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Category : Training

Hoak One One

The Sweetest Cushion – der neue Clifton 5

Time to Fly – das ist das Credo von HOKA One One. Die maximal-gedämpften und trotzdem federleichten Schuhe erfreuen sich immer größerer Popularität. Mit dem Clifton 5, dem beliebtesten Schuh des Herstellers, ist nun die neueste Generation des Straßenschuhs erhältlich.

Der Clifton 5 ist der jüngste Familienzuwachs der preisgekrönten Clifton-Schuhlinie. Er bleibt der Familientradition treu und ist wie gehabt leicht, gemütlich und sehr, sehr schnell. Sein Design zeichnet sich aus durch die für HOKA typische Zwischensohlengeometrie und ein bewährtes Schaumelement für gleichbleibende Dämpfung während der gesamten Lebensdauer des Schuhs. In Kombination mit einem anpassungsfähigeren Vorfuß bietet der Clifton ein geschmeidigeres Laufgefühl denn je. Auch die neue Obermaterial-Mesh- Konstruktion des Clifton 5 mit weniger Stützauflagen als bei den Vorgängerversionen sorgt für noch mehr Atmungsaktivität und Komfort. Die neue Ausführung der preisgekrönten Clifton-Familie wird HOKA-Fans und Einsteiger zugleich begeistern, da er mit seinem neuen Obermaterial spürbar mehr Komfort, eine bessere Passform und ein optimiertes Laufgefühl bietet.

Speed Training

Früh übt sich

„Laufen wir um die Wette!“, rufen die Kinder seit Menschengedenken. Damit sie diese Laufbereitschaft nicht verlieren, liegt es an Eltern und Trainern, den Tatendrang der Kinder spielerisch in die gewünschten Bahnen zu lenken.

Smartphones, Computer, Spielkonsolen, aber auch zunehmender Schulstress oder die Landflucht sorgen dafür, dass sich unsere Kinder immer weniger bewegen. Das Verhalten eines Kindes, bevor es durch äußere Einflüsse abgelenkt wurde, zeigt jedoch in eine ganz andere Richtung. Per pedes erkunden sie ihre Umgebung, entwickeln völlig selbständig koordinative Fähigkeiten und haben den größten Spaß am Herumrennen. Das sportliche Motto „höher, schneller, weiter“ wird hierbei ganz intuitiv und unterbewusst verfolgt. Dieses Verhalten zu fördern ohne dabei zu überfordern ist das A und O der Kinderleichtathletik.

ENTWICKLUNGSPHASEN

Motivierte Eltern, die ihre Kinder gerne zu ihren Trainingsläufen mitnehmen möchten, müssen sich bewusst sein, dass ein Erwachsenentraining – auch in abgespeckter Version – kein geeignetes Kindertraining ist. Kinder sind natürlich bei Weitem nicht so leistungsfähig wie ein Erwachsener, dafür haben sie aber ein sehr hohes Entwicklungspotenzial. Je nach Alter bzw. Entwicklungsphase entfalten sich die koordinativen und konditionellen Fähigkeiten unseres Nachwuchses ganz unterschiedlich. Koordination und Schnelligkeit werden in jungen Jahren am besten trainiert.
Bis zur Pubertät haben Mädchen und Jungs das gleiche Leistungsvermögen. Durch hormonelle Umstellungen differenziert sich danach das Leistungsbild. Im späten Kindesalter sind die Mädchen den Jungs in Sachen motorischer Lernfähigkeit zwar noch voraus, die Leistungsfähigkeit verliert im Vergleich zu den Jungen jedoch ca. 10 bis 15 Prozent. Die Beweglichkeit, die vor der Pubertät ihr Maximum erreicht, bleibt aber bei den Mädchen höher.

ABWECHSLUNG

Kinder lieben es von Natur aus, sich viel zu bewegen, mögen aber keine monotonen Bewegungsformen. Sie sollten vor allem vielseitig und spielerisch geschult werden. Bis ins späte Kindesalter sollten die Fähigkeiten der Sprösslinge durch unspezifische Lauf-, Reaktions-, Koordinations- und Ballspiele gefördert werden. Das Erlernen möglichst vielfältiger Bewegungsformen wie Reaktions- und Koordinationsspiele, Gymnastik, Springen, Laufen etc. steht im Vordergrund. Der junge Sportler soll für sich selbst herausfinden, bei welcher Art von sportlicher Betätigung er sich am wohlsten fühlt. Nach und nach kann man die Kids auf die Laufstrecke bringen. Wenn das Kind Spaß daran hat, kann das aerobe Lauftraining bis zu 50 Prozent des Trainings ausmachen.

