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Man and woman jogging

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Stark am Start

Die letzten vier Wochen bis zum Wettkampf sind die wichtigsten. Hier wird entschieden, ob Sie als persönlicher Gewinner über die Ziellinie gehen. Ein Zuviel an Training, ein Zuwenig an guter Energie, keine ausreichende gedankliche Vorbereitung auf den Lauf können Ihnen im Weg stehen.

Text: Ingalena Schömburg-Heuck

Gedanklich stehe ich schon an der Startlinie und doch liegen noch ein paar Wochen vor mir, bis es endlich losgeht. Auf das Highlight des Jahres bereite ich mich seit vielen Wochen vor, nehme mir Zeit für meine Laufeinheiten, für eine gesunde Ernährung und ausreichend Regeneration. Meine Familie, mein Umfeld: Sie alle wissen, wie wichtig mir das Laufen ist, und unterstützen mich dabei. Sonst läuft sowieso gar nichts. Oder? Wie ist das bei Ihnen? Ein gezieltes Lauftraining bedarf einer ganzheitlichen Vorbereitung, sodass am „Tag X“ alles passt. Sicherlich, der Lauf ist nur der Abschluss einer Zeit, die viel wichtiger ist als der Wettkampf selbst. Wer die Vorbereitung auf einen Lauf in den Vordergrund stellt, kann beim Wettkampf nur gewinnen. Zu viele Läufer schaffen es nicht, einen perfekten Abschluss hinzubekommen, denn die Sorge, zu wenig trainiert zu haben, und das Bemühen, dies dann in den letzten Tagen noch aufzuholen, bremst sie aus. Die Beine fühlen sich müde und lahm an, die Energiespeicher sind leer, und die Zuversicht ist eingeschränkt. Machen Sie Ihren nächsten Lauf zu einem Erfolgslauf. Gewusst wie, rufen Sie völlig neue, unbekannte Dimensionen Ihrer Leistung ab. Unser Vorbereitungsplan für die letzten vier Wochen bis zum Rennen wird Ihnen dabei helfen.

Noch vier Wochen: Equipment-Check!

Die letzten vier Wochen vor dem Rennen haben besonderen Einfluss auf den Erfolg Ihres Rennens. So werden Sie fit am Start stehen. Der Blick in den Schuh- und Kleiderschrank. Welcher Schuh soll der Wettkampfschuh werden? Und: Ist dieser noch funktionstüchtig? Jetzt ist noch die letzte Phase, um sich einen neuen Schuh fürs Rennen zu kaufen oder das vertraute Modell nochmals nachzukaufen. Denn: der Schuh muss unbedingt eingelaufen werden, sonst drohen Blasen oder sogar orthopädische Beschwerden. Zudem können Sie jetzt schon mal überlegen, ob Sie für den anstehenden Lauf die richtige Bekleidung haben. Eine bequeme Laufhose, je nach Wetter Sonnenschutz oder auch Kompressionsbekleidung. Die Bekleidung sollte auch schon mal gewaschen und auf die Passform getestet worden sein. Spontane Messekäufe am Vortag können ungut enden.

Noch drei Wochen: Ernährung im Fokus

Das Laufen ist die reinste Energieverbrennungsmaschine. Einerseits ist das erwünscht, andererseits müssen wir die Speicher wieder auffüllen – mit dem richtigen „Sprit“. Wie ein Rennwagen benötigen wir Eiweiße als Baustoffe, für unsere „Karosserie“, unsere Muskeln, Blut, Immunsystem, alle Strukturen. Wir brauchen Vitamine, Mineralien und sekundäre Pflanzenstoffe für den Stoffwechsel, für den Erhalt unserer Leistungsfähigkeit, für sportliche, geistige Arbeit, für die „Elektrik“ also. Fette sind nötig, um Vitamine zu lösen, Energie zu spenden und den Körper zu schützen. Und die Kohlenhydrate liefern den Treibstoff für die unmittelbare Leistung. Nur ein Gleichgewicht aus allen Nährstoffen ermöglicht einen reibungslosen Ablauf ohne Stocken. Ein Mangel an einzelnen Nährstoffen gleicht einem ständigen Fahren mit Handbremse.

Je länger das Rennen, desto wichtiger die richtige Ernährungsstrategie. Sowohl vorher als auch während des Wettkampfes sollten Sie genau wissen, was Sie zu welchem Zeitpunkt essen. Überprüfen Sie vor Ihrem letzten langen Lauf oder Probewettkampf, in der Regel also drei Wochen vor dem Hauptlauf, Ihre Ernährungsstrategie. Am Vorabend Pasta mit Fisch, am Morgen, drei Stunden vor dem Start, Sportlerbrei in Wasser gekocht mit Honig, eine Stunde vor dem Lauf eine Banane oder Riegel und dann während des Laufs Power-Gels. Testen Sie es im Vorfeld genau so aus, wie Sie es am Wettkampftag vorhaben. Besonders die Wettkampfverpflegung sollte genau getaktet und getestet sein, denn der Magen-Darm-Trakt reagiert unter hoher Belastung sensibel.

Noch zwei Wochen: Regeneration

Jetzt Tapering und Lockern. Die letzten zwei Wochen vor dem Rennen stehen ganz im Fokus der Regeneration. Jetzt kann man nur noch zu viel laufen, nachholen funktioniert ohnehin nicht. Es ist jetzt wichtig, die Umfänge zu reduzieren, die Beine aufzulockern und ihnen Ruhe zu gönnen. Der letzte, längere Lauf wird spätestens zwei Wochen vor dem Halbmarathon oder Marathon absolviert. In der Woche vor dem Rennen sollten Sie maximal zwei- bis dreimal laufen. Fünf Tage vor dem Rennen eine Einheit mit kürzeren Intervallen zur Aktivierung, am Vortag des Rennens ein kurzer Auftaktlauf. Für frische, schnelle Beine helfen auch die Faszienrolle oder eine Massage.

Noch eine Woche: Kopf einstellen

Wettkampfmodus. Jetzt heißt es, sich auf das Rennen einzustellen. Was habe ich mir vorgenommen? Habe ich alles vorbereitet? Eine klare Vorgabe für die Renneinteilung hilft dabei, das Rennen nicht zu schnell anzugehen. Beim Marathon und Halbmarathon kann die 51:49 Regelung helfen: Die erste Hälfte des Rennens wird in 51 Prozent der Zielzeit absolviert, die zweite in 49 Prozent. Bei einem Marathon in unter vier Stunden würde das bedeuten, dass die erste Hälfte in 2:02.24 h (5.48 min/km), die zweite in 1:57.36 h (5.34 min/km) gelaufen wird. Am besten den Zeitplan aufschreiben, in der Uhr speichern oder einfach merken. Hauptsache, Sie bleiben Ihrem Plan treu. Oder wollen Sie zu den vielen Läufern gehören, die in der zweiten Streckenhälfte eingesammelt werden und viele Minuten verlieren? Es ist viel motivierender, am Ende andere Läufer zu überholen, als müde und mit Krämpfen ins Ziel zu trotten.