum Lauftherapeuten bei der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT)
absolviert. Die in Würzburg sitzende DGVT ist einer der wenigen Träger für diese Fortbildung in Deutschland. Ein weiterer Ausbildungs-Standort ist das bereits erwähnte Deutsche Lauftherapie-Zentrum in Bad Lippspringe. Themen der Weiterbildung sind unter anderem psychische und physische Auswirkungen des Laufens sowie Trainingslehre oder Dehnübungen. Wer Lauftherapeut werden möchte, muss neben einer Laufleidenschaft einen psychosozialen Beruf erlernt haben. Das könnten laut Herres also beispielsweise Psychotherapeuten, Sozialarbeiter oder auch Mediziner sein. „Es ist wichtig, dass man mit dem Klientel vertraut ist“, erklärt der Therapeut.

Variabel einsetzbar

Das Klientel ist dabei ähnlich verschieden wie die positiven Effekte des Bewegens. So ist Laufen unter anderem gut für das Herz, den Stoffwechsel, die Ausdauer und das Immunsystem – wirkt stressabbauend und steigert das Selbstwertgefühl. Eine Lauftherapie ist also absolut variabel einsetzbar. „Die Therapie kann bei psychiatrischen Erkrankungen angewandt werden, es muss aber keine Diagnose vorliegen“ beschreibt Herres den sowohl präventiven als auch therapeutischen Charakter dieser Körpertherapie. Er arbeite oft mit Suchtkranken, die sich beim Laufen komplett auspowern könnten. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Patienten mit depressiven Störungen. „Bei Depressiven ist das Laufen ähnlich wirksam, wenn nicht sogar wirksamer als Antidepressiva“, sagt Herres. Beim Laufen könnten durch eigene Kraft Fortschritte erzielt werden – ein Effekt, den der psychologische Begriff der Selbstwirksamkeit beschreibt.

Die Lauftherapie sei dabei aber keine Psychotherapie, sondern eine Körpertherapie. Es gibt also keine Fragen des Therapeuten während des Laufens. Beim Laufen wird nicht nach Ursachen gesucht, es wird einfach gelaufen. „Manchmal gehe ich aber auch mit meinem Patienten statt einer normalen Therapiesitzung laufen“, berichtet Herres, „oft kontrollieren sich Patienten bei Sitzungen im Büro oder haben Hemmungen, das Laufen bietet da einen anderen Zugang.“

Die Lauftherapie beginnt zunächst mit einer Anamnese, um herauszufinden wer beispielsweise Psychopharmaka nimmt und wo der sportliche Leistungsstatus liegt. Bei Anfängern fängt Herres abwechselnd mit drei Minuten Laufen und drei Minuten Gehen an. „Innerhalb von acht Wochen lässt sich das gut steigern. Das reicht dann noch nicht für eine Bestzeit, aber 30 Minuten am Stück laufen
sind drin“, erklärt der laufende Heilpraktiker. Bei den Zielen gehe es nicht um sportliche Höchstleistungen, sondern um das Wohlbefinden. Fitte Teilnehmer würden nicht in einer Anfängergruppe landen und der langsamste Läufer bestimme immer das Tempo. Mit einer Gruppe habe Herres nach acht Wochen zum Beispiel das DLV-Abzeichen gemacht. Noch wichtiger als den persönlichen Erfolg in Form eines Abzeichens auch anfassen zu können, sei jedoch etwas anderes. „Die Natur, das draußen sein, spielt eine große Rolle. Eine Lauftherapie auf dem Laufband ist unmöglich“, adelt Herres die natürliche Umgebung der Läufer.

Forschungsfeld Laufen

Die Lauftherapie ist unter anderem dank der Paderborner Vorreiter schon lange in der deutschen Therapielandschaft verwurzelt und mittlerweile taucht das therapeutische Laufen auch in immer weiteren Bereichen auf. Bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, in Firmen oder auch beim Wiedereinstieg ins Berufsleben, wie es Alexanders Weber und Wolfgang W. Schüler in ihrem Buch „Lauftherapie in Lebenswelten“ aufzeigen.