GEMÄSSIGTES TRAINING

Anaerobes Training, also reines Tempotraining, bleibt bei Kindern bis 14 Jahre die absolute Ausnahme und wird lediglich in Form von Spielen und Sprints auf Strecken bis 80 Meter erreicht. Wird zu viel Ausdauertraining absolviert, ist keine optimale Ausbildung der konditionellen Grundeigenschaften möglich. Eine Gefahr für den Herzmuskel durch Ausdauerleistungen besteht für gesunde Kinder jedoch nicht. Die Skelettmuskeln ermüden deutlich schneller als der Herzmuskel. Dies ist bei Kindern ein natürlicher Schutzmechanismus für ihr Herz, weil ein Ausdauertraining durch die vorzeitige Ermüdung beendet wird. Eine mögliche Überlastung Ihres Kindes erkennen Sie außerdem an einem weißen Dreieck welches sich um Mund und Nase zeigt, wenn der Rest des Gesichtes sich rötlich färbt. Ein Training mit Pulsmesser ist erst ab dem 15. Lebensjahr sinnvoll. Die Herzfrequenz steigt bei Kindern bereits zu Beginn des Trainings stark an und erreicht auch bei mittlerer Intensität mit bis zu 190 Schlägen schon fast den Maximalwert. Beim gemeinsamen Lauftraining von Erwachsenen und Kindern ist darauf zu achten, dass das Kind das Tempo vorgibt. Das Kind sollte sich jederzeit beim Laufen unterhalten können.
Mit zwölf Jahren dominieren bei den Kindern die „Slow-twitch-Muskelfasern“, welche für die aerobe Ausdauerleistung prädestinieren. Für einen gezielten Aufbau der Ausdauerleistung ist ein drei- bis viermaliges Training von mindestens einer halben Stunde bis höchstens einer Stunde ratsam.

IN DER GRUPPE MACHT ES AM MEISTEN SPASS

Den meisten Spaß bereitet es Kindern, wenn sie gemeinschaftlich Sport treiben. Kinder, welche bereits in einem Sportverein trainieren, sind hier in ihrer Gruppe bestens aufgehoben. Eltern, die das Training von außen akribisch beobachten und analysieren, setzen ihre Kinder dadurch oft unbewusst unter Druck. Loben Sie Ihr Kind für erbrachte Leistungen und fiebern Sie bei Wettkämpfen mit, das motiviert Ihren Nachwuchs umso mehr. Bringen Sie hierbei auch Abwechslung ins Ausdauertraining. Folgende Varianten bieten sich beispielsweise an:

LAUFTRAINING FÜR KINDER

FANGSPIELE (ab 3 Jahre)
Z. B. Paarfangen – jeweils zwei Kinder fassen sich an der Hand und fangen ein anderes Paar, oder Klammern klauen – an der Oberbekleidung der Spieler sind Wäscheklammern befestigt, welche von den anderen weggenommen werden. Wer nach 3 Minuten die meisten Klammern besitzt, hat gewonnen.
BIATHLON (ab 6 Jahre)
Auf einer überschaubaren Fläche (Sportplatz, Garten, Park) wird gelaufen und mit Tennisbällen auf Ziele (Dosen oder in einen Korb) geworfen. Dauer ca. 10 bis 15 Minuten, Laufstrecke 1.000 bis 2.000 Meter, Treffer werden mit Zeitgutschrift (5 Sekunden) vergütet.
QUERFELDEINLAUF (ab 8 Jahre)
Ein lockerer Dauerlauf abseits der Wege über Stock und Stein, mit Pausen (bis zu 45 bis 60 Minuten).
ORIENTIERUNGSLAUF (ab 8 Jahre)
Querfeldein mit Karte und Kompass.
TEMPO-/KÖRPERGEFÜHLSTEST (ab 10 Jahre)
Hier kann auch der Langsamste gewinnen. Auf Strecken zwischen 50 und 1.000 Meter sagen die Spieler ihre Zeit vorher. Kinder werden so an ein systematisches Training herangeführt.
FAHRTSPIEL (ab 8/10/12 Jahre)
Im Gelände wird Slalom um Bäume oder auf Signal rückwärts oder seitwärts gelaufen (8 J.), lockere Steigerungen (10 J.), vorher definierte Zeit-/Längenabschnitte beschleunigt (12 J.).
ERSTE WETTKAMPFERFAHRUNG
Kinder lieben den Vergleich. Auch im Training kann man sie mit entsprechenden Spielen und Staffelwettbewerben begeistern und motivieren. Bei fast jedem Volkslauf zählen Bambini- und Kinderläufe zum Rahmenprogramm und haben nicht selten größere Teilnehmerzahlen als der Hauptlauf.
AUSDAUERLEISTUNGSTEST
Wie bei Erwachsenen auch kann das Ausdauerleistungsvermögen von Kindern und Jugendlichen anhand des Cooper-Tests überprüft werden. Die in 12 Minuten zurückgelegte Distanz gibt Aufschluss über die Ausdauerfähigkeit. Für Mädchen ab der Pubertät gelten für dieselbe Bewertung 15 Prozent kürzere Distanzen.

TALENTFÖRDERUNG

Bis heute gibt es keine abgesicherten Vorgaben für die Belastungssteigerungen im Verlauf des Kinder- und Jugendtrainings. Konsens besteht darin, dass alle Komponenten der Belastung, insbesondere der Belastungsumfang zu steigern sind (Kuno Hottenrott & Georg Neumann, 2008). In Leichtathletikvereinen des DLV arbeiten Trainer bzw. sind Übungsleiter ehrenamtlich tätig, um Ihren Sprössling in geeigneter Weise an ein systematisches Training heranzuführen und auszubilden. Zeigt sich der junge Sportler als besonders talentiert, besteht die Möglichkeit einer Talentförderung. Diese obliegt in Deutschland den Richtlinien des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und erfolgt in Sportvereinen sowie den Eliteschulen des Sports. Letztgenannte Einrichtungen gibt es derzeit an 43 Standorten, sie bestehen aus 108 Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie Gymnasien.

