Category : Training

Tapering

ENDLICH SCHLUSS MIT GUMMIBEINEN

Nach dem Marathon direkt wieder auf die Laufstrecke – oder doch eher direkt aufs Sofa? Beides kann richtig sein. Wichtige Basics sollten beachtet werden, um Tapering und Regeneration gesund zu gestalten.

Tapering gilt als besondere Phase im Vorfeld eines Wettkampfs, in welcher der Trainingsumfang reduziert wird. Die Dauer der Tapering-Phase sollte sich nach der Intensität und dem Umfang des anstehenden Wettkampfes richten. Es macht also grundsätzlich einen Unterschied, ob ein 10-Kilometer-Lauf ansteht oder ein Marathon.

Erholung

In dieser Phase des Trainings soll sich der Körper von der harten und fordernden Trai­ningsbelastung der Vorwochen und -monate erholen. Kleinere Verletzungen sollten ausku­riert werden, zum Beispiel Mikro-Verletzungen in der Muskulatur. Dabei können ein gezieltes Stretching oder andere Mobilitätsübungen helfen, zum Beispiel auf einer Yoga-Matte. Aber Vorsicht: Diese sollten natürlich behutsam und vor allem korrekt ausgeführt werden, um die Muskeln nicht zu beschädigen.

VOLLE GLYKOGENSPEICHER FÜR VOLLE POWER

Auch die Energievorräte sollen nun aufgefüllt werden, in erster Linie die Glykogenspeicher. Ein ausgiebiges Abendessen in der Hotelbar oder die Pastaparty auf der Marathonmesse allein reicht aber meist nicht aus, wie Lauf-trainer Helmut Bezani am eigenen Leib erfahren durfte. „Am Tag vor dem Hamburg-Marathon hat meine Gruppe mich auf eine mexikanische Nudelpfanne eingeladen. Die hat sich schon auf Kilometer 10 am nächsten Tag deutlich bemerkbar gemacht, in Form von Blähungen und Magenschmerzen. Am Ende wurde die angestrebte Bestzeit – aufgrund zahlreicher Dixi-Besuche – um mehr als eine Stunde ver­passt.“ Deshalb sollte bereits zu Beginn des Taperings die korrekte Nahrungsaufnahme geprobt und trainiert werden.

2 Speicher

Der Mensch verfügt über zwei Glykogen-, also Kohlehydratspeicher. Diese befinden sich in der Leber und in der Muskulatur. Die Speicherkapazität von Kohlehydraten in der Leber ist unter anderem abhängig vom Trainings- und Gesundheitszustand der Läuferin oder des Läufers. In erster Linie dient die Kohlehydratversorgung aus der Leber der Aufrechterhaltung des Blutzuckerspiegels. Sie ist somit hauptverantwortlich für die Versorgung des Gehirns.

Sie haben es vielleicht schon mal beob­achtet: Ein Marathonläufer torkelt kurz vor dem Ziel nur noch über die Strecke? Das liegt daran, dass seine Energiereserven aus der Leber komplett leer sind und das Gehirn nicht mehr ausreichend versorgt wird. Als zweiter Kohlehydratspeicher steht dann nur noch die Muskulatur zur Verfügung. Die sollte allerdings der allerletzte Notnagel sein, denn: Wer zehrt schon gerne seine eigenen Kraftspeicher auf?

MIT DER RICHTIGEN DOSIS ZUR BESTFORM

Auch beim Tapering gilt: Oft ist weniger mehr. Um auf den Punkt in Bestform zu sein und die Erfolge seines Trainings ernten zu können, sind die letzten Tage und Wochen vor dem Event von immenser Bedeutung. In dieser Phase verzeiht der Körper Trainingsfehler nur noch bedingt. Wie lang sollte die ideale Tapering-Phase für einen Läufer sein? Als Faustformel lässt sich sagen, dass 10-Kilometer- Läufer eine Woche, Halbmarathonläufer zwei Wochen und Marathonläufer drei Wochen vor dem Wettkampf tapern sollten. Der Umfang und die Trainingsinhalte sollten idealerweise von einem ausgebildeten Lauftrainer auf den Läufer zugeschnitten werden, denn nichtnur die Dauer der Tapering-Phase ist wichtig, sondern auch die Intensität.

Individuell gestalten

Nur so lässt sich am Wettkampftag das Optimum an Leistung aus dem Körper herausholen. Idealerweise dient die Tapering-Phase der aktiven Erholung. Wenngleich der Trainingsumfang auf ca. 60 bis 75 Prozent des üblichen Trainingsumfangs herunterfahren wird, legt der Hobbyläufer auch gerne schon mal einige Tage eine Trai­ningspause ein. Das Tapering ist letztendlich genauso individuell wie der Trainingsplan und die Leistungsfähigkeit eines jeden Athleten. Die richtige Dosis macht es, denn sowohl zu viel als auch zu wenig kann die Leistungsfähigkeit schmälern.

Neben der Reduzierung des Umfangs und der Belastung sollte jeder Athlet dafür sorgen, dass sowohl die Spritzigkeit als auch die Form nicht verloren geht. Während die Umfänge der langen Läufe in den Vorwochen sukzessive runtergefahren werden, sollten die Tempo-Einheiten jedoch nicht ganz aus dem Plan gestrichen werden. In der letzten Woche sollten dann noch mal kürzere Tempoläufe im Unterdistanztempo anstehen. Zu intensive Einheiten sollten in dieser Phase absolut vermie­den werden: Sie fordern den Körper zu stark, sodass die Bestform am Wettkampftag leidet.

NACH DEM WETTKAMPF IST VOR DEM WETTKAMPF – DIE RICHTIGE REGENERATION

Unter Regeneration versteht man die Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit nach einer vorausgegangenen Belastung. Hierzu zählt in der Wettkampfvorbereitung die Phase eines erhöhten Trainingsumfangs oder einer erhöhten Trainingsintensität. Aber auch die Phase unmittelbar im Anschluss an einen Wettkampf zählt. In der Regeneration fin­det die körperliche Anpassung an die zuvor gesetzten Trainingsreize statt. Das bedeutet auch: Ohne eine regelmäßige Anpassung ist eine Leistungsverbesserung nicht möglich. In der Folge könnte beispielsweise ein Abrut­schen ins Übertraining drohen – das trotzdem nichts bringt, weil der Körper sich nicht an die Belastung anpassen kann.

REGENERATION IST GENAUSO WICHTIG WIE GRUNDLAGEN-AUSDAUER UND TEMPO-TRAINING!

Trotz Wettkampf-Eifer sollte der Regeneration ein größtmöglicher Stellenwert zugesprochen werden. Anders als das Tapering sollte die Regeneration nicht von der Wettkampflänge abhängig sein, denn idealerweise hat die Vorbereitung auf eben jenen Wettkampf (unab­hängig von der Distanz) zuvor genauso lange gedauert. Die ideale Vorbereitungszeit sollte immer mindestens zehn Wochen betragen, im Regelfall jedoch nicht länger als 16 Wochen.

Die einzelnen Erholungsphasen innerhalb des großen Begriffs „Regeneration“ könnten unterschiedlicher nicht sein. Mindestens sechs Belastungsbereiche sollten ausreichend Erholung erhalten: Die Herzfrequenz, die Abwehrkräfte, der Abbau von Laktat, die Reparatur der mikromuskulären Strukturen innerhalb der Muskulatur, die Versorgung des Körpers mit Flüssigkeit und Glykogen – und nicht zuletzt die Psyche.

Während die Reduktion der Herz­frequenz oftmals nur wenige Minuten in Anspruch nimmt, kann der Abbau von Lak­tat in der Muskulatur bereits einige Stun­den dauern. Ein leichtes „Auslaufen“ oder „Ausgehen“ kann hier hilfreich sein. Auch eine Massage, ein heißes Bad oder das Ausrollen mit einer Schaumstoffrolle auf einer Matte können sich positiv auswirken.

Das Wiederauffüllen von Flüssigkeiten und Glykogen kann unter Umständen meh­rere Tage in Anspruch nehmen. Auch die Abwehrkräfte brauchen ein paar Tage Zeit, um sich zu repositionieren: Sind wir erst mal bis zur vollständigen Erschöpfung gelaufen, ist der „Open-Window-Effekt“ umso größer und hält umso länger an. Das bedeutet: Durch intensives Training und den Wettkampf selbst entsteht eine Lücke im Immunsystem, die Viren und Bakterien Tür und Tor öffnet.

VON EINEM MARATHON ZUM NÄCHSTEN?

Die sportliche Belastung, die Hektik am Wett­kampftag, die Zuschauermassen oder der Adrenalinrausch während des Endspurts gehören zwar dazu, sind aber auch eine Belas­tung für Körper und Geist. Für die Reparatur der Muskulatur und die Erholung der Psyche können daher mehrere Wochen erforderlich sein. Aus diesem Grund sollte eine Rege­nerationsphase idealerweise drei Wochen betragen. In dieser Zeit sollten keine harten Trainingseinheiten – sowohl im Umfang als auch an Intensität – und keine Wettkämpfe stattfinden. Ihr Körper wird es Ihnen mit Anpassung und Verbesserung der Leistungs­fähigkeit danken.

TIPPS:  DER GELUNGENE WETTKAMPF

Die letzten Tage vor dem Wettkampf: Was ist besonders wichtig, und worauf sollte vermehrt geachtet werden?

Die letzten Tage vor dem Wettkampf beginnen spätestens mit dem Beginn der Tapering-Phase. Ab jetzt helfen oftmals schon Kleinig-keiten, zum Beispiel, dass die Wochenendläufe zur selben Uhrzeit stattfinden wie der Wettkampf und das richtige Timing für die letzte Mahlzeit vor dem Wettkampf erprobt wird. Das Frühstück sollte in dieser Phase auf Verträglichkeit, Sättigung und Verstoffwechselung geprüft werden. So stellt sich ein verlässlicher Gewöhnungseffekt für den Körper ein. Das gilt auch für den Schlafrhythmus. In den letzten vier Tagen stellen Sie sich dann Ihr Rennen vor – träumen Sie bei­spielsweise vom Zieleinlauf oder von Bildern, die Sie immer erleben wollten. Nun beginnt es zu kribbeln – und die Vorfreude wächst!

