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Trail aL 4-21

Sinfonie eines Traillaufs   

Lange To-do-Listen, hunderte E-Mails und ständige Erreichbarkeit. Purer Stress. Dagegen hilft nur eines: Raus in die Natur und ab auf die Trails.

Und ätzend. Nicht nur die Pandemie belastet die Psyche. Wie Trailrunning, also das Laufen auf unbefestigten Wegen in der Natur, mich dabei unterstützt, und zwar ständig, in dieser verrückten Welt klarzukommen, loszulassen, Fuß zu fassen. Konkrete Erklärungen und Übungen für jedermann, die hoffentlich Lust auf das Laufen draußen machen. Und auf Mozart.

Sinfonie? Die hat mit Musik zu tun und nicht mit Laufen

„Sinfonie“ stammt laut Wikipedia von sýmphōnos, griechisch für zusammenklingend, harmonisch, als Bezeichnung für Instrumentalwerke, die seit Jahrhunderten eine dominierende Stellung im Bereich der Orchestermusik hat; ein Werk bestehend aus mehreren Sätzen. Gesteuert wird das Orchester von einem Dirigenten. Mehrere Sätze brauche ich auch, wenn ich meine Füße auf dem Trail über bemoostes Wurzelwerk, totes Geäst oder beigefarbene Steinbrocken dirigiere, dem Takt der lauten Metal-Musik auf meinen Ohren Folge leistend, während sich Regen- und Schweißtropfen in meinem Gesicht vermengen, ich beim tiefen Einatmen die kühle Luft an meiner Nasenscheidewand spüre, den Blick aufrichte und meine Augen aufreiße, um über eine weitläufige Berglandschaft im Bayerischen Voralpenland zu schauen.

In der Gesamtheit der meist recht holprigen Sprungsätze und Trippelschritte entsteht im Zusammenklang mit all den Eindrücken am Ende ein Meisterwerk des Alltags: der Traillauf. Trailrunning ist das Laufen auf unbefestigten Wegen, die mich durch die vielen natürlichen Hindernisse zum Stolpern, Straucheln und aus dem Gleichgewicht bringen können. Holprig klingt das, keinesfalls harmonisch. Am Ende allerdings, sorgt ein solches Trailwerk dann aber doch auch für Harmonie: indem es mich innerlich ausgleicht. Ein Ausgleich des stressigen Alltags, der anders vielleicht nicht aushaltbar wäre. Oder zumindest weniger gut. Wie aber werden wir zu gekonnten Traildirigenten und warum ist das überhaupt nötig?

Bildschirm-Battle

Meistens mag ich meinen Job als Juristin für Arbeitsrecht sehr. Meinem Kopf tut er gut. Und meinem Körper? Um ihn auszuüben, zwingt er mich in ein Büro abseits des Vitamin-D-spendenden Sonnenlichts, auch im Homeoffice, und verlangt ein stundenlanges Sitzen am Schreibtisch. Gefesselt an einen nur Zentimeter vor meinen Augen aufblinkenden Bildschirm kapituliert mein Körper zusehends: Morgens oder bei Terminen ist „Sitzen“, nämlich in durchgestreckter Haltung und mit gehobenem Kopf, noch das zutreffende Verb der Beschreibung. Im Laufe des Arbeitstages schließe ich irgendwann die Bürotür, um den Prozess der Kapitulation meinen Kollegen nicht sichtbar zu machen: Ich sinke immer weiter in eine hängende Haltung, niedergedrückt von der Last des Zugeballertwerdens von E-Mails, Anrufen, Zurufen; meinen Augen folgend näher Richtung Screen, mit meinem Rücken Richtung Bandscheibenvorfall.

Von Sitzen kann keine Rede mehr sein, sondern von Hängen, Versacken, manchmal stützend, immer schädlich jedenfalls. Die Konzentration aufs Schaffen, aufs Funktionieren und aufs Standhalten lässt mich die Körperrufe nach artgerechter Haltung ignorieren. Artgerecht heißt dabei: in bewusster, körpergerechter Bewegung. Und zwar draußen. Psychologin und Extremsportlerin Eva Maria Sperger bringt es auf den Punkt: „Aktuell sind wir drinnen gefangen. Das ständige Ins- Handy-Gucken und das Absorbiertsein von Bildschirmen, das lässt den eigenen Körper vergessen. Teilweise nimmt man gar nicht mehr wahr, wie man eigentlich sitzt und wie man sich fühlt. Das Laufen draußen in der Natur ist das, was uns guttut.“ Wieso das?