TEXT: Carsten Stegner

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Richtig abgebogen

Wenn man bei Läufern zwischen Straße und Trail unterscheidet, dann ergibt sich die logische Schlussfolgerung, dass alles was sich nicht auf der Straße abspielt, Trailrunning sein muss. Ganz so einfach ist es dann doch nicht, wie uns Blogger Steve Auch erklärt.

Während eine Straße immer den gleichenUntergrund aufweist und sich lediglich in der Steigung unterscheidet, ist das beim Trailrunning ein bisschen vielfältiger. Hier gibt es steile, flache, breite, schmale, technische, alpine, weiche, harte Trails in allen Variationen und Schwierigkeitsgraden. Seine erste Trailrunning-Erfahrung kann man also schon sammeln, wenn man einfach mal auf der gewohnten Laufrunde nach links in den Wald abbiegt und die Herausforderung auf dem wechselnden Untergrund sucht. Für die ersten Laufschritte auf dem Trail benötigt man also nicht unbedingt neue und zusätzliche Ausrüstung, denn um einfach mal für etwas Abwechslung zu sorgen, muss man einfach nur abbiegen. Ist man einmal mit dem Trailrunning-Virus infiziert, dann wird es aber nicht einfach bei „nur“ einer kleinen Runde im heimischen Stadtwald bleiben, denn irgendwann zieht es jeden raus auf die wilden Trails, die sich schmal und schnell durch die Wälder ziehen oder die steil und luftig auf die Berggipfel führen.

Niemand wird als Ultraläufer geboren oder rennt vom ersten Tag an auf messerscharfen Gipfelgraten der Sonne entgegen. Während man Bergauflaufen noch gut in Treppenhäusern oder auf Steppern trainieren kann, lernt man Bergablaufen nur durch Bergablaufen; und das braucht Zeit. Körper und Kopf müssen trainiert werden, denn auch wenn es im Grunde „nur“ Laufen ist, gehört das nötige Training schon dazu. Mit der Begeisterung für das Trailrunning, wachsen auch die Umfänge und letztlich auch das Schuhregal und der Kleiderschrank. Das Wichtigste sind natürlich die Schuhe und hier bietet der Markt eine schier unendliche Auswahl. Im Prinzip kann man mittlerweile für jedes Terrain, abgestimmt auf Wetter und Streckenlänge, einen passenden Schuh kaufen. Für den Anfang ist man mit einem klassischen Allrounder am besten bedient. Werden die Läufe länger, bieten sich gedämpftere Modelle an. Wer oft in den Bergen unterwegs ist, legt großen Wert auf den nötigen Grip der Sohle und die Stabilität des Schuhs im Allgemeinen. Wer viel auf weichem Untergrund unterwegs ist und am liebsten auch noch bei Regen, der benötigt ein entsprechend tiefes und stabiles Profil, das sich ordentlich in den Boden eingräbt.

Die richtige Ausrüstung

Je länger die Läufe werden, desto mehr muss man auf alle Eventualitäten eingestellt sein. Somit führt irgendwann kein Weg an einem Laufrucksack vorbei, um das nötige Equipment auch bequem transportieren zu können. Bei mir ist das Handy bei jedem Lauf dabei, denn Fotos kann man nie genug machen und natürlich ist es sinnvoll, wenn man abseits der frequentierten Wege unterwegs ist, für den Fall der Fälle erreichbar zu sein bzw. jemanden zu erreichen. Je nach Wetterlage kommen noch Wechselklamotten, eine Wind- oder Regenjacke, Mütze und Handschuhe mit rein. Essen und Trinken dürfen natürlich genauso wenig fehlen wie ein kleines Erste Hilfe Set. Wenn man sich in der Gegend nicht auskennt, dann ist eine Karte absolut sinnvoll. Essen und Trinken packt man lieber auch etwas mehr ein, denn man weiß nie, ob die ausgesuchten Berghütten schon geöffnet haben oder ob die Buslinie wirklich noch existiert. Der Notgroschen für das Taxi oder die rettende Cola an der Tankstelle darf auch nicht fehlen. Für die ersten langen Läufe bzw. Läufe in unbekannten Gegenden sollte das Motto in Bezug auf die Ausrüstung immer lauten: Lieber haben, statt brauchen!

Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür, welche Ausrüstung man auf welchen Lauf mitnehmen sollte. Nach nunmehr über sechs Jahren „Trailrunning-Erfahrung“ weiß ich ziemlich genau, was mich auf meinen Läufen erwartet. Ich kann das Wetter sehr gut einschätzen und weiß, auf welchen Wetterbericht ich mich verlassen kann und wie ich die verschiedenen Vorher sagen einschätzen muss. Auch kenne ich meine Gegend so gut, dass ich weiß, wo ich viel Wasser auf einen Lauf mitnehmen muss und wo ich eventuell auch für drei Stunden nichts mitnehmen muss, weil die Bäche genügend Wasser führen. Trailrunning ist keine Raketenwissenschaft und auch keine Materialschlacht. Im Grunde hat jeder das Zeug und die Ausrüstung um schon morgen ein kleines Abenteuer auf den Trails zu starten. Einfach mal abbiegen!

Text: Steve Auch

PRO und CONTRA Thema: Läufer meets Hund: Die These: Läufer, Hunde und ihre Halter haben klare Verständigungsprobleme!

