Tag : Laufabenteuer

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Es kommt eben doch auf die Länge an

Von zu vielen gehasst, von zu wenigen geliebt. Der lange langsame Lauf spaltet die Läuferschar. Hier kommt eine Liebeserklärung an den langen Lauf – es kommt eben doch auf die Länge an.

Text: Philipp Jordan

Es ist wahrlich unbefriedigend. Ich buddele mich gerade mit aller Kraft aus einer tiefen Laufkrise. Dieses Jahr lief es einfach nie so richtig gut. Doofe kleine Verletzungen hier, viel zu schmackhaftes Essen da, dazu noch eine Extraportion Faulheit, und schon siehst du dich im Spiegel, rund wie ein Ballon. Das muss sich natürlich schleunigst ändern. Und ich weiß natürlich wie. Die Antwort auf so viele Fragen im Leben ist denkbar einfach: Laufen! Dummerweise bin ich so sehr aus dem Tritt geraten, dass erst einmal nur Baby Steps drin sind – die Steps eines besonders fettleibigen Babys. Ich habe keine Wahl, was ich genau für ein Lauftraining mache, denn momentan sind nur sehr kurze Runden drin.

Das ist traurig, denn nichts ist erfüllender als der gute alte Long Run. Ich vermisse ihn, und ich möchte Ihnen in den folgenden Zeilen nahelegen, warum ausgerechnet dies die Königsdisziplin ist. Ich habe nichts gegen Intervall-Training. Es gehört zum Laufsport, und es mag Leute geben, die es genießen, immer schön nah an der Kotzgrenze zu wandeln. Die mögen es ja eventuell sogar, wenn ihnen die Milchsäure die Muskeln zerfetzt, während die Lungen kurz vor dem Kollaps sind. Aber der Intervall wird nie meine Lieblingstrainingseinheit sein. Dann gibt es noch die sogenannte Hausrunde. Das ist meist die Zehn-Kilometer-Runde, die man mehrfach die Woche läuft. Selbst wenn man diese variiert, läuft man sie fast gänzlich auf Autopilot. Weder ist die Distanz fordernd noch die Strecke unterhaltsam. Und täglich grüßt das Murmeltier in Turnschuhen. That’s it.

Die wahre Königsdisziplin ist eben der lange langsame Lauf, weil er eine sehr elitäre Angelegenheit ist. Dieses Fünf-Kilometer-Gesindel, pah, die können ja gar nicht verstehen, worüber sich der Lauf-Adel hier unterhält. Das Mitspracherecht muss man sich nämlich hart erarbeiten. Den Long Run erkämpft man sich hart. Stück für Stück. Schweißtropfen für Schweißtropfen. Du musst eh wieder nach hause Man muss sich diese Tortur natürlich irgendwie schönreden. Ich spiele immer 80s Action Movie. Während der Rest der Familie noch tief vor sich hin träumt, ist der knallharte Supersoldat Philipp Mc Rambo schon wach und macht sich bereit für die Invasion.

Im Hinterkopf schallt eine typische Hardrock-Nummer aus den 80ern durch meinen Kopf, und die perfekte Actionfilm-Montage beginnt. Wo Arnold sein Messer wetzte und seine Handgranaten am Gürtel befestigte, fülle ich meine Wasserflaschen und verstaue meine Energiegels. Wo Rambo seine Fallen schnitzte und sein Funkgerät überprüfte, stülpe ich mir die Laufhandschuhe über und überprüfe die Batterien meines MP3-Players. Ich bin wie ein Uhrwerk. Jeder Schritt muss sitzen. Nichts darf vergessen werden. Und wenn ich dann mit Trinkrucksack bewaffnet, begleitet von einem gigantischen Blasorchester, raus in die Kälte stapfe, sind wir eigentlich schon in der nächsten Film-Montage. Diese ganze Vorbereitungszeremonie ist doch der halbe Spaß! Ein weiterer Vorteil liegt schon im Namen. Es ist nämlich der lange LANGSAME Lauf.