„Wir haben in der Gesellschaft ein Bewegungsdefizit ohne Ende, dabei ist Bewegung das Non-plus-Ultra“, sagt Herres, „wir sind nicht zum Sitzen gemacht, man muss quasi zwangsläufig zum Laufen kommen“ Die Erkenntnis komme auch langsam in den Köpfen an. So tue sich bei den Krankenkassen eine Menge, einige würden bereits die Lauftherapie unterstützen.

Zudem beschäftigen sich auch immer mehr Studien auf wissenschaftlicher Ebene mit den positiven Effekten des Laufens auf die Gedanken- und Gefühlswelt. Als Läuferin und Doktorandin an der Universität von Harvard versuchte sich zum Beispiel Emily E. Bernstein gemeinsam mit Psychologie-Professor Richard J. McNally an einem Experiment. Einen Teil einer 80-Probanden starken Gruppe schickten sie eine halbe Stunde joggen. Anschließend zeigten sie den Gelaufenen und Nicht-Gelaufenen die gleiche Filmszene – die finalen Minuten des US-amerikanischen Sport-Dramas „The Champ“. Der Film, in dem ein ehemaliger Boxer für seinen Sohn wieder in den Ring steigt, gilt als einer der traurigsten jemals produzierten Filme. Nach dem Filmausschnitt mussten die Probanden bewerten, wie sehr der Filmausschnitt sie deprimiert habe. Nach 15 Minuten wurden sie erneut gefragt. Jene mit der Jogging-Einheit konnten sich besser von dem emotionalen Clip erholen als die Nicht-Läufer.

Doch wichtiger als jeder wissenschaftliche Hintergrund bleibt das Gefühl, das sich während einer Lauftherapie in der Gruppe breit macht. Es werde sich gegenseitig angefeuert und viel Rücksicht aufeinander genommen, berichtet Herres. „Die Teilnehmer verstehen sich als Gruppe und vor allem als Sportler.“

Text: Kerstin Börß

Let's run it will get fun

Fokus auf den Fuss

Sie verrichten Tag für Tag Schwerstarbeit, doch leider kümmern sich die meisten Läufer zu wenig um sie – die Füße. Wir haben mit Experten gesprochen und zeigen Ihnen wie Sie ihre Füße stärken und pflegen können.

Die Füße sind für den Läufer ungefähr so wichtig die Finger für einen Pianisten. Dieser Vergleich ist alles andere als übertrieben. Doch obwohl starke und gesunde Füße für Läufer unverzichtbar sind, werden sie leider viel zu oft sträflich vernachlässigt. Das liegt möglicherweise daran, dass unsere Füße die allergrößte Zeit des Tages für uns unsichtbar sind, in Socken und dicken Schuhen eingepackt oder unter dem Schreibtisch versteckt. Aus dem Auge aus dem Sinn. „Es stimmt, die Füße sind am weitesten vom Kopf entfernt und stecken meist in Socken und Schuhen“, sagt André Hänchen, Fußexperte und Orthopädie-Schuhtechniker aus Bonn. Wenn es keine konkreten Beschwerden gibt, werden die Füße weitestgehend ignoriert. Eine andere Ursache für die fehlende Aufmerksamkeit könnte jedoch auch sein, dass Füße als Körperteile betrachtet werden, die keines besonderen Trainings bedürfen. Barfuß gehen? Maximal im Sommerurlaub am Strand. Fußmassage? Braucht kein Mensch. Und Fußtraining? Lieber die Ausdauer und Schnelligkeit trainieren, als wertvolle Zeit mit so einer vermeintlichen Lappalie wie Fußtraining zu vergeuden. Experten sind da völlig anderer Meinung. „Fußtraining für Läufer ist sehr wichtig“, sagt die Sportwissenschaftlerin und Ultraläuferin Anne-Marie Flammersfeld.