Ich wohne außerhalb der Großstadt, direkt an einem großen Waldgebiet. Ich habe also auf meiner Trainingsrunde häufig mit Hunden zu tun und dort die verschiedensten Situationen erlebt. Zunächst einmal: Der größte Teil der Vierbeiner stellte sich für mich nicht als „Laufhindernis“ dar. Den­noch ist es für jemanden wie mich, der keinen Hund besitzt, jedes Mal eine Situation, in der man nicht weiß, wie sie ausgeht. Auf diversen Läufen wurde ich von Hunden angesprungen oder abge­leckt. Ein wenig mehr Verständnis der Hundebesitzer fände ich in solchen Momenten angemessen! (Ralf Kerkeling)

Erst bei den Recherchen zu meinem Artikel über Läufer und Hunde habe ich festgestellt, welche Emotionen das Thema bei vielen Läufern freisetzt. Ich bin Gott sei Dank noch nie von einem Hund angesprungen oder gar gebissen worden, glaube aber auch, dass ich persönlich meinen Teil dazu beigetragen habe: Tempo ver­langsamen, Augenkontakt mit dem Hundehalter suchen, ihn, wenn nötig, auch ansprechen. Sicher war auch Glück dabei, dass ich noch keine schlechten Erfahrungen gemacht habe. Aufmerksamkeit und klare Kommunikation schaden aber ganz sicher nicht. Ebenso fest steht: Verständnis ist keine Einbahnstraße, liebe Hundehalter (Daniel Becker)

 

Entnommen aus aktiv Laufen 2/16

PRO und CONTRA Thema Marathon-Norm: Sollen die Läufer, die die Norm knapp verpasst haben, trotzdem bei Olympia starten dürfen?

Mit Philipp Pflieger und Lisa Hahner haben zwei hoffnungsvolle deutsche Marathon-Läufer die von DOSB und DLV vorgegebene Norm knapp verpasst. So knapp, dass viele Fans denken: Einen Start in Rio hätten sie verdient. Sollten die Verbände endgültig so strikt an der eigenen Norm festhalten, wäre das ein großer Fehler. Marathon-Läufer haben höchstens zwei Chancen in einer olympischen Saison, die Norm zu unterbieten. Sollten die wenigen Sekunden, die diesen Läufern fehlen, einen Start in Rio tatsächlich verhindern, wäre das keine Entscheidung im Sinne des Sports. Daher: Mehr Flexibilität, bitte! (Ralf Kerkeling)

Natürlich würde ich gerne so viele Marathon-Läufer wie möglich in Rio sehen und denke, dass ein Start den jungen Athleten einen ordentlichen Schub geben würde. Dennoch kann ich nachvollziehen, warum DLV und DOSB nur Athleten nach Rio fliegen lassen wollen, die die Norm erfüllt haben. Denn: Sollten die Regeln beim Marathon aufgeweicht werden, würden mit Sicherheit im Laufe der olympischen Saison in anderen Disziplinen ähnliche Probleme und Diskussionen auftauchen. Die Frage, wo dann genau die Grenze zu ziehen ist, kann niemals für alle zufriedenstellend beantwortet werden. Ich bleibe dabei: Normen sind da, um unterboten zu werden. (Daniel Becker)

 

Entnommen aus aktiv Laufen 1/16

Austria, Klagenfurt, man running on treadmill

Was ist eigentlich … ein Laktattest?

Wir laufen – schnell, schneller, höher, weiter. Sind Sie bereit, alles zu geben? Doch wie viel ist alles? Ist mein Training (noch) gesund, bin ich gesund? aktivLaufen hat sich allen Fragen gestellt und einem Selbsttest unterzogen.

Dienstagmorgen, 7.30 Uhr im Zentrum für Prävention und Sportmedizin der Technischen Universität München: Die Suche nach den Antworten auf alle Fragen zu meiner Leistungsgrenze beginnt.

1. SPORTMEDIZINISCHE UNTERSUCHUNG

DER ABLAUF

Während die nette Dame am Empfang meine Krankenversicherungskarte einliest, schaue ich mich um. Im Wartezimmer sitzt ein bunt gemischtes Publikum aus Jung und Alt. Einige von ihnen sind athletisch gebaut, andere eher korpulent – alle tragen Sportkleidung. Nachdem ich diverse Unterschriften zur Datenerfassung geleistet habe, gehe auch ich in den Umkleideraum, wechsele mein Alltagsoutfit gegen Laufklamotten und begebe mich – nicht ganz ohne Nervosität – zur ersten sportmedizinischen Untersuchung meines Lebens. Hier wird mir zunächst Blut abgenommen, drei kleine Ampullen. Da beim großen Blutbild unter anderem der Blutzuckerspiegel bestimmt wird, muss man zu diesem Zeitpunkt noch nüchtern sein. Bevor es als Nächstes zum Messen, Wiegen und Ruhe-EKG geht, habe ich Zeit zum Frühstücken. Als Drittes wird mein Lungenvolumen gemessen. Dazu sitze ich in einem Glaskasten und puste mit einer Klammer auf der Nase in ein Mundstück. Beim ersten Mal geht das noch ganz leicht, beim zweiten und dritten Durchgang sind jeweils Widerstände geschaltet. Ein Zimmer weiter wird der Herzultraschall durchgeführt. Meine Nervosität, die gerade nachgelassen hatte, setzt wieder ein. Denn was ist, wenn ich vielleicht doch nicht so gesund bin, wie ich immer denke? Nach circa zehn Minuten ausgiebigen Screenings gibt der Arzt jedoch Entwarnung: „Ein Herz wie ein Jungbulle“ kommentiert er lachend. Beruhigt kann ich also zur Anamnese, einem Arztgespräch zur Abklärung von Trainingsparameter und Krank- heitshistorie. Ohne Beanstandung bin ich nun zur Laktat-Leistungsdiagnostik „freigegeben“.

