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    • Gemeinsam läufts sich besser

      Einsam dreht der Läufer seine Runden. Dabei ist Laufen heutzutage längst kein Einzelsport mehr. Warum niemand als Solo-Kämpfer auf die Strecke sollte und was beim Laufen in Gruppen zu beachten ist, zeigen wir dir in diesem Beitrag.

      Es ist Dienstag. Nach und nach trudeln Menschen in athletischen Outfits am Treffpunkt nahe des Kölner Stadtwalds ein. Manche erscheinen laufend, andere sind mit dem Rad gekommen. Ein Freiwilliger ist mit dem Auto zum Sammelpunkt gefahren. Nicht aus Faulheit, sondern aus reinem Pragmatismus: Das Fahrzeug wird zum „Bag Drop“ – ein Platz, an dem die Läufer Jacken, Rucksäcke und Getränke verstauen können. Trotz oder gerade wegen des bevorstehenden Ausdauertrainings gesellt sich jeder Sportler mit einem breiten Grinsen im Gesicht der Gruppe dazu. 

      Was früher als “Laufgruppe” oder ”Lauftreff” bekannt war, heißt heutzutage „Running Crew“. Der Begriff ist nicht nur deutlich cooler, er ist auch wesentlich ausdrucksstärker. Zwar definieren sich die Begriffe „Gruppe“ oder „Treff“ auch durch eine bestimmte Anzahl von Mitgliedern – mindestens drei –, die durch ein System gemeinsamer Normen ein gemeinsames Ziel erreichen wollen. Dabei wirkt alles aber etwas unverbindlich, insbesondere beim Lauftraining, wo es leicht fällt, der Gruppe eine Absage nach einem stressigen Arbeitstag zu erteilen. Sofern man sich überhaupt verpflichtet fühlt, abzusagen. Eine „Crew“ vermittelt hingegen eine nahezu unzertrennliche Gemeinschaft. Angefangen beim Outfit: Man trägt mit Logos bedruckte „Crew-Shirts“ und Shorts; selbst die Laufsocken sind vom gleichen Hersteller, nur in unterschiedlichen Varianten. Nicht schwarz oder weiß, sondern bunt und gemustert. Der Style läuft schließlich mit. 

      Es gibt verschiedene „Pace-Gruppen“: Eine für die schnellen Läufer, eine für das Wohlfühl-Tempo und sogar eine für Sportler, die nach einer Verletzung wieder ins Training einsteigen. Es findet sich also immer jemand, der das gleiche Tempo laufen will. Zwar unterscheiden sich Distanz, Route und Tempo innerhalb der Pace-Gruppen, aber eines ist klar: Nach dem Laufen trifft man sich für gemeinsame Drinks und zum “Socializing” wieder am Start.

      Teamgeist statt Egoismus

      Sind wir doch mal ehrlich: 99 Prozent der Läufer werden niemals ein Preisgeld gewinnen oder überhaupt jemals auf einem Siegertreppchen stehen. Die eigenen Ambitionen reduzieren sich höchstens darauf, die persönliche Bestleistung auf einer bestimmten Distanz zu verbessern. Beim Laufen steht die sportliche Leistung also keineswegs im Vordergrund. Wir laufen, um gesund und fit zu bleiben, den stressigen Alltag aus den Köpfen zu kriegen oder um die Natur in vollen Zügen zu genießen. Wir laufen, weil es uns Spaß macht und nicht, weil wir die schnellsten und besten sein wollen. Selbst die ehrgeizigsten Athleten trainieren gemeinsam, statt als Soloist.

      Dazu reicht der Blick nach Afrika: Laufen ist dort ein Mannschaftssport. Die kenianischen Ausdauersportler trainieren fast ausschließlich in Gruppen von bis zu 50 Läufern. Hierbei ist natürlich vollkommen klar, dass das Workout für viele Sportler zu hart ist. Dafür mangelt es ihnen nie an Trainingspartnern und Motivation. Letzteres ist besonders für den sportlichen Fortschritt von Bedeutung. Schließlich verbessert man seine Ausdauer nur durch kontinuierliches Training.

      Zum Laufen gemacht

      Bereits Emil Zatopek, die Leichtathletik-Legende aus der Tschechoslowakei, wusste: „Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft“. Das Laufen ist dem Menschen also in die Wiege gelegt worden. Dem aufrechten Gang verdanken wir, dass sich unsere Gliedmaßen die Arbeit einteilen. Die Beine und Füße übernehmen die Fortbewegung während Arme und Hände jetzt zum Greifen und Halten „frei“ sind. Nur so konnte der Mensch Tiere über längere Strecken jagen.

      Laufen sollte also etwas ganz Einfaches sein. Und dennoch mussten wir es neu erlernen. Denn mittlerweile hat sich der Mensch seinem zumeist sitzenden Alltag angepast: Unsere Füße verkümmern in stylischen Sneakern, der Büro-Job fesselt uns an den Schreibtisch und die eigene Motivation verliert immer häufiger den Kampf gegen den inneren Schweinehund. Social Media macht es einfach zu prokrastinieren; ein Serienmarathon auf diversen Streaming-Portalen ist wesentlich entspannter als das Herz-Kreislauf-System 60 Minuten lang zu trainieren.

      Dabei ist es für viele sicherlich kein Problem, alleine Sport zu treiben. Doch es gibt natürlich auch die Hobbyathleten, denen Ausdauertraining nur in großer Runde Freude bereitet. Sich auch mal mit seinen Kumpels zu messen oder sich über den neusten „Gossip” austauschen zu können – das sind die Dinge, die das Laufen in einer Gruppe so spannend und abwechslungsreich machen. (Text von Robin Siegert)

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