Man darf es easy angehen lassen. Jeder hat schon mal den Spruch gehört: „Die meisten machen ihre kurzen Läufe zu langsam und ihre langen, langsamen Läufe zu schnell!“ Also piano, Brüder und Schwestern! „Der kennt sich in diesem Gebiet aus wie in seiner eigenen Westentasche!“, sagte mal jemand in dem Buch „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“. Junge, Junge, der muss sich ja verdammt gut hier auskennen, dachte ich damals. So eine Westentasche ist ja sehr übersichtlich. Erst recht, wenn es die eigene ist. Aber seitdem ich laufe, habe ich meine Region verdammt gut kennengelernt. Kein Feldweg, kein Trampelpfad und kein Bordstein, den ich nicht schon gelaufen bin. Ich kenne sogar sämtliche Waldwege, die sich in Wohlgefallen auflösen. Oder auch kleine geteerte Straßen, die sich irgendwann als sehr lange Einfahrt entpuppten, und einen etwas peinlich berührt vor dem Hausbesitzer einen U-Turn laufen ließen. Der Long Run ist zudem das ideale Home-Office. Oder meinetwegen auch Outside-Office. Man hat endlich mal Zeit, ganz in Ruhe über Sachen nachzudenken. In diesem tranceartigen Zustand des langen Laufs denkt es sich gleich doppelt so frei. Ich kenne nicht wenige, die beim langen Lauf ihre besten Ideen hatten. Kein nerviger Ehepartner, der einen daran erinnert, dass man ja schon lange mal dieses eine Regal im Keller aufbauen wollte. Kein TV oder Social Media, die einen ablenken können.

Wenn man Lauffreunde oder Lauffreundinnen hat, wird der Long Run erst zum richtigen Erlebnis. Geteiltes Leid ist ja bekanntlich halbes Leid, und so lässt es sich gemeinsam viel bequemer durch manchen Vorhof der Hölle schreiten. Man kann sich gegenseitig anspornen, schleifen, nerven und, sofern es sich von der Konstellation anbietet, sogar Liebe machen. Es schweißt enorm zusammen, wenn man gemeinsam gelitten hat. Ich habe eingangs gesagt, den Long Run müsse man sich erkämpfen. Lassen sie sich davon bloß nicht einschüchtern. Begreifen sie es als Herausforderung. Ich habe einen kleinen Trick angewandt, um die Distanzen meiner Long Runs effektiv zu verlängern. Der Trick heißt: „Du hast ja doch keine Wahl, denn du musst so oder so wieder nach Hause!“

Der Titel verrät es schon fast. Um meine Distanz schrittweise zu erhöhen, habe ich mir grundsätzlich keine Rundkurse ausgesucht, sondern bin immer ganz stur in eine Richtung gelaufen. Idealerweise entlang einer schnurgeraden Straße. Selbst wenn ich total am Arsch war, habe ich mich gezwungen, 500 Meter oder gar einen ganzen Kilometer dranzuhängen, bevor ich umkehrte. Das bedeutete, dass ich immer jeweils das Doppelte am Ende auf dem Tacho hatte. So kann man sich ganz langsam nach oben hangeln. Das mit Abstand Beste des langen Laufs, wirklich das Aller-Aller- Allerbeste, ist die Zeit danach. Schon auf den letzten Kilometern höre ich Engel meinen Namen singen und Menschenmassen schreien, die mich beglückwünschen.

Wenn ich dann vor der Haustür stehe, der Schweiß alles durchtränkt hat, fühle ich mich, als sei ich von einer Expedition im All zurückgekehrt. Ich begebe mich wieder unter die Sterblichen. Egal was sie an diesem Tag noch machen, niemand kann ihnen diesen Tag noch kaputtmachen. Falsch geparkt? 30-Euro-Ticket? Pfff, mir doch egal, ich bin heute morgen schon 35 Kilometer gelaufen! Die Medaille des langen Laufs ist übrigens der Muskelkater in den Folgetagen. Wer am Dienstagmorgen schwungvoll und ohne Schmerzensschreie aufstehen kann, hat am Wochenende einfach nicht hart genug trainiert. Begrüßen Sie also den Muskelkater mit ausgestreckten Armen, Sie haben ihn sich verdient. Seien Sie ein wenig stolz auf ihn. Bis zum nächsten Long Run.

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Sense Ride 3 – Traillaufen auf die komfortable Art

Du bist Straßenläufer und möchtest auch einmal Traillaufen ausprobieren? Dazu braucht’s nicht viel. Laufklamotten hast du schon, nun kommt es vor allem auf das Schuhwerk an. Mehr Grip und natürlich auch ein guter Halt im Schuh sind wichtig, um das Abenteuer vor der Haustür beginnen zu lassen. Klingt einfach, ist es auch.