2. LAKTAT-LEISTUNGSDIAGNOSTIK

DER ABLAUF

Die Laktat-Leistungsdiagnostik wird auf dem Laufbandergometer durchgeführt. Hierbei werden anhand eines standardisierten Stufenprotokolls Stoffwechselreaktionen bei verschiedenen Belastungsintensitäten analysiert. Dies erfolgt mittels mehrerer Blutabnahmen (aus dem Ohrläppchen) sowie über Herzfrequenzmessungen. Zunächst wird die Laktatkonzentration im Ruhezustand bestimmt. Danach beginnt die Belastung bei geringer Laufgeschwindigkeit. Das Einstiegstempo wurde vom Anamnesearzt festgelegt. Bei mir ist es 6 km/h. Nach drei Minuten stoppt das Laufband, und mir wird wieder ein Tropfen Blut aus dem Ohrläppchen entnommen. Genau 30 Sekunden hat der Sportwissenschaftler des Instituts dafür Zeit, bevor das Ergometer automatisch für die nächsten drei Minuten anfährt, immer 2 km/h schneller als zuvor. Nach jeder Belastungseinheit erfolgt die Laktatbestimmung, und ich muss den Schwierigkeitsgrad der vorangegangenen Belastung für mich persönlich anhand der sogenannten Borg-Skala bestimmen. Ab 14 km/h (4:17 Pace) finde ich es anstrengend, nach den vollendeten drei Minuten im 16-km/h-Tempo (3:45 Pace) breche ich den Test ab. Die Vorstellung, weitere drei Minuten im 3:20-Schnitt zu laufen, ist zu qualvoll. Im Anschluss an den Test werden mir noch drei weitere Mal Blut aus dem Ohr entnommen sowie der Blutdruck gemessen.

DAS ERGEBNIS

Ein erstes Ergebnis bekommt man bereits nach circa 25 Minuten. So lang dauert es, bis die Laktatkurve erstellt ist. Besprochen wird diese dann mit dem Arzt. Die Laktat- und Herzfrequenzkurve veranschaulicht die kör- perlichen Reaktionen auf die verschiedenen Belastungsstufen. Das bunte Kurvenbild, das vor mir liegt, gibt tatsächlich eine detaillierte Auskunft über meinen aktuellen Trainingszustand. Die hochgerechnete Halbmarathonzeit auf dem Zettel weicht nur um vier Sekunden von meiner Leistung von vergangener Woche ab. Ich bin beeindruckt. Außerdem bekomme ich auf den Pace genaue Empfehlungen für das Trainingstempo. Ab wann ist ein Dauerlauf regenerativ, und wie schnell muss ich im Training tatsächlich laufen, um einen entsprechenden Reiz zu setzen? Neben den Belastungsempfehlungen spricht Universitätsprofessor Dr. med. Halle, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Sportmedizin, auch ein Lob aus. Mein Ausdauervermögen ist vorbildlich und anhand meiner Laktatwerte bin ich im 99. Perzentil der gesamten weiblichen Altersgruppe einzuordnen. Außerdem bin ich auf den ersten Blick kerngesund. Diese Information gibt nicht nur unglaublich viel Selbstvertrauen, sondern auch einen gehörigen Motivationsschub für mein angehendes Marathontraining. Denn dieses wird, dank Leistungsdiagnostik, nun noch effizienter und richtig strukturiert. Die genaue Auswertung der Blutanalyse erfolgt nach einigen Tagen schriftlich. Hierbei wird das Ergebnis der Laktatmessung ins Verhältnis zum Blutbild gesetzt. Eventuelle Ermüdung, Mangelerscheinunungen oder angehende Infekte werden in den mitgesandten Trainingsempfehlungen berücksichtigt.

SINNVOLL FÜR JEDEN LÄUFER

Darum ist eine Sportmedizinische Untersuchung für jeden Läufer sinnvoll: Natürlich möchte man den sprichwörtlichen Teufel nicht an die Wand malen. Ein jeder von uns geht davon aus, gesund zu sein. Dennoch: Wer (viel) läuft, belastet sein Herz-Kreislauf-System überdurchschnittlich – und das ist gut. Ein regelmäßiges körperliches Training beugt Volkskrankheiten nachweislich vor. Jedoch nur, wenn keine Funktionsstörungen, Erkrankungen oder gar bereits Überlastungs- schäden vorhanden sind. Eine sportmedizinische Untersuchung ist übrigens nicht erst als angehender (Halb-)Marathoni zu empfehlen, sondern auch für alle kürzeren Distanzen. Denn das sind in der Regel die, bei denen man im sehr hochpulsigen Bereich läuft.