Seelen-Sinfonie

Wenn ich nach einem langen Bürotag vorm Bildschirm die enge, steif gebügelte Kanzleikleidung gegen verwaschene, teils zerrissene Trailklamotten tausche, passiert etwas: Als würde der Kleidungswechsel einen Identitätstausch einleiten, legt sich körperlich wie mental ein Schalter um. In Erwartung der Laufbewegung streckt sich die Wirbelsäule von der Fragezeichen- in eine Ausrufezeichenhaltung. Mein Körper hat Bock. Mental switche ich aus dem Anspannungs- in den Entspannungsmodus. Ich bin bereit fürs Draußensein. Eva Maria Sperger läuft ab und zu drinnen auf dem Laufband oder sitzt auf der Fahrradrolle und weiß daher: „Draußen zu sein, das hat einen ganz anderen Erholungseffekt. Mir geht immer richtig das Herz auf, wenn ich von der ebenen, bequemen Straße weggehe, um im Wald zu laufen. Das ist Auftanken für die Seele.“ Geist auf Wanderschaft „Das Auftanken der Seele klappt aber nur dann, wenn wir bewusst loslassen, von den tausend To-dos, den tausenden Angeboten und Millionen von Einflüssen.

Und das Handy liegen lassen“, so Eva weiter. „Wenn wir dem Geist freien Lauf ließen, würde er sich ganz automatisch auf Problemsuche begeben, daran festhalten und festhängen. Damit steigt die Anspannung. Problemorientiertes Denken D ist Stress.“ Also sollten wir dem Geist eben nicht freien Lauf lassen, sondern ihn steuern, während und indem wir uns freien Lauf lassen: Und zwar in der Natur. Eine Sinfonie klingt ja auch erst schön, wenn das Orchester von einem Dirigenten gesteuert wird. Zum Glück sind wir selbst die Dirigenten auf dem Trail und können unseren wandernden Geist ausdribbeln. Die

Wanderschaft beenden, den Lauf beginnen: In drei Schritten

Den Weitblick über ein grünes Feld schweifen lassen, in eine nebelige Waldlichtung oder über die Stadt blicken und mal den Schnee, den Regen, die Sonne auf der Haut erleben. Zum Sonnenauf- oder Untergang laufen gehen. Dem Laub, durch das der Wind fährt, lauschen. Die Sonnenstrahlen beobachten, die durch die Bäume scheinen. Die Sprünge und Schritte auf dem Trail spüren und die kalte Luft an den Nasenflügeln – also bewusstes Wahrnehmen, das sei der Schlüssel dazu und der erste Schritt, einen Traillauf zu einer Sinfonie werden zu lassen, in der verschiedenartige Einzelheiten eindrucksvoll zusammenwirken, Stress vertreiben, Selbstzufriedenheit bringen. Das ist leichter gesagt als getan. Der Weg könnte über Achtsamkeitsübungen gegangen werden. Eva praktiziert das selbst und nennt eine Übung „5-4-3-2-1“.

Die ersten zehn Minuten jedes Laufs fragt sie sich: Welche fünf Dinge höre ich gerade? Welche fünf Dinge rieche ich gerade? Welche fünf Dinge spüre ich im Körper? Welche fünf Eindrücke erreichen meine Augen? Das bewusst gesteuerte Zurückin-den-Moment-Kommen, zur Atmung, zur Bewegung, das sei in jeglicher Hinsicht total heilsam, weil wir so aus dem Grübeln, dem Stress, der Anspannung rauskommen. Das Traillaufen eignet sich hierfür sehr gut, weil wir hier so viele nährende Eindrücke bekommen. Perfekt für eine Auszeit zur Beschäftigung mit sich selbst und zum Zurückkommen in den Körper. All das haben wir schon millionenmal gehört. Achtsamkeitsübungen sind längst im Trend. „Der Clou an der Sache ist aber“, so Eva lachend, „es zu tun. Klar haben wir das alle zwar schon zigmal gehört, aber wie oft machen wir das tatsächlich? Selten, oder?!“