Wie beginnt die optimale Regeneration nach dem Marathon?

Die Regenerations-Phase startet im besten Fall unmittelbar im Anschluss an den Wettkampf. Auch der Moment nach dem Zielein-lauf, das Umhängen der Finisher-Medaille und die Zielverpflegung gehören somit schon zur Regeneration. Danach gilt es, den „Open-Window-Effekt“ zu minimieren und Erkältungen keine Chance zu geben: Warme und angemessene Kleidung schützt vor dem Ausküh­len. Das gilt auch an heißen Sommertagen! Schon eine ungünstige Position in Zugluft kann ausreichend sein, um sich zu verkühlen. Ab jetzt beginnt die individuelle Regeneration, ganz egal ob aktive oder passive Regeneration. Persönliche Vorlieben stehen an erster Stelle, aber die können nach jedem Rennen anders sein. Mal ist es ein alkoholfreies Weizen und mal ein Auslaufen mit anschließendem Duschen und einem kurzen Mittagsschlaf im Hotel.

Ernährung: Was esse ich am besten?

Nach dem Einsetzen der ersten Erholung am Nachmittag darf ein vollwertiges und ausgewogenes Essen nicht fehlen. Aber auch hier gilt – regenerieren Sie individuell. Je ausgewogener die Ernährung, desto besser die Verstoffwechselung und die Regeneration. Der Körper hat in dieser Phase noch genug mit den vorangegangenen Belastungen aus dem Wettkampf zu tun. Alkohol und ungesundes Essen sollten unmittelbar nach dem Lauf nicht auf dem Ernährungsplan stehen.

Der ultimative Tipp für Muskulatur und Psyche

Hat man ein Training verpasst oder in der Phase nach dem Wett­kampf einfach mal keine Lust auf Laufen, sollte man das akzeptieren und dabei belassen. Genießen Sie den Moment, seien Sie stolz auf das Erreichte und setzen Sie die Regeneration nach Ihren individuellen Bedürfnissen fort. Ähnlich sollte es übrigens auch in der Wettkampfvorbereitung sein: Wenn Sie einmal ein Training aus den unterschiedlichsten Gründen verpasst haben, dann versuchen Sie nicht, es krampfhaft nachzuholen.

Man and woman jogging

Stark am Start

Die letzten vier Wochen bis zum Wettkampf sind die wichtigsten. Hier wird entschieden, ob Sie als persönlicher Gewinner über die Ziellinie gehen. Ein Zuviel an Training, ein Zuwenig an guter Energie, keine ausreichende gedankliche Vorbereitung auf den Lauf können Ihnen im Weg stehen.

Text: Ingalena Schömburg-Heuck

Gedanklich stehe ich schon an der Startlinie und doch liegen noch ein paar Wochen vor mir, bis es endlich losgeht. Auf das Highlight des Jahres bereite ich mich seit vielen Wochen vor, nehme mir Zeit für meine Laufeinheiten, für eine gesunde Ernährung und ausreichend Regeneration. Meine Familie, mein Umfeld: Sie alle wissen, wie wichtig mir das Laufen ist, und unterstützen mich dabei. Sonst läuft sowieso gar nichts. Oder? Wie ist das bei Ihnen? Ein gezieltes Lauftraining bedarf einer ganzheitlichen Vorbereitung, sodass am „Tag X“ alles passt. Sicherlich, der Lauf ist nur der Abschluss einer Zeit, die viel wichtiger ist als der Wettkampf selbst. Wer die Vorbereitung auf einen Lauf in den Vordergrund stellt, kann beim Wettkampf nur gewinnen. Zu viele Läufer schaffen es nicht, einen perfekten Abschluss hinzubekommen, denn die Sorge, zu wenig trainiert zu haben, und das Bemühen, dies dann in den letzten Tagen noch aufzuholen, bremst sie aus. Die Beine fühlen sich müde und lahm an, die Energiespeicher sind leer, und die Zuversicht ist eingeschränkt. Machen Sie Ihren nächsten Lauf zu einem Erfolgslauf. Gewusst wie, rufen Sie völlig neue, unbekannte Dimensionen Ihrer Leistung ab. Unser Vorbereitungsplan für die letzten vier Wochen bis zum Rennen wird Ihnen dabei helfen.

Noch vier Wochen: Equipment-Check!

Die letzten vier Wochen vor dem Rennen haben besonderen Einfluss auf den Erfolg Ihres Rennens. So werden Sie fit am Start stehen. Der Blick in den Schuh- und Kleiderschrank. Welcher Schuh soll der Wettkampfschuh werden? Und: Ist dieser noch funktionstüchtig? Jetzt ist noch die letzte Phase, um sich einen neuen Schuh fürs Rennen zu kaufen oder das vertraute Modell nochmals nachzukaufen. Denn: der Schuh muss unbedingt eingelaufen werden, sonst drohen Blasen oder sogar orthopädische Beschwerden. Zudem können Sie jetzt schon mal überlegen, ob Sie für den anstehenden Lauf die richtige Bekleidung haben. Eine bequeme Laufhose, je nach Wetter Sonnenschutz oder auch Kompressionsbekleidung. Die Bekleidung sollte auch schon mal gewaschen und auf die Passform getestet worden sein. Spontane Messekäufe am Vortag können ungut enden.

Noch drei Wochen: Ernährung im Fokus

Das Laufen ist die reinste Energieverbrennungsmaschine. Einerseits ist das erwünscht, andererseits müssen wir die Speicher wieder auffüllen – mit dem richtigen „Sprit“. Wie ein Rennwagen benötigen wir Eiweiße als Baustoffe, für unsere „Karosserie“, unsere Muskeln, Blut, Immunsystem, alle Strukturen. Wir brauchen Vitamine, Mineralien und sekundäre Pflanzenstoffe für den Stoffwechsel, für den Erhalt unserer Leistungsfähigkeit, für sportliche, geistige Arbeit, für die „Elektrik“ also. Fette sind nötig, um Vitamine zu lösen, Energie zu spenden und den Körper zu schützen. Und die Kohlenhydrate liefern den Treibstoff für die unmittelbare Leistung. Nur ein Gleichgewicht aus allen Nährstoffen ermöglicht einen reibungslosen Ablauf ohne Stocken. Ein Mangel an einzelnen Nährstoffen gleicht einem ständigen Fahren mit Handbremse.

Je länger das Rennen, desto wichtiger die richtige Ernährungsstrategie. Sowohl vorher als auch während des Wettkampfes sollten Sie genau wissen, was Sie zu welchem Zeitpunkt essen. Überprüfen Sie vor Ihrem letzten langen Lauf oder Probewettkampf, in der Regel also drei Wochen vor dem Hauptlauf, Ihre Ernährungsstrategie. Am Vorabend Pasta mit Fisch, am Morgen, drei Stunden vor dem Start, Sportlerbrei in Wasser gekocht mit Honig, eine Stunde vor dem Lauf eine Banane oder Riegel und dann während des Laufs Power-Gels. Testen Sie es im Vorfeld genau so aus, wie Sie es am Wettkampftag vorhaben. Besonders die Wettkampfverpflegung sollte genau getaktet und getestet sein, denn der Magen-Darm-Trakt reagiert unter hoher Belastung sensibel.

Noch zwei Wochen: Regeneration

Jetzt Tapering und Lockern. Die letzten zwei Wochen vor dem Rennen stehen ganz im Fokus der Regeneration. Jetzt kann man nur noch zu viel laufen, nachholen funktioniert ohnehin nicht. Es ist jetzt wichtig, die Umfänge zu reduzieren, die Beine aufzulockern und ihnen Ruhe zu gönnen. Der letzte, längere Lauf wird spätestens zwei Wochen vor dem Halbmarathon oder Marathon absolviert. In der Woche vor dem Rennen sollten Sie maximal zwei- bis dreimal laufen. Fünf Tage vor dem Rennen eine Einheit mit kürzeren Intervallen zur Aktivierung, am Vortag des Rennens ein kurzer Auftaktlauf. Für frische, schnelle Beine helfen auch die Faszienrolle oder eine Massage.

Noch eine Woche: Kopf einstellen

Wettkampfmodus. Jetzt heißt es, sich auf das Rennen einzustellen. Was habe ich mir vorgenommen? Habe ich alles vorbereitet? Eine klare Vorgabe für die Renneinteilung hilft dabei, das Rennen nicht zu schnell anzugehen. Beim Marathon und Halbmarathon kann die 51:49 Regelung helfen: Die erste Hälfte des Rennens wird in 51 Prozent der Zielzeit absolviert, die zweite in 49 Prozent. Bei einem Marathon in unter vier Stunden würde das bedeuten, dass die erste Hälfte in 2:02.24 h (5.48 min/km), die zweite in 1:57.36 h (5.34 min/km) gelaufen wird. Am besten den Zeitplan aufschreiben, in der Uhr speichern oder einfach merken. Hauptsache, Sie bleiben Ihrem Plan treu. Oder wollen Sie zu den vielen Läufern gehören, die in der zweiten Streckenhälfte eingesammelt werden und viele Minuten verlieren? Es ist viel motivierender, am Ende andere Läufer zu überholen, als müde und mit Krämpfen ins Ziel zu trotten.

Young woman lifting kettlebell in gym

Kettlebell-Training: Intensive Muskelpower

Für Läufer ist Krafttraining oft ein Kraftakt und wird deshalb gerne vernachlässigt – zu zeitaufwendig und unbeliebt sind die Übungen. Kettlebell-Workouts hingegen sind kurz und knackig – der Effekt ist immens.

Läufer wollen laufen, auch gerne lange, um den Körper fit zu halten und sich auszupowern. Wozu also noch Krafttraining? Spätestens beim Training für einen längeren Lauf, Halbmarathon oder Marathon wird einem klar, warum die Experten immer von „Stabi-Übungen“ und ähnlichem sprechen. Der Körper, insbesondere der Rumpf, macht sich bemerkbar, schludert der Ausdauerathlet bei den zusätzlichen Übungen für die Stabilität des Rumpfes und des Bewegungsapparates. Der Rücken schmerzt, die Hüfte wirkt unbeweglicher, der gesamte Bewegungsapparat ist überlastet, die Muskeln melden sich. Abhilfe schafft während einer intensiven Trainingsphase, gerade vor einem Marathon, gezieltes Krafttraining.