LEISTUNGSDIAGNOSTIK – NICHT NUR FÜR „FITTE“

Vielleicht fragen sich jetzt einige von Ihnen, ob eine Leistungsdiagnostik für einen Hobbyläufer wirklich sinnvoll ist. Ich denke ja! Denn eine Leistungsdiagnostik zeigt, wie knapp vorhandene Trainingszeit optimal genutzt werden kann. Ein weitverbreiteter Irrglaube vieler Hobbyläufer ist, es sei effizient, in möglichst wenig Zeit möglichst weit zu laufen. Dem ist nicht so. Eine Leistungsdiagnostik zeigt in diesem Falle auf, wenn zu häufig im hochpulsigen Bereich trainiert wird und gibt entsprechende Verbesserungsvorschläge, nicht nur zur Trainingssteuerung, sondern auch zur Erhaltung der Gesundheit. Des Weiteren hilft eine Leistungsdiagnostik durch die objektiven Vorgaben (Ist-Werte), die subjektive Einschätzung von Belastungen zu verbessern. Ich, als von Natur aus bequemer Mensch, muss mir eingestehen, dass es einen großen Unterschied zwischen „sich schnell fühlen“ und „schnell laufen“ gibt. Meine Komfortzone ist durchaus größer als angenommen, und Kurzatmigkeit nach dem Training ist nicht immer schlecht. Außerdem bin ich weder zu dürr (wie meine Kollegen immer sagen) noch zu dick (wie ich mich nach dem Durchscrollen meines Instagram-Feeds fühle). Das habe ich jetzt schwarz auf weiß, und es fühlt sich so richtig gut an!

Text: Sandra Mastropietro

PRO und CONTRA Die Frage: Musik hören und Laufen: Passt das zusammen?

Ich laufe mit Musik. Allerdings nicht überall und auch nicht unbedingt. Im Wald kann ich es mir ganz ehrlich nicht vorstellen. Es gibt jedoch Momente, in denen laufe ich unglaublich gerne mit Musik: in der Stadt und während eines Wett­kampfes, vor allem dann, wenn es anfängt zu schmerzen. In der Stadt nutze ich den Soundtrack auf den Ohren, um den Autolärm und das Gehupe auszublenden. Das gelingt meistens. Und ich muss schon zugeben: Hat die Musik den richtigen Beat, pusht es mich nach vorne. Im Wettkampf lässt mich die richtige Musik die Anstrengung vergessen. Musik als Motivator – Daumen hoch! (Ralf Kerkeling)

Ich liebe Musik. Gerne auch über Kopfhörer. In der Bahn, um stören­de Nebengeräu­sche auszublen­den, oder auf der Couch, um mich zu entspannen. Bei mir beginnt jeder neue Morgen mit Musik. Total genießen kann ich sie beim gemütlichen und ausgedehnten Frühstück am Sonntagmorgen. Und manchmal hilft sie mir sogar beim Schreiben. Ins Auto gehört gute Musik für mich ebenso wie das Gaspedal, die Bremse und das Lenkrad. Nur bei einer einzigen Gelegenheit kann ich dem Musik­hören überhaupt nichts abgewin­nen: beim Laufen. Da gibt es nur die Natur, meine Laufschuhe und mich. Mehr brauche ich nicht, und mehr will ich nicht haben. (Daniel Becker)

 

Entnommen aus aktiv Laufen 3/16

PRO und CONTRA Die Frage: Wie steht die Redaktion zu einem Lauf in der Mittagspause?

Morgens durch den Wald zu laufen ist ein echter Bringer. Kaum eine Laufeinheit bringt mir so viel für den Tag. Das Problem: Je nach Alltagssituation – Kinder in die Schule bringen, abends lange arbeiten und dann spät ins Bett – ist dies in meinem Fall nicht regelmäßig umzusetzen. Im Zuge der Vorbereitung auf den StrongmanRun kam dann der Gedanke des Mittagslaufes auf. Genau das Richtige für meinen Tagesablauf. Neben den elegant eingebauten Laufeinheiten wurde auch die Büro-Umgebung neu entdeckt. Die Laufschuh-Kartons brauchen nun einen neuen Raum, die Dusche wird wieder ihrem eigentlichen Zweck zugeführt. (Ralf Kerkeling)

Also eins ist ja mal klar: Laufen ist natürlich immer gut. Morgens vor der Arbeit drehe ich meine Runden am liebsten. Schaffe ich das nicht, geht es halt erst am Abend los. Auch mittags gehört es zu den besten Alternativen überhaupt – allerdings nur in der Freizeit. Denn: Laufen bedeutet für mich vor allem, meinen Gedanken freien Lauf lassen zu können. Am besten klappt das bei mir in der Früh, bedeutet den bestmöglichen Start in den Tag. In der Mittagspause will sich das gedankliche Freiheitsgefühl aber einfach nicht einstellen. Ich hätte es gerne anders, doch mitten im Arbeitstag kann ich nicht genug abschalten, um mir das Lauf-Feeling zu holen, das ich so liebe. (Daniel Becker)

 

Entnommen aus aktiv Laufen 5/16

Snowy days in Paris

PRO und CONTRA Kurze Hose im Winter? Ja oder Nein?