Starke Füße trotz Bürojob

Durch den sogenannten westlichen Lebensstil bildet sich die Fußmuskulatur stetig zurück. Ein durchschnittlicher Arbeitnehmer geht nur noch 1500 Schritte am Tag zu Fuß. 10.000 Schritte werden empfohlen. Wenn man bedenkt, dass unsere Vorfahren bis zu 30 km täglich zurücklegten, ist selbst diese Empfehlung noch moderat. Aber wir sind Läufer und Läufer machen ja nunmal mehr Schritte als Sportmuffel. Das stimmt. Aber viele Freizeit- und Hobbyathleten verbringen den größten Teil des Tages sitzend. Wer einen Bürojob hat, mit dem Auto nach Hause fährt und dann eine Runde laufen geht, der fordert einiges von seinen Füßen. „Die Füße müssen extrem viel aushalten“, stimmt Anne-Marie Flammersfeld zu. „Dabei kann das Training für die Füße super in den Alltag integriert und nebenbei durchgeführt werden.“ Jeder Fuß ist natürlich anders. Wer zu häufigen Umknicken neigt und eher instabil auf den Beinen ist, der sollte kräftigende Übungen machen. Ist der Fuß stabil und eher unflexibel, ist eine entspannende Massage sinnvoll.

Wenig Aufwand, viel erreichen

Wie aufwendig ist das Fußtraining? Und wie häufig sollte man seine Füße trainieren? Die gute Nachricht lautet: Es braucht nicht viel Zeit und sie müssen auch kein Geld in teures Trainingsgerät investieren. André Hänchen empfiehlt je nach Trainingsumfang sich ein bis drei mal pro Woche 10-15 Minuten den Füßen zu widmen. Schon einfache Balanceübungen sind eine gute Übung. Anne-Marie Flammersfeld empfiehlt den Einbeinstand beim Zähneputzen. „20 bis 30 Sekunden pro Fuß halten, dann wechseln. Solche Übungen sollte jeder Läufer kennen und auch regelmäßig durchführen“, so die erfolgreiche Trail- und Ultraläuferin. Einfache Übungen haben wir für Sie auf den folgenden Seiten zusammengestellt. Wer mehr tun möchte, darf das gerne tun. André Hänhchen weist darauf hin, dass richtiger Muskelaufbau erst ab fünf Trainingseinheiten pro Woche á 30 Minuten stattfindet. Auch zusätzliches Trainingsgerät kann eingesetzt werden, ist aber keine Pflicht. „Bälle und Rollen sind gut für die Regeneration, das ist Faszien-Training für die Füße. Mit Wackelbrettern und Thera-Bändern kann gut an der Stabilität der Füße gearbeitet werden“, so André Hähnchen. Aber auch Haushaltsgegenstände können sehr gut zweckentfremdet werden. „Das geht ganz einfach. Zum Beispiel kann man die Füße über einen Besenstiel rollen oder ein dickes Badehandtuch falten und darauf einbeinig balancieren“, rät der Bonner Fußexperte. Die Abwechslung ist wichtig. „Es sollte aber nicht nur gekräftigt, sondern auch gedehnt und entspannt werden“, fügt deshalb die aktiv Laufen-Expertin Flammersfeld hinzu.

Einlagen – nicht durchgehend tragen

Wer Fußprobleme hat und sich im Internet, bei einem Laufschuhhändler oder gar bei einem Orthopäden aufsucht, der wird schnell auf das Thema Einlagen stoßen. Für wen sind Einlagen sinnvoll? Und wer sollte lieber die Finger von ihnen lassen? Eine klare Antwort darauf gibt es, Sie ahnen es, leider nicht. Einerseits kann eine Einlage den Bewegungsablauf unterstützen und ungewollte Bewegungsmuster korrigieren. Andererseits kann eine Einlage auch dazu führen, dass die Muskulatur sich an diese Hilfestellung gewöhnt und langfristig schwächer wird. Es käme, laut André Hänchen, besonders darauf an wie die Einlagen eingesetzt werden. „Wenn Einlagen den ganzen Tag getragen werde und keine Abwechslung für die Füße besteht, ist die Aussage richtig, dass die Muskulatur langfristig eher schwächer als stärker wird. Wird die Einlage jedoch nur zu hohen Belastungen getragen, bringt eine gut gefertigte Einlage viele Vorteile.“ Zu diesen Vorteilen würden beispielsweise Verringerung der Verletzungsgefahr, Entlastung der Gelenke, mehr Laufkomfort und daraus resultierend auch eine Leistungssteigerung zählen. Das setzt allerdings voraus, dass die Einlagen auf die individuelle Fußform abgestimmt ist.

Text: Christian Bruneß
Übungsfotos: Anna Koppenhöfer