Und hier kommen in dieser Ausgabe von aktiv Laufen die Kettlebells ins Spiel. Viele der Übungen mit den „Kessel“- Gewichten beanspruchen sämtliche Muskelpartien des Körpers und ergänzen somit einige der bekannten „Platzhirsche“ Liegestütz oder Klimmzug. Dabei wird vor allem die Rumpfvorder- und Rückseite beansprucht und bringt somit für Ausdauersportler die nötige Stabilität. Ein weiterer Vorteil: Mit nur 15 Minuten intensivem Workout hat man alle wichtigen Muskelgruppen trainiert.

Kettlebell-Training ist äußerst effektiv und macht den ganzen Körper extrem fit. Im Gegensatz zum Training an Geräten und Maschinen werden die Muskeln nicht isoliert trainiert, sondern integriert beansprucht. Die mehrgelenkigen Übungen aktivieren stets viele Muskelgruppen und -schlingen gleichzeitig, wobei vor allem die wichtigen kleinen Stabilisationsmuskeln gestärkt werden. Nahezu jede Übung stellt eine Ganzkörperübung dar und fördert somit das funktionelle Zusammenspiel verschiedener Muskeln über mehrere Gelenke hinweg. Die Ergebnisse äußern sich in einer besseren Beweglichkeit sowie einer besseren Kraftübertragung.

Kräftiges Herz und außergewöhnliche Ausdauer

Kettlebells bieten sich aufgrund ihrer Form vor allem für ballistisches Training oder Schwungübungen an. Ketllebelltraining ist weltweit bekannt für seinen enormen Effekt auf die Leistungsentwicklung des Herz-Kreislauf-Systems. In diesem Abschnitt erkläre ich Ihnen deshalb, wie Sie ein gezieltes Ausdauertraining mit Kettlebells beginnen können. Das Herz ist der geborene Ausdauermuskel. Im Gegensatz zur Skelettmuskulatur ist es ununterbrochen aktiv. Deshalb stellen die Mitochondrien (Kraftwerke des Körpers) bis zu 30 Prozent des Gesamtzellvolumens des Herzens.

Beim Skelettmuskel sind es je nach Ausdauertrainingszustand nur fünf bis zehn Prozent. Wenn Sie ein sehr kräftiges Herz und eine bessere Körperzusammensetzung (mehr Muskel- und weniger Fettmasse) haben wollen, sollten Sie nicht versuchen, die Dauer Ihres Ausdauertrainings zu verlängern, sobald Sie leistungsfähiger werden. Im Gegenteil: Sie sollten das Herz dazu bringen, in kurzer Zeit eine größere Blutmenge schneller zu den Muskeln zu befördern. Wenn Sie leistungsfähiger, also ausdauernder werden, sollten Sie demnach eher die Dauer des Trainings verkürzen, aber dafür die Intensität der Belastung erhöhen. Verglichen mit Laufen oder Radfahren schaffen Sie somit die gleiche Strecke in kürzerer Zeit. Voraussetzung ist natürlich, dass Sie sich vorher eine gewisse Grundlagenausdauer beziehungsweise Grundlagenfitness aufgebaut haben.

Von Kraftprotzen und starken Männern

Der Ausdruck „Kettlebell“ stammt aus dem Englischen und bezeichnet – einfach ausgedrückt – Eisenkugeln mit einem Handgriff. Früher nannte man die Kettlebells im Deutschen auch Rundgewichte oder Kugelhanteln. Im Russischen heißen sie Giri, in der Einzahl Girya. Die spezielle Form der Kettlebell erlaubt eine Vielzahl von Übungen, die den ganzen Körper trainieren, und zwar in den Bereichen Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit. Kettlebells werden in unterschiedlichen Größen und Gewichtsklassen zwischen vier und 64 Kilogramm angeboten – vereinzelt auch mehr. Die Gewichtsabstufung in 4-Kilogramm-Schritten leitet sich von der russischen Gewichtseinheit „Pud“ ab. Ein Pud entspricht 16 Kilogramm.

Die Ursprünge des Kettlebelltrainings sind nicht genau bekannt. Mit Kugelhanteln beziehungsweise ähnlichen Gewichten wurde wahrscheinlich schon in China vor circa 5.500 bis 6.000 Jahren trainiert. Bekannt ist, dass sie um 1700 herum von Griechenland ausgehend nach Russland gekommen sind, wo sie zunächst zum Wiegen von Getreide und anderen Gütern verwendet wurden. Am Ende des Markttages begannen die Bauern, die Eisenkugeln zu schwingen und zu heben, um ihre Kraft zu demonstrieren, und fanden dabei schnell heraus, dass sich das auch positiv auf die Gesundheit auswirkte.

Weiterhin führten russische Kraftsportler verschiedene Übungen bei Veranstaltungen und Zirkusvorstellungen vor. Später wurde das Kettlebelltraining in das militärische Training integriert. Im Militär trainieren sämtliche Einheiten und Spezialeinheiten, wie zum Beispiel die Speznas, damit. Aufgrund der enormen Effektivität ist es dort seit Jahrzehnten eine der Standardtrainingsmethoden. In der Nationalen Volksarmee (NVA) der ehemaligen DDR wurden Kugelhanteln ebenfalls im Training der Soldaten eingesetzt. Auch Athleten, die sich für die schottischen Highland Games fit machen, schätzen schon lange die Vorteile von Kettlebells: Das Training ist kurz und sehr intensiv.

 

Text: Til Sukopp, aus aktivLaufen 6/18

TMX Trigger als Abo-Prämie

Mit Druck gegen den Schmerz – Triggern

Stechende Schmerzen im Rücken, in der Schulter oder im Nacken können den Alltag zur Qual machen – vor allem dann, wenn jede Bewegung zusätzlichen Schmerz bedeutet. Triggern kann die Schmerzen lösen?

Ein kleiner Kegel!

Oft ist es nur eine bestimmte Stelle, doch sie hat es in sich. Wenn ein verhärteter Muskel oder Sehnenansatz äußerst empfindlich auf Druck reagieren und der Schmerz dabei ausstrahlt, sprechen Mediziner von einem sogenannten Triggerpunkt oder einer Myogelese. Der Schmerz entsteht, weil winzige Nervenenden gereizt beziehungsweise verletzt sind. Dadurch sind sie nicht mehr in der Lage, sich zu entspannen.

Der Schmerz wird zum Dauerzustand

Was zu diesen Verspannungen und faszialen Verklebungen geführt hat, kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Fehlhaltungen oder einseitige Belastungen gehören dazu. Aber auch Überlastungen beim Sport können der Grund für die Verspannung sein. Triggern ist eine Methode, um den dadurch entstandenen Schmerz zu lindern. Dabei werden durch einen gezielten Druck auf den Muskel tiefe Verspannungen gelöst. Dies kann man ganz einfach auch selbst machen – mit einem kleinen Kegel.

Punktueller Druck

„Die Triggerpunkt-Methode kann aufgrund des langanhaltenden, punktuellen Drucks zu Beginn und nach der Anwendung unangenehm sein. Das ist ganz normal. Mit der Zeit entspannt sich aber das Gewebe und man spürt eine deutliche Besserung“, erklärt Thomas Marx, Physiotherapeut, Osteopath und Erfinder von TMX Trigger. Die Anwendung ist äußerst einfach. Notwendig ist neben dem kleinen Trainingsgerät, dem TMX Trigger, lediglich ein fester Untergrund. Durch den Druck des Körpers wird der Kegel in den Muskel gepresst.

Selbsttriggern

Mit dem Selbsttriggern rückt auch die altbewährte Akupressur wieder in den Vordergrund. „Wir Physiotherapeuten wissen, dass wir einen punktuellen, langanhaltenden und gezielten Druck auf den Muskel benötigen, wenn wir tiefe Verspannungen lösen wollen. Durch den Druck des Kegels werden die Kollagene auseinandergepresst. Aktin und Myosin, die kleinsten Einheiten des Muskels, die sich verklebt haben, werden direkt gedehnt“, erklärt Thomas Marx. Ein weiterer Effekt: Die Durchblutung wird enorm gefördert, der Stoffwechsel angekurbelt. Auch dies lässt den Schmerz abklingen.

Teil des Trainings

Mittlerweile setzen auch immer mehr Leistungssportler auf das handliche Gerät. So ist für die beiden Leichtathletinnen Janina Kölsch und Rebekka Ackers der Einsatz des TMX Triggers Teil des Trainingsplans. Sie nutzen den Kegel, um muskuläre Verspannungen während oder nach dem Training zu triggern und so Schmerzen zu bekämpfen oder gar nicht erst aufkommen zu lassen.

[caption id="attachment_2412" align="alignleft" width="500"]aktiv laufen Abo-Prämie Den original Trigger gibt es zum 2-Jahres Abo aktiv Laufen kostenlos dazu. Hier geht es zum Abo.[/caption]

 

Wann ist triggern sinnvoll?

Triggern ist eine gute Möglichkeit, ummyofasziale Triggerpunkte oder muskuläre Verspannungen selbst zu behandeln. Bewährt hat sich die Methode bei:

  • – muskulären Schmerzen
    – Schulterblattschmerzen
    – Kopfschmerzen durch verspannte Nackenmuskulatur
    – Läuferknie
    – muskulären Wadenschmerzen
    – Fersensporn
    – Tennisellenbogen

 

 

 

Bei diesen Schmerzen oder Indikationen ist Triggern dagegen kontraproduktiv und sollte nicht angewandt werden:

  • alle Arten von Entzündungsanzeichen wie akuter Schmerz, Rötungen, Schwellungen
  • Osteoporose
  • offene Wunden, Hämatome, Verletzungen
  • Bandscheibenleiden

Anwendungsbeispiele und verschiedene Übungen gibt es hier: www.tmx-trigger.de/pages/uebungen

In der laufpause auf die Piste

Aktive Laufpause im Schnee

Langlaufen und Skitourengehen

Die Kitzbüheler Alpen zählen zu einer der interessantesten Urlaubsregionen der Alpen. Hier hat man unendliche Möglichkeiten für einen Urlaub in den Bergen. In der Laufpause zieht es vor allem Skifahrer und Snowboarder auf die Pisten. Es gibt allerdings weitaus mehr Möglichkeiten für einen erstklassigen Winter-Trip: beim Langlaufen oder Skitourengehen. Auch für diese Gruppe von Sportlern hat die Region viel zu bieten.