Wenn wir diese Übung einfach immer die ersten zehn Minuten am Anfang und am Ende jedes Laufs machen, wird sich bald eine Routine entwickeln, die uns in der Umsetzung leicht fallen wird. Der nächste Schritt wäre, das bewusst Wahrgenommene zu genießen, uns zu fragen: Was kann ich vom Wahrgenommenen genießen, was ist gerade schön, was gefällt mir hier? Gerade beim Trailrunning können wir durch das Rumhüpfen leicht eine kindliche Freude spüren, oder? Nach Wahrnehmen und Genießen folgt der letzte Schritt, der banal klingt, aber auch selten umgesetzt wird: dankbar sein. „Vielleicht sollten wir uns die Vergänglichkeit bewusst machen – wir werden die Beweglichkeit verlieren im Alter. Wir können uns sehr freuen, dass wir jetzt einen Körper besitzen, der funktioniert. Wie wäre das, das alles nicht mehr zu haben? Dieses Wissen ist eine Möglichkeit, mehr Wertschätzung aufzubringen für die Bewegung, sogar für die Anstrengung und die besonderen Momente draußen.“ Das erzeugt Dankbarkeit.

Komponisten und Dirigenten der Sinfonie auf dem Trail

Der erste Satz der Sinfonie ist schnell, der dritte ist tänzerisch, entweder ein Menuett oder ein Scherzo, und der vierte Satz ist das dynamische Finale – das klingt exakt nach meinem letzten Trailtraining. Wie so oft ist es mit Straucheln verbunden, besonders beim Schnelllaufen, mit Stolpern, auch mal mit einem blutigen Knie und auch mal mit einer Null-Bock-Haltung, wenn es draußen nass und kalt ist. Aber am Ende ist das Gesamtgefühl, körperlich wie psychisch, immer ein besseres als vor dem Lauf; außer vielleicht im Hinblick auf das aufgeschlagene Knie, das noch immer schmerzt. Lasst uns dem kleinen Mozart in uns freien Lauf lassen, und zwar auf den Trails da draußen. Denn letztendlich haben wir es selbst in der Hand, ob wir uns auf einen geilen Traillauf einlassen oder ob wir dem Bildschirm-Battle unterliegen. Komponisten und Dirigenten eines cooleren Alltags können wir alle leicht werden. Muss ja nicht gleich ein Mozart mit seinen 41 Meistersinfonien sein, es reicht ja schon der Drei- Kilometer-Trailrun über den Feldweg nebenan; der kleinere Beethoven in uns mit seinen neun Werken, der täte es auch. Lasst mich gerne hören, wie Euch Eure Sinfonie in Komposition und Dirigentschaft gelungen ist.

Empfehlungen der Expertin: Psychologin Eva Maria Sperger

  1. Wahrnehmen via Übung „5-4-3-2-1“.
  2. Genuss des Wahrgenommenen.
  3. Dankbar sein für den eigenen Körper, geile Trailmomente und die schöne Natur. Umsetzung: Zehn Minuten am Anfang/Ende jedes Traillaufs praktizieren, Routine schaffen.

Und: Handy weg!  

Text: Juliane Ilgert

Alter: 30

Wohnort: München

Beruf: Juristin

& Trailläuferin

 

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Ein Schuh für alle Fälle

Trailschuhe sind dann gefragt, wenn Straßenschuhe an ihre Grenzen stoßen: Im Gelände, wenn die Natur die Bodenbeschaffenheit vorgibt. Eine Frage, die sich dabei besonders Neulinge stellen – was unterscheidet eigentlich einen Trail- von einem Straßenschuh?

Augen und Ohren auf. Trailschuhe sehen nicht nur anders aus, sie klingen sogar anders. Wer mit einem Trailschuh über Asphalt läuft, hört es – klack, klack, klack – die Hartgumminoppen des Profils erklingen, erinnern entfernt an einen Fußballer, der durch die Katakomben zum Spielfeld läuft. Die Geräuschkulisse dauert aber nur so lange, bis man auf natürlichen, nicht menschengemachten Boden trifft. Dann wird es nämlich leise, und man schleicht beinahe über die Trails, die Sohle verbindet sich mit dem Boden, spielt ihre Stärken aus und ist voll in ihrem Element, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Auswahl an guten Trailschuhen ist in den letzten Jahren rasant und qualitativ gewachsen. Viele Hersteller haben eine breite Palette an schnellen, robusten und komfortablen Trailschuhen im Sortiment. Doch wo unterscheiden sich die Modelle? Und besonders wichtig: Wie finde ich den Schuh, der zu mir passt? Zunächst sollte man sich im Klaren darüber sein, wo man die Trails unsicher machen möchte. Es ist schon ein entscheidender Unterscheid, ob ich in flacherem Gelände oder im Gebirge unterwegs bin. Für all diese Untergründe oder auch Distanzen gibt es wichtige Eigenschaften, die Sie bei der Auswahl des Trailschuhs beachten sollten.