Von der Straße sind wir Läufer Dämpfung in der Mittelsohle gewohnt. Nun, darauf musst du auch auf den Off-Road-Laufstrecken nicht verzichten. Ein Schuh wie der Salomon Sense Ride 3 basiert auf den Standards eines Straßenlaufschuhs. Das bedeutet, er bietet entsprechende Dämpfung und Komfort. Der eben angesprochene Grip ist selbstverständlich auch an Bord, Contagrip nennt sich die Sohlen-Antirutsch-Gummimischung. Selbstredend wird die Ausstattung durch ein hochatmungsaktives Mesh-Obermaterial und Geröllschutz an den wichtigen Stellen abgerundet. Farblich könnt ihr euch bei einer Kaufentscheidung ebenfalls austoben.

Den Sense Ride 3 gibt es für Herren in fünf Farbwegen: Schwarz, Blau, Grau-Orange, Weiß (ja, weiß!), Balsam Grün/Gelb

Und für Damen in vier Farben: White, Navy, Meadowbrook (Hellgrün) und Quail (Dunkelrosé)

Und so sieht das schicke „Teil“ aus:

[caption id="attachment_3330" align="alignleft" width="300"] SENSE RIDE 3
Herren-Modell[/caption]

 

 

 

 

 

 

 

[caption id="attachment_3331" align="alignleft" width="300"] SENSE RIDE 3 W Damen-Modell[/caption]

 

 

 

 

 

 

Hard-Facts:

SALOMON
Sense Ride 3
Preis: 129, 95 Euro
Gewicht: 280 g (Männermodell)

Highlights
• Optivibe-Zwischensohle – bringt den Komfort
• Contagrip Vollgummi-Außensohle – sorgt für guten Stand im Gelände
• Quick-Lace – Schnürsystem

Bestellen könnt ihr den Schuh hier:

Herrenschuh

Damenschuh

Viel Spaß beim Laufen!

[caption id="attachment_3332" align="aligncenter" width="1024"] @Salomon[/caption]

 

 

 

 

 

Spartathlon 2017 (344)

Spartathlon: Alter Grieche

In einer unserer aktuellen Leserstory hat sich Dirk Karl nach Griechenland aufgemacht, um nach dem Scheitern vor vier Jahren nun endlich den „Spartathlon“ zu finishen. Ein Bericht über eine erfolgreiche Odyssee.

Text: Dirk Karl

Vor vier Jahren war ich kläglich gescheitert. Nun wollte ich einen neuen Versuch wagen. Durch die Teilnahme am letztjährigen 12-Stunden-Lauf in Barcelona, bei dem ich etwas mehr als 125 Kilometer geschafft hatte, war klar, dass ich die Qualifikation geschafft hatte und es für mich hieß: Spartathlon, ich komme wieder! 246,8 Kilometer von Athen nach Sparta in höchstens 36 Stunden. 3.250 Höhenmeter. Dieses Mal wollte ich im Vorfeld mehr Trainingskilometer und kilometerreiche Wettkämpfe absolvieren. In den letzten vier Monaten vor dem Spartathlon lief ich sechs Marathons und sieben Ultras, dazu auch kurze Strecken, um die Grundschnelligkeit nicht zu verlieren. Mein letzter­ Härtetest: der Pfalz-Trail über 85,6 km, den ich ohne große Mühe laufen konnte.

Ich kam nachts um 3 Uhr in Athen an und hatte Glück, noch einen Bus nach Glyfada zu erwischen, wo die Athleten untergebracht waren und wo sich die Startnummernausgabe befand. Gegen 4:30 kam ich im Hotel an und legte mich in voller Montur auf das Bett, um meinen Zimmergenossen nicht zu wecken. Nach ein paar Stunden spärlichen Schlafes ging ich zum Frühstücksraum, wo es dann ein erstes Kennenlernen und Fachsimpeln gab. Nach dem Mittagessen waren die Dropbags abzugeben. Ich feilte daran bis zum allerletzten Moment und gab zehn Dropbags ab, die ich konsequent in einem Streckenabstand von 20 Kilometern, beginnend mit der Marathondistanz, verteilte. Am nächsten Morgen rollte der Bus um Viertel vor sechs los zum Startpunkt am Fuß der Akropolis. Während der Fahrt wiederholte ich das Mantra, das ich mir im Vorfeld der Veranstaltung mittels autogenem Training ins Unterbewusstsein gehämmert hatte: „Ich werde nicht aufgeben und das Ziel sicher erreichen.“

