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Tapen

Tapen – KLEBEN SIE DEM SCHMERZ EINE

Die selbstklebenden Kinesiotapes sind ein einfaches Mittel gegen Verletzungen oder unspezifische Schmerzen. Wir beleuchten deren Wirkungsweise sowie Anwendungsmöglichkeiten und zeigen, wie man sich ganz einfach selbst tapen kann.  In unterschiedlichen Farben und geometrischen Formen sieht man sie an Beinen, Armen, Rücken oder anderen Körperpartien von Athleten kleben. Viele Profis und manche Hobbyläufer schwören drauf, einige gehen kaum noch ohne sie auf die Strecke. Die Rede ist von Kinesiotapes, den elastischen, selbstklebenden Bändern, die gezielt zum Beispiel an schmerzenden Stellen eingesetzt werden, um Beschwerden zu lindern oder die Heilung zu unterstützen.

Auch prophylaktisch kleben insbesondere Leistungssportler gerne bestimmte „Problemzonen“ ab. Triathlet Franz Löschke, 2019 Dritter bei den Ironman European Championships in Frankfurt, nutzt beispielsweise Tapes regelmäßig, vor allem für seine Schwachstellen, die hintere Oberschenkelmuskulatur und die Waden. „Die Tapes helfen mir, wenn ich zu viel Spannung auf den Muskeln spüre, aber auch bei Verletzungen“, sagt Löschke. Als ein Beispiel nennt der 31-Jährige aus Finsterwalde eine Schambeinentzündung, unter der er 2018 litt. „Da habe ich die Tapes auch viel angewendet“, sagt er.

ERFUNDEN IN DEN 70ER JAHREN

Circa zehn bis 20 Prozent der Starter im Feld, schätzt Löschke, nutzen Tapes. Deren Geschichte reicht in die 1970er Jahre zurück, als der japanische Chiropraktiker Kenzo Kase das Kinesiotaping erfand. Inzwischen wird es als Behandlungsmethode bei Sportverletzungen, aber auch für im Alltag entstehende Beschwerden wie unspezifische Rückenschmerzen vielfach eingesetzt. Bekannte Sportler in verschiedenen Disziplinen machten die Tapes zudem bekannt. Löschke erinnert sich, dass im Triathlon die frühere Top-Athletin Anja Dittmer bei der EM 2005 mit Kinesiotapes für ein gewisses Aufsehen sorgte und viele es sich damals bei ihr abschauten.  Inzwischen sind die elastischen Klebebänder von verschiedenen Anbietern in verschiedenen Varianten erhältlich. „Unterschiede gibt es vor allem beim Kleber“, sagt Löschke. Der Kleber kann zum Beispiel mit darüber entscheiden, wie gut ein Tape auch im Wasser hält oder ob es zu Hautirritationen kommt. Auch die Materialien unterscheiden sich. Verwendet werden etwa Baumwolle oder Kunstseide. „Bei Baumwolle“, sagt der Sportmediziner Dr. Lutz Graumann, „gehen die Tapes eher mal ab, wenn man viel schwitzt. Kunstseide wird im professionellen Bereich eingesetzt. Es ist wasserabweisend und verfügt über eine höhere und gleichmäßigere Elastizität und schränkt dadurch die Bewegungsfreiheit noch weniger ein.“

EINWIRKUNG AUF DIE SCHMERZREZEPTOREN

Graumann setzt als Arzt in seiner Praxis seit vielen Jahren auf das Kinesiotaping als eine Behandlungsmethode für verschiedene Beschwerden. Zu den häufigsten Anwendungen bei Sportlern zählt er Wadenzerrungen oder Achillessehnenreizungen, bei Läufern werde das Taping recht oft an Wade und Knie eingesetzt. Beim berüchtigten „Runners knee“ stellt Graumann oft fest, dass, „sobald man das Bindegewebe durch das Tape in die andere Richtung zieht, die Leute deutlich beschwerdefreier laufen können“. Darin, dass die Tapes dank ihrer Elastizität bei Gelenkbewegungen leichten Druck oder Zug auf das Gewebe ausüben, liegt das Geheimnis ihrer Wirkung.

Grundsätzlich unterscheidet Graumann zwei Arten von Beschwerden, bei denen das Taping erfolgreich angewendet werden kann.  „Das sind zum einen funktionelle Veränderungen, Schmerzen, die ohne klar erkennbare Ursache auftreten und manchmal chronisch werden. Wir stellen dann vielleicht ein bisschen Überbelastung fest oder eine leichte entzündliche Veränderung. In manchen Fällen etwa könnten Blockierungen in der Wirbelsäule oder Veränderungen am Bindegewebe dahinterstecken. Dann“, führt der Mediziner weiter aus, „werden gerne Tapes angebracht, weil durch den Druck auf der Haut die Informationsleitung ans Gehirn verändert wird. Die Druck- beziehungsweise Schmerzsensoren machen nicht mehr so viel Alarm, und der Schmerz wird gedämpft. Wir verändern dabei also die Schmerzwahrnehmung des Patienten.“