Obermaterial

Ganz klar, im Trailschuh sollten Sie sich wohl fühlen und dies am besten schon ab dem ersten Hineinschlüpfen. Ein entscheidender Aspekt ist hierbei das Obermaterial. Natürlich kommen zunächst Materialien zum Einsatz, die man auch von den verwandten Straßen-Modellen kennt. Mit einem atmungsaktiven Mesh, was das Abrollverhalten nicht einschränkt, ist man grundlegend gut ausgestattet, mit nahtlosen und leichten Elemente umso mehr. Viele Hersteller rüsten ihre Modelle für ungemütliches Wetter sowie Winter mit einer Gore-Tex Membran aus. Interessant sind dabei auch markenspezifische Obermaterialien. On setzt zum Beispiel bei seinem Cloudventure Peak auf ein Ripstope-Obermaterial, welches bis zu einem gewissen Grad die Füße trocken hält. Ein Mesh-Innenschuh gibt einen Zuschuss an Komfort und bietet viel Schutz vor störenden Fremdkörpern, welche in den Trailschuh gelangen können. Ähnliche Varianten, bei denen die Schuhzunge komplett in den Upper integriert ist, lassen gar keinen Platz für Fremdkörper. Interessant sind dabei Varianten wie der Salomon XA Enduro, wo der Innenschuh zusätzlich bis über den Knöchel reicht.

Schnürung

In Kombination mit dem Obermaterial bekommt man mit Hilfe der Schnürung die optimale Passform. Neben der klassischen Variante mit Schnürsenkeln, hat sich vor allem das Quiklace System von Salomon bewährt. Mit dem Zip-Verschluss lässt sich der Trailschuh einfach und vor allem schnell an die Füße anpassen, verstaut ist die Schnürung praktisch in der Zungenlasche. Ein vom Prinzip her ähnliches System erobert nach und nach die Laufschuhe: das BOA-System. Modelle von Adidas, Asics oder auch Dynafit sind schon mit dem neuen Trend ausgestattet. Der Vorteil ist so einfach wie genial, denn durch Zudrehen erhält man eine kompakte Passform und mit einem Klick kann man diese wieder lösen. Schnelles Nachjustieren der Schnürung sowie Stolperfallen durch zu lange Schnürsenkel sind damit Geschichte. Falls der Trailschuh keine Möglichkeit bietet, um die Schnürsenkel zu verstauen, dann sollte darauf geachtet werden, dass sie nicht zu lang sind. So bleiben Sie nicht hängen und Sie können sich bei Läufen auf die wichtigen Dinge konzentrieren.

Protektion

Für genügend Schutz im Trailschuh sorgen Protektoren, die im gesamten Trailschuh verarbeitet sind. Diese sind meist klug im Design integriert und fallen einem erst beim detaillierten Betrachten auf. Beginnen wir mit der Zehenkappe an der Spitze des Trailschuhs. Die Zehenkappe bietet viel Schutz auf Trails, da es schnell passieren kann, dass man doch mal hängen bleibt. Dies hat mir schon oft, besonders bei steinigen Trails, schmerzlichen Erfahrungen erspart.. An den Seiten befinden sich verstärkte Elemente, die neben dem Fuß auch das Obermaterial schützen. Gerade wenn das Gelände rauer wird, leidet der Trailschuh dadurch nicht zu sehr. In einigen Modellen befinden sich Trittplatten in der Zwischensohle, welche vor durchdrückenden Steinen schützen, was sich besonders bei minimalistischen Schuhen im Alpinen Gelände mehr als hilfreich erweist. Beim Fresh Foam Hierro stattet New Balance den gesamten Trailschuh für einen Rundumschutz mit einer robusten, gummierten Schicht aus, ohne dabei Einschränkungen im Abrollverhalten in Kauf nehmen zu müssen.