Keine Frage: Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ziehe auch ich die langen Tights an – und dann auch gerne in der Thermoversion. Alles andere ist gefährlich. Aber: Prinzipiell ist Laufen für mich mit kurzen Hosen verbunden. Gut möglich, dass da noch der Fußballer in mir zum Vorschein kommt. Deswegen werfe ich, wann immer es möglich ist, auch im Winter die Shorts über. Und da auch der Kölner Dezember und Januar gut und gerne mal zehn Grad zu bieten haben, kommt das gar nicht mal so selten vor. Ein Tipp für alle, die im Winter auch gerne kürzer tragen würden und sich ein wenig abhärten wollen: Die altbewährte Heiß-Kalt-Dusche hilft in meinen Augen am allerbesten! (Daniel Becker)

Gut, da macht der Kollege natürlich gerade einen auf dicke Hose. Ich bin mir gar nicht so sicher, ob ich ihn tatsächlich im Winter so oft in kurzer Hose hab’ laufen sehen. Wenn man mal davon absieht, dass man tatsächlich nicht mehr von einem Winter in Köln sprechen kann, die Temperaturen in den letzten Jahren jahreszeitenuntypisch hoch waren: Ich bin Fan von kurzen Hosen, aber mit langen Tights darunter. Es ist so: Ich wohne außerhalb von Köln, dort ist es meist ein paar Grad kälter als in der Stadt. Sobald der Herbst Einzug hält, streife ich längere Hosen über. Ich mag das. Die Beine bleiben schön warm, der Wind wird abgewiesen. Ein Hoch auf die langen Tights. (Ralf Kerkeling)

Bild: Getty Images

 

Entnommen aus aktiv Laufen 6/17

Energiegels

Essenzielle Power – Gels im Praxischeck

Es sind mundgerechte Portionen, kaum mehr als zwei Schluck oder drei Bissen. Aber in ihnen steckt die Energie für viele, viele Kilometer! Schon Wahnsinn, was in die Marschverpflegung für Sportler gepresst wird. Was genau und für wen was wann gut ist und warum, erfahren Sie hier!

Text: Timo Dillenberger

Als vor 30 Jahren in einer privaten Küche in Berkeley/Kalifornien  der  erste Energieriegel zusammengekocht wurde, war man sich dessen späterer Bedeutung und Marktposition sicher nicht bewusst. Der erste „Power Bar“ oder genau „Energize Bar“ war ein Must-have für die damals noch kleine Gemeinde der ambitionierten Ausdauerszene. Wer das gute Stück damals genießen durfte, merkte schnell: Aller Anfang ist schwer. Der einem Kaubonbon ähnliche Block aus ­diversen Zuckervarianten ließ sich so „leicht“ verzehren wie Paniermehl, besonders bei Kälte.

Heute können wir uns nicht nur über eine Vielfalt von Darreichungsformen freuen  – vom flüssigen Shot über Cerealienriegel,  Gebäcke bis hin zum Fruchtgummi und clevere Zusatzstoffe –, die allermeisten Produkte schmecken auch so gut, dass man nicht erst auf den Hungerast wartet, um sie aus der Tasche zu holen. Das ist übrigens einer der wesentlichen Punkte bei der  Energielieferung: der Zeitpunkt der Aufnahme.

Konzentrierte Energie

Allen Produkten gemein ist eine bemerkenswert hohe Konzentration von Energielieferanten, im Allgemeinen kurz-, mittel- und langkettige Zuckermoleküle. Je kürzer, desto weniger muss unsere Verdauung sie aufspalten, ehe sie ins Blut gehen und dann Muskeln, Nerven und Drüsen zur Verfügung stehen. Sie gehen „schnell ins Blut“, wie es in Werbebotschaften heißt. Klingt erst einmal gut, hat aber auch eine recht heftige Reaktion des Insulinspiegels zur Folge. Der regelt den Blutzuckergehalt wiederum herunter, vergleichbar mit der Ebbe nach der Springflut. Zucker- oder Kohlehydratketten aus vielen Bausteinen sickern langsamer, aber kontinuierlicher in den Stoffwechsel ein.

Für Sportler heißt das: Brauche ich akut volle Power, weil mich zum Beispiel schon ein Energietief quält, oder steht eine lange Steigung mit hohem, momentanem Energiebedarf bevor, passen Produkte mit vielen Einfachzuckern besser. Beuge ich während eines Marathons oder bei langen Trainingsläufen eher mit dem Riegel oder Gel einem Hungerast vor, empfiehlt sich ein Mix aus allen Kohlehydratgruppen. Wer nach der Aktivität sicherstellen möchte, dass seine Regeneration optimal mit voller Power abläuft, bzw. wer zum Beispiel auf dem Weg zum Training noch schnell was in den Magen braucht, sollte sogar nach Produkten suchen, die hauptsächlich aus komplexen Zuckern bestehen, wie sie in Müsli, Haferflocken oder Cerealien vorkommen.

Aber was ist mit den beiden anderen Energielieferanten des Körpers, den Fetten und Eiweißen? Es gibt tatsächlich  Energiegels auf der Basis von Fetten. Die sind aber für Expeditionen oder Ultrasportler gemacht, die oft Tage für einen Wettkampf oder Trip benötigen. Selbst bei den längsten „Volksläufen“ gehen einem Menschen die Fette im Körper als Brennstoff nicht aus, ganz gleich, ob er oder sie dürr, normal oder proper gebaut ist. Außerdem schmecken Fettprodukte säuerlich,   fast ranzig, die gehen wirklich nur unter  Extrembedingungen. Proteine sind besonders nach Belastung deutlich sinnvoller in Energy-Food, aber weniger als Energielieferant. Da sind Kohlehydrate einfach besser, weil effektiver.