TAPES FÖRDERN „MIKROZIRKULATION“

Eine andere Wirkungsmöglichkeit der Tapes wird bei strukturellen Veränderungen genutzt, wenn also beispielsweise ein Muskel gerissen oder gezerrt ist. In diesem Fall wird mit dem Taping „Schwellungsmanagement“ betrieben. Das heißt, das Tape fördert den Abfluss von Lymphflüssigkeit, die sich im Bereich der verletzten Stelle ansammelt. „Es ist faszinierend zu sehen, wie etwa bei Sprunggelenksverletzungen das Abschwellen beschleunigt werden kann“, so Graumann. Wie dies geschieht, lässt sich etwa folgendermaßen erklären: „Bei einem gut angesetzten Tape entstehen in Ruhestellung kleine Fältchen, Convolutions genannt, das sieht aus wie ein kleines Wellblech. Bei jeder Bewegung kommt es nun zu einer Verschiebung der Gewebsschichten. Dadurch, so nimmt man an, wird der Abfluss der Lymphflüssigkeit verbessert.“

Man spricht hier auch von „Mikrozirkulation“. Insbesondere manche Leistungssportler tapen sich vor dem Wettkampf prophylaktisch bestimmte Bereiche. Dies vermittelt ihnen das Gefühl einer höheren Stabilität an diesen Stellen. Laut Graumann ist dies allerdings mehr eine Sache subjektiver Wahrnehmung. Der Sportmediziner betont, dass die Studienlage zur Wirkung von Tapes dünn ist. Verschiedene Faktoren sieht er dafür als ausschlaggebend an. Die Vergleichbarkeit zwischen den verschiedenen Tape-Produkten sei nicht gegeben, weil diese sich in Material, Klebstoff, Webung und Spannung oftmals sehr unterscheiden. Zudem seien „Sportverletzungen nicht so standardisiert, wie man sich das wünscht. Bei einer Diagnose wie funktioneller Rückenschmerz liegen oft bei verschiedenen Patienten unterschiedliche grundlegende Probleme vor. Und dann müssten die Therapeuten auch noch exakt gleich kleben, damit die Ergebnisse vergleichbar wären“.

TAPEN ODER TAPEN LASSEN?

Wichtig ist beim Tapen aber eine individuelle Anpassung an die Beschwerden des Betroffenen. Hier stellt sich nun die Frage: Tapen oder tapen lassen? Triathlet Franz Löschke hat den „Luxus“, einen guten Freund als Physiotherapeuten zu haben. Und unterwegs sei er diesbezüglich in der Trainingsgruppe von Philipp Seipp durch dessen Frau und Athletin Laura Philipp, die ebenfalls eine physiotherapeutische Ausbildung hat, bestens betreut. Aber grundsätzlich ist es auch gut möglich, sich selbst zu tapen. Die Marke Truetape bietet für ihre vorgeschnittenen Tapes auf ihrer Website Anleitungen für eine breite Palette von Anwendungen, die laut Löschke „idiotensicher“ sind.

Übrigens kann ein solches Selbst-Tapen keine medizinische Behandlung ersetzen. Also, wer über längere Zeit Schmerzen hat, sollte selbstverständlich einen Arzt aufsuchen. Doch das Tapen kann die Heilung unterstützen und beschleunigen.

Anwendungsbeispiele

Die detaillierten Taping-Anleitungen zu diesen wie weiteren Anwendungen finden Sie auf www.truetape.de

KNIE Bei allgemeinen Kniebeschwerden, Patellasehnenreizung oder zur Kniestabilisation

SHIN SPLINTS: Schmerzen auf der Schienbeininnenseite oder das Schienbeinkantensyndrom sind bei Läufern recht weit verbreitet.

ACHILLESSEHNE: Sehr stark beanspruchter Bereich. Anwenden z. B. bei Achillessehnen oder Schleimbeutelentzündung.

SPRUNGGELENK: Sehr oft betroffenes Gelenk. Bei Bänderdehnung, Überlastungsschmerzen oder zur Stabilisierung.

WADE: Bei Wadenzerrung, Muskelverhärtung, Muskelkater.

HAMSTRINGS (Beinbeuger auf der Oberschenkelrückseite: Bei Muskelzerrung, Muskelverhärtung, Muskelkater.

UNTERER RÜCKEN: Bei Beschwerden an der Lendenwirbelsäule, Muskelverspannung. Nicht nur für Sportler.

TIPPS ZUM SELBST-TAPEN

Sich die elastischen Kinesiotapes selbst aufzukleben kann recht einfach sein.. Viel falsch machen können Sie dabei eigentlich nicht. Im „schlimmsten Fall“ kann es zu Hautirritationen kommen, ein Tape sich zu schnell wieder ablösen oder seine Wirkung nicht entfalten. Im Folgenden haben wir einige Hinweise, die Sie grundsätzlich beachten sollten, damit solche Probleme nicht auftreten. • Haut sollte sauber und trocken sein, also vorher auch keine Lotion oder Creme auftragen • Für bessere Haftung bei starker Behaarung die Haare trimmen, aber … • … nicht unmittelbar vorher die Haut rasieren (Gefahr von Mikroverletzungen!) • Tapes 1 Stunde vor Beginn der Aktivität anbringen • Zur Aktivierung des Klebers das Tape mehrmals sorgfältig anreiben • Die Enden des Tapes immer ohne Zug aufbringen • Tapes nicht länger als 7 Tage tragen