Langläufer können sich auf satten 620 Kilometern gespurten Loipen erfreuen. Diese sind sowohl für klassische Langläufer als auch Skater geeignet. Für Schneesicherheit sorgen die Höhenloipen in Kirchdorf, Aschau und Hochfilzen. Außerdem gibt es Nachtloipen für alle Nachteulen unter den Langläufern. Auch Biathlon-Interessierte kommen hier auf ihre Kosten. In Hochfilzen etwa wurden bereits zweimal die Biathlon Weltmeisterschaften ausgetragen. Wer diesen Sport selbst einmal testen möchte, kann dies außerdem bei den zahlreichen Gästebiathlon-Veranstaltungen in der Region tun.

Für Einsteiger ideal

Zum Kennenlernen der Region empfiehlt sich die Brixentaler Skiwanderloipe. Sie verbindet die drei Orte Westendorf, Brixen und Kirchberg miteinander und bietet so die perfekte Möglichkeit, um die Landschaften und Bergwelten im Brixental zu erkunden. Die Strecke ist ungefähr 18 Kilometer lang und ist sowohl für Klassiker als auch Skater geeignet. Die Loipe eignet sich super für Anfänger, weil sie keine herausfordernden Anstiege oder Abfahrten hat und größtenteils als „blau“ gekennzeichnet ist. Es gibt allerdings zwei zusätzlich gespurte „rote“ Runden.

Sportloipen

Fortgeschrittene Langläufer können sich auf dieser Tour ebenso auspowern. Entlang der Strecke gibt es außerdem zahlreiche Gasthäuser, wie zum Beispiel den Wastlhof, das Fischerstadl oder die Seefeldstube. Man kann diese Route also noch genussvoller gestalten, indem man dort einkehrt und sich mit leckerem Essen stärkt.

Eine landschaftlich wunderschöne Strecke findet man auf der Sportloipe. Von dieser genießt man den Blick auf die prominentesten Berge Kitzbühels: Wilder Kaiser (2.344 m), Kitzbüheler Horn (2.000 m), Hahnenkamm (1.712 m) mit der Rennstrecke „Streif“ und Großer Rettenstein (2.362 m). In den letzten Jahren ist sie zum Hot Spot von urlaubenden und einheimischen Langläufern geworden. Die Strecke ist leicht kupiert.

Bei guter Schneelage kann man teilweise zwischen verschiedenen anspruchsvollen Varianten wählen. Dementsprechend ist die 6,7 Kilometer lange Loipe eher für sportliche Skilangläufer geeignet. Sie ist nicht umsonst Treffpunkt der jungen Talente des Kitzbüheler Ski Clubs und von heimischen Langlaufprofis wie David und Benjamin Kreiner.

Beschneiungsanlagen entlang der Strecke sorgen für Schneesicherheit zwischen Dezember und Ende März. Eine circa 2,5 Kilometer lange Teilstrecke wird außerdem täglich von Einbruch der Dunkelheit bis 23 Uhr beleuchtet.

Auf Entdeckertour

Wer nach ein bisschen mehr Nervenkitzel sucht, kann in den Kitzbüheler Alpen aber auch eine Skitour ins Auge fassen. Diese Sportart erfreut sich seit einigen Jahren immer größerer Beliebtheit. Das Gute an Skitouren in dieser Region: Sie sind sowohl für Kenner als auch Einsteiger machbar. Einerseits gibt es zum Beispiel leichte Touren abseits der Piste, die man aber auch immer in Begleitung eines erfahrenen Bergführers machen kann. Die kennen sich mit den Lawinenbedingungen aus und wissen genau, wann welche Route lieber ausgelassen werden sollte.

Andererseits hat man in den Kitzbüheler Alpen aber auch die Möglichkeit, Touren auf der Piste zu gehen. Das ist natürlich nur auf ausgewiesenen Routen und zu bestimmten Tageszeiten möglich – man möchte ja schließlich nicht mit einem der Skifahrer zusammenkrachen. Möglichkeiten bieten sich im Pillerseetal, zum Beispiel im Gebiet des Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn.

Für erfahrene Tourengeher

Für erfahrene Tourengeher gibt es ein ganz besonderes Zuckerl, nämlich eine Mehrtagestour durch die Kitzbüheler Alpen. Sie ist rund 120 Kilometer lang und man überwindet dabei gute 5.000 Höhenmeter. Dank Aufstiegsunterstützung mit den Seilbahnen warten allerdings satte 10.000 Höhenmeter Abfahrt auf die Skitourengeher. Zwischen den Tagesetappen gibt es außerdem genug Zeit für Erholung oder, wer möchte, Umwege. Die Region Kitzbüheler Alpen hat also weitaus mehr zu bieten als präparierte Pisten für Skifahrer und Après-Ski-Bars. Hier eröffnen sich schier unzählige Möglichkeiten für einen erholsamen und aktionsreichen Urlaub in unberührter Natur.

Tipp

Egal, zu welcher Art von Wintersportler man sich zählt, bei „Cross Country Ski Holidays“ findet man tolle regionale Angebote und Ideen für den nächsten Urlaub abseits der Skipiste. Skitourengeher werden sich unter anderem über die angebotenen Skitouren-Camps freuen. Einfach und übersichtlich gestaltet. Hier geht es zur nächsten aktiven Laufpause www.langlauf-urlaub.com

 

 

 

Everest Marathon, foreigner runner

Höhentraining: Das blutige Geheimnis der Höhenläufer

Leistungssportler trainieren regelmäßig in der Höhe. Ist diese Art der Vorbereitung, das Höhentraining, auch etwas für Breitensportler?

Text: Dr. Stefan Graf

Der kommt halt aus Addis Abeba – Schulterzucken eines Geschlagenen, der einmal mehr nur die Hacken des afrikanischen Konkurrenten gesehen hat. Die Stadt in 2.200 bis 3.000 Metern Höhe bietet den „Eingeborenen“ permanentes Höhentraining. In Tibet auf über 4.000 Metern schnappt selbst der fitteste Tourist nach Luft – nicht so die Einheimischen. Zwei Mutationen – die Erythropoese (Bildung der roten Blutkörperchen) beeinflussende genetische Veränderungen – machen den Unterschied und sind der Grund, warum das Blut von Flachländern trotz optimalen Trainings nie die Sauerstoffbindungskapazitäten von „Hochgebirgsblut“ der Höhenläufer erreicht.

Gene machen höhentauglich

Die humane Lebensfähigkeit in unterschiedlichsten Höhen beruht auf der Möglichkeit, den Gehalt der roten Blutkörperchen (Erythrozyten mit sauerstoffbindendem Blutfarbstoff Hämoglobin) in Abhängigkeit vom Luft-Sauerstoff-Gehalt zu regulieren. Unter normalen Sauerstoffbedingungen sorgt die Aktivität verschiedener Gene für ein bedarfsangepasstes Gleichgewicht zwischen Abbau alter (in Milz, Leber, Knochenmark) und Synthese frischer (Knochenmark) Erythrozyten. Ausdauertraining verschiebt dieses Gleichgewicht in Richtung höherem Erythrozytengehalt (Optimierung der Sauerstoffversorgung). In großer Höhe löst der sehr niedrige Luft-Sauerstoffgehalt eine starke Erythrozyten-Vermehrung aus, die das Blut zähflüssiger macht. Dies bedeutet einen erheblichen Mehraufwand für den Herzmuskel, der auf Dauer krankhaft zu erweitern droht. Wie Völker dennoch permanent in großer Höhe leben können, haben chinesische Forscher aufgeklärt.

Die Aktivität eines Gens mit dem Bauplan für ein Hemmprotein verhindert unter normalen Sauerstoffbedingungen eine übermäßige Erythrozytenproduktion. Sauerstoffmangel in großer Höhe aktiviert einen Signalweg, der das Gen und damit die Synthese des Hemmproteins blockiert. Die Folge ist eine ungebremste Erythrozytenvermehrung und Zunahme der Blut-Viskosität. Dem „Tiefländer“ fehlt eine Notbremse, die der „Erythrozytenexplosion“ bei längerem Aufenthalt in großer Höhe Einhalt gebietet. Das dicke Blut verursacht Schwäche, Kopfschmerzen und Herzbeschwerden – Abstieg erforderlich!

Als Anpassung an das seit Jahrtausenden in >4.000 Meter Höhe währende Leben hat die Evolution die Tibeter mit zwei Mutationen in dem Hemm(protein)-Gen ausgestattet. Dieses veränderte Hemm-Gen nennen die Biologen „Sherpa-Gen“. Während beim Normalbürger das Hemmprotein durch niedrigen Sauerstoffgehalt inaktiviert wird und sich so die Erythrozyten ungebremst vermehren, bleibt das vom Sherpa-Gen kodierte Hemmprotein der Gebirgsmenschen aktiv und verhindert die Blutverdickung.

Insgesamt ist das Gleichgewicht zwischen Erythrozytenproduktion und -abbau bei den Gebirgsvölkern zugunsten der Produktion verschoben. So haben sie dauerhaft höhere, aber keine überbordenden, Blut verdickenden Erythrozytenwerte. Das Ergebnis: permanent höhere Sauerstoffbindungskapazität bei herzgesunder Blutviskosität.

Folgen für das Höhentraining

Wer weder „ex statu nascendi“ Sherpa-Gen-Träger noch „afrikanischer Dauer-Höhentrainierer“ ist, kann zur Saisonvorbereitung einen Gebirgsaufenthalt nutzen. Gemäß den neuen Erkenntnissen lautet die erste Vorgabe: Nicht zu hoch! 1.500 bis 2.200 Meter kurbeln die Erythropoese an, ohne das Herz-Kreislauf-System zu gefährden.

