Darm
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Natürliche Bremse Darm – Wo liegt die Ausdauer-Grenze?

Marathon unter zwei Stunden, pulverisierte 100k-Zeiten und immer längere Ultradistanzen: Sind der Ausdauerleistung keine Grenzen gesetzt? „Doch“, sagt die Forschung, eine natürliche Bremse sitzt im Darm.

Gibt es eine Ausdauer-Grenze?

Eliud Kipchoge hat 2018 in Berlin die bis dato gültige Marathonbestzeit geradezu pulverisiert, und im selben Jahr unterbot Nao Kazamiden beim „Lake Saroma 100K“ den 20 Jahre alten Weltrekord um mehr als vier Minuten! Wie weit kann die Rekordjagd gehen? Zumindest für den Ausdauerbereich scheint die Wissenschaft auf einen Leistungsdeckel gestoßen zu sein – und zwar im Darm!

Welche Bereiche meines Körpers sind für die Ausdauerleistung verantwortlich?

Die Ausdauerleistung setzt sich aus vielen Mosaiksteinen zusammen. Grob lassen sich vier Bereichen unterscheiden:

  • 1. Muskuloskelettale Faktoren (Muskeln, Faszien, Knochen, Gelenke, Sehnen, Bänder)
  • 2. Herz-Kreislauf-System
  • 3. Pulmonalsystem (Lunge, Atmung)
  • 4. Energiestoffwechsel (aerobe, anaerobe Nährstoffverwertung)

Das Herzkreislauf- und Atmungssystem hängen direkt zusammen und keine Muskelzelle könnte Nahrungsenergie ohne Zwischenschaltung des Stoffwechsels nutzen. Dennoch lässt sich zum Beispiel im muskuloskelettalen System zwischen mechanischen und biochemischen Leistungsschranken differenzieren. Dabei sind muskuläre Überlastung (Mikrofaserrisse, Laktatbildung) und Gelenkverschleiß (Arthrose) stark von individuellen Faktoren wie Genetik, Lebensstil oder Lauftechnik abhängig. Physiologen der Duke Universität Durham/North Carolina sind nun auf metabolische, also stoffwechselbedingte Faktoren gestoßen, die womöglich eine Obergrenze für die menschliche Ausdauerleistung setzen. Bewahrheiten sich die Erkenntnisse, werden die Ultras von morgen zwar noch längere Distanzen laufen, sich aber mit neuen Geschwindigkeitsrekorden schwertun.

Wie fungiert der Darm als Ausdauer-Bremse?

Das Limit für den Dauer-Energieverbrauch wird von der begrenzten Nährstoffaufnahmekapazität im Darm vorgegeben. Größere Nährstoffmengen können nicht über Tage und Wochen aus dem Darm ins Blut resorbiert werden. Da helfen auch keine hochkalorischen Gele und Drinks. Wenn die Muskeln schneller Energie verbrauchen als die Verdauung selbst der am schnellsten verdaulichen Kost sie nachliefern kann, ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Jeder weitere verbrauchssteigernde Moment wird unmöglich oder nur mit kompensierenden Einbußen erreichbar, etwa mit einer deutlichen Temporeduktion.

Darm
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Welcher biologische Sinn steht hinter dem Verbrauchslimit?

Die Reduktion seines Energieverbrauchs befähigt den Organismus, länger durchzuhalten. Unseren Urahnen half das über Perioden der Nahrungsknappheit hinweg. Heute ermöglicht es Sportlern beispielsweise einen Coast-to-Coast-Lauf durch die USA zu absolvieren.

Was bedeutet die Darm-Bremse für unsere Rekordsucht?

Kurz gesagt: weiter ja, schneller nein! Seitens der Streckenlängen ist momentan kein Ende des „Immerweiter-Dranges“ abzusehen, wohl aber bezüglich des Tempos, mit dem Ultradistanzen absolviert werden. Der Darm zeigt der Intensität Grenzen auf.

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