Außensohle

Ein wichtiges Element, was den Trailschuh entscheidet prägt, ist die Außensohle, welche natürlich für genügend Grip auf den Trails sorgt. Variationen gibt es viele: Angefangen bei Sohlen, die einen angenehm über Asphaltpassagen laufen lassen, sogenannte Door-To-Trail Außensohlen, bis hin zu aggressiveren Profilen, die einen sicher durch Schlamm bringen oder im Alpinen Gelände Halt liefern. Besonders hier merkt man die rasche Entwicklung, welche durch die Hersteller vorangetrieben wird, ob in Eigenentwicklung oder in Kooperationen mit Gummiherstellern. Hier stechen vor allem die Außensohlen von Vibram ins Auge. In Kooperation mit Hoka One One, Merrell oder auch New Balance – Vibram Sohlen findet man unter vielen Trailschuhen. Diese haben sich bewährt und liefern auf nassen Untergründen und Felsen einen ausgezeichneten Grip. Auch Modelle von Adidas in Kooperation mit Continental können da mithalten. Jahrelange Entwicklungs-Erfahrung besitzt auch Salomon mit der Contagrip Außensohle. Wenn es dann mal im tiefsten Winter über Eis geht, dann sollte man sich Modelle von Icebug genauer anschauen, denn diese besitzen integrierte Spikes in der Außensohle, damit sind auch Läufe auf eisglatten Oberflächen kein Problem mehr. Allgemein sollte bei der Auswahl der Außensohle nicht übertrieben werden, denn schon oft habe ich eine Träne verdrückt, wenn ein Läufer mit einem Salomon Speedcross über den Asphalt gelaufen ist. Klar bleiben manchmal Asphaltpassagen nicht aus, jedoch ist der ausgezeichnete Grip nach einigen Kilometern in der Stadt wie wegradiert.

Dämpfung

In Sachen Dämpfung gehen die Hersteller verschiedenen Konzepten nach. Der allgemeine Aufbau von Trailschuhen ist etwas flacher als bei den verwanden Modellen für die Straße. Jedoch findet man viele schnelle, direkte oder vollgedämpfte Schuhe für alle Distanzen. In Verbindung mit viel Dämpfung darf der Name Hoka One One nicht fehlen. Diese maximal gedämpften Varianten gewinnen immer mehr an Beliebtheit, besonders auf der Ultra Distanz. Dennoch bleiben sie durch ihre geringe Sprengung sehr dynamisch und vermitteln noch ein Feedback des Untergrunds. In schnellen Trailschuhen, die für Wettkämpfe konzipiert sind, findet sich noch ein gutes Maß an Dämpfung, jedoch sollten diese mit Bedacht ausgewählt werden. Nicht jeder Läufer verfügt über eine Athletik eines Kilian Jornet und kann über die Berge fliegen, dies sollte man bei der Auswahl des Schuhs im Hinterkopf behalten. Energierückgewinnung ist das aktuelle Thema für die Straße und so finden sich diese bewährten Materialen auch immer mehr in den Trailschuhen wieder. Sauconys Everun oder Dynaflyte von Asics lassen einen so die Trails dynamisch meistern.

Aussicht

Was erwartet uns in der Zukunft? Zunächst muss man einen Blick auf die aktuellen Modelle werfen und da kann man glücklicherweise auf ein breites und technisch sehr ausgereiftes Sortiment zurück greifen, was vor einigen Jahren noch nicht der Fall war. Für jeden Läufer ist etwas dabei, ob gemütlich über den beliebten Home Trail laufen oder ballern durch die Berge. Interessant ist es auch zu sehen, wie sich immer mehr Technologien in Trailschuhen wieder finden, zum Beispiel die oben beschriebene BOA-Technik. Ich bin sehr gespannt, in welcher Form sich gestrickte Materialen wie Flyknit von Nike oder Individualisierungsmöglichkeiten in den Trailschuhen wieder finden werden. Wir können also gespannt sein, aber bis dahin genießt die Läufe in der Natur und vor allem erkundet diese im Laufschritt

Text: Jan Lau (Running Culture)

Richtig abgebogen

Wenn man bei Läufern zwischen Straße und Trail unterscheidet, dann ergibt sich die logische Schlussfolgerung, dass alles was sich nicht auf der Straße abspielt, Trailrunning sein muss. Ganz so einfach ist es dann doch nicht, wie uns Blogger Steve Auch erklärt.