Gutes Höhentraining bringt Leistungszuwächse bis zu 5 % (vereinzelt darüber). Nicht nur wegen des Blutverdickungsrisikos sollte nicht bzw. nach dem „Live-low-train-high“-Prinzip nur stundenweise deutlich über 2.500 Meter trainiert werden. Dauerhaft größere Höhen belasten übermäßig und verlängern die Akklimatisationsdauer. Im Profibereich ist Höhentraining Standard – ein „Zuckerschlecken“ wahrlich nicht. Die positiven – wenn auch nur mit dem Sekundenzeiger messbaren – Effekte kommen einige Tage nach der Rückkehr zum Tragen.

Der Sauerstoffgehalt ist in 2.000 Metern Höhe über 20 %, die körperliche Leistungsfähigkeit bis zu 10 % gesunken. Die Sauerstoffbeladung des Blutes in den Lungenbläschen und damit die Versorgung der Muskeln sind vermindert. Die Energie für Ausdauerleistungen wird aber vorwiegend über die ergiebigen aeroben Abbauwege von Fetten und Kohlenhydraten gewonnen. Fette können anaerob gar nicht, Kohlenhydrate nur unvollständig bis zur Milchsäure (Lactat) abgebaut werden, was nur einen Bruchteil (<6 %) an Energie (ATP) liefert und die gefürchteten „sauren Beine“ macht.

Fett liefert mehr als doppelt so viel Energie (9,3 kcal/g) wie Kohlenhydrate (4,1  kcal/g). Wegen der strikten Sauerstoffabhängigkeit leidet der Fettabbau in der Höhe anfangs besonders. Dieser leistungsdefizitäre Zustand wird bei vernünftigem Trainingsaufbau nach wenigen Tagen durch günstige Adaptationen kompensiert.

Epo-Doping – ganz legal

Nach ein bis zwei Tagen führt der Sauerstoffmangel zu einer Reduktion des Blutplasmas (zellfreie Blutflüssigkeit aus >90 % Wasser, ca. 120 Eiweißen, geringen Menge Kohlenhydraten, Fettsäuren, Salzen, Mineralien). Dies entspricht einer Erhöhung der Blutzell- und damit auch der Erythrozytenkonzentration – die Sauerstofftransportkapazität steigt. Bedeutender ist die verstärkte Ausschüttung des Nieren-Hormons Erythropoetin („Epo“), das die Erythrozytensynthese im Knochenmark forciert. Dieses „natürliche Epo-Doping“ – körpereigenes lässt sich von biotechnologischem „Kunst-Epo“ unterscheiden – ermöglich die bessere Ausnutzung des reduzierten Sauerstoffangebotes. Plasmareduktion und gesteigerte Epo-Ausschüttung haben nach der Rückkehr in tiefere Lagen noch eine Zeitlang Bestand. Das überdurchschnittlich sauerstoffaufnahmefähige Höhenblut findet „paradiesische“ Beladungsbedingungen vor und versorgt Muskeln/Organe optimal. Die aeroben Nährstoffabbauprozesse laufen perfekt – die richtige Zeit für Wettkämpfe. Bis zu drei Wochen hält die Höhentrainingswirkung an.

Eisen und viel trinken

Die Erythrozyten binden Sauerstoff über das zweiwertige Häm-Eisen des Hämoglobins. Ausreichende Eisen-Versorgung ist in der Höhe enorm wichtig. Häm-Eisen ist nur in tierischen Lebensmitteln (Fleisch, Fisch) enthalten und deutlich besser resorbierbar (Bioverfügbarkeit 25–35  %) als das dreiwertige Nicht-Häm-Eisen (2–15  %) aus Pflanzen (VK-Getreide, Trockenfrüchte, Spinat). Vitamin C fördert die Resorption. In trockener Höhenluft steigen Transpirationsrate und Perspiratio insensibilis, der unsichtbare Wasserverlust über Schleimhäute, Atmung und Haut  erhöhter Flüssigkeitsbedarf!

Höhentraining im Breitensport?

Kein Sherpa-Gen, nur 5  % Leistungszuwachs – macht Höhentraining im Freizeitsport Sinn? Alltagspflichten und enges Zeitbudget lassen ein optimal terminiertes, mehrwöchiges Höhentraining selten zu. Wer dennoch in die Höhe geht, sollte grobe Fehler vermeiden. Die Sauerstoffsättigung von Sherpa-Gen-Trägern ist von Flachlandathleten unerreichbar. Im Leistungssport kann Höhentraining über Gold und „goldene Ananas“ entscheiden. Im Breitensport ist es kein Muss. Zu einem zweiten Haile Gebrselassie ist noch kein Freizeitjogger in dünner Luft mutiert. Dennoch lasse sich niemand die Freude an seinem „Tirolurlaub“ nehmen. Entspannte Bewegung in klarer Bergluft liefert mehr Kraft und Motivation als gestresstes Höhentraining.

Ausblick

Das neue Wissen um die Genetik von Höhenvölkern ist für die Gentherapie von Blutbildungsstörungen und Entwicklung von Trainingsprogrammen bedeutsam. Vice versa lauern Missbrauchsgefahren in Form eines „Sherpa-Gen-Dopings“, dem gezielten Einfügen von Genvarianten, welche die Sauerstoffbindungseigenschaften des Blutes erhöhen.

Laufen im Winter

THERMOtivation

Wenn die Temperaturen auf dem Thermometer sinken, fehlt parallel dazu bei vielen Läufern auch die Motivation für eine große Runde. Doch das muss nicht sein, wenn man die folgenden Tipps befolgt.

Kennen Sie die alte Läuferweisheit „Wer vor dem Start nicht friert, der verliert“? Klar, hinter jedem Sprichwort und hinter jedem Witz verbirgt sich bekanntlich auch immer ein Funken Wahrheit. Ich möchte mir dennoch erlauben den Spruch um einen wichtigen Zusatz zu erweitern: Wer nach dem Start immer noch friert, der verliert erst recht. Die ausgemachten Frostbeulen unter uns wissen, dass es nichts, aber auch wirklich gar nichts Schlimmeres gibt, als vor, während und nach dem Laufen zu frieren. Viele schwitzen sich im Sommer lieber die Seele aus dem Leib, als dass sie im Herbst und Winter auch nur ansatzweise mit den Zähnen klappern müssen.

Besser frieren kann man nicht lernen

Nun könnte man ja vermuten, dass der Körper sich im Laufe der kalten Jahreszeiten an die nied­rigen Temperaturen gewöhnt. Das stimmt aber nur halb. Zwar kann sich der Körper grundsätzlich auf große Tem­peraturschwankungen einstellen, beispielsweise durch regelmäßigen Sport oder Saunabesuche. Die schlechte Nachricht lautet aber: Kalt bleibt kalt, da hilft alles nichts, und besser zu frieren kann man nicht lernen. Das alles ist aber absolut kein Grund, im Winter nicht an der frischen Luft zu laufen. Schönwetterläufer, die nur bei Top-Bedin­gungen und T-Shirt-Temperaturen vor die Haustür treten, die haben es in unseren Breitengraden schließlich für die meiste Zeit im Jahr schwer. Aber fragen Sie mal einen Nordeuropäer, der im Winter zusätzlich zur Eiseskälte auch noch mit sehr wenig Tageslicht auskommen muss. Oder schauen Sie in die östlicheren Regionen, wo die Winter in der Regel ebenfalls deutlich rauer ausfallen. Im Vergleich dazu hat Deutschland ein doch eher mildes Klima, das es uns gestattet, das ganze Jahr über zu trai­nieren.

Laufen bei Kälte

Für alle Läufer gilt der Grundsatz: Es gibt immer einen gang- bzw. laufbaren Weg, man muss sich nur richtig vorbereiten. Auf die richtige Kleidung kommt es an. Läuft man im Sommer sprichwörtlich noch „kurz kurz“, steht im Herbst „kurz lang“ und im Winter „lang lang“ auf der Kleiderordnung. Wem es bei Gedanken an taub gefrorene Finger eiskalt den Rücken runterfährt, der sollte unsere Tipps zum Laufen im Winter also stets beher­zigen.

1. AUFWÄRMEN

Ein kleines Warm-up ist vor jeder Laufeinheit ratsam. Besonders im Winter ist es unbedingt zu empfehlen. Und damit man nicht länger als nötig an der kalten Luft sein muss, kann man das Aufwärmen einfach ins warme Wohnzimmer verlegen. Ist der Kreislauf dann erst einmal in Schwung gekommen, heißt es: Raus vor die Tür!

2. TRINKEN

Zwar schwitzen Läufer bei niedrigeren Temperaturen nicht so viel wie bei sommerlicher Hitze, aber der Körper braucht dennoch ausreichend Flüssig­keit. Die Faustregel lautet: Man sollte ähnliche Mengen trinken wie bei war­men Temperaturen.

3. STRECKE

Die Laufstrecke sollte nach Mög­lichkeit den Wetterbedingungen angepasst werden. Sind die Stra­ßen vereist? Ist der Waldweg eine riesige Matschgrube? Bei der Lagebeurteilung helfen natürlich die eigene Erfahrung und die Orts­kenntnis. Im Zweifelsfall lohnt es sich aber, auch befreundete Läufer nach Streckentipps zu fragen.

Nehmen Sie ruhig etwas Geld in die Hand, und investieren Sie in ein gutes Winteroutfit (Ideen bekommen Sie auf S. 54 – 61). Ist Ihnen trotzdem noch kalt? Dann ziehen Sie eben noch eine Schicht an. Wussten Sie, dass beim Antarctic Ice Marathon Temperaturen bis zu minus 25 Grad herrschen? Sie sehen, es gibt wirklich keine Ausreden mehr. Tipp: Es sind normalerweise die Gliedmaßen, die am schnellsten auskühlen.

5. SONNENSCHUTZ

Sonnenbrand gibt es nur im Sommer? Das stimmt so nicht. Die UV-Strahlen sind genauso stark wie im Sommer. Und da unsere Haut in den kalten Monaten blasser als sonst ist, ist sie besonders anfällig für einen Wintersonnenbrand. Da die kalte Luft die Haut kühl hält, spürt man diesen oft kaum. Deshalb: Bei starkem Sonnen­schein vorher eincremen.

6. NACH DEM LAUF

Nach dem Laufen gelten die drei As: Nasse Klamotten ausziehen, mit einer heißen Dusche oder Badewanne auf­wärmen und bestenfalls mit einem leckeren warmen Tee ausspannen.