Clevere Zusätze

Aber die Ernährungswissenschaftler der Hersteller packen teils noch mehr praktische Zugaben in ihre Produkte. Mineralhaltige Kombinationen sind eine große Hilfe, wenn viel geschwitzt wird, bedürfen aber automatisch größerer Wasseraufnahme. Manche Vitamine, vor allem der Gruppe B, helfen, die Energie aus dem Riegel oder Gel schneller umzusetzen. L-Carnitin kurbelt den bestehenden Fettstoffwechsel laut Studien minimal an. Koffein und Taurin sollen die Umsatzrate des Stoffwechsels pushen. Das kann in Ermüdungsphasen am Ende oder auch gegen Startapathie helfen. Aber es geht nicht nur um die vielen Stoffe, die zusätzlich in einem solchen Produkt stecken, es geht auch um solche, die nicht darin sind. Ein großer Trend geht derzeit dahin, zumindest Gluten und Lactose aus den Mixturen zu verbannen, wenn nicht sogar komplett vegane Rezepte zu kreieren.

Das Klebe-Eiweiß Gluten, das vor allem bei Weizenprodukten eine Rolle spielt, sowie der Milchzucker Lactose belasten je nach individueller Empfindlichkeit die Verdauung fast jedes Erwachsenen mehr oder weniger. Tatsächlich intolerant oder allergisch sind die wenigsten, aber bei harter körperlicher Belastung ist auch unser Magen-Darm-Trakt empfindlicher. Die Chance, dass die  Wegzehrung einem unter Last Probleme bereitet, steigt demnach. Wichtig: Die Produkte grundsätzlich nicht erst im Wettkampf ausprobieren, sondern schon vorher zwei- oder dreimal in erschöpftem Zustand testen. Auch wenn das in den letzten 30 Jahren stark abgenommen hat: Manchmal verursachen die Mixturen Magenprobleme bis zum Durchfall, wenn auch in Einzelfällen.

Zum Test

Wir können hier nicht den gesamten Markt abbilden, denn selbst die uns zum Test angebotenen Produkte hätten das komplette Heft eingenommen. Wir  haben  uns  deshalb auf die Hersteller konzentriert,  die uns wegen  ihrer cleveren Rezepte und gleichbleibenden Qualität  bereits  bekannt waren.  Außerdem  haben wir versucht, ein möglichst breites Abbild zu bieten, denn neben der Liste an Inhalten zählen auch im Sport Geschmack und Textur, und da sind die Vorlieben verschieden.

In unseren Porträts findet man neben einer kurzen, fachlichen Einordnung der Zutatenliste vor allem Hinweise zur Anwendung des Produkts: Sind Verpackung, Verzehr, Kaubarkeit, Geschmack, Textur und Portionsgröße den Anforderungen von Halbmarathon oder Marathon, Adventure- oder Trailrun, Ausdauer- , Krafttraining oder Regeneration angemessen und wann oder wie oft sollte man sie einsetzen? Es gibt also nicht das Produkt, sondern jeweils bessere oder schlechtere Gelegenheiten, und über Geschmack lässt sich ja auch nicht streiten!

Aber warum überhaupt dieses Kunstfutter? Geht es nicht ohne? Antwort: Ja, aber es ist ungleich komplizierter. Der klassische Konkurrent des Riegels ist die Banane. Sie hat den für Langstreckler idealen Mix aus Frucht- und Malzzucker, leider nicht genug. Der durchschnittliche Bedarf an Kohlehydraten pro Stunde beträgt 30 Gramm. Viele Riegel entsprechen dem. Eine gleichschwere Banane  enthält  knapp ein Drittel davon. Auf fünfstündige Trainingsläufe müsste man also entweder vier kleine Riegel mitnehmen oder einen Bund von sieben bis zehn Bananen. In der Redaktion waren eine Zeit lang Waffeln mit Nuss-Nougat-Creme in Riegelform der Renner bei Langstrecken. Leider bieten solche Hausrezepte selten clevere Nährstoffkombis. In diesem Fall erfährt man zwar einen Power­kick durch den Industriezucker, die folgende Insulinreaktion plus die Verlangsamung des Kohlehydratstoffwechsels wegen des hohen Fettgehalts des Brotaufstrichs ließen die Energielevel nach dem ersten Hoch aber rapide abfallen.

Kosten-Nutzen-Faktor

Man kann mit viel Vorwissen und Zeitaufwand in Supermarkt und Küche zu ganz famosem, selbstgemachtem Sportleressen für unterwegs kommen, aber in der Summe rentiert es sich nicht. Unser Tipp: Suchen Sie sich aus dem Sortiment einen bezahlbaren Riegel oder ein ähnliches Produkt mit hohem, langfristigem Sättigungsfaktor aus, das Sie gut vertragen, und halten Sie damit vor und nach dem Training bzw. in Laufpausen den Energielevel oben. Zur Absicherung gegen unerwartete Tiefs und für Wettkämpfe sollte man per Selbstversuch auch sein persönliches Gel finden. Sie sind unter Belastung leichter aufzunehmen, meist auf schnelle Wirkung ausgelegt und erfordern weniger zusätzliche Flüssigkeitsaufnahme.