Hyperhidrose: Wenn Schwitzen zur Herausforderung wird
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      Schwitzen ist normal und eine lebenswichtige Körperfunktion. Doch was, wenn der Körper übermäßig viel Schweiß produziert und jede Laufeinheit zur Belastungsprobe wird? Hyperhidrose betrifft viele, bleibt aber oft tabuisiert. Der Artikel beleuchtet, wie Betroffene trotz starker Schweißbildung ihre Freude am Laufen behalten können.

      Sport ist schweißtreibend. Jeder Läufer kennt das Gefühl, wenn der Körper auf Touren kommt und sich mit jedem Schritt mehr erhitzt. Schwitzen ist in diesem Kontext eine gesunde Reaktion – ein lebenswichtiger Mechanismus zur Temperaturregulierung. Doch was passiert, wenn das Schwitzen über das gesunde Maß hinausgeht? Wenn selbst bei leichter Belastung literweise Schweiß fließt – nicht nur unter den Achseln, sondern auch an Händen, Füßen, Gesicht oder Rücken? Dann könnte eine Hyperhidrose vorliegen – eine Erkrankung, die viele unterschätzen, obwohl sie für Betroffene eine massive Einschränkung im Alltag und vor allem beim Sport bedeutet. Besonders beim Laufen kann übermäßiges Schwitzen zur echten Belastungsprobe werden. Doch die gute Nachricht: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, mit dieser Herausforderung umzugehen, ohne auf Bewegung verzichten zu müssen.

      Ständiges Schwitzen

      Hyperhidrose ist eine medizinisch definierte Störung der Schweißproduktion. Dabei unterscheidet man zwischen einer primären und einer sekundären Form. Die primäre Hyperhidrose tritt meist lokalisiert auf – zum Beispiel an Händen, Füßen oder unter den Achseln – und hat keine eindeutig identifizierbare Ursache. Sie beginnt häufig schon in der Jugend und verläuft chronisch. Die sekundäre Hyperhidrose hingegen ist eine Folge anderer Erkrankungen wie Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes oder neurologischer Störungen. Auch bestimmte Medikamente können sie auslösen. Während die primäre Hyperhidrose vor allem das Nervensystem betrifft, steht bei der sekundären Form die Grunderkrankung im Vordergrund.

      Ein schwieriges Duo

      Schwitzen beim Sport ist in gewissem Maße normal – das weiß jeder. Doch wer unter Hyperhidrose leidet, schwitzt deutlich stärker und unkontrollierter als andere, selbst bei geringer körperlicher Belastung. Beim Laufen kann das zahlreiche Folgen haben. Rutschige Hände oder Füße sind dabei nicht nur unangenehm, sondern können auch gefährlich sein. Ein sicherer Tritt auf unebenen Untergründen wird erschwert, die Griffigkeit in den Schuhen geht verloren und das Risiko für Blasen oder Stürze steigt. Die dauerhaft feuchte Haut ist außerdem anfällig für Reibung, Pilzinfektionen und Reizungen – besonders in Bereichen wie der Leiste oder unter den Armen. Auch die Kleidung leidet unter der permanenten Durchfeuchtung. Funktionsshirts, Sport-BHs oder Laufschuhe verlieren schneller ihre Qualität und elektronische Hilfsmittel wie Pulsuhren oder Brustgurte funktionieren bei starkem Schwitzen oft schlechter oder gar nicht mehr.

      Doch nicht nur die körperlichen Begleiterscheinungen machen vielen Betroffenen zu schaffen. Die soziale Dimension wiegt häufig noch schwerer. In Laufgruppen oder bei Wettkämpfen fühlen sich Menschen mit Hyperhidrose häufig beobachtet oder sogar ausgegrenzt. Die Sorge, durch nasse Kleidung oder tropfenden Schweiß unangenehm aufzufallen, ist groß – selbst in einer „Bubble“ in der ja früher oder später alle klitschnass sind. Manche meiden daher bewusst den Sport in der Gruppe oder hören ganz auf zu laufen – aus Scham, nicht aus mangelnder Motivation. Dieser Rückzug kann in einen Teufelskreis führen: Denn Stress und psychischer Druck verstärken die Schweißproduktion zusätzlich.

      4 Tipps für den Alltag

      Doch wann wird Schwitzen eigentlich krankhaft? Eine wichtige Unterscheidung ist die zwischen regulärer sportbedingter Schweißproduktion und pathologischem Schwitzen. Wenn Betroffene bereits in Ruhe, ohne körperliche Aktivität, auffällig viel schwitzen – insbesondere an bestimmten Körperstellen – kann eine Hyperhidrose vorliegen. Auch wenn das Schwitzen so stark ist, dass Kleidung mehrmals täglich gewechselt werden muss, sich Hautprobleme häufen oder soziale Kontakte gemieden werden, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. In der Diagnostik kommen neben einer ausführlichen Befragung auch Tests wie der sogenannte Minor-Test zum Einsatz, bei dem mit Jodlösung und Stärke die betroffenen Stellen sichtbar gemacht werden. Wichtig ist zudem, andere Erkrankungen als Ursache auszuschließen.