„Die Kälte kann wahrlich brennen
Wie Feuer. Die Menschenkinder
Im Schneegestöber rennen
Und laufen immer geschwinder.“

Heinrich Heine

 

Man running over a bridge

Faster durch Fasten?

Es gibt viele Mythen zum Thema Fasten. Fatboysrun Podcaster Philipp Jordan hat schon oft gefastet und berichtet, wie Fasten und Laufen miteinander harmonieren können.

Fasten ist hip. In Blogs und Lifestylezeitschriften findet sich so ziemlich jede Weisheit zu dem Thema, die man sich so aus den Fingern saugen kann. Wenn man alles für bare Münze nehmen würde, macht fasten nicht nur schlank, sondern auch jünger, schöner, glücklicher, giftfreier und führt zu einer Art geistiger und spirituellerAusgeglichenheit. Es gibt inzwischen auch fast so viele Fastenmethoden wie es Blogs gibt. Vom Wasserfasten bis zum intermittierenden Fasten gibt es massig Spielarten des Nicht-Essens. Da ich aber weder Arzt noch Wissenschaftler bin, möchte ich hier in erster Linie von meinen über zwanzig Jahren Erfahrung mit dem Fasten und meinen Beweggründen sprechen. Jedes Jahr passiert es mir wieder. Manchmal mehr und manchmal weniger. Ich nehme über den Winter zu. Dieses Jahr war es ganz schlimm, da ich Krankheits- und Verletzungsbedingt sehr lange nicht laufen konnte, leider aber nicht auch gleichzeitig verlernt hatte, wie man isst. Und so ist der Anblick im Spiegel, gerade wenn man sich selbst als passionierten Läufer bezeichnet unerträglich. Es sind halt auch alles Kilos, die meine Waden zusätzlich über Wald und Wiesen schleppen müssen. Und da ich Mitleid mit meinen Waden (und dem Fettsack da im Spiegelbild) habe, wird dann meist irgendwann im Frühjahr gefastet.

Fasten heisst nicht Hungern!

Eine der schönsten Fastenweisheiten. Denn fast jeder, der noch nie gefastet hat, kann sich kaum vorstellen, wie man auch nur einen Tag ohne Essen überstehen soll. Aber im Gegensatz zu manch einer Diät, hat das Fasten etwas angenehmes und seltsam befreiendes. Dieses Leeregefühl, was sich normalerweise nachmittags einstellt, wenn man mal das Mittagessen ausgelassen hat, dieses Schwächegefühl, bei dem man glaubt man kippt beinahe um, wenn man nicht sofort etwas isst, erlebt man beim Fasten eigentlich nie. Aller Anfang ist schwer Zumindest wenn ich faste. Vor dem eigentlichen Nicht-essen kommt nämlich der sogenannte Entlastungstag. An diesem Tag wird der Magen langsam entlastet und das geht am besten mit ein wenig Rohkost, Obst und Nüssen. Ich muss ehrlich zugeben, dass mir die überschaubare Menge da oft Probleme bereitet und ich diesen Tag fast als den schlimmsten Tag empfinde. Aber wenn das geschafft ist, kommt ja der erste richtige Fastentag. Morgens löse ich mir dann Glaubersalz in heissem Wasser auf (Pro-Tipp: ein Spritzer Zitrone macht diesen kulinarischen Genuss wesentlich erträglicher). Das Glaubersalz entzieht dem Körper Wasser und entleert unseren Verdauungstrakt fast komplett. Leider darf und will ich hier nicht weiter auf dieses Prozedere eingehen, obwohl man da sicher ganz tief in die poetische Schatzkiste greifen könnte. Ein Wort der Warnung: an diesem Tag idealerweise keine zu langen Spaziergänge einplanen oder zumindest ständig ein Dixieklo mit sich führen (haben aber die wenigsten). Ich faste nach der Buchingermethode, was bedeutet, dass ich mich überwiegend von Gemüsebrühen und Säften ernähre. Deshalb darf ich auch schon am mittag des ersten Tages meine Gemüsebrühe geniessen. Wichtig: es handelt sich hier wirklich nur um die Brühe, die man mit frischem Gemüse kocht- ganz ohne Stückchen. Abends gibt es dann noch ein Glas frisch gepressten Saft und ein wenig Brühe. Da ich viel Sport trieb, bekam ich in einer Fastenklinik zusätzlich täglich noch ein Glas Buttermilch und ein Glas frisch gepressten Karottensaft. Diese beiden Extras habe ichauch deheim beim fasten beibehalten. Karottensaft aus der Flasche ist eines der ekelhaftesten Getränke auf diesem unserem Erdball. Frisch gepresster Karottensaft (mit einem Tropfen Öl!) ist hingegen eines der edelsten und schmackhaftesten Getränke überhaupt. Viele empfinden den ersten Fastentag als ermüdend und einige haben leichte Kopfschmerzen. Das ist völlig normal und verschwindet schnell wieder.

Fasten und Laufen … geht das?

Und ob das geht. Der Körper ist in der Fastenzeit zwar schnell im hohen Pulsbereich, aber grundsätzlich sollte man sogar Sport treiben oder sich zumindest körperlich betätigen, wenn man fastet. Man will ja, dass sich der Körper an den Fettreserven bedient und nicht am wertvollen Muskelfleisch. Ich versuche wenn ich faste, jeden Tag zu laufen. Man darf keine Bestzeiten und Umfangsrekorde erwarten, aber eine 10 Kilometer-runde in sehr gemütlichem Tempo ist für den geübten Läufer kein Problem. Trotz einiger Versuche ist es mir nie gelungen diese Marke deutlich zu überschreiten. Auch gibt es Tage, an denen man auf einmal bei Kilometer fünf merkt, dass man eine Gehpause braucht. Unbedingt immer auf den Körper hören und nichts forcieren! Nach dem Fasten ist man wieder ganz der alte, eher sogar schneller und mit Sicherheit leichter. Da war doch noch was… Da der Körper im Fett auch viele Giftstoffe ablagert und die beim Fasten über die Leber in den Verdauungstrakt abgegeben werden, wir aber diese Gifte nicht wie gewöhnlich über den Darm ausscheiden können, müssen wir da ein wenig nachhelfen, um uns nicht selbst von innen zu vergiften. Der Einlauf! Meist ist dies der Punkt an dem ein sehr grosser Teil (vor allem der Männer) sagt: okay, ich bin raus. Nun liegt es mir fern hier Werbung für das Darmspülen zu machen, aber es sei mir erlaubt zu sagen, dass es wesentlich harmloser und angenehmer ist, als man es sich vielleicht vorstellt. Ein bis zwei mal pro Fastenwoche sollte das schon auf dem Programm stehen.

Gelüste, Tiefs und Hochs

Jede Fastenkur ist anders, aber es gibt doch ein paar Dinge, die mir im Lauf der Jahre aufgefallen sind. Dass man kein echtes Hungergefühl bekommt, hatte ich ja bereits vorher etabliert. Da man aber ständig von Essen und Essenden umgeben ist, lässt es sich nicht vermeiden, dass man anfängt, vom Essen zu schwärmen und zu träumen. In einer fast schon masochistischen Art und Weise ertappte ich mich schon oft dabei, wie ich stundenlang Youtubefilme von Kochshows konsumierte. Meist gibt es auch dieses eine Gericht, das jemand isst, wo man hoch und heilig schwört, sich das nach dem Fasten selbst zu gönnen. Zudem ist mir aufgefallen, dass es um den zehnten Fastentag besonders schwierig wird, den inneren Schweinehund zu besiegen. Nach einer Woche sind auch die morgendlichen Besuche auf der Waage nicht mehr so unglaublich erfeulich wie noch am Anfang. Ich verliere in der ersten Woche meist jeden Tag zwischen einem halben Kilo und einem Kilo. Nach einer Woche sind es dann meist nur 200-500 Gramm pro Tag.

Das Fastenbrechen

Irgendwann kommt der Tag, an dem man keinen Bock mehr hat. Doch wer denkt, sich jetzt beim nächsten Burgerladen den Bauch vollschlagen zu dürfen, der lebt gefährlich. Der Körper muss langsam wieder an Nahrung gewöhnt werden. Das erste was man zu essen bekommt ist ein mittelgrosser Apfel. Am Abend gibt es dann eine Suppe mit Gemüse und so geht es dann langsam weiter richtung Und Warum? Nur für den Kick für den Augenblick? Ich faste in erster Linie um meinen Körper leichter und ansehnlicher zu machen. Aber das ist nur einer von vielen Nebeneffekten des Fastens. Trotz des täglichen Glases Saft entwöhne ich in der Zeit nämlich auch meinen Körper von seiner Zuckersucht. Meine Geschmackspupillen sind wieder supersensibel und ich weiss gesunde Vollwertkost wieder zu schätzen. Ich kann zwischen Hungergefühl und Gelüsten unterscheiden und mir fällt es leichter zu verzichten. Ich esse wieder langsamer und bewusster. Ich trinke wieder gerne und leidenschaftlich Wasser. Das wichtigste aber: ich bin danach meist ein besserer Läufer. Da ich in zwei Wochen oft 10 Kilogramm verliere, läuft es sich wesentlich leichter. Das sind immerhin 40 Pakete Butter, die ich nicht mehr mit mir rumschleppen muss. Pakete Butter sollte man sowieso zum Errechnen verlorenen Gewichts als Standart einführen. Oft behaupten Leute man würde durch das Fasten deutlich an Muskelmasse einbüssen. Das konnte ich bei mir so nie beobachten. Meine Marathonbestzeit bin ich zwei Wochen nach einer drei Wochen andauernden Fastenkur gelaufen. Und obwohl ich meine langen langsamen Läufe in der Fastenzeit pausieren musste, hatte ich auch bezüglich langer Umfänge nie Formeinbussen durchs fasten. Dieser Artikel soll Lust aufs Fasten machen. Wer jetzt gleich loslegen will, sollte sich Fachliteratur besorgen oder einen Fachmann aufsuchen. Oder man geht wie ich beim ersten fasten in eine Fastenklinik wie zum Beispiel die Buchinger Klinik am Bodensee. Da wird man ständig von Ärzten durchgecheckt und der Fastenvorgang überwacht. Frohes Fasten!