Ich werde nicht aufgeben“

Um Punkt sieben im Morgengrauen ertönte der Startschuss, und ein riesiger Läuferpulk machte sich auf den langen Weg nach Sparta. Ich kam gut ins Rennen, lief ca. 6 Minuten pro Kilometer, passierte die Marathonmarke nach 3:44 Stunden und nahm dort meinen ersten Dropbag entgegen. Nach circa 70 km begann meine linke Wade empfindlich zu schmerzen und zu verhärten, was mir doch einige Sorgen bereitete. Nach 7:50 Stunden und 81 Kilometern erreichte ich Korinth. Bis hierhin waren neun Kilometer in der Stunde zurückzulegen – wer langsamer war, wurde aus dem Rennen genommen. Aufgrund meiner Wadenprobleme wurde eine kurze Massage notwendig, dann trat ich den Weg in Richtung Nemea, dem nächsten größeren Verpflegungspunkt an. Ich erreichte Nemea bei Kilometer 124 nach 13:07 Stunden. Ich wusste, dass es nach Kilometer 159 hoch zum Sangas-Pass gehen würde, was einen Löwenanteil der Höhenmeter ausmachen würde. Dennoch schien eine Zeit unter 30 Stunden jetzt im Bereich des Möglichen zu liegen. Wie schon vorher versäumte ich es aber, meine flüssigen Energiereserven aufzufüllen, verließ den Checkpoint und stellte bei der nächsten turnusmäßig geplanten Salzzufuhr erschrocken fest, dass ich wohl unterwegs meine Salztabletten verloren hatte.

Erst allmählich und dann in merklich steigendem Maß machte sich das Energiedefizit bemerkbar. Die zunehmend schwierigere und ansteigende Strecke ließ mich in ein Schneckentempo fallen. Ich erreichte den Sangas-Pass nach 18:52 Stunden. Es gab einen Wettereinbruch, aber die Regenjacke hielt, was sie beim Einkauf versprochen hatte, und ich blieb vollkommen trocken. Die Beleuchtung der Wegführung war hervorragend, unterwegs waren immer wieder Streckenposten, die kontrollierten und aufmunternden. Die Bergabpassage gestaltete sich ungleich schwieriger, da durch den Dauerregen alles nur noch wie durch einen milchigen Schleier wahrnehmbar war. Weiter ging es durch die Nacht Richtung Nestani. Den bei Kilometer 195 gelegenen Checkpoint Tegea erreichte ich nach Morgengrauen.

Harte Schlussphase

So sehr ich auch wollte, gegen Ende konnte ich leider nicht mehr beschleunigen und musste schon die kleinsten Aufstiege gehen. Kilometer für Kilometer musste ich meine zeitlichen Ziele nach unten korrigieren. Dennoch stellte sich ca. 20 Kilometer vor dem Ziel eine gewisse innere Zufriedenheit ein. Jetzt galt es nur noch, die Konzentration aufrechtzuerhalten, um nicht kurz vor Schluss noch ins Stolpern zu kommen. Dann war es so weit: Zahlreiche Kinder jubelten einem beim ergreifenden Zieleinlauf zu. Leider nutzte der vor mir befindliche Läufer den Zieleinlauf zu einer frenetischen und schreiwütigen One-Man-Show. Während er auf die Leonidas-Statue kletterte, mussten ich und ein japanischer Läufer wie an der Supermarktkasse stehend auf den Zieleinlauf warten. Im Ultralauf gibt es halt Ultra-Nette und Ultra-…

Dennoch: Erleichterung pur, es geschafft zu haben. Ich bekam Wasser aus der Schale gereicht und einen Lorbeerkranz auf das ungesalbte Haupt. Ich wurde in einen Stuhl gesetzt, drei junge Mädchen wuschen meine Füße. Als ich gehen wollte, versagte beim Aufstehen meine Muskulatur völlig – ich kippte nach vorne und wurde glücklicherweise aufgefangen. Man legte mich erst mal auf eine Pritsche und verpasste mir zwei Infusio­nen. Dann fuhr man mich zum Hotel, wo ich mich aufs Zimmer schleppte.

Als Fazit bleibt, dass es sicher mein längster, stimmungsvollster und intensivster Lauf war, bei dem sich alle Helfer in hinreißender Weise um die Läufer kümmerten. Schön war die Abschlusszeremonie, bei der jeder persönlich nach vorne gerufen wurde und seine Urkunde erhielt. Das internationale Flair mit Menschen aus aller Herren Länder, teilweise in Landestracht, war unvergleichlich. Da ich mit meiner Zeit aber nicht ganz zufrieden bin und auch einige Menschen gerne wiedersehen würde, habe ich noch bis Januar Zeit, mich für nächstes Jahr zu bewerben. Und das Schönste daran: Als Finisher brauche ich diesmal gar keine Qualifikationsleistungen zu erbringen. Schauen wir mal …