      1. Kleidung clever wählen
      Trotz dieser Herausforderungen müssen Menschen mit Hyperhidrose nicht auf das Laufen verzichten. Im Gegenteil: Sport kann helfen, Stress abzubauen, das Selbstwertgefühl zu stärken und das Körpergefühl zu verbessern. Entscheidend ist jedoch, einige Anpassungen im Trainingsalltag vorzunehmen. Besonders wichtig ist die Wahl der richtigen Kleidung. Funktionsmaterialien, die Feuchtigkeit vom Körper wegtransportieren und schnell trocknen, sind hier die beste Wahl. Sie verhindern, dass Schweiß auf der Haut bleibt oder Kleidung schwer wird. Eng anliegende Schnitte reduzieren zusätzlich Reibung. Dunkle Farben oder gemusterte Textilien können helfen, sichtbare Schweißflecken zu kaschieren und so das Schamgefühl zu verringern.

      2. Die korrekte Schuh- und Sockenwahl
      Auch die Wahl der Schuhe und Socken kann einen Unterschied machen. Atmungsaktive Laufschuhe mit luftdurchlässigen Obermaterialien ermöglichen eine bessere Belüftung, während spezielle Sportsocken aus synthetischen Mischungen oder Merinowolle Nässe vom Fuß ableiten. Wer unter stark schwitzenden Füßen leidet, kann vor dem Lauf ein schweißhemmendes Fußpuder oder ein geeignetes Antitranspirant auftragen. Bei Bedarf sind auch spezielle Einlegesohlen mit geruchsbindenden oder antibakteriellen Eigenschaften erhältlich.

      3. Laufzeiten und -orte anpassen
      Das Timing des Lauftrainings spielt ebenfalls eine Rolle. Wer morgens oder abends läuft, wenn die Temperaturen niedriger sind, reduziert die Belastung durch äußere Hitze. Strecken im Schatten oder windgeschützte Bereiche können ebenfalls hilfreich sein. Wer besonders empfindlich ist, kann Indoor-Alternativen wie das Laufband in klimatisierten Räumen nutzen.

      4. Richtig pflegen
      Die Hautpflege sollte bei Hyperhidrose ebenfalls besonders aufmerksam betrieben werden. Duschen nach dem Sport ist essenziell, um Hautreizungen zu vermeiden und die Schweißrückstände gründlich zu entfernen. Milde, pH-neutrale Seifen sind dabei besser geeignet als aggressive Reinigungsprodukte. Wer zu Blasen oder Scheuerstellen neigt, sollte zusätzlich auf Hautschutzprodukte oder Vaseline an empfindlichen Stellen zurückgreifen. Auch natürliche Mittel wie Salbeitee können unterstützend wirken – die enthaltenen Gerbstoffe haben eine leicht schweißhemmende Wirkung.

      Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, kann eine medizinische Behandlung sinnvoll sein. Aluminiumchloridhaltige Antitranspirantien, die auf die betroffenen Hautareale aufgetragen werden, sind oft der erste Schritt. Sie wirken, indem sie die Ausgänge der Schweißdrüsen temporär blockieren. Für stärkere Ausprägungen kommt die sogenannte Iontophorese infrage, bei der über ein Wasserbad und schwachen Strom die Schweißproduktion an Händen und Füßen reduziert wird. Auch Injektionen mit Botulinumtoxin, besser bekannt als Botox, haben sich bei fokaler Hyperhidrose – besonders unter den Achseln – bewährt. Dabei wird die Schweißproduktion durch Blockade der Nervenimpulse lokal reduziert, die Wirkung hält meist mehrere Monate an. Bei generalisierter Hyperhidrose können in Einzelfällen auch systemische Medikamente eingesetzt werden, allerdings ist ihre Anwendung mit Nebenwirkungen verbunden und sollte sorgfältig abgewogen werden. Operative Maßnahmen wie die Durchtrennung von Nervenfasern (Sympathektomie) kommen nur in extremen Fällen infrage.

      Hyperhidrose: Wenn Schwitzen zur Herausforderung wird

      Der Elektrolythaushalt muss stimmen 

      Nicht zu unterschätzen ist auch der Mineralstoff-Verlust durch überhöhtes Schwitzen. Muskelkrämpfe können gelegentlich auftreten, zum Beispiel in der Nacht oder beim Sport. Bei akuten Krämpfen schafft das Dehnen der verkrampften Muskulatur in der Regel Abhilfe. Allerdings ist das nur Symptombehandlung – wer immer wieder von Muskelkrämpfen geplagt wird, muss Ursachenforschung betreiben. Es ist durchaus bekannt, dass der Verlust wichtiger Elektrolyte die Entstehung von Krämpfen begünstigen kann. Insbesondere Magnesium ist hier ein lebenswichtiges Salz. Von Muskeln, über Knochen bis hin zum Nervensystem: Magnesium ist an vielen wichtigen Prozessen des menschlichen Körpers beteiligt. Wir selber können das wertvolle Mineral allerdings nicht selbst produzieren, sondern müssen es über die Nahrung zuführen. Und da wir Läufer nach Longruns oder kräftezehrenden Intervall-Einheiten häufig Schwierigkeiten haben, den Wasserverlust und den damit einhergehenden Nährstoffmangel über den Tag hinweg wieder auszugleichen, sind wir Sportler auch häufig auf Nahrungsergänzungmittel angewiesen. (Text von Robin Siegert)

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