Buchempfehlung: “Wie neugeboren durch Fasten” von Hellmut Lützner ISBN: 9783833834103

Text: Philipp Jordan (fatboysrun.de)

 

Sporty man jogging on urban street

Die Zeit rennt – Zeitmanagement für Läufer

Im Alltag unter Zeitdruck stehen und gleichzeitig nach Bestzeiten jagen wollen, das ist die Realität für viele Läufer. Wie schafft man es, das Laufen nicht als zusätzlichen Stressfaktor anzusehen? Ein gutes Zeitmanagement kann dabei helfen.

Die Zeit rennt, wie man sagt. Schöner wäre es doch, wenn wir als Läufer öfter mal Zeit zum Rennen hätten und die Zeit sich nicht so beeilen würde. Der Zeitdruck ist ein ständiger Begleiter unserer schnelllebigen Gesellschaft geworden, insbesondere für den Läufer kann sich die Zeit als ein schier unbezwingbarer Widersacher erweisen. Die Zeit sitzt uns Läufern häufig im Nacken. Das liegt in der Natur der Sache. In Trainingsplänen steht eine Zeitvorgabe, mit der GPS-Uhr messen wir die Zeit, die wir benötigen um eine bestimmte Distanz zurückzulegen. Selbige macht uns im Anschluss an den Lauf sogar noch einen Vorschlag für die optimale Länge der Regenerationsdauer. Viele haben aber Probleme damit überhaupt Zeit für das Laufen zu finden. Ein Termin jagt häufig den nächsten und den Überblick zu behalten, sich Räume zu schaffen und seine Zeit zu managen ist eine Herausforderung und will gelernt sein.

Leben auf der Überholspur

Auch die Wissenschaft befasst sich mit diesem Thema. Zeitforscher, wie der Soziologe Hartmut Rosa, haben ein Dilemma erkannt: Auch wenn jeder Einzelne im historischen Vergleich objektiv immer mehr Zeit zur Verfügung hat, fühlt es sich doch für die meisten Menschen so an, als ob Zeit zu einem immer knapperen Ressource werden würde. Der Soziologe Rosa nennt dieses Phänomen „Beschleunigungsgesellschaft“. Wer beim Sport allerdings immer nur beschleunigen will und sich auch in anderen Lebensbereichen Zeitdruck und Stress ausgesetzt sieht, sollte lieber regelmäßig auf die Bremse treten. „Stress ist für einen Sportler alles andere als leistungssteigernd“, bestätigt der Sportpsychologe Oliver Stoll. Um Zeitdruck als Stressfaktor aus dem Spiel zu nehmen, bedürfe es eines guten Zeitmanagements. Stoll betreut Profisportler und lehrt an der Universität Halle-Wittenberg. Er arbeitet unter anderem als sportpsychologischer Betreuer der Nationalmannschaft im Wasserspringen, einer sehr trainingsintensiven und mental herausfordernden Disziplin. Aber auch Läufer suchen seinen Rat. Was kann man von einem Profiathleten lernen? „Ich habe mit dem ehemaligen Profi-Läufer Falk Cierpinski zusammenarbeitet“, verrät der ebenfalls passioniert laufende Psychologe. Cierpinski hatte das Ziel einen Marathon unter 2:14 im Marathon zu laufen. „Der war mental sehr stark strukturiert. Der wusste relativ früh über seinen Trainingsplan Bescheid und hat alles andere drumherum organisiert.“

Nicht mit dem Kopf durch die Wand

Planen, organisieren, managen, mögliche Engpässe im Voraus antizipieren – das alles kann man lernen und einüben. Klar, ein Profi hat ein Trainer- und Beraterteam, Vorgaben und Regeln. Ein Hobbyläufer ist normalerweise Athlet und Trainer in Personalunion. Das kann Vor- und Nachteile haben. Ein Vorteil ist sicherlich die Planungsfreiheit. Ein Hobbyathlet muss sich um keine Sponsorenverpflichtungen oder Olympia-Normen kümmern. Die Kehrseite: Oftmals bürdet sich der Hobbyläufer zu viel auf, überschätzt seine Fähigkeiten und unterschätzt den Trainingsaufwand, den es benötigt ein bestimmtes Ziel zu erreichen. „Wenn man seinen Plan für mehrere Wochen nicht umsetzen kann, muss man auch den Arsch in der Hose haben und sagen: Ok, ich pack das einfach nicht. Dann sollte man die Ziele so korrigieren, dass man eben nicht permanent unter Dampf steht“, empfiehlt der Wissenschaftler. Leichter gesagt als getan. Oliver Stoll weiß wovon er spricht. Drei Jahre lang hat er versucht die drei Stunden Marke im Marathon zu unterbieten. Schließlich hat es dann geklappt. Aber er berichtet rückblickend: Das war die schlimmste Zeit in meinem Läuferleben. Das war wirklich Stress pur für mich“.

Aus Fehlern lernen

Je länger man läuft, desto mehr Gelassenheit entwickelt man auch in Hinblick auf den Sport. Das berichtet auch Denise Krebs, Sprinterin und mehrfache Deutsche Meisterin. „Man lernt im Laufe der Zeit seinen Körper zu lesen.“ Wer seinen Körper lesen kann und dessen Warnsignale versteht, kann Zeitdruck und Stress besser vorbeugen, sich vielleicht auch mal eine Pause mehr gönnen. Leider bekommen wir die Gelassenheit nicht in die Wiege gelegt. Umso wichtiger ist es aus Situationen, in denen das Zeitmanagement nicht geklappt hat, zu lernen. Jede Niederlage, jedes Scheitern ist auch eine Lernmöglichkeit. Eine weitere Technik der Profisportler sei es, die vermeintlich negativen Dinge umzudeuten, sagt Oliver Stoll. „Sich nicht zu ärgern, nicht zu verspannen, sondern die Erfahrung umzubewerten. Eine ausgefallene Einheit kann ja auch einen positiven Effekt haben. So eine kognitive Umbewertung kann man lernen. Es reicht aber nicht, wenn man es gesagt bekommt. Man muss selber die Erfahrung machen, dass es funktioniert.“

Von Multitasking zu Montasking

Stellt sich also die Frage: Wie kann man sich in einem hektischen Alltag zwischen Familie, Freunden und Arbeit Zeit für den Sport nehmen? Gibt es vielleicht sogar zeitlose Tipps und Tricks für einen praktikablen Umgang mit der Ressource Zeit? Was ist ein gutes Zeitmanagement? Darauf weiß Prof. Dr. Lothar Seiwert eine Antwort. Er ist Author des Buches „Das 1×1 des Zeitmanagements“ und ist hält Vorträge und Seminare zu diesem Thema. Er ist der Meinung, dass einer der wichtigsten Schritte hin zu einem sinnvollen Umgang mit der Zeit, das Prioritätensetzen ist. Es gehe nicht darum möglichst viele Dinge gleichzeitig zu tun, sondern die Lebenszeit intensiver und bewusster für das zu nutzen, was einem wirklich wichtig ist. Er nennt dies, in Anspielung auf das Wort Multitasking, Monotasking. Konkret: Wichtigem von Unwichtigem unterscheiden. Was einem wichtig ist, kann sich von Tag zu Tag, Woche zu Woche oder Jahr zu Jahr verändern. Vielleicht hat in der einen Woche das Lauftraining Vorrang, in der Woche danach aber ein wichtiges berufliches Projekt oder die Zeit mit der Familie. „Obwohl Zeit ein knappes Gut ist, gehen viele Menschen nicht gerade sparsam damit um. Die meiste Energie und Zeit verpufft, weil klare Ziele, Planung, Prioritäten und Übersicht fehlen. Hier aber kann jeder selbst ansetzen“, ermutigt der gefragte Redner. Dabei gilt es sich nicht nur gedanklich eine Prioritätenliste zu erstellen, sondern diese aufzuschreiben. „Das wichtigste Planungsprinzip ist die Schriftlichkeit“, so Seiwert.

Kleine Alltagstricks

Sandra Mastropietro ist da ganz ähnlicher Auffassung. Und sie muss es wissen, schließlich ist sie eine Ultras-laufende und berufstätige Mutter. „Grundsätzlich teile ich die Einstellung „Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich“ und das meine ich ernst“, sagt sie. Alles sei eine Frage der Priorisierung. Natürlich würde es immer Dinge geben, die wichtiger seien als das Laufen oder der Sport allgemein. „Aber als großes Ganzes betrachtet: Es gibt nicht viele Dinge die wichtiger sind als die eigene Gesundheit“, so die Läuferin. Sie empfielt kleine Alltagstricks, wie Unterarmstütz an der Küchenanrichte bis der Wasserkocher kocht oder die Fußgelenksarbeit beim Zähneputzen. Diese kleinen Mini-Workouts und Dehneinheiten kann man im Prinzip überall machen. „Und wer die Möglichkeit hat sollte unbedingt ab und an die Mittagspause zum Laufen nutzen, oder zumindest zum Spazierengehen. Das lüftet den Kopf durch und gibt Kraft“, ergänzt Mastropietro. Überhaupt: Zeit an der frischen Luft, Zeit für sich – das ist ein Kurzurlaub für den gestressten Geist. Wer das Laufen als Investition in seine körperliche und seelische Gesundheit betrachtet, der nimmt sich ganz automatisch die Zeit dafür. Sie lacht und fügt hinzu: „Man tut ja nicht nur sich, sondern dem Umfeld einen Gefallen. Ich zumindest komme immer sehr entspannt und überglücklich von meinen Laufeinheiten zurück.“

Text: Christian Bruneß

Couple jogging on footpath at park during sunrise

Alles unter Kontrolle

Regelmäßige Bewegung ist die beste Prävention und Therapie für schwere Krankheiten. Dazu gehört auch Diabetes. Bei einigen ist die Zuckerkrankheit angeboren, bei anderen entsteht sie im Lauf des Lebens. Wie geht man als Läufer am besten mit Diabetes um?