Während eine Straße immer den gleichenUntergrund aufweist und sich lediglich in der Steigung unterscheidet, ist das beim Trailrunning ein bisschen vielfältiger. Hier gibt es steile, flache, breite, schmale, technische, alpine, weiche, harte Trails in allen Variationen und Schwierigkeitsgraden. Seine erste Trailrunning-Erfahrung kann man also schon sammeln, wenn man einfach mal auf der gewohnten Laufrunde nach links in den Wald abbiegt und die Herausforderung auf dem wechselnden Untergrund sucht. Für die ersten Laufschritte auf dem Trail benötigt man also nicht unbedingt neue und zusätzliche Ausrüstung, denn um einfach mal für etwas Abwechslung zu sorgen, muss man einfach nur abbiegen. Ist man einmal mit dem Trailrunning-Virus infiziert, dann wird es aber nicht einfach bei „nur“ einer kleinen Runde im heimischen Stadtwald bleiben, denn irgendwann zieht es jeden raus auf die wilden Trails, die sich schmal und schnell durch die Wälder ziehen oder die steil und luftig auf die Berggipfel führen.

Niemand wird als Ultraläufer geboren oder rennt vom ersten Tag an auf messerscharfen Gipfelgraten der Sonne entgegen. Während man Bergauflaufen noch gut in Treppenhäusern oder auf Steppern trainieren kann, lernt man Bergablaufen nur durch Bergablaufen; und das braucht Zeit. Körper und Kopf müssen trainiert werden, denn auch wenn es im Grunde „nur“ Laufen ist, gehört das nötige Training schon dazu. Mit der Begeisterung für das Trailrunning, wachsen auch die Umfänge und letztlich auch das Schuhregal und der Kleiderschrank. Das Wichtigste sind natürlich die Schuhe und hier bietet der Markt eine schier unendliche Auswahl. Im Prinzip kann man mittlerweile für jedes Terrain, abgestimmt auf Wetter und Streckenlänge, einen passenden Schuh kaufen. Für den Anfang ist man mit einem klassischen Allrounder am besten bedient. Werden die Läufe länger, bieten sich gedämpftere Modelle an. Wer oft in den Bergen unterwegs ist, legt großen Wert auf den nötigen Grip der Sohle und die Stabilität des Schuhs im Allgemeinen. Wer viel auf weichem Untergrund unterwegs ist und am liebsten auch noch bei Regen, der benötigt ein entsprechend tiefes und stabiles Profil, das sich ordentlich in den Boden eingräbt.

Die richtige Ausrüstung

Je länger die Läufe werden, desto mehr muss man auf alle Eventualitäten eingestellt sein. Somit führt irgendwann kein Weg an einem Laufrucksack vorbei, um das nötige Equipment auch bequem transportieren zu können. Bei mir ist das Handy bei jedem Lauf dabei, denn Fotos kann man nie genug machen und natürlich ist es sinnvoll, wenn man abseits der frequentierten Wege unterwegs ist, für den Fall der Fälle erreichbar zu sein bzw. jemanden zu erreichen. Je nach Wetterlage kommen noch Wechselklamotten, eine Wind- oder Regenjacke, Mütze und Handschuhe mit rein. Essen und Trinken dürfen natürlich genauso wenig fehlen wie ein kleines Erste Hilfe Set. Wenn man sich in der Gegend nicht auskennt, dann ist eine Karte absolut sinnvoll. Essen und Trinken packt man lieber auch etwas mehr ein, denn man weiß nie, ob die ausgesuchten Berghütten schon geöffnet haben oder ob die Buslinie wirklich noch existiert. Der Notgroschen für das Taxi oder die rettende Cola an der Tankstelle darf auch nicht fehlen. Für die ersten langen Läufe bzw. Läufe in unbekannten Gegenden sollte das Motto in Bezug auf die Ausrüstung immer lauten: Lieber haben, statt brauchen!

Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür, welche Ausrüstung man auf welchen Lauf mitnehmen sollte. Nach nunmehr über sechs Jahren „Trailrunning-Erfahrung“ weiß ich ziemlich genau, was mich auf meinen Läufen erwartet. Ich kann das Wetter sehr gut einschätzen und weiß, auf welchen Wetterbericht ich mich verlassen kann und wie ich die verschiedenen Vorher sagen einschätzen muss. Auch kenne ich meine Gegend so gut, dass ich weiß, wo ich viel Wasser auf einen Lauf mitnehmen muss und wo ich eventuell auch für drei Stunden nichts mitnehmen muss, weil die Bäche genügend Wasser führen. Trailrunning ist keine Raketenwissenschaft und auch keine Materialschlacht. Im Grunde hat jeder das Zeug und die Ausrüstung um schon morgen ein kleines Abenteuer auf den Trails zu starten. Einfach mal abbiegen!

Text: Steve Auch