Weltweit leiden laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund 422 Millionen Menschen unter Diabetes. In Deutschland sind es immerhin noch rund sechs Millionen Menschen, Tendenz klar steigend. Rund 300.000 leiden an einem Typ-1 Diabetes und bei rund 1,3 Millionen ist die Erkrankung unentdeckt. Alle gemeinsam haben, dass sie vorsichtig sein müssen, wenn sie laufen gehen wollen. Aber es gibt keinen Grund, auf Sport zu verzichten. Im Gegenteil.

Grundsätzlich muss man zwischen zwei verschiedenen Formen der Zuckerkrankheit unterscheiden. Denn je nachdem, unter welcher Krankheit man leidet, unterscheidet sich der Umgang enorm. „Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung und hat eine genetische Komponente“, erklärt Dr. Ulrike Becker, Diabetologin aus Bonn. „Typ 2 entwickelt sich im Laufe des Lebens und hat eine ganz starke genetische Komponente. Die Annahme, dass nur unsportliche Leute mit einer schlechten Ernährung Diabetes entwickeln, ist falsch. Ich habe in meiner Laufgruppe auch Läufer, die bei einem Halbmarathon starten, und trotzdem Diabetes Typ 2 haben. Man kann also nicht sagen, dass die einen an ihrer Diabeteserkrankung selbst schuld sind und die anderen nicht. Wobei der Typ 2 Diabetes bei vielen Menschen schon mit dem Lebensstil zu tun hat. Aber andere können sich viel bewegen und Sport treiben und bekommen die Krankheit trotzdem.“

Beide Formen haben einen hohen Blutzuckerspiegel gemeinsam. Aber das ist schon beinahe die einzige Gemeinsamkeit. Bei Menschen mit Typ 1 funktionieren die Insulin produzierenden Zellen nicht richtig, beziehungsweise bildet der Organismus Antikörper gegen diese Zellen. Diese Menschen haben dann einen Insulinmangel, man muss also Insulin spritzen, damit der Körper funktioniert. Bei Menschen mit Typ 2 entwickelt der Organismus eine Insulin Resistenz. Das körpereigene Insulin wirkt also nicht mehr so gut. Diese Menschen brauchen also sehr viel Insulin. Im Frühstadium kann das Problem meist mit Tabletten behandelt werden und einer Änderung des Lebensstils, teilweise brauchen diese Leute aber auch Insulin.

Sport je nach Diabetes-Typ

Grundsätzlich ist Diabetes Typ 1 für Sportler kein Problem, wenn man damit umgehen kann. Tatsächlich gibt es einige Beispiele wie 200m-Sprinter Daniel Schnelting oder Triathletin Melanie Schipfer, dass man auch trotz der Zuckerkrankheit in seinem Sport zur Weltklasse gehören kann. Dazu gehört aber das Wissen, was im Körper passiert. „Wenn ein Mensch Sport treibt, nimmt die Insulin-Empfindlichkeit schlagartig zu“, erklärt die Diabetes-Expertin, die in Bonn eine Laufgruppe für Diabetiker betreut. „Durch die Muskelarbeit sinkt der Blutzuckerspiegel, da der Körper ja diesen Zucker als Energie benötigt. Dann stoppt der Körper die Insulin-Ausschüttung, da sonst der Blutzuckerspiegel noch weiter sinken würde. Das grundsätzliche Problem bei Typ-1-Diabetikern ist, dass man das Insulin von außen zuführen muss. Hier kann man mit einer Insulin-Pumpe oder einer Mehrfach-Spritzentherapie arbeiten. Dieses von außen zugeführte Insulin wirkt rund zwei bis drei Stunden im Körper. Wenn man nun mit dem Training anfängt, wirkt das Insulin, das man sich als Diabetiker verabreicht hat, im Gegensatz zu dem körpereigenen weiter und sorgt dafür, dass der Blutzucker weiter abgebaut wird. Wer hier nicht ganz genau weiß, wie man mit diesem Insulin umgehen muss, hat ein großes Risiko zu unterzuckern. Und das ist sehr gefährlich.“

Anzeichen erkennen

Typische Anzeichen für Unterzucker sind Hunger, Blässe, Herzrasen und Schweißausbrüche. Das alles tritt bei einem harten Training aber ebenfalls auf. Insofern muss man seinen Körper gut kennen, um den Unterschied zwischen Unterzucker und Erschöpfung zu erkennen. Denn bei Unterzuckerung kann der Körper die Zellen nicht mehr ausreichend versorgen. Zunächst sinkt natürlich auch die Leistungsfähigkeit, da unserem Körper sprichwörtlich der Sprit ausgeht. Im Extremfall kann man ohnmächtig werden und das Gehirn kann Schaden nehmen, da es immer Zucker braucht. In ganz seltenen Fällen kann Unterzuckerung sogar tödlich sein, was glücklicherweise aber nur sehr selten vorkommt.

Insofern ist es für Typ-1-Diabetiker wichtig, den Blutzuckerspiegel regelmäßig zu messen und vor dem Sport zu wissen, wann man sich wie viel Insulin injiziert hat. Mit etwas Übung und Erfahrung ist Sport bei Diabetes dann kein Problem, da man die Dosis entsprechend anpassen kann. Nur spontan Sport treiben ist schwierig, da sich noch zu viel Insulin im Unterhautgewebe befinden kann, das dann nachwirkt und eine Unterzuckerung verursachen kann.

Für Typ 1 Diabetiker gibt es also keinen Grund, keinen Sport zu treiben. Allerdings gehört bei der dieser Form der Zuckerkrankheit Bewegung auch nicht zwingend zur Therapie. Die Betroffenen profitieren wie jeder andere Mensch auch von einem aktiven Leben, von Sport und Bewegung, auf die Krankheit hat Bewegung aber kaum einen Einfluss. Zudem ist Vorsicht geboten, da Sport den Blutzuckerspiegel durcheinanderbringt. Daher sollte man hier gerade als Einsteiger immer mit einem Experten zusammenarbeiten, der die Werte überwacht und Empfehlungen zum Sportpensum geben kann.

Anders ist es bei dem zweiten Typ der Zuckerkrankheit. Hier gehört Bewegung immer zur Therapie dazu. Denn Sport verbessert die Insulinempfindlichkeit der Rezeptoren. Oder anders ausgedrückt benötigt man weniger Insulin, um den Blutzuckerspiegel zu senken, da das körpereigene Hormon besser wirkt. Bewegung ist daher ein wichtiger Aspekt der Therapie. Bei modernen Diabetestabletten besteht erfreulicherweise auch ein sehr geringes Unterzuckerungsrisiko, so dass Sport oft unproblematischerer möglich ist, als bei einer Insulintherapie. Zudem senkt Sport den Blutzuckerspiegel grundsätzlich, was für Diabetiker vom Typ 2 von Vorteil ist

Die richtige Ernährung

Schwierig wird es dagegen, wenn es um die Ernährung geht. Denn der Körper benötigt ja bekanntlich Kohlenhydrate, um leistungsfähig zu sein. Bei sportlich ambitionierten Diabetikern vom Typ 1 ist es schwierig, die richtige Dosis zu erwischen. Aber auch bei Typ 2 spielt die Ernährung eine große Rolle. „Ich empfehle meinen Patienten vom Typ 2 eine moderate Low-Carb-Diät“, sagt Dr. Becker. „Wenig Kohlenhydrate in kleinen Dosen statt einmal eine große Sättigungsbeilage, wie es früher empfohlen wurde, sind sinnvoll. Beim Typ 1 ist es möglich, aber etwas schwieriger. Entscheidend ist eben, dass man sich mit seinem Zucker intensiv beschäftigt. Bei einer Low Carb Ernährung esse ich ja mehr Eiweiß und Fette. Hier muss ich dem Körper trotzdem Insulin geben. Der Körper kann ja auch Eiweiß und Fett in Zucker umwandeln. Da benötigt ein Diabetiker auch Insulin. Nur muss ich das als Diabetiker anders berechnen als wenn man die Energie aus Kohlenhydraten zieht. Eine Ernährung ganz ohne Kohlenhydrate ist nicht sinnvoll.“

Grundsätzlich gelten für einen Typ-1-Diabetiker die gleichen Ernährungsregeln wie für einen gesunden Menschen. Mit dem Unterschied, dass man sich als Diabetiker immer die Frage stellen muss, wie man beim Sport nicht unterzuckert. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. „Die erste Möglichkeit ist, den Sport gut voraus zu planen“, erklärt die Expertin. „Dabei stellt man rund eine Stunde vor dem Training seine Insulinpumpe ab, damit beim Sport eben weniger Insulin im Körper ist und das Risiko für eine Unterzuckerung sinkt. Wenn ich spontan Sport treiben will, sollte ich davor mehr Kohlenhydrate zu mir nehmen, damit der Blutzuckerspiegel eben nicht zu weit sinkt. Ich empfehle hier dann vor dem Sport Obst oder leicht verwertbare Kohlenhydrate in Form von Riegeln. Ganz kurz vor dem Sport sind kohlenhydratreiche Getränke noch besser. Gerade bei einem anstrengendem Training.“ Beim Sport ist Zucker in Getränken besser, da diese bei der Bewegung besser aufgenommen werden können und den Magen nicht belasten. Nach dem Sport gilt es ja, die Energiespiegel wieder zu füllen. Allerdings hat der Körper bis zu 24 Stunden eine erhöhte Insulin-Empfindlichkeit. Als insulinspritzender Sportler muss man dadurch oft weniger injizieren oder mehr Kohlenhydrate zu sich nehmen. Das hängt aber von vielen Faktoren wie der Intensität, dem Trainingszustand oder der Tageszeit ab.

Fazit

Es gibt also keinen Grund, als Diabetiker keinen Sport zu treiben. Hier gibt es auch eine neue Entwicklung, die den Betroffenen helfen. Mit kleinen Sensoren unter der Haut wird der Blutzuckerspiegel im Gewebe gemessen und die Werte direkt an ein Handgerät weitergeleitet. So weiß man direkt, ob man reagieren muss. Die Kosten für diese Geräte werden seit diesem Jahr teilweise auch von der Krankenkasse übernommen. Entscheidend ist vor allem, dass man sich und seine Zuckerwerte kennt und weiß, wie man darauf reagieren muss. Dann spricht auch nichts dagegen, als Zuckerpatient in der Weltspitze mitzulaufen.

Text: Christian Riedel